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■Wasserleitungen erzielt man durch die überall günstige Bodenbeschaffenheit in den Thälern eine grosse Produktion an Mais und sonstigen Europäischen Gemüsen, Früchten und Obst, in den höheren Kegionen Kartoffeln, Ocas, Quinua und "Weizen. In den Hauptthälern sind viele Amerikanische Mahlmühlcn mit meistens unterschlächtigen Wasserrädern angelegt, welche den Weizen mahlen, dessen Mehl gleich exportirt wird. Die unteren Gebirgspartien und Ebenen sind mit Busch- und Strauchwerk bewachsen, aus deren Holz man besonders gute Kohlen bereitet, welche ebenfalls weit ausserhalb der Provinz transportirt werden.

Die wenigen Weiden in den Niederungen liefern sehr nahrhafte Kräuter für Wollvieh und Ziegen, während in den höheren Gebirgen mehr Rindvieh- und Llamazucht getrieben wird.

Obgleich Silbererze und Gold in der Provinz vorhanden sind, so hat man dennoch keinen Bergbau von Bedeutung getrieben.

4. Provinz Mizque mit der Hauptstadt „Antigua Ciudad". Mizque grenzt im Norden an Yuracares, im Nordwesten an Cliza, im Südwesten an Chayauta, im Süden an Yamparaes und Tomina und im Osten an Valle Grande.

Direr Länge nach wird sie von Südosten nach Nordwesten von zwei Gebirgsketten durchzogen, von denen die westliche die Cordillere Sillar - Yurubamba - Tayapaya - Cliza ist und die östliche die Cordillere Huasaorco - Pasorapa, welche sich beide im Knotenpunkt von Tiraque vereinigen. Das Land ist sehr gebirgig und durchschluchtet, jedoch sind sehr wenig Valles oder Thäler von geringer Breite vorhanden. Die wichtigsten sind die Valles von Mizque, Tintin, Challuani, Pasorapa und das malerisch schöne, gesunde Thal Aiquile.

Der grösste Theil der Provinz ist Puna, die niederen Landestheile sind reich an Waldungen und produciren alle Europäischen wie inländischen Garten-, Feldfrüchte und Obst. Wegen der vielen und schönen Weiden zog man in früheren Zeiten viel Kindvieh und die besten Pferde der Andalusischen Race, die gewöhnlich unter dem Namen" „Caballos cochabambinos" bekannt waren.

Die Gebirge sind reich an Silber- und Bleierzen, welch' letztere besonders geeignet sind, den Schmolzprozess der ersteren zu begünstigen. In Quioma am Nordostufer des Rio Grande giebt es viele und reiche Silberminen, allein die grosse Hitze, die Terciana (kaltes Fieber), die Tabardillo (Scharlachfieber) erlauben weder das Arbeiten in den Gruben noch die Aufbereitung und Verhüttung in den Thälern.

Mizque besitzt die Fähigkeit, eine reiche Provinz zu sein, sie ist sehr fruchtbar, liefert Weizen, Mais, Kartoffeln, Wein &c., hat viele Weiden und bietet besonders durch seine lokale Lage zu Cochabamba, PotOBi, Sucre, La

Paz, Oruro sehr günstige Absatzquellen seiner Landesprodukte.

Dass Mizque dermaleinst in blühendem Zustande gewesen, wo die Einwohner sich dem Ackerbau widmeten, beweist die Geschichte durch das Vorhandensein von Ruinen alter Gutsbesitzungen, die auf einen bedeutenden Umfang und früheren Reichthum schliessen lassen. So produeirte z. B. das einzige Ländgut von Pereta am rechten Ufer des Rio Mizque jährlich 12- bis 13.000 Botfjas (ä ungefähr 4 Eimer) Wein, während man heute kaum weiss, dass es in Mizque Wein giebt. Man versichert, dass ein Corrigidor, d. i. ein Bürgermeister, seiner Zeit den Befehl gegeben habe, die Weinberge unter dem Vorwande zu verbrennen, weil die Besitzer ohne Königl. Erlaubniss die Weinreben gepflanzt hätten. Seit dem Bestehen der Republik ist auch hier wie allenthalben noch Nichts wieder zu deren Hebung geschehen.

