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teste von allen Geschichten, die ägyptische, zu rekon- ersten erwünschten Anhalt. Man hatte gefunden, dass die. struiren.

Königsnamen, gleichsam um sie vor den anderen auszuDiess war nur möglich durch die namentlich von Cham- zeichnen, mit Ringen umgeben wurden, rechnete zunächst pollion ausgeführte Entzifferung der Hieroglyphen und diese heraus, welcher von diesen Rahmen den Namen Ptolemäus konnte nur gelingen durch den wunderbaren Fund des be- enthalten könne, und machte sich dann an andere Namen, kannten Steins von Rosette, welcher in dem zu dieser wie Arsinoe, Berenike u. s. w. An den Hieroglyphentext, Festung gehörenden Fort St.-Julien von dem Französischen dessen Zeichen man für reine Symbole hielt, wagte man - Ingenieur - Kapitän Bouchard 1799 während des Napoleo- sich nicht, wogegen besonders S. de Sacy und Akerblåd nischen Feldzugs ausgegraben wurde und der sich jetzt den demotischen Abschnitt, von welchem man glaubte, dass durch das Glück der Schlachten nicht im Musée du Louvre, er phonetischer Natur sei, zu enträthseln unternahmen. sondern im Britischen Museum befindet. Dieser seltsam

Schon begannen die ersten Versuche ein Resultat zu gesprächige Stein besteht aus schwarzem Granit oder Ägyp- liefern, als ein zweites kleineres zweisprachiges Denkmal tischem Basalt, ist 3} Fuss hoch und 10 Zoll breit und auf der Insel Philae gefunden wurde, welches, in Hierohat leider durch ein schlimmes Ungefähr eine ziemlich grosse glyphen und in Griechischer Sprache abgefasst, den Namen Ecke verloren. Wir müssen demselben einige Zeilen widmen, Kleopatra zeigte. Diesen letzteren verglich man mit dem denn der jüngste Fund des Herrn Lepsius ist nahe mit ihm für Ptolemäus gehaltenen und gelangte durch diess Experiverwandt. Drei Inschriften theilen sich in den Raum des- ment wirklich zu einem Ergebniss, denn durch eine günselben. Die erste ist in reiner Hieroglyphenschrift, deren stige Fügung finden sich in beiden 'fünf gleiche KonsoZeichen aus Darstellungen konkreter Gegenstände bestehen nanten '). und die namentlich für Inschriften von den Priestern benutzt

