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Fährt bereits in Erwägung genommen habe, gern entgegen. Thatsächlich steht fest, dass die ersten grösseren Entdeckungsreisen nach beiden Erdpolen wegen des besonderen dazu tauglichen Materials an Schiffen und Mannschaften und wegen des Kostenpunktes fast überall von den Kegierungen ausgegangen sind und erst später Private oder Gesellschaften, z. B. in England und Amerika, die Sache weiter förderten. Wenn deshalb Preussen das in Deutschland angeregte Unternehmen als Staat in die Hand nimmt, sei es selbstständig oder kooperativ mit einer Privat-Gesellschaft, jedoch im letzteren Falle leitend, so fordert es die Ausführung und eignet sich gleichzeitig eine nationale Idee an, mit deren Durchführung oder wesentlichen Unterstützung es seinen Beruf erfüllt. Der maritimen Vormacht Deutschlands mit ihren für die projektirte Fahrt passenden Schiffen, mit ihren tüchtigen Seeoffizieren und diseiplinirten Mannschaften, mit ihren Mitteln und Anstalten zu einer leichten, schnellen und sicheren Ausrüstung der Expedition winkt, wie die Petenten richtig sagen, ein Ehrenpreis. Es ist auch von dem Patriotismus anderer Deutschen Staaten zu erwarten, dass sie sich freiwillig erbieten werden, einen Theil der Kosten der Expedition mit zu übernehmen, und an muthigen Männern der Wissenschaft, welche die Expedition begleiten, wird es nicht fehlen.

Dessen ungeachtet aber musste es sich die Kommission versagen, die Petition mit ihren Anträgen der Königlichen

Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen, selbst auf den Vorwurf hin, dass sie, was nicht der Fall, einer vaterländischen Frage nur geringe Bedeutung beimesse.

Die notorische politische Situation, in welcher sich Preussen befindet, das schon seit Jahren nicht erfolgte Zustandekommen eines Budgets, das einseitige Vorgehen der Königl. Staatsregierung mit Staats-Einnahmen nnd StaatsAusgaben untersagen- es der Kommission, in einer Angelegenheit, die auch ihre finanzielle Seite hat, die Initiative zu ergreifen. Sie hat sich deshalb fast einstimmig zu einer motivirten Tages-Ordnung vereinigt und trägt dahin an: Das Haus der Abgeordneten wolle beschliessen:

in Erwägung, dass das Projekt einer Nordpol-Expedition zwar einer Berücksichtigung sehr werth ist,

dass auch die Königliche Staatsregierung- mit der Prüfung dieses Projektes befasst ist,

dass zu einer Unterstützung desselben aber der Staatsregierung die Initiative überlassen werden muss, geht das Haus der Abgeordneten über die Petition von Schmidt und Genossen zur Tages-Ordnung über.

Berlin, den 5. Februar 1866. Die Kommission für Handel und Gewerbe. Roepell (Vorsitzender). Dr. Ziegert (Berichterstatter). Dr. Becker (Dortmund). Schultze (Seehausen). Michaelis. Dr. Hammacher. Harkort IL Overweg. Ludewig. Schmidt (Elberfeld). Deutz. Hoffmann (Ohlau). Beliier de Launay. Cornely.

Geographische Notizen.

Eine neue Robinaoniade.

(Nebst 2 Kärtchen, s. die Cartons auf Tafel 3.)

Unsere Zeit der Eisenbahnen und Dampfschiffe ist für Abenteuer und Vorkommnisse wie die des Robinson Crusoe nicht gerade geeignet; um so interessanter ist der Schiffbruch des „Grafton" auf der in den antarktischen Gewässern belegenen Auckland-Insel, nicht bloss weil der 20 Monate lange Aufenthalt der Schiffsmannschaft auf dieser einsamen Insel ein romantisches, sondern auch ein geographisches und wissenschaftliches Interesse hat, indem eine Überwinterung in diesen Regionen der Erde zu den grossen Seltenheiten gehört und die meteorologischen Beobachtungen des Kapitäns Musgrave vom Grafton die ersten sind, welche uns thatsächlichen Aufschluss über den Winter des antarktischen Gebiets in diesem Theile gewähren und somit auch für die gerade jetzt so viel besprochene Geographie der PolarRegionen von der grössten Wichtigkeit Bind.

