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Dumfries, .starb am 5. Juni zu Grasmere. Er machte drei arktische Reisen, zwei mit Sir Johu Franklin (1819 und 1825) und eine mit Rae (1848), und publicirte seine höchst bedeutenden Beobachtungen und Arbeiten in dem berühmten zweibändigen Werk „Arctic Searching Expedition" (London 1851), den „Polar Regions" (Edinburgh 1861), der „Fauna borealis, America", dem zoologischen Appendix zu Sir Edward Parry's zweiter Reise, der „Ichthyology of the Erebus and Terror and of the Sulphur", dem „Fossil Mammals" betitelten Abschnitt des zoologischen Theils von Kellett's Expedition, so wie in verschiedenen Zeitschriften. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass er als Inspektor des Haslar Hospital den Dr. Baikie protegirte und zu dessen Afrikanischen Reisen wesentlich beitrug.

Peter Friederichsen, geb. den 27. März 1830 in Rendsburg, 1855 bis 1861 als Kartograph in J. Perthes' Geographischer Anstalt thätig, starb am 8. Juni in Eisenach ').

William Freemau Daniell, Dr. med., Britischer Stabsarzt, geb. 1818 zu Liverpool, durch verschiedene wissenschaftliche Arbeiten während seines Aufenthaltes an der Westküste von Afrika, namentlich seine „Sketches of the Medical Topography and native diseases of the Gulf of Guinea" (London 1849) und seinen Aufsatz „On the ethnography of Akkrah and Adampe, Gold coast, Western Africa," im Edinburgh New Philos. Journal Nr. 104 (April 1852) und Nr. 105 bekannt, starb am 26. Juni zu Southampton.

Hugh Cuming, geb. den 14. Februar 1791 zu West Alvington, Kingsbridge in der Grafschaft Devon, der sein ganzes Leben der Sammlung von Couchylien und Pflanzen widmete, so besonders an der Westküste von Süd-Amerika

') Der Verstorbene trat im 18. Jahre in die Kopenhagener KriegsAkademie ein, ging schon 1847 als Lieutenant aus derselben hervor und wurde in die Dänische Armee eingereiht. Sein grosser Fleiss, der ihn in allen Klassen zum Primus und bei seinem Offiziers-Examen von 40 Kameraden zum Ältesten machte, war Grund seines raschen Avancements. Durch den Ausbruch der Feindseligkeiten in den Herzogthümern sah er sich nebst mehreren Kameraden genöthigt, beim König von Dänemark um seine Entlassung einzukommen, die ihm wiederholt verweigert und erst dann gewährt wurde, als er, gezwungen durch Schmähungen des Dänischen Pöbels und durch das Verlangen des Dänischen Ministeriums, einen Kevers unterzeichnete, dem zufolge er das Ehrenwort gab, nicht auf Schleswig-Holsteinischer Seite gegen Dänemark kämpfen zu wollen. So schwer es ihm wurde, nicht am Kampfe Theil zu nehmen, so hielt er doch das gegebene Wort, beschränkte während der Kriegsjahre 1848 bis 1851 seine Thätigkeit lediglich auf Zeichnen der Schleswig-Holsteinischen Kriegspläne bei dem damaligen Oberquartiermeister der Schleswig-Holstcinischen Armee, jetzigem Preuss. Major Geerz, und trat erst nach Beendigung des Krieges als Premier-Lieutenant in das von den Bundeskommissären gebildete Holsteinische Kontingent. Dieses Kontingent wurde jedoch von Seiten Dänemarks bald aufgelöst und obgleich Friederichsen nach Beendigung des Kriegs vom König von Dänemark als Premier-Lieutenant bestätigt worden, schaffte man ihn jetzt nachträglich auf die Veste Kronborg bei Helsingör, wo er wegen seines Verhaltens während der Kriegsjahre vor ein Kriegsgericht gestellt wurde"". Nachdem er 3/4 Jahre daselbst in Untersuchungshaft zugebracht, wurde er freigesprochen, jedoch aus der Armee entlassen, weil er nach Ansicht der Dänen seine Charge verbrochen. Aus der Gefangenschaft zurückgekehrt blieb er einige Zeit in Kiel und wurde 1855 an die Perthes'sche Anstalt berufen, wo er namentlich mit Nou-Zeichnungen für die v. Sydow'schen Atlanten beschäftigt war. Zuletzt war er als Sekrotär im Ober-Post-Kommissariat zu Eisenach angestellt.

und in der Südsee (1819 bis 1830) und auf den Philippinen (1835 6is 1839), starb am 10. August in London. Seine Conchylien-Sammlung ist wahrscheinlich die reichste, die jemals zusammengebracht worden-,

William Jackson Hooker (Sir), geb. 1785 zu Norwich, berühmter Botaniker, Direktor der Botanischen Gärten von Kew, starb daselbst am 12. August.

