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von diesem und anderem unerlaubten Gelde Nichts in den Staatsschatz und Halim Bei macht sich auf diese Art jährlich 100.000 Francs. Diess eben ermöglicht es ihm, nicht das Gouvernement selbst zu bestehlen, und es ist daher glaublich, dass Fesan dieses Jahr 40 Beutel (ä 500 Piaster) nach Abzug aller Administrationu - Kosten und Ablöhnung des Militärs erübrigen konnte.

Mursuk, 23. Februar 1866.

Ausrichten für die Weiterreise. — Wenn dieser Brief ankommt, werde ich Mursuk schon verlassen haben, denn bald werden nun drei Kameele, meine alten Diener, Führer u. s. w. von Tripoli ointreffen und ich dann sogleich aufbrechen. Über meinen Weg kann ich nur so viel sagen, dass ich jedenfalls ins Herz Tibesti's werde eindringen können, dann aber wahrscheinlich auf Bilma zurückkommen müssen, denn ich glaube kaum, dass ich mit meinen acht Dienern so ohne Weiteres auf Wara losbrechen kann. Überdiess will ich lieber weniger versprechen, als vielleicht durch Umstände behindert ausführbar sein möchte. Indess glaube ich feBt, dass es mir gelingen wird, Wara zu erreichen, wenn auch über Kuka.

Bas Wetter. — Es ist seit einigen Tagen äusserst heiss, Nachmittags 35° C. im Schatten und Nachts nicht unter 20° C.

Mursuk, 24. Februar 1866. Ausrüstung. — Obgleich die 5000 Francs, die Sie so gütig waren für mich Herrn Konsul Rossi in Tripoli zu übermachen, noch nicht eingetroffen sind, so beeile ich mich doch, Ihnen meinen wärmsten Dank für diese fernere Unterstützung meiner Unternehmungen zu sagen, um so anerkennender, wenn ich die schnelle Bereitwilligkeit in Berücksichtigung ziehe '). Nach dem letzten Briefe Rossi's, der mit Absendung der Kameele und Waaren äusserst zauderte, können die Effekten und der Best des Geldes nun bald hier eintreffen und ich werde dann sogleich aufbrechen. Unter meinen acht Leuten befindet sich ausser Mohamed Gatroni

') Die Ton Gotha aus an G. Rohlfs gesendeten 5000 France waren der letzte Rest der für die Deutsche Expedition nach Inner-Afrika 1860 gesammelten Summe. Da Wara das Ziel der Rohlfs'schen Reise und die Rettung der nach neueren Nachrichten dort vorhandenen Papiere Vogel's ein Hauptmotiv dazu ist, so konnte das Geld im Sinne der Geber wohl nicht passender verwendet werden. — Ausserdem hat die Kgl. Geogr. Gesellschaft zu London abermals 100 Pf. Sterl. an Rohlfs geschickt. A. P.

ein Tuniser, der hier lebenslänglich verbannt war und dessen Freigebung ich beim Muschir in Tripoli erwirkte. Wir sjnd alle mit Doppelflinten versehen (auch habe ich einen Amerikanischen weit tragenden Spencer'schen Repetirstutzen), guten Muthes und frischer Gesundheit, alle Leute sind zuverlässig und derart bei mir engagirt, dass sie hingehen müssen, wohin ich will.

Sprachstudien. — Meinen gezwungenen langen Aufenthalt hier habe ich zum Studium der Sokna-, Kanuri- und TedaSprache benutzt und durch Übung bin ich jetzt so weit, dass ich mich im Kanuri-Idiom ohne Dolmetscher ausdrücken kann, was für mich Bpäter von grossem Nutzen sein -wird.

Mursuk, 18. März 1866.

Abreise. — Vorgestern traf mein alter Diener Hamed Biffi von Tripoli mit den drei Kameelen und den Waaren hier ein und ich kann jetzt bestimmt meinen Aufbruch von hier als am 25. dieses Monates Statt findend verkündigen. Ich muss den Kameelen von Tripoli einige Tage Buhe gönnen, 60nst wäre ich, was mich betrifft, lieber gleich am folgenden Tage aufgebrochen. Sie können sich denken, welch' schreckliche Zeit ich hier in dieser langweiligen Wüstenresidenz verlebt habe, indem in letzter Zeit auch die Konsuln in Tripoli mich abgereist glaubten und mir weder Zeitungen noch Briefe schickten.