5. Provini Arque mit der gleichnamigen Hauptstadt grenzt im Norden an Tapacari, im Nordwesten an Inquisivi, im Südwesten an Oruro, im Süden an Chayanta und im Osten an Cliza. Im Osten bildet sie die südöstliche Fortsetzung des Valle de Cochabamba, hier unter dem Namen Valle de Capinota. Die Provinz ist ein Netz von Bergen und Hügeln, welches von langen Thälern durchschnitten wird. Im Allgemeinen ist das Klima warm und in den Thälern heiss, weshalb denn auch die Terciana sehr stark auftritt.

Man producirt daselbst dieselben Früchte wie in Tapacari, wenn auch nicht in so grosser Menge, eben so wenig sind die Gebirgsabhänge und Thalschluchten dicht und m:: so hohen Bäumen und Strauchwerk bedeckt wie dort. Obgleich die Weiden sparsam sind, so beschäftigt man sic-h doch mit Schaf- und hauptsächlich mit Ziegenzucht; d* Käse von Arque erfreuen sich eines guten Rufes. Die Provinz ist durch ihre reichen Silberminen berühmt gewestL. gegenwärtig findet kein formaler Bergbau Statt. In dm Minen von Guaccha Cuirf hat man beobachtet, dass die Erze in den oberen und mittleren Teufen reich an Silber gewesen sind, während sie in der Tiefe durch das Vorherrschen der Blende ärmer werden.

Das Thal von Colcha, welches seine Wasser gegeu Norden über Arque und gegen Nordosten bei Capinota in den Rio Grande führt, ist dadurch merkwürdig, dass auf beidec Ufern des Flusses heisse Quellen liegen, was auch in mehreren Flussthälern der Departements Potosi und Oruro der Fall ist.

6. Provinz Ayopaya grenzt im Norden an Yuracares. im Westen an Inquisivi, im Süden an Tapacari und räe Osten an die Provinzen Cochabamba und Mizque. Die Hauptstadt ist Independencia. Die Provinz liegt im nordöstlich« Winkel, zwischen den Cordilleren Inquisivi und Cochabamba, inmitten der Gebirgsausläufer, die von vielen langen, tiefen, meistens gegen NW. hinlaufenden Flussthälern durchkreuzt werden. Der Boden ist im Allgemeinen sehr fruchtbar, in den höheren Gebirgsgebieten producirt man Weizen, Gerste, Kartoffeln, Ocas &c, in den tieferen Regionen, als in den Thälern und Niederungen, Mais, Tucas, Aji, Camotes (d. h. süsse Kartoffeln), verschiedene Sorten Baumwolle, allerlei Obst und Gemüse &c. Die Ebenen sind mit nahrhaften Kräutern und Gräsern bedeckt, die vorzüglich für Rindvieh, aber auch für Pferde, Wollvieh und Ziegen eine gute Weide gewähren. Während des 16jährigen Unabhängigkeitskampfes wurde das Bolivianische Heer aus dieser Provinz mit Fleisch versorgt, woher es denn kam, dass die Viehheerden fast erschöpft wurden.

Mit Aufwendung von Kapitalien würde diese Provinz wegen ihrer besonders guten Fruchtbarkeit und Lage zwischen den Hauptstädten La Paz, Oruro, Cochabamba eine der bevölkertsten und reichsten werden. Mit Ausnahme der tiefen Thüler, wo die Terciana herrscht, ist das Klima allgemein gesund.

Der Silberbergbau ist nie von grosser Bedeutung gewesen, dagegen haben die Goldwäschereien in Choquecamata einen bedeutenden Ruhm. Choquecamata liegt 3 Leguas nördlich vom Cerro Calacruz in einem tiefen Thale, dessen Wasser den Rio de la Encaüada oder Choquecamata bilden, der sich nordwestlich in den Rio Colacajas ergiesst, welcher sich weiter nördlich mit dem Rio Altamachi vereinigt. Die beiden wichtigsten Goldwäschereieu haben bis 1847 einen Wertli von 40.000.000 Pesos fuertes (ä 1 Thlr. 10 Gr. Pr. Cour.) ergeben, welcher Gewinn hauptsächlich zur Aufblühung Cochabamba's beigetragen hat.

Es ist diess ein Beweis mehr, dass nur Geld nöthig ist, um jenes Land zu einer Stufe zu erhebeu, die es einzunehmen verdient. In dem eben erwähnten Cerro Calacruz oder Cocapata oder Santa Catalina hat man Gold-führende Quarzgänge gefunden und bearbeitet, allein man hat den Betrieb wegen zu geringer Ergiebigkeit bald wieder aufgegeben.

