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Geographische Literatur.

Vorbericht.

Zur Beobachtung der vulkanischen Vorgänge auf Santorin reisten unter anderen Geologen im vergangenen Frühjahr auch die Herren Dr. Alphons Stübel, Dr. W. Reiss und Dr. K. v. Fritsch dahin. Während ihres Aufenthaltes daselbst führte Dr. Stübel eine Relief - Karte der KaimeniImeln im Maassstab von 1:11.750 aus, auf welcher der Stand der vulkanischen Neubildungen am 30. Mai 1866 nach den Messungen von Dr. Reiss und das submarine Terrain von Dr. v. Fritsch dargestellt ist. Zum Vergleich fertigte Dr. Stübel später ein zweites Relief, das die Gestalt der Kaimeni-Inseln und des umgebenden Meeresbodens, wie dieselben vor Eintritt der neuen vulkanischen Eruptionen waren, veranschaulicht. Beide Reliefs neben einander geben die klarste Ansicht von den Veränderungen des Terrains, die man sich wünschen kann. Den Verlag hat die Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig übernommen und wird das Exemplar zu 2\ Thlr. abgeben können. Noch früher werden Photographien der Reliefs zur Veröffentlichung kommen, die nach den uns vorliegenden Proben ebenfalls eine sehr gute Anschauung bieten, zumal ausser den Vollansichten von oben auch Profilansichten gegeben sind, welche letzteren , namentlich von dem unterseeischen Terrain und seinen Veränderungen das anschaulichste Bild gewähren. Die Photographien mit begleitendem Text und Karten werden von Fr. Bassermann in Heidelberg verlegt.

Das Kriegstopographische Depot in St. Petersburg unter Leitung des General v. Blaramberg hat wiederum ein grossartiges Karteuwerk in Angriff genommen, eine neue Spezialkarte von Russland und dem Kaukasus in 144 Blatt und in demselben Maassstab wie die bekannte Schubert'sche Karte, 1:420.000. Es wird stark daran gearbeitet. Aus derselben Werkstatt ging kürzlich eine Orographische Karte vom Militär-Kreis Odessa hervor, die auf 4 Blatt im Maassstab von 1:840.000 vier Gouvernements enthält, auch publicirte sie jüngst den 27. Theil ihrer Memoiren und den ersten Supplementband zu, dem Katalog von Position»- und Ilöhenbestimmungen mit 4000 während der Jahre 1860 bis 1865 neu .bestimmten Punkten.

Ingenieur Charles Grad in Turckheim bei Colmar im Elsass, der sich seit einer Reihe von Jahren um die Verbreitung Deutscher geographischer Arbeiten durch Übersetzung uud Bearbeitung in Französischer Sprache bekannt und verdient gemacht hat, giebt gegenwärtig als Frucht eigener Beobachtungen eine Abhandlung über die Hydrologie des lll-Gebiets und eine Orographie der Yogesen heraus.

August Kahl, der kürzlich seine „Reisen durch Chile und die westlichen Provinzen Argentiniens" veröffentlicht hat, ist seit dem November bereits auf einer neuen Reise nach 'Süd-Amerika begriffen. Er begiebt sich zunächst nach Montevideo, will von da die nördlich des Rio Ncgro belegenen Departements von Uruguay besuchen und dann Argentinien und Bolivien ihrer ganzen Länge nach durchschneiden. Den „Gcogr. Mittheiluugen" versprach er von Zeit zu Zeit Aufsätze physikalisch - geographischen Inhalts über jene Länder.

R. Brown. der vor vier Jahren unter den Auspicien einiger Edinburger Gesellschaften eine wissenschaftliche Reise

nach den Ländern an der Westseite der Felsengebirge antrat und dort unter Anderem eine Expedition zur Erforschung der Vancouver-Insel leitete (siehe „Geogr. Mittheil." 1865, S. 198), ist wohlbehalten zurückgekehrt mit grosser Ausbeute für Geographie, Geologie, Zoologie, Botanik so wie für die Sprachen und die Geschichte der Indianer-Stämme, zu denen ihn seine Wanderungen führten. Es steht ein Bericht über seine Arbeiten in Aussicht.

Nachdem vor Kurzem das ungemein reichhaltige und wichtige Hauptwerk über die Schwedische Expedition nach Spitzbergen erschienen ist, als dessen Verfasser der verstorbene Chydenius genannt wird, das aber eigentlich von den übrigen Theilnehmeru abgefasst ist, da Chydenius nur den ersten unvollkommenen Entwurf ausgearbeitet hatte, wird nun auch bald Professor Nordenskiöld's geologische Beschrei\ bung von Spitzbergen mit der Karte zur Publikation kommen.

POLAR - REGIONEN.

Chydenius, K.: Svenska expeditionen til Spitsbergen iir 1861 utfrird ander ledning af Otto Toreil. Ur deltagarnes anteckningar och andra ; handlingar skildrad. 8°, pp. 1—482, mit Karten. Stockholm, Horstedt, 1866. 6 rd. Paijkull, G. W.: En sommar pS Island. Rescskildringar. Med 30 illustrationer i träsnitt, 4 fotografier och en karta öfver Island. 1. lieft. 8°, 80 pp. Stockholm, Bonnier, 1866. 1 rd. 25 öre.

In gewählter Sprache beschreibt Paijkull, Docent der Geologie in Upsala, neben den kleinen Abenteuern, die seine Sommerreise auf Island mit sich brachte, diese Insel mit ihren Naturwundern und ihrem merkwürdigen Volke so, wie keiner seiner Vorgänger. Dem Schweden kam Manches zu Statten, er war vollkommen vertraut mit der Sprache und Literatur des Landes, brachte viele einflussreiche Empfehlungen mit, fand grössere Sympathien bei den Bewohnern als namentlich Deutsche Besucher und wurde besonders auch von dem Himmel begünstigt, indem der Sommer 1ÖR5 ein ungemein schöner, regenund nebelfreier war, so dass die freie Aussicht heinahe nie verschleiert war. Daher umfasst denn auch seine Reise einen grossen Kreis, nämlich von Reykiavik — Ausflüge in die nicht allzu entfernte Umgegend ungerechnet — längs der ganzen Süd- und Ostküste bis an den Vöpna-Fjördr, darauf westlich quer durch das Land an die Nordselte des Myvatn so wie nach einem nördlichen Abstecher über Husavlk an das Vorgebirge Kaufageupr weiter westlich nach Agureyri, der zweiten Stadt (?) der Insel am Eya-Fjördr; von dort erst in westlicher Richtung längs der Westseite des Eya-Fjordr and dann in südwestlicher zurück nach Reykiavik. Ein Abdruck der Karte von Olsen (1849) und Illustrationen in Farbendruck und Holzschnitt zieren das Buch. Die gelehrten geologischen Forschungen, die den eigentlichen Zweck der Reise bildeten, sind für ein besonderes Werk aufgespart worden, doch werden sie schon in diesen) Buche stets Im Auge behalten und wenigstens in ihren allgemeineren Resultaten berührt.

Karten.

Grönland. Kort over Arsuk Fjord. Opmaalt i 186.1 af Falbe og Bluhme. Med „Kormann, Oplysniuger over Beseilingen af Arsuk - Fjorden i Syd-Grönland" (8°, 18 pp.). Kopenhagen, Sökort-Archivet, 1866.

1 rd. 48 ss.

Grönland. Kort over Vestkysten af Grönland fra Arsuk til Holsteensborg. Kopenhagen, Sökort-Archivet, 1866. 1 rd. 32 ss.

OCEANE, NAUTIK.

Atlantic Cable, Successfull deposit of the — . Mit 1 Karte. (\autical Magazine, September 186C, pp. 482 — 486; Oktober pp. 522 —527.)

Die Karte giebt die Lage der beiden Atlantischen Kabel, das l'rofil des Meeresbodens, die Tiefenmessungen und in bel^fiiirten Tabellen die tätlichen Positionen des ftreat Eastern heim Legen der Kabel, die Lansre der letzteren im Vergleich mit den direkten Entfernungen und ein Verzeichnis* der Hauptvnrkommnisse. Sie Ist das Beste , Kürzeste, Uebersirlitlichste , was Uber das grossartige L'nternehnjou publicirt worden.

