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unter 13 tausend Pud (60.000 Pf.) fossiles Elfenbein notirt sind und zwei Jahrgänge fast 2000 Pud aufweisen, ausserdem aber jährlich in Turuchansk 80 bis 100 und in Obdorsk 75 bis 100 Pud sich sammeln. Da im Norden die Stosszähne kleiner zu werden pflegen, in Neu-Sibirien ein Zahn nicht über 120 Pf. wiegen soll, so kann man nicht zweifeln, dass die angegebene Quantität wenigstens von 150 Individuen herstammt. Bedenkt man aber, dass sehr viele Zähne entweder in einzelnen Theilen oder im Ganzen gar

nicht mehr brauchbar sind, wenn sie zu lange den äusseren Einflüssen ausgesetzt lagen, und deswegen entweder gar nicht oder nur mit einzelnen Stücken in den Handel kommen, und fügt man noch hinzu, dass unter den gefundenen Zähnen nicht selten auch solche von ganz jungen Individuen vorkommen, von denen ein Zahn weniger als 40 Pf. wiegt, so kann man die Zahl der Individuen, deren Zähne jährlich in den Handel kommen, wohl auf 200 schätzen. Herr v. Middendorff rechnet nur 100 Individuen, aber, wie es scheint, nur in dem Bestreben, nicht zu hoch zu greifen. Bedenkt man nun, dass dieses eifrige Suchen nach fossilem Elfenbein schon zwei Jahrhunderte, ja wahrscheinlich seitdem die Russen sich über ganz Sibirien verbreitet haben, besteht, dass aber schon lange vorher gegrabenes Elfenbein ein werthvoller Gegenstand für Asiatische Künstler verschiedener Art war, so muss man erstaunen, dass der Vorrath nicht längst erschöpft ist. Früher schon wurde der alte Naturforscher Theophrast erwähnt. Er nennt das fossile Elfenbein, ohne zu sagen, von wo es damals kam. Der Sinolog Klaproth hat nachgewiesen, dass in den Schriften der Chinesen schon im 5. Jahrhundert vor Christo Nachrichten vom Mammuth vorkommen, die es freilich als ein in der Erde noch lebendes Thier behandeln. Da in späteren Schriften desselben Volkes bestimmt gesagt wird, dass dieses Thier im hohen Norden, bis an das Eismeer, vorkommt und dass die Zähne verarbeitet werden, so kann man nicht zweifeln, dass das Sibirische gegrabene Elfenbein schon in alter Zeit nach China ausgeführt wurde (Olfers, Abh. der Akademie zu Berlin, 1839).

„Mein Taimyr - Mammuth lag über einem geröllhaltigen, 5 Faden (à 7 Fuss) tief blossliegenden Sandgeschütte, in horizontal abgelagerten und mit einander wechselnden Sandund Thonschichten, welche letztere nur 1 Faden Mächtigkeit besassen und offenbar unter anderen Verhältnissen abgelagert waren als das eben genannte tiefer liegende Sandgeschütte. Spuren von Meeres - Mollusken waren nicht zu sehen, aber die auf der halben Höhe des Abhanges befindliche, nur zolldicke und mit Grus vermischte horizontale Schicht fein geriebener Braunkohle bewies das frühere Vorhandensein einer andauernden, waschenden, schlämmenden und sortirenden Wirkung eines nicht stürmisch bewegten Gewässers. Die Entstehung des geröllhaltigen Sandgeschüttes einer (Diluvial-) Katastrophe zuzuschreiben, erlaubte folglich das Vorhandensein dieser Braunkohlenschicht nicht. Es ist also vorzuziehen, dass wir das Sandgeschütte mit seinen mineralogisch verschiedenartigen Geröllen, welche aber alle darin übereinstimmten, dass sie nicht über Kopfgrösse hatten, von Eisschollen aus den verschiedensten Richtungen herbeiführen und an sehr seichter Stelle, wohin nur kleine Schollen gelangen konnten, auf den Meeresgrund fallen lassen. Wollten wir das Zusammenschieben dieser Geschütte der Wirkung von Strömen süssen Wassers zuschreiben, so müsste eine Gewalt der Strömung vorausgesetzt werden, die im Widerspruche zu der Braunkohlenschicht und auch zur Thonschicht steht, welche ruhiges Gewässer voraussetzt, und dennoch bliebe eine solche Strömung die Erklärung. schuldig, auf welche Weise unter die Gerölle dieser Schuttmassen gerade nur selten ein Stück der ringsum anstehenden Kalksteine gekommen war, dagegen krystallinische Gerölle fast ausschliesslich vorwalteten, aus Granit, Gneis, Glimmerschiefer, Feldspath u. s. w. bestehend, Gesteinsarten, die ich erst weit nördlicher, mithin flussabwärts, anstehen fand.