Was Birch, Rosellini, Lepsius, Chabas, Brugsch, Rougé wurde, abgefasst. Die zweite zeigt demotische Lettern, d. h. u. s. w. für die Entzifferung der ägyptischen Schriftdenkdie erst im siebenten Jahrhundert eingeführte Kursivschrift mäler gethan haben, ist sehr bemerkenswerth, doch müssen des Volks, welche sich die Abkürzung der Bilder angelegen wir zugeben, dass sie alle auf Champollion's Schultern stesein lässt und im bürgerlichen Leben zum Briefschreiben, hen, der, als er, viel zu jung für die Wissenschaft, starb, Kontraktmachen u. s. w. angewendet wurde. Die dritte In- eine zwar noch mancher Verbesserung bedürftige, aber doch schrift ist in Griechischer Sprache verfasst und trägt Uncial- ziemlich umfassende Hieroglyphen - Grammatik hinterlassen buchstaben ohne Interpunktion und Accente. Die 54 Zeilen, konnte. Das ist ungeheuer, wenn man bedenkt, dass er welche sie in Anspruch nimmt, sind durch den Bruch des (wir lassen die nur halb geglückten Versuche des vielseiSteins verstümmelt, die vorhandenen Lettern aber gut er- tigen Engländers Th. Young unerwähnt) seine Arbeiten vom halten und leicht lesbar. Das Ganze enthält ein Dekret Ei beginnen und eine Schrift enträthseln musste, welche der Priester zu Ehren des Ptolemäers Epiphanes. Es be- ungefähr 600 Zeichen besitzt, von denen keines vor ihm ginnt mit der bekannten, äusserst weitschweifigen Titulatur bestimmt war. Nur durch die zweisprachige Inschrift von der Pharaonen und verkündet dem jungen König, dass die Rosette sind seine Erfolge möglich gewesen, hat es dem Priester aller Klassen nach einer Versammlung im Tempel scharfsinnigen Brugsch gelingen können, die demotische zu Memphis beschlossen hätten, ihm zum Dank für seine Schrift und Sprache so lesbar und verständlich zu machen, zahlreichen dem Lande erwiesenen Wohlthaten und Erleich- wie etwa das Zend und das Gothische. Lange Texte in terungen, so wie die dem Klerus gewährten Gnadengaben allen Hieroglyphen - Arten (hieroglyphisch, hieratisch und u. S. W. die grössten Ehren zu erweisen und ihm in jedem demotisch) sind gelesen und mit ausführlichen Analysen Tempel da, wo sie am meisten gesehen werde, eine Statue und Glossarien übersetzt worden. Man hat theologische, zu errichten, neben welcher die Hauptgottheit des Heilig- medizinische, ja sogar belletristische Schriftstücke, welche thums stehen solle, wie sie ihm die Siegeswaffe reicht. zum Theil älter sind als 3000 Jahre, entziffert und dennoch Dann sollen ihm und seinem Bilde namentlich an seinem konnte man hie und da, namentlich von den klassischen Geburtstag allerlei göttliche Ehren zu Theil werden und Philologen aus der alten Schule, die so gern angreifen, diess Alles, das mit überfluthendem Wortschwall aufgeführt

was mit de

Orientalischen Sprachwissenschaft zusammenwird, soll auf ein Denkmal von hartem Stein in der heiligen, hängt, ein „ja” und „aber" vernehmen und ein ungläubiges Volks- und Griechischen Schrift verzeichnet, das Monument Achselzucken gewahren, wenn von der Lösung des Räthsels endlich in jedem Tempel des Landes vom ersten und zweiten gesprochen wurde, das die ägyptische Sphinx so lange zu Rang aufgestellt werden.

bewahren verstand. Die in diesem Dekret in drei verschiedenen Schrift

?) Siehe über die Hieroglyphen-Entzifferung den Aufsatz von Prof. arten vorkommenden Namen boten den Entzifferern den

Dr. Kaiser in „Globus” 1864.

an

2. Lepsius' Dekret von Kanopus als Ergänzung des

Steins von Rosette. Der neueste Fund des Professor Lepsius giebt jedem Ägyptologen das Mittel an die Hand, die vielen Errungenschaften seiner Wissenschaft zu prüfen, befähigt Jeden, der die Griechische Sprache erlernt hat und philologische Induktionen zu machen versteht, sich von der Richtigkeit der Sprachgesetze zu überzeugen, welche von den Ägyptologen aufgestellt worden sind. Lepsius hat einen zweiten Stein von Rosette gefunden, einen Stein, dessen zweisprachige Inschrift (Griechisch und hieroglyphisch) älter und länger ist als der von Bouchard gefundene Sprachschlüssel. Beide Texte dieses neu erworbenen Schatzes sind ganz vollständig und lesbar erhalten.

„Ein glücklicher Zufall", so schreibt der Finder selbst

seinen Freund, Herrn Geh. - Rath Abeken zu Berlin (eine zweite Mittheilung ist an S. Birch gerichtet), „hat es mir möglich gemacht, das kostbare Dokument in Tanis vom Schutte zu befreien, aus dem es nach einem vor Kurzem erfolgten Erdsturze mit einer kleinen Ecke hervorsah.”

