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am Wassertrog einer Fontaine, wozu nicht selten ein antiker Marmor-Sarkophag benutzt wurde. Man kann sich auch oben waschen, wo eine Türkische Schüssel mit Kanne von Kupfer für Jedermann bereit steht. Ich konnte mich aber nie dazu entschliessen und zog es vor, halb angezogen in der Morgenkühle an der Quelle selbst mich schön zu machen. Auch jenes Gemach, das zu den Mysterien eines Hauses gehört, befindet sich im Orient in erschreckend primitivem Zustande. Zum Glück, dass überall Wasser in der Nähe, denn damit so wie mit der Luft hat die Vorsehung den Orient verschwenderisch und wohlthuend ausgestattet. Selbst das elendeste Dorf hat seine fliessenden Brunnen oder Beine Aquädukte, die allein unter den Alterthümern die Zerstörungswuth geschont hat. Und welche Frische und Reinheit wohnen dem Elemente inne! Unsere glänzendsten Residenzen und Handels-Metropolen könnten darob das schlechteste Türkische Dorf beneiden! Bei der Abreise pflegt man keine Rechnung zu verlangen, sondern nach Gutdünken und eigenem Ermessen zu zahlen, dasselbe gilt auch für die Cafes, man lernt es durch die Übung; natürlich zahlt der Europäer um ein Drittel und die Hälfte mehr als der Eingeborne, dafür wird ihm aber auch etwas mehr geleistet. Die Eigentümer der Hans sind in der Mehrzahl Türken, welche den Vertrieb verpachtet haben; einem vornehmen Besuch- verfehlen sie nicht ihre Aufwartung zu machen und, wenn sie es haben, einige Extrateppiche und Servietten zu überlassen.

Eigentliche Hotels mit Restauration und einigermaassen Europäisch eingerichtet findet man nur in Smyrna, Brussa und neuerdings auch in Aidin. Die Wirthe sind Grieohen und mit der Reinlichkeit steht es hier noch schlechter als in den Türkischen Hans; auch möge man wegen seines Eigenthums auf der Hut sein, während in den Hans die unbedingteste Sicherheit herrscht: das Gesetz des Koran hat sie geheiligt. Ich habe sie daher in ihrer Originalität stets den zwitterhaften Schöpfungen einer verdorbenen Kultur vorgezogen.

Noch wäre der sogenannten Mirifir, d. i. Fremdenhäuser, zu gedenken, die an solchen Orten bestehen, wo es nicht einmal einen Han giebt. Es sind Stiftungen frommer Türken , man sieht ihnen abjr auch den himmlischen Nothbehelf an, zumal wenn der Erblasser vergessen hat, für die Unterhaltungskosten zu sorgen. Sie stehen offen, ohne Riegel und Schloss, und der erste Wanderer nimmt davon Besitz, wenn aber Andere folgen, muss er mit ihnen theilen, so lange es geht. Ich will der Einen Nacht gedenken , die wir auf diese Weise zubrachten, und rathe Jedem, lieber im Stalle bei seinem Pferde zu schlafen oder die Gastfreundschaft des schlechtesten Bauers anzurufen. Der Bujurdi soll uns streng genommen auch die Thüren öffnen, aber wenn man spät Abend$ in so ein verwünschtes Nest kommt, liegt schon Alles im Schlaf, kein Aga ist zu finden und man hat mit einer MeHte wüthender Hunde zu kämpfen. Geduld und Resignation, das sind die KardinalTugenden für alle Reisenden im Orient; mit Eifer, Lärm und gebieterischem Wesen richtet man nicht das Geringste aus und auch das Geld übt bei dem Türken nicht den Zauber wie anderswo. Man respektirt selbst den Kaiserlichen Firman nur, wenn man ihn mit guter Manier und zur rechten Zeit und am rechten Orte vorweist. Allah ist weit, aber der Padischah noch weiter. Man entsage jeg

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') Siehe „Geogr. Mitth." 1866, Heft IX, S. 343.

J) Die Arealangaben in Steuertonnen entnehmen wir der „Topographie der Herzogtümer Holstein und Lauenburg &c. Ton J. v. Schröder und H. Biernatzki" (Oldenburg 185.V6), die Bewohncrzahlen verdanken wir der Güte des Herrn L. Fricderichsen in Kiel, der sie für uns aus den unpublicirten Census-Akten auszog.

*) 1 Steuertonne = 260 QKnthen, 1 Ruthe = 16 Hamburger Fuss, 10.073,6 Steuertonnen = 1 D. QMle, 1 Steuertonno = 0,000099269 D. QMle.

