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In ähnlicher Weise muss auch bei unserem Kinde der Hergang gewesen sein; es muss ihm durch Auflegen von Betten oder schweren Röcken oder durch seine Lagerung gerade auf das Gesicht in weiche Betten oder durch ähnliche Umstände, die keine bemerkbaren Erscheinungen an der Leiche zurücklassen, das Athmen unmöglich gemacht und sein Tod herbeigeführt worden sein.

Ob dieses absichtlich oder durch Fahrlässigkeit oder durch ganz unverschuldete Zufälle geschehen, können wir auf Grund der Obduction nicht beurtheilen. Wir können nur und müssen unser Gutachten dahin abgeben:

1) dass das vollkommen ausgetragene, lebensfähige, ganz gesunde, mit durchaus gesunden Organen ausgestattete Kind in Folge von Erstickung an Herz- und Gehirnschlag gestorben ist; dass aber Spuren äusserer Gewalt, welche diesen Erstickungstod herbeigeführt haben könnten, die Obduction nicht ergeben hat;

2) dass die Erstickung in inneren Zuständen nicht begründet war, sondern durch irgendwelche äusseren Umstände, z. B. Auflegen von Betten oder Lagerung auf das Gesicht in weiche Betten etc., die keine Merkmale an der Leiche zurückgelassen haben, bewirkt wurde.

Die Staatsanwaltschaft hat die weitere Untersuchung fallen lassen.

7.

lieber die Umwandlung des Hinaus in Stryctuiin.

Von

F. L, Sonnenschein.

Jcjs besteht zwischen den in der Natur vorkommenden Alkaloiden insofern ein näherer Zusammenhang, als die in derselben Pflanzenspecies vorkommenden eine gewisse Uebereinstimmung in der Zusammensetzung zeigen.

Conium maculatum L. enthält Cony drin C8 Hu NO und Coniin C8Hi5N. Letzteres kann aus ersterem durch Wasserentziehung bei der Destillation mit wasserfreier Phosphorsäure erhalten werden, C8H17NO— HsO = C8Hi5N, so dass Conydrin als das Hydrat des Coniin betrachtet werden kann.

Die in Papaver somniferum L. vorkommenden zahlreichen Basen sind zum Theil isomer unter einander, zum Theil gehören sie einer homologen Reihe an.

Die von verschiedenen Cinchona-Arten stammenden Alkaloide bilden zwei isomere Gruppen, von welchen die eine 1 At. Sauerstoff mehr als die andere enthält und so gleichsam ein höheres Oxyd, derselben darstellt.

Peganum Harmala L. enthält 2 Alkaloide; Harmalin CMHMNjO und das Harmin CuHiaNaO. Es enthält demnach ersteres 2H mehr als das andere. Durch Behandeln des in Alkohol gelösten salpetersauren Harmalins mit Chlorwasserstoffsäure wird dasselbe in Harmin umgewandelt, indem 1 At. Sauerstoff aufgenommen und 1 Wasser ausgeschieden wird, Ci3HHN8O-r-O = C13H12NaO-f-HaO.

In verschiedenen Strychnos - Arten kommen 2 Basen vor: Strychnin CaiHaaNaOa und Brucin C23H36NaO4.

Diese beiden bei oberflächlicher Betrachtung sehr weit auseinander stehenden Verbindungen stehen dennoch ausser ihrem Vorkommen in einer und derselben Pflanzenspecies auch ihrer chemischen Zusammensetzung nach in näherem Zusammenhang, wie neuere in meinem Laboratorium über Pflanzenbasen ausgeführte Arbeiten ergeben haben. Hiernach kann nämlich Brucin willkürlich in Strychnin umgewandelt werden. Bei der näheren Betrachtung der diesen beiden Alkaloiden zukommenden Formeln zeigt sich, dass erstere durch Aufnahme von 4 Sauerstoff und Ausscheidung von 2 Wasser und 2 Kohlensäure in die 2te umgewandelt wird:

