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Brown, S.: On the statistical progress of the kingdom of Italy. (Journal of the Statistical Society of London, Juni 1866, pp. 197-234.)

Kurz, übersichtlich und bequem werden hier die statistischen Daten über das Königreich Italien aus den offiziellen Italienischen Publikationen zusam.

mengestellt. Grassi, M.: Relation historique de l'éruption de l'Etna en 1865. (Bulle

tin de la Soc. de géographie de Paris, Juli 1866, pp. 5—29.) Handelsverkehr, Statistische Übersicht des -'s im Königreich

Italien im Jahre 1864. (Preuss. Handels - Archiv, 17. August 1866, SS. 131-139.)

Diese Uebersicht, der Einleitung zu dem Werke „Movimento commerciale del Regno d'Italia" entnommen, legt den Handel des Königreichs zunächst in seinen Summen ziffernmässig dar und giebt dann speziellere Nachweise über die Handelsgegenstände und über den Handelsverkehr mit den verschiedenen

Ländern. Lorentz, Dr. P. G.: Aus den Bergamasker Gebirgen. (Das Ausland 1866, Nr. 23, SS. 543—545; Nr. 24, SS. 610_614; Nr. 31, SS. 734–736.)

Kurze Beschreibung einer Tour von Ponte di Legno über den Gavia-Pass nach Santa Caterina im Furva-Thal und einiger Ausflüge von da nach verschiedenen Theilen der Ortles-Gruppe, auf die Sobretta und nach dem Val

Camonica zurück. Maunoir, C.: Carte d'Italie dressée par l'état-major italien. (Bulletin de la Soc. de géogr. de Paris, Juni 1866, pp. 487-493.)

Nachrichten über den gegenwärtigen Standpunkt der Landesaufnahmen im Königrich Italien, mit spezielleren Notizen über die im Gang befindlichen

Vermessungen inn ehemaligen Königreich Beider Sicilien. Primaudaie, Élie de la: Les Arabes en Sicile et en Italie. Étude histori

que et géographique d'après des documents nouveaux ou inédits. (An

nales des Voyages, August 1866, pp. 129–189; Septbr. pp. 271-368.) Reclus, E.: La Sicile et l'éruption de l'Etna en 1865. Mit 3 Karten. (Le Tour du Monde, 1866, 1er semestre, pp. 353—416.)

Eine Reise von Palermo über die Liparischen Inseln und Messina zum Etna und seiner Umgebung, mit sehr schönen Illustrationen nach Photographien. Die drei Karten von der Insel Volcano, dem höchsten Theil des Etna und dem nordöstlichen Sicilien sind Kopien der besten Originale ohne selbststän.

digen Werth. Schifffahrts-Verkehr, Statistische Übersicht des -'s in den Häfen

des Königreichs Italien im Jahre 1864. (Preuss. Handels - Archiv, 10. August 1866, SS. 113–121.)

Aus der Einleitung zu dem Werke „Movimento commerciale del Regno d'Italia". Schubring, Dr. J.: Sicilische Studien. Kamikos Triokala - Calta

bellotta. (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1866, Nr. 2, SS. 133–158.)

Ausführliche Beschreibung der wenig bekannten Gegend um Caltabellotta mit historischen Notizen und dem Nachweis von der Identität des alten Kamikos mit altabellotta, dann in einem zweiten Abschnitt eine schichte des alten Triokala, auf dessen Stätte jetzt das Dorf S. Anna (unfern Calta. bellotta) steht.

Karten. Alpe Giulie (Le) colle loro dipendenze italiane del Friuli orientale ed

Istria. Mailand 1866. Reisekarte von Ober-Italien. 1:1.400.000. Lith. Zürich, Keller, 1866.

16 Sgr., in Mappe 181 Sgr. Parma, Carta corografica delle provincie di

e Piacenza. Mailand 1866.

2 fr. Pianta della città di Mantova, di Trieste, di Ferrara, di Venezia, del Golfo della Spezia. Mailand 1866.

à 1 fr. Provincia di Mantova e di Cremona, di Udine, di Verona e di Vicenza, di Padova e Rovigo, di Venezia, di Belluno e Treviso. Mailand 1866.

à 1 fr. Tirolo, Carta corografico del italiano. Colla pianta di Trento. Mailand 1866.

14 fr. Trentino, Carta corografica del

Mailand 1866.

1 fr. Veneto, Carta moderna del e del Mantovano. Mailand 1866. 24 fr.