Adolph Graf, früher als Kartograph in J. Perthes' Geogr. Anstalt zu Gotha, später in dem Geogr. Institut zu Weimar, wo eine grosse Anzahl von ihm gezeichneter Karten publicirt worden sind, starb am 24. August bei Leipzig, im Alter von 34 Jahren.

C. Stolpe, bekannt durch seinen schönen Plan von Koustantrnopel und eine ähnliche Arbeit über die Umgebung der Türkischen Hauptstadt, erlag im August zu Pera der Cholera.

Traugott Bromjne, geb. 1802 zu Leipzig, am bekanntesten durch seinen Atlas zu v. Humboldt's Kosmos, aber auch durch andere geographische Arbeiten, seine Reisen in Amerika und seine Bemühungen um die Deutsche Auswanderung dahin verdient, starb am 4. September in Stuttgart.

William Henry Smyth, geb. den 21. Januar 1788 zu Westminster, Britischer Admiral, der berühmte Hydrograph des Mittelländischen Meeres, Mitbegründer der Geographischen Gesellschaft zu London, einer der wissenschaftlichsten und eifrigsten Beförderer der Geographie, Astronomie und Archäologie, starb am 9. September in Aylesbury.

Christian Pander, Kaiserl. Russischer Staatsrath, geb. 1794, seit 1842 im Bergwesen angestellt und durch seine naturhistorischen Untersuchungen, namentlich seine Aufklärungen über die Gliederung und den Bau des Uralischen Steinkohlengebiets bekannt, starb am 22. September in St. Petersburg.

Louis-Isidore Duperrey, geb. zu Paris am 31. Oktober 1786 und seit dem 16. Jahre in der Französischen Marine, starb im September. Er machte 1817 unter Capitaine Freycinet eine Reise um die Welt in der „Uranie" mit, wobei er besonders die physikalischen Beobachtungen besorgte, und trat dann 1822 selbstständig eine wissenschaftliche Seereise auf der „Coquille" an, auf der er die Küsten von Chile und Peru, Polynesien, Neu-Seeland, Neu - Guinea und die Molukken besuchte. Diese Reise gehört nach ihren wissenschaftlichen Resultaten zu den erfolgreichsten und berühmtesten.

Johann Friedrich v. Stülpnagel, Preuss. Hauptmanu a. D., geb. 1786, langjähriger Mitarbeiter an Stieler's Atlanten und anderen aus der Perthes'schen Anstalt hervorgegangenen Kartenwerken, starb am 18. Oktober zu Gotha. (Ein Nekrolog wird später folgen.)

Georg Berna (Dr.), K. K. Österreichischer General-Konsul für das Grossherzogthum Hessen, in der geographischen Welt bekannt durch seine auf eigene Kosten mit Karl Vogt und Anderen 1861 unternommene Nordfahrt, starb am 18. Oktober zu Frankfurt a. M.

Florian v. Gilles, ein geborner Schweizer, Kaiserl. Russischer Wirklicher Staatsrath und Bibliothekar, Direktor des Museums für Alterthümer aus Kertsch u. s. w., Verfasser der „Lettres sur le Caucase et la Crimee" (Paris 1859), starb am 11. November in Lübeck.

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Horatio Thomas Austin, Britischer Vice-Admiral, der als erster Lieutenant an der zweiten arktischen Expedition Parry's Theil nahm, starb 64 Jahre alt um die Mitte des November.

Johann Heinrich Barth, der berühmte Afrika - Reisende, geb. den 16. Februar 1821 zu Hamburg, starb am 25. November zu Berlin. (Siehe den Nekrolog iu „Geogr. Mittheilungen" 1865, S. 429.)

Constantin Iwanowitsch Arsenjew, Kaiserl. Russ. Geheimrath , Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu 8t. Petersburg u. 8. w., starb 76 Jahre alt am 11. Dezember in Petrozavodsk. Er hat ein in Russland sehr bekanntes Lehrbuch der Geographie (1830) und mehrere andere Werke über Statistik und Geographie geschrieben, wie er früher auch den jetzigen Kaiser in Geschichte und Geographie unterrichtete, und ihm ist zum Theil die Gründung des Statistischen Comite,'s beim Ministerium des Innern zu danken.

