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genehmen Klima's und guten Bodens viele Landgüter (Haciendas), welche zum grossen Theil von den Familien der meist abwesenden Eigenthümer bewohnt werden. Sie hat 76.392 Einwohner und ist der Koncentrationspunkt des Handels und Verkehrs fir den Norden Bolivia's, sie ist das Dépôt aller Handels-Artikel, sowohl der Produkte der Puna wie der der Yungas oder der tropischen Gegenden. Ihr Handel'ist lebhaft und erstreckt sich nicht allein auf das Inland, sondern vermittelst des Peruanischen Hafens von Arica auch auf die gesammte Westküste Nord-Amerika's und Europa.

Seit 1857 ist der Regierungssitz von Súcre oder Chuquisaca hierher verlegt. Die Stadt hat einen Palast, Intendantur-Gebäude, mehrere Kasernen, ein Postamt, eine Universität „San Andres”, eine Bibliothek und ein Museum, zwei Hospitäler, ein literarisches Institut, ein Coleg-Seminar, ein Waisenhaus, zwei Gymnasien, mehrere andere öffentliche und Privatschulen, zwei Buchdruckereien &c. Auch befindet sich in La Paz ein Tribunal-Gerichtshof, ein Handelsgericht, ein Gouverneur, ein Polizei - Intendant und der Oberpostmeister.

Im Jahre 1605 gründete Papst Paul V. eine Kathedrale, mit der es eben so gegangen ist wie mit der Kattenburg in Kassel, sie wird schwerlich jemals vollendet werden. Alles nöthige Baumaterial, bestehend in grossen Blöcken von Marmor, Granit, Trachyt, Porphyr von verschiedenen Härten und Farben &c., befindet sich an Ort und Stelle, ja selbst die meisten Bildhauer-Arbeiten sind vollendet oder der Vollendung nahe. Nach dem zu urtheilen, was bereits fertig ist, müsste die Kathedrale die schönste Süd-Amerika's werden. Ausser ihr hat La Paz noch acht schöne Kirchen und Klöster, von denen die Kirche „San Francisco" als ein Meisterwerk der Jesuiten betrachtet werden kann. Unter den öffentlichen Plätzen zeichnen sich die Alomeda, d. i. die Schöne Allee, und die Plaza mayor mit einem herrlichen Springbrunnen in der Mitte aus.

Durch den Rio La Paz, der auch unter dem Namen Rio Chuquiyapu bekannt ist, wird die Stadt ihrer Länge nach in zwei Theile getheilt, welche durch acht steinerne Brücken mit einander in Verbindung stehen. Etwas nordwestlich von La Paz befinden sich in diesem schönen Thal die Quellen des Rio Veni, deren Wasser zur Regenzeit einen reissenden Strom bilden, der sich wegen seines grossen Gefälles schnell in dasselbe gegen So, hinabstürzt und grosse Steinmassen mit sich fortreisst, bis er den Durchbruch der Cordillere zwischen den Cerros de Illimani und Quinza Cruz oder die sogenannte Angostura erreicht, von wo er dann in nordöstlicher und später in nördlicher Richtung seinen Lauf mit geringerer Geschwindigkeit fortsetzt. Die Alomeda (Allee) auf dem rechten Flussufer unterhalb La Paz hat nach Pent

land eine Höhe von 11.193 Par. Fuss, die der Höhe des Flusses gleich ist. Die Höhe des Flusses beim Austritt aus der Angostura unweit Toca beträgt 3944 Par. Fuss, mithin ist der Niveau-Unterschied auf 10 Meilen Entfernung gleich 7249 Par. F., d. i. per Meile 724,9 Par. F. oder gleich 9,76 Prozent Gefälle.

Die absolute Höhe von La Paz beträgt nach Pentland 12.226 Engl. F. = 11.471 Par. F., nach Pissis 11.502 P. F.; welche Punkte der Stadt jedoch damit gemeint sind, ist nicht gesagt. Nach meinen eigenen Messungen beträgt dieselbe in Bezug auf den Fussboden der Kathedrale (fast das Centrum der Stadt) 3705 Meter oder 11.406 Par. Fuss.