Wie dem nun auch sei, die über dem Geschütte liegenden geröllfreien Sand- und Thonschichten, in denen das Mammuth lag, waren so übereinstimmend mit ähnlichen, welchen ich schon häufig in der Tundra und am TaimyrFlusse begegnet war, dass mir über die Identität dieser den geröllführenden Sandschichten stets aufgelagerten geröllfreieren Schichten kein Zweifel blieb. Ich halte sie für Auflagerungen, welche im seichten Wasser der sich aus dem Meere emporhebenden jungen Küsten zusammengewaschen wurden, also für Meeresalluvionen jener Periode. Da ich in und auf vielen derselben, und zwar auch ziemlich nahe vom Mammuth, Meeresmuscheln fand, welche Thieren angehört hatten, die man noch jetzt im Eismeer lebend findet, so erklärte ich in meinem Reiseberichte, die Mammuthe hätten zu einer Zeit in Sibirien existirt, als das Klima dieses Landes dem jetzigen gleich oder wenigstens sehr ähnlich war. Nachdem jetzt das Noah - Holz für

3. Zeit des Aussterbens der Mammuthe. Dass die ehemaligen Riesenthiere Sibiriens eine lange Zeit, wohl Jahrtausende hindurch daselbst lebten und starben, wird nicht mehr bezweifelt, die Annahme gewaltiger Katastrophen, wie sie früher zur Erklärung vieler geologischer Verhältnisse nöthig schienen, lässt man ja überhaupt mehr und mehr fallen; aber in welcher geologischen Periode haben wir uns jene Thiere lebend zu denken? v. Middendorff, der Einzige, der die Lagerstätte eines Mammuth an Ort und Stelle sachkundig untersucht hat, lässt sich darüber in folgenden Worten aus:

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Lärchenholz südlicherer Breiten befunden worden, dürfen wir dasselbe mit noch mehr Entschiedenheit sogar auch für Süd-Sibirien behaupten. Übrigens hätte es kaum dieser Beweise bedurft, da eine so plötzliche Abkühlung des Erdballs, wie die frühere Theorie sie voraussetzte, bei unserer jetzigen Einsicht in die kosmisch-tellurischen TemperaturVorgänge gewiss nicht denkbar ist.

Man setzte voraus, dass Thiere eines warmen Klima's, Elephanten der Vorwelt, gleich den jetzigen in Palmenwäldern lebend, bevor ihre Leichen Zeit fanden, in Fäulniss zu gerathen, schon in Eis und bleibend gefrorenem Boden begraben wurden. Die Geologie ist im Gegentheil jetzt so weit fortgeschritten, dass eine regelmässig fortschreitende Abkühlung der Erdoberfläche während der Tertiär-Periode nachgewiesen und sogar in Thermometergraden abgeschätzt worden ist (s. Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, 1859, S. 309). Hatte also das Klima zur eocenen Zeit einen entschieden tropischen Charakter und waren noch zur Zeit der obermiocenen Bildungen subtropische und der warmen Zone angehörige Pflanzen- und Thiertypen in der Mehrzahl vorhanden und war die mittlere Jahres - Temperatur innerhalb des Polarkreises damals um viele Grade höher als jetzt, so dürfen wir die Mammuthe keiner früheren Periode als der Übergangszeit aus der pliocenen in die postpliocene zuzählen."