Griechenland, Türkisches Reich in Europa und Asien. Boué, Dr. A.: Einige Bemerkungen über Amerikanisch - Mexikanische

Geographie und Geologie, so wie über die sogenannte Centralkette der Europäischen Türkei. 8°, 12 SS. (Aus den Sitzungs - Berichten

der Kais. Akademie der Wissenschaften.) Wien, Gerold, 1866. 10 Nkr. Damas, R. P. de: Voyages en Orient. Sinaï et Judée. 8°, 510 pp.

Arras, impr. Rousseau-Leroy (Paris, Putois-Cretté), 1866. Damascus. Von J. W. (Das Ausland 1866, Nr. 24, SS. 564-567.)

Beschreibt hauptsächlich die pracht- und geschmackvolle innere Einrichtung der Häuser.

Fraas, Dr. 0.: Ain Musa, oder die Mosis-Quellen der Sinai-Halbinsel. (Das Ausland 1866, Nr. 35, SS. 821–825.)

Dr. Fraas fand im Wasser der berühmten Quellen (siehe die Aufnahmen und Beschreibungen der Deutschen Expedition in „Geogr. Mittheil." 1861, Tafel 14 und S. 427) Massen von lebenden Cypridinen (Pinselföhen), im Schlamm zahllose der undurchsichtigen Schalen abgestorbener Thiere und schliesslich erwies sich der Fels, der als Kern des Hügels den Quellgang umschliesst, durchgängig von den Schalen dieser Pinselflöhe gebildet. Die Cypriden sind alsó die Veranlassung zur Bildung der Hügel, die Millionen Thierchen, die ihre wenn auch winzig kleinen Kalkschalen absetzen, cementirten im Lauf der Zeiten den Sand, durch den die Quelle aufsteigt, und bauten schliesslich die Quelle ein, zunächst so hoch sie stauend, als es überhaupt vermöge des hydrostatischen Druckes möglich war, darauf sie förmlich abschliessend, so dass ein Theil früherer Quellen gar keinen Abfluss aus der Cyprismauer mehr findet. Dazu zeigt die mikroskopische Untersuchung des Schlammes Diato. meen in ungeheurer Menge, die mit dem Kalkcement der Cyprisschalen und dem Quarzkern des Wüstensandes den eigentlichen Quellabsatz repräsentiren. Der Druck des Wassers stammt offenbar aus dem 2 bis 3 Meilen entfernten Ráhah-Gebirge, es tritt da zu Tage, wo die Bodenschichten abgebrochen steil gegen die Spalte des Rothen Meeres abfallen, Die hohe Temperatur der Quellen rührt sicherlich nicht von vulkanischer Erwärmung, wahrscheinlich

vielmehr von der Oxydation der vorhandenen Bitumina her. Gottschild, W.: Eine Fahrt nach Belgrad in Serbien. (Globus, Bd. X, 4. Lfg., SS. 122--125.)

Herr Gottschild begleitete den Oesterreichischen Konsul Dr. v. Hahn auf dessen Reise durch die Türkei im Jahre 1858 bis 1859, Dieser kleine Aufsatz

enthält beschreibende Notizen über die Stadt Belgrad. Nadaillac, Marquis de: Une excursion à Palmyre. 18°, 34 pp. Ven

dôme, impr. Lemercier. (Extrait du Bulletin de la Soc. archéologique

du Vendômois.) Rey, E.-G.: Reconnaissance de la montagne des Ansariés. Mit 1 Karte. (Bulletin de la Soc. de géogr. de Paris, Juni 1866, pp. 433--469.)

Im Auftrag der Französischen Regierung besuchte der durch seine Orienta. lischen Reisen bereits bekannte Rey 1864 und 1865 die Ansarieh-Berge und den zwischen Orontes und Euphrat gelegenen Theil des Bascbalik Aleppo. Seine Karte, im Maassstab von 1:500.000 entworfen, beruht auf eignen Auf. nahmen, auch hat Rey eine ansehnliche Reihe von Hohenmessungen ausgeführt und giebt in dem vorliegenden Aufsatz ausser einem kurz gefassten Bericht über den Verlauf seiner Reise manche interessante Notiz über Land und Leute, seine Arbeit muss daher als ein werthvoller Beitrag zur Kenntniss Sy. riens begrüsst werden. Sein offizieller Bericht im Moniteur universel" vom

12. Juni 1866 berührt hauptsächlich seine archäologischen Forschungen, Santorin, Berichte über neuerlich auf der Insel Statt gehabte

vulkanische Erscheinungen. 8°, 43 SS. mit 2 Tafeln. (Aus den Sitzungs-Berichten der K. Akad. d. Wiss.) Wien, Gerold, 1866. 80 Nkr.

