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empirisch gefundenes und die Thatsachen so konsequent und harmonisch geordnet erweisendes Windsystem gefolgert werden können. Unsere Rechtfertigung ist koncentrirtenthalten in unserem Prinzip: „Jeder allgemeine Wind hat als Motiv Aspiration”; dieser Satz ist richtig und bezeichnet eigentlich schon allein den ganzen Unterschied der Auffassung, der hier vorliegt, der einfach, aber auch ein wesentlicher ist.

Die geltende sogenannte mathematische Vorstellung hat Recht per se, indem sie annimmt und aussagt, ein Punkt, der vom Äquator polwärts geht, müsse in Folge der dahin abnehmenden Rotations - Geschwindigkeit der Erdkugel und also zunehmender Rotations-Differenz eine zunehmend westliche Richtung“ annehmen, d. h. nach Osten abbiegen wenn das Motiv eine Impulsion ist. Aber jene Vorstellung leidet an dem Mangel, dass sie die Thatsachen, das vorliegende reale Geschehen, nicht vollständig oder nicht ganz richtig physikalisch umfasst und in Rechnung gezogen hat. Überhaupt hat die Mathematik in abstracto immer Recht wie ein Maassstab, aber in der Geschichte der exakten Wissenschaften ist schon manchmal eine unrichtige Anwendung davon gemacht, welche dennoch lange für Wahrheit gegolten hat, gestützt und geschützt von den grössten Autoritäten. Indess schliesslich muss dennoch die Theorie den Thatsachen sich fügen. Der Äquatorial-Strom, von welchem hier die Rede ist, hat eben kein Impulsions - Motiv, keine vis a tergo, wie eine abgeschossene Kugel, er wird nicht „getrieben” ') -, sondern er wird gezogen, 'er hat ein Aspirations - Motiv, das also vor ihm liegt, und zwar auf der Höhe, d. i. auf einem bestimmten centralen Raum einer Halbkugel, er bringt in der atmosphärischen Cirkulation der Erde die Kompensation für die mit dem Polarstrom nach dem Kalmengürtel, d. i. nach der Peripherie hin, gezogene Luftmenge (demnach auch genau so viel, wie fortgezogen ist, nicht mehr und nicht weniger 2). Deshalb wird — und diess ist die Hauptsache für uns von jenem centralen Aspirations - Raume dem von der Peripherie herkommenden Anti- Polar die Richtung nach einem festen Punkte angewiesen und, so muss man fragen, wie kann der aspirirte Strom dorthin gelangen, ohne von seiner westlichen Richtung aufzugeben, d. h. ohne, anstatt nach Osten zunehmend abzubiegen, nach Norden sich zu wenden? - Dabei wird übrigens dennoch ein Drängen beider Luftströme nach ihrer

rechten Seite hin als Wirkung der Erdrotation Statt haben und zu denken sein und damit wird jeder die entgegendrängende Seite des anderen Stroms berühren müssen.

Mit dieser unserer Vorstellung stimmt das grosse Ganze der Erscheinungen überein, welche mit weiter geographischer Übersicht in ihren gleichzeitigen Bewegungen zu überblicken, das neue Hülfsmittel der Elektrischen Telegraphie uns ermöglicht hat. Wir erkennen so die neben einander liegenden Passate als von gerader (oder doch nur geringer und dann koncentrischer Kurven-) Gestalt und finden deren Verschiebung erfolgend nicht etwa als diejenige gegen einander gerichteter, sich drehender Halbkreise oder Kurven, sondern als eine pendelartige, im Winter um die zwei Kälte-, Barometer- und Windpole strahlenförmig wie die der Speichen eines Rades, das bald nach der einen, bald nach der anderen Seite hin sich dreht. Also das Drehungs-Gesetz der Winde hat bei uns eine andere Gestalt. Wir kennen keine Drehung der beiden Passate in dem Sinne, dass beide in Folge der Erdrotation gegen einander gekrümmt kreisend sich begegnen und sogar sich stauen können; daher kennen wir auch keine aus solcher Gestalt hervorgehenden Wirbelstürme und auch keine Staustürme. Wir meinen wohl, dass der Polarstrom, vom Centrum der Halbkugel nach der Peripherie hin aspirirt, in Folge der Erdrotation zunehmend eine nordöstliche Richtung erfährt, d. h. nach West hin gewendet wird, aber auch, dass der kompensirende AntiPolar, vom Äquator oder der Peripherie nach dem Centrum hin gezogen, beginnend als Südwest, zunehmend weniger westlich wird, d. h. weniger nach Osten hin abbiegt, sondern nach Norden hin gezogen wird; freilich die lokalen Ablenkungen der unteren Schichten bleiben dabei vorbehalten ').