Die nördlichsten Niederungen dieser Provinz heissen „Pais de los Mosetenes".

Neueste Beobachtungen über das Polar-Eis und die Polar-Strömungen').

Seit das Projekt einer neuen Polar-Expedition in England , Deutschland und anderen Ländern wann befürwortet worden ist, sind nahezu zwei Jahre vergangen, ohne dass man der Realisirung desselben näher gekommen wäre. Dass von Deutschland eine Expedition zum Nordpol noch nicht ausgesaudt wurde, findet wenigstens darin einen Grund, dass ein solches Unternehmen etwas Neues bei uns ist und nicht so schnell zur Ausführung gebracht werden kann, und dass wir eben einen grossen Krieg geführt haben und in einer politischen Transformation begriffen sind. Dass aber die mächtigen Regierungen von Staaten wie England und Frankreich, die doch zu anderen Zeiten grössere und gewagtere Unternehmungen wiederholt ausführten, diese hohe Aufgabe noch nicht werkthätig ins Auge gefasst haben, ist weniger erklärlich und beinahe will es scheinen, als ob dort das Interesse für Wissenschaft und geistigeu Fortschritt abgenommen habe. Wissen wir doch aus eigener langjähriger Erfahrung, dass es gewöhnlich bloss des Interesses und des Einflusses einer einzigen der Regierung nahe stehenden Person bedurfte, um solche Unternehmungen von Staats wegen zur Ausführung zu bringen; so ist die Wissen

') Auch als Kommentar zu A. Petermann's Südpolarkarte in der 4. Lfcf. der neuen Ausgabe von Stielcr's Hand-Atlas. Gotha, Justus Perthes, 1866.

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft X.

schaft z. B. den Engländern Sir John Barrow als Sekretär der Admiralität, Sir Francis Beaufort und Admiral Washington als Chefs der Hydrographischen Abtheilung ausserordentlich viel schuldig für die vielen Bereicherungen, welche ihr durch das Interesse, den Einfluss und die Anregungen jener Männer zu Gute kamen. Ein Paar Mal 100.000 Thaler sind aus den Staatskassen mächtiger Staaten einer grossen wissenschaftlichen Sache ungeheuer leicht zuzuwenden, wenn sich nur Jemand unter dem Regierungs-Pcrsonal findet, der etwas Sinn und Interesse dafür hat. Ist das der Fall, so genügt auch die blosse Anregung ausserhalb stehender Männer; deshalb vermochten z. B. in England Männer der Wissenschaft wie Sir Roderick Murchison, General Sabine u. A. viel Gutes zu wirken. Dass die Gelehrten Englands und Frankreichs sehr für die Absenduug einer Nordfahrt sind, ist bekannt, es scheint aber, dass in den RegierungsPersonalen selbst zur Zeit Niemand ist, der für solche Dinge Sinn hat. Um die Intentionen der Englischen Regierung bestimmt zu erfahren, ging eine Deputation Englischer Gelehrten Anfangs Juli 1865 an die maassgebende Behörde, den Marine-Minister (First Lord of the Admiralty); nach einer uns gemachten authentischen Mittheilung „hörte der Minister die Deputation mit grosser Aufmerksamkeit an und gab keinen negativen Bescheid. Allein die Deputation

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wurde schliesslich doch dahin beschiedeu, dass die Regierung nicht eher an die Ausrüstung und Absendung einer NordpolExpedition denken könne, als bis die Resultate der Schwedischen Expedition von 1865 bekannt sein würden, da Seine Lordschaft der Ansicht sei, dass die vorgeschlagene Expedition bis auf physikalisch - wissenschaftliche Untersuchungen in Spitzbergen oder anderswo kein Objekt von besonderer Wichtigkeit zu erwarten hätte." („His final decision was, that at any rate an Expedition would not be thought of until the results of the Swedish Expedition to Spitzbergen tliis summer were known: His Lordship believing that, unless sotne results in Physical science at Spitzbergen or elsewhere were obtained, the Expedition would not have any objects of great importancc to expect.") Es ist ersichtlich, dass der Minister im Grunde kein Interesse für und kein Verständniss von der Sache zeigte, und nach einem Vorwand suchte, um sie und die Deputation los zu werden, wie das auch die Folge gezeigt hat.