4) Der Flecken Ahrensbök hat 1908, das übrige Amt 6764 Einw.

*) Die Lübschen Güter sind Privateigenthum von Lübecker PatricierFamilien; die beiden nicht an Oldenburg gefallenen, Trenthorst und Wulmenau, liegen südöstlich von Oldersloe und haben rosp. 148 und 154 Einwohner.

•) 483 Steuertonnen und 491. Tonnen Waldland ä 300 QRuthen.

') Die 19 Lübschen Stadtstiftsdörfer, milden Stiftungen der Stadt Lübeck gehörig, aber wie dio Lübschen Güter unter Holstein'scher Landeshoheit, liegen zerstreut im östlichen Holstein und sind ausser den beiden oben genannten folgende: Kakoel 278, Giddendorf 59, Heringsdorf 184, Cembs 91, Röllin 21, Clotzin 96, Dazendorf 107, Sulsdorf 77, Bentfeld 120, die St. Clemens-Caland-Dörfer (Bliesdorf, Merkendorf, Klein-Schlamin, Marxdorf) 777, Pölitz 350, Barkhorst 125, Frauenholz 18, Westerau 387 Einwohner.

südlich vom Carpentaria-Golf auf den Karten in arge Verwirrung gebracht, Gregory löste sie zwar der Hauptsache nach, aber man kannte den Leichhardt-Fluss doch nur auf der kurzen mittleren Strecke von dem Wasserfall, wo ihn Leichhardt, Gregory und später McKialay überschritten, abwärts bis zu dem Punkte, wo ihn Leichhardt zuerst berührt hatte (s. „Geogr. Mitth." 1864, Tafel 7). Weder sein Oberlauf war bekannt noch seine Mündung. Den ersteren erforschte M°Kinlay bis fast zum 19. Breitengrad, die letztere aber identificirten die Karten mit dem Disaster Kiver, den Stokes am 25. Juli 1841 eine Strecke weit aufwärts befahren hat, und diese Annahme erhielt eine scheinbar sichere Begründung durch McKinlay's Reise im Jahre 1862. Ganz neuerdings stellt es sich nun heraus, dass der Disaster nicht mit dem Leichhardt identisch ist, vielmehr ein Flüsschen für sich bildet, während der Leichhardt westlicher unfern des Albert mündet.

Diese Aufklärung verdankt man Herrn J. G. M°Donald, der in dortiger Gegend ausgebreitete Weideländereien besitzt. Er fuhr am 26. bis 28. April 1866 vom Wasserfall abwärts bis zur Mündung, nahm den Fluss mit dem Kompass auf und schickte eine Kartenskizze an Dr. Ferd. Müller in Melbourne, der uns eine Kopie davon gütigst zukommen liess. McDonald bemerkt, dass der Fluss von der Mündung 25 Engl. Meilen weit aufwärts für Fahrzeuge von geringem Tiefgang schiffbar sei, von da bis 3 Engl. Min. unterhalb des Wasserfalls habe er ihn mit dem Boot befahren. Der Wasserfall sei etwa 50 Engl. Meilen von der Mündung entfernt und 42 Fuss hoch. Landsborough hatte seine Höhe zu 30, M'Kinlay zu 50 bis 60 Fuss geschätzt.

Es ist diess die erste geographische Frucht von der Besiedelung der Uferlandschaften am Carpentaria-Golf. Diese Besiedclung, erst vor wenigen Jahren begonnen, erstreckt sich bereite auf alle Flüsse vom Flinders im Osten bis zum Gregory im Westen und dem Herbert Creek im Südwesten, wo sich ein Mr. L. Sutherland am Francis-See mit einer Viehheerde etablirt hat, aber obgleich Schafe und Rinder dort trefflich gedeihen und die nutzbaren Ländereien eine viel grössere Ausdehnung haben, als man bisher glaubte, ist es doch wieder fraglich geworden, ob das südliche TJferland des Carpentaria-Golfs sich für Ansiedelungen eignet, denn auf fast allen Stationen, namentlich aber in Burketown am Albert-Fluss sind seit Kurzem verheerende Fieber aufgetreten.

Forachungs-Reisen in West-Australien.

Zu einer Reise in das grosse noch unerforschte Gebiet Australiens, in die. westliche Hälfte des Inneren, ist auch in diesem Jahre keine Aussicht, aber an den Rändern dieser terra incognita, von den besiedelten Landstrichen und Punkten West-Australiens ausgehend, wird, wenn auch geräuschlos, doch ununterbrochen der Wissenschaft und der praktischen Benutzung neues Gebiet erworben.