Folgende Zeichnungen werden den besprochenen Unterschied der beiden Vorstellungen von der Gestalt der beiden Passate auf dem ektropischen Gebiete rasch und deutlich versinnlichen.

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') Bekanntlich ist die Richtung des Passatwindes auf den unteren Breiten, nahe dem Äquator, weit mehr eine östliche, ONO., als es die Theorie wegen der hier dem Cylinder ähnlich werdenden Gestalt der Erdkugel erwarten lässt; nach M. Maury's gewiss zuverlässigen Befunden aus zahlreichen Beobachtungen ist dort die Passatrichtung im Mittel: 15° bis 10° N. Br.

52° N. 30' 0.,
10
5

53 30
5

54 30 Dem entspricht aber auch die Gestalt des oben ziehenden rückkehrenden Passats; vielleicht eben, weil er kompensirend ist, folgt er der Richtung des Polars im Ganzen, er erscheint auf den unteren Breiten schon in einer sehr westlichen Richtung, d. h. stark nach Osten hin gewendet; so berichten die Seefahrer vom Zuge der Cirri - Wolken (namentlich Dupetit Thouars) und so erwiesen es die bekannten Ausbrüche der Vulkane, namentlich des auf St. Vincent, dessen Asche ja nach der gerade östlich liegenden Insel Barbadoes (13° N.) geführt wurde.

) Darf man wohl anführen, dass Dove bei der berühmten Begründung seines Drehungs-Gesetzes der Winde (Meteorologische Untersuchungen 1837, S. 125) sagt: „Wird Luft durch irgend eine Ursache vom Pole nach dem Äquator getrieben" und s. 126: „Dauert die Ursache fort, welche die Luft nach dem Äquator trieb?

2) Dennoch kann man selbst in physikalischen Lehrbüchern lesen, es ströme wegen grösserer Breite des wärmeren Äquatorial-Stroms eine grössere Menge luftförmiger Massen vom Äquator nach den Polen hin als durch den entgegengesetzten Strom von dort her.

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Pol

Pol

NO.

NO.

was

Fig.1

Fig.

SW. Äquator

Fragt man, was nun vom berühmten Dove'schen Drehungs-Gesetz der Winde bestehen bleibe, so ist zu

antworten: Das Wesentliche SW Åquator

desselben und damit eins der unvergänglichen Verdienste eines unserer grössten Meteorologen, nämlich das Vorhandensein von zwei Passaten, die wegen ihrer kontrastirenden Eigenschaften auf den ektropischen Breiten (mit überwiegender Drehung der Windfahnen nach rechts) durch ihren Wechsel die Änderungen des Wetters bewirken; nur deren Gestalt ist geändert, nach unserer Vorstellung empirisch und theoretisch berichtigt. Der unbestreitbaren Thatsache, dass bei jenen Wechseln die Windfahnen öfter nach rechts als nach links sich herumdrehen, kann keine wesentliche, sondern nur eine untergeordnete Bedeutung zugeschrieben werden, sie kann nicht etwa als Beweis für die Existenz kreisender (rotirender) Luftströme gelten, weil Niemand im Ernst behaupten wird, es bedürfe zur Umdrehung der Windfahnen auch kreisender Luftströme. Man kann jene Thatsache vielleicht durch die Annahme erklären, dass die Passate auf der nördlichen Hemisphäre immer nach rechts hin aktiv pendulirend vorrücken auf der südlichen nach links hin); aber wenn sie auch vorerst unerklärt bleibt, sie allein genügt nicht, um die aus der Übersicht des grossen Ganzen der Phänomene hervorgehende Vorstellung zu bestimmen oder zu ändern. Es kam uns darauf an, ja es war Pflicht, nachträglich diese zu behaupten gegen weit schwerer wiegende Geltungen, und nicht auf nur negirende Weise, sondern im sicheren Gefühl der Überzeugung, das der Hinblick auf ein gefundenes positives System, in welchem die Thatsachen räumlich in vernünftiger, gesetzlicher Ordnung eingefügt sich zeigen, allein gewähren kann, ist diess hier versucht worden.