Einiges Geld ist noch auf dem Französischen Konsulat in Tripoli zur Bezahlung meiner Diener deponirt, 14.000 Piaster habe ich hier beim Beilik baar erhoben und ich bin jetzt, Dank Ihrer prompten und bereitwilligen Fürsorge, besser und vollständiger als je ausgerüstet. Mir und meinen acht Dienern schliesst sich eine Gafla von eben so vielen Ghorian-Bewohneni an, alle tapfere Leute, tapfer aus Geiz, weil sie viele Waaren für Bornu mit sich führen und eher zwei Mal den Tod erleiden, als ihre Waaren im Stiche lassen würden. Ich denke also mit Gott gut durchzukommen. Maina-Adern ist auch noch hier, da Beine Kameele vom Harudj noch nicht angekommen sind, ich glaube aber, dass er mit mir aufbrechen wird. Meine Kameele sind alle gut in Stand.

Habe ich von Gatron oder Tedjerri Gelegenheit, so werde ich noch schreiben. Sendungen an mich wird Herr Rossi j mittelst des hiesigen Kaimakam oder Schich el-Blad an den Sultan Omar in Kuka, dem einzigen Ort, den ich abs sicheres Ziel bezeichnen kann, befördern.

231

.....

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21

11

Geographische Notizen.
Einkommen Europäischer Regenten.

Ozea-Berg (Rumelia) . .

. 4636 Engl. Fuss,

Hagios Ilias (Insel Chio) Übersicht des Einkommens einzelner Europäischer Staaten

.

4157 Lastos-Berg (Insel Karpatho)

4000 und deren Regenten, nach den neuesten Feststellungen eines Kurublia-Berg (Euböa)

3967 Französischen National-Ökonomen in Francs :

Nomali-Berg (Insel Levkada)

3750 Namen des Staats. Fürstl. Einkommen. Staats-Einkommen.

Prozent.
Melissa-Berg (Insel Nikaria)

3390 Russland. . 42.500.000

1.200.000.000

3,5
Oxia-Berg (Insel Naxia) .

3290 Türkei . . 33.500.000

310.000.000

10,8
Kovari-Berg (Insel Andro).

3200 Frankreich . 26.000.000 2.000.000.000

Olympos-Berg (I. Midillü oder Lesbos

3079 Österreich . 20.000.000 760.000.000 Kochilas-Berg (Insel Skyro).

2565 Italien . . 12.000.000 510.000.000 Hagios Ilias (Insel Milo) .

2538 Gross-Britannien 11.750.000 1.800.000.000

Hagios Ilias (Insel Paro) . .

2530 Preussen. . 9.634.000 500.000.000 Yeri-Berg (Insel Zakyntho). .

. 2274 Spanien . . 9.000.000 620.000.000 Insel Nisyro, höchster Punkt

. 2270 Bayern . . 6.250.000 95.000.000 Hagios Ilias (Insel Santorini) .

, 1887 Portugal. 3.750.000

75.000.000 Belgien . . 3.000.000

150.000.000 Niederlande 2.500.000

110.000.000 Sachsen: . 2.000.000

60.000.000

Goldausbeute im Ural und dem Orenburgischen Gebiet. Skandinavien. 1.900.000

40.000.000 Griechenland, 1.300.000 22.000.000

Einer Zusammenstellung von Kapitän Bielonossow in dem Dänemark . 1.200.000

45.000.000

2,7 Russischen Journal für Bergwesen (Dezember 1865) entHannover ; 1.100.000

70.000.000

1,6 nimmt das „Journal de St.-Pétersbourg” die Angaben über Württemberg. 1.100.000

35.000.000

3,1

den Goldertrag der verschiedenen Minen der Uralischen Kirchenstaat. 1.000.000

30.000.000

· 3,3 Summe 189.484.000

und Orenburgischen Länder von 5 zu 5 Jahren seit ihrer 8.432.000.000 Durchschnitt 2,3 Das fürstliche Einkommen ist theils in der Form einer

Eröffnung bis zum Jahre 1864. Die Total - Summen sind Civilliste, theils unter einem anderen Einkommentitel. Nächst

folgende: dem Sultan hat der König von Bayern den grössten Prozent

Der Krone gehörige Bergwerke im Ural

eröffnet seit Ertrag an reinem Gold '). satz des gesammten Staatseinkommens, die Königin von

Pud. Pfund. Solotnik. Doli. England den geringsten.

Ekatherinburg (Leipziger Illustrirte Ztg. 12. Mai 1866.)

. . .

1974 1754

27 82 Goroblagodat. . . . 1823 306 396

76 Bogosslowsk, . .

1823 1420

94 .264 Slatoustow . .

1825 1906 19 63 Wichtige Höhenpunkte in Griechenland und dem Archipel.