Bergbau auf Silber ist im Allgemeinen noch wenig getrieben, obgleich die Cordillere reich an Silber- und Goldführenden Quarzgängen ist. Auf der Nordwestseite des Illimani wurden im J. 1858 von den Deutschen J. M. Braun, P. Kröber, E. Mosbach, A. Focke u. A. bedeutend mächtige silberhaltige Bleierzgänge in Unduavi entdeckt, worauf dieselben nach Bildung mehrerer Gesellschaften regelmässigen Bergbau gründeten. Auf Gold arbeiteten jedoch schon die alten Spanier mit bedeutendem Gewinn. 1681 sprengte der Blitz einen Felsen am Illimani und legte ein Goldlager bloss, aus welchem grosse Reichthümer gewonnen wurden. Das Hauptgoldlager, unstreitig das beste in dieser Provinz, liegt im Flussthale Chuquiaguillo, eine halbe Stunde unterhalb La Paz, durch welches der Hauptweg zwischen den beiden Nevados de Illimani und la Mesada über einen 14.665 P. F. hohen Gebirgspass nach Unduavi und Yungas führt. Daselbst fand man früher einen Goldklumpen von 90 Mark oder 45 Pf. Schwere, der seiner Zeit der grösste auf der Erde gewesen ist. Er wurde im Museum zu Madrid zur Schau ausgestellt und soll sich schliesslich spurlos verloren haben. Übrigens führen sämmtliche Flüsse und Bäche Gold, mit dessen Gewinnung sich hauptsächlich nur die Indianer beschäftigen, während man mit Aufwendung einigen Kapitals Bedeutendes erzielen würde. Ausser den edlen Metallen giebt es aber auch noch diverse schöne MarmorArten, Granite, Berroqueño, d. h. granitartige Gesteine, die sich ganz besonders zu Bauten und Bildhauerarbeiten eignen.

2. Provinz Omasuyos grenzt im Nordosten an Larecaja, im Norden an Muñecas, im Westen an Perú, im Südwesten und Süden an Ingavi und im Osten an den Cercado de la Paz. Sie liegt auf der Nordostseite des Titicaca-See's und wird, in so weit die Peruanisch-Bolivianische Landesgrenze denselben durchschneidet, im Westen davon begrenzt. Die Hauptstadt Villa de Hachacache liegt einige Meilen östlich von der Halbinsel Copacabana. Die Provinz wird von den Indianern bis heute noch als die wichtigste betrachtet, denn es sollen in ihrem Schoosse, nämlich auf der Insel Titicaca,

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die Gründer und Gesetzgeber des alten Peruanischen IncaKaiserreichs, Manco - Capac und seine Frau Mama oello Huanco, 1018 erschienen sein. Daselbst befanden sich auch die einst mit reichen Schätzen ausgeschmückten Tempel der Sonne und des Mondes &c., wovon der Ausrottungsgeist der Spanier nur noch Trümmer und Spuren zurückgelassen hat. Von diesen Tempeln sagt man sich, dass sie mit Goldplatten bedeckt gewesen seien und dass beim Annähern der Spanier die unermesslichen Reichthümer, welche die Wallfahrer jährlich mit reichen Opfern an Gold, Silber und Edelsteinen vermehrten, in den See geworfen wurden.

Die Provinz gehört der Region der Puna an. Das Klima ist kalt und daher producirt man auch nur die entsprechenden Feld- und Gartenfrüchte, als Kartoffeln, Rüben, Bohnen, Quinua, Cañagua, Gerste, und an einigen sehr geschützten Plätzen auch Blumen und Kohlsorten. Weideplätze, bedeckt mit Pasto (d. i. ein feines moosähnliches Gras), sind genügend vorhanden, weshalb viel Viehzucht in Schafen, Llamas und Alpacas getrieben wird. In den Gebirgen giebt es viel Wild, z. B. Vicuñas, Guanacos und Schweine.

