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„Hinsichtlich des Religions- Bekenntnisses waren alle Landbewohner Katholiken mit Ausnahme von 8 Personen; in der Stadt aber zählte man 506 Katholiken, unter den Nichtkatholiken befanden sich nur 9 Lutheraner, die sämmtlich in der Stadt wohnten. Bei der letzt vorhergegangenen Zählung im Jahre 1863 betrug die GeBammt - Bevölkerung der Insel 2834, diese hatte sich also um 64 Personen vermehrt.

„Es mag hier noch angemerkt werden, dass der Schwedische Staat von dem Besitze dieser Kolonie nicht nur gar keinen Nutzen zieht, sondern dass die Verwaltung derselben einen jährlichen Zuschuss von etwa 1000 Pf. St. erfordert. Schweden würde sich daher durch die Eitelkeit, eine ausserEuropäische Kolonie zu besitzen, gewiss nicht abhalten lassen, diese einem anderen Staate durch Kauf zu überlassen, wenn sich Gelegenheit dazu darbieten sollte."

Diese Mittheilung veranlasste uns, auch über das Areal der Insel ins Klare zu kommen. Unsere planimetrische Messung auf Grund der Englischen Aufnahme unter Captain Barnett, die auf der Admiralitäts-Karte Nr. 2038 (Anguilla, St. Martin and St. Bartholomew Islands) niedergelegt ist, ergab nun für die Hauptinsel einen Flächeninhalt von nur 0,368 D. QMln., für die hauptsächlich im Norden und Nordwesten davon gelegenen, zu ihr gehörigen Insclchen und Klippen (Sugarloaf, Fourche, Gnoopers, Table Rock, Boulanger, Fregatte-L, Goat-L, Toc Vers &c.) einen solchen von 0,016 D. QMln. Das Areal der ganzen Kolonie beträgt also nicht mehr als 0,384 oder etwa '/3 D. QMcilen. Selbst Engelhardts Berechnung (s. Bchra's Gcogr. Jahrbuch, 1866, 8. 117), die % D. QMln. ergeben hatte, ging also noch bedeutend über die Wirklichkeit hinaus.

Die Deutsehe Kolonie Blumenau in Brasilien.

Dem statistischen Bericht über die Kolonie Blumenau vom Jahre 1865 entnehmen wir folgende Bemerkungen:

Geographische Lage des Stadtplatzcs: Südl. Breite 26° 53' 16,5", Wcstl. Länge von Greenwich 49° 9' 15". Die Kolonie wurde im Jahre 1852 gegründet und ging im Jahre 1860 an die Reichsregierung über. Kultivirt sind etwa 21.184.680 Quadrat-Meter, zu kultiviren noch mehr als 50 Quadrat-Meilen. Angestellt sind: der Direktor, der

Buchhalter, 1 Feldmesser, 1 Aufseher, 1 Arzt, 1 evangelischer Pastor, 1 Lehrer, 1 Lehrerin; die katholischen Kolonisten erhalten Hiren Gottesdienst durch den benachbarten Vigario von der Freguezia Säo Pedro Apostolo; ausserdem sind noch vier Schulen vorhanden, die von den Kolonisten unterhalten werden. Fahrwege existiren 42.020, gute Reitwege 134.500 laufende Meter; Einwohnerzahl 2625, männlich 1356, weiblich 1269. Im Ganzen nur 154 Seelen mehr wie im vorigen Jahre. Geboren 88, gestorben 25.

An öffentlichen Gebäuden besitzt die Kolonie 6 Empfangshäuser an verschiedenen Stelleu und ausser verschiedenen kleinen Aufbewahrungsschuppen &c. 2 Schulen, 1 Pfarrwohnung und 1 Gefängniss. 6 Kirchhöfe. Mit dem Bau einer evangelischen und einer katholischen Kirche ist nach Genehmigung der Kaiserl. Regierung bereits begonnen.

Es befinden sich in der Kolonie 208 solid gebaute Wohnhäuser, darunter mehrere von angenehmen Äussern; 18 sind im Bau begriffen; überhaupt Feuerstclleu 662. Es wurden producirt: 5776 Arroben Zucker, 15.800 Mediden Cachac,a, 5706 Alqueiren Farinha de Mandioca, 2846 Alq. Bohnen, 123.500 Bund Mais, 560 Arroben Tabak, 212 Arr. Kaffee, 246 Arr. Ararut, 650 Arr. Butter, 860 Arr. Käse, 510 Alq. Reis, 32 Arr. Baumwolle. — Es existiren 56 Zuckermühlen, darunter 3 eiserne, 61 Brennblasen, Farinhamühlen 47, Wagen 34, Pflüge 12. An Vieh 274 Pferde, 1359 Stück Rindvieh, 131 Schafe, 72 Ziegen, 3426 Stück Schweine und etwa 28.000 Stück Federvieh. Rindvieh theilweise von ausgezeichneter Holländischer Race.