Die Inschrift stammt aus dem neunten Jahre des Ptolemäus Euergetes. Wie der Beschluss über die Widmung der Denksäule von Rosette in einer Priester - Versammlung zu Memphis gefasst worden ist, so hat die Hierarchie ihren Plan, dem Euergetes einen Ehrenstein zu setzen, in Kanopus, der ältesten von Griechen besuchten Hafenstadt im westlichen Delta (unweit Alexandrien), woselbst sie sich zum Geburtstag und zur Krönungsfeier des Königs versammelte, zum Gesetz gemacht. Bis jetzt liegt uns kaum ein Drittel der ganzen Inschrift im Druck vor und doch lässt sich aus den edirten 20 Zeilen schon ersehen, 1. dass sie ganz in der Art und dem Styl des Dekrets von Rosette gehalten ist und 2. dass sie viele neue und interessante Aufschlüsse geben wird. Ich erwähne nur als allgemein verständlich drei hieroglyphische Gruppen, welche im Griechischen Text mit Syrien, Phönicien und Kreta übersetzt werden. Erstere liest sich nach der Ägyptischen Schrift „das östliche Land der Retennu”, die zweite „das Land von Keft” und die dritte „die Insel von Binai [Nebinai?], welche mitten im Meere liegt”. Die Stadt Kanopus, in welcher, wie wir wissen, der Erlass des Dekrets beschlossen worden ist (Lepsius nennt es daher „das Dekret von Kanopus”), wird zwei Mal Pekot genannt. Wenn der Entdecker hieraus folgert, der Name der Hafenstadt müsse vollkommen Griechisch sein, so vermögen wir ihm darin nicht beizustimmen. Jeder Hauptort in Ägypten pflegte zwei Namen zu haben und Brugsch's Erklärung ,,Goldhaus", „Goldort” scheint uns besonders annehmbar zu sein, weil der Rhetor Aristides erzählt, ein hochgestellter Priester habe ihm versichert, dass der Name Kanopus mit dem Steuer

mann des Äneas gar Nichts zu thun habe, sondern rein Ägyptisch sei und „Güldene Aue” (zovooûv čðagos) bedeute. „Pekot” klang den ersten landenden Ioniern ganz fremd, in Khanub fanden sie einen bekannten Namen wieder und nannten darum die Hafenstadt niemals anders, während die Ägyptier das priesterliche „Pekot” beibehielten.

Die Gruppe für Persien Pers war schon früher bekannt. Die Feststellung dieser Worte ist besonders schätzbar, weil Eigennamen nur selten durch die Koptische Sprache ergründet werden können und man ihrer für die Rekonstruktion der Ägyptischen Geschichte besonders nothwendig bedarf. Auch in astronomisch - kalendarischer Beziehung bietet die Inschrift unbezahlbare Aufschlüsse. Endlich ist es interessant, dass schon zur Zeit des Euergetes (247 bis 222 v. Chr.), also in der Mitte des dritten Jahrhunderts vor unserer Ära, die demotische Schrift schlechthin die „Ägyptische” (aiyúntia yotquota) genannt wird, — ein Umstand, welcher darthut, wie stark dieselbę schon damals mit Hintansetzung der beiden anderen Schriftarten gebraucht worden ist. 3. Lepsius' Untersuchung des Pelusinischen Gebiets, als Beitrag zur Entscheidung der Hyksos-Frage.

Ein anderes sehr interessantes Resultat hat die Lepsius'sche Reise durch die Auffindung eines grossen Ruinenfeldes in der Nähe von Pelusium im äussersten Osten des Delta geliefert. Dasselbe liegt 2 Stunden südlich von den Trümmern des alten Ortes und soll ziemlich das grösste sein, das sich ausser dem von Theben in Ägypten vorfindet. „Das ganze Feld", so schreibt Lepsius, „jetzt Geziret elFaramah genannt, wurde durch einen langen, von Zeit zu Zeit einspringenden Wall gegen Osten geschützt, dessen Zug noch jetzt deutlich zu erkennen ist an den fortlaufenden Scherbenmassen, die sich an seiner Böschung hinziehen, und nur zuweilen durch die hier vorspringenden Sanddünen undeutlich, weil überschüttet worden ist. Die Karten haben diese Ruinenfelder nicht verzeichnet, weil sich keine hohen Ruinenhügel, sondern nur weite Scherbenflächen finden; um so mehr war ich überrascht, als ich diese sandverwehten, aber immer wieder aus dem Flugsande hervortauchenden Spuren dieser vom Josephischen Manethos auf 10.000 Aruren Umfang geschätzten Hyksos-Gründung betrat und ihre weiten Flächen zu Pferde nach allen Richtungen durchmaass.”