Unter den Inseln des Titicaca - See's zeichnet sich die Insel Titicaca besonders wegen der bereits erwähnten Ursachen aus; sie ist 3 Leguas lang und 1 Legua breit, sehr gebirgig und hat 13 Thäler und Schluchten, die mit schönem Wasser bewässert werden und einige gut kultivirte Landgüter enthalten. Das Klima der Insel ist das beste in der Provinz.

Bergbau hat nur in alten Zeiten auf Silber, Gold und Quecksilber Statt gefunden. In dem Cerro de Timusi nordöstlich von Carabuco findet man auch Zinnerze.

Früher befand sich auf dem See ein kleines Fahrzeug, welches zum Transport der Handelsprodukte zwischen Bolivia und Perú, später zu Tiefenmessungen diente und seit vielen Jahren schon zerstört ist. Der Präsident Castilla in Lima hat bei einstmals guter Laune den Beschluss gefasst, zwei Dampfschiffe für die Befahrung des See's bauen zu lassen, welche endlich und sicherlich seiner eigenen Überraschung im Oktober 1862 mit den nöthigen Monteurs in Arica wirklich angekommen und mit der Eisenbahn nach Tacna weiter befördert sind. Wie diese Gegenstände nach ihrem Bestimmungsort zu schaffen sind, weiss nur der zu beurtheilen, der jene Gegenden kennt. Mit den zu Gebote stehenden Hülfsmitteln und Wegen ist diess rein unmöglich. Vielleicht findet Castilla, der sich in seiner Eitelkeit stets mit Napoleon I. vergleicht, auch deshalb schon ein Mittel, alle unüberwindlichen Schwierigkeiten zu besiegen.

3. Provinz Ingavi grenzt im Norden an Omasuyos, im Westen an Perú, im Süden an Carangas, im Osten an Sicasica und im Nordosten an La Paz. Sie bildet den südwestlichen Theil des Departements, liegt zum grössten Theil in

Gebirgen und zum kleinsten Theil in der Hochebene. Ihrer Höhe nach gehört sie in den Bereich der Punas, daher ist das Klima rauh, kalt und der Aufenthalt daselbst sehr unfreundlich. An Boden-Erzeugnissen producirt man nur die Chuño, Quinua und Cañagua. Die Ebenen und Thalschluchten enthalten viel Paja (Ichu-Gras) und Pasto und dienen zur Weide für alle Wollthiere.

Bergbau auf Silber wurde hauptsächlich in Berenguela, ungefähr 10 Meilen nordöstlich vom Pass de Tacora, zu alten Zeiten grossartig betrieben, die Gruben sind seitdem verlassen und unter Wasser gesetzt. Gegenwärtig erstreckt sich derselbe nur auf die Gewinnung von Kupfer, und zwar in Corocoro und in der Chacarilla, woselbst es in der Permischen Formation nur in Form von Sand, sogenannte „Barrilla", und in dichten grossen Massen gediegen auf Lagern vorkommt.

Das reine Kupfer in derben, mächtigen Massen heisst Tacana und in Blätterform, stalaktitischem, krystallinischem, stengligen Zustande heisst es Charqui, weil es als solches meist das Aussehen des an der Luft getrockneten Fleisches hat. Auf einigen dieser Lager findet man auch gediegen Silber und Arsenkies, wie auch mit Kupfer durchdrungene versteinerte Knochen, Exkremente und Holz. Von beiden Gruben - Distrikten werden jährlich im Durchschnitt 15- bis 20.000 Centner Kupfer ausgeführt.

Einer besonderen Erwähnung in dieser Provinz verdienen die berühmten Denkmäler von Tiahuanaco, die etwa 3 Meilen südöstlich vom Titicaca-See liegen.

Die Hauptstadt war früher „La Villa de Viacha”, deren Höhe nach Forbes (Geology, 1861) 11.991 Par. F. beträgt. Jetzt ist es Corocoro, berühmt durch seinen Kupferbergbau und als Sitz eines Gouverneurs. Die Höhe der Plaza mayor beträgt 4021 Meter oder 12.379 Par. F. Die Stadt hat ungefähr 9000 Einwohner.