Atlantic Telegraph, its history from the commencement of the undertaking in 1854 to the sailing of the ,,Great Eastern" in 1866. From authentic sources. 8", 120 pp. London, Bacon, 1860. b\ s.

China Regatta, The - —. (Nautical Magazine, Oktober 1866, pp. 527—530.)

Es war in London eine Prämie für das Schiff ausgesetzt, welches den ersten diessjä'hrigen Tliee aus China bringen würde. Es entspann sich daraus eine Wettfahrt zwischen fünf Klipperschiffen , die zwischen dem 29. und 31. Mai den Hafen von Fu-tschau-fu verliessen und zwischen dem 6. und 9. September in London eintrafen. Das Schiff »Fiery ('rosa" fuhr aniJj^JEti Toii Fu-tschau-fu ah, ihm folgten am 34). zu gleicher Zeit die Schifri^^Brica", »Ariel" und »Taeplng", am 31. endlich der »Taitslng". Die SunV^Wiuise passirte die »Fiery Gross" am 18. Juni, »Ariel" am Morgen des fJti <mkeping" am Nachmittag den 20., »Serie«" am 22. nm 6 Uhr Abends /^nitsiug" vier Stnnden spater. »Fiery Cross" behauptete also ihren Vorsprang, »Sorica" aber war etwa» zurückgeblieben und vom »Tai Ising" fast eingeholt. Das Kap der Guten Hoffnung pa.ssirte »Fiery Cross" um 15. Juli, »Ariel" am nächsten Tage, »Scrica" erst am 22. Den Aequalor kreuzte »t iery Cross" am 4. August, »Ariel" am 5. In 12° 20' N. Br. traf »Fiery Cross" am i). August mit »Taeping" zusammen, da» sie demnach eingeholt hatte, und beide blieben einander in Sicht bis zum 17. August, wo sie in 27ü 52' N. Hr. und 36* 64'W. I* v. Gr. durch heftigen Wind getrennt wurden. Bald darauf hatte »Fiery Cross" das Unglück, in Windstitie zu gerathen und 24 Stunden lang nicht von der Stelle zu können. Ohne diesen Umstand würde sie voraussichtlich den Preis gewonnen haben. »Ariel" und »Taeping", die sich seit 70 Tagen aus den Augen verloren hatten, fandun sich unvermuthet am 5. September Morgens 8 Uhr bei Kap Lizard zusammen und jagten nun vor starkem Westwind mit Anstrengung aller Kraft, Uber und über von Segeln bedeckt, wie ein Biid in den »Illustrated London News" zeigt, neben einander her den Kanal hinauf. Zu gleicher Zeit nahmen sie die Lootsen an Bord, zu gleicher Zeit Hessen sie Bugsirdampfer vorspannen, aber »Taeping" war so glücklich, den kräftigeren Remorqueur zu bekommen, langte daher '/a Stunde früher in London an als »Ariel" und gewann den Preis von 500 Pf. St., den der Schiffsei genth Um er dem Kapitän als wohlverdiente Anerkennung Überliess. Dicht auf den Fersen folgte die »Serica'% sie lief nur •/* Stunden später als »Ariel" In die Docks hei London ein. Die unglückliche »Fiery Cross" erreichte das Ziel erst einen Tag später und »Taitsing" kam erst drei Tage spater an. »Taepinc", »Ariel" und »Serica", welche Fu-tschau-fu zu derselben Stunde verlassen hatten und auch fast zu derselben Stunde in London eintrafen, brauchten zu ihrer Fahrt 99 Tage. Es ist diess ein eklatantes und höchst beachtenswertes Beispiel, wie die genauere Kenntnis« der Wind- und Strömungs-Verhältnisse und überhaupt die vervollkommnete Nautik bei So gel schiffen die Fahrzeit selbst auf so grossen Helsen fa*t ebenso pünktlich einzuhalten weiss wie bei Dampfern. Zum Beweis, dass dieses Beispiel keineswegs vereinzelt dasteht, erwähnen wir noch, das» »Serien" und »Fiery Cross", die im Jahre 1865 eine ganz ähnliche Wettfahrt hielten, dnmals auch gleichzeitig von Fu-tschau-fu ausgelaufen waren nnd nach 10(5 Tagen bei der Insel Wight wieder zusammentrafen.

Corenwinder, M. B.: La mer des Sargnsses. Analyse du varec nageur ou raisin du tropique. 8fl, 12 pp. (Extrait des Memoires de la Soc. imper. des sciences de Lille, 1865, III* serie, 2* vol.). Lille, impr. Daniel, 1866.

Field, H. M.: The History of the Atlantic Telegraph, from the beginning, 1854, to the completion, August 1866. 12°, 367 pp. mit Illustrationen. New York 1866. 7$ s.

Le Gras, Capit. A.: Considerations gencrales sur la mer Mediterram'e. Resume des vent«, eourants et routes de cette mer. Choii d'extraits do documents nautiques empruntes ä differents auteurs. 8°, 248 pp. Paris, DepÄt do la marine (Bossange), 1866. 2 fr.

Lorenz, l)r. J. R.: Brakwasser-Studien an den Adriatisehen Küsten. Die Mündungen der Narenta, Cettina, Kerka, Etsch. 8°, 23 SS. mit 2 Tafeln. Wien, Gerold, 1866. (Aus den Sitzungs-Berichten der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften.) 90 Nkr.

Robiquet, Capit. A.: Renseignements sur la Nouvelle-ZeUande, suivis de notes sur les vents, eourants et barometres dans les environs du cap Horn et sur la traversee du Perou ä l'ile Maurice, &c. 8°, 221 pp. et un tableau. Paris, Challamel, 1866. 5 fr.

Schleiden, Dr. M. J.: Das Meer. 8°, 720 SS. mit 1 Karte, 23 Stahlatichen in Farbendruck und 216 Holzschnitten. Berlin, Sacco, 1865—67.

8J Thlr.

Der einst von deinen Zuhörern schwärmerisch verehrte, von seinen Fachgenossen buch geachtete, bisweilen wohl auch gefürchtete Herrscher im Gebiete der Pflanzenphyslologle arbeitet schon lange nicht mehr mit an dem mühsamen Aufbau dieser Wissenschaft. Ob es Umnuth war Uber daa Zusammenbrechen einiger seiner Lehren, oh jene Unbeständigkeit, die Ihn vom Handel der Jurisprudenz, von der Jurisprudenz dem Mikroskop zuführte und die sich ja nicht selten gerade bei hoch begabten Geistern findet, haben wir nicht zu untersuchen, jedenfalls gewann die grosse Zahl derer, die ohne naturwissenschaftliche Fitchkenntnisse Sinn für die Erscheinungen der Natur und die ihrem Verständnis* angemessene Darlegung ihrer Gesetze hüben, sie müssen es als eine glückliche Wendung erkennen, dass Schleiden für ihre Bildung und Unterhaltung nun schon seit Decennien thätig ist. Die ausserordentliche Befähigung des geistreichen Mannes für die populäre Behandlung wissenschaftlicher Themata zeigte sich schon auf das Entschiedenste in den Vorlesungen, die er vor einem gemischten Publikum in Jena hielt, und wurde bald allgemein wann anerkannt, als er das viel gelesene Buch »Die Pflanze und ihr Lehen" herausgab. Vielleicht hat gerade dieser grosse Erfolg viel dazu beigetragen, dass er seinen eigentlichen Fachstudien mehr und mehr den Rücken und sich auch in seinen populären Schriften zu anderen Gegenständen wendete;. Es folgte unter dem Titel »"Studien" eine Sammlung von Vorlesungen vermischten Inhalts, ein Buch über die Landenge von Sues mit einer Untersuchung Über den Weg, den die Israeliten auf ihrem Auszug aus Aegypten einschlugen, und mehreres Andere. Jetzt begegnen wir ihm wieder auf dem weiten Gebiete des Oceans mit seinem unendlich mannigfaltigen Leben. Nach einigen Abschnitten über die Geographie des Meeres, seine chemischen und physikalischen Eigenschaften, seine Bewegungen und Stürme, so wie über die Polar-Reisen und ihre Resultate geht er speziell auf das Leben im Meere ein und schildert seine Pflanzen, besonders aber seine Thlere ausführlich und in allen ihren Beziehungen. Die Abschnitte Uber die Fauna nehmen mehr als 500 Seiten ein, sind also hei weitem die Hauptsache, um die sich das Uehrlge gleichsam als Rahmen und Hintergrund gruppirt. Den Scblusa bilden Betrachtungen Über das Verhältnis des Meeres zum Menschen. Die Kunst,

