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hertzlicher lieb vndt vnaufprechlicher sorg vndt arbeit ausspracht haben, Darumb sie auch den Eltern nuß Gotlichem beuehl gehorsam schuldig sindt, darzu auch der Eltern ampt Ist, das sie vor die Ihren sorgen, das sie nicht In vnChristliche oder sunst vnbekueme heyrat gerathen, welches die Eltern nicht thun Können, wenn die Kinoer den gehorsam verachten, So gebieten wir ernstlich Zuerhaltung gotlicher gebot, das sich Kein Junger gesell, auch Keine Jungfraw ohne wißen vndt ohne bewilligung Ihrer Eltern, mit Jemandt verloben soll, In betrachtung das beide Personen sehr vnrecht thuen, die Kinder selb, so sich ohne wißen vndt willen Ihrer Eltern vermdern, entwenden Inen Ihren billichen gehorsam, Ehrerbietung vndt gerechtigkeit, die Inen geburct, vndt die andere Person Raubet ein freinbdt Kind, welches alles den Eltern aus vielen wichtigen vrsachen große betrubnus bringet, darumb wir auch alle solche verlobnuß die ohne wissen vndt ohne bewilligung der Eldern gcscheen, als nichtig vndt vncrefftig sprechen, biß zu freundlicher bewilligung der Eltern, oder bieß zu erkenntnuß, der von Vns geordenten Konsistorien, Welche erkennen sollen, ob die Eltern billiche, erhebliche vndt genügsame vrsachen haben zu wiedersprcchen. Dan dieses ist auch Gotes gebot, das Vater vndt Mutter einen vaterlichen vndt Mütterlichen willen haben, der die Kind nicht vrfach zu vnmuglichkeit, oder Zuuorwundung Ihrer gewißen, vndt Verhinderung ahn Gotes ahnruffung dringe, vndt sollen zu solcher erkanntnuß von vrsachen, neben den Consistorien, Christliche gelarte vndt vornunftige pastores oder ?s«ultss ^KeoloKios, gezogen werden, Wir wollen auch darneben die Kinder, so sich hinter wißen vndt willen der Eltern vorlobet, In allen fetten, die Ehe werde

volzogen oder nicht, nach gelegenheit der vmbstende, vndt gestalt Ihres vngehorsams In geburliche vndt ernste straff nehmen laßen.

Von den heimlichen vorlobnus, wo gleich keine Eltern seind.

Wo die Eltern noch Im leben seindt, vndt vorlobnus geschecn ohne Ihr Vorwitzen vndt bewilligung, vndt sonst heimlich feindt, so Inen solchs vorkompt, haben dieselbigen Eltern Ihre einrede von wegen Ihrer veterlichen vndt Winterlichen Authoritet, die In Gotes gebot ausgedruckt Ist, wie zuvor gesaget Ist, Vndt Ist ein andere frag vonn dem heimlichen vorlobnus, ob gleich die Eltern nicht Im leben seindt. Nun ist Gotes Ernstlicher Wille, das der Ehestandt sol ein ordentliche Ewige Ausammenfugung fein, eins einigen Mannes vndt eines Einigen weibes, die Zeugnus haben soll, dieser Ihrer gegenvorPftichtung, das man wiße, das die Personen nicht also zusammen geloffcn seindt, Einander zuuorlaßen Ihres gefallens wieder Gotlich ordenung.

Darumb vorbieten wir Ernstlich alle heimliche vorlobnuß, da aber Personen,vorkommen die mundig seindt, vndt das vorlobnuß bekennen, oder so es bewcißlich, oder durch vmbstend befindtlich Ist, Sol soliches verlobnuß Erefftig gesprochen werden, dan durch diese bekanthnus beweisung oder ander aufzfurung, Ist nhun das verlobnus offenbar; So gcburet auch dem Richter nichts, sie nach Ihrer bekentnus von einander zusprechen; Was aber ander fell vnd Personen belanget, das sol stehen zu erkentnus der Konsistorien, welche neben Christliche Pastoren oder l'KeoloZioä kacultäte sollen Macht haden, derselbigen Personen heimliche vndt vnbekante verlobnuß vor vnkreftig zuerkennen.