4. Provinz Sicasica mit der Hauptstadt gleichen Namens liegt zur Hälfte in den Cordilleren Sicasica-Calamarca, Quinza Cruz und zur anderen Hälfte auf der Central-Hochebene. Sie grenzt im Norden an Yungas, im Nordwesten an La Paz, im Westen an Ingavi, im Süden an Carangas und im Osten an Inquisivi.

Mit Ausnahme einiger Tiefthäler zwischen den obigen Cordilleren gehört der andere Theil den Punas an. In diesem giebt es dieselben Weiden und dieselbe Viehzucht wie in Ingavi; man producirt in den geschützten Thalschluchten Kartoffeln und Gerste und in jenen Tiefthälern Weizen, Mais und Wein. Das Klima ist im Allgemeinen gleich dem von Ingavi kalt und rauh.

Zu Ehren des Sieges in der Schlacht, welche die Patrioten Cochabamba's und Oruro's am 12. Oktober 1810 bei der Poststation südöstlich von Sicasica über die Spanier erfochten, hat man der Hauptstadt das Prädikat einer ,,Villa

zu

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de Aroma" beigelegt, ihre Höhe beträgt auf der Plaza Geräusch vernehmen können, sie erschrecken deshalb durch mayor 4015 Meter = 12.359 Par. Fuss.

Nichts und gehen ruhig ihren Weg. Eine andere eigenEtwas mehr als eine Meile südwestlich von Sicasica be- thümliche Gewohnheit haben jene Indianer, nämlich sie finden sich in der Gebirgsgruppe, welche aus

von Granit

vertrauen ihre Frauen und Kinder während ihrer langen durchbrochenem Porphyr besteht, die berühmt gewesenen Abwesenheit ihren Freunden an und erkennen die inzwiSilberminen von Lauraní, die jetzt verlassen und unter schen gebornen Kinder als die ihrigen an. Wasser gesetzt liegen. Einige Quarzgänge führen auch Bergbau auf Silber und Gold wurde in früheren Zeiten Gold. Dass der Bergbau einst von grosser Bedeutung ge- nur sehr wenig getrieben und es scheint, als wären die wesen, dafür sprechen ungefähr 400 Mundlöcher, Tagebaue, Gänge nicht formal und reich genug, um grössere Arbeiten und eine Unzahl von Amalgamirwerken, die man als solche darauf zu richten. noch aus den Ruinen erkennen kann. Zwei Meilen nördlich 6. Provinz Yungas grenzt im Nordwesten und Westen von Sicasica werden noch gegenwärtig die reichen Silber- an Larecaja, im Südwesten an La Paz, im Südosten an minen von Pacuani, obwohl nur flau und regellos, bearbeitet. Sicasica, im Osten an Inquisivi und Yuracares und im Nord

5. Provinz Muñecas grenzt im Norden an Caupolican, osten an Mojos. Sie zieht sich von den Nevados de Illiim Westen an Perú, im Südwesten an Omasuyos, im Süd- mani und Huayna Potosí in gleicher Breite nach Nordost osten an Larecaja. Sie hat eine geringe Ausdehmung und bis zu der Grenze von Mojos hinab. liegt grösstentheils in der Cordillere oder el Nudo de Apolo- Die Provinzial-Hauptstadt, die auf der Nordostseite der bamba, d. i. westlich vom Gebirgsknoten Sorata. Die Haupt- Cordillere liegt, heisst ,la Villa de Chulumani oder Sagárnaga". stadt ist , La Villa de Chuma”. Diese liegt am Flusse Llica, Yungas ist durch seine Lage inmitten der höchsten der sich gegen Osten durch die Rios Mapiri und Caca in Gebirgsabhänge ein von Thälern und tiefen Schluchten sehr den Rio Veni ergiesst, und erfreut sich eines angenehmen zerrissenes und durchfurchtes Land, in welchem alle KlimaKlima's und heiteren Himmels.

