Joseph Fouché: Bildnis eines politischen MenschenInsel-Verlag, 1929 - 332 Seiten |
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Beliebte Passagen
Seite 121 - Hat schon jemand den Hymnus des Exils gedichtet, dieser schicksalsschöpferischen Macht, die im Sturz den Menschen erhöht, im harten Zwange der Einsamkeit neu und in anderer Ordnung die erschütterten Kräfte der Seele sammelt?
Seite 96 - ... Revolutionstribunal abgegeben, Danton, Desmoulins, Vergniaud, nur um nicht durch Widerstand die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken - warum nicht Fouche? Stumm, ängstlich, betroffen sitzen sie, die einst so Mutigen und Leidenschaftlichen, auf ihren Bänken. Das gräßliche, nervenzerrüttende, seelenzermalmende Gift der Angst lähmt ihren Willen. Aber dies ist allzeit ein Geheimnis des Giftes, daß es Heilkraft in sich schließt, wenn man es künstlich destilliert und seine verborgenen Kräfte...
Seite 122 - Harte Lehre, aber Lehre und Lernen ist jedes Exil: Dem Weichlichen knetet es den Willen neu zusammen, den Zögernden macht es entschlossen, den Harten noch härter. Immer ist dem wahrhaft Starken das Exil keine Minderung, sondern nur Kräftigung seiner Kraft.
Seite 70 - ... Opfer, einigen ist nur ein Arm oder Bein weggefetzt, andern sind bloß die Gedärme aufgerissen, ein paar sind sogar durch Zufall heil geblieben. Aber während das Blut schon in breitem, rieselndem Quell in die Gräben strömt, werfen sich jetzt auf ein zweites Kommando die Kavalleristen mit Säbeln und Pistolen auf die noch aufgesparten Opfer, hämmern und schießen mitten in die zuckende, stöhnende, schreiende und doch nicht fliehen könnende Menschenherde hinein, bis die letzte röchelnde...
Seite 121 - Zäsuren. Denn nur wer um die Tiefe weiß. kennt das ganze Leben. Erst der Rückschlag gibt dem Menschen seine volle vorstoßende Kraft. Der schöpferische Genius, er vor allem braucht diese zeitweilig erzwungene Einsamkeit, um von der Tiefe der Verzweiflung, von der Ferne des Ausgestoßenseins den Horizont und die Höhe seiner wahren Aufgabe zu ermessen. Die bedeutsamsten Botschaften der Menschheit...
Seite 237 - ... eingefressene Gewohnheit, von allem * Ich habe mich in dieser Studie so gut wie niemals auf die 1824 in Paris erschienenen Memoiren des Herzogs von Otranto bezogen, denn sie sind zweifellos von fremder Hand zusammengestellt, zu wissen, verfolgte mich, und ich unterlag ihr noch mehr in der Langeweile eines durchaus angenehmen, aber eintönigen Exils.« Und den »charme de sa retraite« bildet nach seinem eigenen Geständnis nicht die milde Landschaft der Provence, sondern ein Zettelwerk von Berichten...
Seite 122 - Aber auch in der niedern, in der irdischeren, in der politischen Welt schenkt ein zeitweiliges Außensein dem Staatsmann neue Frische des Blicks, ein besseres Überdenken und Berechnen des politischen Kräftespiels. Nichts Glücklicheres kann darum einer Laufbahn geschehen als ihre zeitweilige Unterbrechung, denn wer die Welt einzig immer nur von oben sieht, aus der Kaiserwolke, von der Höhe des elfenbeinernen Turmes und der Macht, der kennt nur das Lächeln der Unterwürfigen und ihr gefährliches...
Seite 89 - Sage uns doch, wer hat dir die Mission zugeteilt, dem Volke zu verkünden, es gebe keine Gottheit! Welche Vorteile siehst du darin, dem Menschen einzureden, eine blinde Gewalt bestimme sein Geschick, schlage ganz zufällig bald die Tugend und bald das Laster, und daß seine Seele nichts als dünner Atem wäre, der an der Pforte des Grabes erlischt! Unglückseliger Sophist, mit welchem Recht maßt du dir an, der Unschuld das Zepter der Vernunft zu entreißen, um es den Händen des Lasters zu überantworten?...
Seite 121 - ... Leben. Erst der Rückschlag gibt dem Menschen seine volle vorstoßende Kraft. Der schöpferische Genius, er vor allem braucht diese zeitweilig erzwungene Einsamkeit, um von der Tiefe der Verzweiflung, von der Ferne des Ausgestoßenseins den Horizont und die Höhe seiner wahren Aufgabe zu ermessen. Die bedeutsamsten Botschaften der Menschheit, sie sind aus dem Exil gekommen, die Schöpfer der großen Religionen, Moses, Christus, Mohammed, Buddha, alle mußten sie erst eingehen in das Schweigen...
Seite 122 - Überdenken und Berechnen des politischen Kräftespiels. Nichts Glücklicheres kann darum einer Laufbahn geschehen als ihre zeitweilige Unterbrechung, denn wer die Welt einzig immer nur von oben sieht, aus der Kaiserwolke, von der Höhe des elfenbeinernen Turmes und der Macht, der kennt nur das Lächeln der Unterwürfigen und ihr gefährliches Bereitsein: wer immer selbst das Maß in Händen hält, verlernt sein wahres Gewicht. Nichts schwächt den Künstler, den Feldherrn, den Machtmenschen mehr...
