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kann erst dann von Bedeutung werden, wenn Bolivia mit dem Stillen Ocean durch einen Eisenschienenweg in direkte Verbindung gesetzt, der Handel und die Industrie durch eingeführte grosse Kapitale gehoben und der Verkehr dadurch lebhafter wird.

Unter der geringen Zahl der Einwanderer bilden die

Italiener, Spanier und Franzosen die Majorität, während die Deutschen nur sehr spärlich vertreten sind. Im J. 1862 betrug ihre Zahl im ganzen Lande höchstens 80 Mann, die meistens vom Bergbau leben und daher nur die höheren ungemüthlichen Regionen bewohnen.

Geographische Notizen.

Die Nilquellseen des Ptolemäus.

Professor Fr. Schiern in Kopenhagen schreibt an die Redaktion der „Annales des Voyages", dass sich im vierten Bande der „Geographiae veteris Scriptores Graeci Minores" von Hudson (Oxoniae 1712) einige geographische Bruchstücke vorfinden, welche eine Beschreibung des Nillaufes nach Ptolemäus geben, aber dabei einige neue Details enthalten, aus denen hervorgeht, dass sie aus späterer Zeit datiren. Darin wird der östliche Nilquellsee des Ptolemäus Krokodil-See (f/ rüv xQoxoäetX(ov Ufivri), der westliche See der Katarakten {fj xüv xuxagaxTiüv Xlftytj) genannt. Nun berichtet aber Baker von zahlreichen, zum Theil grossartigen Katarakten, die über die steilen Felsenufer des Luta Nzige oder Albert Nyanza herabfallen, und es dürfte diess eine kräftige Stütze für die Annahme sein, dass wir in dem Ukerewe den östlichen, im Luta Nzige den westlichen Nilquellsee der Alten zu suchen haben.

Thierbilder aus Süd-Afrika.

Ein nicht geringer Reiz von Livingstone's erstem Reisewerk, den berühmten „Missionary Travels in South Africa", lag in den häufig eingestreuten Beobachtungen über das Leben und Treiben der Thiere, die eben so sinnig und mit Liebe zur Natur aufgefasst als anmuthig und anspruchslos erzählt waren. Auch in seinem neuen Reisewcrke fehlt es nicht an solchen Beobachtungen und sie tragen wesentlich dazu bei, das Buch zu einer unterhaltenden Lektüre zu machen. Als Probe geben wir nachfolgende kleine Schilderungen nach der bei Costenoble in Jena erschienenen Übersetzung von Martin ').

Elephanten sind zahlreich au den Ufern des NyassaSee's und überraschend zahm, da man sie oft dicht an den Dörfern findet. Flusspferde schwärmen sehr viele in ihrer Gemächlichkeit in den Buchten und Lagunen und im See selbst sieht man bisweilen Heerden derselben. Ihre Zahmheit rührt davon her, dass vergiftete Pfeile weder auf den Elephanten noch auf das Flusspferd eine Wirkung haben. Fünf von jedem wurden während unserer Reise geschossen, um Lebensmittel zu bekommen. Zwei der Elephanten waren "Weibchen und hatten jeder nur einen einzigen Stosszahn, auch wurde jeder derselben durch den ersten Schuss getödtet. Wenn man hinsichtlich der Nahrungsmittel von der

') Nene MissionsreiBen in Süd-Afrika n. s. w. Antorisirte vollständige Ausgabe für Deutschland. Von D. und Ch. Livingstone. Ans dem Englischen von J. E. A. Martin. 2 Bde.

Büchse abhängt, so giebt es immer entweder Hungersnoth oder Übersättigung — entweder Fleisch in Überfluss oder gar keins. Am häufigsten giebt es knappe Kost, ausser wenn reichliches Wild vorhanden ist, wie es weit den Zambesi hinauf der Fall ist. Wir hatten an einem Morgen zwei Flusspferde und einen Elephanten, im Ganzen vielleicht etliche acht Tonnen Fleisch, - und zwei Tage nachher nur den Rest von wenigen Sardellen zum Mittagsmahl.