Wie die „Perth Gazette", berichtet, hatte Mr. Hunt in der ersten Woche des Juli d. J. eine Reise angetreten, um östlich von der Kolonie gelegene Gegenden zu exploriren. Mit ihm gehen F. Roe, G. Monger, mehrere Arbeiter und Eingeborne und 25 Pferde; ein Depot für die Expedition sollte auf den Hampton Downs eingerichtet und unter Mr. Turner gestellt werden.

N. W. Cooke unternimmt eine Reise vom oberen .IrwinFluss (28£° S. Br.) nach Osten und grössere Bedeutung legte man dem bevorstehenden Versuch Mr. Hooley's bei, der Viehheerden nordwärts nach der Nieol-Bai treiben will. Die wegen Wassermangels schwierigste Strecke seines Weges liegt zwischen dem Murchison- und Gascoyne-Flusse. Da bei der Sharks-Bay reichlicher Regen gefallen ist, hat er Aussicht auf Erfolg, doch wird diese Landverbindung mit den Niederlassungen an der Nordwestküste immer nur in aussergewöhnlich günstigen Jahren möglich sein; die Regierung sollte dort eine Reihe Brunnen graben lassen, wie es Hunt östlich von York gethan hat.

Sehr lebhaft werden die Forschungen an der Nordwestküste fortgesetzt. Von der Nicol-Bai aus, in deren Umgebung die Heerden trefflich gedeihen und durch Zuzug rasch wachsen, ging der Regierungs - Resident R. J. Sholl über Land nach der Mündung des Fortescue. In seiner Hoffnuug, dort einen geeigneten Platz für die Anlage einer Ortschaft zu finden, sah er sich getäuscht, denn der Fluss ist seicht und kein Hafen existirt in seiner Nähe. Dagegen beschloss er, am Harding-Fluss, 10 Engl. Meilen von der Niederlassung an der Tien-Tsin-Bai, eine Ortschaft abzu

| stecken. Im Mai ging der Geometer Wedge zwei Mal von dem Tien-Tsin-Hafeu nördlich nach Port Hedland, um zu untersuchen, ob sich dort ein Seehafen anlegen lasse. Ein Mr. Nairn reiste vom De Grey-Fluss nach dem Tien-TsinHafen und fand sowohl den Sherlock als den East Harding lliessend, dagegen den Tule nicht. Ferner unternahmen vier

I Herren von der Denison Plaius Company eine Entdeckungsreise südlich nach dem Ashburton-Fluss. Sie kamen dabei über grosse Strecken vorzüglichen Landes, fanden aber, dass der Ashburton 80 Engl. Meilen südlich vom Fortescue in eine offene Rhede mündet. Den Bericht über diese Reise wie auch den Bericht des Regierungs-Geometers Cowle über seine Landreise von der Roebuck-Bai nach dem Harding hat die „Perth Gazette" publicirt, Cowle sah nach seiner Schätzung 3 Mill. Acker ausgezeichneten Weidelandes, wo überall 6 Fuss unter der Oberfläche Wasser zu finden war. So ausgedehnte, für Viehzucht geeignete Landstrecken gehören in Australien zu den Seltenheiten.

Von der Roebuck-Bai, wo seit Ende 1864 eine Niederlassung besteht und bis jetzt gut gedeiht, gelangte eine Expedition unter McRae östlich nach dem Fitzroy-Fluss, der in den King-Sund fällt. Der Fluss soll sehr beträchtlich und das Uferland vorzüglich sein, es dehnen sich dort endlose Ebenen mit üppigem Gras, reichlichem Trinkwasser und beschattenden Bäumen aus, doch sind sie zum Theil Überschwemmungen ausgesetzt. Mehrere Nebenflüsse des Fitzroy wurden entdeckt.

Auch vom De Grey-Fluss laufen günstige Berichte über die Erfolge der Schafzucht ein, eine Verschlechterung der Wolle hatte sich an all den genannten Punkten bis jetzt nicht gezeigt. Die Misserfolge an der Nordwestküste haben sich daher bis jetzt auf die Umgegend des Camden Harbour beschränkt ')•

') Zur Oriontirung s. A. Petermann's Karten von Australien in der neuen Lieferungs - Ausgabe von Stieler's Hand-Atlas.

Warburton'B Reise nach dem Westen von Süd-Australien.