Regionen wahrzunehmen sind. Im Allgemeinen selbst in Im Allgemeinen ist das Klima ein günstiges und ver- den höher gelegenen Thälern) ist es sehr fruchtbar und in schieden je nach der Situation; man producirt Kartoffeln, den Niederungen regnet es das ganze Jahr hindurch mit Mais, etwas Weizen und diverse Gemüse.

grösseren Unterbrechungen. D'Orbigny, welcher dort gewesen Die Gebirge und Thäler sind reich an Laubwaldungen ist, sagt: ,,Die prächtige Vegetation von Rio de Janeiro und liefern etwas Coca. Weiden sind spärlich, jedoch ge- wiederholt sich nicht nur in diesem Lande, sondern sie entnügend, um durch Zucht von Kühen, Schafen, Llamas faltet sich hier noch mit grösserer Pracht und Glanz." und Alpacas die nöthigen Lebensbedürfnisse zu decken. Ausser allen Feld- und Gartenfrüchten der Puna wie der

In den nördlichsten Gegenden der Provinz wohnen die Yungas oder der tropischen Gegenden erzeugt die Provinz berühmten ,,botánicos del Imperio de los Incas" (Botaniker hohe und dichte Waldungen mit allen erdenklichen Holzgatdes Inca-Kaiserreichs), welche in den Gebirgen medizinische tungen, ja selbst die Fieberrinde (China-Rinde oder Cascarillo). Kräuter sammeln und damit einen ausgedehnten Handel Die Bewohner der eigentlichen Yungas-Regionen beschäftreiben. Sie geben sich nämlich für gute Kräuterkenner tigen sich vorzüglich mit dem Anbau der Coca, die sie aus, durchreisen zu Fuss, mit einer grossen Menge der ver- jährlich drei bis vier Mal ernten, mit Plátanos, womit sich schiedenartigsten Kräuter, Wurzeln, Gummi, Harze, Rinden namentlich die arbeitende ärmere Volksklasse ernährt, und u. dgl. mehr schwer belastet, einen grossen Theil des Süd- mit Kakao und Kaffee. Von den Eingebornen wird dem Amerikanischen Kontinents, als Perú, Ecuador, Chile, Buenos Kakao von Padilla oder dem aus dem Thale des Flusses Ayres, Montevideo und auch Brasilien, je nach der Kon- Coroico wegen seiner besseren Güte der Vorzug gegeben. sumtion und kehren oft erst nach 2 bis 3 Jahren mit Ge- Man bereitet daraus eine ausgezeichnete Chokolade, die einen genständen bepackt, die sie zu Hause bedürfen, in ihre Ruf in ganz Süd-Amerika hat. Der Kaffee von Yungas Heimath zurück. Man versichert, dass sie geheime Mittel macht dem bis jetzt als bester bekannten Kaffee von Mokka besässen, um Liebe einzuflössen, und andere, um das ver- den Rang streitig und es ist nur zu bedauern, dass man gessen zu machen, was man liebt; auch besitzen sie das ihn nicht in grösseren Quantitäten anpflanzt und ihm noch Elixir de Dulcamara und las aguas del Leteo. Was diese etwas mehr Aufmerksamkeit widmet. Er wird fast nur im Leute jedoch wirklich wissen und ausgezeichnet verstehen, Inlande konsumirt und sehr wenig exportirt, letzteres nur das ist der Transport von wilden, noch ungezähmten Maul- deshalb, weil er zu theuer ist. Im Inlande selbst kostet thieren von der Argentinischen Republik nach Bolivia, ohne der Centner 40 bis 50 Thaler, an der Küste würde er eins zu verlieren. Sie stopfen ihnen nämlich die Ohren so wegen des schwierigen langen Landtransportes 50 bis tief als möglich fest mit Wolle voll, damit sie kein äusseres 65 Thaler kosten und endlich in Europa auf 80 bis

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100 Thaler zu stehen kommen. Der meiste, welcher exportirt wird, geht unter der Firma „Caffée de Yungas" fort, während es nur „Caffée de Santa Cruz" ist, welcher zwar auch gut ist, aber zum ersteren sich an Qualität verhält wie der von Costa Rica zu dem von Mokka. Mir wurde selbst in Perú Kaffee unter dem Namen des Yungas präsentirt, aus dem ich sofort den Kaffee von Costa Rica heraus erkannte, und es wurde diess den Leuten erst klar, als ich ihnen den Preis angab, denn sie hatten im Hafen selbst nur 25 bis 30 Thaler für den Centner bezahlt.