5608

Privat-Bergwerke im Ural. Da wir gegenwärtig eine Karte von Griechenland und Wsewolojsky's Minen im Norden 1828 237 dem Griechisch-Türkischen Archipel für Stieler's Hand-Atlas

Wsewolojsky's Minen im Süden 1825 142 bearbeiten und Behufs einer möglichst richtigen und an

Krestowozdwijensky .

317

. 1825 Nijnitagilsk

1823 1099 schaulichen Terrain-Darstellung die Resultate aller Höhen

Werch-Isset . . . . 1819 1876

95 messungen, welche bis jetzt im besagten Gebiete ausgeführt Schaîtan . . . . 1823 205 worden sind in Griechenland von Französischen Offizieren

Bilimbiewsk. . . . 1823

131 30 Sergiewsky.

302 des Generalstabs, auf dem Archipel von Offizieren der Engli

Kischtwimski und Kasslinski. 1823 893 10 31 schen Admiralität), zusammengetragen haben, so geben wir Newianski

. 1820 730 hier eine Liste der wichtigsten und interessantesten. Die Werchneufalk

. 1823 41 38 37 Angaben in den geographischen Handbüchern sind oft un

Sissertsk

1823 732 genau und differiren so bedeutend unter einander, dass ge

6710

Bergwerke im Orenburgischen. naue Höhenzahlen von einer Auswahl der wichtigsten Punkte

Gebiet der Baschkiren .

335

79 willkommen sein müssen.

Gebiet der Teptiaris
. . . .

7

278 Kiona-Berg (Rumelia) . . . . . . 8241 Engl. Fuss,

Wald von Berezowa .

45 Madaoch-Berg (Insel Kreta). .

8100
Gebiet der Kosaken .

916 37 94 Liakura-Gebirge, höchster Punkt (Rumelia). 8068

1536 39 76 40 Psiloriti- oder Ida-Berg (Insel Kreta).

8060

Bergwerke im Gouvernement Perm. Hagios Ilias (Pentedaktylo-Gebirge auf Morea) . 7904

Distrikt von Werchoturie . 1861

. 1861 52 28 47 75 Chelmos-Berg (Morea).

7726
Distrikt von Tscherdin . . 1861

91 Veluchi-Berg (Rumelia) 7608

: 55 34 71 70 Olonos-Berg (Morea) .

7297 Tzurnata-Berg (Rumelia) .

7112 Stavro-Berg (Insel Kreta).

7100 Kani-Berg (Malevo-Gebirge auf Morea)

6355

1) 1 Pud = 40 Pfund, 1 Pfund = 96 Solotnik, 1 Solotnik = Paläo Vuno (Rumelia)

96 Doli. Das Pfund Gold = 1,673163 alte Pariser Mark
.
5738

=
.

1,761454 Delphi-Berg (Euböa). .

wahre Kölnische Mark = 1,751131 Preussische Mark = 1,459185 Wiener

5719 Gerakovuni (Rumelia) . .

5669

Mark. Phengari-Berg (Insel Samathraki)

. 5248 Elato-Berg (Insel Kephalonia) .

5246 Kerki-Berg (Insel Samo) . . . 4725

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19

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1826

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Die Nurtoak-Wurzel des Libanon').

Der Deutsche Reisende C. Strilack hat die Nurtoak"Wurzel (Radix eorniolaj auf seinen Reisen im Orient im Jahre 1860 auf den Höhen des Anti-Libanon und Hau ran in einer Höhe von 4- bis 6000 Fuss über dem Meere aufgefunden und als eine beachtungswerthe Drogue und als ein neues diätetisches Nahrungsmittel in Deutschland eingeführt. Die Nurtoak - Wurzel (auf Deutsch: Nährwurzel, von norerir, ernähren, und toak, Arabischer Provincialismus für Wurzel) ist die Wurzel einer Asphodelus-Art und hat auch nach Kotschy, der die genannten Gegenden bereiste, den Namen Aspkodelus Kotschyi erhalten. Diese schöne, schlanke, äusserlich unseren Orchideen gleichende, etwa 2J Fuss hohe Pflanze ans der Familie der lilienartigen Gewächse ist nach Prof. Reichenbach2) wahrscheinlich verwandt der „Kartoffel der alten Griechen", der Wurzel des Ästigen Asphodelus, welchen der Sänger Homer eine Zierpflanze auf den Wiesen der Unterwelt nennt und dessen Wurzel schon im Alterthum als eine leckere Speise galt. — Sie wächst auf steinigem Boden und zeigt einen knolligen Wurzelstock mit sechs bis sieben länglichen, sehr fleischigen Ausläufern, die in der Mitte dicker, gegen die beiden Enden hin etwas dünner werden und gegen das Licht gehalten ähnlich wie der längst bekannte Salep hornartig durchscheinen. Die Wurzel, die ich hier vorlege, quillt im Wasser sehr auf, so dass 5 Pfund erst 1 Pfund im getrockneten Zustande geben. Die Wurzel, deren Einsammeln daher schwierig ist, wird in Decken von Angora-Haar durch die Eingebornen nach der Küste transportirt.

