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verweigerten aber ganz entschieden den Eintritt in ihr Land, da eine alte Weissagung den Tod ihres gesammten Viehbestandes prophezeie, falls ein Europäer den Fuss auf ihr Gebiet setze. Neun Tage wurde ohne Erfolg unterhandelt und das immer drohender werdende Auftreten der Eingebornen nöthigte endlich zum Nachgeben. „Meine Pläne", schrieb v. der Decken an Dr. Barth, „wurden wieder ein Mal durchkreuzt, das Glück ist ein Mal von mir gewichen und wenn Einem das fehlt, hilft auch der festeste "Wille und die grösste Ausdauer Nichts."

Die Reisenden wandten sich nun wieder nördlich den Djagga-Bergen am Fuss des Kilimandscharo zu und von Mossi aus konnten sie am 27. November eine zweite Besteigung des Riesenberges unternehmen, wobei sie am 29. bis gegen 14.000 Fuss über den Meeresspiegel kamen. In dieser Höhe wurde in Schneewetter übernachtet, da aber die eingebornen Begleiter in der dünnen Luft sich auch in der langsamsten Weise nicht weiter fortzubewegen vermochten, so musste die Erreichung des Gipfels aufgegeben werden. Über den Jipe-See und von da auf einem nördlicheren Wege über die Bura- und Endara-Berge kamen die Reisenden am 26. Dezember • nach Mombas zurück, von wo sie am 31. in Zanzibar eintrafen.

Obgleich das auf diesen beiden Expeditionen Erreichte hinter den Wünschen des Barons wie der in ihren Forderungen unersättlichen Europäischen Geographen zurückblieb, so gehört doch die Positions-Bestimmung und wissenschaftliche Untersuchung des Kilimandscharo zu den schönsten Erfolgen, welche die geographische Entdeckungs-Geschichte in neuester Zeit aufzuweisen hat. Im Jahre 1852 äusserte Sir Roderick Murchison in der Präsidenten - Adresse an die Londoner Geogr. Gesellschaft: „Man kann sagen, dass keiner Erforschung in Afrika ein grösserer Werth beigelegt werden würde als einer Besteigung der schneegipfligen Berge Kilimandscharo und Kenia von der Ostküste, vielleicht aus der Gegend von Mombas her. Die kühnen Reisenden, welche zuerst die wahre Lage dieser äquatorialen Schneeberge fest-' stellen und nachweisen werden, dass sie nicht allein die Gewässer des Weissen Nil gegen Norden, sondern auch einige nach Osten entsenden, und die ferner die Frage beantworten werden, ob sie nicht auch andere Gewässer nach einem grossen See- und Saud - Gebiet im Inneren dieses Kontinents abschicken, werden mit Recht unter die grössten Wohlthäter der geographischen Wissenschaft in unserem Jahrhundert gerechnet werden." Die etwaigen hydrographischen Beziehungen des Kilimandscharo zum Nilbecken, auf welche Murchison in der angeführten Äusserung Gewicht legt, hat zwar v. der Decken nicht erforschen können, aber schon sein nur durch ungünstige Verhältnisse in der vollen Ausführung gestörter Plan, die Gegend westlich vom Kili

mandscharo und die Hochgebirge nördlich von ihm zu besuchen, sein zweimaliges, mit grossem Kosten-Aufwand verbundenes Vordringen zu einer Zeit, wo die Erfolge der zweiten Speke'schen Expedition, also der Zusammenhang des TJkerewe-See's mit dem Weissen Nil, noch unbekannt waren, verdient die höchste Anerkennung, denn während nur die aussergewöhnliche Gunst des Schicksals glänzende Erfolge gewährt, bestimmen die mit Verständniss und Umsicht getroffene Wahl eines rühmlichen Zieles und die mit grossen persönlichen Opfern gemachten Anstrengungen zur Erreichung desselben das Verdienst des Menschen, und das, was v. der Decken erreicht, ist an sich schon hinreichend, um diesem Deutschen Edelmann, der bedeutende Summen, die Annehmlichkeiten seiner bevorzugten Stellung in Europa, Gesundheit und Leben an eine wissenschaftliche Aufgabe setzte, einen Ehrenplatz in der Geschichte der Geographie zu sichern. i