Wenn wir vor 3 Jahren bei Publikation unserer SüdpolarKartc') uns dahin aussprachen2), dass der Winter der Südpolar-Regionen als ausserordentlich mild gefunden werden würde, so wird diese Annahme durch die Musgrave'schen Beobachtungen in hohem Grade bestätigt.

'') In Stieler's Hand-Atlas Nr. 42*. ») „Geogr. Mittu." 1863, 8S. 418 ff.

Wir werden im nächsten Heft einen ausführlichen Bericht über diese neue, auf der Auckland - Insel spielende Robinsoniade bringen, führen unseren Lesern aber schon jetzt den Schauplatz derselben auf dem betreffenden Carton von Tafel 3 vor. Derselbe ist aus unserer oben citirten Südpolar-Karte entlehnt, dessen Zeichnung so genau mit Kapitän Musgrave's Aufnahmen passt, dass sie nur sehr geringe Änderungen bedurfte. Wir hatten damals '), den offiziellen Französischen und Englischen Seekarten entgegen, die grosse innere, die Insel in zwei Theile theilende Bucht bereits angegeben, während jene offiziellen Karten die Insel ungctheilt Hessen. Gerade in diesem inneren Wasserbecken war es, wo Kapitän Musgrave mit seinen Leuten 20 Monate lang eine gezwungene Ansiedelung bewerkstelligte.

Zum Vergleich geben wir in einem anderen Carton (auf Tafel 3) ein Spezialkärtchen der Insel Juan Fernandez, den Schauplatz der Geschichte von Robinson Crusoe. Tafel 3 als Weltkarte veranschaulicht die allgemeine Lage beider Inseln, die Auckland-Insel liegt in derselben Breite als das Südende Kamtschatka^ und auch fast in derselben Länge.

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Die Zukunft der Düne von Helgoland,
(Aus einem Schreiben Ton Dr. Fr. Buchenau zu Bremen.)

Bei einem kurzen Erholungsaufenthalt in Helgoland im August v. J. lernte ich eine Gefahr für das Bestehen der Düneninsel von Helgoland kennen, ■welche durch die leichtsinnige Einführung der Kaninchen entstanden ist. Da der Gefahr durch sofortige Ergreifung energischer Mittel jetzt wohl noch gesteuert werden kann, halte ich es für meine Pflicht, die Thatsachen in Ihrem so weit verbreiteten und hochgeschätzten Blatte mitzutheileu, damit auch wirklich die nöthigen Mittel zur Abhülfe ergriffen werden. Zwar habe ich diesen Punkt bereits im hiesigen Naturwissenschaftlichen Vereine bei Gelegenheit eines Vortrages über Helgoland erwähnt und er hat in Folge davon auch in einigen politischen Blättern Erwähnung gefunden, aber bei den eigenthümlichen Helgolander Verhältnissen bedarf es energischerer Mittel, um die Bewohner zu raschem und entschiedenem Handeln zu bewegen.