Zum Schluss mag hier noch eine allgemeine kritische Bemerkung geäussert werden.

Wenn wir unsere Kenntniss von der Vertheilung der Meteore auf der Erde überblicken, welche ja nur Theile eines grossen Ganzen sind, eines tellurischen Systems oder Triebwerkes in der unteren Schicht der Atmosphäre, so muss ohne Zweifel zugestanden werden, dass bis jetzt vor allen übrigen die Lehre von den Winden die geringste Ausbildung erfahren hat; freilich ist sie auch die schwierigste. In der That, wir kennen doch ziemlich, sowohl was die Empirie wie was die Theorie betrifft, die tellurische Vertheilung der Temperatur, auch diejenige des Wasserdampfes (mit Saturation und Regen) und des Luftdrucks (wenn man nicht zu mikrologische Forderungen stellt), aber bei dem System der Winde ist beides noch sehr mangelhaft, sowohl die empirische Übersicht von dessen Gestalt wie

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft IX.

auch eine allgemeine Theorie ihrer Kausation oder Motivation, überhaupt die Kenntniss der zu Grunde liegenden Gesetzlichkeit der Luftbewegungen '). Trotz Allem, schon geleistet ist, von Nautikern und Klimatologen, fehlt bei der Verwendung des thatsächlichen Materials zur Konstruktion einer befriedigenden Vorstellung zunächst eine Mechanik der Winde.

Wenigstens ist zu wünschen eine klare Darlegung der Prinzipien der Bewegungen im elastischen Fluidum der Atmosphäre zu praktischer Anwendung auf die Winde in geographischer Ausdehnung. Ein Physiker allein kann hier nicht genügen (es sei denn, dass er die Aërostatik und die Pneumatik zu einer Anemologie und Anemographie erweiterte) 2), ein Mathematiker allein kann auch nicht genügen (d'Alembert's Réflexions sur la cause générale des vents, 1747, ist ein verfehlter und verfrühter, leider auch nicht wiederholter Versuch); es bedarf eines mathematischen Geo-Physikers (Hadley weit überbietend, etwa eines Fourier der Winde), welcher, Meer und Land zugleich umfassend, das allgemeine Gesetz aus dem gewonnenen und gesammelten reichen Material von Erfahrungen ableitet und die Phänomene wenigstens zu einer allgemeinen Übersicht in ihrem kausalen Zusammenhange, zu einem in periodischer und nicht periodischer Bewegung befindlichen Ganzen ordnet und komponirt, wenn auch noch viele lokale Besonderheiten und manche jener besonderen Arten, welche die Schiffer und die Gebirgsbewohner empirisch unterscheiden und benennen, als schwierig zu erklärende Probleme und Fälle übrig bleiben würden.