Nach v. Baer ist es nicht zweifelhaft, dass die Mammuthe mit den Menschen zugleich gelebt haben. Eine Gegend Frankreichs, le Périgord genannt und zu dem Département de la Dordogne gehörig, ist von tiefen Schluchten durchzogen, in deren Wänden man häufig Aushöhlungen sieht. Diese Höhlen sind seit einigen Jahren dadurch berühmt geworden, dass man in ihnen mannigfache Spuren von sehr frühen Bewohnern gefunden hat, namentlich Werkzeuge von Stein, Knochen und Geweihen. Ausser den zu Werkzeugen bearbeiteten Knochen fand man aber auch grosse Röhrenknochen, die so behandelt waren, wie die alten Völker sie zu brechen pflegten, um zu dem Marke zu gelangen. Man erkannte daraus, wie auch an anderen Orten, dass manche Thiere, von denen Cuvier geglaubt hatte, dass sie schon ausgestorben waren, als die Menschen erschienen, doch mit Menschen zugleich gelebt und von diesen für ihre Nahrung erlegt worden sind. Es wurde immer wahrscheinlicher, dass auch die Mammuthe zur Zeit der frühesten Menschen in Frankreich gewesen seien, allein ein bestimmter Beweis wollte sich lange nicht finden. Nun hat Vibraye in der letzten Zeit früh bearbeitetes Elfenbein nachgewiesen und im vorigen Jahre die Figur eines Mammuth - Kopfes gefunden, die auf ein Geweih eingegraben war. Viel wichtiger aber ist ein Fund des ausgezeichneten Geologen Lartet. Er hatte in den Höhlen des Périgord schon früher Figuren

von Thieren, natürlich in ziemlich rohen Umrissen, aber doch erkennbar, auf Geweihen und Knochen eingegraben gefunden und publicirt. Im Mai 1864 besuchte er wieder in Begleitung des Englischen Paläontologen Falconer die Höhle la Madelaine, welche besonders die eingekratzten Bilder geliefert hatte, da in ihr ein frühzeitiges künstlerisches Talent gelebt haben muss. Hier fand

er nun fünf Bruchstücke einer dicken Elfenbeinplatte, auf der zahlreiche eingegrabene Linien unverkennbar ein Mammuth darstellen. Es scheint unzweifelhaft, dass diese Darstellung aus der sogenannten Steinperiode stammt.

Wie Brandt vermuthet, hat der Mensch sogar die Schuld an dem Untergang des Mammuth. Auf den ersten Blick scheint es zwar nicht recht glaublich, dass die Vertilgung solch riesiger Thiere, wie die der Dronte, der Steller'schen Seekuh, des Grossen Alk u. s. w., durch Menschen bewirkt worden sei, namentlich wenn sie mittelst Feuersteinwaffen hätte geschehen müssen, da die Mammuthe in Frankreich zu einer Zeit untergegangen zu sein scheinen, als die dortigen alten Bewohner noch keine Metallwaffen kannten. Bedenkt man indess, dass gegenwärtig nicht bloss in OstIndien und auf Ceylon, sondern auch in Afrika, im Lande der Hottentotten, Elephanten in Gruben gefangen werden, dass man ferner im alten Päonien wie auch im alten Germanien die wilden Ochsen in Gruben fing, so könnten auch sehr wohl die alten Bewohner Galliens u. s. w. sich möglicher Weise dieser Methode zum Fang der Mammuthe bedient haben.