Bekanntlich besteht Helgoland aus zwei Stücken, der Felseninsel und der Düneninsel'). Jene wird zusammengesetzt von dem bekannten mergeligen rothen Sandstein, diese, im Osten von ihr gelegen, ist lediglich aus Diluvialgerölle und Dünensand gebildet. Sie ist jedenfalls wohl die kleinste Düneninsel an der Deutschen Nordseeküste und deshalb in beständiger Gefahr, weggerissen zu werden, ja sie würde wohl schon längst auseinander gespült sein, wenn nicht die Felseninsel ihr von Westen her und ein Riff von Osten Schutz gewährten. Seit einigen Jahrzehnten hat man angefangen , Manches zu ihrem Schutze zu thun. Die Anpflanzung des Sanddornes (Hippophae rhamnoides), der in ein Paar Dünenthälern bereits kleine Wäldchen bildet, so wie die Anlegung von rechtwinklig verbundenen starken Hecken hat sich zur Ansammlung und Befestigung des Dünensandes als sehr nützlich erwiesen. Nun hat aber der jetzige Gouverneur vor mehreren Jahren, um ein jagdbares Wild zu erlangen, einige Paare Kaninchen dort ausgesetzt; er hegt dieselben mit solcher Sorgfalt, dass er sie im Winter Öfters füttern lässt und dass er in einer auf der Düne angeschlagenen Verfügung den Badegästen die Jagd auf diese als „Privateigenthum" bezeichneten Thiere untersagt 2). Und doch sollte man im Gegentheil eine Prämie für jedes getödtete Kaninchen ausgeloben, denn sie durchwühlen mit ihren Gängen und Bauen die Dünen nach allen Seiten und vermindern deren Festigkeit bedeutend. Sie haben sich bereits so vermehrt, dass ihre Losung überall in den Dünenthälern den Boden bedeckt und man bei einiger Aufmerksamkeit viele Eingänge ihrer unterirdischen Wohnungen findet. Ich habe nur mit grosser Mühe einige Blüthenstände des gemeinen Dünengrases (Ammophila arenaria) auffinden können, dagegen keinen einzigen vom Dünenweizen (Triticum junceum) und vom Sandgrase (Elymus arenarius). Auf dem Boden und vor den Eingängen der Höhlen musste man die Bispen und Ähren suchen; dort lagen sie abgenagt oft in dichten Mengen beisammen; viele waren auch gewiss

in die Höhlungen der Kaninchen gezerrt. Viele Büsche des Dünengrases und des Sanddornes waren abgestorben und Hessen sich leicht herausziehen; die Kaninchen hatten sie durch ihr Wühlen abgerissen. Und doch bilden diese Pflanzen den besten Schutz für die Dünen. Die übrige Vegetation war unglaublich dürftig. Nur mit grosser Aufmerksamkeit entdeckte ich einige Exemplare des duftenden Meersenfes (Cakile maritima) und der Honckenya pcploidcs; etwas häufiger war noch das Salzkraut (Salsola Kali); von der Dünendistel (Sonchus) fand ich dagegen nur Ein blühendes Exemplar, an fast allen anderen waren die Blüthenknospen oder auch das ganze Herz ausgefressen.

Wer die Schädlichkeit der Kaninchen selbst auf Inseln mit breiten und hohen Dünen kennt (man vergleiche z. B. in Beziehung auf Borkum Prof. Wicke's beredte Schilderungen), der wird zugeben, dass die ganze Helgolander Düne gefährdet ist, wenn dem Unfuge der Thiere nicht baldigst und kräftig gesteuert wird. Sollte erst ein Mal der Kopf der Düne bei einem Wintersturme weggerissen sein, dann wird auch der Körper derselben nicht lange mehr dem Andränge des Windes und der Wogen widerstehen können. Mit der Zerstörung der Düne .ist aber auch der Erwerb der Helgolander auf das Äusserste gefährdet. Dass das Bad Helgoland wesentlich auf der Existenz der Düne beruht, ist allbekannt; weniger bekannt möchte sein, dass auch die Fischerei innig mit ihr verknüpft ist. Auf der Düne werden aber gerade die Fischerwürmer gegraben, welche als Köder für den Schellfisch, Dorsch und andere wichtige Fische dienen. Die wenigen Würmer, welche zur Ebbezeit am Strande der Felseninsel gegraben werden, würden nicht einmal für den Fischfang zum eigenen Bedarf der Inselbewohner genügen.

Stände Helgoland unter einer Deutschen Regierung, so Hessen sich von dieser Schritte zum Schutze der Insel erwarten. Wie die Verhältnisse aber jetzt liegen, ist nur davon Etwas zu hoffen, dass die Helgolander selbst aus ihrer Lethargie erwachen und Schritte thun, um durch schleunigste Ausrottung der Kaninchen den ferneren schädlichen Folgen der Unbesonnenheit des Gouverneurs vorzubeugen. Dieser selbst hat übrigens wohl keine Ahnung von der Gefahr gehabt, in welche er die Insel durch die Einführung der Kaninchen brachte.