Eines Morgens, als wir an einer ziemlich dicht bewohnten Gegend vorübersegelten, waren wir erstaunt, neun grosse Bullen - Elephanten in der Nähe des Strandes stehen zu sehen, die ruhig ihre riesigen Ohren schwangen. Erfreut über die günstige Gelegenheit, etwas frisches Fleisch zu bekommen, landeten wir und feuerten nach einem. Sie zogen sich sämmtlich in ein sumpfiges Stück Land zwischen zwei Dörfern zurück. Unsere Leute verfolgten sie und feuerten auf die Heerde. Auf einem Sandhügel stehend konnten wir die blutenden Thiere mit ihren Rüsseln Wassergüsse über ihre Rücken schleudern sehen. Die Heerde wurde bald auf uns zurückgetrieben und ein verwundeter lief nach der Bucht hin, doch versuchte weder dieser noch einer der anderen irgend anzugreifen. Nachdem wir ihm mit einer Büchsenkugel die Beine gebrochen hatten, feuerten wir nach ihm auf 40 Yards (120 Fuss) so schnell, als wir die Büchsen laden und abschiessen konnten. Er schüttelte bei jedem Schusse einfach den Kopf und empfing wenigstens 60 Enfield'sche Kugeln, ehe er fiel. In wenigen Minuten standen mehr als 1000 Eingeborne um den hingestreckten König der Thiere herum' und nachdem unsere Leute'Alles, was sie brauchten, genommen hatten, wurden die Dorfbewohner eingeladen, das Übrige zu nehmen. Sie stürzten sich darauf wie hungrige Hyänen und in unglaublich kurzer Zeit war jedes Striemchen fortgeschafft. Die Stosszähne wogen jeder 62 Pfund. Von den Bewohnern am Nyassa könnte man das Elfenbein in grosser Menge bekommen und es wurde uns häufig gesagt, dass sie es in ihren Hütten hätten.

An einer Stelle des Schire-Ufers standen eine Anzahl Elephanten und einer von der Heerde machte sich das Elephantenvergnügen, Bäume niederzubrechen; er frass nicht das Mindeste davon, sondern stiess sie des reinen Spasses wegen bloss um und freute sich seiner Stärke. Drei Enfield'sche und andere Büchsenkugeln im Kopfe schickten ihn eiligst und scheinbar mit solcher Leichtigkeit durch das dichte Gebüsch, als ob es nur Gras wäre. Durch diese gewaltigen Thiere werden eine unermessliche Anzahl Bäume zerstört. Häufig kauen sie die Äste nur der Rinde und des Saftes wagen.

Als wir an den mit Rohr bedeckten Ufern und niedrigen Inseln des Kovuma vorbei fuhren, war das Hauptgeschäft der Männer die Jagd auf die Senze (Aulacodus Swinderanus) '). ein Thier von der Grösse einer grossen Katze, aber an Gestalt mehr einem Schweine ähnlich. Sie stecken eine Masse Kohr in Brand und stehen, mit Stöcken, Speeren, Bogen und Pflilen bewaffnet, in Gruppen da, um die Ausgänge zu bewachen, durch welche die aufgescheuchte Senze vor den nahenden Flammen entrinnen kann. Dunkle dichte Massen von undurchdringlichem ltauch wälzen sich nun auf der ganzen unter dem AVinde liegenden Seite der kleinen Insel hin und verbergen die Jäger. Zuweileu brechen grosse Massen düsterer Flammen hervor und schiessen brausend, knatternd und knallend weit über das hohe Rohr wild empor. Die erschreckten Thiere stürzen heraus und mitten im Hauche sieht man die aufgeregten Jäger mit rasenden Grimassen herumtanzen und Stock, Speer und Pfeil auf ihre herausgebrannten Opfer schleudern. Über dem Rauche schweben Milane, bereit, über die Heuschrecken (Mantis und Locusta) herzufallen, so wie sie aus dem Feuer springen. Kleine Krähen und Hunderte von Schwalben sind in eifrigem Fluge, stürzen in den Rauch und wieder heraus, um sich flüchtiger Fliegen zu bemächtigen. Massen von Insekten springen in ihrer Eile, dem Feuer zu entrinnen, in den Fluss und die emsigen Fische geniessen einen seltenen Schmaus.