Unseren Lesern sind wir hier eine Erläuterung schuldig. Die ganze Ägyptische Geschichte zerfällt in drei Theile, das alte, neue und mittlere Reich. Letzteres, dem man eine Dauer von 500 Jahren beimisst, in runden Zahlen von 2100 bis 1600 v. Chr. — wird ausgefüllt von der Herrschaft Semitischer Hirten-Stämme, die nicht mit den Juden zu verwechseln sind, aber wie diese von Osten her

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nach Ägypten kamen. Manetho, der Ägyptische Priester, Sage vom Typhon, welche erklärte, warum der Nilarm von
dessen historische Arbeiten ich schon oben erwähnte, erzählt Tanis hassenswerth und nur mit Widerwillen aussprechbar
Einiges von diesen Hyksos. Die betreffenden Stellen werden erscheine. Hier muss eine Residenz der Hirten gewesen
von dem Juden Josephus in seiner Streitschrift gegen den sein., Ich glaube nicht, dass selbst Herr Lepsius dagegen
Grammatiker Apion angeführt und sind uns so erhalten streiten möchte.
worden. Seiner Erzählung nach fielen die Hirten-Stämme Andererseits scheint mir zweifelsohne die Ansicht des-
in Ägypten ein, bezwangen die Heere des Pharao, trieben selben Gelehrten, dass die Festung Abaris. in Pelusium ge-
diese in das obere Land zurück, hausten furchtbar in Ägyp- sucht werden müsse, schon früher mit schönen Gründen
ten, wählten sich aus ihrer Mitte einen König, den sie bekräftigt, durch den Fund der von Manetho ausdrücklich
Salatis („d. i. Semitisch Regent” (aus s-l-t lässt sich auch erwähnten Umfassungsmauer aber bis zur Evidenz bewiesen
Sultan konstruiren)] nannten, und befestigten namentlich die worden zu sein. Pelusium besitzt alle Bedingungen, welche
Städte des Ostens gegen die Assyrer, von denen sie wohl ein Hyksos - Waffenplatz fordert. Auf Spezialitäten, beson-
besorgten, dass sie ihnen nachdringen möchten. Eine nach ders in Bezug auf die Namen des Nilarms, darf ich hier
Morgen hin gelegene Stadt, Abaris, erschien besonders nicht eingehen, aber selbst dem Laien, welcher einen auf-
günstig, darum belegten sie dieselbe mit 240.000 Bewaff- merksamen Blick auf die Karte wirft, kann es nicht ent-
neten, die der König, welcher in jedem Sommer aus allerlei gehen, dass die Lage von Pelusium als östliches Thor von
Gründen nach Abaris kam, besichtigte und übte. 511 Jahre Ägypten alle strategischen Bedingungen für eine Festung
herrschten die Hyksos in Ägypten, endlich ermannte sich gegen die nordöstlich vom Nil - Lande wohnenden Völker
aber die alte Pharaonen-Familie, welche nach Süden hin besitzt, während Tanis für diesen Hauptzweck durchaus
zurückgeworfen war, belagerte den 10.000 Morgen grossen nicht gebraucht werden konnte. Wie die Karte, so hilft
Waffenplatz und zwang die Usurpatoren zum Rückzug aus uns auch die Geschichte, denn während Pelusium mehr als
Ägypten.