Die Ausfuhr besteht vorzugsweise in geschnittenen Hölzern, Zucker, Cachaca, Cigarren, Essig, Maismehl, Ararut, Kartoffeln, Butter, Käse, Federvieh, Hühnern und Ziegeln. Es existiren ferner 5 Ziegeleien, 2 Töpfereien, 3 Bierbrauereien, 3 Essigfabriken, 10 Cigarrenfabriken, 2 Bäckereien, 8 Sägemühlen, 5 Mahlmühlen. Es sind im verflossenen Jahre geliefert 3500 Dutzend Bretcr und Bohlen, 550.000 Cigarren, 110.000 Dachziegel und 100.000 Steine. Werth der Breter 24 Contos de Reis. Eingeführt wurden fremde Schnittwaaren, Salz, Eisenzeug, Leder, wenig Carne seeca und Mandiokmehl, Seife &c. im Werthe von 40 bis 50 Contos de Reis. Die Ausfuhr im Werthe von etwa 30 Contos.

(Kolonic-Ztg. für Dona Francisca und Blumenau, 17. Febr. 1866.)

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Geboren wurden im verflossenen Jahre 84 Personen, 40 männlichen, 44 weiblichen Geschlechts. Gestorben sind 22, 8 Grosse und 14 Kleine.

An Vieh zählt die Kolonie 771 St. Rindvieh, 175 Pferde, 154 Esel, 37 Ziegen, 1112 Schweine und 7305 Stück Geflügel. Die Kolonie hat 6 Maismühlen und 4 Farinhamühlen, alle mit Wasserkraft betrieben, überdiess 12 Farinhamühlen, von denen 8 mit Thieren und 4 mit der Hand betrieben werden. An Geschäften und Handwerkern sind 8 Kramläden (Vendas), 5 Schuhmacher, 5 Maurer, 5 Zimmerer, 5 Tischler, 2 Schneider, 3 Holzpantoffelmacher, 3 Schmiede, 1 Drechsler, 1 Klempner und 1 Bäcker vorhanden.

(Kolonie-Ztg. f. Dona Francisca und Blumenau, 17. Febr. 186G.)

Brasilien als Ziel Deutscher Auswanderung.

Brasilien umfasst einen Ungeheuern Länderkomplex, welcher dem Flächenraume nach so gross wie der ganze Europäische Kontinent ist; es besteht ähnlich wie dieser aus vielen verschiedenen Theilen, die sich wieder in zwei Hauptgruppen, in den tropischen Norden und den subtropischen Süden, scheiden. AVer, wie es in Deutschland gewöhnlich geschieht, die verschiedenen Theile Brasiliens ohne Weiteres in Eine Brühe wirft und nach dem, was gerade obenauf schwimmt, das Ganze beurtheilt, der handelt fast eben so irrig wie Einer, der das ganze Europa in Eins zusammenfassend dessen Verhältnisse nach denen Lapplands oder der Türkei beurtheilen wollte. Ein so gebildetes Urtheil kann offenbar nur einseitig und schief ausfallen, es führt zu überschwenglichem Lobe auf der einen, zu maassloscm Tadel auf der anderen Seite. Leider begegnen wir solch' schiefen Urtheilen noch häufig, selbst in den gediegeneren Deutschen Zeitungen, die sonst auf Gründlichkeit und Unbefangenheit Anspruch machen können. Ohne Zweifel ist für letztere das Urtheil des früheren General-Konsuls Sturz immer noch maassgebend. Wir verkennen keineswegs die Verdienste, die Herr Sturz in mehr als Einer Beziehung um die Deutsche Auswanderung sich erworben hat, aber wir können auch nicht verhehlen, dass er sich in den letzten Jahren gar sehr verfahren ') und obendrein gegen die hiesigen Deutschen ein Unrecht begangen hat. Was die Beweisführung anlangt, welche Herr Sturz gegen Brasilien angewendet hat, so ist sie keineswegs stichhaltig. Wollte man ein Sündenregister, wie es Herr Sturz mit gründlicher Sachkenutniss über Brasilien aufgestellt hat, in gleicher Weise über Europa oder nur über einen Theil desselben, über Deutschland, entrollen, so würde solches nicht minder abschreckend und haarsträubend ausfallen. Selbst die Sklaverei, welche Herr Sturz vornehmlich als Schreckbild gegen Brasilien aufgestellt hat, giobt an sich keinen Grund ab, Brasilien als Ziel Deutscher Auswanderung zu verwerfen. Sie bestand bis vor wenigen Jahren ja auch noch in Nord-Amerika, ohne ein Hemmniss der Einwanderung dahin zu sein, und wie sie in Nord-Amerika gefallen ist, so wird sie auch in Brasilien unter viel geringeren Zuckungen verenden, sobald die Zeit erfüllt ist. Die Bitterkeit, welche Hrn. Sturz in Bezug auf Brasilien überkommen ist, lässt sich als eine natürliche Folge des Undanks, den er erfahren, erklärlich finden, aber