Die Wissenschaft schreitet aber doch unaufhaltsam vorwärts, trotz des dornenvollen Weges voll Schwierigkeiten, den sie gewöhnlich zu durchschreiten hat; und auch die Kenntniss der Polarwelt stoht nicht still: eine Russische Expedition ist Anfangs dieses Jahres nach dem. Eismeer abgegangen, vornehmlich um das dort aufgetauchte Mammuth in seiner Vollständigkeit mit Haut und Haar zu untersuchen und nach Petersburg zu bringen; von dieser von ausgezeichneten Männern geförderten, auch von der Russischen Regierung unterstützten Expedition können höchst interessante Resultate erwartet werden'). Der unermüdlich thätige Dr. Ferd. Müller in Melbourne schreibt vom 27. Juli, dass er im Begriff stehe, für eine Polar-Expedition energisch zu arbeiten, und die Hoffnung habe, dass von Australien aus eine Expedition zum Südpol abgeschickt werde. Die Schwedischen Gelehrten sind unablässig mit der Verarbeitung ihrer trefflichen Forschungen auf Spitzbergen beschäftigt, und in Bälde hoffen wir auch in dieser Zeitschrift wieder einen neuen interessanten Abschnitt nebst Karte von diesen verdienstvollen Resultaten mitzutheilen.

Eben so wird auch indirekt die Kenntniss der Polarwelt und ihrer Phänomene fortgehends gefördert, es ist nur nöthig, den vereinzelt und zerstreut auftauchenden Bereicherungen Beachtung zu schenken, und sie besonders auch zu sammeln und zusammenzustellen. Wir wollen in folgenden Zeilen z. B. einige der neuesten Aufschlüsse über das Polarund die Polar-Strömungen berühren, nachdem wir eben erst im vorigen Jahre den jüngsten Standpunkt der Kenntniss dieses Phänomens zu beleuchten und kartographisch darzustellen suchten2). Diese Bemerkungen mögen gleichzeitig

>) S. voriges Heft, SS. 325 ff.

») Geogr. Mitth. 1865, SS. 146 ff., Tafel fi. •

als Kommentar dienen zu der vor Kurzem erschienenen Südpolarkarte von A. Petermann ').

Das erste der neuesten, Werke, welche unsere Kenntniss der Polarwelt bereichern, ist das prachtvolle offizielle Werk des Observatoriums zu Melbourne2), dessen Gründer und Direktor unser' Deutscher Landsmann Georg Neumayer ist. In der nautischen Abtheilung dieses Werkes sind die Resultate niedergelegt, welche Prof. Neumayer aus der Verarbeitung von über 600 Logbüchern von Schiffen gewonnen hat, die in den fünf Jahren 1858 bis 1862 die Reise von Europa via Kap der Guten Hoffnung nach Australien oder von Australien via Kap Hörn nach Europa zurücklegten. Aus dieser reichen Fundgrube ging besonders für den SüdPacifischen Ocean, für den wir bis dahin verhältnissmässig nur wenige Beobachtungen besassen, eine bessere Kenntniss in Bezug auf Windverhältnisse, Verbreitung des antarktischen Treibeises &c. hervor. Die Daten über das Treibeis bildeten eine sehr willkommene Bereicherung für die Südpolarkarte, auf der wir alle einzelnen Befunde nebst ihrem Datum eintragen konnten. Prof. Neumayer hat auf der Karte in seinem Werke diese Befunde durch vier verschiedene Zeichen je nach den vier Jahreszeiten unterschieden, was eine sehr lehrreiche Übersicht giebt; wir haben schon bei einer anderen Gelegenheit 3) erwähnt, dass Prof. Neumayer; Arbeiten den von uns seit lange angenommenen Satz, to Treibeis am meisten in den Sommermonaten und am wenigsten in den Wintermonaten vorkommt, vollkommen bestätig

Ein für die hydrographische Kenntniss des ganzen Weltmeeres sehr wichtiges, an Daten ausserordentlich reichhaltiges Werk ist die neueste der vom Britischen Handel-Ministerium herausgegebenen nautischen und geographisch physikalischen Publikationen *). Dieses Werk, welches nwt unter der Direktion des verstorbenen hochverdienten Admiri. Fitz Roy verfasst wurde, enthält in seiner zweiten Abthtilung die weitaus reichhaltigste Zusammenstellung über dit Verbreitung des antarktischen Treibeises, welche bisher erschienen ist. Maury's Zusammenstellung umfasste bios? 167 Beobachtungen, Neumayer's (für den Pacifischen Oeesi allein) 41, Towson's 104»), Fitz Roy's aber 547, die vielleicht aus nicht weniger als 6000 Logbüchern von Schiffen, welche Eeisen um die Welt oder nach Australien in jenen hohen südlichen Breiten ausführten, zusammengesucht worden sind ').