Im Juni d. J. ist Major Warburton von Adelaide nach Port Augusta abgereist, um von da aus nordwestlich zum Mount Margaret und in den westlichsten, erst in neuester Zeit der Kolonie Süd - Australien zugetheilten Landstrich (No Man's Land) vorzudringen. Diess Mal wie 1864, wo sein Unternehmen an der grossen Dürre scheiterte (siehe „Geogr. Mittheil." 1865, 8. 239), geht er im Auftrag der Kolonial-Regierung, die allerdings eine gewisse Verpflichtung hat, ihr neues Gebiet wenigstens einigermaassen erforschen zu lassen, nachdem sie es von der Britischen Krone dringend erbeten hatte.

Major Warburton ist ein erprobter Beisender, er war bekanntlich schon früher am Mount Margaret, bei irgend günstigen Umständen wird er sicherlich die Kenntniss von Süd-Australien bereichern.

Telegraphen-Linien in Heu-Seeland.

In der ersten Hälfte des Jahres 1866 bestanden auf der Südlichen Insel folgende Telegraphen-Linien:

Von Hokitika (an der Westküste) nach Christchurch 170 Engl. Min.
Von Nelson nach Christchurch . . . 287 „ „

Von Christchurch nach Bluff . . . . 414 „ „
Von Dunedin nach Tuapeka . . . 74 „ „

Von Tuapeka nach Dunstan . . . 72 „ „

Von Dunedin nach Port Chalmers . . 9 „ „

Von Christchurch nach Lyttelton . . . 8 „ „ Eine 25 Engl. Meilen lange Linie von Hokitika nach Greymouth sollte bis 1. Juni fertig sein. Das Telegraphenkabel, welches die Südliche mit der Nördlichen Insel zu verbinden bestimmt ist, hofft man zu Anfang des Jahres 1867 gelegt zu sehen. Auf der Nördlichen Insel existirt nur die einzige Linie, die Auckland und Onehunga mit Te Awamutu, einem Militärdepot am Waikato, 120 Engl. Meilen von Auckland, in Verbindung setzt.

(Australian and New Zealand Gazette.)

Grenzvertrag zwischen Bolivia und Chile. Die Unbestimmtheit der Grenze zwischen Bolivia und Chile wurde ein fühlbarer Übelstand erst dann, als in der Bai von Mejillones (23° S. Br.) und auf den benachbarten Küstenpunkten Guano-Lager entdeckt und vom Chilenischen Kongress 1842 für National-Eigenthum Chile's erklärt worden waren. Bis dahin war es bei den Chilenischen Geographen gebräuchlich gewesen, den 24. Parallel als Nordgrenze anzunehmen, während Bolivia seine Südgrenze unter 25J° S. Br. zog, und im Grunde konnte es beiden Staaten gleichgültig sein, ob sie etwas mehr oder weniger von der nutzlosen Wüste besassen, welche sich zwischen beiden ausdehnt. Die Guano-Lager gaben aber dem Grenzgebiet einen nicht geringen Werth, Chile beanspruchte fortan den 23. Parallel als Nordgrenze und nahm faktisch Besitz von den Guano-Lagern. Die seitdem lebhaft geführten Streitigkeiten, die 1863 sogar in Kriegsdrohungen übergingen, sind nun durch einen Vertrag beseitigt, welcher den 24. Parallel als Grenze festsetzt, dabei aber bestimmt, dass die GuanoLager von Mejillones und die zwischen 23 und 25° S. Br. befindlichen von Bolivia verwaltet, dagegen ihr Ertrag gleichmassig zwischen beiden Staaten getheilt werden soll.

Die Historisch-Geographische Gesellschaft von Brasilien

und ihre wissenschaftliche Expedition in den Jahren 1859 bis 1861.

Vor mehreren Jahren war in den Zeitungen ab und zu von einer grossartigen „Expedicäo scientifica" die Rede, welche von dem Institute historico e geographico do Brasil zu Bio de Janeiro ausgeschickt umfassende naturhistorische und ethnographische Forschungen in einigen Theilen Brasiliens ausführen sollte. Auch die „Geogr. Mittheilungen" (1862, S. 38, und 1863, S. 71) haben dieses Unternehmen mehrmals erwähnt, aber weder über den Verlauf noch über die Resultate wurde etwas Spezielleres bekannt. Erst jetzt erhält man Aufschlüsse über dieses Schweigen durch J. J. v. Tschudi, der im ersten Bande seiner „Reisen durch SüdAmerika" (Leipzig bei Brockhaus, 1866) unter Anderem die Brasilianischen Vereine bespricht und dabei auch der Historisch-Geographischen Gesellschaft und ihrer Expedition einige Seiten widmet.

