Der Weg zur Katastrophe

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Reiß, 1919 - 297 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 244 - Empfinden appellieren und dieErwartung aussprechen, daß Sie — unter Berücksichtigung der wichtigen, militärischen und politischen Gründe, die für die Übernahme des Kommandos in Tirol gerade durch Ihre Person sprechen — dieses Kommando übernehmen. Ich bin überzeugt, daß Ihre bewährte Kraft und der Klang Ihres in meiner Wehrmacht hochgeschätzten, bei unseren Feinden gefürchteten Namens auf dem Tiroler Kriegsschauplatz ein wesentliches Moment zur Erreichung weiterer Erfolge bilden wird.
Seite 243 - Lieber Feldmarschall Freiherr von Conrad. In Ihrer allgemein bekannten und hochgeschätzten Selbstlosigkeit wollten Sie, lieber Feldmarschall von Conrad, sich jetzt aus der Aktivität zurückziehen. So sehr ich die Gründe, die Sie zu diesem Entschluß führten, würdige, so muß ich doch an Ihr patriotisches Empfinden appellieren und...
Seite 240 - Bh'ck gesenkt. Da begann, als den Meldungen nichts mehr hinzuzufügen war, endlich der Freiherr. „Majestät haben mir heute den Erzherzog Friedrich geschickt — " Jetzt fuhr der Kaiser schnell herum. „Sie sind doch nicht gekränkt?" „Gekränkt bin ich überhaupt nie, Majestät.
Seite 240 - ... militärische Lage war glänzend, so daß kein unmittelbarer Anlaß vorlag, den obersten Leiter zu wechseln. Als Conrad am Abend zum Kaiser ging, hatte er die feste Absicht, die Übernahme des Kommandos in Tirol abzulehnen. Nowak schildert nach der Erzählung meines Gatten diesen Rapport in folgender Art : „Nichts verriet Ungewohntes an den Mienen Karls. Er saß an seinem Schreibtisch. Er las, er unterfertigte. Der Marschall gab Meldung um Meldung. In der täglichen Folge: Hier Abendbericht...
Seite 241 - Tirol.' ,Aber warum denn nicht ? Sie gehen ja so gern in die Berge — ' " Dann redete der Kaiser weiter auf ihn ein, bis es ihm gelang, Conrad umzustimmen. Als mein Gatte von diesem Rapport nach Hause kam, bereute er es schon, daß er nachgegeben hatte. Ja, er war ganz entsetzt über diese unerwünschte Wendung. Vor mir suchte er sich zu rechtfertigen : „Weißt...
Seite 200 - Conrad bestand auf der Realität seiner Macht. Die Öffentlichkeit mochte glauben, was sie wollte; im ungarischen Parlament mochten sie reden, was ihnen beliebte. Die Ungarn redeten gern besonders viel, besonders laut, selten mit Sinn. Aber wenn die deutschen Führer Dinge wollten, deren Ausgang Conrad mißtraute, wenn die deutschen Führer einmal durchaus nicht hören wollten, was er, Conrad von Hötzendorf, widerriet, so waren eben die vitalen Interessen der Monarchie gefährdet. Conrad von Hötzendorf...
Seite 165 - Linsingen gebot zunächst über ein Heer, das aus deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen bestand. Es reichte bis Pinsk hinauf. Er hatte südlich davon noch ein zweites Heer unter seinem Befehl, die Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand, eine der besten und zugleich eine der stärksten, die das Armeeoberkommando überhaupt zu vergeben hatte. In alle Schützengräben fahren konnte der Chef des Generalstabs freilich nicht, um sich von Richtigkeit und Ordnung der Dinge dort zu überzeugen.
Seite 87 - Korps von einem starken Angriff der Russen durchbrochen worden. Von deutschen Truppen, die Freiherr von Conrad zur Unterstützung erbeten hatte, war dort die Lage unter der Führung des Generals von der Marwitz zwar wieder hergestellt worden, aber die Angriffe der Russen hatten sich immer heftiger auch auf den Raum der Armee Böhm-Ermolli ausgedehnt, die hart ins Gedränge kam. Freiherr von Conrad entschloß sich, abermals Truppenaushilfe von Falkenhayn zu erbitten. Er teilte seine Wünsche dem deutschen...
Seite 165 - Augenblick lang so sehr geschwächt sein lassen, daß Gefahr überhaupt entstehen konnte. Pflanzer-Baltin hatte erst die Neujahrsschlacht in der Bukowina siegreich und in keiner Phase auch nur unsicher ausgefochten. Die Zahlen der Armee Pflanzer sollten unverrückt bestehen. Die anschließende deutsche Armee Bothmer war kräftig und zuverlässig. Nicht minder zuverlässig und kräftig war Böhm-Ermollis Nachbarheer. Der General von Linsingen hatte den Oberbefehl über zwei Armeen.

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