Aus dem Jahre 1864 sind nachzutragen: Carl Wilhelm Isenberg, der durch seine Reisen und langjährigen Aufenthalt in Abessinion und Schoa bekannte Missionär, seit 1844 in Bombay und Sharanpur, wo er ein Asyl für Afrikanische Kinder gründete, starb 58 Jahre alt am 10. Oktober 1864 in Stuttgart. Die Werke über seine Reisen sind: „Journals of the Rev. Messrs. Isenberg and Krapf, Missionaries of the Church Missionary Society, detailing their proeeedings in the kingdom of Shoa, and journeys in other parts of Abyssinia, in the years 1839 to 1842. London 1843" und „Abessinien und die evangelische Mission. Tagebuch meiner dritten Missionsreise von Mai 1842 bis Dezember 1843. Von C. W. Isenberg. Bonn 1844."

Henry Rowe Schoolcraft, der Historiker und Ethnograph der Nord-Amerikanischen Indianer, starb am 10. Dezember 1864 zu Washington. Er wurde in der Grafschaft Albany des Staates New York am 28. März 1793 geboren, studirte Naturwissenschaften und bereiste schon früh Missouri und Arkansas („A view of the lead mines in Missouri", „Scenes and adventures in the semi-alpine regions of the Ozark Mountains of Missouri and Arkansas"). Im Jahre 1820 begleitete er als Geolog die Expedition des General Cass, um die Kupfer - Gegenden am Lake Superior und am oberen Mississippi zu untersuchen, 1821 bereiste er als Mitglied der Indianischen Kommission zu Chicago ganz Illinois und die Gegenden längs der Flüsse Wabash und Miani („Travels in the central portions of the Mississippi Valley") und erhielt darauf die Stelle eines Indianischen Agenten an der Nordwestgrenze, wo. er bald zu Sault St. Marie am Oberen See, bald zu Macherian am Huron-See längere Zeit verweilte. Seine Verheirathung am letzteren Orte mit der Enkelin eines Indianischen Häuptlings erleichterte wesentlich seine Forschungen über Geschichte, Sprache, Sitten und Gebräuche der verschiedenen Stämme, so dass die sechs Quart-Bände seiner „Historical and Statistical information respecting the history, condition and prospects of the Indian Tribes of the United States" als Hauptquellenwerk gelten. Am 13. Juli 1832 entdeckte er die Quelle des Mississippi in dem kleinen See Itasca. Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft I.

Eugene-Jacques-Marie de Pruysseuaere, durch seine Reisen in den Nil-Ländern bekannt (s. „Geogr. Mitth." 1863, S. 105; Ergänzungsband III, Nr. 15, SS. 14 und 21), starb 38 Jahre alt am 15. Dezember 1864 auf der Rückreise von Karkodj nach Chartum bei Harab-el-duuia.

Ternaux-Compans, bekannt durch geographische, hauptsächlich auf Amerika bezügliche Publikationen, wie „Archives des voyages, Collection d'auciennes relations ine'dites ou tres rares", „Traduction de l'Histoire du Mexique de Don Alvaro Tezozomac".

Francis Lavallee, ehemals Französischer Konsul in Havana, dem das Bulletin der Geogr. Gesellschaft zu Paris mehrere Beiträge, namentlich Notizen über die Insel Cuba, über Texas, Portorico und über die Geologie der Antillen verdankt

Karl Vogt über die Blaue Grotte von Capri.

In seinen „Reisebriefen aus Italien" (Kölnische Zeitung, 14. November 1865) berichtet Karl Vogt über seinen Besuch der berühmten Blauen Grotte und giebt dabei eine einfache Erklärung des Phänomens, die zwar nicht neu ist, aber gegenüber den noch immer anzutreffenden mysteriösen Schilderungen von Nutzen sein wird. Er sagt:

Ich will oft Gesagtes nicht wiederholen — es ist ein herrliches Schauspiel, dessen man im Innern geniesst. Die Felswände freilich und die Decke der Grotte sind nicht so blau, als man sie oft gemalt sieht, sondern zeigen nur sanfte Reflexe, die nicht hinreichend sind, die ursprünglich graue Farbe der Felsen zu verdecken, — aber das Blau, welches aus dem Wasser hervorstrahlt, ist wirklich von himmlischer Schönheit und Reinheit und namentlich dann am auffallendsten, wenn man dem Eingange den Rücken wendet und mit dem Antlitz gegen den Grund der Grotte in das Wasser hineinschaut. Einen magischen Effekt machen auch die Fische, welche darin herumschwimmen und die in der Nähe der Oberfläche hellsilbern glänzen, während sie in wenig Fuss Tiefe vollkommen schwarz erscheinen.