Die Krokodile im Rovuma sind schlimm daran. Noch nie wurden Reptilien so verfolgt und geschoren. Man jagt sie mit Speeren und stellt ihnen Schlingfallen. Wenn eins von ihnen in einen einladenden Teich nach Fischen geht, so findet es bald eine Umfriedigung um denselben geworfen und auf den einzigen Weg aus der Einschliessung eine Schlingfalle gestellt. Dir Fleisch wird gegessen und schmackhaft gefunden. Die Ufer, an welche das Weibchen in der Nacht seine Eier legt, werden am Tage sorgfältig durchsucht und alle Eier ausgegraben und verschlungen. Unter den wenigen Jungen, die ihren übrigen Feinden entgehen, wüstet und metzelt der Fischhabicht. Unsere Leute standen beständig auf der Lauer nach Krokodilnestern. Sie fanden eins, das 35 frisch gelegte Eier enthielt, und behaupteten, das Krokodil werde in der folgenden Nacht an einer anderen Stelle noch eben so viele legen. Die Eier lagen einen Fuss tief im Sande an der höchsten Stelle eines 10 Fuss hohen Ufers. Das Thier gräbt mit seinem Fusse ein Loch, bedeckt die Eier und verlässt sie, bis ungefähr 3 Monate später der Fluss bis über das Nest steigt, wo es dann zurückkommt und den ausgekrochenen Jungen beisteht. Wir sahen ein Mal im Dezember Tete gegenüber junge Krokodile in Gesellschaft eines alten an einer Insel hinschwimmen. Das Dotter des Eies ist fast eben so weiss wie das wirkliche Weiss. Ln Geschmack gleichen sie Hühnereiern, vielleicht mit einem Beigeschmack nach Eierrahm, und wäre es nicht wegen ihres ekelhaften Ursprungs in Menschenfressern, so würden sie von Weissen mit demselben Hochgeuuss gegessen werden wie von Schwarzen.

überhalb einer Bank im Schire, auf welcher das Schiff 14 Tage lag, wurde ein Flusspferd geschossen; iu 3 Stun

den schwamm es oben auf. Als das Boot es herabschleppte, wurden die Krokodile durch das todte Thier angelockt und es mussten mehrere Schüsse abgefeuert werden, um sie abzuwehren. Die Kugel war nicht in das Gehirn des Flusspferdes eingedrungen, hatte aber einen Knochensplitter hineingetrieben. Aus der Wunde kam ein wenig Feuchtigkeit nebst einigem Gas hervor; das war Alles, was den Krokodilen stromabwärts anzeigen konnte, dass es ein todtes Flusspferd gebe, und doch kamen sie Meilen weit von unten herauf. Ihr Geruchssinn muss eben so scharf sein wie ihr Gehör, beide sind ganz ausserordentlich. An dem Fleische, das wir liegen Hessen, frassen Dutzende. Unser Krumann, Jumbo, pflegte zu behaupten, das Krokodil fresse kein frisches Fleisch, sondern hebe es auf, bis es pikant und zart sei — und je stärker es rieche, desto lieber fresse es dasselbe. Daran scheint etwas Wahres zu sein. Sie können nur kleine Stücke auf ein Mal verschlucken und finden es schwierig, frisches Fleisch zu zerreissen. Beim Schlucken, das wie beim Hunde geschieht, wird der Kopf aus dem Wasser gehoben. Wir versuchten, einige zu fangen, und eins wurde bald geangelt; es erforderte ein halbes Dutzend Hände, um es den Fluss hinauf zu ziehen, die Haifischangel bog sich gerade und es machte sich fort. Hierauf wurde ein grosser eiserner Angelhaken angefertigt, aber da ihn die Geschöpfe nicht verschlucken konnten, drückten ihn ihre Rachen bald gerade — und unsere Krokodilfischerei war verfehlt. Der Zug eines Krokodils war, wie man — schon nach der Kraft eines Lachses — erwarten konnte, furchtbar stark.

Am Schiffe schwamm der Leichnam eines Knaben vorbei, ein ungeheures Krokodil stürzte auf denselben mit der Schnelligkeit eines Windhundes los, fasste ihn und schüttelte ihn wie ein Dachshund eine Ratte. Es eilten noch andere zur Beute herbei und jedes machte, so wie es wüthend ein Stück abriss, mit seinem gewaltigen Schwänze das Wasser wallen und schäumen. In einigen Sekunden war der Leichnam verzehrt. Das Schauspiel war schrecklich anzusehen. Der Schire wimmelte von Krokodilen; auf einer einzigen Bank zählten wir 67 dieser abstossenden Reptilien, aber sie sind nicht so grimmig wie in manchen anderen Flüssen. „Krokodile", sagt Captain Tuckey, „sind im Congo in der Nähe der Stromschnellen in solcher Fülle vorhanden und tragen so häufig die Frauen fort, die am hellen Tage zum Flusse hinabgehen, um Wasser zu holen, dass, während sie ihre Kürbisflaschen füllen, gewöhnlich eine von der Gesellschaft grosse Steine ins Wasser werfen muss." Hier wird entweder eine an einer langen Stange hängende Kürbisflasche zum Wasserschöpfen benutzt oder es wird ein Zaun errichtet. Die Eingebornen essen das Krokodil, in uns aber erweckte der Gedanke, das moschusartig riechende, fischähnlich aussehende Fleisch zu geniessen, den Gedanken an Kannibalismus.

