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129 Rohr-Ballerien oder 774 Geschütze, dann 22 Milrailleusen-Ballerien oder 132 Geschülze.

Infangs August besassen die Compagnien eine geringe Stärke und überschritten nirgends den Etat von 80 bis 100 Mann, die Escadronen nicht jenen von 100 bis 120 Pferden. Die Artillerie war vollständig und ausgezeichnet bespannt. Die Regimenter, welche Ende Juli den Stand von 1500 Mann (500 Mann per Balaillon) einnahmen, ergänzten sich in der ersten Hälfte des August auf 1800 bis 2000 Mann. Bis zum 6. August, dem Schlachttage von Wörth und Spicheren, erreichte die Gesammlstärke der aus dem 1., 2., 3., 4., 5. Armee- und Garde-Corps, dann den drei Reserve-Cavallerie-Divisionen formirten Rhein-Armee, welche zwischen Thionville, Metz, Saarbrück, Bitsch und Strassburg strategisch aufmarschirt stand, 160.000 Mann streitbar ').

Frankreich und Preussen waren bei ihren Combinationen behufs Mobilmachung und Concentrirung der Streitkräfte von verschiedenen Standpunkten ausgegangen. Die Franzosen schoben nämlich ihre Corps auf dem Friedensfusse, die Preussen die ihrigen auf dem vollen Kriegsfusse vollkommen operationsbereit und schlagfertig an die Grenze als Aufstellungsfronte, so dass jede Abtheilung gleich nach ihrer Auswaggonirung in die Action eintreten konnte.

Die französische Armee war mit ausserordentlicher Raschheit auf dem Kriegstheater versammelt worden. Auf den Linien der Ostbahn Paris-MetzStrassburg einerseits und Basel-Strassburg andererseits wurden allein in den letzten zehn Tagen des Monats Juli 232.000 Mann, 50.000 Pferde und 400 Geschütze befördert. Unter den Pferden gehörten 25.000 Stück der Cavallerie an.

Das 1. Corps Mac Mahon, bestehend aus den Truppen von Africa und Ost-Frankreich, traf am 25. Juni bei Strassburg, das 2. Corps Frossard mil den Truppen des Lagers von Châlons am 20. bei St. A vold, das 3. Corps Bazaine mit der Armee von Paris und der Division von Metz am 22. bei Metz, das 4. Corps Ladmirault mit den Truppen aus Nord-Frankreich am 21. bei Thionville, das 5. Corps de Failly mit den Divisionen der Armee von Lyon am 20. bei Bitsch und Pfalzburg ein; das 6. Corps Canrobert mit den Truppen aus Wesl- und Mittel-Frankreich stand am 25. mit zwei Divisionen im Lager von Châlons, mit einer Division in Paris und mit einer Division in Soissons; das 7. Corps Douay mit den Truppen aus dem südöstlichen Frank reich cantonnirte am 25. mit zwei Divisionen bei Belfort und Colmar, mit einer Division in Lyon, das Garde-Corps am 22. bei Nancy, die erste ReserveCavallerie-Division am 1. August ebenfalls bei Nancy, die beiden andern Reserve-Cavallerie-Divisionen wie die Artillerie-Reserve waren Ende Juli noch in der Bildung begriffen *).

1) Nach dem Werke: „Die Kriegsmacht des norddeutschen Bundes und Frankreichs Anfangs 1870" betrug die Sollstärke der französischen Armee 725.000 Mann, einschliesslich der Urlauber und Reservisten.

? Über die Ordre de bataille, Organisation und Aufstellung der französischen Armee siehe die Werke: Journal d'un officier de l'armée du Rhin“ und „La Campagne de 1870 jusqu'au 1er Septembre par un officier de l'armée du Rhin.“

So schnell diese Armee auch an der Grenze vereinigt stand, so sehr befand sie sich in einer grossen Deroute, ohne Ambulanzen, Cassen, Lebensmillel, Train etc.