Indessen anzuerkennen sind wenigstens schon einige fundamentale Vorstellungen von der Gestalt des allgemeinen Windsystems, welche gewiss richtig sind und bleibend als Grundzüge sich bewähren werden. Dazu gehören die Hauptcirkulationsströme der Atmosphäre, die Passate, in richtiger Gestalt und Bewegung und auch mit richtigen Motiven auf der rotirenden Erdkugel gedacht, wie sie oben besprochen sind, – ferner die auf der nördlichen Halbkugel unstreitig im Winter (etwa von September bis Mai) bestehenden zwei Windpole (zugleich Kälte- und Barometer - Pole, also überhaupt meteorische Pole, zum Theil auch wohl Pole der magnetischen Intensität), welche die Passate, zu je zwei neben einander gelagert, strahlenförmig umkreisen, indem sie so pendelartig bald nach der einen, bald nach der anderen Seite hin sich verschieben und in Folge ihrer kontrastirenden Eigenschaften damit die Wetteränderungen bewirken, - endlich die Aspiration als allgemeines Motiv der

1) Man kann z. B. darauf hinweisen, dass jede Marine ihr eigenes Windsystem hat oder gar keines, und doch muss es eins geben und nur eins. Auch muss jeder Wind sein Motiv haben, und diess sollte immer bestimmt werden können, wenigstens ob er einer primären oder aber einer sekundären, d. i. kompensirenden, Aspiration angebört. 2) Fehlt doch sogar noch eine Theorie der Drehung der Windfahne.

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Winde, am stärksten wirksam einerseits auf dem hoch er- der beiden Kältepole, wo die Centralstelle der Halbkugel wärmten Äquator- oder Kalmen - Gürtel, welcher als die erkannt werden muss und wo die nothwendige KompenPeripherie der Halbkugel zu betrachten ist, andererseits auf sation der ohne Unterlass fortgezogenen Luft ein der Aspidem in Abkaltung begriffenen Raume des Pols oder genauer ration gleich kommendes Motiv darstellt.

Die politische Neu-Gestaltung von Nord - Deutschland im Jahre 1866.

(Mit 3 Karten, s. Tafel 14 und 15.) •

Wie der Deutsche Krieg von 1866 als eine der ausserordentlichsten Erscheinungen in der Kriegsgeschichte dastehen wird, so ist auch die aus ihm hervorgegangene Veränderung der Karte von Deutschland so umfassend, dass sich keine seit dem 14. Jahrhundert vorgekommene mit ihr vergleichen kann, wenn man die einzige traurige Periode der Napoleonischen Herrschaft ausnimmt. Der Deutsche Bund ist zerfallen, Österreich aus der Verbindung mit den übrigen Ländern des ehemaligen Bundes gelöst, das plötzlich um 1300 Quadrat-Meilen und mehr als 4 Millionen Bewohner vergrösserte Preussen als Deutsche Vormacht anerkannt, in seiner Hand liegt die militärische und diplomatische Führung eines neu zusammengetretenen Bundes, der alles Land von der Ost- und Nordsee bis zum Erzgebirge und dem Main umfasst. Zwar ist Vielen noch nicht genug geschehen, das unerwartet Errungene lässt das letzte Ziel, die vollständige Einigung Deutschlands, wünschenswerther als je erscheinen, aber unzweifelhaft ist ein bedeutendes Stück Weges nach diesem Ziele zurückgelegt.

Durchblättert man einen historischen Atlas, so übersieht man rasch und klar, wie die sprichwörtlich gewordene Buntheit der Karte Deutschlands von der Zeit der Hohenstaufen an bis zu den Napoleonischen Umwälzungen eher zu- als abnahm zählte doch das Deutsche Reich um 1786 nicht weniger als 289 selbstständige Staaten und Reichsstädte und wie sie nach dem Sturze Napoleon's, wenn auch in verringertem Grade, sich fortsetzte. Seitdem macht sich aber die Tendenz zur Einigung ganz entschieden geltend, von den 39 Staaten, aus denen der Deutsche Bund Anfangs bestand, haben nur 28 ihre Selbstständigkeit bewahrt, wobei wir Luxemburg und Österreich mitzählen. Während ehedem Ländertheilungen an der Tagesordnung waren, ist im Laufe der letzten 50 Jahre nur Sachsen-Altenburg als selbstständiger Staat neu hervorgetreten, wogegen Sachsen-Gotha mit Coburg, Hildburghausen mit Meiningen, Anhalt-Bernburg und Köthen mit Dessau, Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen, Holstein, Hannover, Kur-Hessen, Nassau, HessenHomburg und Frankfurt mit Preussen vereinigt wurden.