Selbst in geodätischen und astronomischen Beobachtungen bewandert und auf jeder der beiden Reisen von einem tüchtigen Gehülfen begleitet konnte er die durchzogenen Gegenden mit verhältuissmässig grosser Genauigkeit aufnehmen. Durch eine Kombination von Trianguliruugen und häufigen astronomischen Ortsbestimmungen längs der Routen hat er die Lage des Kilimandscharo festgestellt — er liegt danach mehr als 1 Grad« östlicher als auf Erhardt's uud Bebmann's Karte —, hat ausserdem durch seine Aufnahmen der Karte des ganzen Gebiets zwischen dem Kilimandscharo und der Küste bei Mombas und Wanga eine sichere Grundlage gegeben und somit die ohne Instrumente zu Stande gebrachten Kartenskizzen der Missionäre vielfach berichtigt und vervollständigt, obwohl er wie Thornton sich sehr anerkennend über die den Umständen nach bewunderungswürdige Brauchbarkeit derselben aussprechen. Der See Jipe, den Rebmaun nur nach Hörensägen angedeutet hatte, erscheint auf v. der Deckeu's Karte in ganz anderer Gestalt und Lage, zugleich ist sein Zusammenhang mit dem Pangani nachgewiesen. Zahlreiche Höhenmessungen geben sicheren Aufschluss über das Bodeurelief, die mitgebrachten Gesteinsproben über die geologische Beschaffenheit, wie denn auch in anderen naturhistorischen Zweigen Sammlungen gemacht und daneben zusammenhängende Reihen von meteorologischen Beobachtungen angestellt wurden.

Den ganzen Umfang dieser Ergebnisse wird die Ausarbeitung der Tagebücher, Karten und wissenschaftlichen Beobachtungen erkennen lassen, denu bis jetzt sind nur kurze briefliche Nachrichten und vorläufige Berichte so wie wenige, nur nach einem Thcil der Messungen konstruirte Kartenskizzen zur Publikation gekommen '), aber auch jetzt

') Brief des Herrn Baron v. der Decken au llerrn Dr. H. Barth Uber seine Reise nach dem Kilünandjaro und dessen wahren Charakter schon springt der Gewinn, welcher der Geographie aus den beiden Reisen zugefallen ist, in die Augen, zumal wenn man die Forschungen der Vorgänger in vergleichender Weise daneben stellt, wie diess in topographischer Beziehung auf Tafel'16 im Jahrgang 1864 der „Geogr. Mittheil." geschehen ist.

Bei weitem das Hauptergebniss ist die Bestätigung und Vervollständigung der Rebmann'schen Angaben über den Kilimandscharo selbst. Durch die v. der Decken'schen Reisen wurde die so lange, ja fast allgemein bezweifelte Thatsache . endlich definitiv festgestellt, dass sich der Kilimandscharo zu einer Höhe erhebt, welche die Linie des ewigen Schnee's unter dem Äquator überragt, die Höhe wurde zu etwas über 20.000 Engl. Fuss, die Schneelinie zu 16.400 Engl. Fuss gefunden. Ferner ergiebt sich aus den Gesteinsproben, dass er ein alter Vulkau ist, und höchst interessant sind die Beobachtungen über die Zonen und Grenzen der Vegetation au seinen Abhängen. So ist dieser berühmteste Bergkoloss des äquatorialen Ost-Afrika jetzt in ähnlicher Weise durch vielseitige wissenschaftliche Beobachtungen der Kenntniss gewonnen worden, wie das Cameruns-Gebirge an der

d. d. Zanzibar, 13. November 1861. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, N. F. XII, 1862, SS. 73—81.)

Expedition to Kiliraandjaro. By R. Thornton. (Procoedings of the R. Geogr. Soc. of London, Vol. VI, 1861—62, pp. 47—49.)

Brief des Herrn Carl v. der Decken an Herrn Dr. H. Barth und Auszüge aus den Briefen seines Begleiters Herrn Dr. Kersten, d. d. Mombas, 20. September, und Wanga, 8. Oktober 1862. (Zeitschrift für Allgeni. Erdkunde, XIV, 1863, SS. 41—47.)

Baron v. der Decken's und Dr. O. Kersten's Eeise nach dem Kilimandscharo, 1862. („Geogr. Mitth." 1863, SS. 99—102.)

Auszug aus einem Brief des Herrn Baron Carl v. der Decken an Herrn Dr. H. Barth, d. d. Zanzibar, 15. Januar 1863. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, XIV, 1863, SS. 348—351.)