Von den beschlaffenen.

Auch gcschicht offt, das die beschlaffenen Midi fürgeben, Ihnen sey die Ehe zugesagt, wo nhun die Eheliche Zusage nicht bekanndt vndt nicht außfundig gemacht wurdt, sollen Christliche Vormahnungen gescheen, das der beklagte sein gewißen nicht mit vnwahrheit wolle beladen, Item das er der Meidt vndt des Kindes Elendt bedencken wolle, vndt was er woll In gleichen fall, vndt' so er endlich darauff beruget, die meidt nicht zu Ehelichen, sol gesprochen werden, das der beclagte sol geben ein genandt gelth laut der Recht, oder nach erKentnuß des Consistorij, Item dem Kindt Alimenta, auch nach erKentnuß, vndt sollen beide Personen von weltlicher Oberkeit, vmb geübter vnzucht willen, mit leiblicher straff vnachleßlich gestrafft werden, vndt sollen hernach die Personen publiosm poeniteotmm thun vndt anders nicht »6 Oommunionem zugelaßen werden, vndt sol hierin Niemandt verschonet werden.

Anmerkungen.

1) Vgl. C. «. l, 272. S. auch Luthers Briefe ,de Wette) I. 494.

2) Henning Göde.

3) Laurentius Schlamaw.

4) O. Augustin Schürpf, der Bruder des Hieronymus. 5> Nach einem Verzeichnis; im Weimarer Hauptarchiv ii.

(1. Illt. WW toi, 394—396.

ö) Schreiben Kurfürst Joh. Friedrichs an Rector und

Doctoren der Universität Wittenberg 6. 6. Torgau Sonntag« (? od. Montags) nach Elisabeth 1544, im Weimarer Hauptarchiv K. 0, 1,it. kol. «59.

7) Schreiben Luthers an den Kurfürsten Joh, Friedrich g. 6, Sonntags nach Antonii 1544 bei de Wette Bd, 5 S, 715 ff. Trotzdem daß dieses Schreiben die Jahrzahl 1544 trägt, glaubt es de Wette in das Jahr 1545 setzen zu müssen. Es mag hier ununtcrsucht bleiben, ob die Gründe de Wette's stichhaltig sind, da sür die Sache selbst nichts daraus ankommt, ob der Vergleich zwischen Luther und den Juristen im Jahre 1544 oder zu Anfang 1545 abgeschlossen wurde. Nur das will ich bemerken, daß bezüglich der ganzen in dieser Angelegenheit erwachsenen Correspondenz eine große Verwirrung im Feststellen der Daten zu herrschen scheint.

8) Nach einem Concept im Weimarer Hauptarchiv K. Kr. S. S8. I. 3 Nr. S mit der Überschrift: Nachuolgende Artikelh sol Doctor Melchior Kling sich verpflichten,,, So tt vnsers gnedigen Herren des Churfürstenn zu Sachsen,! Diener Natt vnnd Lcctor sein welh,

9) Mittwochs »ach Michael 1544 berichten die „Berordenthe Eommissarien deß Consistorij zu Wittenbergs" an v. Brück, es sei zu wünschen, daß die noch nicht publicirtc Conststorialordnung bald endgültig festgestellt werde. Weimarer Hauptarchiv K 0. S. 397 ss I.it. W Nro. 2. Daß diele Feststellung aber auch im Jahr >545 und 1546 nicht erfolgte, ergiebt sich daraus, daß die drei i» den Weimarer Acten be. ftndlichen Eremplare der „Constitution und Artikel' geradeso den Charakter eines Entwurfs tragen, wie der Nack) Buchholtzer besorgte Abdruck bei Richter, (Vgl. z B. bei Richte, Kirchciiordnungen I S. 371 ««I. 1 die Nota und C. 373 Nota). —

10) Es wird einer auf Ehesachen sich beziehenden „Orclinlitio quse s,nno 1545 Oellse tÄet» st eon8ori>,w sst" gedacht in Li'nesti Lotnrnanni lisspons. iuris seu eonsiliolum . . . Vol. I. K«8p. l. ii. I9l tp. 17). Neuerdings cheint diese Ordnung in Vergessenheit gerathen zu sein.

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