Wie sehr diese Vereinigungen, die Abrundung einzelner Grenzen und das Wegfallen zahlreicher kleiner Enklaven

das Bild von Nord-Deutschland vereinfacht haben, zeigen die beiden vergleichenden Karten auf Tafel 14; ausser dem bedeutenden Zuwachs, den Preussen ganz besonders durch Hannover und Schleswig-Holstein erfahren, tritt daselbst namentlich die Vereinfachung des politischen Kolorits an Main, Rhein und Lahn hervor, wo die bei Frankfurt und Homburg ihren Gipfel erreichende Zersplitterung einer nur durch das abgerundete Hessische Oberland unterbrochenen Einheit Platz gemacht hat.

Was jetzt noch die Karte bunt färbt, ist ausser dem unruhig gestalteten Braunschweig, das dem Ende seiner Selbstständigkeit entgegen geht, hauptsächlich die Thüringische Staatengruppe, durch die Errichtung des NordDeutschen Bundes unter Preussischer Führung aber haben nicht nur diese kleinen Staaten, sondern auch Sachsen, Mecklenburg und Oldenburg nebst Oberhessen einen grossen Theil ihrer Selbstständigkeit und alle politische Bedeutung eingebüsst.

Eine etwas speziellere Karte des Nord-Deutschen Bundes geben wir auf Tafel 15, wo auch zwei Cartons die Preussischer Seits mit Bayern und dem Grossherzogthum Hessen vereinbarten Gebietsveränderungen in grösserem Maassstabe darstellen; für das eingehendere Verständniss der bei Frankfurt und Homburg vorgenommenen Grenzveränderungen empfehlen wir die Nebenkarte auf Blatt VII des Atlas vom Preussischen Staate (Gotha, bei Justus Perthes).

Als Erläuterung zu beiden Tafeln mögen hier zunächst
die historisch - geographischen Dokumente, auf denen die
jüngste Neu-Gestaltung Deutschlands beruht, in ihren hier
in Betracht kommenden Theilen folgen.
1. Gesetz über die Vereinigung von Hannover, Kur-
Hessen, Nassau und Frankfurt mit der Preus:sischen

Monarchie.
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preussen

s. W., verordnen mit Zustimmung beider Häuser des Landtages, was folgt:

§. 1. Das Königreich Hannover, das Kurfürstenthum Hessen, das Herzogthum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt werden in Gemässheit des Artikel 2 der VerfassungsUrkunde für den Preussischen Staat mit der Preussischen Monarchie für immer vereinigt.

u.

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von

§. 2. Die Preussische Verfassung tritt in diesen Landes- Deutschlands ohne Betheiligung des Österreichischen Kaisertheilen am 1. Oktober 1867 in Kraft; die zu diesem Be- staates. Eben so verspricht Se. Majestät, das engere Bundeshufe nothwendigen Abänderungs-, Zusatz- und Ausführungs- verhältniss anzuerkennen, welches Se. Majestät der König Bestimmungen werden durch besondere Gesetze festgestellt. von Preussen nördlich von der Linie des Mains begründen

wird, und erklärt sich damit einverstanden, dass die südlich 2. Gesetz über die Vereinigung von Holstein und

dieser Linie gelegenen Deutschen Staaten in einen Schleswig mit der Preussischen Monarchie.