ein Mal als Lagerplatz späterer Ägyptischer Heere und als
Die Erzählung von diesem Geschichtsabschnitte scheint Schauplatz entscheidender Kämpfe genannt wird (Tirhaka
im Einzelnen, namentlich in Bezug auf die Zerstörungswuth und Sanherib, Kambyses und Psamtik III., Ptolemäus Philo-
der Hirten, von dem nationalen Hasse des Manetho über- pator gegen die Syrer (nach Polybius)], hat Klio kein ein-
trieben worden zu sein, im Grossen und Ganzen ist sie ziges späteres kriegerisches Ereigniss mit Tanis in Verbin-
aber von den Denkmälern bestätigt worden. Die Ereignisse, dung gebracht. Ausserdem erfahren wir durch eine Inschrift,
welche sie uns vorführt, sind so wichtig und werfen ihr dass die Stadt Abaris zu Wasser und zu Land belagert
Licht auf so viele andere Fragen, dass sie von den ver- worden sei. Von Pelusium wird uns das Gleiche im Diodor
schiedensten Seiten behandelt und natürlich nur selten in erzählt, Tanis gegenüber wäre diess aber, wie von Schleiden
gleicher Weise aufgefasst worden sind. Lepsius hatte schon angeführte rein physikalische Ursachen darthun, kaum mög-
früher sehr geistreich und scharf zu beweisen gesucht, dass lich gewesen. Jetzt, wo die in ihrer Grösse mit den Mane-
das Abaris des Manetho dem späteren Pelusium gleich zu thonischen Berichten übereinstimmenden Mauerreste des alten
setzen sei, während der Meister auf dem Felde alt-Ägyp- Waffenplatzes durch Lepsius aufgefunden worden sind, scheint
tischer Geographie, Herr Brugsch, und mehrere grosse mir die schwebende Frage endgültig entschieden zu sein.
Französische Forscher in dem Griechischen Tanis (Hebr. : Auf der Stelle des späteren Pelusium stand die Hyksos-
Zoan, San) das Abaris der Hyksos sahen. Den Letzteren Veste Abaris.
helfen mehrere bedeutende Funde, die namentlich von dem Obgleich ich nun eigentlich jede philologische Erörterung
Franzosen Mariette in jüngsten Zeiten aus den Trümmern vermeiden wollte, so kann ich doch eine sprachliche Bemer-
von Tanis zu Tage gefördert wurden. Da zeigten sich vier kung nicht unterdrücken. Brugsch übersetzt Abaris, indem
Sphinxe, deren Köpfe, ganz unägyptisch, entschieden Semi- er sich auf die Sage vom Typhon bezieht, der, nachdem er
tische Züge trugen, da fand sich der Name der Stadt, wie auf seinem Lieblingsthier, dem Esel, 7 Tage lang aus der
ihn Manetho giebt, „Hauar”, ja selbst der des letzten Schlacht geflohen sei, die Söhne Hierosolymos und Judaios
Hyksos-Königs in voller Ausschreibung. Mehrere Statuen (Jerusalem und Judäa) erzeugt haben soll, etwas gezwungen
seltsamer Art mit Opfertischen fremdartigen Aussehens mit Stadt der Flucht und verwirft die Erklärung Ha uar
konnten nur den Usurpatoren zugeschrieben werden und oder bar oder bal (im Ägyptischen ist l=r) „Wohnung
ausserdem fand sich besonders häufig gerade hier der in spä-

ein Name, der sich für eine Hyksos-Stadt ganz teren Zeiten streng verfolgte und als böses Prinzip gehasste gut eignen würde vielleicht mit Recht. Da nun der Name Gott der Hirten, Sutech, als „guter Gott" abgebildet und Abaris in Hieroglyphen stets mit einem einzelnen schreiin Inschriften gefeiert. Später besassen die Ägyptier eine tenden Bein oder einem gehenden Beinpaar determinirt