Humboldt bemerkt, dass in Süd-Amerika die Alligatoren mancher Flüsse gefährlicher seien als in anderen. Dass auch die Grimmigkeit der Krokodile in einem Theile des Landes grösser ist als in dem anderen '), kommt ohne Zweifel vom Mangel an Fischen her. Capfain Tuckey sagt in der That von dem oben erwähnten Theile des Congo: „Ausser dem Getigerten Hai giebt es hier keine Fische", und wir fanden, dass die Krokodile des Nyassa, die in hellem Wasser und bei einer Fülle von Fischen leben, kaum jemals einen Menschen angriffen. Auch der Schire wimmelt von Fischen vieler verschiedener Gattungen. Die einzige Zeit, wo seine Krokodile besonders zu fürchten sind, ist diejenige, ,wo der Fluss Hochwasser hat. Dann werden die Fische von ihren gewöhnlichen Aufenthaltsorten vertrieben und Wild kommt nicht zum Flusse hinab, um zu trinken, da es Wasser genug in den landeinwärts liegenden Teichen giebt. Jetzt treibt der Hunger das Krokodil, den Frauen aufzulauern, die zum Flusse kommen, um Wasser zu schöpfen, und am Zambesi werden jedes Jahr viele fortgetragen. In anderen Jahreszeiten ist'die Gefahr nicht so gross, doch ist es nie sicher, sich zu baden oder zum Trinken niederzubücken, wo man den Grund nicht sehen kann, besonders am Abend. Einer der Makololo lief in der Abenddämmerung zum Flusse hinab und wie er geschäftig war, auf die den Eingebornen eigentümliche Weise das Wasser mit der Hand in den Mund zu schleudern, kam plötzlich ein Krokodil vom Grunde herauf und packte ihn an der Hand. Glücklicher Weise liess sich der Ast eines Baumes erreichen und er hatte so viel Geistesgegenwart, denselben zu ergreifen. Beide zerrten und rissen, das Krokodil für seine Mahlzeit und der Mann für sein theures Leben. Eine Zeit lang schien es zweifelhaft, ob eine Mahlzeit oder ein Leben geopfert werden müsse, aber der Mann hielt fest und das Ungeheuer liess die Hand los, hinterliess aber die tiefen Spuren seiner grässlichen Zähne in derselben.

') Das Borstcnferkcl, ein Süd-Afrika eigenthttmliehcs. zwischen Sumpfbiber und Stachelsehwein einzureihendes Nagethier. Siehe Abbildung und Beschreibung in Brehm's lllustrirtem Thierleben, Bd. II, 8. 213. A. P.

') In seinem früheren Werke machte Livingstone die Bemerkung, dass die Krokodile im Liambye grimmiger seien als in anderen Flüssen, z. B. dem Lieba, auch erwähnt Ladislaus Magyar, dass die Krokodil« im unteren Congo die blutgierigsten seien, die er in Afrika angetroffen habe. A. P.

Bei einem Krokodil, das geschossen würde, war ein Stück vom Ende seines Schwanzes abgebissen, ein anderes hatte im Kampfe einen Vorderfuss verloren. Zwischen den Zähnen sahen wir wirkliche Blutegel, wie sie von Herodot erwähnt werden, aber wir sind nie Zeuge gewesen, dass der Regenpfeifer dieselben herauspickte.

"Weinbau in Kalifornien.

Die Deutsche Zeitung in Mexiko schreibt (3. März 1866): — Nord - Kalifornien, welches ( erst seit 18 Jahren den Vereinigten Staaten einverleibt ist, hat seine grossen Fortschritte nicht allein den Goldlagern und dem Handel zu verdanken, sondern die Bodenkultur ist in gleichem Grade vorgeschritten und die Produkte des Ackerbaues bilden bereits werthvolle Export-Artikel, vorzüglich nach den nördlichen Territorien an der Südsee bis zu den Russischen Besitzungen hinauf. Die Obstkultur hat in den letzten Jahren solche Fortschritte gemacht, dass grosse Quantitäten von Äpfeln, Birnen und Pfirsichen frisch und getrocknet verschifft werden.