Bis 1. August bekam der Mann einen Franc täglich und musste sich selbst beköstigen. Von da ab Irat bei der Armee erst die Etappen- oder FeldVerpflegung ein.

Unter Andern telegraphirten nach Paris an das Kriegs-Ministerium:

General Failly am 18. Juli aus Bitsch: „Ich bin mit 17 InfanterieBataillons hier, Schicken Sie uns Geld, um die Truppen zu erhalten.“

General-Intendant Blondeau am 20. Juli aus Metz: „Es ist hier weder Zucker noch Caffee, noch Reis, wenig Speck und Bisquit.“

General Frossard am 21. Juli aus St. Avold: „Es mangeln uns Karten von der französischen Grenze.

General Michel am 21. Juli aus Belforl; „Ich bin hier angekommen und habe weder meine Brigade noch den Divisions-General gefunden.“

General Ladmirault am 24. Juli aus Thionville: „Das 4. Corps hat noch immer weder Cantinen, noch Ambulanzen, noch Gepäckwagen für die Abtheilungen.“

Der Intendant des 3. Corps am 24. Juli aus Metz: „Das 3. Corps verJässt Morgen Metz. Ich habe weder Krankenwärter, noch Verwallungspersonal, noch Ambulanzwagen, noch Feldösen und Fuhrwerke.“

Der General-Intendant am 26. Juli aus Metz: „Mit den 120.000 Mann sind nur 38 neue Bäcker angekommen; die Truppen verzehren daher, da keine Broterzeugung möglich, den Bisquit, welcher als Reserve dienen soll.“

Der Kriegsminister an den Intendanten der Garde in Metz am 26. Juli: „Wie viele Führer und Wagen haben Sie verloren ?

Der Commandant des Artillerie-Parks vom 3. Corps am 27. August aus Metz: „Die Geschützmunition komml noch immer nicht an.“.

Der Vice - Admiral, Ober-Commandant der Marine am 27. Juli aus Brest: „Hier sind keine Seekarten der Nordsee und des baltischen Meeres vorhanden.“

Der General-Intendant am 27. Juli aus Metz: „Das 1. Corps besitzt weder einen Unter-Intendanten, noch Trainsoldalen, noch Verwaltungspersonal.“

Der Major-General (Marschall Leboeuf) am 27. Juli aus Metz: „Die Detachements, welche zur Armee stossen, kommen noch immer ohne Patronen und ohne Feldausrüstung an.“

Der Intendant des 1. Corps am 28. aus Strassburg: „Das Corps soll vorrücken, hat aber bisher weder Trainsoldaten noch Verwaltungsbeamte bekommen.“

Der Major-General am 29. aus Metz: „Es fehlt hier an Zwieback, um vormarschiren zu können. General Failly fordert dringend Lagervorräthe, Zelle, Decken, Feldflaschen, Soldatennäpfe.“

Der Intendant des 7. Corps am 4. August aus Belfort: „Das Corps hat

keine Krankenwärter, kein Arbeitspersonal, keine Fuhrwerke; die Truppen gehen vor.“

Marschall Canrobert am 4. August aus Châlons: „Für die 20 Batterien des 6. Corps ist nur ein Thier-Arzt präsent."

Der Intendant des 6. Corps am 8. August aus Châlons: „Ich soll 400.000 Rationen Zwieback und andere Lebensmittel an die Rhein-Armee abgeben, besitze aber mit Ausnahme von Zucker und Caffee keine einzige Ration.“

Der Befehlshaber der 8. Division am 10. August aus Lyon: „Die Bevölkerung kann sich den Überfluss an Truppen in Lyon in diesem Augenblicke (nach Wörth und Spicheren) nicht erklären. Der Commandant des 7. Corps wünscht meine Gegenwart, und ich bilte, mit der 3. Division, die ich befehlige, zu ihm stossen zu dürfen.“

Marschall Canrobert am 10. August aus Châlons: „Ich habe noch immer kein Kochgeschirr, weder Lagersäcke, noch Hemden, noch auch Schuhwerk genug ').“

Preussen: Die Preussen hatten die deutschen Streitkrälte in drei Armeen getheilt, und zwar:

I. Armee G. d. I. von Steinmetz: 1. Armee-Corps G. d. C. v. Manteuffel . . 25 Bat. 8 Esc. 84 Gesch. 7.

G. d. I. v. Zastrow ... 25 , 8 84 , 8.

GL. v. Goeben . . . . 25 , 8 , 84 , 1. Cavallerie-Division GL. v. Hartmann . . - 24 , 12 »

GL. v. Groeben .. - 16 6

Zusammen. 75 Bat. 64 Esc. 270 Gesch.

