Der Fremde: RomanPaul Cassirer, 1913 - 384 Seiten |
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Häufige Begriffe und Wortgruppen
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Beliebte Passagen
Seite 122 - LE CRÉPUSCULE DU MATIN La diane chantait dans les cours des casernes, Et le vent du matin soufflait sur les lanternes. C'était l'heure où l'essaim des rêves malfaisants Tord sur leurs oreillers les bruns adolescents ; Où, comme un œil sanglant qui palpite et qui bouge, La lampe sur le jour fait une tache rouge ; Où l'âme, sous le poids du corps revêche et lourd, Imite les combats de la lampe et du jour. Comme...
Seite 69 - ... die Verwandtschaft des Elsasses mit Frankreich und seine Eigenheit. Die Marseillaise war der Schlachtgesang der Freiheit, wie das moderne Frankreich, „die Nation", für Paul das göttliche Werk der Revolution bedeutete: in ihm schuf die menschliche Empörung gegen alles, was Unterdrückung heisst, ein sichtbares Gebilde, das ein erster Sieg und das Fanal der unaufhaltbaren Freiheit ist. So wurde die Marseillaise ihr Hohes Lied: die Geburt eines ungeheuren Herzens, das der Herd einer ewigen...
Seite 70 - Für Paul war die Sache der Freiheit über alles erhaben, weil sie ihm seine eigenste Angelegenheit zu sein schien. Sie war der Protest gegen jede Unterdrückung, und Paul fühlte sich seit Jahren unterdrückt. Er wollte frei sein, um leidenschaftlich zu sein. Schon der Gedanke der Freiheit war eine Leidenschaft. Denn er setzte einen Widerspruch voraus. Der grosse Widerstand aber hiess Deutschland.
Seite 12 - Wunden •blutend, mit zerrissenen Kleidern, von Staub und Schmutz bedeckt, und strahlend im himmlischen Licht, lebend an die Seite der Mutter •Gottes gehoben. Am Tage, als Paul selber zum erstenmal am Kommuniontisch niederkniete, wurde er von seinen schwärmerischen Gefühlen überwältigt, er fühlte so die körperliche Nähe übersinnlicher Mächte, dass er in eine tiefe Ohnmacht fiel.
Seite 84 - Und dann schoss es glühend in ihm auf: er wollte sie zwingen, ihn anders als bisher zu lieben. Das Weib in der Mutter gehörte ihm nicht. Er entdeckte plötzlich...
Seite 15 - Aber der grosse Pan liebte ihn und nahm ihn in seine Hut, weil der Knabe ihm das Beste seiner Seele gab. Paul war bei ihm, wenn der Morgen graute, und der Tau fiel auf ihn von den Aesten der Bäume, von den Sträuchern, durch die er sich seinen Weg bahnte; das Gras nässte seine Füsse, die Kleider funkelten. D...
Seite 45 - Lichtern und von kleinen leuchtenden Flecken ganz übersät, wie ein festlich erleuchteter Garten vor ihnen lag, wurde Paul stolz und vergnügt. Er plauderte, liess sich von seinem Vater erzählen, riss an den Hecken im Vorübergehn ein Blatt, eine Winde ab, — ihm war, als ginge er diesen Weg zum ersten Mal, als wäre er eben erst zum Leben erwacht. Er sah seine Mutter an; sie war schön. Er sagte es ihr. Und wie er mit gewandten und starken Bewegungen an der Seite der schlanken Frau ging, die...
Seite 55 - ... sie sich Bahn und dringt mächtig empor." Als Frau Yvonne ins Zimmer trat, sagte Paul: — Ich will Priester werden, ich will die göttliche Liebe lieben. Ich will ersterben in ihr . . Und er hörte seine Stimme, die in der schimmernden Höhe sang . . . Frau Yvonne blieb stehen und forschte in seinem Gesicht. Dann setzte sie sich zu ihm ans Bett und nahm seine Hand. — Erzähle, was mit dir los ist. — Dann lösche zuerst die Lampe aus, bat er. Er begann damit, dass er den Namen Henriettes...
Seite 75 - Mit 17 oder 18 Jahren lernt man die Liebe kennen. Vielleicht sieht man sie auch nur; es ist dasselbe. Die Trauer, ein Weib vergebens besessen zu haben, und die Trauer, ein Lockendes nicht ergreifen, nicht entzaubern zu können, sie sind Schwestern. Paul ass mit Marry Carell zu Abend. Er hatte sie schon als Unterprimaner geschätzt, weil sie so sehr verrufen war. Ihr Parfüm machte ihn träumen. Und er gefiel ihr, weil er Erfindungsgeist besass und trotzdem jung war. Für ihn war sie ein tropisches...
Seite 63 - Paul wusste nicht, wie es gekommen war, dass er sich von allen, die ihm teuer gewesen waren, losgelöst hatte und keinen Menschen mehr ertragen konnte. Er hasste die Lehrer; er hätte sie töten wollen. Seine Kameraden waren ihm schrecklich, weil sie den beharrlichen Ernst von Zuständen und Veranlagungen verkörperten, der ihm längst verloren gegangen war. Sie waren misstrauisch, oder sie verachteten ihn. Er trotzte ihnen, und sie wurden Feinde. Pauls erste Bewegung war, sich mit Gewalt alles dessen...
