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nitre, die jene Regionen durchwandert haben, ergab eich die Zahl dieser Indianer auf 760.000. Es würde daher die Gesammt-Bevö'lkerung am Ende 1846 schon die Grösse von 2.138.896 Seelen betragen haben. Diesem zufolge würde die Angabe von Cortes weit mehr an Wahrscheinlichkeit gewinnen als die erstere.

Da mir jedoch keine weiteren und legitimeren Angaben zu Gebote stehen als die der Generalkarte von 1859, wo die Seelenzahl nicht allein von jedem Departement, sondern auch von jeder Provinz speziell angegeben ist, so wollen wir, uns darauf stützend, folgende Betrachtungen anstellen.

Vertheilt man die Gesammt-Bevölkerung von 1.987.352 Seelen auf die ganze Gebietsausdehnung von 39.638 Geogr. Quadrat-Meilen, so entsprechen jeder Quadrat-Meile 50 bis 51 Seelen.

Die Bevölkerung ist sehr zerstreut, sie vertheilt sich auf 12 Städte (Departements-Hauptstädte), 35 Villas, d. h. Städte zweiten Banges (Proviuzial - Hauptstädte) mit Landgütern, 282 Lugares, d. h. Flecken, 2755 Aldeas, d. h. Dörfer, und 7823 Alquereas, d. h. Meiereien und Bauernhöfe, und auf eine Unzahl vereinzelter Wohnungen. Die wilden Indianer-Stämme, welche die Pampas oder Tiefebenen des Südens bewohnen, bestehen nur in Wandernden Stämmen ohne festen Wohnsitz, dagegen haben die, welche in den Gebirgen und in den Pampas des Nordens wohnen, mit Ausnahme der Sirionös, die wie wilde Thiere leben, feste Wohnsitze. .

Die Racen.

Die Bevölkerung von Bolivia besteht aus verschiedenen Racen, aus der Mischung der Spanier mit den Eingebornen. Ein Drittheil derselben wohnt in den Städten und Villas und der Rest in den kleineren Ortschaften oder in der Campana, d. i. auf dem Lande.

Es giebt auch einige Abkömmlinge von Afrikanern und nicht wenige Guaranis, welche von dem östlichen Theile Paraguay's eingewandert sind und sich in der Cordillere von Caiza und den östlichen Ebenen des Departements Tarija niedergelassen und bedeutend vermehrt haben.

Die Spanische Race ist bekannt genug, weshalb keine weitere Schilderung nöthig ist. Nur wird es von Interesse sein, das von Mr. Moreau de Jones in der Estatistica de Espana, part. 1*, cap. 2° y seccion 5*, darüber Mitgetheilte hier folgen zu lassen. Er sagt: Die Spanische Race hat ihren Ursprung in den schönsten Racen der Welt, was durch die Mischungen vermittelst der Heere bedingt worden ist, die im Allgemeinen aus den stärksten und gesündesten Elementen der Nation gebildet werden. Man findet sie begabt mit ausgezeichneten physischen Eigenschaften und von einer natürlichen Intelligenz, deren Grad und Umfang sie unter

diesen Umständen zu der Zahl der begünstigtsten Völker Europa's rechnet.

Über die Eingebornen Amerika's haben die Ethnographen verschiedene Meinungen ausgesprochen.

Maltebrun und einige Andere glauben, dass sie von einer Mischung der Äthiopen und Malayen abstammen. Morton behauptet im Gegentheil, dass die Amerikaner mit Ausnahme der Esquimos eine isolirte selbstständige oder eine von allen anderen vier Völkerracen ursprünglich eigene und verschiedene Race bilden. Daleiice ist der Ansicht, dass Amerika früher von Völkern verschiedenen Ursprungs bewohnt gewesen, die zu ungleichen Zeiten auf verschiedenen Punkten des Kontinents erschienen seien. Er schliesst diess aus der grossen Verschiedenheit, Beschaffenheit und den Substanzen der menschlichen Figuren, Gemälde, erhabener Steinarbeiten u. s. w., welche an den ältesten aufgefundenen Monumenten herrschen. Dann sagt er weiter: Wer die Guaranis oder Chiriguanos kennt, wird der noch glauben, dass sie von derselben Familie wie die Quichugas und Aymaraes, welche die beiden Hauptstämme der Incas bildeten, herstammen? Und wer diese kennt, wird er sie noch für die Indianer von Nord-Amerika halten, wie sie Mr. Morton geschildert hat? Wer die Indianer von Mojos und Chiquitos kennt, wird er sie für unfähig in den Künsten halten? Vielleicht sind auf der Erde weiter keine Menschen vorhanden, die ohne irgend welchen Unterricht die Werke der Mojos- und Chiquitos-Indianer machen können.