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295 Faden ein. Die Bevölkerung iat im Verhältnis» zum Flächenraum sehr gering, doch nimmt sie von Jahr zu Jahr immer mehr zu, wie das aus folgenden Zählungen für die letzten 5 Jahre sichtbar ist.

Einwohner beiderlei Geschlechts aller Klassen wurden gezählt:

im Jahre 1858 .... 303.256 „ „ 1859 .... 308.049 „ „ 1860 .... 313.290 „ „ 1861 .... 318.963 . „ „ 1862 .... 824.220

In jenen Jahren betrug der Überschuss der Geburten über die Sterbefälle und zwar

im Jahre 1858 .... 4234

„ „ 1859 .... 3533

„ „ 1860 . . , . . 3513

„ „ 1861 .... 4520

„ „ 1862 .... 4157

Diess verhält sich zur allgemeinen Zahl der Bewohner wie 1:72, 1:87, 1:89, 1:71, 1:78.

Ausserdem vermehrte sich die Bevölkerung noch aus folgenden Ursachen:

1. durch Übersiedelung von Menschen verschiedener Klassen aus anderen Gouvernements:

im J. 1858 — 1859 — 1860 — 1861 — 1862
160 — 1434 — 243 — 643 — 370

2. durch Umnennung von Soldatensträflingen zu Kosaken:

879 — 643 — 1123 — 118

3. durch das Verschicken auf die Ansiedelung und zu Strafarbeiten:

3043 — 2068 — 1992 — 1754 — 1781 Die allgemeine Zahl der Bewohner des Gouvernements Jenisseisk verhielt sich nach den verschiedenen Klassen derselben im J. 1862 folgendermaassen:

I. Adelige . . . 803 männl. Geschl.,

II. Geistliche . . . 856 „ „ m. Bürger . 7.783

IV. Bauern . . . 92.873

V. Militär . 9.838

VI. NichtrusBen . . 23.685

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Im Militärressort: Das Kosaken - Regiment wird in 6 Hunderte getheilt; zu ihm gehören:

Krassnojarsk. Atschlnsk. Mfnussin.sk. Kansk. Jenisseisk.

Stationen '. 6 ~t 6 — 2

Antheile 2 — — 2 —

Zum Kosaken - Regiment gehören ferner 3 Kirchdörfer, 17 kleine Dörfer, 5 Saimki und 2 Vorposten. Die (icsammtzahl der Höfe ist 2151.

Die Einwohnerzahl der Kreise ist folgende:

Krassnojarsk. Atschlnsk. Minnssinsk. Kansk. Jenisseisk. männir GescbX 36\673 27.689 46.089 28Tl82^ 75 weibl. Geschl. 27.868 24.636 41.025 23.171 19.072 In Turuchansk männlichen Geschlechts 4026, weiblichen Geschl. 3414.

Im Gouvernement giobt es 6 Städte, darunter 1 Gouvernements-Stadt, 4 Kreisstädte und 1 Stadt ohne städtische Privilegien.

Die Gouvernements - Stadt Krassnojarsk liegt am linken Ufer des Jenissei und au der Katscha, die sich hier in ihn Sie liegt uuter 56° 1' N. Br. und 110° 34'

Ö. L., hat 4786 männliche und 4316 weibliche Bewohner. Die Kreisstädte sind folgende:

Atschinsk am Flusse Tschulyma liegt unter 56° 16' N. Br. und 108° 10' Ö. L. und hat 1384 männliche und 1348 weibliche Einwohner.

Minussinsk am Flusse Jenissei liegt unter 53° 43' N. Br. und 109° 24' Ö. L. und hat 1555 männliche und 1385 weibliche Einwohner.