') Eine wesentlich berichtigte Ausgabe des Blattes, das in mW Ausgabe im J. 1863 erschien (s. „Geogr. Mitth." 1863, SS. 407 fj

2) Results of the Meteorological observations taken in the Coloc) of Victoria, during the years 1850—1862, and of the Nautical obw yations collected and discussed at the Flagstaff Observatory, Melbooiw. during the years 1858—1862. George Neumayer, Director of the S<bourne Flagstaff Observatory. By authority: John Ferres, Govenu»«1 printer, Melbourne. 1864. 4°.

3) Geogr. Mitth. 1865, S. 102.

') Twelfth number of meteorological Papers. Published by »»"»■ rity of the Board of Trade. Miscellaneous. London 1865.

s) Die Arbeit Towson's über das antarktische Eis ist einp'i«t; besprochen in A. G. Findlay, South Pacific Directory, 2. Ausgabe 18ö> pp. 753—762.

Ein drittes hierher gehöriges Werk ist die von der Britischen Admiralität herausgegebene Südpolarkarte, speziell zur Übersicht der bisherigen Beobachtungen über die Verbreitung des antarktischen Eises bestimmt und daher „Eiskarte" genannt2). Kapitän Eichards, der Hydrograph der Britischen Admiralität, erkannte die Wichtigkeit einer derartigen Karte für die geographische Wissenschaft und den Weltverkehr, wie wir sie (in der ersten Ausgabe unseres Blattes) bereits im J. 1863 publicirt hatten, und hatte die Güte, uns einen frühen Probeabdruck seiner Karte zu überschicken. Neu in derselben ist, ausser zahlreichen interessanten Daten, die den Archiven der Admiralität entlehnt sind und in den anderen bisherigen Zusammenstellungen fehlen, die Bezeichnung des Treibeises nach den einzelnen Monaten; im Übrigen stützt sie sich zum grossen Theil auf Admiral Fitz Roy's „Catalogue of Ice", welcher bis auf Weiteres die Hauptquelle für die Kenntniss des antarktischen Eises bleiben wird.

Überschauen wir diesen Reichthum neuer Daten, so findet sich das System des Eisganges und der Meeresströmungen in den Polarmeeren, wie wir es im J. 1863 3) und im J. 18654) aufzustellen versuchten, im Allgemeinen vollkommen bestätigt, im Einzelnen schärfer bestimmt.

Bezüglich des antarktischen Treibeises lassen sich folgende Sätze aufstellen:

1. Die nördlichste Grenze des antarktischen Treibeises beschreibt eine unregelmässige Kreislinie, die sich innerhalb der-Parallelen von 34° und 57° S. Br. bewegt3).

2. Am weitesten nach Norden ist das Eis des Südpols in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung, am wenigsten weit beim Kap Horn beobachtet worden.

3. Die durchschnittlichen Breiten, welche das Treibeis mit ziemlicher Sicherheit in jedem Jahre erreicht, sind folgende:

45° S. Br. im mittleren und östlichen Theile des Atlantischen und im westlichen Theile des Indischen Oceans, östlich bis zu den Crozet-Inseln;

54° S. Br. im mittleren Theile des Pacifischen Oceans, zwischen 110° bis V50° W. Länge v. Green wich;

') Maury gewann seine 167 Beobachtungen über Treibeis aus 1843 Logbüchern. („Geogr. Mitth." 1863, S. 417.)

2) Ice Chart of Southern Hemisphere, published at the Adrairalty, ander the Superintendence of Capt. 0. H. Richards, R. N., Hydrographer. London 1866. Preis 2 sh. 6 d.

3) Geogr. Mitth. 1863, SS. 416 ff.

4) Geogr. Mitth. 1865, SS. 102 ff., 150 ff.

') S. die nördlichste Grenze des Treibeises auf der obigen Karte in Stieler's Hand-Atlas.

4.

5.