„Den hervorragendsten Platz unter den Vereinen Brasiliens nimmt durch seine wissenschaftlichen Leistungen das von der Kaiserlichen Regierung mit jährlich 5 Contos de Reis ') dotirte Historisch - Geographische Institut ein. Es wurde im Jahre 1838 auf Anregung des Marschalls Raymundo Jose da Cunha und des Kanonikus Januario da Cunha Barbosa, gewissermaassen als Zweigverein der Sociedade auxiliadora da industria nacional, gegründet, löste sich aber bald vom Stamme los, um sich selbstständig und kräftig zu entwickeln. Das Institut steht unter der speziellen Protektion des Kaisers, der regelmässig den Sitzungen beiwohnt, denselben mit dem grössten Interesse folgt und sich häufig an den Debatten betheiligt. Die Sitzungen werden immer Freitags von 14 zu 14 Tagen in einem Saale des Kaiserlichen Palastes in der Stadt abgehalten2). Das Institut veröffentlicht unter dem Titel „Revista trimensal do Instituto historico geographico e ethnographico do Brasil" seine Sitzungs-Berichte und die eingereichten Abhandlungen und Dokumente. Es sind bis jetzt einige und zwanzig Bände erschienen. Sie enthalten eine Anzahl äusserst wichtiger Dokumente zur Geschichte Brasiliens, einzelne tüchtige selbstständige Memoiren, werthvolle Biographien ausgezeichneter Brasilianer, aber auch manche hohle, in schwülstige Phrasen eingekleidete Schülera'rbeit, auf die das Motto der Revista: „Hoc facit, ut longos durent bene gesta per annos et possint sera posteritate frui," eine bittere Ironie ist.

„Unter der Redaktion des Conselheiro Candido Baptista d'Oliveira, eines Mitglieds des Historisch-Geographischen Instituts, aber unabhängig von diesem, erscheint seit 1857 in vierteljährlichen Heften eine Revue für Wissenschaften, Literatur und Künste (Revista Brasileira, Jornal de sciencias, lettras e artes), die wegen der Gediegenheit des grössten Theils ihrer Artikel 3) eine ehrenvolle Erwähnung verdient.

„Auf Anregung des Historisch-Geographischen Instituts entschloss man sich vor einer Reihe von Jahren (Lei Nr. 884,

') 1 Conto do Reis = 1000 Mibreis, 1 Milreis oder 1000 Reis = 22,74 Silbergroschen; 5 Contos de Reis also 3790 Thaler.

2) Die Naturforscher der „Novara" wohnten 1857 einer, vielleicht nur zufällig höchst uninteressanten, Sitzung bei, von der Dr. C. v. Scherzer im ersten Bando der „Reise der Österreichischen Fregatte Noyara" (S. 137) ein anschauliches Bild giebt. A. P.

3) Nur die mineralogischen und zoologischen Arbeiten von B. Bind schülerhaft unQ durchaus nicht auf der Höhe der Wissenschaft.

vom 1. Oktober 1856), einige weniger bekannte Provinzen des Reichs durch eine wissenschaftliche Kommission erforschen zu lassen, und verlangte vom Reichsrathe die nöthigen Geldmittel, die dieser in liberalster Weise bewilligte. Die Kommission (Commissao scientifica oder exploradora) bestand aus fünf Sektionen: 1. Sekt, für Botanik, Chef Conselheiro Francisco Freire Allemäo (der in wissenschaftlichen Kreisen Europa's ehrenvoll bekannte Botaniker), Präsident der Kommission; Adjunkt Dr. Manoel Freire Allemäo. 2. Zoologie, Chef Dr. Manoel Ferreira Lagos, Adjunkte: Joäo Pedro Villa-Real und Lucas Antonio Villa-Real, ferner Jäger, Präparatoren, Handlanger. 3. Geologie, Chef Dr. Guilherme Schüch de Capanema, Adjunkt Kapitän Joäo Martins da Silva Coutinho. 4. Astronomie und Geographie, Chef Dr. Giacomo Raja Gabaglia, Adjunkte: die Flottenoffiziere Joäo Soares Pinto, Brasilio de Siqueira Barbedo, die Ingenieure Caetano de Brito de Sousa Gayoso, Francisco Carlos Lassance Cunha, der Hauptmann Antonio Alvares dos Santos Sousa und der Dr. Agostinho Victor de Borja Castro. 5. Ethnographie, Chef der seither verstorbene Dichter Dr. Antonio Goncalves Dias, zugleich auch Historiograph der Expedition; Adjunkt Dr. Francisco de Assis Azevedo Guimaräes, ferner ein Zeichner , ein Metallarbeiter und sechs Soldaten (Handwerker) aus dem 'Arsenal.

