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Professor der Heilkunde an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin,
Mitglied der medicinischen Ober-Examinations-Commission, der Hufeland-
schen medicinisch-chirurgischen Gesellschaft, des Vereins für Heilkunde in
Preussen, der medicinischen Gesellschaften zu Kopenhagen, Leipzig, London,
Lyon, Metz, New – York, Philadelphia und Zürich, der Wetterauischen Ge-
sellschaft für die gesammte Naturkunde, der Gesellschaften für Natur- und
Heilkunde zu Berlin, Bonn, Dresden und Erlangen, des Instituts in Albany,
der schwedischen Gesellschaft der Aerzte in Stockholm, und der Accademia
Pontaniana zu Neapel Mitglied und Correspo ----- -----

B E IR HL IN,
Verlag von Theod. Christ. Friedr. Enslin.

1 83 4.

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V or w or t.

Diese Arbeit schliesst sich meinen Versuchen über verwandte Gegenstände an, und es spricht sich auch in ihr der Gedanke aus, dass die grossen Volkskrankheiten Entwickelungszustände sind, in denen der Geist der Menschheit sich nach allen Seiten hin regt. Davon giebt die ganze Weltgeschichte Zeugmiss. Die Stimmung der Gemüther, die Denkweise ganzer Zeitalter war oft die Folge herrschender Krankheiten; denn nichts ist mächtiger, den Menschen entweder zur Ergebung und milden Gesinnung zu stimmen, oder in ihm wilde Leidenschaften zu entzünden, als die Nähe einer unausweichlichen, gemeinsamen Gefahr. Oft haben Begeisterung und Fanatismus, Hass und Rachedurst, welche beengender Todesfurcht entsprangen, die Welt in Feuer und Flammen gesetzt, Hunger und Krankheiten – unter ihnen die Feuerpest des heiligen Antonius – haben an den Zügen nach Jerusalem keinen geringeren Antheil, als die begeisterten Reden des Kreuzpredigers von Amiens; der schwarze Tod erfüllte die VVelt mit Scheiterhaufen, und erweckte die furchtbare Busse der Geisselbrüder; der morgenländische Aussatz gab dem ganzen Mittelalter eine düstere Stimmung. Mit allen diesen Regungen stehen die grossen Begebenheiten in der nächsten Verbindung, und gewiss kam es in den wechselnden Gestaltungen des Menschengeschlechts von jeher mehr auf die Gesinnung, als auf die rohen Kräfte an, welche die Ereignisse herbeiführten.

Hier kann also der Geschichtschreiber, der die geistigen Triebfedern aufsucht, der ärztlichen Forschung nicht entbehren, die Thatsachen selbst überzeugen ihn von dem organischen Zusammenhange des Körperlichen mit dem Geistigen in allen menschlichen Dingen, mithin auch von der innern lebendigen Verbindung aller menschlichen Erkenntniss. Und nun auf dem ärztlichen Standpunkte, welche Fülle von grossartiger Beobachtung bietet die Geschichte der Volkskrankheiten! Die gegenwärtigen Körperleiden sind in ihrer Gesammtheit nur eine Stufe der Entwickelung, nur eine Phase des kranken Lebens in einer grossen Reihenfolge von Erscheinungen, und erhalten mithin nur durch Erkenntniss des Vergangenen, nur durch geschichtliches Forschen ihre volle Bedeutung. Wie will man auch den Ring des Saturn erkennen, so lange man nur den Streifen wahrnimmt? Grosse Krankheiten sind untergegangen, oder haben sich zersplittert; aus Geringfügigem hat sich Bedeu

tendes entwickelt: überall in diesem VVech

sel der Gefahr und Zerstörung offenbaren sich die Wirkungen mächtiger Naturgesetze durch die Lebensstimmungen ganzer Jahrhunderte. Hier ist kein luftiges Reich vergänglicher Vermuthungen, die Thatsachen

reden selbst in tausend Erinnerungen. Man

durchforsche nur mit unbefangenem Ernste die Vergangenheit, man beachte auch nur die wenigen Untersuchungen, welche bis jetzt in der historischen Pathologie gelungen sind – vielleicht erkennt einiges Wohlwollen auch die meinigen an – und es kann nicht fehlen, man wird hier zu einem Kern der VVirklichkeit gelangen, von dem die Heilkunde zu ihrem grossen Nachtheile bisher noch immer fern geblieben ist, während sie

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