den Laien zu fesseln und auf die angenehmst« Weise zu belehren, die Schleiden in so hohem Grade besitzt, feiert auch hier wieder Triumphe, aber auch Leser mit reiferen Vorkenntnissen werden Freude an dem Buche finden, denn kaum weniger als eine neue Entdeckung oder die strenge Entwickelung eines Gesetzes reizt und befriedigt der geistreiche Gedanke, die anregende Betrachtung. Schon dem Auge ist das Werk gefällig, der luxuriöse Druck und die zum Theil wenigstens ausserordentlich schönen farbigen Bilder, die namentlich die zierlichen Organismen bisweilen mit bewundernswürdiger Zartheit wiedergeben, machen es zu einem Prachtwerk, das sich anf den gewähltesten Büchertischen der Salons sehen lassen darf.

Siemens, Dr. W.: Methode für fortlaufende Beobachtungen der MeeresI temperatur bei Tiefenmessungen. (Monatsbericht der K. Preuss. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Juni 1866, SS. 416—418.)

Kurze, durch eine Abbildung erläuterte Beschreibung eines Apparates, welcher es möglich macht, die Temperatur der Meerestiefe, in welcher sich das Loth gerade befindet, an einem am Bord des Schiffes befindlichen Thermometer abzulesen. In ein zweidrähtiges Kabel, welches die bisher gebräuchliche Hanfsebnur ersetzt, ist eine isolirte Drahtrolle eingefügt, deren Widerstand gegen den galvanischen Strom bei einer bestimmten Temperatur bekannt ist. Ära Bord steht das Kabel mit drei anderen genau gleichen Widerstandsrollen und einem Galvanometer mit »statischer Nnd*.1! in Verbindung, so dass eine sogenannte Wbeatstone'sche Brücke hergerichtet ist. Die eine der auf dem Schiff befindlichen Widcrstnndsrollen liegt In einem Wasser« oder Oelbade, | welches beliebig abgekühlt oder erwärmt worden kann. Ist die Temperatur

dieses Bades, mithin auch diejenige der In ihm befindlichen Drahtrolle, verschieden von der Temperatur des Wassers, welches die ins Meer versenkte Drahtrolle mngiobt, so durchläuft ein Strom das Galvanometer und die Nadel desselben wird abgelenkt. Findet keine Ablenkung Statt, so sind die Temperaturen des Meenvassers und des Bades genau gleich. Die Ablesung des in letzterem befindlichen Thermometers giebt mithin die Temperatur der Meerestiefe.

Karten*

Atlantic Telegraph, Chart of the — , containing maps, views, diagrams and a history of the undertaking. London, Bacon, 1866. 2 s.

ALLGEMEINES.
Geogr. Lehr- und Handbücher, Statistik.

Dictionnaire de geographie ancieime et moderne, ä l'usagc du libraire et de l'amateur de livres. 1TM Iivt. 8° ä 2 col., 32 pp. Paris, Didot, 1866.

H fr., kompl. 30 fr.

'Dussieux, L.: Geographie generale eontenant la geographic physique, | politique, administrative, historique, agricole. industrielle et commerciale de chaque pars. 8° ä 2 col., 1007 pp. Paris, Lecoflre, 1866. Füssy, T.: Egyctemes földrajz közeptanodai hasznälatra. Harmadik kiadas. (Allgemeine Geographie.) 8°, 248 pp. Post, Emich, 1866.

| Thlr.

Graut off's Geographische Tabellen für Gymnasien und Bürgerschulen. 8. Aufl. von W. Deecke. 4°, 80 SS. Lübeck, Asschenfeldt, 1866.

In neben einander stehenden Rubriken werden von jedem Lande Name, Grenzen und Grösse, Bodenverhältnisse und Klima, Gewässer, Produkte, Einwohner, Industrie, Regierung und Staatskräfte, Land est heile und Städte in einer Auswahl des Bemerken »wert hebten kurz aufgeführt, ausserdem findet man zusammenfassende Tabellen über die Erdtheile, Über die Weltmeere und Über die Erde im Allgemeinen. Grössere Staaten, wie Preussen, Oesterreich, Frankreich, Gross-Hritannlen, nehmen ganze Seiten ein, aber auch die kleineren sind in Betracht des geringen Umfangs, welchen das ganze Werk hat, in ihren Hauptverhältnissen ziemlich reichhaltig vertreten. Das geographische Moment tritt vor dem statistischen viel mehr hervor als z. Ii. in den bekannten HUbner'schen Tafeln, die zum grossen Theil mit Angaben über Finanzen, Armee, Münzen, Maasse und Gewichte angefüllt sind. Ihre praktische Brauchbarkeit haben die GrautoffV-cben Tabellen durch die wiederholten Auflagen bewiesen, dass sie aber auch mit der Wissenschaft fortschreiten und im Allgemeinen die neuesten Ermittelungen zu verwertheu bestrebt waren, erkennt man in der ersten, von Wilhelm IHecke, Hauptlehrer der Ernestinenschule zu Lübeck, selbstständig besorgten Auflage in jedem Abschnitt. Dass bei einer solch grossen Masse einzelner Daten hie, und da Irrthiimer und Missgriffe vorkommen, ist ganz unvermeidlich, im Ganzen sehrinen nie uns aber eben so zuverlässig gearbeitet zu sein als die Hübner'seben Tafeln in ihrer Art.

OtterloO, A. van: Aardrijkskunde voor handel, nijverheid en statistiek.

I8 stuk. 8°, pp. 1—176. Amsterdam, Kraay, 1866. 2$ fl.

Raffy, G.: Lectures geographiques. Geographie generale. Histoire de la

gGographic. 12°, 439 pp. Toulouse, Privat, 1866. 3 fr.

Ritter's Comparative geography, translated by W L. Gage. 4 vols. 8°.

London, Blackwood, 1866.' 32 s.

t Siehe »Geogr. Mitth." 1865. S. 35'J. Stein'» Geographie für Schule und Haus. 26. Aufl. Neue Bearbeitung

von K. Th. Wagner. 6. Aufl. Hrsg. von 0. Delitsch. 8°, 480 SS.

Leipzig, Hinrichs, 1866. 27 Sgr.

Stein und Hörschelmann, Handbuch der Geographie. 7. Aufl. vonJ. E.

Wappaus. 1. Bd. 14. Lfg.: Mittel- und Süd-Amerika, von J. E. Wap

päus, 7. Lfg. Subskriptionspreis 3 Sgr., Ladenpr. 1 Thlr. 2 Sgr. —

2. Bd. 2. Nachtrag: Neue Bearbeitung von Australien von C. E.

Meinicke; Titel, Inhalt und Register zu 2. Bd. 1. und 2. Abtheil.

Subscriptionspr. 6 Sgr., Ladenpr. \ Thlr. Leipzig, Hinrichs, 1866.

Mathematische und physikalische Geographie.

Ansted, Prof. D. T.: Physical geography. 8°. London, Allen, 1866.

12 s.

Bauernfeind, C. M.. Die Bedeutung moderner Qradmessungen. 4°. München, Verlag der Kgl. Akademie, 1866. 13 Sgr.

Einen Auszug aus diesem, am Stiftungsfest der Münchener Akademie gehaltenen Vortrag siehe In »Ausland" 186ti, Nr. 4*, 88. 1131—1135. Birnbaum, Dr. H.: Dio Erhebungen und Senkungen der festen Erdrinde in Amerika, in dem Stillen, Indischen und Atlantischen Oceane, in Süd-Asien und Afrika. (Globus, Bd. X, 4. Lfg., SS. 116—dl8; 7. Lfg., SS. 220—222; 8. Lfg., SS. 233—235.) Buff, H.: Einfluss der Umdrehung der Erde um ihre Axe auf irdische Bewegungen. (Annalen der Chemie und Pharmacie. IV. Supplementband, 2. Heft, SS. 207—226.)