Inhalt: 1. Schreiben des Herrn v. Hahn, K. Oesterr. Konsuls auf Syra. 2. Bericht des Herrn Conte di Cigala. 3. Darstellung der Erscheinungen von Herrn Dr. A. C. Christomanos, Prof. der Chemie zu Athen. — 4. Gesteins

Analysen von Herrn Habermann und Prof. A. Schrötter. Taylor, J. G.: Travels in Kurdistan, with notices on the sources of

the Eastern and Western Tigris and ancient ruins in their neighbourhood. Mit 1 Karte. (Journal of the R. Geogr. Society, Vol. XXXV, 1865, pp. 21-58.)

Die Reisen, die der Britische Konsul Taylor in Diarbekir in den Jahren 1861 bis 1863 zwischen dieser Stadt im Westen, dem Wan-See im Nordosten, Nisibin und Jezireh im Süden und dem oberen Enphrat-Thal im Norden ausgeführt hat, berichtigen und bereichern die Topographie vom Quellgebiet des Tigris beträchtlich. Wie er seine Routen aufgenommen, lässt sich freilich aus dem Text nicht ersehen, denn obwohl er vorzugsweise statistische und kom. merzielle Daten sammeln sollte, handelt doch der Aufsatz fast ausschliesslich von seinen historischen und archäologischen Forschungen, nur ganz kurz und ohne Nachweis der Quelle oder des Jahres, worauf sie sich beziehen, werden zuletzt noch Zahlen über die Bevölkerung des General-Gouvernements Diar

bekir und über die nomadischen Kurden und Araber angehängt. Unger, F.: Die Insel Cypern einst und jetzt. Ein Vortrag. 8o. Wien,

Braumüller, 1866. Wiet: Le Diocèse d'Alessio et la Mirditie. (Bulletin de la Soc. de géogr. de Paris, April 1866, pp. 271—288.)

Kurzer Abriss der Geograpbie dieses Theils von Albanien von dem Französischen Konsul in Scutari.

1į fr.

$ Thlr.

Karten.

Ionian Sea, Argostoli Port, Captain Mansell 1864. London, Hydrogr. Office, 1866. (Nr. 1557.)

14 s. Ionian Sea, Molo Gulf, Vathi and Vliko Ports, Capt. Mansell 1864. London, Hydrogr. Office, 1866. (Nr. 1620.)

14 s. Ionian Sea, Roadstead of Santa Maura and Port Dupano, with view,

Captain Mansell 1864. London, Hydr. Office, 1866. (Nr. 1609.) 1} s. Vignes, Lieut. : Carte du cours inférieur du Jourdain, de la mer Morte

et des régions qui l'avoisinent. Carte du Wady Arabah et du lit du Wady el Jeib, dressée pendant son voyage avec M. le duc de Luynes en 1864. 2 Bl. 1:140.000. Paris, impr. Lemercier, 1866.

(Geschlossen am 1. November 1866.)

Nordsee-Fischereien.

uns

„Das Deutsche Meer (German Ocean, wie es die Engländer nennen) ist ertragsfähiger als unser Ackerland; unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nährstoffen als dessen Fischereigründe. Ein acre guten Bodens bringt ungefähr eine ton Korn oder etwa 3 Centner Fleisch oder Käse jährlich. Ein acre guten Fischereigrundes liefert wenigstens dasselbe Gewicht an Nährstoff jede Woche. Fünf Fischerboote eines und desselben Eigenthümers brachten in einer einzigen Nacht von einem Raume, der nicht über 50 acres gross war, eine Masse trefflichen Nahrungsstoffes heim, die im Gewichte gleich 50 Ochsen oder 300 Schafen war.” 1)

Zu diesem Resultate kam die Königl. Britische Kommission, die im Jahre 1863 vom Parlament zur Untersuchung der Seefischereien berufen war, nachdem sie diese Angelegenheit drei Jahre lang nach allen Seiten hin in ausgedehntester und gründlichster Weise geprüft und untersucht hatte. Denn die Seefischereien sind für die Engländer ein Gegenstand der enormsten Bedeutung.

„Es hatte”, fährt das oben citirte Blatt fort, „neuerdings in den Köpfen vieler Leute die Ansicht Raum gewonnen, dass unsere Fischfangs-Methoden dem Fisch-Reichthum verderblich seien und die Zufuhr unserer Fische verringern. Wir ässen unser Korn, wurde gesagt, auf dem Halme und vernichteten die Keime zukünftiger Ernten durch fahrlässige und unbedachte Vorwegnahme unseres Grundkapitals. Wir entleerten die See bis auf den Grund mit Netzen, so dicht, dass keine Brut ihnen entschlüpfen könnte. Wir zerstörten den Laich des Jahres und vertrieben die Fische, die wir nicht fangen könnten. Das war die Geschichte, die von Mund zu Mund getragen wurde, besonders durch die Fischer selbst. Das Publikum wird sich nun freuen, ein für alle Mal zu erfahren, dass durchaus kein Grund zu solchen Besorgnissen vorhanden ist, da die Kommission zu dem Schlusse gekommen ist, „dass an den Küsten Gross-Britanniens die Fischzufuhr im Steigen ist und im fortschreitenden Steigen bleiben wird."