Der „Grotten-Inspektor" bietet sich an, für drei Franken in das Wasser zu springen; das sei das Merkwürdigste, was überhaupt zu sehen sei. Wir bieten ihm unbedachter Weise zwei Franken — er entkleidet sich sogleich. Für Einen hätte er es auch gethan. Der Kerl ist braun wie ein Bär — alle in das Wasser getauchten Theile erscheinen hell silberweiss mit einem leichtbläulichen Ton, um so heller und weisser, je senkrechter die Oberfläche des Theiles im Wasser steht. Der ganze Körper strahlt wie der eines Seraph, wenn der Mann Wasser tritt: die von dem Eingange abgewandte Seite des Körpers sieht dunkelbraun aus. Schwimmt er horizontal, so zeigt sich das Silberlieht auch nur auf den dem Eingänge zugewandten Theilen. Aber nicht allein der menschliche Körper, auch Ruder und Stöcke zeigen dieselbe Erscheinung — dasselbe bläuliche Silberlicht auf allen dem Eingange so zugewandten Flächen, dass der dort gebrochene Lichtstrahl unser Auge trifft.

Die Lehrbücher haben viel theils Poetisches, theils Unsinniges über die Blaue Grotte vorgebracht und Förster sagt noch: „Kein Tageslicht erleuöhtet unmittelbar das mit Stalaktiten bedeckte Innere, allein es strahlt in einem zauberhaften himmelblauen Widerscheine, dessen Ursachen

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noch nicht genau ergründet sind." Die Erklärung ist eben so leicht als die Erscheinung schön. Vor allen Dingen ist es unrichtig, dass kein Tageslicht in die Grotte dringe, — die Öffnung ist immerhin gross genug, um ein vier Fuss breites Boot durchzulassen, so dass also sowohl direktes als auch von der Oberfläche des Wassers retiektirtes Licht in die Höhle eindringt. Diess thut aber Nichts zur Sache, sondern schadet vielmehr dem Effekte, indem es blendet, sobald man sich dem Eingange zuwendet, und ich bin überzeugt, dass die Grotte zwar etwas dunkler, aber noch weit vollständiger blau sein würde, wenn man eine Blendung am Eingange anbrächte, die nach dem Eintritt der Beschauer bis aufs Wasser herabgelassen würde, um jeden direkten Lichtstrahl abzuhalten.

Die blaue Farbe entsteht durch die Lichtstrahlen, welche in dem Wasser gebrochen werden und durch dieses in die fast dunkle Höhle heraufgelangen. Das weisse Tageslicht (die Sonne bescheint die Öffnung nicht direkt) geht durch das blaue Wasser hindurch — wir sehen es wie durch ein blaues Glas. Die Intensität dieser blauen Farbe in der Grotte ist aber nur dadurch bedingt, dass diese keine gewöhnliche Grotte, sondern ein nach oben geschlossener tiefer Spalt ist, der im Innern noch 70 Fuss Tiefe hat. Hätte die Blaue Grotte diese Tiefe nicht, sondern wie andere Grotten dieser Art einen flachen Boden, so würde die Farbe dieser geringen Wasserschicht nicht hinreichend sein, um von unserem Auge bemerkt zu werden; hätte sie eine grössere Öffnung, so würde das direkte weisse Tageslicht die blaue Farbe tödten. So aber dringt das im Wasser gebrochene weisse Licht durch ein 70 Fuss mächtiges blaues Medium in einen fast dunkeln Baum und muss nothwendig den geschilderten Effekt hervorbringen. Die physikalische Erklärung ist also nicht schwer, wenn man nur daran festhalten will, dass, wie Bunsen bewiesen hat, das Wasser blau ist und dass wir diese blaue Farbe jedes Mal sehen müssen,- sobald weisse Lichtstrahlen durch eine bedeutendere Schicht reinen Wassers hindurchgehen.

Karl Vogt's Beschreibung von Foggia1).

„Foggia", sagt das Lehrbuch (Förster), „Hauptstadt der Provinz Capitanata, zwischen den Flüssen Cesone und Cervara, mit 26.000 Einwohnern, grösster Marktplatz für die östlichen Provinzen des Königreichs mit einer Hauptmesse im Mai, Mittelpunkt von vier Hauptstrassen, nach Neapel, Brindisi, Manfredonia und Pescara. Haupthandelsartikel: Kapern, auch Wein, Öl, Wolle und Getreide. Sehenswerth: das Zollhaus, das Theater, der Artesische Brunnen, das Waisenhaus, das Kollegium für adelige Fräulein, die öffentliche Bibliothek, das Landwirtschaftliche Institut, die Ökonomische Gesellschaft, das Ornithologische Museum des Herrn Gabaldi." Liest man das, so meint man wahrlich, man habe in Foggia wenigstens zwei Tage zu thun, um nur die Kunde all' der Merkwürdigkeiten machen zu können. Aber