Briefliche Mittheilung Ton Dr. Kersten über seine Besteigung des Kiliraandjaro in der Gesellschaft des Herrn v. der Decken und Bruchstück aus einem Brief des Herrn v. der Decken d. d. Reunion, Juni 1863. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, XV, 1863, SS. 141—152.)

Geographical Notes of an expedition to Mount Kilimandjaro in 1862—63. By the Baron Charles von der Decken. Mit Karte. (Journal of the R. Geogr. Soc, Vol. XXXIV, 18G4, pp. 1—6.)

Vorläufige Skizze von Baron Carl v. der Decken's zweiter Reise von der Afrikanischen Ostküste zum Kilimandjaro, gez. von H. Kiepert. — Karte des Schneebergs Kilimandjaro, aufgenommen von C. v. der Decken auf seiner ersten Reise, gez. von H. Kiepert. (Zeitschrift für AUgem. Erdkunde, XV, 1863, Tafel V. — Bemerkungen dazu von Prof. H. Kiepert auf SS. 545—549.)

Der Sclineeberg Kilimandjaro in Ost-Afrika, aufgenommen von Karl T. der Decken, 1861. („Geogr. Mitth." 1864, Tafel 4. — Bemerkungen dazu auf S. 102, Anmerkung.) /

Das Gebiet der Schneeberge Kilimandscharo und Kenia in OstAfrika. Nach den Reiseberichten der Missionäre Krapf und Rebmann, 1844 — 53, und auf Grund der Forschungen K. von der Decken's, 1861 und 1862, von Burton, Speke (1857), Owen (1824) u. A. gez. von B. Ilasscnstein. („Geogr. Mitth." 1864, Tafel 16. — Bemerkungen dazu auf SS. 449—456.)

Beschreibung der von Herrn v. der Decken gesandten Gebirgsarten aus Ost-Afrika, grtfsstentheils vom Fusse des Kilimandscharo. Von Prof. Gustav Rose, mit einzelnen Bemerkungen von Prof. Rammeisberg. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, XIV, 1863, SS. 245—248.)

Beschreibung der zweiten Reihe der von Herrn v. der Decken aus der Gegeud des Kilimandscharo mitgebrachten Gebirgsarten. Von Dr. J. Roth. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, XV, 1863, SS. 543—545.)

Westküste durch Mann's und Burton's Forschungen, und v. der Decken gebührt der Ruhm, den, so viel wir jetzt wissen, höchsten Berg des Afrikanischen Kontinents, ein Glied der Hochgebirgsgruppe Ost-Afrika's, von deren Schneegipfeln schon Ptolemäus Kunde hatte, zuerst bestiegen und seiner Natur nach näher erforscht zu haben.

Die auf beiden Expeditionen gemachten Erfahrungen, die Unmöglichkeit, das Masai-Laud zu betreten, auch wohl seine missliche Stellung zum Sultan von Zanzibar, der ihn beschuldigte, gegen den Islam zu agitiren, und ihm allerhand Schwierigkeiten bereitete, brachten den Baron zu dem Entschluss, die Flüsse, namentlich den Dana und Dschuba, zu einem Vordringen nach dem Inneren zu benutzen, und er bestellte deshalb einen Flussdampfer in Hamburg. Die Zwischenzeit bis zur Vollendung und Ankunft des Dampfschiffes wollte er1 zum Besuch verschiedener Küstenpunkte und der Ost-Afrikanischen Inseln verwenden.

So trat er schon im Januar 1863 an Bord des Englischen Kriegsschiffes „Gorgon" eine Fahrt nach der Portugiesischen Kolonie Ibo und der Arabischen Niederlassung auf Kap Delgado an, segelte dann nördlich nach Lamu, begab sich von da nach den Comoren und ging im April abermals von Zanzibar mit einem Postdampfer nach den Seychellen und von dort Ende Mai nach der Insel Reunion, in der Absicht, eine Reise quer durch Madagaskar zu unternehmen. Aber das Unglück, das seine Projekte schon so oft verkümmert oder ganz vereitelt hatte, trat auch diess Mal in auffallender Weise hervor. Auf Reunion, wo er seinen treuen Diener Corolly durch den Tod verlor, erhielt er die Nachricht von der Ermordung des Königs Radama und den unsicheren Zuständen, die in Folge derselben in Madagaskar herrschten. Unter solchen Umständen war an eine Reise dahin nicht zu denken. Der Baron durchstreifte einige Monate lang die Insel Reunion und reiste dann nach Europa, um den Bau seines Dampfschiffes zu beschleunigen und Vorbereitungen zu. einer umfassenden Explorirung der Ost-Afrikanischen Flüsse zu treffen. Bei dieser Gelegenheit ward ihm in England die wohlverdiente Genugthuung zu Theil, dass ihm die Londoner Geographische Gesellschaft die goldene Medaille zuerkannte.