Nach diesen durchaus maassgeblichen Untersuchungen ist die Ertragsfähigkeit des „Deutschen” Meeres nur erst zum Theil entwickelt, gerade die notorisch besten Fischereigründe werden „nur theilweise befischt"; die Doggerbank, mit einer Fläche von einigen 100 Quadrat-Meilen, ist höchst

fischreich, „blieb aber bisher in grosser Ausdehnung noch unbearbeitet und wird zumeist nur an ihrer westlichen Kante benutzt; dabei werden neue Gründe fortwährend entdeckt.

Es ist hohe Zeit, dass wir Deutschen endlich anfangen,

um diesen hochwichtigen Gegenstand der Seefischerei zu bekümmern, und zwar der Seefischerei in unserem eigenen „Deutschen” Meere, von uns selbst Nordsee benannt.

Wie viele Millionen Deutsche hätten, eben so gut wie Millionen Briten, Holländer oder Skandinavier, Jahr aus Jahr ein aus jenem Meere ernährt werden, wie viele Tausende auf ihm lohnende Beschäftigung finden können! Hätten nicht Viele von denen so ihr Brod weit besser haben können, die ausgewandert sind, um es in fremdem Erdtheil zu suchen, wo sie in Länder, in Klima's und Verhältnisse geriethen, die im Nothfall wohl für Neger aus Afrika passen,

aber nimmermehr für redliche Deutsche? aus einem gemässigten Klima, wie dasjenige unseres Vaterlandes ist.

Und wenn man berechtigt ist anzunehmen, dass sich ein weit grösserer Theil unserer Bevölkerung dem Seewesen widmen könnte, wie sehr traurig ist es, dass selbst noch ein grosser Theil von denen, die es thun, dass viele der trefflichen Matrosen, die Deutschland jetzt hervorbringt, unter fremder Flagge fahren!

Eine eben so merkwürdige als betrübende Thatsache ist es, „dass wir Hunderte von grossen Schiffen bauen, um sie aufs Ungewisse hin nach Ost-Indien oder um das Kap zu schicken, wo ihr Verdienst von den Handels - Konjunkturen abhängig und bei der grossen Konkurrenz jedenfalls nicht übermässig ist, während wir uns den sichern Verdienst (der Seefischereien in der Nordsee] entgehen lassen, der uns vor der Nase liegt.” ')

Oder sind wir Deutsche etwa der Fisch-Nahrung abhold: O nein! Wir bezahlen wirklich schmackhafte und gute Fische mit den enormsten Preisen und als ausserordentliche LuxusArtikel, und wenn wir z. B. ein Mal Austern essen wollen, die in London jedem armen Strassenjungen für penny-Preise auf der Strasse selbst entgegengebracht werden, müssen wir sie (bis Mittel- und Süd - Deutschland) weit her, etwa aus einem Belgischen Hafen, wie Ostende, kommen lassen und entsprechend bezahlen; aber im Allgemeinen kennen

) Hansa, 18. Februar 1866.

1) Times, 2. Januar 1866. Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft XI.