Auf mathematischem Wege entwickelt der Verfasser dio Gesetze, welche sich als Folge der R >tation der Erde bei Luft* und Meeresströmungen, Warf- i bewegungen &. geltend machen. Ei ist namentlich die Erscheinung der Ablenkung einer Bewegung nach reohts auf der nördlichen und nach link* auf der südlichen Halbkugel, welche hier in Betracht kommt. »Es ist ein allgemein geltendes Gesetz, das« wenn ein Körper In der Breite ß nach beliebiger Richtung sich bewegt und während seiner Bewegungszeit t die um ihre Axe rotirende Erde den Bogen w.t beschreibt, die wagerechte Bahn des Körpers oder, wenn sie nicht wagerecht sein sollte, deren wagerechte Projektion rechts zur Richtung der Bewegung um den Bogen w .t. sin ß abgelenkt wird." Nordwinde verwandeln sich demzufolge nicht nur mehr und mehr in Ostwinde, sondern sie können hei längerer Dauer und aus entlegenon Gegenden abstammend auch eine sütliche Richtung gewinnen, ohna direkte Mitwirkung anderer Ursachen als der Axenutudrehung der Erde. Dieselbe ablenkende Kraft äussert sich gegen alle Meeresströme ohne Unterschied ihrer Richtung. Bei dem Golfstrom entspricht unter 30® N. Br. der von derAxenumdrehung der Erde abstammende Trieb zu einer Bewegung nach Osten dem Drucke eines Über die ganze Breite des Stromes vertheilten Gefälles von 16 Pariser Fms. Die weitere Bewegung des G >lfstroms, seine theilweise Umblegung direkt nach Osten und später sogar nach Süd*n wird unter solchen Verhältnissen leichter verständlich. Bei den Flüssen Ist nach Buff** Berechnung die Wirkutig des Druc'ies nach rochts zu gering, als dass sie, wie v. Baer annimmt, die allgemeine Erscheinung des steileren rechten und flacheren linken Ufers hätte hervorrufen können. Seihst bei Ä000 Fuss Breite und 13 Fuss mittlerer Geschwindigkeit würde sich der Spiegel am rechten Ufer doch nur um 2,, Zoll Uber den am linken erheben können, ein Unterschied von so geringer Bedeutung, dass dieselbe im Vergleich zu den Wirkungen des durch Wind und Schifffahrt erzeugten Wellenschlags gegen die Ufer bis zum Verschwinden zurücktreten muss. Die Erosion des rechten Ufers dürfte daher den gewattigen Wassernüssen und Ueberschwemraungen in früheren Zelten und vielleicht den herrschenden Winden zuzuschreiben sein. Combes, J.-L.: Etudes geologiques sur l'anciennete* de l'homme et sur sa coexistence avec divers animaux d'especes eteintes ou emigrees dans les vallees du Lot et de ses affluents, la Tbeze, la Lemance et la Lede (departement de Lot-et-Garonne). 8°, 44 pp. et planches. Agen, irapr. Noubel, 1866. Delboy, P.-A.: Kapport fait ä la Society d'ethnographie sur l'homme et la nature au point de vue de l'ethnographie. 8°, 26 pp. (Extrait des actos de la Soc. d'ethnographie, 2« serie, T. 1.) Paris, Bureau de la Societe d'ethnographie, 1866. Friedmann, Dr. S.: Über die Ursache der nichtperiodischen Vorgänge in der Atmosphäre. (Separat-Abdruck aus den Mittheilungen der K. K. Geogr. Gesellschaft zu Wien, IX. Jahrgang, SS. 37—40.)

Nach Aufführung der konstanten Faktoren, die auf Windrichtung, Temperatur und sonstige Witterungsverhältnisse einwirken, wie geographische Breite, Höhe Uber dem Meere, Entfernung vom Meere, Lage in Bezug auf Gebirge und Wald, Beschaffenheit des Bodens, macht der Aufsatz in wenigen Sätzen darauf aufmerksam, dass »die Kommunikation der Luft mit dem Erdinnern durch die vulkanische Thättgkeft" einen bedeutenden Einfluss auf die Witterung haben möchte und sich daraus die Nlchrperlodlcitüt der letzteren erklären lasse.

Germain, A.: Traite des projections des cartes geographiques. Representation plane de la sphere et du spheroi'de. 8°, 399 pp. mit 14 Tafeln. Paris, Bertrand, 1866. 15 fr.

Grebenau, H.: Theorie der Bewegung des Wassers in Flüssen und Kanälen. Nach den auf Kosten der Verein. Staaten von Kord-Amerika vorgenommenen Untersuchungen und dem Bericht Humphrey's und Abbot's über die phys. und hydraulischen Verhältnisse des Mississippi. 4° mit Atlas. München, Lindauer, 1867. 9\ Thlr.

Jäger, Dr. G.: Thiergeographische Studien. Die Geier. (Das Ausland 1866, Nr. 29, SS. 673—675.)

Erörterung der Verhältnisse, welche die Einschränkung der Geier auf die Tropenländer und warmen gemässigten Zonen bedingen.

Jäger, Dr. G.: Weltkarte in Nordpolar-Sternprojektion. Mit Karte. (Das Ausland 1866, Nr. 35, SS. 817—821.)

Der Erfinder dieser hübschen nnd für manche Zwecke besonders geeigneten Kartenprojektion bespricht hier die verschiedenen Arten und Modifikationen und wägt ihre Vortheüe und Nachtheile ab.

Jordan, W.: Die trigonometrischen Höhenmessungen und die Ausgleichung ihrer Resultate nach den Grundsätzen der Wahrscheinlichkeits

rechnung an einem ausgeführten Höhennetz dargestellt. 8°. Stuttgart, Lindemann, 1866. 12 Sgr.

Kattner, E.: Die anatomische Klassifikation des Menschengeschlechts von Andreas Retzius. (Das Ausland 1866, Nr. 29, SS. 686—693.)

Die Retzius'sche Eintheilung in orthognathische und prognathlsche Dnllchocepbnlen, orthognathische und prognathlsche Brachyccphalen wird durch Schrift und Abbildungen erläutert und daran eine kritische Untersuchung ihres Werthes geknüpft, die so ungünstig ausfällt, dass das Retzius'sche System als ein Rückschritt im Vcgleich zum Blumenbuch'achen bezeichnet wird.

Labrosse, F.: Provision du temps ou moyens de prevoir la direction et la force du vent a l'aide du barometre, du thermometre et du psychroraiHre. (Revue maritime et coloniale, Oktober 1866, pp. 265 —315; November pp. 605—646.)

Meissner, C. F.: Über die geographischen Verhältnisse der Lorbeergewächse. 4°. München, Franz, 1866. J Thlr.

Nadelhölzer, Die Verbreitung der ■. (Das Ausland 1866, Nr. 48,

SS. 1146—1148; Nr. 49, SS. 1168—1170.)

Notizen Uber die horizontale und vertikale Verbreitung der ganzen Familie, über geschichtlich nachweisbare Beschränkungen und Erweiterungen der Gebiete einzelner Arten, Uber ihren Einfluss auf die Physiognomie der Landschaft &c Die grösste Pothöhe erreicht die Sibirische Lärche am Nownja (72} 0 N. Br.), die grösste Meereshöhe Ephedra Gerardfnna auf dem Hlmalnya (17.000 F.). Die grösste Anhäufung verschiedener Nadelholzarten findet in China mit Japan, In Nord-Amerika und in Australien Statt, am ärmsten an Arten und Gattungen ist d;is nördliche Süd-Amerika und das südliche Afrika; gar kein Nadelholz ist aus dem mittleren Afrika bekannt.

Peschel, Dr. 0.: Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde. 4. Über den Bau der Strome in ihrem mittleren Laufe. — 5. Die Thalbildungen. (Das Ausland 1866, Nr. 44, SS. 1033—1038; Nr. 47, S. 1105— 1112.)