Die Ausrüstung zu dem neuen Unternehmen nahm überraschend grosse Dimensionen an. Ausser dem schon bestellten Dampfschiff, dem „Weif", Hess er noch ein kleineres, den „Passpartout", von 24 Fuss Länge und 12 Zoll Tiefgang bauen und brachte zugleich eine ganze Reihe von Begleitern und Gehülfen Ende 1864 nach Zanzibar zurück. Dort hatte sich inzwischen Dr. Kersten mit Berechnung der Beobachtungen, Sammeln von Naturalien, grösseren und kleineren Exkursionen beschäftigt, da ihm aber eine schleunige Veränderung des Klima's zur Herstellung seiner' angegriffenen Gesundheit Noth that, musste er im Februar 1865 'nach Deutschland zurückkehren und eben so war auch Graf v. Götzen zu alsbaldiger Rückkehr gezwungen.

Der erste Fluss, dessen Exploration versucht wurde, war der Osi oder Dana. Bereits im Februar 1865 begab sich v. der Decken mit einem Theil der Expedition dahin, doch zeigte sich der zum Einlaufen gewählte Münduugsarm nur so weit aufwärts schiffbar, als die Fluth reichte, d. L bis in die Nähe der Stadt Tscharra, und ohne die Untersuchungen für jetzt weiter fortzusetzen, eilte v. der Decken nach Zanzibar zurück, um dann mit dem „Weif nach dem Dschuba zu gehen'). Die Zusammensetzung dieses Schiffes so wie Krankheiten verzögerten den Aufbruch dahin bis zum 16. Juni und da mau unterwegs erst die Flüsse Thtila und Schamba untersuchte, gelangte der „Weif erst am 29. Juli in den Dschuba, nachdem, wie oben berichtet, der kleiuere Dampfer auf dor Barre dieses Flusses den Untergang gefunden hatte.

') Zeitschrift fUr AUgera. Erdkunde, August 1835, SS. 153—155.

Die weiteren Ereignisse bis zu dem traurigen Ende der Expedition sind oben ausführlich erzählt worden. Ob die Reisenden unter einem günstigeren Geschick beträchtlich weiter ins Innere vorgedrungen sein würden, lässt sich nicht beurtheilen, der Weiterfahrt zu Schiff setzte die Beschaffenheit des Flussbettes selbst, besonders die Strom! schnellen zwischen Berdera und Ganana, wie es scheint, unüberwindliche Schranken, aber man hätte doch wohl diese letztere, weit und breit bekannte Handelsstadt erreicht. Immerhin wird auch die so unglücklich abgelaufene Fahrt auf dem Dschuba nicht ohne Gewinn für die Wissenschaft bleiben, denn wie wir bei anderer Gelegenheit zeigen werden, war der „Weif zwar nicht das erste Europäische Schiff, das den Dschuba in seinem unteren Lauf befahren hat, aber seine wenigen Vorgänger trugen zu seiner Kenntniss äusserst wenig bei, während man mit Gewissheit darauf rechnen darf, dass die v. der Decken'sche Expedition den Fluss aufgenommen hat und dass wir eine Karte und Beschreibung desselben erhalten werden.

Die Nordpol-Frage und das Preussische Abgeordneten-Haus').

1. Petition aus der Grafschaft Mark an das Hohe Haus der Abgeordneten in Berlin

(überreicht vom Abgeordneten Fr. Harkort).

Die Kriegsmarine gehört zur Vervollständigung der Wehrkraft des Staates und die Nation nimmt warmen An

') Die hier publicirten Dokumente sind nicht bloss an und für sich Ton Interesse und enthalten werthvolle Daten, sondern sie konstatiren die wachsende Theilnahme in der Nation am Seewesen, an Hebung und Förderung desselben durch Entdeckungsfahrten und FischereiUnternehmungen in unseren nordischen Meeren.