Verein zusammentreten, dessen nationale Verbindung mit S. 1. Die Herzogthümer Holstein und Schleswig, mit dem Nord-Deutschen Bunde der näheren Verständigung zwiAusnahme eines durch Vertrag mit dem Grossherzog von schen beiden vorbehalten bleibt und der eine internationale Oldenburg näher zu bestimmenden Gebietstheiles '), werden unabhängige Existenz haben wird. mit der Preussischen Monarchie auf Grund der am 30. Ok- Artikel V. Seine Majestät der Kaiser von Österreich tober 1864 zu Wien zwischen Preussen und Österreich überträgt auf Se. Majestät den König von Preussen alle einerseits und Dänemark andererseits und am 23. Au- Seine im Wiener Frieden vom 30. Oktober 1864 erworbenen gust 1866 in Prag zwischen Preussen und Österreich ab- Rechte auf die Herzogthümer Holstein und Schleswig mit geschlossenen Friedensverträge vereinigt.

der Maassgabe, dass die Bevölkerungen der nördlichen Di§. 2. Die Preussische Verfassung tritt in diesen Landes- strikte von Schleswig, wenn sie durch freie Abstimmung theilen am 1. Oktober 1867 in Kraft u. 8. W.

den Wunsch zu erkennen geben, mit Dänemark vereinigt

zu werden, an Dänemark abgetreten werden sollen. 3. Friedensvertrag zwischen Preussen und Öster

Art. VI. Auf den Wunsch Sr. Majestät des Kaisers von reich, Prag den 23. August 1866.

Österreich erklärt Se. Majestät der König von Preussen Artikel II. Behufs Ausführung des Artikels VI der in Sich bereit, bei den bevorstehenden Veränderungen in Nicolsburg am 26. Juli dieses Jahres abgeschlossenen Frie- Deutschland den gegenwärtigen Territorial-Bestand des Ködens-Präliminarien, und nachdem Se. Majestät der Kaiser nigreichs Sachsen in seinem bisherigen Umfange bestehen der Franzosen durch Seinen bei Sr. Majestät dem Könige zu lassen, indem Er Sich dagegen vorbehält, den Beitrag von Preussen beglaubigten Botschafter amtlich zu Nicols- Sachsens zu den Kriegskosten und die künftige Stellung burg, am 29. Juli ejusdem, hat erklären lassen: Qu'en ce des Königreichs Sachsen innerhalb des Nord-Deutschen Bunqui concerne le Gouvernement de l'Empereur, la Vénétie des durch einen mit Sr. Majestät dem Könige von Sachsen est acquise à l'Italie pour lui être remise à la paix", abzuschliessenden besonderen Friedens - Vertrag näher zu tritt Se. Majestät der Kaiser von Österreich dieser Erklärung regeln. auch Seiner Seits bei und giebt Seine Zustimmung zu der Dagegen verspricht Se. Majestät der Kaiser von ÖsterVereinigung des Lombardo - Venetianischen Königreichs mit reich, die von Sr. Majestät dem Könige von Preussen in dem Königreich Italien, ohne andere lästige Bedingung als Nord-Deutschland herzustellenden neuen Einrichtungen, eindie Liquidirung derjenigen Schulden, welche als auf den schliesslich der Territorial-Veränderungen, anzuerkennen. abgetretenen Landestheilen haftend werden anerkannt wer- Schluss des Artikel XIII. Die hohen Kontrahenten beden, in Übereinstimmung mit dem Vorgange des Traktats halten sich vor, über eine Revision des Handels- und Zollvon Zürich.

vertrags vom 11. April 1865, im Sinne einer grösseren Artikel IV. Se. Majestät der Kaiser von Österreich er- Erleichterung des gegenseitigen Verkehrs, so bald als möglich kennt die Auflösung des bisherigen Deutschen Bundes an 2) in Verhandlung zu treten. Einstweilen soll der gedachte und giebt Seine Zustimmung zu einer neuen Gestaltung Vertrag mit der Maassgabe wieder in Kraft treten, dass

jedem der hohen Kontrahenten vorbehalten bleibt, denselben 1) Nach der Erläuterung des Preussischen Minister-Präsidenten bei nach einer Ankündigung von sechs Monaten ausser WirkVorlage dieses Gesetzentwurfs im Abgeordneten - Haus sind Verhand- samkeit treten zu lassen. lungen zwischen Preussen und Oldenburg eingeleitet über einen Vertrag, welcher zunächst die Anerkennung der Souverainetät des Königs von