<) Eine der grösseren Städte Süd-Italiens, wichtig durch ihre Lage am Kreuzungspunkte der Eisenbahnen nach Bari an der Ostküste'und der im Bau begriffenen über Ascoli nach der Westküste. — Nach inem der „Reisebriefe aus Italien" in der Kölnischen Zeitung.

nun gehe hin, lieber Leser, und wenn Du etwas Anderes als ein Nest ohne alle und jede Merkwürdigkeit findest, ein Nest, das jeden Begriffs von Civilisation, wie wir uns sie denken, entbehrt und das ungezwungen auch keine Viertelstunde freiwilligen Aufenthaltes verdient, so will ich stets, gegen Förster Unrecht haben. Möge der Himmel ihm für eine nächste Auflage den Schinken, welchem er diese Notizen entlehnte, verschimmeln lassen! Es giebt gar nichts in Foggia, weder geschichtlich noch für Architekten, Maler oder Naturforscher Interessantes, mit Ausnahme einer Promenade, die aus drei geraden' Wegen in der Ebene besteht, mit einem Säulen - Portikus beginnt und an einem künstlichen Grottenhügel endet, auf welchem ein rundes Tempelchen steht, von dem man Aussicht haben könnte, aber keine hat, weil es ringsum mit Nadelhölzern umpflanzt ist, und unter dem ein Grotten - Labyrinth angelegt ist, vor dessen Betreten das Geruchsorgan jeden anständigen Menschen energisch warnt. Hinter diesem Hügel einige Englische Anlagen mit ganz hübschen Baum- und Gebüschgruppen, die im Sommer recht kühl sein mögen und zu dem „Versuchsgarten der Ökonomischen Gesellschaft der Capitanata" führen, der fest verschlossen ist. Damit hört, wie die Berliner sagen, Aliens uff.