Leider geht Alles sehr langsam bei uns in Deutschland. (Bis heute, 82. Februar, ist wenigstens von der K. Preussischen Regierung noch kein Bescbluss über ihre Bctheiligung an der Sacho gefasst worden, nachdem ich Tor länger als 3 Monaten, am 15. November 1865, die Angelegenheit den K. Preuss. Staatsministern Graf Bismarck uud H. v. Roon persönlich unterbreitet hatte.) Während Volk und Regierung deliberirt und berathet, Versammlungen hält, Kommissionen, Comiti-s und Ausschüsse bildet, viel spricht, schreibt, denkt und Protokolle macht, laufen uns andere Nationen, Grenznachbarn, die man nicht einmal ebenbürtig erachtet, den Rang ab.

Es giebt. leider immer noch Leute bei uns, und zwar hochstehende Leute, die zwar zugeben, dass ein Unternehmen wie.die projektirte Deutsche Nordfahrt von Interesse für die Wissenschaft, aber in keiner Weise von praktischem Nutzen sei. Die beste Antwort ist ein Hinweis auf das, was das kleine Dänemark beroits get/ian hat, während das grosse Deutschland träumt und sich zum Handeln nicht entschliessen kann. Die Dänen haben trotz der ungeheuren Verluste, die sie im letzten Kriege erlitten, so viel nautischen Sinn und sind besonders von der grossen praktischen Bedeutung der arktischen Meere so sehr Uberzeugt, dass sie im Torigen Jahre zur Ausbeutung der arktischen Fischereien eine Gesellschaft gründeten, deren Kapital vorläufig auf 150.000 Thaler, 1500 Aktien zu 100 Thaler vertheilt, festgestellt wurde. Die Idee zur Bildung dieser Gesellschaft ist von dem bekannten thatkräftigen KapitänLieutenant Hammer ausgegangen, der dio Seele des ganzen Unternehmens ist. Dio Thätigkeit der Gesellschaft wird schon in diesem FrtthPetermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft II.

theil an einer gedeihlichen Entwickelung derselben. Nicht allein der Bau von Häfen und Schiffen kommt in Betracht, sondern auch die Ausbildung einer zahlreichen und tüchtigen Seemannschaft, die im Frieden nicht dem Staatssäckel zur Last fällt, sondern in verwandten heimischen Gewerben ausreichende Beschäftigung findet. Die Preussische Handelsmarine ist nicht in der Lage, das zu einer Kriegsrüstung erforderliche Matrosen - Kontingent für die Kriegsmarine zu stellen, ohne in der eigenen Bewegung auf das Nachtheiligste gestört zu werden; ihre Tonnenzahl wächst nicht im Verhältniss zum Bedürfniss. In Norwegen fallen auf 3 Seelen 1 Tonne Schiff, in England auf 6j 1, in Frankreich auf 40 1, in Preussen auf 54 1. Die Küsteu-Segelsehifffahrt erleidet Abnahme anstatt Zunahme, weil Dampfbootlinien die Verbindung der Häfen rascher und regelmässiger besorgen. Die grossen Seemächte verschaffen sich durch die Begünstigung der Fischerei das genügende Material abgehärteter Seeleute

jähr beginnen, indem schon im März 5 Fahrzeuge nach Norden gehen werden: 1 aus Teakholz und Eisen gebauter Dampfer von 40 Pferdekraft und circa 250 Tons Tragfähigkeit zum Walfischfang, 2 Schoonor zum Dorschfang und 2 Jachten zum kleineren Fischfang; zum Robbenfang in den Eis-Regionen soll ein anderes starkes Dampfschiff gebaut werden.

Fischen doch auch sogar die Franzosen bei Island allein jährlich durchschnittlich für etwa 16 Mlüienen Francs Dorsch!

Wir Deutsche beschränken uns darauf, mit ungeheuren Summen dem Auslande schlechte Seefische abzukaufen und daheim beim Biere von einer Deutschen Flotte zu träumen, während eine Deutsche NorcVfahrt vor Allem dazu beitragen würde, bei uns den Sinn für das Seewesen zn wecken und dasselbe zu beleben und zu heben. A. P.

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für* die Flotte, wodurch gleichzeitig die wichtigsten Vortheile für die National-Ökonomie erlangt werden.

Nur da, wo die Fischerei in Blüthe steht, kann von einer eigentlichen Seebevölkerung die Kode Bein. In Ausbildung dieses Gewerbzweiges steht Preussen leider gegen alle seefahrenden Nationen zurück; unsere nicht zahlreichen Fischer findet man nicht in offener See, sondern sie betreiben in den Bodden- und Binnenwässern den wenig bedeutenden Fang, während wir dem Auslande einen Tribut von Millionen Thalern für Fischwaaren zollen. Die Ostsee, als Binnenmeer mit geringerem Salzgehalt und ohne den Reichthum an Halingen, Stockfischen, Kabliau und Robben, bietet für eine namhafte Ausdehnung der Fischerei auf offener See ein zu beschränktes Feld, wir müssen weiter hinaus auf die allgemeinen Tummelplätze der Nordsee und des arktischen Meeres.