Historisch lässt sich nicht nachweisen, wann die Mammuthe ausstarben. Selbst die Sibirischen Sagen, so weit man sie kennt, berichten gewöhnlich nur von einem unter der Erde lebenden Mammuth und gründen sich also wohl auf Funde von Mammuth-Leichen. Eine von Bell (Travels, T. II, p. 148) mitgetheilte Sage spricht freilich von zwar lebenden, aber nur in der Morgendämmerung sichtbaren Mammuthen. Noch eine, die Erman (Reise, Abth. I, Bd. I, S. 711) nach Aussage der Jukagiren anführt, deutet darauf hin, dass die Vorfahren dieses Volkes mit grossen Thieren, worunter wohl Mammuthe und Nashörner zu verstehen sind, die aber irrthümlich als riesige Vögel bezeichnet wurden (die Oberschädel der fossilen Nashörner deuten die Eingebornen als Köpfe, die Hörner derselben als Krallen des Riesenvogels), um den Besitz des Landes gestritten hätten. In den ältesten Chinesischen Schriftstellern sind Sagen von unter, nicht aber über der Erde lebenden Mammuthen vorhanden. Die ganze Griechische und Römische Literatur kennt durchaus keine Europäischen oder Nord-Asiatischen behaarten Elephanten. Dass der Odontotyrannus der alten Griechen kein Mammuth gewesen sei, hat Brandt umständlich nachgewiesen (Bulletin sc., 3me série, T. III, p. 335).

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4. Haben die Mammuthe am Polarmeer gelebt?

Der Hauptpunkt in der Mammuth - Angelegenheit ist wohl ohne Zweifel die Frage, ob das Mammuth einstmals in den jetzt waldlosen Küstenstrichen des Polarmeeres gelebt hat und ob mithin jene Küstenstriche in der Vorzeit Baumwuchs und wärmeres Klima hatten, oder ob die Gerippe und Leichen der Riesenthiere aus dem bewaldeten südlichen Sibirien nach dem Norden hinabgeschwemmt wurden.

Es wurde schon angedeutet, dass v. Middendorff entschieden und mit guten Gründen die letztere Ansicht gegenüber der früher allgemein verbreiteten ersteren vertritt. Gestützt auf seine Beweisführung für die Annahme, dass das Noah-Holz ohne Ausnahme Schwemm- und Treibholz, also nicht in Nord-Sibirien gewachsen ist, dass die Sibirischen Küsten zu einer Zeit aus dem Meere emporgestiegen sind, wo das Klima kein wesentlich anderes war als heute, fasst er seine Ansicht in folgenden Worten zusammen: „Alles bekräftigt uns in der Ansicht, dass die vorweltlichen Riesenthiere, die Mammuthe und Nashörner, in Mittel- und Süd-Sibirien gelebt haben, und zwar zu einer Zeit, als das Klima dort beinahe oder ganz eben so beschaffen war als jetzt. Ihre Leichen wurden durch die Hochfluthen der Gewässer wahrscheinlich zugleich mit der Eisdecke) hinabgeschwemmt und im Hochnorden dort verschlämmt, wo die Thiere nie gelebt. Während also an den Orten, wo die Mammuthe leben konnten und gelebt haben, nicht selten ihre Überreste bekunden, dass das Thierbei lebendigem Leibe in Versinkstellen durchgebrochen, der Art aufrecht umgekommen und begraben worden war, setzen wir voraus, dass im nördlichsten Sibirien auch zukünftig die Leiber der fossilen Thiere nur in liegender Körperstellung gefunden werden. – Die Nordgrenze der früheren Verbreitung der Mammuthe und Nashörner wird sich erst aus der Nordgrenze vorgekommener Beispiele von solchen Leichnamen oder Gerippen entnehmen lassen, welche unzweifelhaft auf Umkommen des Thieres durch Versinken deuten; höchst wahrscheinlich werden solche, in aufrechter Stellung eingebettete Thiere den Polarkreis kaum erreichen."

Zu der Voraussetzung einer stets liegenden Körperstellung hat jedenfalls das von dem Reisenden selbst gefundene Mammuth wesentlich beigetragen, andere Nachrichten, z. B. die von Sarytschew (s. oben), lassen aber diese Voraussetzung als nicht hinlänglich begründet erscheinen und auch abgesehen davon bleibt noch das Bedenken, ob Thierleichen ohne bedeutendere Beschädigung so weite Strecken hinabgeschwemmt werden konnten.