Die übrigen Indianer sind sicherlich nicht so geschickt wie die letztgenannten, jedoch leisten sie unter gleichen Verhältnissen dasselbe wie die Europäische Race; so giebt es unter ihnen geschickte Schreiner, Schuhmacher, Maurer, Töpfer u. s. w.

Die Indianer der Gebirge Bolivia's haben keinen langen und auf der Seite zusammengedrückten Kopf, vielmehr haben sie ein rundes Gesicht, erhabene Backenknochen, dicke Lippen, eine aufgeworfene Nase und dunkle, stark glänzende, grosse, etwas hervorstehende Augen. Sie sind nicht unfällig in den Künsten und Wissenschaften, nicht untauglich, für die Schifffahrt, nicht aufgeregt, nicht zum Krieg geneigt, nicht rachsüchtig wie so viele andere Menschenstämme.

Auf meinen vielen Reisen in den entlegenen und unbevölkerten Landestheilen innerhalb der Hochebene Bolivia's habe ich Gelegenheit gehabt, wenn auch nur unvollständige Mumien und Skelette auf den Begräbnissplätzen zu sehen, und habe an deren Todtenköpfen ausser denselben zufälligen oder unwesentlichen Verschiedenheiten, die man an den Todtenköpfen der Kaukasischen Race findet, nichts Besonderes bemerkt, nur waren einige etwas grösser und runder als die anderen. In einer der Katakomben zwischen dem Hüttenwerke 8evaruy<5s und deü Gruben von Serrillos stellte sich an einem Schädel eine besondere Verschiedenheit dadurch heraus, dass die Stirn sehr geneigt und hoch war.

Der Quichua - Indianer ist von sanftem Charakter, demüthig und geduldig; seine Sitten und Gebräuche sind rudas (dumm, roh, einfältig); seine Lebensweise ist massig bis elend, er lebt schlecht und kleidet sich noch schlechter; sein Aussehen ist stets düster und melancholisch; durch seine fast thierische Erziehung und Lebensweise ist" er kräftig und stark und dennoch sehr wenig an die Arbeit gewöhnt. Durch seine sehr geringen Bedürfnisse ist er unempfindlich und beschafft sie ohne Gewaltanstrengung und ohne seine Gewohnheiten zu verlassen.

Der Aymara-Indianer unterscheidet sich nur durch etwas mehr Verwegenheit von jenem, während er ihm übrigens gleicht.

Vergleichen wir diese mit den Arbeitern Europa's, so sind jene weit glücklicher. Die meisten Indianer, welche nicht in den Städten wohnen oder welche keine Pächter von _ grossen Ländereien sind, arbeiten im Jahre nicht mehr als 3 Monate. Alle sind sie Ackerbauer, Arrieros (d. h. Solche, welche sich mittelst grosser Llama-Heerden zu verschiedenen Transporten bequemen), oder sie beschäftigen sich mit der Zucht von Llamas, Schafen und Ziegen, welche sie in grossen Quantitäten besitzen.

Ihr vorherrschender Luxus besteht in Lastern, in üblen Gewohnheiten, Feste zu feiern, und die einzige Verpflichtung dem Staate gegenüber besteht in der Zahlung von Steuern (tributos), wofür sie militärfrei sind. Sobald sie die nöthigen Gelder zur Bestreitung dieser Ausgaben durch eifriges Arbeiten erzielt haben, verbringen sie die übrige Zeit mit Beschäftigungen, die entweder nur sehr wenig oder gar keinen Nutzen bringen.

