Der Snob: Komödie

Cover
Kurt Wolff, 1920 - 106 Seiten
 

Ausgewählte Seiten

Andere Ausgaben - Alle anzeigen

Häufige Begriffe und Wortgruppen

Beliebte Passagen

Seite 38 - GRAF: Wir glauben nun, in Ihnen den gefunden zu haben, der mit Tüchtigkeit die seltenere Gabe vereinigt, ein Empfinden für die durch Kult errungenen Werte des feineren Geschmacks zu besitzen, das insbesondere da am Platz ist, wo brutale Wahrheit der Zahlen ein bedeutendes Gegengewicht fordert.
Seite 90 - Beide kichern und fallen sich in die Arme. CHRISTIAN: Maske for ever! THEOBALD: Verstehe, oder so ähnlich. Blutsache! Er hüpft zur Ausgangstür, wirft Kußhände. Exit. CHRISTIAN: Hier stand Leben auf der Höhe eines Schauspiels. Ein Ziel ward gekrönt. Zerknirschung des Feindes, Verbeugung vor dem Sieger. Abgang durch die Mitte. Aber es kommt noch bedeutender: Probe aufs Exempel, wie weit wirklich die nähere Umgebung hinsank; und dann soll die Frau, auf die es vor allem ankommt, an diesem feierlichen...
Seite 14 - ... Voraussetzung seiner Mimikry an den Kleinbürgerplüsch, hieß: jedes Ärgernis der Welt stammt aus dem Nichtzusammengehen zweier ein Ding bildenden Faktoren. Für Christian heißen diese Faktoren seine Herkunft einerseits und seine gesellschaftlichen Ambitionen andererseits. Auch er muß sich anpassen, weiß, daß es falsch wäre, durch Hervorzerren der Erzeuger den Abgrund zwischen Herkommen und errungener Stellung offenbar zu erhalten. Es besteht von Anfang an kein Zweifel, welchen der «beiden...
Seite 17 - Verehrter Graf Palen, die Einladung zum 26. d. Monats nehme ich mit ergebenem Dank an." Ergebener Dank? Wollen sehen. „Empfehlungen an die Komtesse." Zu familiär. Teils zu ergeben, teils zu vertraut. Vor allem darf er nicht merken, wie gern ich komme. Das Papier ist falsch. Besser Bogen mit Firmenköpf: Sekretariat der Monambominen. „Sehr verehrter Graf von Palen." Wie das eingeschobene „von
Seite 18 - von« distanziert! Die Sache muß als erste schriftliche Äußerung meiner•seits in diesen Kreis hinein tadellos korrekt und doch bedeutend sein. Wie schreibt er selbst? »Lieber Herr Maske, wollen Sie am 26. mit uns zu Abend essen, en
Seite 17 - ... mir zum hundertsten Mal. SYBIL (bindet die Krawatte um den Hals einer großen Vase) Zuerst einfaches Schlingen des Knotens. Zweitens Unterlegen des einen Endes als Masche. Durchziehen des anderen drittens. CHRISTIAN Steht rechts ein Stück vor. SYBIL Man schneidet's mit der Schere fort. CHRISTIAN Kostet jedes Binden eine Krawatte. SYBIL Und bringt ein: die Anerkennung der Verstehenden. CHRISTIAN Worauf es überall ankommt. SYBIL (tiefer Knicks) Ergebene Dienerin, Herr Generaldirektor. CHRISTIAN...
Seite 40 - Wort. Ich habe nicht das Vergnügen, Ihren Herrn Vater, Ihre Eltern, kurz . . . CHRISTIAN: Tot, alles tot. GRAF : Und mit Genugtuung darf ich sagen, Sie genügen als Repräsentant. Ich sehe Sie ergriffen? CHRISTIAN: Ich bin's, Graf, in dem Augenblick, da ich aussprechen darf, was mein Herz seit der Jugend bewegt, da ich es sagen soll: nie habe ich andere Sehnsucht gehabt, als zu sein wie jene, die auch äußerlich sichtbar in einem Adelsdiplom den Adel der Taten ihrer Ahnen tragen, an ihrer Seite,...
Seite 35 - Schlag auf Schlag. Zweitausendvierhundert Franken kommen von mir aus jährlich zu deinen Einkünften. In drei Wochen seid ihr übersiedelt. Hurtig, Vater, mir brennt's in den Eingeweiden. Der Kampf um die sichtbare Stelle im Leben ist gewaltig, der Menschen unzählige. Wo ich einen Fußbreit auslasse, drängt eine Legion den Schritt ein.
Seite 64 - Hand genommen und macht Fechtübungen. Aber da dir die Kulöre deines Temperaments genau bekannt sind, werde nicht blaß vor dir selbst, mach ein Bild, eine saftige Figur aus dir und denk nicht an die Unterschrift, die die Zuschauer geben.
Seite 12 - CHRISTIAN: Die du selbst in entscheidenden Dingen mir aberzogen, mit eisernem Besen aus mir herausgekehrt hast. Heut ist Abrechnung. Kein Fehler in der Addition und im Kalkül! Unsere Beziehungen im Vergangenen sind durch meine wirtschaftliche Gebundenheit in ihrem largen Charakter erklärt. Für die Zukunft hätte ich solche Begründung vor mir selbst nicht mehr. Den nötigen Glauben an die Wirklichkeit meiner neuen Stellung zu haben, muß sich mit ihr alles um mich entsprechend ändern. Entweder...

Bibliografische Informationen