Bayrisches Lesebücherl: weissblaue Kulturbilder

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G. Langes, 1924 - 124 Seiten
 

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Seite 37 - Kognak, wieder. 1926 1918, beim Ausbruch der Revolution, war bei uns in Argeisberg der Schmauseder Bürgermeister, heute ist's der Nerlinger. Im Grunde genommen ist das ganz gleichgültig, wer und wann einer bei uns der Gemeindevorstand ist. So ein Amt läuft für den, der es laut Wahl übernommen hat, meistenteils nur so nebenher, und die Tätigkeit bleibt immer dieselbe. Das übliche ministerielle Verordnungsblatt für die Landgemeinden liest man nicht, und die Zuschriften vom Bezirksamt hängt...
Seite 37 - ... Verordnungsblatt für die Landgemeinden liest man nicht, und die Zuschriften vom Bezirksamt hängt man in den Gemeindekasten. 1918 stand unter den Schriftstücken, die da aushingen, der Name Schmauseders, heute steht »Nerlinger Christian, Bürgermeister« darunter. Und daneben prangt der blaue Gemeindestempel. Das ist alles. Hineinschauen in den Gemeindekasten, das tut höchstenfalls einmal ein Fremder. Aber nicht daß man etwa glaubt, bei uns habe man kein Interesse für Politik! Das ist unrichtig....
Seite 39 - Der Spitakel a da Stodt drinn' wieda . . .!" „Macha s' scho wieda amoi a Revalution . . .?" Kurbel: „Und dö Haufa Leid auf da Straßn . . .!" „Gebn koa Ruah, dö damischn Hund, dö damischn . . .!" Kurbel wiederum: „D'Judn wuin s' naushaun und an König mächtn s' wieda . . . Du kimmst direkt net von Fleck drinna, sovui Leid san's.
Seite 38 - Host ös amoi, na hom s' a überoi d' Votzn drinn'.. .» «Ebn ...», murmelten die anderen. «Herrgott, den Lohn von König ...? Wer den jetz kriagt...?» sagte der Rengerlhammer, und man sah ihm an, daß er darüber nachdachte. «Den ...? Den tuats si...
Seite 39 - Bezirksamt die großletterigen 120 n 1923, nach dem Hitlerputsch. Ein Gespräch zwischen dem Kurbel-Christian, der eben aus der Stadt gekommen ist, zwischen dem derzeitigen Bürgermeister Nerlinger, dem Loringer und dem Ring-Silvan vor Nerlingers Haus. Es entwickelt sich folgender Diskurs: Kurbel, bleibt stehen, lächelt: „Der Spitakel a da Stodt drinn' wieda . . .!
Seite 40 - Der Kurbel schüttelt in einem fort nachdenklich den Kopf: „Hm, ma mächt's net glaabn, wos a so a Stodt für an Haufa Leid faßt . . . Hm — hm, direkt aus is's mit a ran soichan Haufa . . .« 1924 ERICH MÜHSAM Die Affenschande „. . . und das, mein Lieber, ist mein letztes Wort", schloß Dr.
Seite 37 - Is aa scho hübsch oit g'wen . . . Hätt"sa so nimma lang g'macht", meinte der Nerlinger in bezug auf den König. Ja — ja ... jetz hobn ma Revalution . . . jetz hobn ma Revalution . . . Revalution, hot er g'sogt", murmelte der Rengerlhammer mechanisch. „Is a so nimma zon Saufa g'wen, dös Saubier . . .", brummte der Loringer und schüttelte nachdenklich seinen Maßkrug. „Mit dö Preiß'n soit er si...
Seite 38 - Mannsbuida g'hörn her», rief der Rengerlhammer. «Dö Streiterei muaß aufhörn! ... Richti neighaut ghörert ... D' Franzosn soit ma zon Teifi haun! ... Da Bismarck hot's oiwai g'sogt», räsonierte der Schmauseder. «Uns konn's ja gleich bleibn ... Mir hobn ja doch nix davo ...», schloß der Loringer. Am anderen Tag kamen vom Bezirksamt die großletterigen Aufrufe der Eisner-Regierung. Wie immer hing sie der Schmauseder, gestempelt und unterschrieben, in den Gemeindekasten ... II.
Seite 39 - Und dö Haufa Leid auf da Straßn ...!» «Gebn koa Ruah, dö damischn Hund, dö damischn ...!» Kurbel wiederum: «D'Judn wuin s' naushaun und an König mächtn s' wieda ... Du kimmst direkt net von Fleck drinna, sovui Leid san's.» Der Loringer stereotyp: «Mit lautern Politisiern und mit lautern Politisiern z'kriagn's si' si' oiwai wieda ...» Kurbel: «Grod ois wia auf da Oktobafestwiesn geht's zua drinna ... A so an Haufa Leid, ha! A so an Haufa ...» Nerlinger: «Ja no! Dös loßt si' denka...
Seite 38 - Mit lautern Politisiern und mit lautern Politisiern hobn si si jetz z'kriagt", sagte der Wirt. „Woaß der Teifi, wos jetz nachha dö nei'n Herrn wieda für Muck'n hobn", warf der Schmauseder hin. „Uns konn's ja gleich bleib'n . . . aba dö Sauwirtschaft derf scho amoi aufhörn!

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