58° S. Br. am Kap Horn, zwischen 60° und 80° W. L. v. Gr.;

60° S. Br. (wahrscheinlich) im östlichen Theile des Indischen und im westlichen Theile des Grossen Oceans, zwischen dem 70° Ö. L. (Kerguelen-Insel) und dem 170° W. L. (12° östl. von Neu-Seeland). Quantitativ am meisten kommt das antarktische Treibeis im östlichen Theile des Atlantischen, im westlichen Theile des Indischen und im mittleren Theile des Grossen Oceans vor; es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass die Dichtigkeit des Vorkommens mit der Frequenz der Schifffahrt in den betreffenden Meerestheilen zusammenhängt. Ganz sicher scheint so viel zu sein, dass ein ganzes Drittel der Kreis-Peripherie des Weltmeeres, nämlich die Meerestheile südlich von Australien und NeuSeeland, von Kerguelen-Insel bis 170° W. Länge, also in einer Ausdehnung von 120 Längengraden, weit weniger von Treibeis heimgesucht wird als die übrigen zwei Drittel.

Das antarktische Treibeis kommt am meisten in den austraten Sommermonaten Dezember, Januar, Februar, am wenigsten, ja fast gar nicht, in den Wintermonaten Juni, Juli, August vor. Nach der Fitz Roy'schen Zusammenstellung ist die Häufigkeit im Dezember eine 36 Mal grössere als im Juli, und die Vertheilung aller 547 Befunde in den verschiedenen Monaten wie folgt: \ Juni (unserem Dezember)

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September (unserem März) .
Frühling { Oktober (unserem April) .

November (unserem Mai)

!Dezember (unserem Juni)
Januar (unserem Juli)
Februar (unserem August)
( März (unserem September) .
Herbst ] April (unserem Oktober) . .
( Mai (unserem November)

Von höchstem Interesse ist ein näherer Vergleich der Verbreitung und Ausdehnung des Treibeises in den verschiedenen Monaten, wie ihn die Masse der Beobachtungen gegenwärtig gestattet; er gewährt auch besonders überraschende Einblicke in die Wirkungen und Verhältnisse der Meeresströmungen, wie wir weiter unten näher erörtern werden. Fast in allen Monaten, mit Ausnahme des Juni und Juli, gelangen einzelne Eisberge in die Nähe des Kaps der Guten Hoffnung, oder erreichen wenigstens die Breite von 40°, im Süden des Kaplaudes sowohl als weiter westlich in dem mittleren Theile des Atlantischen Oceans; mit derselben Übereinstimmung finden sie im mittleren Theile des Grossen Oceans (zwischen 100° und 150° W. L. v. Gr.) in nugefähr 54° S. Br. ihre äusserste Nordgrenze, und eben so übereinstimmend lassen sie die Meerestheile um das Kap Horn und die Falkland-Inseln frei und erstrecken sich gleich im Osten dieser Inselgruppe weit nach Norden und Nordosten; aber in dem Meere südlich von Australien und Neuseeland sind die Eisgrenzen in den verschiedenen Monaten sehr verschieden, und weisen eine Differenz von 10 Breitengraden und mehr auf.

Betrachten wir das Vorkommen des Treibeises in jedem einzelnen Monate an und für sich, ganz besonders nach den in den letzten 25 Jahren gesammelten Beobachtungen, so finden wir, dass von den acht Befunden im Juni und Juli die Hälfte sich auf das Jahr 1856 bezieht, dem eine ausserordentlich eisreiche Saison vorausging '), aus der wahrscheinlich ein Paar Eisbrocken für diese Monate übrig blieben, in denen in der Regel Jahr aus Jahr ein keine Spur von Eis vorkommt; seit den Zeiten Cook's war in keinem einzigen Jahre so viel Eis wahrgenommen worden als in jenem Jahre 1855. Ein anderer der Befunde bestand aus einem in Christmas Harbour der Kerguelen-Insel befindlichen und in Auflösung begriffenen Eisberg. Wenn man daher bedenkt, dass Tausende von Schiffen in den 25 Jahren von 1840 bis 1865 nur 8 Mal Treibeis in den antarktischen Meeren bis zur Breite von 60° in jenen beiden Monaten beobachtet haben, so kann man wohl annehmen, dass es mitten in der austraten Winterszeit so gut wie ganz abwesend sei.

Auch im August (unserem Februar) erscheint es nur höchst selten und vereinzelt; die 14 Befunde kamen in den 4 Jahren 1840, 1854, 1855 und 1859 vor, und zwar 7 im J. 1840 südwestlich vom Kap der Guten Hoffnung, 4 im J. 1854 im Süden und Osten der Falkland - Inseln und 3 im Grossen Ocean.

