Der Gang ins Leben

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E. Diederich, 1926 - 155 Seiten
 

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Häufige Begriffe und Wortgruppen

Beliebte Passagen

Seite 71 - Reinhard ihre kleine silberne Sparbüchse mit all den sauberen Nickeln mitten in den Wald und vergräbt sie unter den Bäumen. Weil Reinhard ihr erzählt hat, es wüchsen Fünfer dazu, er habe es schon ausprobiert. Sorgsam steckt sie Stäbchen an die Stellen, zum Zeichen, und Tag für Tag schleicht sie danach, gräbt mit ihren kleinen Fingern, schaut lange den Boden ab, bis sie eines Tages ängstlich die Brüder zu Rate zieht und an ihrem Gelächter erkennt, daß sie betrogen wurde. „Er hat's aber...
Seite 67 - Zsch, Zsch" aus allen Mündern wird der Brand ge» löscht. So wohnen sie in allen Winkeln und Ecken des Gar» tens, und brennen immer wieder ab. Wie ein Verhäng» nis schwebt „abbrennen" über jeder Wohnung. „Minna, nun denken Sie bloß, wir sind schon wieder abgebrannt!" Anne steht, die Hände klagend von sich gestreckt, mit tieftraurigem Gesicht in der Stube und seufzt schwer. „Spielt nicht immer mit so ernsten Dingen!" sagt Minna ärgerlich. „Die Frau soll euch das verbieten. Ich verstehe...
Seite 71 - ... Augenblicke, wo Mutter stehenbleibt und erstaunt fragt: „Mein Gott, was tut ihr eigentlich, soll das auch ein Spiel sein?" denn wenn nichts mehr ausreicht, um ihrer Phantasie zu genügen, toben sie in unerklärlichen Sprüngen und Bewegungen, sie brüllen, taumeln und torkeln und geben seltsame Haute von sich. Sie können, wenn sie wollen, Tier sein und neben Troll in der Hundehütte ihren Mittagsschlaf halten, sie können Geister, Gespenster und Teufel werden. Uner» schöpflich reich ist...
Seite 68 - Ho, ho, rettet, was zu retten ist. Schlagt zu, wir bauen es wieder auf!" Nein, sie konnten wirklich nicht an Mutters neue Sommerlaube denken. Sie sahen sie ja brennen.
Seite 68 - Sie er» schraken, und der Gedanke an Strafe, an Mutter stieg auf, aber es gab kein Halten mehr, denn schon war ein zweiter auf dem Dach. „Ho, ho, rettet, was zu retten ist. Schlagt zu, wir bauen es wieder auf!
Seite 69 - So, nun ist Nacht!" Dann steigen sie in die Dunkelheit der Höhle, hüllen sich in Tannenzweige als Hagerstatt und spielen andächtig und ernsthaft „Nacht." Sie hören es im Dorfe läuten, lauschen von fern dem Nahen des Zwölfuhrzuges und sehen die Waldarbeiter Mittag machen, aber sie selbst kehren nicht heim. „Ich werde Rrähen schießen gehen," sagt Georg ent
Seite 70 - Wäschepfahl angebunden und sieht ihre Peiniger mit Stürzen und Töpfen klingende Indianertänze tanzen. Und sie wartet, bis der Befreier kommt, der kühn über die Flammen springt und Anne im letzten Augenblick befreit und davonträgt.
Seite 69 - Sie speisen mit Genugtuung das geraubte Pilgeressen oben auf dem sonnigen Felsen, und kommen sorglose Touristen den Waldweg entlang, so rufen sie ihnen aus der Höhe schauerliche Drohungslaute zu, die diese in ihrer Schrecklichkeit nicht erfassen, sondern mit fröh» lichem Hutschwenken und Iuhu beantworten.
Seite 70 - Spiel muß neuer und schauerlicher werden. Man kann nicht immer nur auf einem Felsen Tag und Nacht spielen, Vögel schießen wollen und nicht treffen. Darum ver» wandeln sich an einem Tage die Räuber und Raubritter zu Indianern.
Seite 66 - Eines Tages findet Anne auf den Waldwegen ein Stück abgebrochenen Schlauch. Anne ist immer darauf bedacht, alles, was andern Menschen Abfall ist, auf» zuheben und ihm neuen Sinn und Zweck zu geben.

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