Abermals eine Frucht sinnreicher Vergleichung der Karton. Dr. Peschel theilt die Flüsse in drei Klassen ein: 1. Qu»»rstrÖme, die von der Wölbung einer trockenen Erdveste mehr oder weniger senkrocht und auf dem kürzesten Wege nach der Küste fliessen; 2. pnrallel mit der grossen Achse kontinentaler Erhebungen fliessende Längenströme, welche vorzugsweise nur auf Einer Seite Nebengewässer (vom Charakter der QierffUsse) haben; 3. Länge nstrÖme mit Nebengewässern auf beiden Seiten. Der Mehrzahl der Queratröme fehlen alle ansehnlichen Nehenflü-tse und wo solche vorhanden sind, laufen sie längere Zeit parallel mit dem Hnuptstrom, auch findet ihre schliessliche V-i elnigung stets unter einem sehr spitzen Winkel Statt. Auch Ist den Querstromen, wie Indus, Rhein, Nil, Sibirische Ströme &c, eigentümlich, dasa sie in ihrem unteren Lauf« keine grossen Nebenflüsse mehr empfangen. Ein Längenstrora mit Nebenflüssen auf Einer Seite bildet sich am häufigsten da, wo ein Fluss gegen die Abhänge eines Gebirges gedrängt wird, wie die Donau von der Erhebung der Alpen gegen den Bayerischen Wald, die Rhnne von den Alpen zuerst gegen den Jura, dann gegen die Lyonaiser Ketten und an die Sevennen, der Orinoco von den Anden gegen die Sierra Parime. Es scheint sich als gesetzmässlg zu wiederholen, dass das später aufgestiegene Gebirge oder die jüngere Erbebung die Gewässer nach den älteren Gebirgen verdrängt hat oder, da die jüngsten Gebirge aneh die höchsten zu sein pflegen, dass die höheren Gebirge die Thalsohlen der Ströme an den Rand der niederen Erbebungen verlegen. Zur dritten Klasse gehören jene Riesenströme der Neuen Welt, Mississippi, Amazonas, La Plata. In der Kulturgeschichte haben die Querströme eine verschiedene Rolle gespielt als die Längenströme. Die ersteren nämlich sind auf den niederen Stufen der Entwtckelung ethnographische Grenzlinien geworden. So schied der Rhein noch zu C£sar*s und Tacitus* Zelten Germanen und Gallier, die Eider Deutsche nnd Dänen, ja selbst imch heutigen Tages trennt der Lech den Schwäbischen vom Bayerischen Volksstamm, so weit sich die Unterschiede noch In Tracht und Mundart erhalten haben. Der Senegal war, so weit die Geschichte rückwärts reicht, die Völkerschranke zwischen Berbern und Negern. Längenströme dagegen haben viel seltener diese Macht ausgeübt. An beiden Seiten der Donau sitzen Bulgaren und Moldn walachen, die siel» ethnographisch nicht unterscheiden. Den Magyaren gehören ebenfalls beide Ufer der Ungarischen Tiefebene. In Oesterreich wie in Bayern dient die Donau nicht einmal als Grenze der einzelnen Provinzen. — In dem Aufsatz über die Thalbildungen entscheidet sich Dr. Peschel für die Ansicht, dass die Tbäler Im Allgemeinen, namentlich auch die Querthäler älter sind als die Flüsse, dass sich also der Lauf der Flüsse nach der gegebenen Bodengestaltung richtete und die Erosion in der Thalbildung nicht die allgewaltige Rolle spielt, die ihr Viele zuschreiben. Er belegt und erörtert seine Ansicht durch eine grosse Reihe von Beispielen, zum Theil mit ^Kartenskizzen. Rames, J.-B.: Etudes sur les volcans. 18°, 178 pp. Paris, Savy, 1866.

Ii fr.

Schlagintweit, Prof. K. v.: Über den Einfluss der Höhe auf den menschlichen Organismus. (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1866, Heft 4, SS. 332—342.)

Einiges über die krankhaften Erscheinungen, welche der verminderte Luftdruck In bedeutenden Höhen hervorbringt. Strauch, Dr. A.: Die Vertheilung der Schildkröten über den Erdball. Ein zoogeographischer Versuch. 4°, 207 SS. (Memoires de l'Acad£mie imperiale des sciences de St.-Petersbourg, VII« serie, T. VUL, Nr. 13.) St. Petersburg 1865. lj Thlr.

Der erste Abschnitt dieser mit grossem Flolss und wahrhaft wissenschaftlichem Sinne abgefassten Arbeit enthält ein vollständiges systematisches Vorzeichniss aller bekannten Schildkröten-Arten (194) nebst möglichst genauer Angahe der Fundorte oder, wo die Nachrichten ausreichen, auch des Verbreitungsbezirks jeder einzelnen Speeles. Es musste dabei eine sehr umfangreiche Literatur bewältigt werden, denn ausser den systematischen Arbeiten, den Katalogen von zoologischen Museen, den Faunen ganzer Länder und einzelner Landestheile forderte auch die Reiseliteratur Berücksichtigung, so weit sie speziellere zoologische Nachweise gewährt, aber die Durchsicht aller dieser überaus zahlreichen Druckwerke bot wohl im Einzelnen eine Fülle werth- | voller und interessanter Angaben, diu hier zum ersten Mal eine vollständige Siohtung und Ubersichtliche Verarbeitung gefunden haben, im Ganzen jedoch stellte sich das beschämende Resultat heraus, dass Bich bei dem gegenwärtigen Stande der Kenntnisse bei keiner einzigen Schildkröten-Art der Verbreitungsbezirk definitiv umgrenzen lasst; in den allergüustigsten Fällen konnten die Verbreitungsgrenzen sehr approximativ angegeben, bei der weitaus grössten j Zahl der Arten dagegen nur ein oder mehrere, oft weit von einander entfernte Fundorte verzeichnet werden und die Frage, ob das betreffende Thier auch In den dazwischen gelegenen Gegenden vorkommt, musste unerörtert bleiben. Aus j diesem Grund hat es der Verfasser für zu gewagt gehalten, eine Karte bei- I zugeben, und allerdings würde der Versuch, die Verbreitung einzelner Arten in speziellerer Welse darzustellen, mangelhaft ausfallen, da z. B. die ans 42 fitsten zusammengetragenen Angaben Über die Fundorte der Caret-Schildkröte, deren Platten als Schililpad einen nicht unbedeutenden Handelsartikel bilden, die deshalb mehr als andere Arten gesucht und gekannt ist, noch bedeutende Lücken, z. B. für die Afrikanischen Küsten, übrig lassen. — Der zweite kürzere Abschnitt geht vom geographischen Standpunkt aus, er bespricht die Verbreitung der Arten innerhalb der einzelnen Kauncngebiete, deren der Verfasser 7 angenommen hat: das circummediterrane, das Afrikanische, das Asiatische, das Australische, das Süd-Amerikanische, zu welchem auch die WestIndischen Inseln gerechnet werden, das Nord-Amerikanische südwärts bis Panama und das ausschliesslich von der Fnniilie der Cheloniiden bewohnte, die grossen Weltmeere umfassende Meeresgebiet. Darauf folgen Zusammenstellungen über die Verbreitung der ganzen Ordnung so wie der einzelnen Familien, Tribus und Gattungen. Es wird z. K. dargethan, dass bei weitem die Mehrzahl der Schildkröten unter den Tropen vorkommt, nämlich 127 Ar.ten, von denen 66 denselben ausschliesslich angehören, wahrend 35 den Wendekreis des Krebses und 26 den des Steinbockes überschreiten, und dass von den beiden extratropikaleu Zonen die nördliche unverhaltnissmässig reicher ist als die südliche, da sie 77, die südliche nur 83 Arten besitzt. Auf der östlichen Hemisphäre kennt man i)8f auf der westlichen 78 Arten und keine ist beiden Halbktigelu gemeinschaftlich. (Die Familie der Meerschildkröten ist dabei ausser Betracht gelassen.) Auf der nördlichen Hemisphäre finden sich 101, auf der südlichen nur 31 Arten, während 44 beiden gemeinschaftlich zukommen. Die 6 Faunengebiete des Festlandes lassen sich auf 3 Reiche reduciren, von denen jedes durch das Vorwalten einer bestimmten Gruppe von Schildkröten ausgezeichnet ist: das circummediterrane und das Afrikanische Gebiet mit vorwaltenden Landschildkröten; das Asiatische und Nord-Amerikanische Gebiet, in denen die Gruppe derEmyden prädominirt und die derTrionychiden repräsentirt ist; da.s Süd-Amerikanische und Australische Gebiet, die sich beide durch das Pravaliren der Chelyden und die gänzliche Abwesenheit 1 der Trionychiden auszeichnen. Zürcher et Hargolle: Volcans et tremblements de terre. 8°. Paris, 1 Haehette, 1866. 2 fr.

