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che möglichst zu verbreiten, wurde wiederhohlet. Die neue Be steuerung sollte in Ungern 1790 beginnen. Diese Verände rungen wurden von den Ungern mit Abneigung aufgenommen. Der Adel, welcher durch dieselbe manche seiner alten Vorrechte geschmälert sah, zeigte Mißvergnügen. Auch der Bauernstand, dessen Lage durch jene Maßregeln zunächst verbessert werden follte, verkannte häufig die wohlthätigen Absichten der Res gierung.

Einige Gutsbesißer hatten bisher ihre Vorrechte zur unbegränzten Bedrückung der Unterthanen mißbraucht. Die Bauern begannen eine Widerseßlichkeit zu zeigen, die üble Folgen befürchten ließ, und bald auch wirklich mit sich brachte. Im November 1784 erhoben sich in Siebenbürgen die Wallachen, unter den Häuptlingen Horia und Gloska, gegen den Adel, und befehdeten denselben auf die grausamste Weise. Den zahllosen Gräuelthaten dieser unmenschlichen Horden wurde jedoch schon im Februar 1785 von den kaiserlichen Trupe pen, durch Umzingelung und Angriff derselben, durch Gefangennehmung und Hinrichtung der Rädelsführer, ein Ende gemacht.

In den deutschen und böhmischen Ländern herrschte ebenfalls manche Unzufriedenheit, welche doch weniger aus Widerstreben gegen die anerkannten Verbesserungen, als aus Mißverstand, und Anhänglichkeit an den alten Formen entsprang. Am bedenklichsten war das Benehmen der Belgier. Der Kaiser hatte großen Eifer bewiesen, den Handel dieses Landes, von dem dessen Flor meist abhing, zu heben. Aber diese Wohlthaten wurden vergessen, als die Regierung Klöster einzog, die Brüderschaften aufhob, und einige Mißbräuche einstellte. Die Reform der Universität zu Löwen, und die befohlene Ers richtung des für alle Bisthümer gemeinschaftlichen GeneralSeminariums für die jungen Geistlichen, verbreiteten das Mißvergnügen. Der Clerus, und an dessen Spiße der Erzbischof von Mecheln, Cardinal Frankenberg, erklärten sich gegen diese Veränderungen. Die Studenten zu Löwen erregten schon im

December 1786 einen Tumult, der durch die bewaffnete Macht unterdrückt werden mußte. Der Kaiser ließ sich durch solche Widersetzlichkeiten nicht in seinem Gange beirren. Die Niederlande wurden, nach seinem am 1. Januar 1787 erlassenen Befehle, in Hinsicht der inneren Landesverwaltung, der Gerech tigkeitspflege und der Steuer-Erhebung, den deutsch - östreichischen Erbländern gleich gesetzt, -die obersten Regierungsstellen und Gerichts- Behörden verändert, das Land in Kreise getheilt, das neue Gesetzbuch und die Prozeß - Ordnung eingeführt. Die Stände protestirten, beriefen sich auf die Constitution, und auf die Joyeuse Entrée, jene von dem Herzoge Philipp von Burgund, bey seinem Einzuge in Brüssel, für Brabant und Limburg ertheilte Urkunde über die Freyheiten des Landes und die Befugnisse der Stände, und verweigerten die gewöhnlichen Subsidien. Der Kaiser hob nun einen Theil der neuen Einrichtungen ganz auf, und mehrere andere suspendirte er im Julius. Die Gouverneure: der Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen, und dessen Gemahlinn, die Erzherzoginn Christina, begaben sich, auf Befehl des Kaisers, nebst dreyßig niederländischen Deputirten nach Wien, um die Ausgleichung zu versuchen. Um 21. September gewährte Joseph den Belgiern die Aufhebung der meisten administrativen Neuerungen.

In den den Niederlanden benachbarten Staaten hatte der Geist der Unruhe sich bereits in allen seinen zerstörenden Wirkungen gezeiget. Im Februar 1787 hatte Frankreichs Revolution mit der Versammlung der Notablen begonnen. In Holland suchte die revolutionäre Partey der sogenannten Patrio= ten, den Erbstatthalter, Prinzen von Oranien, zu stürzen. Deffen Gemahlinn, die Schwester des Königs von Preußen, wurde von den rebellischen Scharen gefangen genommen. Der Herzog von Braunschweig drang aber im Herbste 1787 aus Westphalen mit einem preußischen Corps nach Holland vor, beseßte schnell das ganze Land, und der Prinz trat wieder in seine Macht und Rechte ein. Hierdurch war in Holland für