Wir kommen inToggia natürlich gerade in dem Augenblick an, wo der letzte Zug nach Pescara aus dem Stationshofe fährt. Das Bureau der Impresa Mastrojanni hat sich geirrt, trotz seiner pompösen Ankündigung, und der Condueteur Recht behalten. Der Kapitän, mein Reisegefährte, welcher in Foggia stationirt ist, der andere, dessen Lebensfeind das Fieber ist, der Conducteur haben mir übereinstimmend eine Locanda anempfohlen, deren Namen ich boinahe vergessen habe — Albigelli dell' Aquila d'oro, wenn ich nicht irre. Ich fahre hin. Man bietet mir ein Zimmer an, in welchem die Maurer eben an Fensterverkleidung und Wänden arbeiten; bis zum Abend werde der Gyps wohl trocken, sein. Ich danke und fahre in die Victoria gegenüber: Nobile locanda della Victoria. Unten Niemand. Ich stolpere eine entsetzlich schmutzige Treppe hinauf und finde ein Zimmer. Ein Mädchen von etwa 12 Jahren liegt quer auf einem Bette, den Kopf mit aufgelösten Haaren auf dem Rande; die Mutter ist mit Lützow's wilder, verwegener Jagd in diesem Walde beschäftigt. Man bietet mir Zimmer und Bett mit Zuvorkommenheit an. Ich danke und fahre weiter, strande aber endlich da, wo ich abgefahren bin, in einer Locanda, die über dem Bureau der Diligence sich befindet. Hier ist natürlich meine Negationsfähigkeit auf der Hefe — ich bin geneigt, Alles über mich ergehen zu lassen. Der Wirth meint, er könne mir eine besondere Freude machen, indem er mich zu drei meiner Reisegefährten von der Diligence quartiere, worunter der fiebergeschüttelte Schnarcher und ein anderer Mensch, der beständig spuckt und dazu Opern-Arien summt. Ich mache ihm mit Mühe begreiflich, dass es für mich weit angenehmer sei, ein Zimmer allein zu haben. Endlich gelingt diese Demonstration und ich erhalte ein Zimmer, in dem vier aufgerollte Betten, ein dreibeiniger Tisch, ein dreibeiniges Eisenmöbel mit einer Waschschüssel und ein unnennbares Gefäss, der Grösse nach für alle vier Bett-Insassen berechnet, sich vorfinden, sonst aber die trostloseste Leere mich angähnt. Das Fenster, welches auf einen Balcon geht, lässt sich nur schliessen. ■wenn man die Läden zugleich schliesst, wo dann absolute Finsternißs herrscht; die Thür wird von aussen nothdürftig geschlossen, kann aber von innen weder geöffnet noch geschlossen werden. Muss ich Alles sagen r Es ist nothwenig zur Bezeichnung des Civilisations-Punktes. Ich frage nach einem gewissen Gemache. Existirt nicht. Aber in der Nähe ist das Waisenhaus, das nach Förster zu den Sehenswürdigkeiten gehört und von einer Mauer umschlossen ist; dorthin gehen Honoratioren und zwar auf die Seite nach dem Felde zu. Aber man kann einen „Servito" bringen, einen grossen Topf aus Töpferwaare, wie man deren Hunderte in Pompeji gefunden hat. Der Wirth ist äusserst gefällig, der Servito wird gebracht und zwischen offener Thür und offenem Fenster aufgestellt, so dass unter dem Zusehen der Nachbarn und der Hausgenossen die Operation vor sich gehen kann, die in der That einige Neugierige anzieht. Abor der Mensch will auch essen. Der Wirth geht, bei einem Traiteur gegenüber eine Speisekarte zu holen, zu deren Entzifferung noch ein junger studirter Mensch gerufen werden muss, denn der Wirth kann nicht lesen und ich mich in die Orthographie nicht finden. Endlich ist auch dieses Geschäft, zu dem ein Manuskripten-Kundiger, ein Gregorovius, nöthig wäre, glücklich zu Stande gebracht und ein Diner komponirt, das in der That nicht so übel ist, als die Speisewirthschaft aussieht, aus der es geholt wird. Der Wirth kommt freudestrahlend zurück. Herr, sagte er, Sie sind ein Glückskind! Eben bringt ein Jäger eine herrliche Schnepfe, einen Bissen für einen Kardinal, fett wie ein Ortolan, rund wie ein Apfel, wollen Sie damit Ihr Mahl beschliessen? — Bringt sie nur her! — Die Schnepfe kommt, hat aber einen sehr kurzen Schnabel und ist ein Wachtelkönig. Das lässt sich ertragen, aber ich zeige doch den Schnabel dem Wirth. Er blinzelt mit den Augen und behauptet, in Foggia und der ganzen Ebene der Puglia wüchsen den Schnepfen die Schnäbel nicht länger, weil sie sonst in dem schweren Ackerboden beim Bohren nach Würmern zerbrechen würden. Dieser Beweis des Lebendigseins der Darwinschen Theorie im naiven Volksbewusstsein rührt mich so, dass ich den Wachtelkönig als Schnepfe verspeise. Wollen Excellenz vielleicht die Englischen Reiter besuchen, die hier sind? Excellenz werden sich ausgezeichnet amüsiren. Es ist die Truppe des Kaiserlichen Cirkus von Paris! — „Warum nicht gar ?" — Ja wohl, der Direktor hat es selbst gesagt und Excellenz können es auch auf den geschriebenen Anschlagszetteln lesen, an denen der Direktor keine Kosten gespart hat. Stellen sich Excellenz vor, dass er acht Zettel hat ankleben lassen, die abwechselnd mit rother und blauer Tinte geschrieben sind! Vierzig Pferde und Menschen, eine ausgezeichnete Truppe! Re'sume: Ich gehe spazieren in den Anlagen, amüsire mich vortrefflich in dem Cirkus an dem enthusiastischen Jubel des Volkes, das den Baum zum Erdrücken füllt, werde vom Wirthe zu Bette geleitet und dann mit einer primitiven Öllampe eingeschlossen, die das Zimmer bald mit einem solchen Qualme erfüllt, dass „Zanzare" nur mit Gefahr ihres Lebens mich hätten umsummen können. Ich schlafe also den Schlaf des Gerechten, werde am Morgen vom Wirthe geweckt, der Thür und Fenster öffnet, um mir zu beweisen, dass es Tag sei, und mir schliesslich eine Rechnung zu präsentiren, die dem „Berner Hof Ehre gemacht haben würde, und das ist doch einer

von denen, welche das Handwerk am besten verstehen. Endlich erlöst mich die Eisenbahn von Foggia, das des Sehenswürdigen so viel enthält. Aber ich verdanke dieser Hauptstadt der Capitanata doch Etwas, das ich sonst wohl nicht erlangt haben würde, einen Einblick in das Volksleben von Pompeji.