Erklärung. Die Regierungen von Preussen und ÖsterPreussen an den Herzogthümern Schleswig-Holstein von Seiten der Ol- reich, von dem Wunsche geleitet, die Eisenbahn-Verbindundenburgischen Linie zum Gegenstand hat und ausserdem eine von der Preussischen Marine - Verwaltung gewünschte Erweiterung des Jade

gen zwischen ihren beiderseitigen Gebieten zu vermehren, gebiets so wie einige Eisenbahnanlagen umfassen soll. Das Herzogthum haben aus Anlass der Friedens - Verhandlungen die unterHolstein soll dabei nur mit einem etwa 2 QMn. nicht übersteigenden Gebietstheil in Mitleidenheit gezogen werden.

zeichneten Bevollmächtigten beauftragt, nachstehende Erklä2) Letzte Sitzung der Bundesversammlung am 24. August zu Augs- rung abzugeben: burg; sie beschliesst, da in Folge der Kriegsereignisse und der Friedens

1. Die Königl. Preussische Regierung verpflichtet sich, verbandlungen der Deutsche Bund als aufgelöst zu betrachten sei, ihre Thätigkeit mit dieser Sitzung zu beendigen.

die Herstellung einer Eisenbahn von einem geeigneten

Punkte der Schlesischen Gebirgsbahn bei Landshut nach der Österreichischen Grenze bei Liebau in der Richtung auf Schwadowitz zuzulassen und zu fördern, wogegen die Kaiserl. Österreichische Regierung ihrerseits die Herstellung einer Eisenbahn von einem geeigneten Punkte der Prag-Brünner Eisenbahn bei Wildenschwert bis zur Preussischen Grenze bei Mittenwalde in der Richtung auf Glatz in gleicher Weise gestatten und fördern wird.

2. Die Kaiserl. Österreichische Regierung wird, wenn die Königl. Preussische es in ihrem Interesse finden sollte, die Führung der Schlesischen Gebirgsbahn nach Glatz über Braunau gestatten, ohne eine Einwirkung auf die Leitung des Betriebes der in ihrem Gebiete belegenen Strecke dieser Bahn in Anspruch zu nehmen, wobei jedoch die Ausübung aller Hoheitsrechte vorbehalten bleibt.

nuar 1867 ab die Erhebung der Schifffahrts - Abgaben auf dem Rhein völlig einstellen, so fern die übrigen Deutschen Uferstaaten des Rheins gleichzeitig die gleiche Maassregel treffen. Die hohen Kontrahenten übernehmen dieselbe Verpflichtung bezüglich der noch bestehenden SchifffahrtsAbgaben auf dem Main.

Artikel XI. Die innerhalb des Gebiets des Nord - Deutschen Bundes und des Grossherzogthums Hessen belegenen Bayerischen Telegraphen-Stationen gehen auf Preussen über.

Artikel XIV. Nachdem zur Wahrung strategischer und Verkehrs - Interessen eine Grenzregulirung als erforderlich befunden worden ist, tritt Se. Majestät der König von Bayern das Bezirksamt Gersfeld und einen Bezirk um Orb nach anliegender Grenzbeschreibung so wie die zwischen Saalfeld und dem Preussischen Landkreis Ziegenrück gelegene Enklave Caulsdorf an Se. Majestät den König von Preussen ab. Die hohen Kontrahenten werden sofort nach dem Austausch der Ratifikationen des gegenwärtigen Vertrags Kommissarien ernennen, welche die Regulirung der Grenze vorzunehmen haben. Von Bayern abzutretende Gebietstheile.