Karten.

1

Atlas des orages de l'annee 1865, redige par TObscrvatoiro imperial. i Paris, irapr. Chauvin, 1866.

i

Weltreisen, Sammelwerke, Verschiedenes.

Aubry-Le-Comte: Culture et produetion du coton dans los colonies , francaises. (Revue maritime et coloniale, Septbr. 1866, pp. 73—97.)

Baer, K. E. v.: Selbstbiographie. Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst v. Baer, mitgetheilt von ihm selbst. Veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen DoktorJubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ksthlands. 8°, 535 SS. St. Petersburg, Röttger, 1866. 2j Thlr.

Die Selbstbiographie des grossen Naturforschers und Geographen war bisher nur in einer grösseren, glänzend ausgestatteten Ausgabe vorhanden, welche zu Baer's fünfzigjährigem Doktor-Jubiläuni am 29. August 1864 von der Esthländiechen Ritterschaft, deren Mitglied er ist, veröffentlicht wurde, um in- , dessen nur zur Vertheilung an Akademien, .Bibliotheken, Gelehrte und Freunde des Verfassers zu kommen. Die vorliegende Ausgabe wird daher seinen vielen Verehrern, denen die erste nicht zugänglich war, äusserst willkommen sein! und hoffentlich dazu beitrugen, den Namen dieses ausgezeichneten Mannes, der bisher meist nur von Fachgenossen gewürdigt war, auch in grösserem Kreise bekannt zu machen. Aus seinem reichen, thätigen, die verschiedensten Zweige menschlichen Wissens durch fundamentale Entdeckungen fördernden Leben wählt der Verfasser besonders seine Bildungsgeschichte aus, um uns nicht nur an ihr tiefe Blicke in die Werkstätte seines schaffenden Geistes thun zu lassen, sondern auch eine Fülle tief durchdachter Betrachtungen Über die verschiedensten Lebensverhältnisse, besonders über die Erziehung anzuknüpfen, die uns den heiligen Ernst erkennen lassen, mit welchem er sein ganzes Leben hindurch eben so sehr an der Bildung des Menschengeschlechts überhaupt wie am Aufbau einzelner Wissenschaften gearbeitet hat. ,

Zwei Gebiete menschlichen Wissens sind es besonders, deren vorzüglichsten Meistern er beigezählt werden muss, die Wissenschaft von der organischen Natur in ihrem weitesten Umfang und die Geographie. Mit den minutiösesten Detailforschungen über die Entwickelung der Thiere sehen wir ihn beginnen, doch niemals durch die Einzelheiten überwältigt, sondern stets zu höheren i Gesichtspunkten sich erhebend und die Gesammtheit der Naturerscheinungen berücksichtigend. .Seine Uebersiedelung nach St. Petersburg im Jahre 1830 bildet für ihn im Ganzen einen Wendepunkt. Die Geographen werden besonders diesen zweiten Abschnitt aufsuchen, sich aber im Ganzen enttäuscht finden, da derselbe auf einem vcrhältnissma\ssig kurzen Raum nur einen Abriss seiner Reisen enthält, wobei meist nur mit wenigen Worten des Zweckes und der Reiseroute gedacht ist. Hier eine kurze Uebersicht derselben:

1837 und 1840 Reisen nach Nowaja Semlja und Lappland, hauptsächlich zum Studium dessen, »was mit so geringen Mitteln die Natur an Lebensprozessen produciren könne". Mit den öfter wiederholten Reisen nach Finnland und den Inseln des Finnischen Meerbusens sehen wir ihn ein ganz spezielles Interesse an geographischen Verhältnissen nehmen, nämlich an der Wanderung erratischer Blocke. — 1845 und 184G Reise nach Trie-st und Genua Behufs

Petermaun's GeogT. Mittheilungen. 1866, Heft XII.

des Studiums niederer Seethiere. — 1851 und 1852 Reisen in die Ostsee-Provinzen und nach Schweden zur Untersuchung der dortigen Fischzucht. Zu demselben Zwecke folgen nun die fast vier Jahre in Anspruch nehmenden Reisen am Kaspischen Meere. Dass aber die Fischzucht nicht der einzige Gegenstand seines Interesses war, bezeugen unter Anderem seine für die verschiedenen Probleme der Geographie so fruchtbringenden »Kaspischeu Studien". — Endlich folgen 1858, 1860 und 1861 die Reisen nach Kopenhagen, London, Paris, Deutschland und vorzüglich Göttingen, wo er, sich mehr seinen ursprünglichsten Forschungen wieder zuwenrleml, hauptsächlich das Verdienst »ich aneignen kann, die lange vernachlässigte Wissenschaft der Anthropologie wieder neu belebt zu haben. — Ein Verzeichniss seiner Schriften am Ende des Werkes versetzt uns in Erstaunen über die enorme Produktivität des Verfassers. Dennoch nennt er uns eine Reihe von Arbeiten, die er noch vollenden möchte. Hoffen wir, das« der rege Geist des nun bald 75jährigen Mannes dazu noch lange dieselbe Frische behalten möge. Niemand wird ohne tiefe, innere Befriedigung und vielfache Anregung dieses Werk aus der Hand legen. Es spiegelt auch besonders durch seine einfache, unbefangene, oft humoristische Schreibweihe die liebenswürdige Persönlichkeit des Verfassers so hell wieder, dass es von ganz besonderem Werthe für diejenigen ist, welche das Glück hatten, einmal persönlich dem verehrten Manne gegenüberzutreten.

(Dr. //. Wagner.)

Baumwollen-Handel, Gegenwärtiger Stand des — — . (Das Ausland 1866, Nr. 44, SS. 1048—1049.)

Nachdem mit dem Amerikanischen Krieg die grosse Baumwollen - Krisis beendigt ist, die Zufuhr wieder ihre frühere Höhe erreicht hat, wird ein Rückblick, wie ihn der »Economisf und nach diesem -»Das Ausland" giebt, von Interesse sein. In der folgenden Tabelle bedeuten die Ziffern loOÖ Ballen. Einfuhr von Baumwolle nach England aus

[table]

BÖckh, R.: Die statistische Bedeutung der Volkssprache, als Kennzeichen der Nationalität. 8n, 144 SS. (Sonder-Abdruck aus der Zeitschrift für Völker-Psychologie und Sprachwissenschaft von Lazarus und Steinthal. Berlin, Dümmler, 1866. $ Thlr.

Brandes, Prof. Dr. H.: Über die antiken Namen und die geographische Verbreitung der Baumvrolle im Alterthum. Geographisch-antiquarische Untersuchung. (Fünfter Jahresbericht des Vereins von Freunden der Erdkunde zu Leipzig, 1865, SS. 91—119.)