') Vgl. Kolonie-Zeitung, Jahrgang 1865, Nr. 1.

nimmermehr lässt es sich rechtfertigen, dass er deshalb ohne Weiteres das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und die Rücksichten, die er den Deutschen in Brasilien schuldig war, so ganz vergessen und geschädigt hat. Wäre es ihm nach gegangen, so wäre Brasilien alsbald der Deutschen Zuwanderung gänzlich versperrt worden. Preussen hat ja damit bereits einen Anfang gemacht. Was sollte dann aus den mehr als 80.000 Deutschen werden, die bereits in Brasilien wohnten und zum Theil im Vertrauen auf die Autorität des Hrn. Sturz dahin ausgewandert waren? ') Das scheint dem Herrn Sturz gleichgültig gewesen zu sein. Sie waren seiner Ansicht nach nun einmal verlorene Leute; sie mochten, gänzlich abgeschnitten und verlassen vom Mutterlande, immerhin in ihrem „Elende" verkommen, wenn nur Herr Sturz Genugthuung erlangte! England lässt nicht einen einzigen seiner Angehörigen im Ausland unterdrücken und Deutschland sollte ruhig die Hand abziehen von Tausenden seiner Angehörigen in fremdem Land, um sie elendiglich verkümmern und zu Grunde gehen zu lassen? Das wäre ein Schimpf für Deutschland gewesen! Gut nur, dass die Schwärze, mit welcher Herr Sturz ganz Brasilien überstreicht, nicht auch die Augen der hiesigen Deutschen umnachtet, dass das Deutsche Element in Brasilien mehr Zähigkeit , Festigkeit und Ausdauer hat, als das Mutterland zur Zeit Sympathien für dasselbe besitzt. Es wäre nicht zu verwundern, wenn jeder hiesige Deutsche sich mit Bitterkeit abwendete vom Mutterlande, wo die Theiluahme für einen in seinen Privatinteressen gekränkten Manu zur Blindheit und zum Unrechte gegen die Lebensinteressen Tausender von Landsleuteu ausartet. Zum Glück hat das Deutsche Element zu grosse Tiefe, als dass es durch solche an der Oberfläche haftende Erscheinungen sich beirren liesse. Es hat hier bereits genügenden Halt in sich selbst errungen, um dem „Brasilianischen Elende" nicht unterliegen zu müssen, sondern vielmehr solches glücklich mit überwinden zu helfen. Aber zu seinem Fortschreiten, Erblühen und Gedeihen kann es auf die Dauer der Sympathien des Mutterlandes und der innigeren Wechselbeziehung zu solchem nicht entbehren. Mit herzlicher Freude begrüssen wir daher jede Erscheinung, welche uns zur Wiederanknüpfung des Bandes zwischen uns und dem Mutterlande neue Hoffnung giebt. Eine solche Erscheinung ist neuerlich das Werk des Herrn Woldemar Schultz in Dresden. Derselbe hat es in patriotischer Absicht auf Grund eigener Wahrnehmungen und Erforschungen verfasst und seinen Landsleuten in Brasilien gewidmet. Er weist darin nach, dass die südlichen Provinzen Brasiliens die natürliche Basis zur allmählichen Kolonisirung des gesammten La Plata-Gebiets bilden, und sagt unter Anderem bezüglich der Provinz Santa Catharina: „Alle physikalischen Bedingungen sind dazu vorhanden: eine äusserst günstige geographische Lage an dem Meere der Zukunft, weite angrenzende fruchtbare Länderräume, die die Produkte der heissen und gemässigten Zone erzeugen, in denen an der Küste das vegetabilische Leben, auf dem Hochlande das animalische in besonderer Fülle und Kraft gedeiht, bequeme Annäherungen vom Land und vom Meer,

l) Schreiber dieses hat selbst im Jahre 1854 Herrn Sturz persönlich in Dresden aufgesucht und um Rath gefragt und dann auf sein Zurathen die Übersiedelung nach Brasilien ausgeführt.