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CaiHaaNaOa

Diese Umwandlung kann auf folgende Weise*) bewerkstelligt werden:

Brucin wird mit dem 4 — 5 fachen Gewicht verdünnter Salpetersäure in einem Kolben gelinde erwärmt. Hierbei tritt unter gleichzeitiger Rothfärbung der Masse

*) Dieselbe wird auch noch durch passende Einwirkung anderer oxydirender Körper, als Kaliumchromat etc. hervorgebracht.

eine ziemlich starke Gasentwicklung ein. Die Gegenwart der Kohlensäure unter diesen Gasen wird dadurch bewiesen, dass dieselben in einem Gemisch von Chlorbaryum und Ammoniak einen weissen Niederschlag von kohlensaurem Baryt hervorbringen.

Wird die rothe Lösung nach dem Eindicken im Wasserbade mit Kali im Ueberschuss vermischt und mit. Aether ausgeschüttelt, so bleibt nach dem freiwilligen Verdunsten des letzteren eine rothlich gefärbte Masse zurück, die einen rothen Farbstoff, ein gelblich gefärbtes Harz und eine Basis enthält, welche durch Lösen in Säuren und Umkrystallisiren rein erhalten werden kann. Dieselbe besitzt den äusserst bittern Geschmack und die übrigen Eigenschaften des Strychnins, giebt auch die charakteristischen Reactionen mit Kaliumchromat, Ceroxyduloxyd und Schwefelsäure, liefert mit Chlor die schwerlösliche Chlorverbindung und die entsprechenden Salze. Das chlorwasserstoffsaure Salz bildet feine, seidenglänzende Nadeln, welche 9,20 pCt. Chlor enthielten; das chlorwasserstoffsaure Strychnin, C21H22N2O2HCI, verlangt 9,58 pCt.

Die Unwandelbarkeit des Brucins in Strychnin ist nicht nur eine an und für sich höchst interessante Thatsache, sie hat auch ihre Bedeutung für forensische Untersuchungen, indem sie auf's Nene zeigt, dass die Anwendung von oxydirenden Körpern bei Untersuchungen organischer Substanzen nur mit höchster Vorsicht gestattet ist, wofür folgender Vorfall als Beispiel dienen kann.

Im vorigen Semester wurde in meinem Laboratorium einem studirenden Pharmaceuten zur Uebung in toxikologischen Untersuchungen ein Gemisch, welches unter Andern Brucin und Bleinitrat enthielt, gegeben. Derselbe wandte das Stass-Otto''sehe Verfahren zur Abscheidung der Alkaloide an und erhielt statt Brucin Strychnin. Hier war die aus dem Bleinitrat frei gewordene Salpetersäure in Wirksamkeit auf's Brucin getreten und letzteres in Strychnin umgewandelt. Welche Folgen eine solche Umwandlung haben kann, ist leicht einzusehen.

Aber auch nach andern Versuchen findet ein Zusammenhang zwischen den beiden Strychnos-Alkaloiden statt. Wird nämlich Strychnin mit einer starken Base: Kali, Natron, Baryt etc. und Wasser in einer zugeschmolzenen Glasröhre im Wasserbade längere Zeit erhitzt, so bildet sich unter Andern ein dem Brucin in seinen Reactionen ähnlicher Körper, indem die Reactionen auf Strychnin verschwinden.

Auch diese Zersetzung, über welche die Versuche noch fortgesetzt werden, verdient bei forensischen Untersuchungen Beachtung.

Berlin, den 14. März 1875.

IL Oeffentliehes Sanitätswesen.

i.

Gutachten der K. Wissenschaftlichen Deputation für das Medicinalwesen

über

zweckmäßigste Ventilation und Heizung der Schnlziniiner.

(Erster Referent: Virclion.)