des Bal”,

wird, so hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob nicht, da ja die Hyksos unbedingt Semiten waren, das Abaris aus „awar”, das einfach Übergang bedeuten würde, erklärt werden könne. Ist diese Auffassung richtig, so haben wir einen neuen Beweisgrund für Pelusium - Abaris, die Übergangsstelle zwischen Ägypten und den rein Semitischen Landschaften, gewonnen. Tanis, in welchem Sutech als Gott von Hauar genannt wird, besass jedenfalls als Residenz der Könige den grössten Tempel des Verehrungswesens der Hyksos. Hier wohnten die Könige in der späteren Zeit, während sie, wie auch Manetho berichtet, die erste Übergangsstelle und die befestigte Stütze ihrer Kriegsmacht, Abaris - Pelusium, nur im Sommer zu besuchen pflegten. Auch in dem von Goodwin übersetzten sehr interessanten Papyros Sallier I werden zwei Städte der Hyksos genannt. So greift der zweite Fund unseres Landsmannes in die wichtige Hyksos-Frage ein! 4. Die Persisch - Ägyptischen Denkmäler auf dem

Isthmus von Suez. Als letzten Abschnitt dieser Mittheilungen muss ich dem Leser eine dritte Neuigkeit, welche der Lepsius’sche Reisebericht uns vorführt, mittheilen.

Das berühmte Projekt einer Durchstechung der SuezLandenge naht sich seiner Vollendung. Schon im Dezember des vergangenen Jahres befuhr ein Dampfer von 13 Fuss Tiefgang den Kanal und in den nächsten Monaten will die Gesellschaft die Tonne Güter (20 Centner) zu 38 Francs direkt aus dem Mittelländischen ins Rothe Meer befördern und umgekehrt. Der Süsswasser - Kanal, welcher vom Nil in die Mitte des Isthmus und von dort nach Suez führt '), ist schon vor längerer Zeit fertig geworden, gewährt den Arbeitern der Kompagnie und dem quellenlosen Suez brauchbares Trinkwasser und ist noch immer im Stande, kleine Barken zu tragen. Seiner Bestimmung angemessen ist er nur schmal, während der maritime Kanal 26 Fuss Tiefe und eine entsprechende Breite erhalten soll. Herrn v. Lesseps, des Unternehmers, nimmer müde Energie und Geduld können nicht genug gerühmt werden. Einem Manne, der mit jugendlicher Begeisterung Jahrzehntelang der Vollendung einer grossen Idee sein ganzes Dasein gewidmet hat, muss man es wohl zu Gute halten, wenn er Angesichts der Vollendung seiner Lebensaufgabe seine Hoffnungen auf das zukünftige Gedeihen seines geistigen Kindes etwas zu hoch spannt. Seine Erwartung, die Hälfte von allen Waaren, welche aus Europa nach Indien und Ost-Asien zu gehen bestimmt seien, müsste den Kanal passiren, wird ihn betrügen, so lange nicht die wegen der periodischen Winde auf dem Rothen Meere einzig mögliche Dampffahrt den

Gebrauch der Segelschiffe, mit denen jetzt das Kap der Guten Hoffnung umsteuert wird, vollständig verdrängt hat. Diese Zeit wird kommen, wenn die in der Türkei, SüdRussland und der Anatolischen Halbinsel zwar gefundenen, aber noch immer ruhenden Kohlenlager ihre Gaben zu spenden beginnen. Das aus England kommende Heizungsmaterial, welches jetzt die Steamer in Aden finden, ist so theuer, dass eben nur Passagiere und werthvolle, einen geringeren Raum erfordernde Waaren mit Dampfschiffen befördert werden können.