ein angenehmes, gesundes Klima und zum Überfiuss auch noch eine entzückende Natur." . . . „Da brauchen" — so heisst es zum Schlüsse — „die Leute vom Oberrhein und von der Donau so wie die von der Weser, Elbe, Oder dem gewohnten Anblick von Bergen, Thälern, Wiesen und Wäldern nicht zu entsagen. Da können mit dem gemüthvollen Sinn auch die Deutschen Lieder, die diese Dinge preisen, und Alles, was gross, edel, erhaben ist, fortleben und fortklingen auf fremder Erde, eine gemeinsame Losung für ein und dasselbe Volk diess- und jenseit des Oceans für alle Zeiten."

Wir handeln gewiss im Sinn aller hiesigen Deutschen, wenn wir erfreuten Herzens hierdurch dem Hrn. Woldemar Schultz dafür unseren herzlichsten Dank darbringen.

(Kolonie-Ztg. f. Dona Francisca und Blumenau, 5. Mai 1866.)

Fernere Resultate von Glaisher's Luftballon-Fahrten.

Der British Association wurde auch in ihrer diessjährigen Versammlung (im September zu Nottingham) über die auf ihre Veranlassung von J. Glaisher ausgeführten Luftballon-Fahrten Bericht erstattet. Die Hauptaufgabe bildet immer noch die Erforschung der Gesetze über die Abnahme der Temperatur mit der Höhe, nährten aber die früheren Beobachtungen (siehe „Geogr. Mitlh." 1864, S. 161) die Hoffnung, dass man durch fortgesetzte Ascensionen bald sichere Gesetze erkennen würde, so rückt der neue Bericht dieses Ziel wieder in weite Ferne. Bisher waren nämlich die Fahrten meist in den Sommermonaten und in den Nachmittagsstunden unternommen worden, es blieb daher zu prüfen, ob sich dieselben Besultate auch zu anderen Tagesund Jahreszeiten ergeben würden, und es stellte sich dabei heraus, dass die Beobachtungen in den Morgenstunden keineswegs mit denen in den Nachmittagsstunden und eben so wenig die zu einer Jahreszeit angestellten mit denen einer anderen Jahreszeit harmonirten. Als ferner der Ballon einmal zufällig gerade zur Zeit des Sonnenuntergangs herabkam , zeigte sich auf eine Höhe von fast '/2 Engl. Meile ein sehr geringer oder kein Wechsel der Temperatur; es entstand dalier die Frage, ob die Temperatur des Nachts mit der Höhe zunehmen könne, statt abzunehmen, wie bisher immer vorausgesetzt worden war. Das C'omite empfahl deshalb ganz besonders nächtliche Beobachtungen zu allen Jahreszeiten in mässiger Entfernung von der Erdoberfläche, Beobachtungen am Tage in den Wintermonaten und solche des Morgens in den Sommermonaten.

Demgumäss stieg Glaisher am 2. Oktober 1865 um 6 Uhr 20 Minuten Abends, etwa 3/* Stunden nach Sonnenuntergang, von Woolwich auf. Der Mond schien hell, der Himmel war wolkenlos und das Thermometer zeigte an der Erdoberfläche 56° F. In 900 F. Höhe war die Temperatur 57°, in 1300 F. Höhe 58,9°. Der Ballon senkte sich auf 950 F. Höhe herab und gleichzeitig sank die Temperatur auf 57,8°, der Ballon stieg wieder bis 1950 F. und eben so die Temperatur auf 59,6°, es war also in dieser Höhe 3J° wärmer als an der Erdoberfläche. Abermals senkte sich der Ballon bis 650 F., während die Temperatur auf 57j° sank, und so stieg und fiel die Temperatur noch öfters gleichzeitig mit dem Auf- und Niedersteigen des Ballons. Jedes Mal wurde die höchste Temperatur an dem höchsten

Punkte abgelesen. Der Ballon machte während dessen eine 45 Engl. Meilen lange Reise bis Highmoor in Oxfordshire und kam dort um 8 Uhr 20 Miuuteu zur Erde.

