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Gedichte

der Lande

Braunschweig und Lüneburg

von

Dr. Wilhelm Havemann.

Dritter Band.

Göttingen,
Verlag der Dieterich íchen Budhandlung,

1857.

Göttingen, Druď der Dieterich'schen Univ.-Buchdruckerei.

(W. Fr. Kästner.)

2711

Vor ivor
V o r w o r t.

Ich habe in Bezug auf den vorliegenden leßten Theil der Geschichte von Braunschweig und Lüneburg nur wenige Bemerkungen vorauszuschiden.

Wer eß weiß, mit welchen Schwierigkeiten Untersuchungen auf dem Gebiete der Specialgeschichte verknüpft find, wie schwer et fadt, die in den verschiedensten Acten zersplitterten Materialien zusammenzulesen, den Verfolg der allgemeinen Entwicelung nicht in der Aufzählung von Particularitäten zu verlieren und wie: derum lekteren die ihnen gebührende Stellung nicht zu verfümmern, endlich das von der staatlichen Gestaltung gewonnene Bild immer nur innerhalb des Rahmen der Geschichte des deutschen Bolts hervortreten zu lassen: der wird, den zahlreichen Mängeln und Schwächen dieser Arbeit gegenüber, mit seiner Nachricht nicht fargen. Es wurde mir, wie ich mich schon früher darüber ausgesprochen, nicht so gut, auf dem Grunde einer brauchbaren allgemeinen Landesgeschichte, oder mit Şülfe auss reichender Werke über Gebiet8theile, Städte und Familien weiter bauen zu können; vielmehr wollten überall neue Grundlagen gewonnen sein.

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Was mich bei dieser Arbeit zur Ausdauer kräftigte, war die Liebe zu meiner Heimath, die Ermunterung von Männern, deren Urtheil mir hoch gilt, das freundliche Entgegenkommen der Herren Archivräthe Schaumann in Hannover und Schmidt in Wolfen: büttel, bei denen ich zu keiner Zeit Rath und Belehrung erfolglos erbat.

Es wird mit Recht dem Tadel unterliegen, daß ich die frühere Geschichte solcher Landschaften, welche sich erst in der jüngeren Zeit als Gebiet8theile des welfischen Hauses zeigen die Herzogthümer Lauenburg und Bremen, so wie die Fürstenthümer Verden, Denabrück und Ditfriesland von meiner Darstellung ausgeschlossen habe. Was mich zunächst dazu bes wog, war der Umstand, daß mir die zugemessene Zeit die strenge Verpflichtung auferlegte, in meinen Nachforschungen in den Archiven nicht über das Gebiet der altwelfischen Besißungen hinauszugehen und somit meine Renntniß von der früheren Geschichte der erstgenannten Provinzen durchschnittlich nur auf gedructen Werken beruht. Außerdem wollte Sorge getragen sein, daß der äußere Umfang meiner Arbeit gewisse Schranken nicht überschreite.

Dagegen glaube ich auf Billigung rechnen zu dürfen, wenn ich die Erzählung mit dem Jahre 1815 schließe. Für die Gee schichte einer nahen Vergangenheit ermangeln wir zu sehr der Veröffentlichung von speciellen Üctenstücken und der ungezwun: genen Mittheilung derer, welche bei der Gestaltung der Vers hältnisse wesentlich thätig waren, als daß der Geschichtschreiber nicht Gefahr laufen sollte, ein Mal fich auf dem beliebten Ges biete von Raisonnements zu ergeben, deren Werth im günstigsten Falle auf der Ehrlichkeit der Gesinnung beruht, und von der andern Seite äußere Verhältnisse loder an einander zu reihen, obne den inneren Zusammenhang derselben genügend zu motiviren.

Wiederholte Studien auf dem Königlichen Archive in Sans nover und der mit großer Liberalität mir verstattete Zutritt zum Landeshauptarchive in Wolfenbüttel baben mich in Stand gefekt, einzelne dunkle Partien der Landesgeschichte aufzuhellen, für schwankende Angaben die Nachweisung zu gewinnen, die Zeichnung bochstehender oder auf die Entwidelung der öffentlichen Berhältnisse besonders einwirkender Persönlichkeiten nach deren Correspondenzen oder dem Urtheile competenter und gleichzeitiger Berichterstatter zu entwerfen und in Bezug auf den Staats: haushalt, auf Bevölkerung und gewerbliche Thätigkeit Uebersichten und Zusammenstellungen zu geben, die Manchem nicht unerwünscht sein werden. Daß andrerseits die Benußung der Archive überall auf gewisse Schranken verwiesen ist, deren Innebalten höhere Rücksichten geboten sein mag, die aber eine ausreichende Auffassung von Ihatsachen und Zuständen und somit die Zurüdführung traditioneller Erzählungen auf den ihnen gebührenden Werth schwer zulassen, darf als belannt vorausgesegt werden. Um so dankbarer mußte ich e6 anerkennen, wenn mir von Män: nern, denen eine wahrheite getreue, durch Parteilichkeit nicht ges schminkte noch entstellte Gesdhichtserzählung am Herzen lag, Mittheilungen zu Theil wurden, die voulommen geeignet waren, vererbte und deshalb bequem gewordene Ansichten und Raisonne: mento in ihrer Unhaltbarkeit bloß zu legen. Dabin rechne ich vor allen Dingen die im December des Jahres 1804 vom Minister von Lenthe in London abgefaßte Actenmäßige Dars stellung meines Verfahrens in der Zeit, wo unser Land mit der nachher wirklich erfolgten französischen Invasion bedroht wurde." Dem Einwurfe, daß diejed Memoire wesentlich eine Bertheir digungsschrift sei und deshalb nur mit Borsicht benußt werden könne, darf man einfach mit der Erwiederung begegnen, daß die

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