Die Eisenbahn umkreist fast in weitem Bogen den Monte Gargano, der ein höchst merkwürdiges Stück Dalmatien darstellt, welches aus Irrthum bei der Öffnung des Adriatischen Meeres an Italien hangen geblieben ist. Dem äusseren Anblick nach muss es ein kahler, öder Gebirgsstock fast ohne Vegetation sein, auf welchem nur einige seltene Schafheerden weiden und hie und- da einige zerstreute Hütten sich finden. Doch sehe ich mit dem Fernrohre hoch auf einem schneidenden Kamme, von steilen Abstürzen umgeben, Etwas, das einem Flecken mit einer Kirche ähnlich sieht. Ehe ich Neapel verliess, hatte mir Guiscardi, Professor der Geologie daselbst, prachtvolle verkieselte Versteinerungen gezeigt, sogenannte Rudisten, welche von dem Gargano stammten. Der Berg hat, wie ein Raumer'sches Ding, zwei Seiten , die eine aus Kreideschichten gebildet, zu welcher die Rudisten gehören, die andere aus Lagern der tertiären Epoche zusammengesetzt, in welchen ebenfalls verkieselte Nummuliten vorkommen, so dass die Verkieselung überhaupt eine spätere Erscheinung sein dürfte, die ältere Kreideschichten und jüngere Tertiär-Lager zugleich betroffen hat. .Eine genauere Untersuchung des mächtigen Gebirgsstockes, der wohl über 12 Stunden Länge haben mag, wäre deshalb wohl zu wünschen. Aber ich muss sagen, es ist eine harte Aufgabe für den Geologen, Studien auf dem Terrain zu machen und namentlich in Süd-Italien, wo er in den öden, von jeder Humusschicht entblössten Kalkgebirgen weder Dach noch Fach noch Nahrung oder selbst Wasser findet und Alles mitschleppen muss, was zum Leben •gehört, ja, wo er selbst Schwierigkeiten hat, Lastthiere und Träger zu finden, und häufig den eigenen Rücken seineu abgeklopften Handstücken herleihen raus. Bei uns, in den wirthlichen Gebirgen der Schweiz und Deutschlands, sind geologische Exkursionen ein Vergnügen, hier sind sie eine harte und oft kaum lösliche Aufgabe und das muss man bedenken, wenn man findet, dass die geologische Untersuchung Italiens in noch so vielen Punkten im Rückstande ist.

Die weite Ebene um Foggia ist ein Getreideland wie kaum ein zweites. Endlose Felder, nur hie und da unterbrochen von einem Fleckchen niedrig gezogener Weinberge oder einer kaum merklichen, mit Ölbäumen bepflanzten Erhöhung, die ein Dorf oder einen Flecken trägt. Die schwarze, gewiss sehr fruchtbare Dammerde ist kaum I £ Fuss mächtig, darunter findet sich meist gelbes Kalkgeröll mit thonigen Zwischenlagern. Offenbar war diese Ebene einst ein seichter Meeresarm, der sich allmählich mit den Trümmern des Apennin und des Gargano ausfüllte. Jetzt werden gerade die letzten Felder mit einem primitiven Pfluge, von einem Paar Ochsen gezogen, umgeackert, — die meisten zeigen schon die ersten grünen Blätter des keimenden Getreides. Die wenigen Wiesen sind über und über mit Frühlingsblumen bedeckt.

Telegraph durch die Sunda-Strasse.

Die Holländische Regierung lüsst gegenwärtig Java und Sumatra durch ein Telegraphenkabel verbinden. Dasselbe geht von dem Lcuchtthurm bei Aujer nach der Nordspitze der Insel Dwars in den weg, von da zum Varkenshoek und mit Abschueidung der grösseren Buchten längs der hervorragenden Spitzen bei Katimbaug und dem KraanvogelEiland nach den Kohlenstationen von Telokbetong.

Niahne-Tagil.

Obgleich offiziell nicht mit dem Rang einer Stadt bekleidet, ist Nishne-Tagil der wichtigste Ort im Ural mit einziger Ausnahme von Jekaterinburg. Es bedeckt eine Fläche von mindestens 6 Werst und zählte im Jahre 1864 nicht weniger als 28.i;33 Einwohner, darunter 260 Kaufleutc. Es enthält 221 industrielle Etablissements, 326 Handelshäuser, 132 Gasthäuser und Restaurationen und neuerdings hat man eine Kaufhalle auf einem grossen, durch Demolirung von etwa zehn Häusern gewonnenen Platz errichtet.

Durch Tagil gehen alle Arten von Waaren, deren Werth ungeheure Summen beträgt. Über 4 Millionen Pud (ä 40 Pfund) Eisen aus den Bergwerken von Wissokogorsk passiren jährlich den Ort und ausserdem 1\ Millionen Pud Kupfer und 2 Millionen Pud ausgeschmolzene Metalle aus den Hüttenwerken des Ural. •

Im Jahre 1864 sind in den Hüttenwerken von Tagil 906.013 Pud Eisen verschiedener Qualität, 101.448 Pud Kupfer und 9593 Pud Stahl hergestellt worden. Ausserdem hat man aus den Bergwerken von Tagil gegen 30 Pud Gold gewonnen. Seit 1865 wurde auch angefangen, Piatina aus den Bergwerken von Tagil zu gewinnen, und man hoffte, schon im ersten Jahre bis 100 Pud zu erhalten.

