Der Jüngling

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Kurt Wolff, 1913 - 65 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 57 - Mein Jüngling, du, ich liebe dich vor allen, Du bist mein eigen Bild, das mir erscheint! Ich sehe dich in manchen Teufelskrallen; Gewiß, du bist nicht glücklich, hast geweint. Du liebst zu schmerzlich oder harrst vergebens, Dein Vater, deine Wirtin macht dir Qual, Du zuckst in der Verwildrung deines Lebens, Dein Geist wird bürgerlich, dein Kopf wird kahl. Willst du nicht mit mir gehn und mich erhören! Sieh, auf die gleichen Klippen schwimm ich ein. Einst auf Prärien, jetzt in Geisterchören...
Seite 42 - Ich bin von neuem in die Welt geboren, Die meinem Leid und meinen Freuden quillt. Was ich besaß, das hab ich nicht verloren, Nur größer und nur klarer ward mein Bild. Ich sah den Bruder, wenn ich die Erscheinung Des eignen Herzens mich verklären sah; Doch bin ich mehr als Sehnsucht und Beweinung...
Seite 58 - Schon tauml ich über harten Finsternissen Ins schäumende Verrücktsein, in die Gruft. Ein Nerv in meinem Hirn ist aufgerissen, Nun züngelt Beute auf mit Natterbissen — Da tanz ich — und es strömt die alte Luft. Wenn Maskenbälle toller sich betäuben, Kehrt unser Herz zum Urwald wieder um. Doch unsre Seelen, ob sie gleich zerstäuben, Entschweben langsam nach Elysium.
Seite 47 - TRITT aus dem Tor, Erscheinung, namenlose! Kommt, ihr geheimnisvollen frühen Triebe! Kehr wieder, Sonntag! Schlafe mit mir, Rose Am weißen Kleide meiner ersten Liebe! Und wenn ich von euch ritt auf einem Pferde Schwarz in die Dunkelheit des Meers — was war ich! Ein Strahl des Lichts, ein Stück von meiner Erde, Ein Abenteuer, bunt, verbrannt und fahrig. Mein altes Haus, wer deine Ruhe fände ! O sag mir nicht, daß auf den fremden Inseln Jetzt Affen schrein und Papageien winseln — Ich könnte...
Seite 40 - Doch wem die Seele erfüllt ist von der Welt und ihren Genüssen, Dem wird die Macht offenbar: er wird sie verwandeln müssen.
Seite 25 - Die Nacht fällt scherbenlos ins Unbewußte; Erlebnis bröckelt von dir ab wie Kruste. Schon schirrt der Tag mit Faß, Laterne, Karren Einäugige Pferde, die auf Futter harren. Geliebte Fraun! Wo mögt ihr heute träumen! In was für Betten dunkel euch verschäumen. Lösch aus, du letzte Kerze, die noch brennt! Mit froher Güte will ich mich umsäumen. Wer treu ist, kehrt zurück aus Zwischenräumen Zu einem gleichen Schicksal, das er kennt. Ihn wird der eitle Schmerz nicht mehr betören Dessen,...
Seite 26 - Welt, du bist mehr als Taumel oder Grüfte, Wird deine Seele stark von dem, was war. Mein Blick begegnet einer Frauenhüfte, Bleibt ruhn und nennt die Ferne wunderbar. Ich bin bei euch! Und weil ich nichts bereue, Strömt mir mein Sein zurück und gibt mich hin. Nicht, daß ich war, nein: daß ich mich zerstreue, Daß ich in jeder Sehnsucht mich erneue, Schuf Freude, Schmerz, Geschick. Und sieh: Ich bin. Du Bett! Du Uhr! Und du, Lokomotive! Ihr seid ja nur, weil ich euch liebgewann.
Seite 21 - Tanze mit dem Knie. Wir umarmen brüllend den und die. Wir fahren in allen Expreßzügen. Wir heulen wie Hunde durch unser Dutzend Seelen. Wir heben die Fackeln zur Henkersnacht. Wir haben alle Philister ans Kreuz gebracht. Wir werden alle Idioten zu Tode quälen.
Seite 23 - Freund, kein Buch mich nannte, Als ich noch jung war, heiß und wild bemüht: Wie war ich dumm! Wie stark! Und wie verfrüht! Ich weiß nicht, ob es gut war mich zu ändern. Doch was ich sah und was ich tat, war gut. Von all dem Schwarm in flatternden Gewändern Bekränz ich deine Stirne, Lebensmut!
Seite 50 - Gluten geküßt, und du tanzt auf dem Fest. Und wie du jäh dich bäumst, sinnloser Rausch dich umfängt, Eilt deines Herzens Takt wilder in dunkelndes Glück...

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