Friedrich Nicolai und der Sturm und Drang: ein Beitrag zur Geschichte der deutschen AufklärungM. Niemeyer, 1921 - 399 Seiten |
Andere Ausgaben - Alle anzeigen
Häufige Begriffe und Wortgruppen
A D Bibl A D Bibliothek Abbt Ablehnung Allg Allgemeinen Deutschen Bibliothek Almanach ästhetischen Ausdruck äußerst Äußerungen beiden Berlin besonders bloß Boie Brief Briefwechsel Buch Bürger colai Dichter Dichtung Dtsch Einfluß einige Empfindung ersten Fragmente freilich Freunde Freundschaft Friedrich Nicolai Fritz Stollberg Gedanken Gegensatz Geist Genie Gerstenberg Geschmack gewiß Göckingk Goethe Goetheschen großen Hamann Hamannschen heißt Herder an Nicolai Herderschen Höpfner itzigen Zustand Jacobi Jahre jungen Justus Möser Klopstock Klotz konnte Kritik Kunst lassen läßt Lavater Lavaterschen Leben Lenz Leser Lessing lich Lichtenberg literarischen Literatur Literaturbrief machen Mann Mendelssohn Menschen Merck Moses Moses Mendelssohn muß Nachlaß Natur Nicolai an Herder persönliche Physiognomik Polemik recht Rezensenten Rezension Roman Roth Satz schen Schreibart schreiben Schriften Sebaldus Nothanker seyn soll später Sprache stark Sturm und Drang Thomas Abbt unsere Urkunde Urteil Verfasser viel Voß wahr Wahrheit weiß wenig Werke Werther Werthers Leiden wieder Wieland wohl wollen Wort
Beliebte Passagen
Seite 36 - Erstlich würde das Volk an jenem weit mehr Geschmack gefunden haben, als es an diesen nicht finden kann ; und zweitens würde jener ganz andere Köpfe unter uns erweckt haben, als man von diesen zu rühmen weiß. Denn ein Genie kann nur von einem Genie entzündet werden und am leichtesten von so einem, das alles bloß der Natur zu danken zu haben scheinet und durch die mühsamen Vollkommenheiten der Kunst nicht abschrecket.
Seite 257 - Ding; läßt sich's nicht mit ihr spielen, wie mit einem Vogel. Ich kenne sie, wie sie durch Leib und Leben geht, und in jeder Ader zuckt und stört, und mit 'm Kopf und der Vernunft kurzweilt.
Seite 242 - Steinbach schon damals, als ich ihn herausgab, mehr Wirkung getan und die vaterländischen Freunde der Kunst früher aufmerksam gemacht; so aber verhüllte ich, durch Hamanns und Herders Beispiel verführt, diese ganz einfachen Gedanken und Betrachtungen in eine Staubwolke von seltsamen Worten und Phrasen, und verfinsterte das Licht das mir aufgegangen war, für mich und andere.
Seite 266 - Wie ich mich nun aber dadurch erleichtert und aufgeklärt fühlte, die Wirklichkeit in Poesie verwandelt zu haben, so verwirrten sich meine Freunde daran, indem sie glaubten, man müsse die Poesie in Wirklichkeit verwandeln, einen solchen Roman nachspielen und sich allenfalls selbst erschießen...
Seite 54 - Die Kritik ist es also ganz allein, die unsern Geschmack läutern, und ihm die Feinheit und die Sicherheit geben kann, durch die er sogleich die Schönheiten und die Fehler eines Werkes einsieht; und ein feiner Geschmack ist nichts anders, als eine Fertigkeit die Kritik jederzeit auf die beste Art anzuwenden.
Seite 78 - Nordische oder Griechische. Inzwischen da freilich die Mythologie in der Hand des Odendichters ein Werkzeug ist, das er nicht wohl entbehren kann, so wünschte ich lieber, daß er die Griechische Mythologie wählte, die wir bei Lesung unserer Meister, der Alten, schon lernen und die uns (welches mir sehr wichtig ist) durch die bildenden Künste täglich wieder vor die Augen gebracht wird.
Seite 272 - Man droht von Frankfurt aus mit mehrerm, unter andern, daß Göthe mich in seinem Doctor Faust wie ich leibte und lebte aufstellen wollte. Auch das wird mich gar nicht aus der Fassung bringen, sondern wenn die Komödie aufgeführt wird, setze ich mich vornan. Ich traue mich, mich neben jedes Bild zu stellen, das man von mir macht, es gleiche mir nun oder nicht.
Seite 288 - Unter Volk verstehe ich nicht Pöbel. Wenn man verlangt, daß jemand eine leserliche Hand schreibe, so ist wohl nicht die Meinung, daß ihn auch der lesen soll, der überall weder lesen noch schreiben kann. Mit der Muse ist's nicht so, wie mit der Tugend. Die Tugend mag stolz sein, nur wenig Edeln zu gefallen. Aber bei dem Dichter ist's Unvermögen oder Mangel an Urteilskraft, wenn er sich nicht auf der Heerstraße halten kann.
Seite 272 - ... macht, auch die später geheiratete Stella beizubehalten, ein Vorschlag, den der charakterlose Mensch annimmt. In dieser Form wurde das Stück auf den deutschen Bühnen ohne Anstoß gegeben, ja in Berlin unaufhörlich gespielt und bewundert. Nur Nicolai hatte einen andern Ausgang erwartet, und zwar den, daß die beiden Weiber den Schurken Fernando, der sie ohne Ursache verlassen, und gewiß nächstens wieder verlassen werde, beide würden verabschiedet haben.
Seite 265 - Ich sehe es ganz ein, daß Sie aus Ihrem Gesichtspunkte mich so beurteilen müssen, und ich ehre Ihre Redlichkeit, mit der Sie mich bestrafen. Beten Sie für mich!