Nach Allem, was ich von In- und Ausländern über Yungas gehört und gelesen habe, sind die Wege ungangbar; um kleine Distanzen auf Sprechweite zurückzulegen, hat man oft 6 bis 8 Stunden Umwege zu machen, so tief und unzugänglich sind die Schluchten und Thäler. Weiden sind sehr spärlich, weshalb nur sehr wenig Viehzucht getrieben werden kann; die Folge davon ist, dass das Fleisch nur getrocknet als Charqui von La Paz importirt werden muss.

Das Klima ist im Allgemeinen heiss und ungesund, denn die sogenannte Terciana, das dreitägige oder kalte Fieber, ist dort zu Hause. Fast jeder Einwanderer, sei er Bolivianer oder Ausländer, hat daran zu leiden. Diess mag denn die Hauptursache sein, weshalb sich die Ansiedelungen nicht vermehren.

7. Provinz Larecaja grenzt im Norden an Caupolican, im Nordwesten an Muñecas, im Südwesten an Omasuyos, im Süden an La Paz, im Südosten und Osten an Yungas und im Nordosten an Mojos. Sie gleicht in Allem der Provinz Yungas und ist nur als eine nordwestliche Fortsetzung davon anzusehen. Nur unterscheidet sie sich von dieser durch ihre grösseren Weiden, die sie in ihren nordöstlichen Niederungen besitzt. Ausserdem hat sie grossen Reichthum an medizinischen Kräutern, wie Muñecas, und es sind die Kräuterhändler wegen ihrer Eigenthümlichkeiten eben so berühmt wie die Muñecas-Indianer.

Die Hauptstadt ist Sorata, welche nach Pentland eine Höhe von 9850 Engl. oder 9242 Par. F. hat und am Westfusse des Yllampú oder Sorata oder Ancomani liegt; dessen bis jetzt nur allein von Pentland gemessene Höhe beträgt 19.972 Par. F. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war sie eine sehr bevölkerte Stadt und namentlich von reichen Familien bewohnt. 1780 und 1781, wo die Spanier mit den übrig gebliebenen Inca-Häuptlingen einen gegenseitigen Vertilgungskrieg in Bolivia und Perú führten, welcher hauptsächlich im südlichen Theile Cuzco's entbrannte, flüchteten die Spanier aus der Umgebung des Titicaca-See's nach der Stadt Sorata, befestigten diese und bespickten die Wälle mit Kanonen gegen ihre Verfolger. Der Inca Andres TupacAmarú an der Spitze von 14.000 schlecht bewaffneten Indianern erkannte bald seine Schwäche gegen den wohl be

festigten Feind und fiel auf die sinnreiche Idee, die Wasser der Thäler und Schluchten in den höheren Gebirgsregionen abzudämmen und damit schliesslich die Stadt

zu überschwemmen. Diess geschah, die Schanzwerke konnten dem heftigen Anstürmen der Wasser nicht widerstehen. Die Überschwemmung verursachte unter den Einwohnern der Stadt einen panischen Schrecken und der Sieger TupacAmarú liess nun alle Spanischen Amerikaner und Spanier enthaupten, so dass überhaupt 20.000 Opfer in dieser blutigen Katastrophe fielen. Nach derselben hat sich die Stadt nicht wieder erholt und ist jetzt als solche von geringer Bedeutung.

Der Hauptfluss ist der Rio Caca, in den sich die kleineren Flüsse Mapiri, Tipuani, Challano und Coroico ergiessen; sie sind alle Gold-führend; der Tipuani ist wegen seines Goldreichthums von grosser Bedeutung gewesen und ist es noch. Seit der Ankunft der Spanier sind die Goldwäschereien betrieben und die Grösse des erzielten Werthes, in Millionen ausgedrückt, ist nicht bekannt geworden. Die einzigen grossen Unternehmer, die dort noch arbeiten, sind die Familie Villamíl in La Paz. Diese hatte vor einigen Jahren das Glück, unter einem grossen Stein eine Partie Goldstaub, Körner und Klumpen im Gewichte von 17 Arrobas à 25 Pf. = 425 Pf. reines Gold zu finden, wodurch sie nicht allein schuldenfrei wurde, sondern auch die Unternehmung aufs Neue fördern konnte.