Kansk in der Nähe des Flusses Kana liegt unter 56° 13' N. Br. und 113° 31' Ö. L. und hat 1219 männliche und 1223 weibliche Einwohner.

Jenisseisk am linken Ufer des Flusses Jenissei liegt unter 58° 16' N. Br. und 109° 46' Ö. L. und hat 3072 männliche und 2636 weibliche Einwohner.

Die Stadt Turuchansk an den Flüssen Jenissei und Turuchan liegt unter 65° 55' N. Br. und 105° 18' Ö. L. und hat 159 männliche und 117 weibliche Einwohner.

Der Handel im Gouvernement Jenisseisk ist nicht bedeutend und beschränkt sich nur auf den Verkauf von unumgänglichen Gegenständen, welche die Bewohner selbst auf den Jahrmärkten von Nischny-Nowgorod und Irbit einkaufen.

Der Haupterwerb der Bewohner, des Gouvernements besteht in den Arbeiten auf den Goldwäschen, im Verführen von Lebensmitteln, Getreide, von Thee und anderen Waaren aus Kjachta; hierher gehört auch der Handel mit Thierfollcn und Fischen. Der Handel mit Thierfellen wird von Jahr zu Jahr geringer, während sich die Goldwäschen lieben, und zwar deswegen, weil durch das Bearbeiten früher von Niemand bewohnter Gegenden - die wilden Thiere sich in die Tiefe der Wälder oder in die •benachbarten Gouvernements zurückgezogen haben.

Im Gouvernement befinden sich folgende Fabriken: Eine Kronssalzsiederei im Dorfe Troizk, die im Jahre 1862 101.193 Pud 17 Pfund Salz siedete für den Werth von 27.464 Kübeln, ferner

in den Stedten in den Kreisen ^

Talgsiedereien 4 1

Seifensiedereien 7 1

Gerbereien ...... 10 3

Papierfabriken ..... — 8

Glasfabriken — 1

Tan- and Strickfabriken ... 4 1
Butter-Bereituiigs-Anstalten ... 1 S
Branntweinbrennereien ... — 4

Eisenwerke — 1

Ziegelbrennereien .... 36 17

Töpferfabriken 1 29

Wagenbauer ..... 3 —

66 ~ 62

Die Einkünfte aller dieser Privatfabriken belaufen sich jährlich auf 68.725 Rubel. Überhaupt sind alle Privatfabriken wenig bedeutend und bedürfen einer grossen Verbesserung für ihre Fabrikate.

Hierher gehört auch als Gegenstand der Volksindustrie der Gewinn an Gold auf dun Privat-Goldwäschen. Alle diese Goldwäschen werden in vier Systeme eingetheilt: 1. in das nördliche, 2. in das südliche des Jenisseiskischen Kreises, 3. in das des Atschinskischen und Minnussinskischen Kreises und 4. das des Kanskischen und Nishny-Udinskischen Kreises. Jedes System steht unter der Aufsicht eines besonderen Berghauptmannes. Das Gold wird auf verschiedene Art gewonnen. Der Goldsand wird in eisernen Tonnen und grossen Schalen und auf Amerikanischen Rinnen verwaschen. Zum Auffangen des feinen Goldstaubes bedient man sich des Amalgamirens oder nach Art des Amerikanischen Verfahrens des Tuches, der Matten oder eines Gitters. Die Amerikanische Art, das Gold zu verwaschen, ist von Hrn. Pakulelf auf den drei Goldwäschen der Kompagnie Latkin eingeführt, da die Bedingungen dazu nicht für jede Örtlichkeit passen. Auf allen Goldwäschen des Jenisseiskischen Gouvernements wurden folgende Mengen an Gold gewonnen:

im JaLre 1858 . 985 Pud 35 Pfund 49 Solotnik,

„ „ 1859 . . 827 „ 31 „ 28
„ „ 1860 . . 683 „ 8 „ 68 „
„ „ 1861 . 713 „ 18 „ — „

„ „ 1862 . . 659 „ 7 „ 65 „

Es waren dabei beschäftigt:

im Jahre 1858 . . 28.002 Leute, 8116 Pferde,

„ „ 1859 . . . 24.343 „ 6716 „
„ „ 1860 . . . 21.533 „ 6111 „
„ „ 1861 . . . 19.834 „ 6074 „
„ „ 1862 . . . 24.149 „ 5208 „