„Es wurden die umfassendsten Vorbereitungen getroffen, aus Europa vorzügliche, sehr kostspielige astronomische und physikalische Instrumente, eine äusserst reiche naturhistorische Bibliothek, Waffen, Reiserequisiten, eine fabelhafte Menge Chinin &c. bezogen und endlich die Reise mit Instruktionen des Ministeriums des Inneren am 26. Januar 1859 nach der nördlichen Provinz Ceara angetreten. Vage Gerüchte, die sich aber Jahrhunderte hindurch erhalten hatten, von einem grossen Reichthum edler Metalle im Inneren jener Provinz hatten bei der Wahl des ersten zu erforschenden Landcstheiles an maassgebender Stelle den Ausschlag gegeben. Man scheint im Publikum schnelle und eklatante Resultate der Expedition erwartet zu haben und wurde darin getäuscht. Schon nach Ablauf des ersten Jahres zeigte sich eine grosse Missstimmung gegen dieselbe, die immer mehr und mehr wuchs und in den Journalen der Provinz Ceara und in denen der Hauptstadt ein beredtes Echo fand. Man machte sie lächerlich, und das ist bei derartigen Unternehmungen immer eine sehr gefährliche Angriffswaffe. Nachdem sich auch im Reichsrathe gewichtige Stimmen gegen die Fortsetzung der Expedition erhoben hatten, wurde dieselbe durch Ministerialbefehl vom 10. Mai 1861 zurückberufen.

'„Die wissenschaftliche Kommission hat nach meiner Ansicht den Fehler (in den so viele ähnliche Unternehmen, verfallen) begangen, vor dem Beginne der Reise zu sehr ins grosse Horn zu stossen und dadurch sowohl in Brasilien als in Europa die Erwartungen auf eine Weise zu spannen, dass jeder Unbefangene von vorn herein sagen musste, sie können unmöglich erfüllt werden; daher auch nachträglich hüben und drüben viel Spott. Es ist indessen noch viel zu früh, über die Erfolge der Expedition abzuurtheilen. Das kann erst geschehen, wenn ein Mal die wissenschaftlichen Errungenschaften veröffentlicht sind, und auch dann kann und darf das grosse Publikum nicht Richter sein. Ein Jeder, der sich selbst mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt

hat, weiss, wie mühevoll diese sind und wie oft die Resultate, obgleich von wahrem wissenschaftlichen Werthe, Von der Menge gar nicht begriffen werden können.

„Die Kommission scheint während ihrer Reise, trotzdem

j der Kaiser sich für dieselbe in hohem Grade interessirte, von der Regierung doch nicht die gehörige Unterstützung genossen zu haben. Eine Reihe von humoristischen Artikeln in einem der grössten Journale Rio de Janeiro's (Diario 1861), von einem Diener eines Mitglieds der Kommission unterzeichnet (der Verfasser ist das betreffende Kommissions-Mitglied selbst), werfen, oft in beissender Satire, eigenthümliche Streiflichter auf die Kommission und enthalten wahrscheinlich weit mehr pikante und unumwundene Geständnisse, als sie uns später der offizielle Historiograph machen wird.

„Die Expedition hatte den Verlust eines grossen Theils der von dem talentvollen und eifrigen Chef der geologischen Sektion gesammelten mineralogischen Ausbeute zu beklagen, da der Küstenfahrer, auf dem sie verschifft war, an der Küste von Ceara zu Grunde ging.

„Es liegen mir bis jetzt nur ein Paar Hefte von den

j Publikationen der Kommission vor. Der rührige Botaniker Freire Allemäo hat mit werthvollen Untersuchungen den

! Reigen eröffnet. Das einleitende Heft , wahrscheinlich von Dias, enthält ausser den Instruktionen und einer sehr gedrängten Übersicht der Reise ein Resume der wissenschaftlichen Leistungen einer jeden Sektion. Aber auch diese Berichte, die zum Theil sehr dürftig ausgefallen sind, können noch nicht als Maassstab zur Beurtheilung der Leistungen der Kommission dienen.

„Es will mich übrigens bedünken, dass der Verfasser gleich in der Einleitung von den schweren Opfern, die die Mitglieder der Wissenschaft gebracht, von ihrer Opferwilligkeit, von ihren Leiden und Gefahren weit mehr gesprochen hat, als es unter Jüngern der Wissenschaft gebräuchlich ist, dass es ferner nicht ganz passend erscheint, wenn er schon in den einleitenden Worten auf diese Weise, wenn auch vergeblich, Mitleidskapital bei den Lesern machen will und dass er als Historiograph und Theilnehmer an der Expedition seine Kollegen von vorn herein allzu sehr lobt. Das Loben soll er billiger Weise unparteiischen Beurtheilern überlassen.