Daher ist die gleichsam vermittelnde Ansicht Brandt's sehr beachtenswerth. Er sagt: „Fälle von in aufrechter Stellung gefundenen Mammuth-Leichen sind mehrere bekannt und sie waren es, die in Verbindung mit der Ansicht, dass

wohl erhaltene, mit unverletzter Haut und festsitzenden Haaren versehene Leichen nicht geschwemmt sein könnten, mich veranlassten, bereits in einem an Al. v. Humboldt gerichteten Sendschreiben (Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Abhandlungen der Königl. Preussischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahre 1846, S. 224 ff.) die Ansicht auszusprechen, die wohl erhaltenen MammuthLeichen seien an ihrem Fundorte selbst (den Flussufern) im Schlamm versunken '), dann aber auch noch mehr von den Flüssen mit Schlamm bedeckt worden, worauf sie sehr bald darnach einfroren, was natürlich nur im Herbst und in Folge eines bald eingetretenen anhaltenden Frostes geschehen konnte. Ein harter darauf folgender Winter that das Übrige, während der kalte Schlamm, womit sie im nächsten Frühling und im weiteren Verlaufe der Zeit bedeckt wurden, sie gegen das Aufthauen schützte. Später auf meine Veranlassung von Seiten der Akademie aus OstSibirien eingezogene Nachrichten enthalten unter anderen den Satz, dass die Leichen der Mammuthe stets in aufrechter Stellung in gefrorenem Boden gefunden worden seien. Sie sprechen also für meine Theorie der Entstehung der im gefrorenen Boden steckenden, noch wohl erhaltenen, nicht geschwemmten (liegenden) Mammuth - Leichen, woraus folgern ist, dass die Mammuthe, deren Leichen nicht transportirt wurden, sondern intakt seit dem Tode der Thiere, denen sie angehörten, noch in ihrer normalen Lage (d. h. in aufrechter Stellung) sich befinden, an ihrem Fundorte lebten. Da nun aber gerade die intakten Leichen in so nördlichen, gegenwärtig so vegetationsarmen, öden Gegenden vorkommen, wo so grosse Thiere wie die Mammuthe heut zu Tage weder die gehörige Menge noch die für sie geeignete Nahrung finden könnten, so darf man wohl daran denken, dass das Klima des hohen Nordens von Sibirien früher ein anderes, namentlich ein solches gewesen sein dürfte, welches eine reichlichere Vegetation, namentlich eine weit grössere Ausdehnung der Wälder nach Norden gestattete. Das frühere Vorhandensein einer selbst nur der südlicheren gemässigten Zone entsprechenden Temperatur zur Zeit des Einfrierens der von lebenden Individuen herrührenden Mammuth - Leichen darf indessen deshalb nicht angenommen werden, da die Mammuthe sonst nicht hätten einfrieren und gefroren bleiben können. Was die liegend gefundenen Leichen anlangt, so werden sie als solche zu betrachten sein, welche entweder aus ihrem natürlichen Fundorte durch Erdstürze (wie namentlich selbst das von Adams beobachtete) oder Unterwaschungen losgerissen oder

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1) Merkwürdig genug soll in Sibirien eine Sage herrschen, die Mammuthe lebten im Schlamme, worin sie versänken und stürben (Ysbrandt Ides' Gesandtschaftsreise nach China, Kap. 6 und 20), eine Sage, die auf meine Theorie hindeuten würde.

Brandt.

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Die Luleå - Elf, Kanalanlagen und Eisenbahnbauten in Lappland.

Von Dr. C. F. Frisch in Stockholm.