Der Weinbau scheint einen besonders günstigen Boden gefunden zu haben, die Ausfuhr von Trauben nach Norden und Süden ist sehr bedeutend und Deutsche und Amerikanische Pflanzer bereiten einen ausgezeichneten Wein.

In einem Berichte an den „Commissioner of Agriculture" in Washington vom 8. August letzten Jahres wird unter Anderem gesagt: „Ich glaube kaum, dass Sie eine genaue Vorstellung von der günstigen Beschaffenheit dieses Landes

für Weinkultur haben. Praktische Erfahrung giebt mir ein Recht zu sagen, dass 1000 Gallonen Wein vom Acker nur ein gewöhnlicher Ertrag sind von sechsjährigen Weinbergen, und was Ihnen unglaublich scheinen wird, ist, dass mich vor wenigen Tagen Mr. James Persian, unser grösster Weinbergbesitzer und erfahrenster AVeinzüchter, versicherte, er könne in günstigen Jahren einzelne Äcker aus seinen Weingärten auswählen, welche 2000 Gallonen Wein ertrügen. So besonders günstig ist das Klima, dass auch die feinsten Europäischen Trauben-Arten vollkommen gut gedeihen. Die besten Sorten Frankreichs sind bereits reif u. B: W. Fast 300 Jahre war Kalifornien im Besitze Mexiko's und obgleich die Missionäre in ihren Klostergärten Roben mit gutem Erfolg angepflanzt haben, dachte Niemand daran, diesen wichtigen Kulturzweig auszubreiten und auszubeuten.

Was Kalifornien in dieser Beziehung leistet, könnten viele Gegenden dieses Landes in vorzüglichem Grade leisten. Es ist bekannt, dass, für die Weinkultur gewisse geologische j Bedingungen vorhanden sein müssen, dass die Rube Kalk für ihr Gedeihen bedarf, dass Schiefer und Lava der Vegetation günstig, schwerer Thonboden öder leichter Sand ungünstig sind. Aber die grosse Mannigfaltigkeit in den Mischungs-Verhältnissen des Bodens und in den Klimaten, je nach der Erhebung über dem Meere, gestattet eine Wahl für diesen Kulturzweig. Es ist bekannt, dass die Rebe in den nördlichen Theilen des Landes, in Chihuahua, um Parras, im früheren Staate von Durango, auf der Hacienda von Cedros z. B., ausgezeichnet gedeiht; wir haben weisse und rothe Weine dieser Gegenden versucht, welche, obgleich nicht richtig in der Gährung behandelt, feurig und von gutem Geschmack sind. Um Leon wachsen gute Trauben, wenige Meilen südlich von Tehuacan gedeiht die Rebe fast ohne jede Kultur und auf dem Markte von Orizaba werden aus dieser Gegend gute Trauben so billig verkauft, dass sie an Ort und Stelle mit grossem Vortheil zur Weinbcreitung benutzt werden könnten.

Nicht sehr fern von der Hauptstadt, in dem schönen Thale von Ixmiquilpan, das der Montezuma-Fluss reichlich bewässert, gedeiht die Rebe ausgezeichnet. Die Eingebornen pflanzen einen Schnittling an einen Baum und lassen ihn wuchern ohne Pflege und Beschneidung. Nie sahen wir eine solche Fülle vortrefflicher Trauben als dort, zu Tausenden ertrug eine Pflanze, ohne dass sich irgendwo die Spekulation dieses Reichthums der Natur bemächtigt hätte. In dem Hause eines Spaniers, der in seinem grossen Gehöfte Reben an Spalieren zog und regelrecht behandelte, tranken wir einen Wein seiner Zucht, der sieh dem besten Madeira an die Seite setzen konnte. Er bereitete ihn bloss für eigenen Gebrauch und verkaufte in seiner Tienda schlechten Xeres aus Europa.'

Vielleicht dienen diese Notizen, irgend einem Leser dieser Blätter auf einen Kulturzweig hinzuleiten, der bei dem starken Konsum von Weinen, den hohen Zöllen und dem theuren Transport sicher ein höchst lukrativer sein wird.

Positions - Bestimmungen in British Columbia, 'Washington-Territorium und Vancouver - Insel.

Im Jahre 1858 wurde von der Englischen Regierung eine Kommission nach dem Südwesten von Britisch-Nord

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Eisenbahnen in Mexiko.

Einem Artikel der „Deutschen Zeituug in Mexiko" entnehmen wir eine Notiz über die dort im Bau befindlichen und projektirten Eisenbahnen.

