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Längenwachstums, auf einer kürzeren oder längeren Strecke unverzweigt. Die Seitenwurzeln I. Ordnung legen sehr bald Wurzelzweige II. und zum Teil auch III. Ordnung an. Darüber hinaus ging die Verzweigung bei den Versucbspflanzen im allgemeinen nicht Über die endgültige Länge der Wurzelzweige ließ sich wenig Sicheres ermitteln; zum Teil wurden bis 50 cm lange Wurzelfasern beobachtet, die wohl das Aussehen von Wurzelzweigen I. Ordnung hatten, aber als solche nicht mit Bestimmtheit zu erkennen waren, da ihre Ansatzstellen nicht an der Glaswand, sondern tiefer im Boden lagen. In den unteren Teilen des Beobachtungsfeldes hatten die Wurzelzweige I. Ordnung Mitte Juli eine durchschnittliche Länge von 15 cm erreicht, während die Wurzelfasern II. Ordnung etwa 4 cm lang waren.

Die Bedeutung der Wurzelzweige für die Arbeitsleistung der Tomatenwurzel beleuchtet am besten ihre große Zahl. An einem Langwurzelstück von 10 cm waren bereits am 3. Juni, d. h. also etwa 4 Wochen nach der Pflanzung, durchschnittlich 35 Zweige I. Ordnung sichtbar. In Wirklichkeit mußten die Fasern natürlich noch in größerer Zahl vorhanden sein, da die auf der Rückseite der Wurzel stehenden Verzweigungen unsichtbar blieben. Ende Juni lagen im Beobachtungsfelde, d. h. auf einer Fläche von 105 x 105 cm, insgesamt etwa 2900 feinere Wurzelfasern, die den Boden wie ein feines, engmaschiges Netz durchzogen. Im Mittelfelde der Glaswand, d. h. also in Bodenschichten von 55—85 cm, war die Verzweigung am dichtesten; es wurden hier allein auf einer Fläche von 105 x33 cm 1427 feine Wurzelzweige festgestellt. Im Freilande werden die Wurzelfasern natürlich weniger dicht zusammenliegen, da sich die Langwurzeln dann im Boden entsprechend ihrer natürlichen Wachstumsrichtung allseitig mehr verteilen, während durch die Konstruktion des Beobachtungskastens eine Seite der Wurzelkrone gewissermaßen eingedrückt wird, so daß alle unter normalen Verhältnissen nach dieser Seite strebenden Wurzeln in einer Ebene vereinigt werden.

Ungemein dicht ist die Behaarung sämtlicher Wurzeln. Sie ließ sich an der Versuchspflanze des Wurzelhauses gut verfolgen, wobei deutlich hervortrat, daß in lockeren Bodenschichten die Wurzelhaare an Stellen, wo die Wurzel an Zwischenräume des Bodens angrenzt, länger sind und dichter stehen als dort, wo das Gefüge des Bodens fester ist. Bei den Langwurzeln wurden sie frühestens an 24 Stunden alten Wurzelzonen sichtbar; deutlicher traten sie erst am zweiten und dritten Tage nach der Anlage ihrer Entstehungszone hervor. Ähnliches ließ sich an den Wurzelzweigen beobachten, deren äußerste Spitze somit ebenfalls unbehaart blieb. In Perioden sehr starken Wachstums hatten die jüngsten Wurzelhaare der feineren Zweige einen Spitzenabstand von 1 cm, der sich aber bald auf 2 — 3 mm, oft sogar bis auf 1 mm verringerte. Über die Lebensdauer der Haare ließen sich Werte von allgemeiner Gültigkeit noch nicht ermitteln, jedoch ergab sich, daß sie unter den Versuchsbedingungen relativ lange turgescent und augenscheinlich auch an den verzweigten Strecken der Langwurzel noch funktionsfähig blieben.

Der Wachstumsgang der Wurzeln verlief, wie schon angedeutet wurde, zum Teil in schräger Richtung, wie sich namentlich bei den Wurzeln zeigte, die im vorgeschrittenen Stadium der Wurzelbildung im oberen Teile des Beobachtungsfeldes sichtbar wurden. Es entstand so eine sich nach unten ziemlich weit ausbreitende Wurzelkrone, deren größter Durchmesser über die Dimensionen des Versuchskastens hinausging. Man kann daraus folgern, daß eine kräftig entwickelte Tomate mit ihren Wurzeln einen Bodenwürfel von mindestens 1,25 m Kantenlänge einnimmt.