Die Skandinavische Halbinsel gleicht nach Forsell's Ausdruck ") einer ungeheuren, von Osten kommenden Sturmwelle, die in dem Augenblick, da sie sich brechen wollte, erstarrt ist, oder man kann sich, wie P. A. Munch 2) sagt, leicht ein Generalprofil des Landes machen, wenn man z. B. in der grössten Breite zwischen Bergen und Stockholm etwa 100 Deutsche Meilen eine Grundlinie zieht, an das westliche Ende derselben einen Winkel von 45° ansetzt, eine Linie nach einem Punkte zieht, der 3500 oder wohl 4000 Fuss über der Grundlinie liegt, auf dieser Höhe eine Linie parallel mit der Grundlinie zieht, deren Länge etwa den dritten Theil derselben beträgt, und nun den östlichen Endpunkt dieser Linie mit dem östlichen Endpunkte der Grundlinie verbindet. Die auf solche Weise entstandene Figur wird eine zwar rohe, aber doch richtige Ansicht von der Bodenbeschaffenheit des Landes geben.

Die Halbinsel erhebt sich also schroff und steil aus den Fluthen des Eismeeres und des Atlantischen Oceans zu einem 3- bis 4000 Fuss hohen, 20 bis 30 Deutsche Meilen breiten Gebirgsplateau. Dorthin treibt der Westwind die regenschwangeren Wolken und die Wassermassen, welche dampfförmig aus dem Meere aufsteigen, das an den Norwegischen Küsten eine höhere Temperatur besitzt als irgendwo auf Erden unter gleicher Breite und niemals zufriert, indem der Golfstrom stets warme Gewässer aus den Tropen hierher führt. Diese regenschweren Wolken aber vermögen es nicht, die weiten Gebirgsebenen zu überschreiten, und es bildet sich daher dort oben ein ungeheurer Niederschlag, von welchem so zu sagen kein Tropfen verloren geht, da in diesen kalten Regionen die Sonne nicht die Kraft hat, einen

bedeutenden Abdampfungsprozess zu bewirken, und der harte Felsen kein Versickern zulässt. Daher bilden sich denn in allen kleineren oder grösseren Vertiefungen Bergsee'n, die ihr Wasser bach- oder flussförmig fortschicken, wo irgend ein Auslauf möglich ist. Hier giebt es noch keine scharfe Flussrinne, die Flüsse sind nur Reihen von Landsee'n, verbunden durch kurze Stromschnellen, welche öfters bedeutende Wasserfälle bilden. Das auf der obersten Terrasse aufgestaute Wasser findet endlich eine Rinne und bricht ungestüm hervor, um sogleich wieder in einem etwas niedrigeren Niveau aufgestaut zu werden, und so weiter, bis es die unterste Stufe erreicht hat, wo es endlich ganz flussförmig die letzten Meilen durchläuft. Dieser allgemeine Charakter der sämmtlichen im Hochlande entspringenden Flüsse der Skandinavischen Halbinsel ist natürlich in den gegen Westen abfliessenden oder vielmehr abstürzenden, d. h. in den Norwegischen, nicht so augenscheinlich ausgeprägt, weil diese trotz ihres grossen Wasserreichthums einen kurzen Lauf haben und der Abhang steil ist, so dass oft der Unterschied zwischen dem Obersten und dem Niedrigsten durch einen einzigen Wasserfall ausgeglichen wird. Dagegen nimmt man an der östlichen, der Schwedischen Seite bei allen Flüssen mehrere Terrassen wahr, deren jede durch einen oder mehrere Landsee'n und durch einen Wasserfall kenntlich ist.

Kein Fluss liefert von diesem Charakter, der allen im Hochlande entspringenden Flüssen Skandinaviens gemeinschaftlich ist, ein so augenscheinliches Bild als die Luleå-Elf'),

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1) C. af Forsell: Statistik öfver Sverige, 4. Aufl. Stockholm 1844, S. 2.

2) „Übersicht der Orographie Norwegens" in G. M. Keilhau's Gaea Norwegica, Christiania 1838 bis 1850 (3 Hefte), Heft 3.

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft IX.