Der allgemeine Mangel an aktiver Beschäftigung und Bedürfnissen führt sie zu üblen Gewohnheiten, hauptsächlich zur Trunkenheit, und deshalb sind diejenigen Indianer, welche in grösseren Ortschaften wohnen, wo sie viel Geld verdienen können, gewöhnlich betrunken; dagegen ist der Indianer, der auf dem Lande oder im Campo wohnt, bescheiden und massig, erhält seine Familie gut und bewahrt seine Achtung gegenüber der anderen Gesellschaft. Selbst wenn er viel zu verschwenden hätte, betrinkt er sich seltener und nicht leicht ohne offenbaren Vorwand, den sie gewöhnlich in dem finden, was man Religion nennt. Er wählt sich, wenn es ihm einfällt, irgend einen beliebigen Heiligen, bezahlt seine Messe und hält ein grosses Fest im Namen dieses Heiligen und auf dessen Rechnung betrinkt er sich mit seiner ganzen Familie und seiner Nachbarschaft. Damit jedoch dieses Fest nicht gar zu schnell vorübergeht, so reiht man neue unter demselben Motiv an, um Wochen lang ein berauschtes Dasein gemessen zu können. Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft VIII.

Hätten diese Indianer Jemand, der sie hinsichtlich der wirklichen Pflichten gegen die Religion aufklärte, so würden sie sich vielleicht dieser Mängel enthalten, welche sie in ihrer Ignoranz für von Gott beanspruchte Tugenden halten. Hierzu sind sie jedoch seit der Eroberung von der Geistlichkeit angehalten, die sie in ihrem persönlichen Interesse auch fernerhin dazu nicht allein anhält, sondern noch animirt.

Die geistige Macht der Indianer im Allgemeinen kann man, ohne Ungerechtigkeit zu begehen, nicht in Zweifel stellen. Dalence sagt unter Anderem: Es ist notorisch anerkannt , dass man unter ihnen, auch wenn sie ohne alle Erziehung sind und nie einen Missionär gesehen haben, doch keine so dummen Leute findet als unter den Bergleuten von Cornwallis und Somerset in England. Ausserdem ist es faktisch, dass aus der kleinen Zahl von Indianern, welche der Zufall zum Studium geführt hat, nicht wenige mit Auszeichnung hervorgegangen sind, so z. B. der beredteste, tüchtigste Advokat Dr. Don Alejandro Pinto, auf den die Bolivianer stolz sind. Ich lernte mehrere Advokaten, Geistliche, Handeltreibende u. s. w. kennen, die dem Indianerstande und zwar den Quichua- und Aymara-Familien angehörten, deren Intelligenz zu bewundern ist. So z. B. der Geistliche in Llica, Don Carlos Beitran, ist Schriftsteller, denn er schrieb zur Aufklärung der Indianer Grammatiken für die Quichuisten wie für die Aymaristen; ausserdem war er auch noch ein sehr liebenswürdiger und gefälliger Mann.

Die Kaukasische Race unterscheidet sich von den Indianern (Naturmenschen) in weiter Nichts als in Kleinigkeiten; letztere haben mehr runde und im Allgemeinen grosse Augen und einen kleinen Fuss mit hoher Spanne. Deshalb meint Dalence, dass, wie sich die Familie der Hindostanen von der Kaukasischen Race trotz ihrer Farbe, schmalem Kopf, ovalem Gesicht, dunklen krausen Haaren und kleinen mageren Körpern unterscheidet, eben so auch die Bolivianischen Indianer, die Quichuisten und Aymaristen, trotz ihren runden Augen und kleinen Füssen für eine andere Varietät derselben Kaukasischen Race zu halten sind.