Die einzige kurze Eisenbahnstreckc, welche schon zur Zeit der Bepublik ins Leben getreten war, ist die Bahn von Veraeruz nach Medellin. Diese Strecke hat jedoch eine eigentliche Lebensfähigkeit erst dadurch erreicht, dass die Kompagnie durch die jetzt erhaltene Unterstützung sich in den Stand gesetzt sieht, die Bahn bis Alvarado weiter zu führen und das erforderliche Betriebsmaterial anzuschaffen.

Die folgenreichste Eisenbahn wird aber ohne Zweifel die von Veracruz nach Mexiko und von da nach Acapulco werden. Wenn auch der Bau der letzteren Strecke zur Zeit noch als ein Projekt zu betrachten sein dürfte, dessen Bealisirung in einiger Ferne liegt, so ist doch die erstere Strecke von Veracruz über Paso del Macho, Boca del Monte, Apizaco und Otumba nach Mexiko mit einer Zweigbahn nach Puebla im Bau begriffen und wird in ihrer ganzen Ausdehnung im J. 1869 dem Verkehr übergeben werden können.

Ein Bericht, den der Direktor Lloyd au das Ministerium erstattet hat, macht auf die Grösse des Unternehmens aufmerksam. Die Hauptstadt Mexiko, heisst es darin, liegt 7340 Fuss über dem Meere bei Veracruz und die Entfernung zwischen dieser Stadt und Mexiko beträgt in gerader Linie 200 Engl. Meilen. Danach würde, könnte man die Bahn in gerader Eichtung anlegen, die Steigung 36£ Fuss auf jede Engl. Meile oder 1 F. auf je 145 F. betragen. Des Terrains wegen muss aber die Bahn auf bedeutenden Umwegen geführt werden. Sie wird die höchst

gelegene der Erde sein, da die augenblicklich sich im Betrieb befindenden, als Chanarillo (Chile) nur 4400, Semmering 2887, Baltimore 2626, Valparaiso 2640, und die projektirte Bahn über den Mont Cenis in den Alpen nur 5815 Fuss über die Meeresfläche sich erheben. Die Steigung der Bahn von Veracruz nach Mexiko beträgt für die ersten 55 Meilen von der Küste ab nur 1500 F., erreicht aber mit den nächsten 55 Meilen schon den höchsten Punkt der ganzen Strecke, welcher 8040 F. über der Meeresfläche liegt. Es ist also die Aufgabe zu lösen, eine Steigung von 6540 F. auf 55 Engl. Meilen, also 119 F. per Meile oder 1 F. auf 42 J F. zu überwinden. Eine andere grosse Schwierigkeit ist der Bau einer Brücke über den Metlac-Fluss zwischen Cordova und Orizaba. Diese Brücke wird 130 bis 150 F. höher gebaut werden müssen als eine der bis jetzt auf der Erde gebauten und ihre höchste Höhe wird 380 F. betragen. Ferner werden zwischen Boca' del Monte und Chiquihuitc wahrscheinlich 10 Tunnel zu bauen sein. Dennoch hofft Direktor Lloyd die Bahn einige Monate vor dem vertragsmässigen Eröffnungs-Termin, 30. April 1869, vollenden zu können. Die Strecke von Mexiko bis Apizaco sollte schon Anfang Juni 1866, die Fortsetzung bis Puebla im August d. J. fertig sein.

Gleichfalls im Bau begriffen ist die Eisenbahn von Mexiko nach Cuernavaca, die ersten 7 Engl. Meilen bis Mixcoac waren bereits dem Verkehr übergeben und es sollte die Fortsetzung bis San Angel im Mai 1866 eröffnet werden.

Vermessen sind ferner die Bahnen von Mexiko nach Toluca und von Mexiko nach Cuautitlan. Gleichfalls in Angriff genommen ist eine Bahn von Veracruz über Jalapa und Pcrote nach Puebla, wenn sie auch zum grossen Theil nur Pferdebahn sein wird.

In Anregung sind noch zwei andere Schienenwege gebracht, nämlich von Tampico nach San Luis Potösi uud über die Landenge von Tehuantepec nach dem Grossen Ocean.

Der Bernstein an den Küsten des Polarmeers.