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II. Armee G. d. C. Prinz Friedrich Carl von Preussen: 2. Armee-Corps GL. v. Fransecky ... 25 Bat. 8 Esc. 84 Gesch.

GL. V. Alvensleben. , . 281 9 84 o
G. d. I. v. Alvensleben. ..
G. d. I. v. Manstein ...
G. d. I. v. Voigts-Rhetz ..
(königl. sächsisches) G. d. I.

Kronprinz von Sachsen .
Garde-Corps G. d. C. Prinz von Württemberg
5. Cavallerie-Division GL. v. Rheinbaben .
GM. Hzg. zu Mecklenburg -

, 6 Zusammen 190 Bat. 156 Esc. 618 Gesch.

4) Actenstücke, aus den geheimen Papieren des Kaisers Napoleon III. hervorgezogen und von der Pariser Regierung publicirt.

III. Armee G. d. I. Kronprinz von Preussen: 5. Armee-Corps GL. v. Kirchbach ... 25 Bat. 8 Esc. 84 Gesch 6.

G. d. C. v. Tümpling .. 11. , GL. v. Bose . . . . . 1. bayr. Armee-Corps G. d. I. v. d. Tann .

29 20 96 2.

G. d. I. v. Hartmann . Combinirtes Württemb.-Badenser 13. Armee

Corps GL. v. Werder . . . . 2. Cavallerie-Division GL. v. Stollberg . . - , 24 , 12 ,

G. d. C. Prinz Albrecht , 24 , 12

Zusammen . 166 Bat. 140 Esc. 576 Gesch. Gesammtstärke der operativen deutschen Streitmacht 431 Bataillons 360 Escadrons und 1464 Geschütze.

Ausser diesen Streilkräften wurde noch eine IV. oder Reserve-Armee theils zum Schutze der Küsten, theils zu Besatzungen des Landes unter den Generalen Vogel von Falkenstein, Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin, Bonin, Löwenfeld und Herwarth von Bittenfeld formirt und nach und nach auf das Kriegstheater gezogen. Dieselbe bestand aus der 17. Infanterie-Division GL. v. Schimmelmann 16 Bat. 12 Esc. 45 Gesch. Garde-Landwehr-Inf.-Div. GL. v. Loen.. 12 8 18 , 1. Landwehr-Division GM. v. Treskow . . 12 2. ,

GM. v. Selchow . . 3. combinirte Landw. - Div. GM. v. Schuler 12 , 8 , 18 ,

Zusammen. 64 Bal. 44 Esc. 117 Gsch.") Jedes der mobilgemachten 16 deutschen Armee-Corps zählte zwei Divisionen zu zwei Brigaden à zwei Regimenter zu drei Bataillons, dann ein Jäger-Bataillon, im Ganzen daher 12 und 13 Bataillons à 1000 Mann, ein leichtes Cavallerie-Regiment zu vier Escadrons à 150 Pferde, endlich vier Batterien. Die Corps-Geschütz-Reserve war aus sechs Batterien zu sechs Geschützen zusammengesetzt, jedem Armee - Corps ein Pionnier- und ein Train-Bataillon mit der Ponton-Colonne beigegeben.

Die Normalstärke eines solchen aus 25 Infanterie-, einem Pionnierund einem Train-Bataillon, zwei Cavallerie-Regimentern und 14 Batterien gebildeten Armee-Corps erreichte rund 25.000 Mann Infanterie, 1200 Mann Cavallerie und 84 Geschütze streitbar.