Die Guaranis haben einen grossen Kopf, aufgeworfene, etwas ovale Lippen, kleine dicke, aber keine so platt gedrückte Nase wie die Äthiopen; ihre Farbe ist beinahe weiss und viele unter ihnen sind so blond wie die Nord-Europäer; ihre Augen sind gross, wollüstig, lebhaft und feuersprühend. Sie sind kräftig und intelligent, lernen sehr leicht beim Unterricht und nach mehrmonatlichem Aufenthalt und Beschäftigung in den Städten erlernen sie bald die Nationalsprache; auch üben sie sich in den Handwerken, zu denen sie sich geneigt fühlen. Von den Mestizen unterscheiden sie sich in Nichts weiter als durch ihre Nase und Augen. Sie nennen die Weissen ihre Verwandten und

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Dalcnce sagt: „Yo contemplo, que realmente lo son", d. h. ich glaube, dass sie es wirklich sind.

Unzweifelhaft sind die Guarani's und Sirionds Abkömmlinge von Spanischen Truppen-Abtheilungen, welche theils in den Wäldern verschwanden, theils desertirten, um geträumte Königreiche, Goldberge in Paiti und Grau Mojo zu finden; einige sind bräunlich, viele von ihnen weiss, starkbärtig und von blonder Farbe, dennoch lassen mehrere charakteristische Züge ihre elterlichen Vorfahren erkennen.

Die Guaranis sind gastfrei und gutmüthig, dagegen die Sirionds grausam und blutgierig.

Die sämmtlichen Indianer-Stämme zerfallen in civilisirte, halb wilde und wilde. Zu den ersteren gehören die Quichuisten und Aymaristen oder die Incas-Indianer, zu den halb wilden die Chiquitos- und Mojos-Indianer und zu den wildeu die, welche die südlichen Gegenden oder den Bereich der Bios Pilcomayo und Yermejo und Paraguay bewohnen.

Nachstehendes Verzeichniss giebt die halb wilden und wilden Stämme nebst deren Wohnungen an. Los tribus salvajcs, d. h. die wilden Stämme im Allgemeinen, zerfallen in verschiedene Familien, als:

1. die Sirionds, welche die Ufer der Flüsse Rio Grande oder Guapay und Pirai bewohnen;

2. los Hicliilos, welche die Waldungen und Pampas im Norden von San Carlos im Veni bewohnen;

3. los Penoquiquias, welche in den oberen oder südlichen Regionen des Flusses Itonama d San Miquel wohnen;

4. los Guaranocas, welche den westlichen liaum zwischen den Flüssen Tucubaca und Lateriquique oder das Territorio de Otuquis bewohnen;

5. los Potororos, bewohnen den nordwestlicheren Theil der eben genannten Gegend;

6. los Chiriguanos, leben im Norden des Rio Pilcomayo, nach dessen Vereinigung mit dem Rio Pilaya, im westlichen Bereiche der Laguna de Izogog. Sie sind eine Verzweigung der Nation Guaram uud stammen aus Paraguay;

7. los Tobas, bewohnen die Ufer des Pilcomayo und gebieten über die Llanuras de Manzo und über den Gran Chaco;

8. los Chaneses (Neofitos), bewohnen die Ebenen zwischen dem Yereinigungspunkt der Bios Tarija und Vermejo und den Banados del Pilcomayo;

9. los Indios Matacos (Aleados), wohnen südöstlich von den Chaneses, zwischen den beiden Flüssen Vermejo und Pilcomayo;

10. los Indios Matacos (Salvajes), bewohnen und beherrschen den südöstlichsten Theil der Ebenen zwischen denselben Flüssen bis zu deren Ausraündung in den Paraguay.

Unter diesen Stämmen zeichnen sich durch ihre Verwegenheit namentlich die Chiriguanos und Tobas aus. Zur Zeit des Inca - Kaiserreichs reichte von ersteren nur eine kleine Anzahl hin, um ein Truppencorps des Inca Yupanqni in die Flucht zu schlagen. Später vertrieben sie den Vicekönig Don Francisco Toledo, welcher umsonst versuchte, sie

zu unterwerfen. Ihre Lieblingswaffe ist der PfeiL Die Tobas bedienen sich mit Vorzug der Lanze, welche sie mit grosser Geschicklichkeit führen. Gehen sie zu Fuss ins Gefecht, so gebrauchen sie zu ihrer Vertheidigung Keulen mit Zacken.