Unsere Zeit bietet der Menschenkraft so kolossale mechanische Hülfsmittel, dass die physikalische Erhaltung des Kanals wohl bewerkstelligt werden kann. Sykomoren-Pflanzungen sollen die Ufer festigen und den Flugsand von dem künstlichen Flusse abhalten; Baggermaschinen von nie gesehener Leistungsfähigkeit werden den Hafen yon Pelusium vor Verschlammung bewahren. Unser Recht, an die Mög. lichkeit eines Suez-Kanals zu glauben, wird zur Nothwendigkeit, wenn wir der Begründung der alt bekannten Thatsache ins Auge sehen, dass schon vor vielen Jahrhunderten, als man noch keinen Dampf und keine Kammräder kannte, das Durchstechungs-Projekt zum erwünschten Ende geführt worden ist.

Schon im 14. Jahrhundert v. Chr. Geburt soll der grösste Feld- und Bauherr unter den Ägyptischen Königen, Ramses, den Versuch gemacht haben, den Nil mit dem Rothen Meere zu verbinden. Er führte sein Werk nicht zu Ende, weil man ihm sagte, das Rothe Meer stehe höher als das Delta und werde, wenn man ihm Einlass gewähre, das Fruchtland verderben, ein verzeihlicher Irrthum, den vor den genauen Nivellirungen der Lesseps'schen Kompagnie mehrere neuere Ingenieure getheilt haben und welchem auch ein Atom von Wahrheit zu Grunde liegt, denn das Niveau beider Meere ist wirklich nicht von absolut gleicher Höhe. Der Pharao Necho, dessen Schiffe im siebenten Jahrhundert v. Chr. das Kap der Guten Hoffnung umsegelt haben, erneuerte den gescheiterten Versuch seines grösseren Ahnherrn. Ein Orakel soll ihm die Vollendung des Werks verboten haben, weil es den Barbaren zu Gute kommen werde. Ähnliche Worte sind zu den letzten Vicekönigen von Ägypten geredet worden. ,,Frankreich wird den Nutzen, Ägypten die Lasten haben", riefen die Engländer, welche für ihr Monopol des Europäisch-Indischen Handels zitterten, dem Pascha zu. Lord Palmerston scheute kein Mittel, das Projekt, welches 600 Millionen Menschen in den grossen Weltverkehr ziehen kann, ins Nichts zurückzuführen. Was fragt der Brite nach dem Segen der Welt, wenn seine Handelsinteressen in Frage kommen!

Das Unternehmen, welches Necho unvollendet liess, hat Darius, der Persische König, dessen Vorgänger Kambyses

1) Siehe „Geogr. Mitth.” 1864, S. 220 und Tafel 8.

das Nilthal zu einer Provinz seines Reiches gemacht hatte, nur begeisterten, sondern auch verständnissreichen Herrn zu Ende gebracht. Der Sohn des Hystaspes war ein Organi- v. Lesseps hat Mariette Bey, der bekannte unermüdliche sator erster Ordnung, der weitsichtig, wie er war,

den Ausgräber, dessen Namen wir oben bereits nannten, die enormen Nutzen des Durchstichs, wenn auch nur nach vorhandenen Trümmer aufgedeckt und Lepsius, der sie geMaassgabe der geographischen Kenntnisse seiner Zeit, be- sehen, schreibt darüber: greifen konnte. Seine kriegerischen Landsleute gaben dem „Es zeigten uns die Blöcke eine merkwürdige Mischung klüglich rechnenden Fürsten den Spitznamen des „Krämers", von Ägyptischer und Persischer Darstellung, unter Anderem wenn es aber wahr ist, dass Erhalten schwerer sei als Er- ein Königsschild in Ägyptischer Form, aber mit Keilschrift werben, so hat Darius grösseren Ruhm verdient wie sogar gefüllt; leider ist es nur zur Hälfte erhalten und ein zweites, der grosse Cyrus. Seine Maassregeln für den Ausbau und das daneben stand, ist ganz zerstört; neben den Schildern die Verbindung des Länderkolosses, den er beherrschte, sind, stand der König Darius, dessen Kopf in dem einen Fragwenn man seine Zeit bedenkt, staunenswerth. Die Anlage mente sehr scharf erhalten ist. An allen drei Orten finden des Suez-Kanals gehört nicht zu seinen kleinsten Leistungen. sich aber auch Reste von hieroglyphischen Inschriften, Schon die Gelehrten der Napoleonischen Expedition fanden welche mit den Keilschriften in einer noch nicht ganz festdie Trümmer des Persisch-Ägyptischen Durchstichs. Rozière zustellenden Weise verbunden waren. Auf einem Blocke veröffentlichte damals eine an ihrem Rande gefundene Stein- zeigte sich einerseits Keilschrift, andererseits Hieroglypheninschrift in Keilzeichen (der jetzt vollständig entzifferten schrift, woraus wenigstens für diesen Fall hervorgeht, dass Lautschrift der Persischen Könige), welche den Gründer des ein und dieselbe Stele auf beiden Seiten beschrieben war Baues nennt: „Darius, der grosse König”.