Die Formation der Reserve - Reiterei war verschieden. Von den sechs Cavallerie - Divisionen bestand die 2., 4. und 5. Division aus je drei Brigaden zu zwei und drei Regimenlern, die übrigen drei Divisionen aus je zwei Brigaden ebenfalls zu zwei und drei Regimentern, letztere insgesammt

1) Über die Organisation und Stärke der deutschen Armeen siehe: „Erste Ordre de bataille der preussischen Armee im Kriege gegen Frankreich (königliche Cabinetsordre am 18. Juli 1870)“, dann, der deutsch-französische Krieg von 1870von A. Borbstädt.

zu vier Escadrons. Die schweren Brigaden waren aus Cürassieren und Uhlanen, die leichten aus Dragonern und Huszaren zusammengesetzt. Bei jeder Reiter-Division befand sich eine oder zwei Batterien zugetheilt.

Eine Ausnahme von der vorstehenden Ordre de bataille bildelen das 9. Armee-Corps, welches aus der norddeutschen 18. Infanterie - Division, dann der grossherzoglich hessischen (25.) Division, 10 Bataillons, 8 Escadrons, 36 Geschützen formirt war; dann das königl. sächsische 12. ArmeeCorps, welches eine Cavallerie-Division von zwei Brigaden zu drei Regimentern à vier Escadrons besass; die bayrische Armee mit vier Cavallerie-Brigaden, von denen sich bei jeder der vier Infanterie-Divisionen je eine zugetheilt befand; endlich das combinirle Württembergisch-Badensische Armee-Corps. Dieses halte nämlich 15 Bataillons, 16 Escadrons, 54 Geschütze Würtlemberger die Regimenter waren in gleicher Weise wie bei der grossherzoglich hessisehen Division zu zwei Bataillons formirt) und 18 Bataillons, 12 Escadrons, 54 Geschülze Badenser. Das Würllembergische Bundescontingent verfügte über eine vollständige Reiter-Division, das Badensische über eine CavallerieBrigade.

An der Spitze der Württembergischen Armee - Division stand der preussische General Obernilz, an jener der Badensischen Division der preussische General Beyer (später Werder).

Die Mobilmachung der preussisch-deutschen Armee war in Vorbin ein bis in das geringste Detail geregelt und festgestellt, wie die vom 18. Juli dalirte und sofort in Kraft und Wirksamkeit gelretcne königliche CabinetsOrdre mit der Ordre de bataille der Armee beweist, und es bedurfte nur des belreffenden Befehles, um sofort die gesammle Streitmacht Deutschlands in Marschbewegung zu setzen. Am 16. Juli wurde denn auch die Versetzung der ganzen norddeutschen Bundes-Armee auf den Kriegsfuss decretirt, und schon vom 23. ab wurden alle von Berlin und Dresden nach dem Rhein führenden Eisenbahnen für den Verkehr gesperrt, um den Massentransport der Truppen unaufgehalten betreiben zu können.

Auf den verschiedenen in Mannheim, Worms, Mainz, Bingen und Coblenz auslaufenden Schienenlinien trafen täglich je 20—30 Züge ein, und in dieser Weise dauerte der Truppen- und Kriegsmaterial-Durchzug bis 10. August, also während 19 Tagen ohne Unterbrechung fort.

Die letzten Abtheilungen des preussischen 1. Armee-Corps verliessen Berlin am 3. August. Vom 6. Armee-Corps stand die 12. Division am 29. Juli noch in Breslau, und davon passirte am 3. August eine Brigade Leipzig; am 10. August schloss sich erst das hessisch-darmstädtische Bundesconlingent an die Hauptmasse des Heeres bei Saarbrücken an. Das preussische 2. Armee - Corps erreichte ebenfalls die Armee erst gegen den

10. August.

Über den preussisch-deutschen Kriegsplan ist bisher Nichts bekannt geworden. Den drei Armeen scheinen indess folgende Bewegungslinien vorgezeichnet worden zu sein :

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