Das Wurzelsystem der Tomate charakterisiert sich also durch die Entwicklung eines monopodial verzweigten Centraistammes, in dem die Hauptwurzel vor den stärkeren Zweigen wenig hervortritt, und die Verstärkung dieses Mittelstammes durch Nebenwurzelstränge, die aus dem Hypocotyl und zuweilen auch aus dem untersten Internodium des Stammes hervorgehen und das Wurzelsystem zu einer tiefstreichenden, sich nach unten ziemlich weit ausdehnenden, stark verzweigten Wurzelkrone ergänzen.

In der morphologischen Gliederung und Tracht etwas abweichend von dem Typus der Tomate ist das Wurzelsystem des Kopfsalates gestaltet. Die Ausbildung der Pfahlwurzel ist hier noch stärker ausgeprägt wie bei der Tomate. An der Keimpflanze entwickelt sich zunächst ein monaxiles Wurzelsystem, dessen Hauptwurzel selbst bei ganz jungen Pflanzen am Wurzelhalse deutlich verdickt ist, sich aber schon in geringem Abstande von der Basis stark verjüngt. So betrug z. B. bei einer in der dritten Woche nach der Aussaat untersuchten Pflanze der Durchmesser der 20 cm langen Hauptwurzel unmittelbar am Wurzelhalse 1,8 mm, an einer Zone von 5 cm Basalabstand dagegen nur noch 0.4 mm.

Die Verzweigung des jugendlichen Hauptwurzelsystems schreitet frühzeitig bis zu Fasern III. Ordnung vor, jedoch überwiegen anfangs bei weitem die Wurzelzweige I. und II. Ordnung. An einer am 25. Tage nach der Aussaat untersuchten Pflanze wurden gezählt: 43 Wurzelzweige I. Ordnung, 63 Wurzelzweige II. Ordnung, I Wurzelzweig III. Ordnung. Eine 32 Tage alte Pflanze hatte 51) Wurzeln 1. Ordnung, 220 Wurzeln II. Ordnung und 8 Wurzelzweige III. Ordnung. Die Anlage der Zweige erfolgt im Keimlingsstadium der Pflanze acropetal, eine Gesetzmäßigkeit, die aber sehr bald durchbrochen wird. Schon an 3—4 Wochen alten Pflanzen treten neue Wurzelfasern I. Ordnung inmitten bereits bewurzelter Zonen auf, wobei allerdings vorzugsweise die älteren, verdickten Teile der Hauptwurzel und besonders der Wurzelhals bevorzugt werden. Es wird also hier in ganz ähnlicher Weise wie bei der Tomate das Wurzelsystem von oben her ergänzt, nur mit dem Unterschiede, daß hier im Allgemeinen nicht Nebenwurzeln, sondern Wurzelzweige 1. Ordnung den weiteren Ausbau der Bewurzlung übernehmen. Wie gleich an dieser Stelle bemerkt werden soll, ließen sich eigentliche Nebenwurzeln überhaupt nur selten, und nur bei älteren Pflanzen an der Insertionsstelle der abgefallenen Kotyledonen beobachten. Die eigentlichen Wurzelzweige I. Ordnung charakterisieren dagegen mit ihren weiteren Verzweigungen das ganze Wurzelsystem, und es spricht nach unseren Beobachtungen vieles dafür, daß die Beschaffenheit des Bodens und die Art der Kulturmethode grade auf Zahl und Tracht dieser Wurzelfasern großen Einfluß ausüben. Bei normal gebauten, in der vierten Woche nach der Aussaat untersuchten, jungen Pflanzen erreichten die Wurzelzweige I . Ordnung eine Maximallänge von 10 cm, ihr Durchmesser betrug 0,25—0,30 mm, während die in größter Zahl vorhandenen Zweige II. Ordnung, denen die Hauptarbeit der Absorption zufallen mußte, durchschnittlich nur 0,2 mm dick waren.

