Roulette Khmer - Tanz der langen Stunden einer kambodschanischen Rachegöttin inmitten eines makabren Kammerspiels

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epubli, 03.09.2019
Die Sequenz im Prolog dokumentiert die steinzeitkommunistische Hölle der Roten Khmer in einem Dorflager und wie die kleine Shanra ein böses Erwachen erlebt, nachdem man ihre Eltern wie Schlachtvieh in einen Lastwagen gepfercht hat, um sie in eines der zahlreichen grauenvollen Arbeitslager zu verschleppen. Es ist eine Deportation ohne Wiederkehr. Der erste Teil beschreibt in verschiedenen ineinander verknüpften Episoden die gegenwärtige Lebenssituation der inzwischen erwachsenen Shanra, die als Prostituierte in den Bars von Phnom Penh anschafft sowie die folgenschweren Begegnungen zwischen drei aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammenden westlichen Sextouristen, Halunken, parasitären Menschenrechtlern. Diese äußerst lästigen Ausländer empfinden nicht nur Verachtung und Feindseligkeit gegeneinander, sondern auch gegenüber der einheimischen Bevölkerung, deren Kultur, vor allem gegenüber den Frauen Kambodschas. Der zweite Teil erzählt ausführlich über den beruflichen Werdegang des Ex- UNTAC Blauhelmsoldaten und Brokers Victor, beleuchtet seine dunkle Vergangenheit, schildert anschließend das tragische Ereignis von Shanras ersten Besuch im Tuol Sleng Museum, wo sie eine entsetzliche Entdeckung macht im Zusammenhang mit der früheren Schreckensherrschaft der Khmer Rouge. Außerdem bietet eines der Kapitel vielschichtige, intime Einblicke in ihre Biografie; wie sie sich zum Beispiel mittels intensivem Selbststudium zu einer gebildeten Frau entwickelt hat. Die "blauen Khmer" symbolisieren für Shanra die roten Terrorbrigaden und zugleich die zu Anfang der 1990er Jahre in Kambodscha stationierten Blauhelmsoldaten, die ihre Heimat mit Aids verseuchten. Einer von ihnen war Victor, der eine wesentliche Mitschuld am Tod ihrer Schwester trägt, und der schlussendlich selbst einem teuflischen kambodschanischen Roulette zum Opfer fällt; Shanras gnadenlose Rache, auch auf Geheiß der Seele ihrer verstorbenen Schwester.

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Über den Autor (2019)

Carl Isangard wurde als Sohn einer deutschen Profitänzerin 1957 in Luzern geboren. Er erlernte den Beruf des Kellners, absolvierte in Zürich eine klassische Gesangsausbildung, war jahrelang Fabrikarbeiter und später in einem Großkonzern als Portier angestellt, wo er intensiv mit dem Schreiben begann. Er wanderte nach Thailand aus und versuchte dort zusammen mit seiner damaligen, einheimischen Frau eine Existenz zu gründen. Nach Anbruch der Asienkrise kehrte er allein und völlig abgebrannt wieder in die Schweiz zurück. Seit 1998 ist er vorwiegend als Consulter tätig. Längere Aufenthalte in den USA (er trat in Las Vegas in einem Casino als Sänger auf), Brasilien, Thailand, Hongkong, Kambodscha & Vietnam dienten dem Autor als Inspiration für seine Short Storys, Satiren, Novellen und Romane.

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