Jedermann weiss, dass der Hauptfundort des Bernsteins die Ost-Preussische und Kurländische Küste ist, aber Vielen dürfte es neu sein, dass dieses vorweltliche Harz selbst noch im höchsten Norden, an den Ufern des Eismeers, vorkommt. Im 4. Bde. von A. Th. v. MiddendorfFs Sibirischer Beise heisst es darüber:

Nach Allem, was ich mir zusammengestellt habe, scheint wirklicher Bernstein, d. h. derselbe, der in Europa gegraben wird und folglich einer früheren Epoche zugehörig, an allen Küsten des Eismeers ausgeworfen zu werden, doch ist er bisher dort überall nur in sehr kleinen Brocken vorgekommen- Ich selbst erhielt ihn bei meiner Fahrt an die Chatanga. Unfern der Winterhütte Sokolowo an der Cheta wird er aus einem Ufer - Abstürze dieses Stromes von den Jakuten gegraben und heisst bei ihnen „Myraläda" (Myro, d. h. Myrrhe, und Ladan oder Morsköj - Lädan, welches das Nord-Bussische Synonym für Jantärj, Bernstein, ist). Von diesem Fundorte hatte man schon früher dunkle Nachricht. Die älteste Ende ich in Mcsserschmidt's handschriftlichem Tagebuche. Am 16. Juni 1723 schrieb er in Turuchansk nieder: „Ich liesse auch den Lucas Netczatsnoi zu mir hohlen und fragte ihn wegen des Bernsteins, da er denn nochmals bekräftigte, dass sich der Bernstein am Chaitingha-Strom finden sollte, aber nicht am rechten Eismeere gelbsten." Neuerdings ist (Sapiski des Hydrographischen Departements, IX, p. 41) von Sokolöv veröffentlicht worden, dass auch unsere Seehelden de* vorigen Jahrhunderts diesen Bernstein schon kannten. Die Akademie erhielt ihn vor meiner Reise aus Turuchansk. Ob er nun wirklich auch an der Chatanga vorkommt, ausser dem von mir angegebenon Fundorte an der Chota, muss ich anheimgestellt sein lassen. Ich konnte darüber Nichts in Erfahrung bringen.

Zum Beleg dessen, dass der Bernstein im Osten des Taimyr-Landes an der Küste des Eismoeres vorkommt, erwähne ich folgende mir bekannte Fundorte: ein See unfern der Bucht Bykowskaja trägt nach dem von ihm in Menge ausgeworfenen, aber trüben Bernsteine den Namen Ladannach. Slobin giebt an, dass am Ausfluss der Jana eine dem Bernstein ähnliche brennbare Substanz in dem angeschwemmten Laude mit einer Braunkohle vorkomme (BergJournal 1831, IV, S. 37). Seit den ersten Besuchen Kamtschatka'* ist bekannt, dass der Tigil-Fluss an seiner Mündung Bernstein auswirft. Aus Gishiginsk eingesandten Bernstein hat kürzlich Merkliu genauer untersucht (Bulletin physico - mathein. de 1' Academie de St. - Po'tcrsbourg, XI, No. 6), ist jedoch zu dem Resultate gelaugt, dass derselbe nicht vom eigentlichen Bernsteinbaume (Pinites sueeifer Goepp.), sondern von einer Cupressineen-Species herrührt. Wohl denselben Fundort rinden wir schon im vorigen Jahrhundert angezeigt (Pallas, Neue Nord. Beitrüge V, 1793, S. 272).

Echter Bernstein wird, wie es scheint, an den Küsten des Berings - Meeres ausgeworfen. Sagoskin fand ihn am Norton-Sunde. Auf Unalaschka und auf Kadjak wird er von den Aleuten als grosse Seltenheit gesammelt; zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde er dort noch den theuersten Edelsteinen gleich geschätzt, und wie ich mir habe mündlich versichern lassen, findet man ihn auch südwärts von Sitcha (vergl. auch Forster, Magazin der Preisen, XVI, 8. 336).

Gleichwie im Osten, so kommt der Bernstein auch im Westen des Taimyr-Landes an den Küsten des Eismeeres überall vor. Wir wollen auf sich beruhen lassen, was Gmelin's schwarzer Bernstein, den er bei Turuchansk am Jenisej fand, eigentlich sein mochte (Reise durch Sibirien, III, 1752, S. 225); aber zwischen dem Jenisej und dem Obj an der Juratskischen Küste gab ihn schon Pallas (Reise, 1776, III, S. 30) au, und zwar als häufiger im Vergleich mit dem Vorkommen an der Jugrischen Küste im Westen des Obj. An derselben Ürtlichkeit bestätigt sein Vorkommen Abramov (Sapiski der Kaiscrl. Russ. Geogr. Gesellschaft, 1857, XII, S. 436).