Diese letztgenannten beiden Stämme sind die gefährlichsten und gefürchtetsten. Von Zeit zu Zeit machen sie in grosser Überlegenheit Einfälle in die bewohnten Städte und Dörfer im Osten der Departements Chuquisaca und Tarija, zerstören Alles, tödten die Männer und schleppen die weissen Frauen zur Veredelung ihrer Bace wie auch alle Viehheerden mit sich fort.

Von den oben genannten Indianer - Stämmen bilden die Quichuisten und Aymaristen, die unter sich gleich stark vertreten sind, die grösste Mehrzahl. Mit wenigen Ausnahmen haben sie keine gegenseitigen Sympathien und betrachten die übrigen Familien mit grossem Abscheu. Diese strafen jene dafür wieder mit grosser Verachtung und Geringschätzung und belästigen und schätzen auch diejenigen unter sich gering, welche mit ihren Feinden Ähnlichkeit haben, weshalb sie sie unter diese zählen.

Die letzten Stämme halten sich für Verwandte der Weissen und einige davon, wie z. B. die Indianer von Yuracares, maassen sich viel Überlegenheit oder Frechheit an, 6ie meinen, sie allein wären die einzigen wirklichen Menschen, während jene, die Quichuisten und Aymaristen, nur Läuse der Menschen wären.

Die Yuracares - Indianer sind von schönem Körperbau « und besitzen einen scharfen, thätigen und hellen Verstand. Von ihnen sagen die Missionäre, dass sie z. B. in Bezug auf die Religion solche sinnreiche Antworten, Einwendungen und Vernunftschlüsse gegeben hätten, wie sie nicht scharfsinniger und nicht besser von den gottlosen Aufgeklärten erfunden werden könnten.

Wir können uns nicht weiter dabei aufhalten, die wechselseitigen Verhältnisse zu erörtern, in denen die Dunkelfarbigen zur übrigen Bevölkerung stehen, da sie eine zu geringe Anzahl ausmachen; dasselbe gilt auch von ihren gemischten Abkömmlingen incl. der wenigon Neger, die in der Volksmasse ganz verschwinden.

Betrachten wir nun die aus den verschiedenen Mischungen entstandenen Bacen etwas näher.

Aus dem Neger und einer Indianerin (vom Stamme der Quichuisten und Aymaristen) entsteht der Zambo. Diees sind kräftige, verwegene und intelligente Leute, welche vermöge ihres feinen Gehörs viel Anlage zur Musik haben; deshalb bestehen auch die Militärmusik-Corps meistens aus Zambos. Ihre schlechten Eigenschaften sind Treulosigkeit und Hinterlistigkeit.

Weisse und Negerinnen geben Mulatten, sie unterscheiden sich nur durch einige zufällige und unwesentliche Züge von I

den Zambos, während sie ihnen im Übrigen sehr ähnlich sind, d. h. in der Farbe, Lebhaftigkeit, Thätigkeit und Intelligenz.

Aus der Mischung Weisser mit den civilisirten Indianerinnen entspringen die sogenannten Cholos (Mestizen), welche im Allgemeinen ihrem Vater identisch sind, dennoch sind sie zuweilen etwas bräunlich gefärbt'und zeigen einige echt charakteristische Züge ihrer Mutter. Dieser llace allein hat Bolivia seine politische Unabhängigkeit zu verdanken.

Nach der Volkszählung von 1846 verhielt sich die Zahl der Weissen, wozu die Cholos gerechnet werden, zu der der Incas-Indianer wie 1:1,19. Nach diesem Verhältniss sind beide jedoch nicht gleichmässig über das Land vertheilt, sondern es stellte sich dasselbe folgendermaassen heraus:

Weisse Farbige

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Wenn man weiss, welche Unzahl von Spaniern nach der Entdeckung und Eroberung Süd - Amerika's Bolivia überschwemmte, um sich in den Minendistrikten von Potosi, Porco, Oruro, Lipez, Choquecamata, Tipuani, Chocaya, Portugalete, Carangas u. s. w. au Gold und Silber zu bereichern , so wird . man Angesichts der Bevölkerung von der auffallenden Erscheinung überrascht, wie wenig Fortschritte die weisse Race (casta blänca) gemacht hat.