Mit fortschreitender Entwicklung der Pflanze nimmt die Verästelung des A^urzelstammes beträchtlich zu und geht schließlich bis zu Zweigen V. Ordnung weiter, die aber gewöhnlich nur in geringer Zahl angelegt werden. Acht Wochen nach der Aussaat wurden z. B. bei einer gut entwickelten Pflanze gezählt: 78 Wurzelzweige I . Ordnung, 790 Wurzelzweige II. Ordnung, 463 Wurzelzweige III. Ordnung, 29 Wurzelzweige IV. Ordnung. Bei einer mehrere Wochen älteren Pflanze, die schon einen normalen Kopf gebildet hatte, fanden sich vor: 82 Wurzelzweige I. Ordnung, 1442 Wurzelzweige II. Ordnung, 844 Wurzelzweige III. Ordnung, 173 Wurzelzweige IV. Ordnung, 2 Wurzelzweige V. Ordnung.

Von den am Wurzelhalse stehenden. Wurzelzweigen I. Ordnung entwickeln sich stets einzelne besonders stark und dringen namentlich in lockerem Boden schnell verhältnismäßig tief ein. Es kommen hier also gleichfalls Wurzeln zur Ausbildung, die man, wie bei der Tomate, als Langwurzeln bezeichnen kann. Besonders deutlich prägt sich diese Erscheinung an Pflanzen aus, deren Hauptwurzel beim Umsetzen beschädigt wurde. Über das Maß des Tiefganges und der Wachstumsgeschwindigkeit dieser Laugwurzeln unterrichtet die folgende Tabelle, die sich auf Beobachtungen an drei Pflanzen der Sorte: „Großer gelber Prinzenkopf" bezieht, die am 7. Mai 1906 in einen Versuchskasten des Wurzelhauses verpflanzt wurden und damals nur je etwa 5—6 junge Blätter entwickelt hatten.

Wurzelentwicklung des Salates. Sorte: „Großer gelber Prinzenkopfe1. — Tag der Pflanzung: 7. Mai 1906.

[table]

Mithin betrug der Tiefgang der Wurzeln am Ende der II. Woche nach der Pflanzung etwa 35—45 cm,

„ „ III. , , ., 55—70 „

, IV. ., ., „ „ „ 90—108

, „ V. „ „ „ ., ., 123-125 „

Im wesentlichen erreichten also die Langwurzeln des Salates die gleiche Wachstumsgeschwindigkeit wie die der Tomate. Daß das Längenwachstum einzelner Wurzeln noch über die in der Tabelle angegebene Zeit hinausging, zeigte sich später beim Ausschwemmen der Wurzelsysteme, wobei Wurzeln von 130—136 cm Länge gefunden wurden, die über den Rand des Beobachtungsfeldes in die Drainageschicht eingedrungen waren.

Die Versuchspflanzen legten gewöhnlich je 12- 18, 1—1,5 mm dicke Langwurzeln an, die reichlich rechtwinklig abstehende Wurzelzweige von 0,2—0,3 mm Durchmesser ausbildeten, weitere Verzweigungen aber nicht in übergroßer Zahl hervorbrachten. In der Behaarung verhielten sich diese Langwurzelstränge ähnlich wie die entsprechenden Wurzelsysteme der Tomate.

Die Wachstumsrichtung der Langwurzeln ist nach den Beobachtungen im Wurzeltunnel ausgesprochen lotrecht, so daß die seitliche Ausbreitung des ganzen Wurzelsystems relativ beschränkt ist. Nach unseren Ermittelungen dürften die Wurzeln einer Salatpflanze in lockerem Erdreich etwa einen Bodencylinder von 140 X 35 cm einnehmen. Allerdings spricht manches dafür, daß sich in Böden mit festem Untergrund die Tracht des Wurzelsystems etwas ändern dürfte, worüber jedoch bestimmte Angaben noch nicht zu machen sind.

Die Bewurzelung des Kopfsalates charakterisiert sich mithin durch die Ausbildung eines ausgesprochenen Pfahlwurzelsystems, dessen Hauptwurzel sich in den (physikalisch) oberen Teilen des Systems scharf von den Verzweigungen abhebt, in den unteren Partien aber gegen die stärkeren Zweige wenig hervortritt. Durch Entwicklung stärkerer, tiefstreichender Langwurzeln, die sich nach und nach mit einer großen Zahl von feinen, rechtwinklig abstehenden Ästen bedecken, und morphologisch meist Wurzelzweigen I. Ordnung, seltener Nebenwurzeln entsprechen, ergänzt sich das Wurzelsystem zu einer dichten und tiefgehenden, aber relativ schmalen Wurzelkrone.