„Die Expedition hat von 1856/57 bis 1861/62 (laut Bericht des Finanz-Ministeriums von 1863) die Summe von 573 Contos de Reis, also über anderthalb Millionen Franken gekostet, wovon auf die Reisejahre 1859 bis 1861 über 1.200.000 Franken kommen. Betrachten wir die grossen Leistungen anderer Reisender bei Mitteln, die im Vergleich zu dieser Summe verschwindend klein sind, z. B. die eines Humboldt und Bonpland, Natterer, Spix und Martius, d'Orbigny, ferner die eines Dr. Barth und anderer Afrika-Reisender, eines Dr. Antonio Raymundi in Peru und noch einer sehr grossen Anzahl reisender Naturforscher, so sind wir jedenfalls berechtigt, unsere Erwartungen hinsichtlich der wissenschaftlichen Errungenschaften der Expedition sehr hoch zu spannen, denn mit einer solchen enormen Summe lässt sich — selbst in Brasilien — schon Ausserordentliches in allen Disciplinen der Naturwissenschaften leisten" ').

') Die Novara-Reisenden sahen die Vorbereitungen der Expedition bereits 1857. „Die Kisten" — erzählt Dr. C. v. Scherzer — „zum Geographische Literatur.

Vorbericht.

Der durch mehrere Schriften über die Nordfriesischen Inseln bekannte Lehrer C. P. Hansen in Keitum hat eine grosse Karte von dem Haupttheil der Insel Sylt (mit Ausschluss der beiden lang gestreckten Halbinseln List und Hörnum) gezeichnet, die auf langjährigen Forschungen und Messungen beruht und sich sowohl durch die Reichhaltigkeit des topographischen Details als durch die genaue Angabe aller Reste des Aiterthums, vor Allem der zahlreichen alten Grabhügel, dann der Stellen im Meer versunkener oder von Dünensand überdeckter Orte, endlich durch Berücksichtigung der geologischen Verhältnisse auszeichnet. Eine baldige Publikation dieser Karte wäre sehr erwünscht, namentlich würde sie den Badegästen ein lehrreicher und willkommener Führer sein.

Die Kenntniss der Europäischen Türkei und ihrer Nebenlande schreitet, wenn auch langsam, doch ununterbrochen fort. Im nächsten Frühjahr soll eine Besehreibung und Karte von dem am linken Ufer der Tara und der Brina liegenden Theil der Provinnen Borna und Herzegowina zur Veröffentlichung kommen, die den früheren Österreichischen Hauptmann, jetzigen Fürstlich Serbischen Ingenieur R. R. Milosevic in Belgrad zum Verfasser hat. Als militärischer Attache • beim Osterreichischen General - Konsulat in Sarajevo hatte dieser Herr Gelegenheit, jene Landschaften wiederholt zu bereisen. Das Buch enthält eine ausführliche Orographie und Hydrographie des Landes, eine detaillirte Beschreibung von 28 Routen und der an ihnen gelegenen Ortschaften, Abschnitte über das Volk und die politische Lage und endlich militärische Betrachtungen.

Die Englische Gesellschaft zur Erforschung Palästina's bereitet die Publikation des Berichtes über Capt. Wilson's Expedition und zugleich der zurückgebrachten Photographien vor. Wie bedeutend die Resultate dieser Expedition, abgesehen von ihren archäologischen, klimatischen und anderweitigen Forschungen, für die Topographie des Heiligen Landes sind, erhellt schon daraus, dass an nicht weniger als 49 Punkten, deren Lage bisher nicht flxirt war, genaue Längen- und Breitenbestimmungen gemacht und dass Kartenskizzen in grossem Maassstab von allen durchreisten Gegenden angefertigt wurden. Auf Wilson's Vorschlag s'ollen fünf meteorologische Stationen in Palästina eingerichtet werden , da bis jetzt nur in Damaskus und Jerusalem klimatische Beobachtungen angestellt worden sind. Fernor wird binnen Kurzem eine zweite Expedition abgehen, um spe

