Das Joch des Krieges: Roman

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M. Rascher, 1918 - 183 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 149 - Ich schloss die Augen und lauschte: man hörte keine einzige Stimme, nur das Schlürfen der Schritte, das Klopfen der Holzbeine auf der Plattform, — und die Musik spielte ... es ist schwer zu verstehen, was vorging. Ich öffnete die Augen, glaubte ihnen nicht trauen zu dürfen, in grellfarbige Hemden gekleidet, rot und blau, standen die Invaliden da, wie die Bräutigame aus dem Dorfe, — aber ohne Augen, ohne Beine . . . sind dies die Bräutigame unseres heutigen Mütterchens Russland?
Seite 76 - Zusammenstosses mit dem Feind: «Unsere Verluste waren unbedeutend, zwei Tote und fünf Verwundete.» Es wäre interessant zu wissen, für wen dies «unbedeutend» Geltung hat? Für den, der getötet wurde? Interessant, ob er selbst vor Freude darüber strahlt, und ob er, wenn er aus seinem Grabe auferstünde, diesen Verlust für «unbedeutend» erklären oder etwa ein wenig anders darüber denken würde?
Seite 16 - Und wenn ich mir vorstelle, dass ich in den Krieg ginge, inmitten eines freien Feldes stünde und die anderen absichtlich mit Waffen und Kugeln wider mich losgingen, um mich zu töten, das Gewehr auf mich anlegten, sich bemühend, mich zu vernichten, so fängt das Ganze an, mir lächerlich zu erscheinen, einen Hauch von übernatürlicher Dummheit zu bekommen.
Seite 56 - Nach seinen Worten hatte er sich, als er einberufen wurde, fest vorgenommen, keinen Menschen zu töten und als er sich während eines Bajonettangriffes auf die deutschen Gräben stürzte, warf er, um gegen jede Versuchung gefeit zu sein, seine Waffen weg. So weit sehr schön. Als sie aber jenen verhängnisvollen Weg zurückweichen...
Seite 62 - Ich trat näher und musste unwillkürlich über meinen Irrtum lachen, sie waren alle, bis auf den letzten Mann, rothaarig, mit roten Barten und dieses viele Rot wirkte wirklich genau wie Sonnenstrahlen. Als ich sie aber genauer betrachtete, verstummte mein Lachen, die Barte waren rot, aber die Gesichter alt und...
Seite 62 - Schlossplatz sah ich unlängst ein seltsames Schauspiel, das mir auf den ersten Blick recht lächerlich vorkam. Es exerzierten dort etwa fünfundzwanzig Mann und als ich sie aus der Ferne betrachtete, schien es mir, als stünden sie alle im hellen Sonnenlicht. Aber die Sonne schien nicht, was war das Seltsames?
Seite 77 - Dies sollst Du bedenken, gottloser Schriftsteller! Geh zum Teufel, dem Du dienst, mit Deiner weisen Arithmetik und lüge uns nichts von der allgemeinen Glückseligkeit vor, von der Du, wie ich sehe, gar nichts verstehst.
Seite 39 - Genügt es nicht, dass sie Tausende, Hunderttausende töten und dieses Morden als etwas Besonderes hinstellen, müssen sie überdies durch Lärm, Gebrüll und Feuer den Tod noch erschreckender für den Menschen machen, ihn zum Wahnsinn treiben, seine ganze Seele durch ihre schwindelhafte Gaukelei und das Unerwartete zerfetzen?
Seite 38 - Ort, den ich suche, existiert wohl nicht auf der Welt. Und hier, inmitten des allgemeinen Wahnsinns, gibt es keine Möglichkeit, sich zu bewahren, seine Seele vor der ansteckenden Seuche zu retten. Ich wiederhole, dass ich diesen Krieg nicht wollte, ihn mit seinem ganzen «höheren Sinn
Seite 36 - Seele blicken, was ich entschieden nicht vertragen kann und auch nicht will. Meine Seele ist meine Seele, und ich bin ihr alleiniger Herr, der Staat oder die Gesellschaft mögen...

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