8. Provinz Inquisivi liegt in der Cordillera de Inquisivi, wird im Nordwesten und Norden von Yungas, im Südwesten und Süden von Sicasica und Oruro, im Südosten von Tapacarí und im Osten von Ayopaya begrenzt.

Die Hauptstadt „La villa de Inquisivi” liegt in einem tiefen Thale am Rio Catu, der sich in östlicher Richtung in den Rio Ayopaya ergiesst, welcher weiter nördlich unter dem Namen Rio Cotacajes in den Rio Altamachi einmündet.

Wegen ihrer verschiedenen Klimate gedeihen daselbst alle Bodenprodukte der angrenzenden Provinzen, allein die Bewohner bequemen sich nicht sehr zum Ackerbau und begnügen sich mit der Produktion von Mais, Kartoffeln, einigem Gemüse und Obst, welch' letzteres jedoch fast wild wächst, ohne dass sie Arbeit davon hätten. Die vielen hohen Waldungen enthalten unendliche Mengen von Cedernholz und Lorbeerbäumen. Weiden giebt es nicht viele, weshalb die Viehzucht nicht gross ist.

Bergbau wurde hier viel getrieben, doch hat man gefunden, dass die Silbererze weniger auf Gängen als in Nestern und Stockwerken vorkommen. Von den bearbeiteten Minen haben die von Corachapí, 2 Leguas südöstlich von der Hauptstadt, eine Berühmtheit erlangt, denn sie sollen noch Erze enthalten, wo der Cajon zu 50 Centner

an

2.

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5. 6.

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noch 500 bis 600 Mark Silber, also der Centner Erz 5 bis dem schönen, fruchtbaren und gesunden Valle gleichen Na6 Prozent Silber giebt. Die Goldminen von Araca haben mens belegen ist. Der Süden ist stärker bevölkert als der ebenfalls Millionen ergeben und liegen verlassen, weil auch Norden, was weniger in klimatischen und lokalen Verhältdafür die nöthigen Kapitale und Unternehmungsgeist fehlen. nissen als vielmehr in der günstigeren kommerziellen Lage

seine Ursache hat, durch welche es mit den Departements II. Departement Cochabamba

La Paz, Oruro und Chuquisaca in leichterer Verbindung steht. liegt zwischen 15° 20' und 18° 50' S. Br., 65° 55' und

Die nordischen Niederungen enthalten dichte Hochwal69° 20' W. L. v. Paris und hat eine Grösse von 1260,75

dungen mit werthvollen Holzgattungen, während im Süden Quadrat-Meilen mit einer Bevölkerung von 352.392 Seelen,

nur Buschwaldungen, Strauchwerk und viele medizinische worunter sich 2500 wilde Indianer befinden. Es ist in fol

Kräuter vorhanden sind. Die höheren Gebirgsregionen sind gende Provinzen getheilt:

reich Weiden für Rind- und Wollvieh, dagegen fehlen 1. Provinz Cochabamba mit 172,73 QMeilen und 89.918 Einw.,

sie in den Thälern fast gänzlich, weil man daselbst den Cliza 80,47

90.560 3. Tapacari 64,00 56.989

freien Boden durch Kultivirung besser verwendet, indem 4. Mizque 532,25 48.656

man ihn durch künstliche Wasserleitungen fruchtbar macht
Arque
80,47

37.590
Ayopaya
330,83
26.179

und hauptsächlich viel Luzernklee zieht. Die Departements - Hauptstadt Cochabamba mit einer