Eine zweite Ascensiou nach Sonnenuntergang wurde ebenfalls bei hellem Himmel am 2. Dezember unternommen. Die an der Erdoberfläche 38 J° betragende Temperatur war in 1600 F. Höhe um 2° gesunken und gerade umgekehrt wie bei dem vorigen Versuch traf bei dem wiederholten Auf- und Niedersteigen stets die niedrigste Temperatur mit der grössten Höhe und die höchste Temperatur mit der geringsten Höhe des Ballons zusammen. Glaisher stieg nahezu 1 Engl. Meile hoch und las dort 2 70 am Thermometer ab und es war also in jener Höhe 11° kälter als l£ Stunden zuvor an der Erdoberfläche.

Am 29. Mai 1866 stieg Glaisher zwei Mal auf, das erste Mal lj Stunden vor Sonnenuntergang, um 6 Uhr 14 Minuten, das zweite Mal nach Sonnenuntergang, um 8 Uhr 9 Minuten. Das erste Mal zeigte das Thermometer an der Oberfläche 58°, in 1200 F. Höhe 55°, in 4200 F. Höhe 43°, in 6200 F. Höhe (um 7 Uhr 17 Minuten) 29£° und beim Heruntersinkeu in 440 F. Höhe 54°. Das zweite Mal sank die Temperatur beim Aufsteigen des Ballons ebenfalls, aber etwas weniger rasch; in der Höhe von 1 Engl. Meile war sie auf 39° gefallen und in 6200 Fuss Höhe betrug sie jetzt, nachdem die Sonne 20 Minuten zuvor untergegangen war, 35°, d. h. 6° mehr als in derselben Höhe eine Stunde vorher, als die Sonne noch über dem Horizonte war. Beim Herabsinken des Ballons wechselte die Temperatur Anfangs sehr wenig, auf eine Strecke von 1000 F. blieb sie 35 bis 36° und in 4800 F. Höhe betrug sie 37°. Weiter unten zeigte das Thermometer in 1700 F. 47°, in 700 F. Höhe 54°, doch nunmehr erlitt die Zunahme eine Unterbrechung, in 550 F. Höhe wurden 52j° abgelesen und als man wieder ein wenig stieg, stieg auch die Temperatur und beim Herabsinken des Ballons fiel auch das Thermometer und zeigte an der Erdoberfläche (300 F. über dem Meere) um 9J Uhr Abends 50J°.

Aus all' diesen Versuchen scheint hervorzugehen, dass die Abnahme der Temperatur mit der Höhe sowohl im Lauf des Tages als in den verschiedenen Jahreszeiten variirt, dass die Temperatur um die Zeit des Sonnenuntergangs bis zu einer Höhe von 2000 F. nur sehr wenig sich ändert, dass sie des Nachts bei hellem Himmel mit der Höhe zunimmt, bei bedecktem Himmel aber nur sehr wenig, und dass nach Sonnenuntergang, wenn die Ausstrahlung begonnen hat, die Wärme nach oben geht, bis sie da, wo die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt ist, aufgehalten wird.

Vor zwei Jahren berechnete Glaisher mittlere Werthe aus seineu Beobachtungen und war der Meinung, dass diese Werthe nur noch weiterer Bestätigung bedürften. Jetzt bei grösserer Erfahrung spricht er weit weniger zuversichtlich und befürwortet zahlreiche fernere Versuche, die sich nicht auf England allein beschränken sollten.

Wo liegt der Atlantische Telegraph?

Folgendes sind die täglichen Positionen des „Great Eastern" während der Legung des Kabels von 1866. Nach ihnen kann Jedonuann in seinem Atlas die TelegraphenLinie einzeichnen.

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13. Juli Abfahrt von Valentia in Irland.

14. „ 52° 0' 14° 1' 135,7« 144,26 120— 216

15. „ 52 1 17 29 263 283 216—1950

16. „ 52 6 20 36 378 420 1950—1575

17. „ 52 15 23 48 495,6 557,82 1575—1950

18. „ 52 1 2 6 3 7 6 00,9 6 82,48 1 950 — 24 00

19. „ 51 54 29 39 712,9 811,14 2400—2176

20. „ 51 36 32 57 830,4 938,6 2176—1550 "21. „ 51 18 3 6 1 9 5 2,8 1 0 7 4,83 1 600—165 7

22. „ 5 0 4 8 3 9 1 4 1 0 7 5,7 1 20 7,47 1 6 5 7 — 19 50

23. „ 50 16 42 16 1196,9 1345,24 2424—2050

24. „ 49 30 45 21 1319,67 1480,06 2050—2225

25. „ 49 30 48 11 1430 1610 2225—1203

26. „ 48 45 51 16 1558 1744 1203— 130

27. „ Ankunft in der Trinity Bay, Neu-Fundland.