einige Zeit der Aufruhr unterdrückt. Desto zügelloser vers breitete sich derselbe in Frankreich, wo 1789 die Bastille. von den Rebellen erstürmet, die königliche Familie von Versailles gefangen nach Paris gebracht wurde. Von die sen Beyspielen mit schwindelnden Ideen erfüllt, entschlugen sich auch die Niederländer jeder Mäßigung. Alles, was der Kaiser ihnen in Hinsicht der politischen Verfassung eingeräumt hatte, genügte nicht. Sie forderten auch eine vollstän dige Wiederherstellung der geistlichen Einrichtungen, der Klöster, der einzelnen bischöflichen Seminarien, der ausgedehnten geistlichen Gerichtsbarkeit. Hartnäckig wurde Anfangs 1788 die Besuchung des General - Seminariums, und der Universität verweigert. Diese lettere ward nun, durch einen kaiserlichen Befehl, mit Ausnahme der theologischen Facultät, welche noch ferners zu Löwen gelassen wurde, von hier nach Brüssel überseßt. Im May 1788 trafen die General. Gouverneure wieder in dieser Hauptstadt ein, und eine Ame nestie wurde verkündigt. Doch immer kühner entwickelte sich der Geist der Empörung. Im October verweigerten die Stände dem Kaiser die Subsidien, bis nicht ihren Beschwerden abge. holfen seyn würde. Joseph hob daher im Januar 1789 die lehthin bewilligte Amnestie auf. Da die Stände dennoch in ihrer Widerseßlichkeit verharrten, so lösten die Generals Gouverneure im Junius den souverainen Rath von Bra bant auf, und vernichteten das Privilegium der Joyeuse Entrée. Nur Luremburg und Limburg blieben treu und gehorsam. In allen übrigen niederländischen Bezirken und Städten folgte ein Auflauf dem andern, wurden alle möglichen Ausschweifungen gegen Beamte und rechtliche, kaiserlich gesinnte Bürger verübet. Blutige Gefechte hatten Statt. Die von der bewaffneten Macht verfolgten Patrioten flüchteten nach Holland, und durften sich bey Breda zu einem Corps vereinigen. Im Herbste traten Van der Moersch als General, Van der Nott als politischer Agent der Rebellen auf, und hegannen die Feindseligkeiten.

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In den letzten Tagen des Octobers wurden an der Schelde die Forts Lillo und Liefkenshoek von den Rebellen erobert, und General Schröder mit seinem Corps von 1500 Mann, bey Thorhout geschlagen. Mehrere Städte` öffneten freywillig den Aufrührern die Thore. Als der FeldmarschallLieutenant Graf d'Arberg mit 7000 Mann nahte, flohen die Patrioten nach Holland, und d'Arberg stellte sich, dieselben zu beobachten, bey Hoogstraaten auf. Doch ein anderes Rebellen-Corps zog-in Gent ein. Brügge und Courtray erklärten sich für die Aufrührer. D'Arberg kam bey Gent mit seinen Trup pen an, mußte jedoch in der Nacht vom 18. auf den 19. November den Rückzug nach Brüssel antreten. Die Stände von Flandern versammelten sich in Gent, und erklärten sich die Ersten für unabhängig. Die General - Statthalter verließen nunmehr Brüssel. Der bevollmächtigte kaiserliche Minister Graf Trauttmansdorff suchte vergebens, das Volk zu beruhigen. Die Revolution verbreitete sich über ganz Brabant und Flandern. Ostende wurde von seiner Garnison verlassen. Die Empörer griffen zwar Namur erfolglos an, eroberten aber Diest und Tirlemont, und bedrohten Löwen. Am 25. November gewährte der Kaiser nochmahls eine allgemeine Umnestie. Doch weder diese, noch der von dem Feldzeugmeister Grafen dAlton mit Van der Moersch am 2. December auf zehn Tage geschlos= sene Waffenstillstand, vermochten es, das Fortschreiten der Revolution aufzuhalten. Am 8. December brach der Aufstand in Brüssel aus. Am 11ten gewannen die Rebellen über die Besatzung, nach einem hißigen Gefechte, die Oberhand. D'Alton zog mit 5000 Mann in die obere Stadt, und erhielt am 12ten durch Capitulation freyen Abzug.

Die niederländischen Provinzen, mit Ausnahme der getreuen Luxemburg und Limburg, proclamirten am 24. December die Auflösung der kaiserlichen Regierung, und ihre Unabhängigkeit. Die östreichischen Besagungen verließen Antwerpen, Löwen, Mecheln, u. f. w., und zogen nach Lurem

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burg, wo Feldzeugmeister Baron Bender das Commando übernahm. Am 11. Januar 1790 maßten sich die conföderirten Provinzen den Titel: souveraine belgische vereinigte Staaten, an, und übertrugen die Regierung einem Congresse. — In den letzten Tagen seines Lebens noch, both Joseph den Empörern Vergebung.

In jenen Jahren hatte die Pforte bereits mehrfach den durch feyerliche Verträge Destreich und Rußland zugestande nen freyen Handel auf der Donau zu stören gewagt. Die Barbaresken erlaubten sich Beleidigungen der östreichischen Flagge. Die Gränzen Ungerns und Croatiens wurden fortwährend durch räuberische Einfälle verleßet. In Bosnien exhoben sich blutige Händel, welche die Aufstellung eines Cordons nöthig machten. Die ernste Sprache des östreichischen Cabinetts bewog endlich die Pforte zur Nachgiebigkeit, und einigen Beschwerden Oestreichs wurde abgeholfen. Aber das gute Einvernehmen zwischen Russen und Türken konnte nicht mehr hergestellt werden, und die Vermittelung der Gesandten von Destreich und Frankreich in Constantinopel, blieb fruchtlos. Der Kaiser unternahm im Aprill 1787 die Reise nach Cher. son, traf im May zu Kardak mit Katharinen zusammen, und trennte sich erst im Junius wieder von dieser Monarchinn. Am 16. August schickte die, Pforte den russischen Gesandten in die sieben Thürme, weil ihr die geforderte Zurückgabe der Krimm abgeschlagen worden. Am 24. August erklärte sie Rußland den Krieg. Sie ernannte sodann einen neuen Tatar Chan, Schabbas Gherai, und ließ die Feindseligkeis ten beginnen. Kynburn und die dortigen russischen Schiffe wurden von der türkischen Flotte schon am 1. September beschoffen, aber bey diesem und mehreren folgenden Angriffen die Türken mit Verlust zurückgetrieben. Potemkin ging Anfangs October mit seinem Corps über den Kuban, und schlug sich

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