Erst mit September und Oktober (unserem März und April) erscheint das Treibeis ein wenig häufiger, in jedem dieser Monate wurde es während der 25 Jahre in 9 Jahren beobachtet, und zwar hauptsächlich zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und Kerguelen-Insel (bis 37° S. Br.), im mittleren Theile des Grossen Oceans (zwischen 90° und 150° W. L. und zwar nur bis 54° S. Br., Neumayer führt einen einzigen Fall mit der geringeren Breite von 53° 33' an), in der Nähe des Kap Hörn und im mittleren Theile des Atlantischen Oceans. In diesen beiden Monaten und auch im November wurden Eisberge näher am Kap Hörn gefunden als zu irgend einer anderen Zeit des Jahres, freilich meist nur in dem einen Jahre 1860; nur ein einziges Mal in 25 Jahren wurde es in dem weiten Gebiete zwischen Kerguelen-Insel und Neu-Seeland und darüber hinaus bis 150° Westl. Länge (also in einer Längenausdehnung von 140 Längengraden) bemerkt, und zwar im J. 1855, wo es südlich von Australien in 54° S. Br. seine äusserste Erstreckung gegen Norden fand.

') Findlay, South Pacific Directory, 2. edition 1863, p. 758.

Im November (unserem Mai) scheint das Treibeis fast in der ganzen Breite des Atlantischen und des westlichen Theiles des Indischen Oceans, zwischen Neu-Georgien und den Crozet-Inseln, nach Norden zu treiben, etwa bis zum 50° S. Br., im Grossen Ocean zwischen Kap Hörn und 144° W. L. bis etwa zum 60°, über diese Breiten hinaus nur sporadisch auftretend; in der ganzen Australischen Hälfte des Weltmeeres zwischen den Crozet-Inseln und dem 144° wurde es nur fünf Mal beobachtet und in dem Meere südlich von Australien und Neu-Seeland in einer Längenausdehnung von 100° gar nicht.

Im Dezember (unserem Juni), in dem sich die meisten Beobachtungen registrirt finden, scheint sich die Hauptmasse südlich des Kaps der Guten Hoffnung (zwischen dem Meridian von Greenwich und den Crozet-Inseln) bis 48° S. Br., im Grossen Ocean bis 55° S. Br. zu erstrecken; dagegen erscheint die unmittelbare Umgebung dieses Kaps so wie das Kap Hörn freier als in fast allen anderen Monaten und auch das australische Südmeer weist noch immer keine Eisberge auf.

Im Januar scheint die Hauptmasse des Treibeises etwa dieselben Breiten einzunehmen als im Dezember, einzelne Eisberge aber erreichten in diesem Monat die grösste Annäherung an den Äquator, die bis jetzt beobachtet worden ist, nämlich:

34" S. Br. im Atlantischen Ocean,
40° „ „ im Grossen Ocean,

jener befand sich in Sicht des Kaps der Guten Hoffnung im J. 1850, dieser in 170° W. L. v. Gr., etwa 13° östlich von Neu-Seeland, im J. 1853 '). Auch südlich von Australien wurde im J. 1856 Treibeis bis 50° 12' S. Br. beobachtet, am weitesten nach Norden in diesem Theile aber im folgenden Monate, Februar (unserem August), wo es sich in dem ausserordentlich eisreichen Jahre 1855 bis 46° S. Br., 134° ö. L. v. Gr., erstreckte. In allen übrigen Theilen des Oceans weicht die Eisgrenze gegen den vorhergehenden Monat zurück, besonders am Kap der Guten Hoffnung, dem es von keiner Seite her näher kommt als 12° der Breite.

Im März, April und Mai kann als nördliche Grenze des Treibeises im Atlantischen und westlichen Theile des Indischen Oceans 50°, im mittleren Grossen Ocean 55° angenommen werden, im letzteren beschränkt es sich mehr und mehr auf einen schmalen Theü, bis es im Mai hauptsächlich nur zwischen 110° und 140° W. L. angetroffen wurde.

Auf die Meeretströmtmgen der Südmeere werfen diese neuen Aufschlüsse über das südliche Polar-Eis neues Licht Am Südende Amerika'» drängt die Kap Homer Strömung vereint mit dem von Norden kommenden warmen Brasiliaui

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