Die Endpunkte des Kabels sind die Foilhommerum-Bai an der Küste der Insel Valentia und das Fischerdorf Heart's Content an der gleichnamigen Bai Neu-Fundland's.

Bekanntlich wurde in den ersten Tagen des September auch das gerissene Kabel von 1865 aus einer Tiefe von 11.400 Fuss wieder aufgefischt, vollkommen brauchbar gefunden und glücklich bis Neu-Fundland verlängert. Dieses Kabel verläuft dem von 1866 ziemlich parallel, etwa Va Breitengrad nördlich von ihm. Die Schiffspositionen während seiner Legung und seine Länge sind folgende:

Datum. Nördl. Br W. L. r. Or. Entfernung in Kabellänge in

nautischen Min. nautischen Min.

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Über die Bestimmungen der mittleren Jahres-
temperaturen.

Von Dr. H. J. Klein, Herausgeber der Gaea.

Die Bestimmung der mittleren Temperatur eines gegebenen Ortes der Erdoberfläche gehört zu den wichtigsten Problemen der Meteorologie. Die Grundlage solcher Bestimmungen bildet die reine Beobachtung. Der Calcul, der die Bewegungen in den Himmelsräumen mit bewunderungswürdiger Macht beherrscht, ist bis heute fast gänzlich ohnmächtig , sobald es sich' um die Vorherbestimmung der Wärmebewegungen auf der berg- und meerbedeckten Erdoberfläche handelt. Das verwickelte Spiel der physikalischen Kräfte ist in seiner komplicirten Allgemeinheit der Mathematik noch unfassbar geblieben, sobald es sich um genaue VorausPetermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft XI.

berechnung meteorologischer Erscheinungen handelt. Wenn ich es daher versucht habe, für einen gewissen Theil der Erdoberfläche die mittleren Temperaturen des gegebenen Ortes vorher zu bestimmen, so geschah diess selbstverständlich nur gestützt auf eine grosse Anzahl meteorologischer Beobachtungen, aus denen das Gemeinsame nach den Begeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung und der so fruchtbaren Methode der kleinsten Quadrate herausgesucht wurde.

Die Bestimmung der Temperatur eines gegebenen Ortes unterscheidet sich wesentlich von der Bestimmung der allgemeinen mittleren Temperatur unter einer gewissen Breite q>, für welche Brewster im IX. Bande der Philosophical Transactions und Dove Formeln gegeben haben. Bei dem Zwecke, welchen ich mir vorgesetzt hatte, musste auch die Höhe des Ortes über dem Meere so wie seine Lage inmitten von mehr oder minder hohen und ausgedehnten Gebirgen berücksichtigt werden. Der Einfiuss der letzteren ist, wie bekannt, von grösster Bedeutung, aber in jedem besonderen Falle so eigenthümlich, dass er sich durch eine allgemeine Formel nur mit äusserster Mühe und sehr geringer Annäherung darstellen lässt. Ich nahm daher vorläufig hiervon Abstand und meine Formeln gelten nur für Orte MittelEuropa's, die weder mitten im Gebirge liegen, noch ein ausgesprochenes Seeklima besitzen. Meine Untersuchungen mussten mich natürlich an das Gesetz der Temperaturabnahme bei wachsender Höhe verweisen, allein ich muss gestehen, dass mir die Untersuchung zahlreicher meteorologischer Beobachtuugsreihen von Orten nahezu gleicher geographischer Breite, aber verschiedener Höhe kein ganz bestimmtes Gesetz der Wärmeabnahme ergeben hat. Wenn h die Seehöffe eines Ortes a bezeichnet, der mit b gleiche geogr. Breite (f hat, während b h' Meter hoch hegt, so liesse sich die mittlere jährliche Temperatur-Differenz A &a beiden Orten im Allgemeinen gut darstellen durch A = 0,0085 (h' —h).