Friedrich der Grosse erkannte das Bedürfniss und stiftete mit Erfolg die Härings-Kompagijie in Emden; auch den Walfischfang hatte er im Auge; heute, wo Preussen abermals festen Fuss an der Nordsee gefasst hat, sollte jener Vorgang Nacheiferung erwecken. Die Preussische Kriegsmarine scheint im eigenen Interesse dazu berufen, der einheimischen Seefischerei neue "Wege aufzusuchen, und sie hat die Mittel dazu völlig in Händen; tüchtige Schiffe und Seeleute, die ohnehin im Frieden in passender Weise geübt werden müssen, sind vorhanden.

Englische, Französische -und Amerikanische Kriegsschiffe findet man unter den Fischerfiotteh der Nordsee, bei Island und den Bänken von Neu-Fundland. Nelson bildete sich zum Seemann in den Eisfeldern. Die Deutschen Fischer sind vorzugsweise auf die arktischen Regionen angewiesen. Die Fahrt auf Grönland, welche die muthigsten Seeleute bildet, hat bedeutend abgenommen, weil der Walfisch sich mehr gegen den Nordpol zurückgezogen, dem ohnerachtet besitzt Europa noch 340 Walfisch-Jäger mit 17.000 Mann Besatzung. Das Manoeuvriren mit Segelschiffen in den Eisfeldern ist zeitraubend und gefährlich, ungleich günstiger sind die Verhältnisse für die Schiffe mit Dampfkraft. Die Kapitäne Gravel und Bruce von Dundee lieferten den Beweis, indem sie ihre Schraubendampfer binnen 9 Monaten zwei Mal mit Thran füllten.

Die Englischen und Amerikanischen Nordpol-Expeditionen ergeben, dass dem Vordringen durch die Baffin-Bai und den Smithsund fast unübersteigliche Hindernisse entgegenstehen.

Dagegen schlägt der Deutsche Geograph Petermann die Route über Spitzbergen als geeigneter vor, indem er sich auf den Einfluss des warmen Golfstroms und andere Thatsachen stützt, die im Ergänzungsheft Nr. 16 seiner „Geogr. Mittheilungen" vom Oktober vorigen Jahres sehr lichtvoll zusammengestellt sind. Ausser dem hohen wissenschaft

lichen Interesse, welches der Versuch einer Nordpol-Fahrt gewährt, würde ein bedeutender Erfolg, selbst im Fall des theilweisen Misslingens, für die Fischerei und den Handel erlangt werden, wie wir uns in der Anlage ') nachzuweisen erlauben.

Der warme Sommer von 1865 und der jetzige Winter sind einer Durchforschung der arktischen Gewässer über Spitzbergen hinaus ungemein günstig und es wäre sehr zu bedauern, wenn die Gelegenheit versäumt würde, ein Sliel

') Anlage zur Petition: Bemerkungen, betreffend die Erweiterung de» Verkehrs mit Norwegen. — Der nördlichste Handelsplatz Norwegens ist Hämmertest, eine aufblühendo Stadt unter 70° 39' N. Br. Trotz der hohen Lage ist der Winter durch die Einwirkung des Golfstroms ein gelinder.

Als Tauschplatz mit' den Hussen ist der Ort mit Freiheiten begabt und der Verkehr steigt sichtbar, um so mehr ist es zu bedauern, dass Preussen hier kein Konsulat besitzt. Manche unserer Fabrikate suchen über Hammerfest nach Russland zu gelangen. Deutschland verkehrt meerwärts nur durch den Zwischenhandel der Hanse-Städte mit Hammerfest, wahrend eine direkte Verbindung ungleich grossere Erfolgo herbeiführen würde.

Betrachten wir zunächst die nordischen Produkte der Ausfuhr. Archangel führt durchschnittlich jährlich aus: 6 Millionen Pfund Thran, 16 Millionen Pfund Flachs und Heede, 116.000 Tonneu Theer, 7.000 Tonnen Pech, 124.000 Tschetwert Leinsamen, 160.000 Pfund Federn, 134.000 Dutzend Dielen (ausser Roggen und Mehl u. s. w.), alles Artikel, welche Deutschland in Massen verbraucht.

