Aus dem Gefängnisleben: Band 1+2

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Der alte Montaigne erzählt: „Ein Mann war zum Tode verurteilt. Hinterdrein ward seine Unschuld durch das Geständnis der wirklichen Verbrecher bewiesen. Aber die Richter versammelten sich und beschlossen, dass die Hinrichtung stattfinden müsse, denn es sei besser, einen unschuldigen Menschen zu opfern als das richterliche Ansehen zu gefährden. Der Mann ward demgemäß aufgeknüpft.“ Lange vor Montaigne und ebenso in den drei Jahrhunderten nach ihm ist das Ansehen der Justiz unzählige Mal auf solche Weise gerettet worden, was der geheimen Inquisition nie große Schwierigkeit machen konnte. Alle Personen aber, nicht bloß jene altfranzösischen Richter, alle die irgendeine Rolle spielen, die sich ohne Respekt nicht gut durchführen lässt, sind gern geneigt, sich einen solchen Schein der Unfehlbarkeit durch eben solche Mittel zu wahren. Wären sie nicht in persönlicher Eitelkeit und persönlichem Dünkel befangen, der sich nicht gern gekränkt sehen mag, so würden sie begreifen, dass sie auf solche Weise die wirkliche Achtung nicht wahren sondern verscherzen und die vertretene Sache, wenn sie eine gute ist, schänden. ...

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Über den Autor (2019)

Theodor Hermann Oelckers war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer.

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