Die Differenz der mittleren Sommertemperaturen ist dann: A' = 0,0082 (h' — h), die der Wintertemperaturen: A" = 0,0077 (h' — h). Die Koeffizienten von (h' — h) gelten eigentlich aber nur bis zu h' < 4- bis 500 Meter. Darüber hinaus nimmt die Temperatur schneller ab, aber unregelmässig für die untersuchten Orte, so dass sich nichts Gesetzmäasiges bestimmen lässt.

Ich habe bei der Berechnung die Temperatur als proportional dem cos y angesetzt, da es mir eigentlich etwas willkürlich erscheint, dieselbe als Funktion von cos2<p anzunehmen. Bezeichnet nun t die mittlere Jahrestemperatur eines Ortes, welche man sucht, tp seine geogr. Breite, h die Höhe über dem Meere in Meter, so hat man t = 45° cosqp — (18,1° + 0,0085° h) (Alles in Centesimalgraden).

Für Krakau giebt diese Formel beispielsweise 9,0°, für Metz 9,9°, für Halle 8,9°, für Warschau 8,3°, für Sagau 8,8° &c. Setzt man 9: = 0, so bekommt man, wenn h = 0, t= 26,9°. Diess wäre, falls die Formel allgemeine Gültigkeit besässe, die mittlere Jahrestemperatur des Äquator; Brewster's Formel giebt einen um nur 0,6° höheren Werth.

Für die mittlere Wintertemperatur (Dezembor, Januar, Februar) ergab sich:

t' = 38° cos q> (22,4° + 0,0077 h), eben so für die mittlere Soranicrtemperatur (Juni, Juli, August): t" = 58° cos <f> — (17,6° + 0,0082 h).

56

Diese beiden letzten Formeln weichen auffallender Weise im Allgemeinen weit mehr von den beobachteten mittleren Werthen ab wie die erste. Der mittlere Fehler derselben, aus einer grossen Anzahl von Beobachtungen, verglichen mit den Angaben der Rechnung, geschlossen, ergab sich etwa = 0,7°. Für die erste Formel ist er etwa 0,4°. Diess scheint anzudeuten, dass für -die einzelnen Punkte der Erdoberfläche Temperatur-Anomalien existiren, welche sich nur im Jahresmittel ausgleichen, d. h. dass mitunter die mittleren Temperaturen der heissesten und kältesten Monate eines Jahres im entgegengesetzten Sinne vom Mittel abweichen, einem sehr kalten Winter also ein sehr heisser Sommer folgt und umgekehrt.

Geographische Literatur.

Vorbericht.

Die Publikationen von P. v. Tchihatchefs Arbeiten über Klein-Asien nähern sich jetzt ihrem Abschluss. Seine sämmtlichen Itinerarien, die bekanntlich ganz Klein-Asien wie mit einem Netz überziehen, werden unter Redaktion von Prof. Dr. Kiepert zugleich mit einer von diesem ganz neu bearbeiteten Karte des Landes in einem Ergänzungsheft der „Geogr. Mittheilungeu" erscheinen. Auf ihre hohe Bedeutung für die Topographie der Halbinsel haben wir zu wiederholten Malen hingewiesen. So eben vollendet wurde die „Paleontologie de l'Asie mineure" mit einem aus 19 lithographirten Tafeln bestehenden Atlas. Dieser ganz spezielle, höchst wichtige Theil, von d'Archiac und de Verneuil bearbeitet, sollte eigentlich den 3. Band der „Geologie de l'Asie mineure" bilden, da aber die Herstellung einer grossen geologischen Karte das Erscheinen der letzteren verzögerte, Bo wurde der paläontologische Theil selbstständig herausgegeben. Die Publikation des ersten Bandes der „Ge'ologie" mit der so eben erwähnten Karte steht übrigens für Mitte Januar, die des zweiten Bandes für den Sommer 1867 zu erwarten, es wird somit nicht bloss die geologische Abtheilung, sondern das ganze unter dem Kollektiv - Namen „Asie mineure" herausgegebene grosse Werk künftigen Sommer, nach siebenzehnjähriger Arbeit, als vollendetes, aus 7 grossen Bänden und einem Atlas von etwa 150 Tafeln bestehendes Werk auftreten. Da es leider so oft vorkommt, dass wissenschaftliche Reisende schon vor ihrer Rückkehr in die Heimath oder doch mitten aus der Bearbeitung ihrer glücklich nach Hause gebrachten Schätze von dieser Welt abberufen werden, so müssen wir es als eine besondere Gunst des Schicksals ansehen, dass Herr v. Tchihatchcf die Früchte seiner langjährigen Forschungen in Klein-Asieu vollständig der Öffentlichkeit übergeben konnte, und zugleich müssen wir ihm für seine wie bei den Forschungen selbst so bei deren Bearbeitung bewiesene ungewöhnliche Ausdauer unsere Achtung zollen, denn auch er hatte mit Widerwärtigkeiten und Täuschungen mancher Art zu kämpfen, dio ihm wohl die Lust zu der Fortsetzung seiner Arbeiten hätten nehmen können.