Unter der Einfuhr finden sich

6 Millionen Pfund Salz, 2 Millionen Pfund Steinkohlen. Norwegen bedarf für seinen Fischfang von riesenhafter Ausdehnung jährlich 200.000 Tonnen Salz und ebenfalls der Zufuhr von Steinkohlen für die Dampfschifffahrt und Kupferhütten beim Nordkap. Die Einfuhr von Steinsalz ist frei für Hammerfest. Portugal liefert jährlich an Schweden bis 800.000 Kubikfuss Salz, Spanien ebenfalls ein bedeutendes Quantum.

Norwegen führte 1862 800.000 Tonnen Häringe aus und die Deutschen Küsten waren die Hauptabnehmer; dazu treten noch 24 Millionen Pfund Stockfisch, ferner 7 Millionen Centner Thran, — ein Artikel, Ton dem der Zollverein jährlich über 200.000 Centner verbraucht. Dort in den arktischen Gewässern, wo der Russe und Norweger ihren Thran gewinnen, würden bei richtiger Benutzung der jetzt vorhandenen Hülfsmittel auch die Deutschen Fischer lohnende Beschäftigung finden. Zur Ansfracht diente das Salz der gewaltigen Steinsalzlager bei Stassfurt, welches sich als Häringssalz bewährt hat.

Die Anfuhr bis zu den Elbhäfen ist erleichtert, da der Lauenburger Elbzoll, dieses Hinderniss, jetzt in Händen Preussens ist.

Die Westphälische Steinkohle hat bereits das Weltmeer überschritten, sie diente von Ems und Weser aus als Ausfracht. Die Schiffe der Ostsee lüden Öl, Spriet und Zink, — Artikel, die im Norden regelmässig gesucht sind.

Gesetzt, der Fischfang fülle die Fahrzeuge nicht, dann wäre stets die Gelegenheit geboten, volle Rückfracht in Rohprodukten zu tauschen und zu finden. Hammerfest würde der Stapelplatz sein. Die früher unbeachteten Abfälle der Fischerei können jetzt zu Guano verarbeitet werden und eben so bieten die an Spitzbergens Küsten unbeachtet liegenden Knochen ein werthvollcs Düngemittel.

Dass sich an diesen Verkehr mit Rohprodukten ein bedeutender Umschlag in anderen Waaren knüpfen würde, bedarf wohl keiner weiteren Nachweise, da er indirekt bereits durch die Hanse-Städte betrieben wird.

Die Ausbildung der Seeleute wäre die erspriessliche Folge der Hebung der Fischerei. Man vergesse nicht, dass der Weltumsegier Cook und der grosse Seehold Nelson in den nordischen Gewässern ihre ruhni" > reiche Laufbahn begonnen.

zu verfolgen, auf welches die Augen der gebildeten Welt neuerdings mit grosser Theilnahme gerichtet sind und wo ein schöner Buhmeskranz der Beharrlichkeit winkt.

Für die Preussische Marine giebt es im Frieden keine nationalere Bestrebung als wie die, einzutreten in den Ereis der Bewerber und so ihre Ebenbürtigkeit im Felde der Wissenschaft unzweifelhaft festzustellen. Nachdem Russland und Osterreich so wie jüngst noch Schweden mit Ruhm und Erfolg wissenschaftliche Expeditionen ausführten, dürfen wir nach dem Urtheil der tüchtigsten Seeoffiziere und des Deutschen Publikums nicht zurück bleiben, da die Fojgen nicht allein für die Wissenschaft, sondern auch für die materiellen Interessen gleich erspriesslich sein werden. Wie bemerkt, sind geeignete Schiffe, erfahrene Offiziere und Hannschaften so wie gelehrte Forscher und Instrumente vorhanden und die Rüstungskosten werden eine massige Summe nicht übersteigen und können auf dem Titel der Indienststellung verrechnet werden.

Wir erlauben uns deshalb, den gehorsamsten Antrag zu stellen, dass ein Hohes Haus geruhen wolle, die Eönigl. Staatsregierung aufzufordern:

a. die durch Petermann angeregte Nordfahrt im Interesse der Marine direkt in die Hand zu nehmen oder

b. eventualiter eine zu diesem Zwecke gebildete PrivatGesellschaft kräftig zu unterstützen.