Durch Verfügung Sr. Excellenz des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten vom 18. Mai 1872 ist die unterzeichnete Wissenschaftliche Deputation für das Medicinalwesen beauftragt worden,

diejenigen Punkte zu bezeichnen, welche für eine zweckmässige Ventilationseinrichtung in den Schulzimmern als massgebend erachtet werden sollen, damit den Schulaufsichtsbehörden für die zum Schutze der Gesundheit der Schuljugend zu treffenden Massnahmen, event. behufs Vervollständigung des bis jetzt vorhandenen Materials eine geeignete Unterlage an die Hand gegeben werden könne. Die äussere Veranlassung zu diesem Auftrage bot eine wissenschaftlich-technische Controverse, welche sich in Folge eines von dem Regierungs- und Baurath N. zu N. unter dem 8. Januar 1871 erstatteten Gutachtens „über die Ventilationseinrichtung der Schulzimmer" zwischen diesem Beamten und dem Oberlehrer N. zu N. erhoben hatte. Das Provinzial-Schulcollegium hatte den Herrn Minister um eine Prüfung und Entscheidung der streitigen Punkte gebeten und, nachdem auch der Herr Handels-Minister in einer sehr umfangreichen und die Frage der Schulventilation von vielen Seiten behandelnden Denkschrift vom 27. März 1872 es abgelehnt hatte, die physiologischen Voraussetzungen der streitenden Parteien zu entscheiden, so ist nunmehr der Wissenschaftlichen Deputation nicht nur die Berichterstattung über die beregten Streitfragen, sondern auch zugleich die im Eingange erwähnte, erweiterte Aufgabe übertragen worden.

Zur eventuellen Benutzung bei unserem Gutachten ist uns unterm 23. Juni 1872 ausserdem eine anonyme Schrift: „Zur Schulgesundheitspflege. Beglaubigte Zahlen, betreffend die Schulhäuser-und Schulzimmer von 10 meist grösseren Gemeinden der Regierungsbezirke Aachen und Düsseldorf" übersendet worden, zu welcher weitere Ergänzungen sich in dem CorrespondenzBlatt des Niederrheinischen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege 1872. No. 6-7. finden.

Bei der Schwierigkeit der vorliegenden Frage und ihrer Connexität mit der Frage der Heizeinrichtungen erschien es erwünscht, ausser dem bisher bekannten und literarisch zugänglichen Material auch die neuesten Erfahrungen der grossen Städte des Landes zu kennen, da die beträchtliche Zahl neuer Schulbauten, welche in den letzten Jahren ausgeführt und in Gebrauch genommen sind, das Gebiet des empirischen und theoretischen Wissens in beiden Beziehungen nicht unbeträchtlich erweitert hat. Auf den Antrag unseres Referenten hat der Herr Minister die Magistrate von Berlin, Breslau, Cöln, Königsberg, Magdeburg, Hannover, Cassel und Frankfurt a. M. aufgefordert, über die Ergebnisse und Erfahrungen in den Communalschulen ihrer Städte zu berichten. Diese Berichte sind inzwischen eingegangen, und das Gutachten, welches wir in Nachstehendem ganz gehorsamst erstatten, wird dieselben zugleich mit berücksichtigen.

Gutachten.

Reine atmosphärische Luft, wie sie im Freien vorhanden ist, stellt eine regelmässige Mischung von nahezu 21 Raumtheilen Sauerstoff und etwas über 79 Raumtheilen Stickstoff dar; ihr Kohlensäuregehalt in 100 Theilen schwankt zwischen 0,03 - 0,05, höchstens bis 0,06 Raumtheilen. Diese reine Luft ist nicht bloss gute, sondern die beste Luft.

In Zimmern findet sich fast beständig ein höherer Antheil von Kohlensäure und in Schulzimmern ist derselbe bis zu 0,7 Raum

Vierteljahrsschr. f. ger Med. N. F. XXII, 2. 19

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