") Luleå - Elf ist eigentlich ein Pleonasmus, denn „Elf”, Plural „Elfvar” (sprich: Älw, Älwar) im Schwedischen, „Elv”, Plural „Elve”, im Norwegischen, bezeichnet einen grossen, im Hochlande entspringenden Fluss, einen Strom; mit dem Schwedischen Worte „Å”, Plural „å ar” (sprich: 0, Oar), so wie mit dem eben so auszusprechenden Norwegischen „Aa”, Plural „Aaer", dagegen bezeichnet man einen kleineren Fluss, ja wohl gar einen Bach. Richtiger würde man also bei allen diesen nördlichen Flüssen das å weglassen und sagen: Torne-, Lule-,

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welche überhaupt einer der grössten Ströme, wo nicht von allen der grösste und wasserreichste Fluss Schwedens ist, der das bedeutendste Wassersystem des Landes bildet und überdiess durch die in dem unteren Laufe jetzt in Ausführung begriffenen Kanalanlagen zur Schiffbarmachung desselben, so wie ferner durch die Eisenbahnbauten bis an den Eisenerzberg Gellivara nicht allein in Schweden, sondern auch im Ausland eine allgemeinere Aufmerksamkeit auf sich zieht, daher wir hier eine nähere Beschreibung desselben liefern.

Der Fluss entsteht aus zwei Quellflüssen, welche man mit den Hauptnamen Stora Luleå-Elf und Lilla Luleå-Elf (die Grosse und die Kleine Luleå-Elf) bezeichnet, obgleich dieselben im Hochlande zwischen den verschiedenen Landsee'n, welche sie mit einander in Verbindung setzen, verschiedene Namen haben. Beide entspringen dicht neben einander etwa unter 67° 10' N. Br., in der Nähe des höchsten Berges Schwedens so wie überhaupt des nördlichen Theiles der Skandinavischen Halbinsel, des an der Grenze zwischen Schweden und Norwegen belegenen Suoloitjälma, gewöhnlich Sulitelma geschrieben, dessen Höhe C. A. Pettersson auf 6314,6 Schwedische Fuss bestimmt ').

Die Grosse Luleå-Elf entspringt aus den beiden Landsee'n Sorjásjaur (2814 Schwedische Fuss) und Stipisjaur und fällt bald in den bedeutenden Virijaur (1948 Fuss), welcher links den am Fusse des Talpajägna befindlichen Kasakjokk und den Rakokjokk, rechts aber den Eltjokk, Lemajokk und den vom Berge Alkavare kommenden Malädno aufnimmt und darauf in nördlicher Richtung in den ebenfalls grossen Vastijaur (1908 F.) abfliesst, welcher

rechts den ebenfalls vom Alkavare kommenden Luoddijokk aufnimmt. Aus dem Vastijaur fliesst der Fluss in nordöstlicher Richtung und fällt, nachdem er links den Abfluss der See'n Numirjaur und Salojaur aufgenommen hat, in den kleineren Kotjaur, dem links der Abfluss der See'n Stupir-, Vikir-, Pajkas- und Kalpisjaur und rechts der Kiserisjokk zuströmen. Dieselbe Richtung beibehaltend und an der nordwestlichen Seite des Berges Akkavare hinfliessend fällt dann der Fluss in die wenigstens 18 Deutsche Meilen lange Reihe von Landsee'n, welche terrassenförmig über einander liegen und welche man wohl mit einem gemeinschaftlichen Namen Stora Luleå-Vatten (Grosses Luleå-Wasser) benennt, welche jedoch verschiedene Namen haben. Auf der obersten Terrasse sind die See'n Vajsatuokte, Tsidnajaur und Suorvajaur (1108,47 F.); der letztgenannte stürzt in zwei breiten Wasserfällen, nämlich dem 34,3 F. hohen Uotsamuorkikortje und dem ausserordentlich imposanten und schönen Ädnamuorkikortje, d. h. Grosser Nebelfall (134,51 F. hoch, davon 80 F. senkrecht), in den 940,66 F. hohen Langasjaur, welcher dann unmittelbar mit dem Stuor Luleåjaur, dem grössten dieser Reihe und zugleich dem letzten, durch welchen der Fluss fliesst, zusammenhängt. Von den zahlreichen Nebenflüssen, die in diese See'n fallen, erwähnen wir nur den Satisjokk, welcher an der linken Seite ganz in der Nähe des Wasserfalls Ädnamuorkikortje mündet und der Abfluss einer über 20 Deutsche Meilen langen Reihe von bedeutenden Landsee'n ist, von denen Silus-, Situs-, Tjåsak-, Virtus-, Kakirund Satisjaur die grössten sind. Diesem beinahe gegenüber mündet rechts der Abfluss des Petsaur und weiter unterhalb der Aronjokk, Luosajokk u. a., so wie links der Sjaunjaädno. Bald nachdem der nun völlig entwickelte und mächtige Strom die Seeterrasse bei dem Dorfe Porjus verlassen hat, bildet er das Wunder der Welt, den herrlichen Wasserfall Njommelsaska, d. i. Hasensprung, an der Westseite des Fjäll Ananas und darauf bis Vuollerim (222 F. hoch), wo er sich in einer ungemein grossartigen Gegend mit der Kleinen Luleå - Elf vereinigt. Unter den Nebenflüssen, die er auf dieser Strecke aufnimmt, erwähnen wir links den bedeutenden Muddusädno, Abfluss des Muddusape (1152,84 F.) und des wohl 35 Deutsche Quadrat-Meilen grossen Sumpfes Muddus, der leicht trocken gelegt werden könnte und dann ein fruchtbarer Landstrich werden würde; links ist der Abfluss des schönen Anajaur, der Anajokk, mit einem schönen Wasserfall, so wie der Suksjokk.