Einw. nach Volkszählung I. Bezirksamt Gersfeld

23.361 II. Landgericht Orb ohne Aura

9.109

32.470
Hierzu Bevölkerungs - Vermehrung in 14 Jahren
um 4,4 Prozent

1.430

Total 33.900 (Die Bevölkerung in Unter - Franken nahm 1861 bis 1864 um 8,7 Prozent zu ').)

ad I. Grenzlinie des in Unter - Franken am Nordwestabhang der Rhön abzutretenden Gebietstheils: Die Nordostund Westgrenzen dieses Gebiets fallen von Altenhof bis zum Querenberg mit der bisherigen Bayerischen Landesgrenze zusammen. Die Südost- und Südgrenze des Territoriums werden durch die Grenzlinie des bisherigen Bayerischen Bezirksamtes Gersfeld gebildet. Diese zieht vom Querenberg an über den Stärnberg und vom Nord- und Westfuss des Heidelstein bis zum Himmeldank - Berg über die Hohe Rhön und von hier westlich über den Eyerhack und Rabenstein - Berg, den Dammersfeld - Kuppenrain, die

Dezember 1864.

4. Friedensvertrag zwischen Preussen und Bayern,

Berlin den 22. August 1866. Artikel V. Se. Majestät der König von Bayern erkennt die Bestimmungen des zwischen Preussen und Österreich zu Nicolsburg vom 26. Juli 1866 abgeschlossenen PräliminarVertrags an und tritt denselben, so weit sie die Zukunft Deutschlands betreffen, auch Seiner Seits bei.

Artikel VII. Die hohen Kontrahenten werden unmittelbar nach Abschluss des Friedens wegen Regelung der ZollvereinsVerhältnisse in Verhandlung treten. Einstweilen sollen der Zollvereinsvertrag vom 16. Mai 1865 und die mit ihm in Verbindung stehenden Vereinbarungen, welche durch den Ausbruch des Kriegs ausser Wirksamkeit gesetzt sind, vom Tage des Austausches der Ratifikationen des gegenwärtigen Vertrages an mit der Maassgabe wieder in Kraft treten, dass jedem der hohen Kontrahenten vorbehalten bleibt, dieselben nach einer Ankündigung von sechs Monaten ausser Wirksamkeit treten zu lassen.

Artikel IX. Die hohen Kontrahenten werden unmittelbar nach Herstellung des Friedens in Deutschland den Zusammentritt von Kommissarien zu dem Zweck veranlassen, um Normen zu vereinbaren, welche geeignet sind, den Personenund Güterverkehr auf den Eisenbahnen möglichst zu fördern, namentlich die Konkurrenz-Verhältnisse in angemessener Weise zu regeln und den allgemeinen Verkehrsinteressen nachtheiligen Bestrebungen der einzelnen Verwaltungen entgegenzutreten. Indem die hohen Kontrahenten darüber einverstanden sind, dass die Herstellung jeder im allgemeinen Interesse begründeten neuen Eisenbahn - Verbindung zuzulassen und so viel als thunlich zu fördern ist, werden sie durch die vorbezeichneten Kommissarien auch in dieser Beziehung die durch die allgemeinen Verkehrsinteressen gebotenen Grundsätze aufstellen lassen.

Artikel X. Die hohen Kontrahenten werden vom 1. Ja

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1) Im 13. Heft der „Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern, herausgegeben vom Königl. Statistischen Bureau”, welches die Resultate der Volkszählung im Königreich Bayern vom Dezember 1864 enthält, wird S. 21 die Zunahme der Bevölkerung in Unter - Franken während der drei Jahre 1861 bis 1864 auf 2,66 Prozent angegeben, ja hiernach betrug die Zunahme sogar in den 24 Jahren von 1840 bis 1864 nur 6,65 Prozent. Der oben angeführten Berechnung liegt daher ein Irrthum zu Grunde und in der That liest man in der Augsburger Allgem, Zeitung vom 31. August 1866: „Bei Vorlage des Friedens-Vertrags in der Sitzung der Bayerischen Abgeordneten - Kammer vom 28. August gab der Staatsminister des Äusseren eine faktische Berichtigung bezüglich der in der Beilage zum Friedens - Vertrag enthaltenen ziffernnässigen Angaben über den Stand der Bevölkerung in den abzutretenden Gebietstheilen, indem die dort angegebene Bevölkerungs-Vermehrung auf einem bereits berichtigten Irrthum beruhe.”

A. P.

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