und vielleicht nach den beiden Schriften getheilt. Dass diese Lepsius theilt nun mit, dass durch die Beamten der Denkmäler, die uns zugleich über die Richtung des alten Suez-Kompagnie noch in zwei anderen Ruinenhügeln Denk- Kanals, dessen Spuren noch nicht überall verfolgt und sichtmäler mit Persischen Fragmenten gefunden worden sind, bar sind, belehren, von Darius errichtet wurden, kann nicht und zwar der eine bei dem auf den Karten Serapeum ge- zweifelhaft sein. Ich habe aber zum Überfluss auch den nannten Platze, der andere am Süsswasser-Kanal, 7 Kilo- hieroglyphischen Namen desselben auf einem der Blöcke meter nördlich von Suez.

gefunden." Nach Lepsius haben sich bei dem sogenannten Serapeum Herr Mariette wird diese Ausgrabungen bald publiciren, keine Wohnplätze befunden, hier und an zwei anderen vielleicht gleichfalls als Folge der Lepsius'schen Reise, denn Stellen sind vielmehr nur grosse Denksäulen aufgerichtet der verdiente Franzose hält sonst mit seinen Schätzen Jahre worden, welche, weithin vom Kanal aus sichtbar, erzählen lang zurück, während die sich auf Tage beschränkende, fast sollten, dass König Darius diess Riesenwerk vollendet habe. unbegreifliche Schnelligkeit der Publikation der Funde un- Auf Veranlassung des für Kunst und Wissenschaft nicht seres Landsmanns das höchste Lob verdient.

Geographie und Statistik der Republik Bolivia.

Von Berg-Ingenieur Hugo Reck.

III. Politische Geographie ').
Inhalt: 1. Bevölkerung; 2. Beschreibung der Departements thd Provinzen.

1. Bevölkerung
Über die Grösse der Bevölkerung sind verschiedene Mit-
theilungen gemacht worden, die sehr von einander abweichen.

Auf Ondarza's Karte von 1859 ist sie ohne die wilden Indianer, die man auf 245.000 Mann schätzt, zu 1.742.352 Seelen, also zusammen zu 1.987.352 Seelen angegeben.

Nach dem Ensayo sobre la historia de Bolivia por Manuel José Cortés (Sucre 1861) beläuft sie sich auf 2.236.116 Seelen. Die Differenz mag wohl darin liegen, dass die Zahl der Indios salvajes oder der uncivilisirten wilden Indianer zu gering angenommen wurde, wie wenigstens nach den statistischen Nachrichten von Dalence anzunehmen ist. Hiernach erreichte die Bevölkerung nach offizieller Volkszählung in den Jahren 1845/46 die Zahl von 1.378.896 Seelen, mit Ausnahme der Indios salvajes, welche an den entferntesten Grenzortschaften herumschweifen. Nach Mittheilungen von Personen, welche dort wohnen, und nach denen der Missio

') Die historischen und physikalisch - geographischen Abschnitte nebst Karte von Bolivia s. „Geogr. Mitth.” 1865, SS. 257, 281 und Tafel 10.

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