Die Beschreibung des Njommelsaska entlehnen wir von Pettersson. „Unterhalb des Falles ist der Fluss so schmal, dass ich meinte, ich wäre an einen Bach gekommen. Bald aber überzeugte ich mich, dass ich eines von den Wundern der Welt erreicht hatte. Ich will versuchen, hier diesen merkwürdigen Wasserfall zu beschreiben, indem ich die

Pite-, Skellefte-, Ume-Elf, was auch wohl geschieht. Dennoch behalten wir hier den gewöhnlichen Ausdruck bei, weil er hergenommen sein kann von der an der Mündung des Flusses liegenden Stadt Luleå, was in Schweden sehr gewöhnlich ist. Andere hier vorkommende Lappländische Bezeichnungen nebst der Schwedischen und Deutschen Übersetzung sind folgende: Tuodar (Fjäll, hoher Berg), Vare (Berg), Jaur (Sjö, Landsee) Ädno (Elf, grosser Fluss), Jokk (A, kleiner Fluss), Kortje (Fall, Wasserfall), Kuojka (Forss, Stromschnelle), Ape (stor Myra, grosser Sumpf).

") C. A. Pettersson, Kapitän - Lieutenant bei der Flotto, Direktor der Stockholmer Navigations-Schule, war in den Sommern der vier Jahre 1859 bis 1862 in jenen bisher wenig bekannten Ländern von Norbottens Län, um im Auftrag der Regierung zur Anfertigung genauerer Karten astronomische Beobachtungen anzustellen. Nach seinen Anzeichnungen und Zeichnungen (er starb leider schon 1864) wird jetzt ein schönes Prachtwerk über die Lappmarken herausgegeben, von welchem bis jetzt 9 Hefte erschienen sind und worin auch eine schöne Karte über Norbottens Län veröffentlicht ist. Diese Karte nebst den gedruckten Notizen so wie mündliche Mittheilungen liegen der folgenden Beschreibung besonders zu Grunde.

Da 1 Schwedischer Fuss (im Folgenden immer angewendet) 0,9189946 Pariser oder 0,94598 Rheinländische Fuss ist, so wäre der Sulitelma 5771,5 Pariser Fuss hoch. Dagegen bestimmt G. Wahlenberg, Mätningar under 67 Breddgraden 1807 (aus dem Schwedischen von Hausmann, Göttingen 1812) ihn nach Barometer - Messungen auf 5796 Par. F. und nach trigonometrischen noch um 134 Fuss höher, also auf 5930 Fuss.

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