Ausser dem Golde, auf dessen Gewinn alle Kräfte und Kapitalien verwandt werden, befinden sich im Gouvernement Jenisseisk noch folgende Produkte: Marmor, Steinkohle, Kupfer- und Eisenerze, Bernstein, Steinsalz und, Graphit in mächtigen Flötzen. Die Bearbeitung dieses letzten in geringem Umfange fing erst im vergangenen Jahr an; alles Übrige liegt noch als todtes Kapital da.

Die Schifffahrt auf dem Jenissei ist noch unbedeutend. Dampfboote sind erst seit dem Frühjahr 1863 durch zwei

Privat - Kompagnien eingeführt worden. Das eine dieser Dampfboote hat 80 und das zweite 20 Pferdekraft.

Ackerbau und, Viehzucht werden hauptsächlich von den Bewohnern der südlichen Kreise getrieben und zwar des Atschinskischen und Minussinskischen Kreises; am unbedeutendsten sind sie im Jenisseiskischen Kreise.

Chausseen fehlen dem Gouvernement, Poststrassen auf 1218 Werst befinden sich in gutem Zustande.

Poststationen hat das Gouvernement 51; auf ihnen werden 357 Pferde unterhalten. Im Gouvernement sind 19 Fähren, von denen 1 auf Kosten des Landes unterhalten wird.

Im Gouvernement befinden sich 22 Ärzte, von denen 19 im Dienste der Regierung stehen, und zwar in der Gouvernements - Stadt Krassnojarsk 7 , in den Kreisstädten und in den Kreisen 7, auf den Privat - Goldwäschen 3. Apotheken giebt es 2, 1 in Krassnojarsk und 1 in Jenisseisk.

Im Gouvernement Jenisseisk befinden sich folgende Lehranstalten:

Zahl der Schulen, Zahl der Zöglinge.

a. Bürgerliche Schulen:
Kreisschulen ....
Kirchenschulen in den Städten .
Kirchenschulen in den Kreisen
weibliche Lehranstalt in Jenisseisk

b. geistliche Kreisschulen

c. Kosaken-Schulen: in Krassnojarsk auf den Stationen

Erziehungs- Anstalt:

das Wladimir'sche Kinderasyl in Krass-
nojarsk 1 26

Gesammtzahl. 40 1570 Die Zahl der Lernenden verhält sich zur Gesammtzahl der Einwohner wie 1:192, im geistlichen Stande wie 1:12, im Militärstande wie 1:44 und im adligen Stande zugleich mit den Städtebewohnern wie 1:24. Im Jahre 1862 befanden sich unter den Zöglingen der Kirchenschulen 12 Knaben von dortigen Nicht-Russen, meistens Tungusen.

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BudischefTs Forschungen am Ussuri.

Mitgetheilt von A. Lomonoaaoff in Irkntsk.

In der Sitzung, welche die Sibirische Sektion der Kaiserl. Russischen Geogr. Gesellschaft am 2. (14.) September 1865 hielt, trug der Sekretär A. Sgibneff, dessen energischer Thätigkeit die Gesellschaft zum Theil ihren erfreulichen Aufschwung verdankt, einen Bericht über die Arbeiten während des Jahres 1865 vor. Wir entnehmen diesem Bericht die folgenden Notizen über die neuesten Russischen Forschungen im südöstlichen Theil der Mandschurei.

Herr Budischeff führte in Begleitung von drei Topographen zwischen Korea, dem Ussuri und dem Amur Untersuchungen aus, die namentlich in topographischer und botanischer Hinsicht von Wichtigkeit sind, und er hat der Sibirischen Sektion eine Karte im Mst. von 1:2.100.000 und drei Aufsätze eingereicht: eine Beschreibung der Bäume und Sträuchcr, eine Arbeit über die Wälder und passenden Ansiedelungspunkte, und eine allgemeine Übersicht des Landes.