Bewegung der Bevölkerung. Die Bevölkerung von Bolivia hat sich seit der Indopendenz im Jahre 1825, wo sie 978.926 Seelen betrug, sehr vennehrt, leider ist jedoch nicht mit Genauigkeit anzugeben, in welchem Verhältniss diese allgemeine wie lokale Vermehrung jährlich Statt gefunden hat. Das Gesetz vom 28. September 1831 verpflichtete zwar die öffentlichen Behörden, jährlich über das ganze Land desfallsige statistische Mittheilungen zu machen, allein diess ist nicht mit der gehörigen Präcision geschehen, weshalb es schwer ist, wirklich genaue Resultate aufzustellen. Wir müssen uns daher mit den von Dalence, Mujia und Ondarza aufgestellten Listen der Bevölkerung von drei Jahren, zwischen denen grosse Zeit

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La Faz . . Cochabamba Potosi . . Chuquisaca Oruro . . Santa Cruz Tarija . . Veni. . . Atacama . Summe Diesem

348.142 22G.727 192.155 112.590 84.100 43.775 36.215 41.228 3.836

1846 412.867" 279.048 243.263 156.041 95.324 75.627 63.800 48.406 4.520

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52.321 51.108 43.451 11.224 31.852 27.585 7.178 (181

70.844 37.966 67.627 15.607 77.537 25.100 5.567 753

1.088.768 1.378.896 j 1.742.352 |[290.128 ( 363.456

zufolge hätte sich die Bevölkerung von 1831 bis 1846, also in 15 Jahren, per 100 Mann um 2t oder durchschnittlich per Jahr um 1,8 Prozent und in dem Zeitraum von 1846 bis 1858, also ,in 12 Jahren, per 100 Mann um 20,86 oder durchschnittlich um 1,74 Prozent, also im Allgemeinen von 1831 bis 1858 oder in 27 Jahren durchschnittlich um 1,77 Prozent vermehrt. Danach dürfte die Bevölkerung des Jahres 1863 mit Ausschluss der Indios barbaros 1.896.550 Seelen betragen.

Rechnet man hierzu die gleichmässig vermehrte Bevölkerung der Indios barbaros, deren Zahl im J. 1846 760.000 betrug, so beträgt deren Zunahme von 1846 bis 1863, also in 17 Jahren, 228.684 Seelen und ihre Zahl würde 1863 auf 988.684 Seelen angewachsen sein. Es würde daher die Gcsammt-Bevölkerung Bolivia's im Jahre 1863 2.885.234 ausmachen.

Die relative Zunahme von 1846 bis 1863 würde nun,mehr per Quadrat-Meile 19 bis 20 Seelen betragen haben.

Aus der letzten Spalte der vorstellenden Tabelle ersieht man, dass die Zunahme der Bevölkerung in den einzelnen Departements nicht gleichmässig ist, was seinen Grund in den verschiedenen klimatischen Verhältnissen findet. In den kalten Regionen ist die menschliche Fortpflanzung im Allgemeinen geringer als in den gemässigten und heissen Regionen.

Im Jahre 1846 wurden unter der civilisirten Bevölkerung 62.396 Personen geboren und 39.852 starben, so dass also eine Vermehrung von 22.544 Seelen Statt fand. Diese beiderseitigen Beziehungen finden sich in nachstehender Tabelle in Rücksicht auf die Departements folgendermaassen vertheilt:

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Die ganze Bevölkerung bestand aus 677.149 Personen männlichen und 701.747 Personen weiblichen Geschlechts, sie bildeten unter sich das Verhältniss von 1: 1,03 und je zur Bevölkerung wie 1:2,03 und 1:1,96. Nach Abrechnung der Kinder blieben 407.485 männlichen und 408.440 weiblichen Geschlechts als erwachsene Personen übrig. Von diesen waren 12.005 Paar verheirathet, so dass also unter den erwachsenen Personen 395.480 männlichen und 396.435 weiblichen Geschlechts unverheirathet blieben.