Östlich von der Kanin-Halbinsel und unfern Mesenj erwähnt des Bernsteins schon Lopechin (Reise, 1805, IV, SS. 106, 120, 297) und auch Akademiker Ruprecht brachte ihn neuerdings von der Kanin-Halbinsel dem Museum der Akademie. A. Schrenck (Reise, 1848, SS. 593, 649) hatte schon früher Lepechin's Angabe gleichfalls bestätigt.

Die Benennung Myralada beweist, dass die Eingeboruen den Gebrauch des Bernsteins erst von den Russen gelernt, welche sich dort des Bernsteins zum Ersätze von Weihrauch für die geheiligten Rauchfässer bedient haben. WahrPetermaun's Geogr. Jütüieüungen. 186G, Heft V11I.

scheinlich gleichfalls überkommener Weise wird er von den Samojeden zu,m Durchräuchern kranker Körpertheile oder auch der Fischnetze benutzt. Letzteres sehen wir auch bei den Russen des Archangelskischen Gouvernements im Gebrauche.

Auffallend ist es, dass au der gesammten Küste des Eismeeres der Bernstein nur in Krumen vorkommt und die gefundenen, überdicss trüben Körner selten die Grösse einer Erbse übertreffen. Sollte das besonderer Bröckligkeit und diese dem Eintluss der Kälte zuzuschreiben sein? In der That kommen südlich vom Beriugs-Meer, wo der Bernstein selten genug ist, doch wieder grössere Stücke desselben vor. Möglich ist es jedoch auch, dass wir es mit dem Harze ganz verschiedener vorweltlicher Baumarten zu thun haben. Der Bernsteinbaum der Vorwelt hatte vor den Nadelhölzern unserer Zeit bekanntlich den Vorzug besonderen Harzreichthums voraus; mithin war die Bedingung für das Vorkommen grösserer Harzstücke gegeben. Jedenfalls hielt ich es für nöthig, hier darauf hinzuweisen, dass die Fundorte des Bernsteins hoch bis zum Pole hinaufreichen, da eine in Petermann's „Geogr. Mittheilungen" gedruckte Notiz (Jahrgang 1856, S. 160) unter der Aufschrift „Nordgrenze des Bernsteins" verleiten könnte, zu glauben, diese sei schon im Baltischen Meere gegeben. Selbst in Bezug auf das Baltische Meer ist jene Notiz nicht richtig. Als nördlichste Grenze weiss ich daselbst Hclsingf'ors zu nennen, in dessen Nähe vor wenigen Jahren eine bernsteinhaltige, unter Muschelsand der Jetztwelt lagernde Schicht durch Gruben blossgelegt wurde. Indessen reicht gewiss der Bernstein auch hoch in den Bottnischen Busen hinauf.

Überraschende Wirkungen der tropischen Sonne.

Livingstone erzählt in seinem neuesten Reisewerke, dass er am Westufer des Nyassa-See's beobachtete, wie die Steine am Tage so erhitzt wurden, dass selbst nach Sonnenuntergang Niemand darauf sich niedersetzen konnte. In Folge der rascheren nächtlichen Abkühlung und Zusammenziehung der äusseren Schichten des Gesteines springen diese ab. Der Reisende hört dann deutlich im Lager den Donner der abgesprengten Felsen wie in einem Steinbruch und wenn er sich die Mühe giebt, die einzelnen Stücke wieder zusammenzusetzen, so sieht er, dass ihre Bruchstücke genau in einander passen. Dr. Wetzstein erfuhr Ähnliches auf seiner Reise durch das von ihm entdeckte vulkanische Gebiet östlich von Damaskus. Im Sommer wird die Gluth dort so stark, dass nach einstimmigem Zeugnisse der Anwohner die schwarzen Steine mit einem lauten Knall in Stücke zerspringen. Die Sonne kann also im heissen Erdgürtel eine beachtenswerte destruktive Wirkung auf die Gesteine ausüben und man wird vielleicht keinen zu kleinen Anthcil an der gewaltigen Gesteinszertrümmerung auf den Plateaux der Süd-Algerischen Sahara, wie sie uns von Vatonne und Duveyrier geschildert wird, dem ausserordentlich raschen Temperaturwechsel zuschreiben dürfen. Dr. Perrier fand in der Algerischen Sahara am 25. Mai 1840 um 6 Uhr Morgens den Nachtthau um sein Zelt gefroren, konnte aber schon 5 Stunden später im Schatten 25° und noch 3 Stunden darauf 31,5° ablesen.

(Zeitschrift d. Österr. Ges. f. Meteorologie.)

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