In den nördlichen Theilen hat man Silber- und GoldBevölkerung von 40.678 Einwohnern liegt am Südfusse der führende Gänge gefunden, will aber die Beobachtung geCordillera de Cochabamba oder Tarána, in einem schönen macht haben, dass sie wegen ihres geringen Gehaltes nicht Thale zwischen den beiden Cordilleren Negro Pavellon-Col

mit Vortheil bearbeitet werden können. Die Hauptstadt ist quiri und Tayapaya-Cliza, auf einer von Pissis bestimmten der Sitz des Gouverneurs, des Justiz - Tribunals und des Höhe von 7914 Par. F. Sie wurde auf Befehl des Vice- Bischofs, hat mehrere Kirchen, eine Universität „San Simon”, königs Don Francisco de Toledo 1572 durch den Kapitän ein Gymnasium, mehrere Schulen, ein Waisenhaus und eine Jeronimo Osorio auf den Trümmern einer früheren Stadt Buchdruckerei. gebaut, welche 1565 von Pedro Cardenas gegründet wurde. 2. Provinz Cliza mit der Hauptstadt Tarata grenzt im

Das ganze Departement liegt inmitten hoher Gebirge, Nordwesten an Cochabamba, im Westen an Arque, im Süden die von wasserreichen Tiefthälern durchschnitten werden. an Chayanta, im Osten an Mizque und liegt auf der WestMit Ausnahme der Yungas oder tropischen Gegenden findet seite der Cordillera de Tayapaya-Cliza und dem Knotenman alle übrigen Klima-Verschiedenheiten und es macht mit punkt Tiraque. In derselben liegen die entferntesten Quellen denselben vereint eins der schönsten und fruchtbarsten des Rio de Madera, welche diesem ihr Wasser durch den Rio Landestheile Bolivia's aus. Alle Bedürfnisse, gleich viel Grande oder Guapay zuführen. Die ganze Provinz ist sehr welcher Art sie sein mögen, findet und erzielt man dort in fruchtbar und die Ernten würden weit grösser ausfallen, solcher Menge und mit so geringer Mühe, dass man

man die Gebirgswasser durch künstliche Leitungen die Kornkammer Bolivia's und des südlichen Perú nennen besser benutzte. In der mittleren Bergeshöhe producirt man kann. In Wahrheit ist es diess, denn würde z. B. Cocha- Weizen, Kartoffeln. und Ocas und in den Thälern und eibamba nur seine Weizenproduktion aufgeben, was sollte nigen Thalschluchten zu allen Jahreszeiten Weizen, Gerste, dann aus den Nachbarprovinzen werden? Sie müssten ver- Mais &c. in grosser Menge. hungern.

Die Weiden sind sehr gut, weil der Boden sehr mit Mit der Kultur von Weizen beschäftigen sich die Bewohner salzigen Substanzen geschwängert ist, die den Viehheerden am meisten und es ist entschieden, dass derselbe von der aller Klassen gesunde und nahrhafte Kräuter und Gräser ausgezeichnetsten Güte ist, weshalb sein Mehl und Brod bieten. mit Recht so geschätzt werden.

Bergbau ist daselbst noch nicht betrieben, obgleich geIn der Industrie ist man in Cochabamba unstreitig am nügende Anzeichen für das Vorhandensein edler Gänge meisten vorgeschritten. Man beschäftigt sich mit Wollen- sprechen. und Baumwollen - Weberei, Licht-, Seife- und Stärkefabri- 3. Provinz Tapacaré mit der Hauptstadt gleichen Namens kation, mit Lohgerbereien, mit glasirten Töpferarbeiten, mit grenzt im Nordosten an Cochabamba, im Norden an AyoSattlerarbeiten u. dergl. mehr.

paya, im Westen an Inquisivi, im Süden und Osten an 1. Provinz Cochabamba grenzt im Norden an Yuracares, Arque und ist die südliche Fortsetzung des Valle de Cochaim Nordwesten an Ayopaya, im Westen an Tapacarí, im bamba. Der grösste Theil der Provinz ist gebirgig und Süden an Arque, im Südosten an Cliza und im Nordosten durchschluchtet von engen und tiefen Thälern, die von eian Mizque; die Hauptstadt ist Cochabamba, welche in i nigen Flüssen und Bächen bewässert werden. Mit Hülfe von

es

wenn

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