Da die übrigen statistischen Angaben sehr fehlerhaft waren und trotz alles Errnittclns die Resultate im Speziellen fruchtlos blieben, so müssen wir uns mit folgenden Mittheilungen , deren Wahrheit nicht angezweifelt werden kann, begnügen.

Auf dem Campo oder auf dem Lande werden verhältnissmässig mehr Ehen geschlossen als in den Hauptstädten und Städten. Dalence findet den Grund in dem in letzteren Orten stets zunehmenden Luxus und im Mangel an Geldmitteln, denselben zu befriedigen.

Im Jahre 1846 wurden 62.396 Kinder geboren, nämlich 30.045 Knaben und 32.351 Mädchen, so dass die Geburten unter sich das Verhältniss wie 1:1,076 und zusammen zur Bevölkerung wie 1:22 bis 23 oder fast 4,44 Prozent bildeten. Unter den 39.852 Gestorbeneu waren 24.396 Kinder und zwar 1266 Knaben mehr als Mädchen und 15.456 Erwachsene; die Sterblichkeit stand zur Bevölkerung wie 1: 34 bis 35 oder fast 2,9 Prozent.

Betrachten wir jetzt nun die Sterblichkeit iu den verschiedenen Temperatur-Zonen, so ergeben sich sehr interessante Resultate. In den Zonen der Punas, d. i. in den Höhen zwischen 10.300 P. F. und der Schneelinie, ist sie wie 1:50,74 oder 1,97 Prozent. In den Regionen de los Valles, d. i. zwischen 5000 bis 10.300 P. F. Höhe, ist sie wie 1:41,93 oder 2,38 Prozent. In den Regionen de las

Yungas oder zwischen dem Meeresspiegel und 5000 P. F. Höhe ist sie wie 1: 27 oder 3,70 Prozent.

Dio langjährige Erfahrung hat darauf bezüglich ergeben, dass es sehr schwer ist, Kinder bis zum 4. Jahre am Leben zu erhalten, dass aber, sobald diess gelungen, wenig Gefahr vorhanden ist, sie noch zu verlieren; sie erreichen dann im Allgemeinen ein hohes Alter. Von 12 Neugebornen sterben ungefähr 5 unter 4 Jahren, während von den anderen 7, die sehr alt werden, einige zum wenigsten 100 Jahre erreichen und darüber.

Die Sterblichkeit der Indianer in den Punas ist bedeutend grösser als die der Weissen und der Kreolen. Die Schuld daran trägt ein Fieber, welches mit höchst seltenen Ausnahmen nur unter den Indianern grassirt und mächtig aufräumt. Man nennt es „la fiebre amarilla" (Gelbes Fieber), es tritt jedoch nicht mit denselben Symptomen auf, steckt heftig an und nach 2 bis spätestens 3 Tagen führt es den Tod herbei. Diese Krankheit besteht aus einer Grippe, beginnt mit Kopfschmerz, der in raschen Sprüngen eine unausstehliche Höhe erreicht und dem Verstopfung und Rückenschmerz, endlich Nasenbluten folgen, die den Tod schleunig herbeiführen. Da es in den von dieser Kraukheit heimgesuchten Ortschaften fast regelmässig an ärztlicher Hülfe fehlt, so fordert sie stets grosse Opfer und ganze Ortschaften sterben in wenigen Wochen aus.

Der Husten und die Blattern richten unter den Kindern in den Punas und die Blattern auch unter den Erwachsenen in den Valles und Yungas grosse Verheerungen an. Schwindsucht und Nervenfieber findet man auffallend wenig, aber la Terciana oder das „Kalte Fieber" herrscht in den feuchten warmen Gegenden sehr stark, führt jedoch selten den Tod herbei.

Die Bewegung der Bevölkerung ist nur auf sich selbst angewiesen, indem die Einwanderung fast Null ist. Diese

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