8. Der Verwachsungsvorgang bei der Veredelung
der Obstbäume.

Bearbeitet von F. Herse.

Obwohl durch die Arbeiten Göpperts, Sorauers, Strasburgers, Vöchtings u. a. die anatomischen Vorgänge bei der Verwachsung holziger Pflanzenteile, wie sie bei der Veredelung der Obstbäume in Frage kommt, in ihren Grundzügen klargelegt worden sind, erschien es aus bestimmten Gründen nicht überflüssig, diese Frage noch einmal einer Bearbeitung zu unterziehen. Einmal nämlich hatte bei den bisherigen Darstellungen fast stets die Veredelung durch Okulation im Vordergrunde des Interesses gestanden, während den Abweichungen, die bei Verwendung anderer Veredelungsarten sich ergeben, nur beiläufige Beachtung geschenkt wurde. Im Obstbaubetrieb kommt aber neben der Okulation, die allerdings bei der Anzucht der Bäume in der Baumschule die Hauptrolle spielt, noch eine Reihe anderer Methoden in Betracht, so die Kopulation, ferner beim Umpfropfen Veredelungsarten wie das Anschaffen, das Geißfußpfropfen, das Pfropfen hinter die Rinde u. a. Gerade der Operation des Umpfropfens wird in letzter Zeit mit Recht eine erhöhte Bedeutung für die Lösung der Frage beigelegt, wie die übergroße Zahl der Sorten in vielen Anlagen am besten auf eine geringe Zahl solcher, die sich für eine bestimmte Gegend und für bestimmte Zwecke bewährt haben, zu beschränken sei. Da nun über den Wert oder Unwert der einzelnen, bei Ausführung jener Operation zur Anwendung kommenden Veredelungsarten die Meinungen noch sehr geteilt sind, hatte eine Prüfung der Verwachsungserscheinungen bei Benutzung der verschiedeneu Methoden auch ein praktisches Interesse.

Ein weiterer Gesichtspunkt, der bei unseren Untersuchungen der Verwachsungsvorgänge Berücksichtigung finden sollte, ergab sich aus folgender Erwägung. Den bisherigen Darstellungen lag wohl meist Material zu Grunde, das eigens zum Zwecke der Untersuchung angefertigt worden war, bei dessen Gewinnung also der Experimentator darauf hatte bedacht sein können, möglichst günstige Bedingungen herzustellen, um Störungen im normalen Fortgang des Anwachsens nach Möglichkeit auszuschalten und gute Verwachsungsresultate zu erzielen. Daher beschränken sich die Angaben auch fast ausschließlich auf solche normal verwachsenen Veredelungen. Es braucht nun nicht besonders betont zu werden, daß derartige Verhältnisse in der Praxis wohl selten verwirklicht werden. Sehen wir auch davon ab, daß ganz allgemein das Tempo der Verwachsung in gleicher Weise wie alle Wachstumsvorgänge durch die Witterungsverhältnisse beeinflußt wird, so wird einmal das zum Veredeln verwendete Material nicht immer das ausgesucht beste sein, sondern wechselnd nach Gesundheit und Wachstumsenergie; weiterhin wird aber auch bei der Ausführung der Veredelung selbst nicht immer mit der gleicheu Sorgfalt vorgegangen, wie sie der Operateur bei seinen Versuchen anwenden kann. Kurz, die Verhältnisse bei der praktischen Ausführung der Veredelung im Obstbaubetriebe werden nie die optimalen Bedingungen für die Verwachsung verkörpern, der Verlauf der Verwachsung daher ebenso selten dem theoretisch als normal zu bezeichnenden völlig entsprechen. In welcher Hinsicht sich daraus Abweichungen ergeben, mußte daher ebenfalls einer Prüfung unterzogen werden.

Die Beobachtungen im Berichtsjahre erstreckten sich in erster Linie auf Apfel veredelungen, die durch Kopulation hergestellt worden waren. Es seien daher im folgenden zunächst der normale

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