Der Hauptbergrücken des . Gebiets, zugleich Wasserscheide zwischen der Tartarischen Meerenge und dem Amur, führt den Namen Sichota-Alin. Der grösste Landsee ist der Hanchai (Hauka, Kenchka) ') oder nach auderer Aussprache Sinchai. Er umfasst 5000 Quadrat-Werst, aber nach den wenigen bis jetzt angestellten Messungen beträgt seine Tiefe nicht über 5 Sashen. Sein Ausfluss ist der kleine Fluss Sunchatscha, der in schlängelndem Lauf eine Haide zwischen dem See und dem Ussuri durchströmt. Der wichtigste Zuäuss des Hanchai ist der vom Sichota-Alin kommende Lefu.

Das Klima dieser Gegenden ist in den nördlichen Theilen hart, dagegen im Süden für Pflanzen und Ansiedelungen günstig. Die mittlere Temperatur am Possiet - Hafen (in der Nähe von Korea) beträgt + 4,8° R., an der SungariMünduug + 2,4° R., in Nikolajefsk — 2,05° R. Die Vegetation weist in den Bäumen, Sträuchern und Kräutern viele neue Arten und nicht selten neue Gattungen auf, die nicht in Jlussland und den angrenzenden Ländern Asiens zu finden sind. Herr Budischeff theilt das Gebiet nach der Vegetation in drei Zonen:

1. Die nördliche Küstenzone zwischen Mariiusk, dem Kaiserhafen und dem Tumdschi-Fluss ist mit grossen See'n und Morästen bedeckt und charaktorisirt sich durch die Abwesenheit der Weinrebe und der Fruchtbäume, durch hartes Klima und heftige Winde.

2. In der mittleren, zwischen Mariinsk, dem TumdschiFluss und der Mündung des Chungari in den Amur, herrschen gemischte Wälder, die Weinrebe und Fruchtbäume kommen vor, doch werden die Früchte selten reif. Die Lärchen-Arten erreichen keine bedeutende Höhe. Der Sommer ist heiss wie in der südlichen Zone, aber der Winter viel strenger.

3. Die südliche Zone hat ein gemässigtes Klima und hohe Bergketten. Reben und Fruchtbäume gedeihen. Eichen, Ulmen, Eschen, Ahorn (Negundo aceroides), Cedern und Linden erreichen einen Durchmesser von 1J, eine Höhe von 15 Sashen und das herrschende Alter der Bäume ist 80 bis 220 Jahre. U

Die Bewohner des Landes sind Golde, Orotschonen und für den grössten Theil Chinesen, die sich in sehr beschränkter Weise mit Ackerbau und Gärtnerei beschäftigen, sie bestellen nur kleine Strecken des Bodens zu ihrem jährlichen Lebensunterhalt mit Korn und Gemüse. Die Küstenbewohner fischen Perlen von geringer Sorte aus dem Meer. Gerste, Hafer, Tabak, Kohl, Rettig, Melonen, Wassermelonen, Mohrrüben, Rother Pfeffer, Ölfrüchte, Nachtschatten, Sorgo, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Hanf wachsen wild. Aus den Waldbäumen zieht man wenig Nutzen. Die in der Nachbarschaft der Russen lebenden Koreaner sind viel kühner und kriegerischer, aber auch gröber und ungebildeter als die Chinesen, mit denen sie beständig in Streit liegen. Sie bilden ein ganz besonderes, von den Chinesen durch Sprache und Äusseres unterschiedenes Volk.

In naher Beziehung zu BudischefTs Forschungen stehen die topographischen Arbeiten der Mitglieder der Sibirischen Sektion, Herren Timroth und Helmersen in dem Lande zwischen Ussuri und Grossem Ocean. Sie nahmen 2000 Werst instrumental und 14.280 Werst nach dem Augenmaass auf und lieferten ausserdem eine vollständige Beschreibung der besuchten Länder.

