Vorstudien für Geschichte und Zucht der hausthiere Zunaechst am Schweineschaedel

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Weigandt und Hempel, 1864 - 186 Seiten
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Seite 108 - ... dass eine Vererbung, eine Uebertragung der Kopfform der Aeltern auf die Kinder nicht unbedingt erfolgt. Wenn die Form des Schädels, welche wir kurz die Culturform nennen wollen, ein Product der Ernährung und der Lebensart, also äusserer Einflüsse ist, wenn sich dieselbe an demselben Individuum verschieden gestalten kann, also nicht constant ist, dann kann von einer Vererbung dieser Form nur in beschränktem Mass die Rede sein. Die Form selbst wird nicht auf die Kinder übertragen, wohl aber...
Seite 105 - und ich selbst habe sie hundertmal gemacht, daß rechte Geschwister ein und desselben Wurfes sich ganz verschieden in der Kopfform entwickeln, je nachdem sie gehalten werden. Derjenige, welcher reichlich und gedeihlich ernährt und alle schädlichen Einflüsse zu beseitigen versteht, erzieht Tiere mit kurzem Kopf und eingebogenem Gesicht; der andere, in dessen Stall diese Bedingungen nicht erfüllt werden, erzieht dieselben Ferkel zu langköpfigen Tieren mit geradem Gesicht.
Seite 147 - Wildschweine, welche in fruchtbaren Ebenen leben, diejenigen Eigenschaften des Gefüges nicht, welche sonst die Knochen des Wildschweines von denen des Hausschweines unterscheiden lassen.
Seite 103 - Schläfegrube steht mehr steil, sie neigt sich nach vorn. Die Incisivpartie steht viel höher als die Backzahnreihe; dieser Umbildung folgt der Unterkiefer: die Kinnsymphyse steht steil, die Schneidezähne noch steiler. Die Eckzähne des Unterkiefers stehen vor...
Seite 108 - Es ist aus den hier zusammengestellten Thatsachen klar, dass eine Vererbung, eine Uebertragung der Kopfform der Aeltern auf die Kinder nicht unbedingt erfolgt. Wenn die Form des Schädels, welche wir kurz die Culturform nennen wollen, ein Product der Ernährung und der Lebensart, also äusserer Einflüsse ist, wenn sich dieselbe an demselben Individuum verschieden gestalten kann, also nicht constant ist, dann kann von einer Vererbung dieser Form nur in beschränktem Mass die Rede sein. Die Form selbst...
Seite 68 - ... Nathusius grosse Bedeutung nicht beilegen. In seinem Werke (27) weist v. Nathusius darauf hin, dass der Schädel eines jungen Wildschweins in diesen Beziehungen viel grössere Ähnlichkeit mit dem des Hausschweins zeigt als der eines alten Wildschweins; er hält daher die Kopfform des Hausschweins für eine Entwicklungsstufe, welche gleichsam zwischen den Formen des jungen und des alten Wildschweins liegt, und führt diese Hemmungsbildung in der Schädelform lediglich auf die durch den Menschen...
Seite 147 - ... Gegenden Europas, aus denen das Wildschwein nicht schon gänzlich verschwunden ist, wird es oft sozusagen künstlich wild erhalten. Es sind mehrere Fälle bekannt, in denen man, um einen gesunkenen Wildschweinstand schnell zu vermehren, Hausschweine verwildern ließ und diese mit wilden Ebern paarte; nach kurzer Zeit war ein Unterschied solcher Zucht von ursprünglich wilder nicht mehr zu erkennen, nur in den ersten Generationen kamen zuweilen weißgefleckte Tiere vor. Ich selbst habe in meiner...
Seite 103 - Die Erfahrung lehrt und das Experiment bestätigt die Gesetzlichkeit der Erscheinung, dass reichliche Ernährung einen kurzen und breiten Schädel und ärmliche Ernährung einen langen und schmalen Schädel erzeugt. Es tritt nun zu den Einflüssen der reichlichen und gedeihlichen Ernährung des jungen Schweines noch der Umstand hinzu, dass die Thiere von ihrem Rüssel in diesem Zustand keinen Gebrauch machen.
Seite 147 - ... ließ und diese mit wilden Ebern paarte; nach kurzer Zeit war ein Unterschied solcher Zucht von ursprünglich wilder nicht mehr zu erkennen, nur in den ersten Generationen kamen zuweilen weißgefleckte Tiere vor. Ich selbst habe in meiner Nachbarschaft in der Letzlinger Heide, in welcher ein großer Wildstand unterhalten wird, wiederholt Gelegenheit gehabt, diesen Vorgang zu beobachten. Umgekehrt hat man sehr oft Hausschweine mit wilden Ebern gepaart und die Nachkommen als Haustiere gehalten.
Seite 95 - Ucbcrschuss aller der Stoffe darbietet welche zum Umsatz kommen müssen, um den Körper zu bilden; also nicht etwa nur so viel, wie man nach irgend einer Theorie an Protein- und andern Stoffen zum Umsatz für nöthig hält, sondern so viel, dass zu jeder Zeit ein unverbrauchter Rückstand bleibt.

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