Kindernovelle

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Gebrüder Enoch, 1926 - 109 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 9 - ... lieben mußte, dessen man sich am hellen Tage sicher geschämt hätte. [. . .] Heiner küßte ihre Hände und wußte sich vor Zärtlichkeit nicht zu lassen. Wie ein werbender Kavalier übergoß er sie ganz mit Kosenamen. >Du bist so schön<, sagte er immer wieder, >du bist einfach tausendschön — .< Die Sprache reichte nicht aus, er streichelte sie mit neuen Worten der Zärtlichkeit, die übergroße Verehrung ihm eingab: >Du bist so pussig, so pullig — <, bis Mama sich lachend befreite.
Seite 52 - Jetzt stand ihr Till direkt gegenüber. Er lachte nur, antwortete nicht. Sein Leib bebte, wie der Leib eines jungen Hengstes, der stille steht nach dem Galopp. Seine Brust keuchte, sein herrliches Lachen keuchte mit und war atemlos, wie es ein Läufer lacht, der als Erster am Ziel ist. Die rote Badehose machte seinen Leib noch nackter und ausgezogener, als wäre er völlig unbekleidet gewesen. Sein kindisches und schamloses Lachen über diese eigene Nacktheit war so, daß Christiane versinken zu...
Seite 57 - Von den Problemen reden wir nur, aber wir glauben gar nicht an sie. Wir glauben überhaupt nur noch an das Leben — und an den Tod " Was er aus seiner Vergangenheit erzählte, war ihr fremd und entsetzlich.
Seite 23 - ... Europa. Ihr Gemahl war, als sie ihn kennenlernte, katholischer Priester gewesen. Der Skandal war grauenerregend, mit dem er aus dem Verband der Kirche schied. Seine fürchterliche und verfluchte Aufsässigkeit verängstigte selbst den Papst, den er in einem monströsen Pamphlet bedrohte. — Trotzdem ging er, unergründlicherweise, bis zu seinem Tod im hochgeschlossenen, schwarzen Anzug, und der weiße Rosenkranz kam nicht von seinem Schreibtisch. In seinem Testament fand man die strenge Weisung,...
Seite 6 - Wer nicht bewegt wird, gehört nicht zum ganzen. Die Sonn erreget all's, macht alle Sterne tanzen, Wirst du nicht auch bewegt, so g'hörst du nicht zum ganzen.
Seite 101 - Es gab nicht zweierlei Leben, wie sie gemeint hatte, in der trunkenen Nacht: das ruhende und das bewegte. Es gab nur das Leben, das dem Tode entgegenwuchs.
Seite 90 - Bäckergesellen, als 167 sie jemals in eines Menschen Gesicht gestarrt hatten. Seine Augen hatten sich im Schauen verändert, sie waren härter geworden, von einer blauen, trotzigen und grüblerischen Härte. Er biß auch so fest die Zähne zusammen, daß an seinen Wangen zwei Muskeln hervortraten, die sein Gesicht männlicher machten. Vor Angst bebte sein ganzer Leib, aber er stand vor der Leiche mit einem neuen, strengen Gesicht, das er doch erst viel, viel später würde tragen müssen.
Seite 17 - ... froh», gab der Autor manche Züge von sich selbst. Erika durfte der Leser in dem «tüchtigen und brauchbaren» Mädchen Renate begegnen: «Um ihr finsteres Knabengesicht hing verwildert das dunkle Haar, sie sah wie ein entschlossener, strenger Betteljunge aus». Golo wurde als Fridolin konterfeit: «von den Kindern der einzige, der nicht eigentlich schön war. Sein Gesicht war gnomenhaft, von seidig glattem Haar eine kleine und verzerrte Miene witzig umrahmt, mit hohem Brustkorb und zu breitem...
Seite 49 - Neue Testament» bei einem amerikanischen Modejournal, eine Schrift über Sexualpathologie bei Buddhas Reden, naturwissenschaftliche Werke bei zweifelhaften Pariser Roman-Novitäten, Broschüren über Rußland dazwischen, viel Photographien, kubistische Zeichnungen, Puppen. Die Kinder blätterten aufgeregt in allen Journalen, schrien vor Schreck und Freude über expressionistische Reproduktionen, machten sich kichernd aufmerksam auf komische Titelblätter, ausgefallene Namen. Halb angezogen trat...
Seite 48 - Mama, wo bist du?» schrien die Kinder. Und er dazwischen: «Wo bist du, Mama?» Aber sie war fort und verschwunden, alles Schreien nützte da nichts. «Wir werden schon ohne sie fertig», lachte Till, und sie liefen ins Zimmer zurück. Während die Kinder in seinen Sachen kramten, zog er sich an. Ein solches Durcheinander von Zeitschriften, Broschüren und Büchern hatten sie noch niemals gesehen, bei der «Berliner Illustrierten...

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