Die Grenzgegend von Korea stellt eine weite Haide vor, trocken im Sommer und unwegsam während der Regouzeit. Die Ufer des Grenzflusses Tumen-ula bestehen aus sandigen Hügeln, mit wilder Weinrebe bewachsen. Der Fluss hat 200 bis 300 Sashen Breite und die Tiefe ist bei vollem Wasserstand sehr bedeutend. Am rechten Ufer,, auf dem Abhang eines lierges 26 Werst oberhalb der Mündung liegt die Koreanische Stadt Bom-lin-dschi-tschen, mit einer steinernen Mauer umgeben, und weiter abwärts am Fluss findet man 11 Dörfer und einige abgesonderte Chinesische Landgüter.

Das Thal dos Flusses Hun-dschun hat 8 Werst Breite, die Strömung des 40 Sashen breiten Flusses ist ausserordentlich reissend, bei niedrigem Wasserstand kann man jedoch eine Furt gegenüber der am rechten Ufer liegenden Stadt benutzen. Diese Stadt dehnt sich mit drei Strassen und einigen Quergassen 1 Werst weit aus, die Umgebungen sind dicht bevölkert, besonders die Ufer des Flusses.

Herrn Helmersen's Reise hat der Wissenschaft eine Menge interessanter Thatsachen geliefert. Bemerkenswerth ist besonders der ethnographische Überblick des Laudes. Von den Aborigineru des Trans-Ussuri-Gebiets ist kein Rest geblieben, Denkmäler beweisen aber, dass hier einst ein Volk auf hoher Stufe der Civilisation in festen Wohnsitzen lebte. Die Meinung einiger Schriftsteller, dass der Tungusische Stamm der Tasi die ersten Bewohner dieser Gegend gewesen, ist unrichtig, jene waren aller Wahrscheinlichkeit nach Orotschi Und sind erst von Norden gekommen. Die Chinesen, welche hier wohnen, haben meist keine Familie. Ihre Hauptnahrung besteht in Reis, Hirse und Koreanischer Grütze, deren Korn in einem rotheu Häutchen steckt und an den Geschmack des Buchweizens erinnert. Bohnen säen sie in verschiedenen Arten. Wohl 1000 bis 1300 Boote fahren in das Meer hinaus, um Seekrebse und Trepang zu fangen, und im Juli und August beginnt das Einsammeln des Seekohls, das bis in den Spätsommer fortgesetzt wird. Der sämmtliche Seekohl geht über Girin nach China, sein Preis ist aber jetzt wegen der Unordnungen in China bedeutend niedriger als früher. Jagd wird nur beiläufig betrieben. Eine Anzahl der hier ansässigen Chinesen beschäftigt sich mit dem Einsammeln des Dschen-schen (Ginseng), welcher hier wild wächst; sie betreiben das Aufsuchen in Gesellschaften von 6 bis 7 Mann. Kunstlich wird die Wurzel nur an drei Orten kultivirt, in Dau-biche, Amber-bire und Ery-dagu. Sie ist schwer zu bohandeln, verlangt einen waldigen fetten Boden und der Landmann ist gezwungen, den Boden häufig zu düngen und vor Sonnenstrahlen zu schützen. Die Anwohner des HanchaiSee's und des unteren Lefu beschäftigen sich mit dem Sammeln von Pilzen, welche in der Mandschurei hochgeschätzt und bei den Chinesen unter dem Namen Jumo bekannt sind. Zu dem Zweck wird eine grosse Strecke Eichenwald umgehauen, da sich die Pilze auf den verwesenden Stämmen finden.

Lopatiu, welcher von der Sibirischen Sektion in diese Gegend geschickt war, hat versprochen, binnen Kurzem, eine vollständige Beschreibung der Mineralien und Erze zu geben; das Land ist reich an Steinkohlen-Lagern, Eisenund Silbererzen.

') Bedeutet »uf Chinesisch „Mittelländisch".

(QeichloMen im 1%. Februar 1866.)

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