Da Carl Ritter in dem auf das Alterthum bezüglichen Thcll seiner bekannten Abhandlung Uber die geographische Verbreitung der Baumwolle (1851) einigen linguistischen Hypothesen Raum glebt, die ihn zu irrthümlicheu Voraussetzungen führten, so hat Prof. Brandes eine strenge Begriffsbestimmung der In Frage stehenden Ausdrücke und auf Cirund derselben eine neue Bearbeitung des Thema's von der Verbreitung der Baumwolle im Alterthum unternommen. Als Resultat seiner philologischen Untersuchung hat sich ergeben, dass Gossiplmi der wirkliche Name der Bainnwollenpflanze bei den Hellenen und Römern gewesen ist und dass Carbssus der einzige Ausdruck der klassischen Schriftsteller ist, den man zuverlässig auf das Produkt dieser Pflanze beziehen kann. Was das Wort »Sindon" betrifft, welches Lausen in seiner Indischen Alterthumskunde für den alleinigen zuverlässigen Zeugen für den Gebrauch der Baumwolle bei den klassischen Völkern erklärt und welches nach Ritter der aus dorn nördlichen Indien zu Vorder-Aniaten und Hellenen verbreitete Ausdruck für Baumwolle war, so dass er diirauf seine Ansicht von der ÜrhelmatQ der Baumwolle in Indien gründete, so weist Prof. Brandes nach. Ha--. Sindon nicht einen bestimmten Stoff, sondern eine tuchoder shawlartige Form von Geweben bezeichnete. Indien ist nicht zweifellos, aber doch wahrscheinlich Heimath der Baumwolle; oh riie im Nilland heimisch oder früh aus Indien eingeführt ist, bleibt ungewiss; von Indien westlich findet man sie zunächst im Persischen Golf auf den Bahrein-Inseln, in Arabien, an der Ostküste von Afrika und der Westküste von Asien, dann bei Tarracon an der Spanischen Ostküste, bei Carthago, vielleicht auch in der Peloponnesischen Landschaft Elis. Wahrscheinlich bewirkten die Phünicier die Verbreitung nach den Küsten des Mittelmeers. Fabricirt wurden Bauinwollen Stoffe ausser In den Produktionsländern unter Anderem auch in China und den Central-Asiatischen Ländern.— Diese Abhandlung ist zusammen mit des Verfassers früherer über das Zeitalter des Geographen Endoxus und des Astronomen Gemiuos (im 4. Jahresbericht des Leipziger Geogr. Vereins) als besonderes Schriftchen für 24 Sgr. bei Hinrichs in Leipzig zu haben.

Colonies francaises, Notices sur les , aecompagnees d'un atlas

de 14 carte«. 8°, 768 pp. ' Paris, Challamel, 1866.

Separat-AuHgabe der vortrefflichen, seit mehreren Jahren in der »»Revue maritime et coloniale'' veröffentlichten Monographien über die Französischen Kolonien.

Jahresbericht (Fünfter) des Vereins von Freunden der Erdkunde zu Leipzig. 1865. 8°, 207 SS, mit 4 Karten und 2 Tafeln. Leipzig, Hinrichö, 1866. 23 Thlr.

Die Zahl der Mitglieder des Vereins stieg Im Verlauf des Jahres 1*65 von 111 auf 130. Es wurden in den 7 Sitzungen 10 Vortrage von Prof. Brandes, Prof. Brunns, Prof. Carus, Dr. Deutsch, Dr. O. Kernten, Prof. Krehl und Dr. Obst gehalten. Die Einnahme belief sich auf 269 Thaler. Die mit dem Verein verbundene < arl-Ritter-Stiftung konnte die Expedition zur Aufsuchung Leichhardt's in Australien mit 20 Pf. St. unterstützen: ihr Vermögen bestand zu Ende des Jahres In 1612J Thaler. Besoudere Anerkennung verdient die reichliche Ausstattung des vorliegenden Jahresberichtes mit Karten, denn bei der Kostspieligkeit der Herstellung belasten solche Blatter in Farbendruck, wie sie Dr. Delitsch's Arbeit beigegeben sind, die Ge*ellschaft»kas<»e bedeu

61

tend. Diese Arbeit von Dr. Delitsch: Kartographlache Durstellung der Bevölkftrungs. - Dichtigkeit von West - Deutschland , Bebst den beiden anderen: von Prof. Brandes Uber die antiken Namen und die geographische Verbreitung der Baumwolle im Alterthum, und von Prof. Bruhns, Meteorologische Beobachtungen auf der Leipziger Sternwarte 1864 und 1865, letztere mit 2 Tafeln graphischer Darstellungen, führen wir unter den betreffenden Abschnitten der Literatur besonders auf.

Jelinek, Gr., und J. Hann: Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie. 1. Bd. 8°. Wien, Gerold, 1866. 4$ fl. Ö. W.

Kner, Prof. R.: Spezielles Verzeichnis« der während der Reise der Kaiserl. Fregatte ,tNovara" gesammelten Fische. III. und Schlussabtheilung. 8°, 8 SS. (Aus den Sitzungs-Berichten der K. Akademie der Wissenschaften.) Wien, Gerold, 1866. 10 Nkr.

Koner, W.: Heinrich Barth.. Vortrag gehalten in der Sitzung der Geographischen Gesellschaft am 19. Januar 1866. (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1866, Nr. 1, SS. 1—31.)

Eine mit Liebe und dankenawerthem Fleiss ausgearbeitete Lebensskisze. die den verfrühten Gumprecht'schen Nekrolog fortsetzt, vervollständig und in manchen Punkten berichtigt. Taktvoll und wahr ist darin zugleich der Charakter des grossen Reisenden und Geographen gezeichnet. Recht verdienstlich ist auch die angehängte Zusammenstellung der Schriften Heinrich Barth1«, nur bemerken wir beiläufig, dang der zweibändige Auszug uns Meinem grossen Reisewerk nicht von ihm selbst, sondern von Dr. Jtiel in Gotha bearbeitet wurde.

Law, W. J.: The Alps of Hannibal. 2 vols. 8° mit Karte und Plan. London, Macmillan, 1866. 21 s.

Bei gründlicher Diskussion entgegenstehender Ansichten entscheidet sich der Verfasser dafür, dass Hannibal auf seinem berühmten Zug im Herbst 218 v. Chr. die Rhön** zwischen den Dörfern Rnquemauro und Mnntfuucon unfern Orange Überschritt und zum Uebergang Über die Alpen den Kloinen j St. Bernhard wählte. Dss Buch beseitigt noch nicht alle Zweifel, behandelt 1 den Gegenstand aber sehr eingehend und mit voller Berücksichtigung der betreffenden Literatur. I

Novara, Reise der Österreichischen Fregatte - um die Erde in

den Jahren 1857 — 59. Zoologischer Theil. Neuropteron, bearbeitet von Fr. Brauer. 4°, 104 SS. mit 2 Tafeln. 4 fl. — Hemipteren von Dr. G. L. Mayr. 1. Abth. 4°, 204 SS. mit 5 Tafeln. 7£ fl. Ö. W. , Wien, Gerold, 1866.

Obermüller, W.: Deutsch-keltisches geschichtlich-geographisches Wörterbuch zur Erklärung der Fluss, Berg-, Orts- &c. Namen Europa's, West-Asiens und Nord-Afrika's &c. 1. u. 2. Lfg;. 8°. Leipzig, Denicke, 1866. ä j Thlr.

Plath, C. H. Ch.: Die Erwählung der Völker im Lichte der .MissionsGeschichte. Eine missio^wisscnsehaftliehe Studie. Berlin, W. Schultz?, 1867.

Das 3 Bogen starke Sehrifteheii ist überwiegend theologischer Natur, hat Indessen auch seine geographische Seito, in so fern es die Verbreitung der christlichen Kirche über die Erde in der Geschichte Terfolgt und aus den dabei gewonnenen Gesetzen der Ausbreitung die weitere Entwiekelung des religiösen 1 Lebens der Menschheit mit Beziehung auf die g^saiumte Kulmrentwickelnug 1 zu skizziren versucht. I

Rüge, Dr. S.; Der Ohaldäer Seleukos. Kine kritische Untersuchung aus der Geschichte der Geographie. 8ft, 23 SS. Dresden, Schöufeld, 1865.