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wir Binnenländer den Seefisch entweder nur als einen äusserst übel riechenden fauligen Artikel oder als eine getrocknete Speise, die wie Stroh schmeckt und an die getrockneten Nahrungsmittel wilder Völker erinnert, oder endlich nur als gesalzenen Hering, den wir dem Unternehmungsgeist der Holländer, Schotten oder Norweger verdanken und theuer genug bezahlen. Welcher Kontrast gegen die eben so delikaten als nahrhaften Fische aller Art, die man z. B. im GrossBritannischen Reiche für einen billigen Preis überall und zu jeder Zeit, zu jeder Mahlzeit haben kann! Giebt es doch dort an vielen Orten Mahlzeiten bloss aus Fisch bestehend, sogenannte fish dinners "), die demjenigen, der sie kennen gelernt und dann entbehren muss, jedes Mal den Mund wässrig machen, wenn er daran denkt. Selbst in Deutschen Seestädten und See - Badeorten sind Seefische oft eben so selten, schlecht und theuer als im Binnenlande. „In Bremen”, so erzählt uns z. B. die Weser-Zeitung 2), „vermag der Mann aus dem höheren Mittelstande mit 2000 Thalern fixem Gehalt der Regel nach am Schlusse der Saison noch sehr gut nachzuzählen, wie oft er im Laufe des verflossenen Winters Austern gegessen hat. Und ferner: die Seefische, die hierselbst verzehrt werden, gehen uns keineswegs ausnahmslos stromaufwärts zu. Unsere grossen Restaurants und Hôtelbesitzer beziehen ihren Bedarf, weil auf die Stromzufuhr nicht mit Sicherheit zu rechnen ist, auf ungeheure Distanzen, bis von Ostende her, durch die Eisenbahn. Zuweilen bleibt die Zufuhr aus, und bei dem grossen Diner zur Einweihung der Börse wurde der Versuch gemacht, eine Gesellschaft von 700 Personen mit 5 Steinbutten zu nähren, er scheiterte.” Nehmen wir dagegen eine Englische Stadt wie London. Sie verzehrt eben so viel Seefisch als Rindfleisch, nämlich jährlich 300.000 fette Ochsen, die gegen 90.000 tons Rindfleisch liefern, und allein 80.000 tons von Trawled - Fischen, d. h. Fischen der grösseren und feineren Arten, ungerechnet die gewöhnlicheren Sorten sowie die Sprotten, Heringe, Krebse, Hummern 3) und Austern. Während aber die ton Rindfleisch etwa 60 Pf. Sterl. kostet, liefert der Fischer die ton Trawled-Fische zu nur 7 Pf. St. durchschnittlich.

Die bisherige Vernachlässigung der Deutschen Seefischerei in der Nordsee ist eine grosse nationale und volkswirthschaftliche Unterlassungssünde. Alle Wünsche, Projekte und Bestrebungen zu einer der Deutschen Machtstellung entsprechenden, Respekt einflössenden Kriegsflotte werden ohne die Ausdehnung und Vergrösserung der Fischerei

Thätigkeit wohl kaum in ihrem vollen Umfange erfüllt werden können, da ihnen das nöthige Material, die Matrosen, fehlen würden. „Hier nachzuhelfen wird denn auch der Staat, ohne irgend seine natürliche und rechtmässige Sphäre zu verlassen, sehr ausgiebig im Stande sein. Wir nehmen als ziemlich ausgemacht an, dass so Etwas wie die Preussische Seewehr-Verfassung auch an den Nordseeküsten binnen Jahr und Tag allgemein eingeführt sein wird. Hat bis dahin der Fischfang auf hoher See nicht nur einen bedeutenderen Umfang angenommen als bisher, sondern auch eine solche Betriebsweise, dass er seinen vollen Werth für die Ausbildung der seemännischen Fähigkeiten und Tugenden zu entwickeln vermag, so wird die Theilnahme an diesem Gewerbe ähnlich berücksichtigt werden können, wie im Preussischen Landheere vermöge des einjährigen Freiwilligendienstes die höhere allgemeine Bildung des Gymnasiasten oder Realschülers. Man wird theils die beim Fischfang verbrachten Lehrlingsjahre, theils die ihm nach vollendetem Kriegsschiffsdienst gewidmete Zeit stärker anrechnen können als gewöhnliche Seemannschaft, diess aber sogar mit höherem Rechte als jenes, weil es noch viel sicherer und unmittelbarer die Kriegstüchtigkeit des Mannes steigert. Dadurch führen wir der Fischerei hinreichende Kräfte zu und helfen sowohl der Kauffahrteiflotte wie der Kriegsmarine einen Stamm tüchtiger Seeleute erhalten." ")

Bis jetzt beuteten hauptsächlich nur die Engländer die Schätze unserer Gewässer aus. „Sie fischen uns da recht eigentlich vor der Nase weg, was die Natur unmittelbar vor unserer Thür niedergelegt hat und sich daselbst fortwährend in unerschöpflicher Fülle von Neuem erzeugen lässt. Kundige schlagen die Zahl der um Helgoland und Norderney herum dem Fischfang obliegenden Englischen Schiffe eher auf 400 als auf 300 an. Stark genug gebaut und mit einer kein Wetter scheuenden Mannschaft besetzt, fischen sie das ganze Jahr hindurch, nicht bloss, wie meistens unsere Deutschen Fischer auf ihren kleinen schwachen Schaluppen, bei stiller Luft und während der guten Jahreszeit. Im Winter fischt jedes Schiff für sich. Im Sommer sammeln sie sich in Flottillen von 5 bis zu 20 Schiffen, wählen einen der Kapitäne zum „Admiral”, vereinigen sich durch Signale, sobald ungefähr eine Schiffsladung beisammen ist, bringen Alles auf eins der Fahrzeuge und schicken dieses nach Hull, ihrem gewöhnlichen Ausgangspunkt, von wo der Inhalt dann grösstentheils auf den Londoner Markt geht. Jedes Schiff hat einen mehr oder weniger luftleeren Raum und Eis an Bord, das zwischen die Fische gepackt wird. In dem Eise halten sie sich nöthigenfalls 5 bis 6 Wochen frisch. Von den fünf Leuten, welche in der Regel die Be

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1) Manche Orte Gross-Britanniens sind wegen ihrer fish dinners berühmt, z. B. Newhaven am Firth of Forth.