Von Seite der Kaiserl. Russischen Geographischen Gesellschaft stehen wiederum mehrere wichtige Publikationen in Aussicht. Danilewsky. Chef der von ihr nach dem Asow'ichen Meere ausgesendeten Expedition, hat einen ausführ

lichen Bericht über die Resultate seiner Untersuchungen in den Jahren 1863 und 1864 eingeschickt, der in der Zeitschrift der Gesellschaft zur Veröffentlichung kommen solL Eben darin wird ein von Karten begleitetes Memoire von Sercerzoff über seine Forschungen in Centrai-Asien gedruckt werden. Dieser Geolog hat im Laufe des Sommers 1866 den Karatau zwischen den Flüssen Arys und Tschirtschik, so wie die westlichen Zweige des Thian-schan explorirt und ausser seinen geologischen Karten und speziellen Nachrichten, z. B. über Gold-, Eisen- und Kohlenlager im Thal des TersyFlusses, eine reiche Sammlung von Vögeln (etwa 2000 Exemplare), Insekten und Pflanzen zurückgebracht. Die Kaukasische Abtheilung der Gesellschaft unternimmt die Herausgabe eines statistischen Sammelwerkes über den Kaukasus und einer Handkartc des Kaukasus im Mst. von 1:1.680.000, die unter Stebnitzky's Leitung hergestellt wird.

Unser unermüdlicher Freund Dr. Ferdinand Müller in Melbourne unterrichtet uns von einem herrlichen Projekt, dessen Verwirklichung von höchster Bedeutung für die Kenntniss Australiens sein würde. Auf den Vorschlag des Gouverneurs von Tasmania will man einen Physikalischen Atlas von Australien und Neu - Seeland herstellen und es hat sich zu diesem Zweck ein Comite gebildet, das aus Dr. John J. Bleasdale, Prof. Frederick M'Coy und Dr. Ferd. Müller besteht. Wohl wissend, wie gross und schwierig die Aufgabe ist, sucht das Comite die Mithülfe der KolonialRegierungen ausser in finanzieller Beziehung auch dafür zu gewinnen, dass eine jede innerhalb ihres Wirkungskreises von den kompetentesten Autoritäten die erforderlicheil Materialien zusammenstellen und Informationen einziehen lässt. Ein Ausschuss aus den Mitarbeitern würde sodann die Redaktion des Ganzen besorgen. Ohue Zweifel könnte auf solche Weise Ausserordentliches geleistet werden, und wie umfassend man sich die Aufgabe denkt, geht schon aus dem vorläufig aufgestellten Programm hervor. Die von erläuterndem Text, statistischen Tabellen &c. begleiteten Karten, die man für jetzt in Aussicht genommen hat, sind nämlich folgende: 1. Geographische Karte mit Angabe der Fluss- und Bergsysteme, der Höhen und der Meeresströmungen; 2. Geologische Karte mit speziellen oryktognostischen Erläuterungen; 3. Paläontologische Karte; 4. Phytologische Karte; 5. Zoologische Karte; 6. Klimatologische Karte mit den Isothermen, Isotheren und Isochimenen, den hyetographischen und magnetischen Linien, Nachweisen über Luftdruck und Luftströmungen; 7. Ethnologische Karte mit sprachlichen Erläuterungen; 8{ Karte über die für Ackerund Gartenbau in Betracht kommenden Eigenschaften der verschiedenen geologischen und klimatischen Regionen mit Rücksicht auf die Akklimatisation neuer Pflanzen; 9. Karte über die für Viehzucht wichtigen Eigenschaften der verschiedenen geologischen und klimatischen Regionen mit Rücksicht auf die Akklimatisation neuer Thiere; 10. Statistische Karte mit den Hauptdaten über die gegenwärtigen Verhältnisse der Kolonien. — Wer nur irgend Interesse nimmt an der fortschreitenden Kenntniss von Australien, diesem in ungeahntem Aufblühen begriffenen Kutturreiche der Südhalbkugel, muss dem schönen Unternehmen Glück und Gedeihen wünschen.

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