Haspe, Ereis Hagen, im Januar 1866. (Folgen die Unterschriften.)

2. Erster Bericht der Kommission für Handel und Gewerbe über eine Petition, die Nordpol - Fahrt

betreffend. i |

In Deutschland ist in der neueren Zeit das Projekt einer Expedition nach den arktischen Regionen, hauptsächlich zur Erreichung des Nordpoles, eines schon seit Jahrhunderten , von verschiedenen Nationen angestrebten Zieles, in Anregung j gekommen. Unser Geograph Dr. A. Petermann hat nach langjährigen Studien und Forschungen die Fahrt über Spitzbergen als den geeigneten Weg bezeichnet und die von ihm vorgeschlagene Route hat nicht nur im Auslande, besonders in England, wo man mit einer neuen NordpolExpedition und zwar auf anderen Wegen vorgehen will, sondern auch in Deutschland unter den Männern der Wissenschaft so wie im Handelsstande den lebhaftesten Anklang gefunden. Man darf behaupten, dass Pctennann's Projekt eine Deutsche Nationalfrage geworden ist. Mit der Realisirung desselben, mit der Ausrüstung einer Expedition in der Petermann'schen Richtung und mit der Beschaffung der dazu erforderlichen Mittel, beschäftigt sich zur Zeit das Deutsche Publikum. Aus der Theilnahme für das Projekt ist auch eine Petition vieler Männer aus der Grafschaft

Mark hervorgegangen, welche vom Abgeordneten Friedrich Harkort überreicht und unterstützt ist

Die Eommission für Handel und Gewerbe hat sich der Berathung der Petition unterzogen. Dabei haben als Regie rungs-Eommissarien der Marine-Eapitän-Lieutenant Freiherr v. Schleinitz, in Vertretung des Marine-Ministeriums, und der Geheime Ober-Regierungsrath Moser, in Vertretung des Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, mitgewiskt und die Erklärung abgegeben:

„Die Eönigl. Staatsregierung nimmt Theil an dem Interesse, welches die angeregte Nordpol-Fahrt im Lande findet. Sie hat daher die Ausführung einer solchen Fahrt bereits in eingehende Erwägung genommen, und zwar zunächst eine Eommission von See-Offizieren ernannt, welche das nöthige Material vorbereiten soll, auf Grund dessen ein Entschluss in dieser Sache Seitens der Regierung gefasst werden kann."

In der Eommission wurde die Bedeutung des Unternehmens für die Wissenschaft, für den Handel und für die vaterländische Marine allseitig anerkannt. Dr. Petermann legt in seinen Epoche machenden Schriften, die Geographie und Erforschungen der Polar-Regionen betreffend, welche mit der Petition überreicht sind, dar, dass eine arktische Expedition die wichtigsten geographischen Aufgaben umfasse, die es auf unserer Erde noch zu lösen gebe. Alle Zweige der geographischen Wissenschaft — Topographie, Geologie, Hydrographie, Meteorologie, Magnetismus, Zoologie, Botanik und Ethnographie — würden hierdurch die wichtigsten Bereicherungen erfahren, da vornehmlich am Nordpol der Schlüssel und Eern zu den meisten physikalisch-geographischen Phänomenen der ganzen nördlichen Hemisphäre gefunden werden würde. Eben so wahrscheinlich ist es nach Petermann, dass die Erforschung des arktischen Meeres bei Gelegenheit der Expedition auch die wichtigsten materiellen Folgen für Schifffahrt und • Handel haben wird. Dem Walfischfange, einem der vorzüglichsten1 Zweige aller kaufmännischen Schifffahrt, würden hierdurch neue Bahnen eröffnet. Ausserdem befinden sich nach bereits erfolgten^sicheren Feststellungen im arktischen Meere die wichtigsten und reichsten und allem Anscheine nach unerschöpflichen fossilen Elfenbeinlager der Welt — Dass endlich die vaterländische Marine besonders in Friedenszeiten mit dazu berufen sei, bei kühnen Unternehmungen der vorliegenden Art zu kooperiren, den Erdball zu erforschen, das Reich des Wissens zu erweitern und dabei ihre Eraft zu üben, darüber war die Mehrheit der Eommission ebenfalls einverstanden.

Anlangend die Ausführung des Unternehmens, so nahm die Eommission die Erklärung der Eönigl. Staatsregicrung, dass sie an dem Interesse, welches die angeregte NordpolFahrt finde, Theil nehme und die Ausführung einer solchen

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