2) Weser-Zeitung, 14. Oktober 1866.

3j Von diesen werden in der Saison allein 10.000 jeden Tag gegessen.

1) S. Bremer Handelsblatt, 8. September 1866.

mannung eines solchen Schiffes ausmachen, werden die beiden Jungen nur gekleidet und erhalten, die beiden Vollmatrosen erhalten jeder 15, der Kapitän 1 von den acht Theilen, in welche der Ertrag zerlegt wird, den Rest die Rheder. Dabei soll sich ein Matrose leicht auf 100 Pfund Sterling im Jahre stehen. Man hätte hiernach auf das Schiff durchschnittlich 4- bis 500 Pf. Sterling Rohertrag zu rechnen oder etwa die Hälfte seiner Herstellungs- und Ausrüstungskosten. Die Höhe des aus diesem Erwerbszweige fliessenden Gewinns lässt sich also leicht bemessen.

Warum lassen wir uns bis jetzt diess Alles entgehen? Weil wir noch nicht dazu gekommen sind, eine Bagatelle von Kapital und einen Funken verständigen Unternehmungsgeistes an eine so nahe liegende, so goldene, so vielfach folgenreiche Aufgabe zu wenden. Wir überlassen dem Schlendrian einer kapitalarmen, an Vergesellschaftung nicht gewöhnten, zum Theil auch durch den leichten und bequemen Gewinn der Bade-Wirthschaft entnervten Küsten- und Inselbevölkerung, was in England längst der kaufmännische Unternehmungsgeist so nachdrücklich als glücklich in die Hand genommen hat. Nach Hull haben die Schiffe vier oder fünf Mal so weit wie nach Bremerhaven oder Emden, um ihren Fang ans Land zu bringen. Dafür aber ist Englischer Seits grosses Kapital an die Sache gewendet worden, wo wir uns mit kleinem und zersplittertem begnügen, und das wiegt den Unterschied hundertfach wieder auf. Nur wenn wir auch Gesellschaften bilden, wird uns der geographische Vorsprung zu Gute kommen. Die jetzt gebrauchten Schiffe können bei Sturm und schlechter Jahreszeit die See nicht halten, daher nicht ohne Unterbrechung fischen und folglich für ihren Fang sich keinen grossen und festen Absatz bis ins Binnenland hinein erobern. Sie sind ferner nicht auf die Verpackung in Eis eingerichtet, folglich nicht im Stande, trotz der Eisenbahnen die Fische weithin in hinlänglich frischem Zustande und so, dass sie sich noch einige Tage frisch erhalten lassen, zu liefern. Diess kann mit einiger Raschheit nur anders werden, wenn eine oder mehrere Aktien - Gesellschaften auf den Schauplatz treten. Wir würden es für sehr wünschenswerth erachten, dass gleichzeitig mehrere entstehen, vielleicht je eine für die Elbe-, die Weser- und die Emshäfen, damit die Konkurrenz desto sicherer und geschwinder die öffentliche Aufmerksamkeit im Inlande auf dieses vortreffliche und verhältnissmässig wohlfeil zu habende Nahrungsmittel lenke, dàs man sich schon zu lange hat entgehen lassen und dessen Werth bei den stetig steigenden Fleischpreisen noch in beständigem Wachsen begriffen ist. Nehmen wir an, dass jede dieser Gesellschaften (mit 100- bis 200.000 Thlr. Kapital) 20 Fahrzeuge aufs Wasser setzte, so hätten wir immer noch erst den sechsten Theil der Englischen Fischerflotte, um derselben

die Spitze zu bieten. "Aber der Anstoss“ würde doch jedenfalls nach beiden Seiten hin voraussichtlich stark genug sein: nach dem Binnenlande hin, um weiten Volkskreisen Geschmack an dem neuen Küchenartikel beizubringen, und längs der Küste, um dem gesammten Fischereibetrieb einen Aufschwung zu geben, der wenigstens die jüngere Generation unwiderstehlich ergreift." ")