Ans einer Notiz hei Pluturch weiss mau, dass Seleukos in vorchristlicher Zeit den heliocenirischen Weltbtiu erkannt und Beweise dafür beigebracht hat. Wer ein sc ausserordentlicher Mann gewesen, wo und wann er gelebt und was er sonst gelehrt, das sind Fragen von grösstem Interesse für die i Geschichte der Wissenschaften. Da er nur an sechs Stellen in den Schriften des Alterthums beiläufig Erwähnung findet, so ist die Beantwortung sehr | schwierig und lange blieb Seleukos eine Art mystischer Persönlichkeit, bis er In neuester Zeit Gegenstand genauerer Forschungen, namentlich von Bailly, Ideler, Letronne, v. Humboldt, Lewis, wurde. Die vollständigste Arbeit darüber ist aber die vorliegende. Dr. Rüge beseitigt die Annahme von zwei verschiedenen Seleukos , einem Mathematiker aus Babylon und einein Physiker aus Erythro", er war »ein Chaidaer aus der Stadt Seleukeia am Tigris, aus der Landschaft Habybmien am Krythräischen Meer". Sein Zeitalter bestimmt er wie Lewis um 150 v. Uhr. Was seine Lehren betrifft, so erstrecken sie sich sowohl auf die Astronomie als auf die Geographie. Die »Kopernikanische" Weltanschauung von der Bewegung der Erde um die Sonne, die Aristarch von Sanios (260 v. (Mir.) als Verumthung aussprach, soll Seleukos bereits bewiesen haben , aber seine Lehre kam zu früh und blieb unfruchtbar. Mehr Anerkennung und Erwähnung finden seine physischen Lehrsätze. Er brachte zuerst die Erscheinung der Ebbe und Fluth mit dem Mond in Verbindung, aber freilich in eigentümlicher Weise, indem er sagte: »Der Umdrehung der Erde und ihrer Bewegung wirkt der Umlauf des Monde» entgegen, und wenn nun der /.wischen beiden eingefangene Luftstrom vorwärts getrieben wird und auf das Atlantische Meer fällt, so entsteht im Meere die gleichrnäs.sige Aufstauung." Richtige und spezielle Beobachtungen lagen seinem Satze zu

Grunde: »Stehe der Mond in den Zeichen der Nachtgleiche, so seien jene Ereignisse gleichförmig, aber in den Zeichen der Sonnenwende zeige sich Ungleichförmigkeit sowohl in Stärke als Schnelligkeit; in jedem der Übrigen Zeichen richte flieh das Verhältnis nach ihrer Annäherung an diese oder jene." Seleukos scheint darüber mehr geschrieben zu haben, denn Hipparch stützte sich auf seine Beobachtungen über Ebbe und Fluth, als er die später von Marinus aus Tyrus und Ptolemäus weiter entwickelte Hypothese aufstellte, dass der Ocean nicht ein zusammenhangendes Meer bilde, sondern durch grosse Landengen in mehrere Sonderbecken getrennt werde. Ja die Hypothese von einem abgeschlossenen Südmeer rührt vermutblich von Seleukos selbst her, wir finden sie uooh auf vielen Karten des 16. und 17. Jahrhunderts dargestellt und ihr Ueberrest, das vermeintliche Südland, die terra incognita australf», Mehrum pft zwar mehr und mehr ein , ist aber noch nicht ganz von den Karten verschwunden. »So reicht in den äussersten letzten Fäden das System des Seleukos bis in unsere Zeit hinein und der Chaldäer selbst ans dem alten Lande der Magier verdiente wohl um seiner einflußreichen Stellung willen im Gebiet der Astronomie und Geographie als der grosse Stern im Osten bezeichnet zu werden."

Saint-Martin, Vivien de: Itevue geographique, 1866, 1" semestre. (Le Tour du Monde, 1866, 1er semestre, pp. 417—424.)

Gegenstand dieses kurzen Rückblickes sind die Expeditionen v. der Decken'a, Du Cbaillu's, das Projekt von Le Saint, die Reisen von G. Rohlfs, die Expedition des Duo de Luynes in Palästina, die Bücher von Palgrave, Baker, Livingstone und Bastian und das Hinscheiden Stuart'» und Barth'«.

Sweet, S. H.: Special report on coal, showing its distribution, Classification , and cost delivered over different routes to various points in the State of New York and the principal citics of the Atlantic coast. 8°, 94 pp. mit 9 Karten. New York 1866. 15 s.

Der Verfasser, Regierungsgeometer des Staates New York, berechnet, dass in den Vereinigten Staaten 1 Engl. Quadrat-Meile Kohlenlager auf je 15 En^l. Q.Meilen Oberfläche kommen, während das Verhältniss In England wie 1:30, in Belgien wie 1: 22^ , in Frankreich wie 1:200 ist. Nach Ihm hat England noch 142.500 Millionen Tonnen, Nord-Amerika 7.669.900 Mill. Tonnen Kohlen.

Valdez, Fr. Travassos: Da Oceania a Lisboa. Viagem. 8°, 440 pp. Rio de Janeiro 1866.

Atlanten, Weltkarten, Globen«

Atlas, New general - of modern geography. 4°. London, Oliver

and Boyd, 1866. 3$ s.

Atlas til Julius Caesars Historie. 1. Heft. 4 Karten in Fol. Kopnhugen, Delbanco, 186G. 1 Rü.

Atlas universal de geographie phyüique, politique et historique. Projection de M. Babinet. Paris, Bourdin, 1860.

Chevatlier, H.: Atlas de gengraphie moderne eompose de vingt eartes. Paris, Delalain, 1866. 8 fr.

Dahm, O. E. L.: Atlas för Folkskolor. 20 Kartor. Kalmar, Almqvist, 1866. 1 Rd.

Kiepert, H.: Neuer Hand-Atlas über alle Theile der Erde. Neue Lieferungs-Ausgabe. 1. Lfg. Berlin, 1). Reimer, 1866. lj Thlr.

Stieler's Hand-Atlas. Neue Lieferung« - Ausgabe von H. Berghaus und A. Petermann. 6.—10. Lfg. (iotha, J. Perthes, 1866. ä Lfg. 14 Sgr.

Inhalt: 6. Lfg. Frankreich und die .Schweiz (1: 3.700.000) mit Umgebungen von Paris (1:740.000); Niederlande und Belgien (1:1.110.000) mit der neuen Festung Antwerpen (1 : 400.000); dns Kapland nebst den -Süd-Afrikanischen Freistaaten und dem Gebiet der Hottentotten und Kaffern (1 :5.000.000) mit der Kapstadt und Umgebung (1:150.000). — 7. Lfg. Ost-Europa Bl. I, Norwegen, Nord-Schweden und Finnland (1 :3.700 000) mit t'hristiania und Stockholm nebst Umgebungen (1:150.000); Ost-Europa Jtl. 2 f Nordost - Russland. (1: .1.700.000); West-Indien und Oentral-Anierikn, (1:9.250.000) mit Isthmus von Nicaragua (1: 4.625.000) und Isthmus von Panama (1:1.850.01*0); Preusseti und der Nord-Deutsche Hund im September I86ti (1:3.700.000) und Nord-Deutschland vor 50 Jahren (1:6.500.000) mit Text. — S, Lfg. Die sichtbare Seite der Mundoberrläcue; die Britischen Inseln und dus umliegende Meer (1:3.700.000) mit London und Umgegend (1:150.000) Helgoland und die Düne (1:150.000), Helgoland (1 :50.000); West-Australien, Neu-Soehtnd und Tasnmuia (1:5.000,000) mit Isthmus von Auckland (1:500.000). — 9. Lfg. Ost-Europa Kl. 3, Stld-Sehweden, die Russischen Ostsee-Provinzen, Polen und West-Rusrdand (1:3.700.000); Ost-Kuropa Bl. 4, Central-Russland (1:3.700.000); die Ost - Indischen Inseln (1: ll.;iMH.oi)0). — 10. Lfg. Verein-Staaten von Nord-Amerika mit Ausnahme Florida'« und der westlichen Territorien (1: 6.350.000); Ireland (1»1.500.000) mit Dublin und Dublin Bay (1:150.000) und den See'n von Killarney (1:200.000); Dänemark mit .Schleswig, Holstein und Lauenburg (1: 1.500.000) mit Kopenhagen (I : 100.00»»)» Wand (1 :6.000.000), Grönland (1 :15.000.000), den Fär-Öcr (1:1.500.000) und dem Dänischen Vv'est-Indien (1: 1.5O0.O00).

Wadner, L. A.: Atlas tili Bibliska Historien jemte beskrifning. Bearbeitung och öf versa ttiiing efter K. Lceder. 8°, 32 pp. mit 6 Karten. Stockholm, Hjortsberg, 1866. 1 Rd. 50 ö're.

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