Vcrpacken der mitzunehmenden Gegenstände standen bereits in elegantester Ausstattung fertig und machten den Brasilianischen Tischlern alle Ehre. Mit fast kindischer Freude zeigte uns ein Mitglied die zierliche Kiste, in welcher ein nicht minder elegantes Medikamentenkästchen verwahrt werden sollte. — Man trifft in Brasilien, wie überhaupt in allen von der Romanischen Race bevölkerten Theilen Süd-Amerika's, unendlich viel guten Willon und noch mehr Sucht, die Völker nordländischer Civilisation in ihrem Fortschritts- und Forschungsdrange nachzuahmen, aber es fehlt hier jene Kraft und jene Ausdauer, welche der Anglosächsischen Race in so vorzüglicher Weise eigen und eine Hauptbedingung ist, um das noch so eifrig Begonnene auch glücklich durchzuführen. Darum sehen wir in Brasilien im wissenschaftlichen, ökonomischen und socialen Leben eine Menge Dinge angefangen, aber nicht beendet, und wohl nirgends in der Welt hört man so viel von dem sprechen, was geschehen soll, als in Rio de Janeiro."

ziehe Nachgrabungen in Capernaum, Canaa, Samaria, Nazareth und Jerusalem anzustellen; eine andere Expedition, für deren Leitung man den Geolog Prestwich zu gewinnen hofft, wird die Geologie und Naturgeschichte des Heiligen Landes studiren; ein Werk über die jetzigen Bewohner Syriens, ähnlich Lane's „Modern Egyptians", bearbeitet mit Unterstützung der Gesellschaft ein Mr. Rogers in Damaskus; endlich sammelt ein Arabischer Gelehrter die Namen von Dörfern &c. für die Zwecke der Gesellschaft, die in der Versammlung der British Association zu Nottingham im September d. J. durch ihren Sekretär Grove erklären liess, sie werde nicht rasten, bis jede Quadrat-Meile in Palästina ordentlich und genau aufgenommen und auf der Karte I niedergelegt, bis jeder Ruinenhügel durchsucht und erforscht, der Name jedes Dorfes sicher gestellt, aufgezeichnet und mit den Biblischen Namen verglichen, bis jede alte Strasse verfolgt, die Geologie und Naturgeschichte des Landes vollständig bekannt sei.

Auf einer von Venukoff entworfenen Kartenskizze des Bolor-Gebirges im Jahrgang 1861 der „Geogr. Mittheilungen" (Tafel 10) findet man die Reise eines Herrn Georg Ludwig von . . . angegeben, die von Kaschgar südwestlich über Bolor nach Badakschan und von da nördlich über die Hochebene von Pamir nach Kokan einen Theil der unbekanntesten Landschaften Inner-Asiens durchschneidet. Dieser Deutsche Reisende, dessen Familienname unbekannt ist, stand im Dienst der Ost - Indischen Kompagnie und ging gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts von Peschawur nach den Kirgisen-Steppen. Nachdem er auf dem angedeuteten Wege Kokan erreicht hatte, kam er über Tunkat und Taros nach der Wüste im Norden des Sir Daria. Hier von Kirgisen angegriffen, musste er mit Zurücklassung seiner ganzen Habe zurück nach Otrar und Samarkand fliehen. Von da begab er sich nach Khodjend und auf seiner eigenen früheren Route zurück nach Kaschgar, wo er seine von Bolor aus dorthin geschickten Papiere und Karten wiederfand. Zum Theil mit Hülfe dieser Papiere, zum Theil aus dem Gedächtniss arbeitete #er einen Reisebericht aus und zeichnete sein Itinerar von Kaschmir biB Sarason in der KirgisenSteppe auf 40 Kartenblättern auf. Diese Arbeiten tragen die Jahreszahl 1806 und wurden bisher in den Archiven des Generalstabs zu St. Petersburg aufbewahrt. Nach dem Wenigen, was darüber in die Öffentlichkeit drang, hielt Rawlinson die ganze Reise für fingirt, Staatsrath v. Chanikoff aber, der nähere Einsicht davon genommen hat, bezweifelt nicht im Mindesten die Glaubwürdigkeit des unbekannten Reisenden und wird das Ganze in Deutscher und Französischer Sprache publiciren.

Das Asiatische Departement im Kaiserl. Russischen Ministerium des Äusseren unternimmt die Herausgabe eines neuen Sammelwerks, das eine Fortsetzung der „Arbeiten der Kaiserl. Russischen Gesandtschaft in Peking", aber mit erweitertem Programm bilden wird. Diese „Arbeiten", deren vierter Band kürzlich erschienen ist, waren die Früchte der Studien, welche die alle zehn Jahre abgelöste, aus fünf geistlichen und eben so viel weltlichen Mitgliedern bestehende Mission in Peking zu machen Gelegenheit hatte. Sie enthalten eine Menge werthvolle Abhandlungen verschiedensten Inhaltes über China und sind durch die Übersetzung der Herren Abel und Mecklenburg auch in Deutschland bekannt ge

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