Dass Nishne-Tagil einer glänzenden Zukunft entgegengeht, scheint sicher, zumal wenn die Kommunikation erleichtert wird. Man beschäftigt sich im Ural viel mit dem Projekt einer Eisenbahn, welche eine Verbindung _mit dem Centrum des Europäischen Russlands und sonach auch mit dem grossen Europäischen Eisenbahnnetz herstellen soll. (Journal de St.-Petersbourg 18. [30.] November 1865.)

Dr. H. Barth's Geburtstag.

Gumprecht gab in seiner Biographie Dr. Barth's (Zeitschrift für Allgemeine Erdkunde, IV, 1855, S. 60) den

18. April 1821 als dessen Geburtstag an, unter dem Portrait des berühmten Todten in A. Petermann's „Account of the progress of the expedition to Central Africa" wird der

19. Mai als solcher genannt und wir hielten dieses Datum auch in dem Nekrolog auf S. 429 von Heft XI der „Geogr. Mittheilungen" (1865) aufrecht, jetzt erfahren wir aber aus zuverlässigster Quelle, dass der Geburtstag auf den 16. Februar fiel. Dr. Barth's Schwager. Herr Hauptmann G. Schubert in Dresden, hatte die Güte, uns zu schreiben: „Wir

feierten den Geburtstag in der Familie stets am 16. Februar und auch Barth's Geburtsschein weist es aus. Sie können es auf mein Zeugniss hin als feste Wahrheit annehmen."

Zudem erhalten wir aus Hamburg folgende Zuschrift: „Laut Taufregister der hiesigen Kirche St. Nicolai ward Johann Heinrich Barth, ehelicher Sohn des hiesigen Bürgers und Knochenhauer- (Schlachter-)meisters am Hopfenmarkte Johann Christoph Heinrich Barth (gest. 3. November 1856), gebürtig aus Wilmersdorf in Sachsen '), und seiner Ehefrau Anna Carolina Charlotte Elisabeth geb. Zadow (gest. 12. Oktober 1862) aus Hannover, am 16. Februar 1821 Abends 11 Uhr geboren und am 1. April 1821 von Herrn Pastor Eckermann getauft. In den Wöchentlichen gemeinnützigen (jetzt Hamburger) Nachrichten Nr. 43, Montag den 19. Februar 1821, findet sich folgende Anzeige: „Heute wurde meine Frau von einem gesunden Knaben glücklich entbunden. Hamburg, 16. Februar 1821. J. C. H. Barth." Wenn es diesen unzweifelhaften Zeugnissen gegenüber in seiner Inaugural - Dissertation 1844 hoisst: Natus Hamburgi ante diem XIV Calendas Maias (18. April) a MDCCCXXI, so ist diess offenbar ein Druckfehler für Calendas Martias, welches richtig den 16. Februar ergiebt.

„Wenig bekannt scheint der Umstand aus Barth's Leben zu sein, dass er während seines Besuches des hiesigen Johanneums eine Zeit lang bei dem noch lebenden Professor Cornelius Müller, Dr. thcol., in Pension gewesen ist."

Die Guano-Insel Sombrero.

Östlich von den Virginischen Inseln, nordwestlich von Anguilla liegt die kleine Insel Sombrero, den West-Indischen Postdampfern sehr wohl bekannt als erstes nach langer Fahrt über den Ocean auftauchendes Land. Wie die südlichere Isla de Aves trägt sie ein beträchtliches GuanoLager und beide früher unbewohnte und herrenlose Inselchen haben daher in neuester Zeit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In demselben Jahre (1856) nahm Venezuela Besitz von der Isla de Aves und Nord-Amerika von Sombrero. In kurzer Zeit exportirten die Amerikaner 100.000 Tonnen Guano von dem letzteren Eiland, bis endlich ein Britisches Vermessungs-Geschwader dahinter kam und darüber an seine Regierung berichtete. Die Britische Regierung knüpfte Unterhandlungen mit der Amerikanischen über die Herausgabe der Insel an, die im Jahre 1814 ein Mal von einem Engländer besucht worden sein soll, und wirklich wurde das Recht der Britischen Krone anerkannt und die Insel ihr ausgehändigt. Obgleich ein beträchtlicher Theil des Guauo von den Amerikanern bereits weggeschafft worden ist, hält man doch in England die Insel für eine werthvolle Acquisition.

') Wilmersdorf ist ein zu Schwarzburg-Sondershausen, Amt Gehren, gehöriges Dorf im Thüringer Wald, 1 Stunde südöstlich von Amt Gehren, 3 Stunden von Ilmenau. (Siehe C. Vogel's Karte vom Thüringer Wald, Sekt. 4. Gotha, Justus Perthes, 1865.) A. P.

(Geschlossen im 82. Junior 1866.)

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