Mit grosser Genugthuung können wir berichten, dass es sich jetzt nicht mehr 'um Wünsche und Projekte handelt, sondern dass sich bereits zwei Nordsee - Fischerei - Gesellschaften gebildet haben, die eine mit einem Kapital von 250.000 Thaler, die andere mit 50.000 Thaler. 'In Anbetracht der grossen Wichtigkeit des Gegenstandes für ganz Deutschland geben wir im Folgenden den Prospectus der Ersten Deutschen Nordsee

Fischerei - Gesellschaft 2). Der Seefischfang ist bisher von den Deutschen Küsten und Inseln aus nur in sehr kleinem Maassstab betrieben worden. Unsere Betheiligung an diesem Erwerbs- und Bildungszweig der See - fahrenden Nationen hat nicht allein keine Fortschritte gemacht, welche dem allgemeinen Aufschwung des Deutschen Handels- und Schifffahrtsverkehrs entsprächen, sondern positive Rückschritte, seitdem weder der Walfischfang noch der Heringsfang von Deutschland aus mehr einigermaassen umfänglich und regelmässig betrieben wird. Wir überlassen den Franzosen, Engländern, Norwegern und Amerikanern die Versorgung der ganzen katholischen Welt mit ihrer vornehmsten Fastenspeise, dem Stockfisch; wir überlassen den Norwegern, Schotten und Holländern, dem Norden und Osten von Europa die Heringe zuzuführen, welche hier bis tief ins Innere hinein das volksthümliche Fischgericht sind. Ja nicht einmal für unseren eigenen Tisch erheben wir rechten Anspruch an die Fische, die unmittelbar jenseit der Friesischen Inseln auf die Deutsche Küste zu oder ihr entlang schwimmen. Hunderte yon Englischen Schiffen werfen dort das ganze Jahr hindurch ihre Netze aus,

um Billingsgate, den grossen Londoner Fischmarkt, mit frischem Fisch versehen zu helfen, und auch die Holländer nehmen es sich nicht übel, ostwärts von Rottum in Deutschem Gewässer auf diese bequeme und

1) S. Bremer Handelsblatt, 8. September 1866.

?) Zur Orientirung der Fischerei-Gründe der Nordsee s. A. Petermann's Karte der Britischen Inseln und des umliegenden Meeres in der 8. Lieferung der neuen Ausgabe von Stieler's Hand - Atlas. Dies ist die einzige bis jetzt publicirte Karte, die in übersichtlicher Weise die Topographie des Seebodens speciell darstellt, durch Tiefenlinien von 10 zu 10 Faden und entsprechende Schattirungen, auf Grund der Millionen von: Tiefenmessungen, die in der Nordsee angestellt worden sind.

Die durch die Tiefe ton 10 Faden begrenzte Doggerbank hat nach unseren planimetrischen Berechnungen ein Areal von 273 QuadratMeilen, also genau so viel als das Königreich Sachsen (mit 272 QMin.). Eine Ausbeutung dieses einen Fischerei-Grundes allein würde also für Deutschland gleichsam der Zuwachs eines Königreichs sein.

einträgliche Jagd zu gehen. Mittlerweile begnügen sich die kleinen und schwachen Boote, welche für Hamburg, Bremen oder Emden fischen gehen, die Ewer von Blankenese und Finkenwerder, die Schaluppen von Norderney, Spiekeroog und Borkum, zu holen, was zwischen jenen fremden Flottillen und der Küste im seichten Wasser treibt, damit kein Unwetter, welchem Engländer und Holländer Stand halten, sie im Freien überraschen könne und damit sie hübsch dem Hafen nahe bleiben, weil sie auf eine längere Ansammlung und Aufbewahrung der Fische in keiner Weise eingerichtet sind. Ganze Wochen müssen diese Schönwetter - Schiffe oft still liegen, während die seefeste Englische smack ihr Gewerbe ruhig fortsetzt und gerade vermöge der bewegten Luft und See nicht selten den reichsten Fang thut.

Es ist nicht schwer zu ermessen, wie diese verschiedene Betriebsweise auf den Fischverbrauch hüben und drüben einwirken musste. In England, wo die Zufuhr frischen Fisches in keiner Jahreszeit ganz fehlt, während der guten Jahreszeit vom Wetter beinahe unabhängig ist und in den grössten Massen auftritt, ist er längst ein ziemlich eben so allgemeines Nahrungsmittel geworden wie Fleisch, zumal seitdem die Eisenbahnen ihn rasch überallhin befördern und der Norwegisch-Amerikanische Eishandel die Mittel zu seiner Erhaltung jeder Zeit reichlich zur Verfügung stellt. In Deutschland haben wir zwar auch Eisenbahnen und können das Eis im Nothfall aus Norwegen eben so rasch beziehen wie die Englischen Häfen, aber wir haben keinen Fisch. Die Kleinigkeiten, welche gegenwärtig gefangen werden, reichen nicht einmal für die Hamburger und Bremer Küchen hin. In die grösseren Städte des Binnenlandes kommt frischer Fisch fast nur erst als Luxus-Artikel. Auf dem regelmässigen Speisezettel ist er selbst von den wohlhabenderen Klassen noch nicht aufgenommen. Das kann nicht früher geschehen, als bis wir mit denselben Mitteln, welche sich anderswo bewährt haben, für eine reichliche, sichere und möglichst regelmässige Zufuhr sorgen. Wir müssen es wohl dulden, dass der viel verbrauchende, an hohe Preise gewöhnte Englische Fleischmarkt unser Vieh in immer zunehmenden Mengen an sich zieht, aber um nicht geradezu in unserer Ernährung darunter zu leiden, können wir doch so viel thun, dass wir das Fleisch des Meeres, das kein Futter kostet, aus Gewässern nehmen, welche uns drei Mal so nahe sind wie den Engländern.

Die bewährten Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind folgende: Aussendung grösserer Schiffe, welche ununterbrochen die See halten und bedeutende Massen von Fischen in sich aufnehmen können; Vereinigung möglichst vieler Schiffe zu einer Flottille, damit nicht jedes Schiff seinen Fang selbst an Land zu bringen braucht; Herstellung von Eis-Magazinen, aus denen die Schiffe ihren Vorrath immer

aufs Neue ergänzen. Alle diese Veranstaltungen erheischen, dass das grosse Kapital sich der Sache annehme. Blosse Genossenschaften von Fischern, an deren Gründung man etwa denken könnte, reichen schon deswegen nicht hin, weil es noch starken Zweifeln unterliegt, ob diese an die Unbilden des Wetters und die Gefahren der See zu wenig gewöhnten Leute, wenigstens die ältere Generation derselben, sich für einen anhaltend fortgesetzten Fischfang durchweg überhaupt nur eignen werden.

Das grosse Kapital könnte die Aufgabe nun entweder in der Hand eines einzelnen Unternehmers oder aber in der Form einer Aktien-Gesellschaft ergreifen. Bei der Höhe der nöthigen Mittel und der Neuheit des Geschäftszweiges würde es wohl noch lange vom Zufall abgehangen haben, dass individueller Unternehmungsgeist sich seiner bemächtigte. Für eine Aktien-Gesellschaft scheint aber neben der leichteren Herbeiführung auch noch der sehr wesentliche Gesichtspunkt zu sprechen, dass sie nach der anderen Seite hin, nach derjenigen des Verbrauchs, eher alle denkbaren Hebel wird anzusetzen im Stande sein. Es handelt sich um die Einführung eines neuen Nahrungsmittels in alle grösseren Städte Deutschlands und vielleicht noch weiterer Gebiete. Den festen und umfangreichen Absatz, welchen der grössere Betrieb überhaupt erst möglich macht, braucht er selber, um zu bestehen. Es kommt also darauf an, rasch die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf das Unternehmen zu lenken, wozu die Verzweigung einer aus kleinen Antheilen bestehenden Aktien-Gesellschaft vielleicht das geeignetste Mittel ist.

Man wird nicht einwenden dürfen, dass das Fleisch des Fisches sich nicht wie das von Schlachtvieh, Wildpret oder Geflügel zu einem Nahrungsmittel für die Massen eigne. Die Erfahrung lehrt, dass es überall, wohin es in hinlänglicher Güte und Wohlfeilheit dringen konnte, zu einem solchen geworden ist. Paris ist dem Meere kaum näher als Berlin, die Franzosen sind ärgere Landratten als wir Deutschen, und doch, was ist der Berliner Fischmarkt im Vergleich mit dem Pariser. Schon 1854 rechnete man auf den Kopf in Paris durchschnittlich 25 Pfund Fischnahrung; nahe an 10.000.000 Kilogramm frischer Seefisch kamen damals dort auf den Markt. London verbraucht einen noch ungleich höheren Durchschnittsbetrag. Wo der gesalzene Hering so viel Anklang gefunden hat wie in Deutschland, da wird der frische Fisch sicher munden. Die hohen, stetig steigenden Fleischpreise geben ihm einen fortwährend zunehmenden Spielraum. Der wachsende Wohlstand der Bevölkerung, ihre reifende Einsicht in die Bedingungen der Gesundheit und Kraft machen ihr eine neue billigere Fleischspeise eben so werthvoll, wie die Abwechselung zwischen Braten und Fisch an sich schon den meisten Gaumen und

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