Bei genauerer Prüfung fand Herr Strilack in den Wurzelfasern dieser schön blühenden Stammpflanze des Nurtoak einen grossen R«ichthum eines leicht löslichen, angenehm schmeckenden Pflauzcnschleims und überzeugte sich bald — nachdem er sich 4 Tage lang mit seinen Begleitern von solchen Wurzeln ernährt hatte —, dass sich dieselben zu Mehl verarbeitet verwenden licssen:

1. als beachtungswerthe Drogue, d. h. als eine zum Medicinal-Gebrauch in eine der Pharmakopoen aufgenommene Pflanze (Heilmittel), ähnlich wie Salep und Arrowroot;

2. als ein wohlfeiles, kräftiges, leicht verdauliches diätetisches Nahrungsmittel, das auf den Magen reizend wirkt und demselben zugleich kräftigen Nahrungsstoff bietet;

3. als Klebsubstanz für Buchbinder, Hutmacher u. s. w. Herr Strilack kam daher auf die glückliche Idee, dieses

neue, in grosser Menge zu beschaffende und nie auszubeutende Nahrungsmittel mit der Aussicht in Deutschland einzuführen , dass vielleicht später diese Pflanze selbst, deren lange Blätter überdiess von den Ziegen gern gefressen werden , in Deutschland kultivirt werden könnte. Er brachte daher von seiner ersten Reise mehrere Okkas (zu 2£ Pfund Zollgewicht) dieser zu Mehl geriebenen Wurzel mit und legte Proben derselben verschiedenen wissenschaftlichen Autoritäten zur Prüfung und Begutachtung vor. Als seine Erwartungen durch die erlangten Prüfungen und Urtheile vollständig bestätigt worden waren, kehrte Herr Strilack

') Vortrag dos Hrn. Dr. Alexander Ziegler im Freien Deutschen Hochstift zu Frankfurt a. M. 13. April 1865. (Berichte des Freien Deutschen Hochstiftes, 10. Januar 1866, SS. 63—65.)

») Vgl. Industrie-Blätter, Wochenschrift, Berlin den 12. Januar 1865.

im Jahre 1863 abermals nach Syrien zurück, brachte eine reiche gesammelte Ernte von circa 22.000 Pfund Knollen — abgesehen von den noch im Libanon und an der Syrischen Küste lagernden 45.000 Pfund — nach Deutschland, besonders nach Triest, Wien und Dresden zurück und versuchte dieses Wurzelmehl als ein neues Nahrungsmittel in Handel zu setzen. Das sorgfältig und rein dargestellte Mehl— der Centnerpreis stellt sich nur auf ungefähr 22 bis 25 Thaler, während der Salep dreifach so viel kostet — wird gegenwärtig im Kleinhandel das Paquet zu 6 Sgr. verkauft.

Bei der voraussichtlichen Wichtigkeit dieses neuen Nahrungsmittels für die leidenden und weniger bemittelten Volksklassen wollen wir noch Einiges über die von ausgezeichneten Chemikern gemachten Untersuchungen des NurtoakMehles, über die verschiedenen Arten der Verwendung als diätetisches Nahrungsmittel und über den Charakter als Klebsubstanz für technische Zwecke anführen.

Professor Löwig in Breslau erklärt'), dass der schleimige Stoff des Nurtoak-Mehles in allen Beziehungen mit dem Pflanzenschleim übereinstimme, indem derselbe durch Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure bald in Traubenzucker übergehe und durch Salpetersäure in Schleimsäure und Oxalsäure verwandelt werde, und dass er keinen Anstand nehme, seine Überzeugung dahin auszusprechen, dass die Nurtoak - Wurzel zu allen den medicinischen Zwecken angewendet werden könne, zu welchen überhaupt Pflanzenschleim und besonders Salepschleim gebraucht werde.

Auch Professor Sussdorf in Dresden erklärte, dass das 'Nurtoak-Mehl mit dem Saleppulver grosse Ähnlichkeit habe, es sei ausserordentlich schleimhaltig, frei von schädlichen Bestandthcilen, enthalte aber weniger Stärkemehl als der Salep, mit Wasser gebe es einen dicken, zähen, geruchund geschmacklosen Schleim, der sich mit verdünnten Säuren bald verflüssige und in Zucker übergehe.

Nach Dr. Herrn. Ludwig in Jena enthält Strilack's Nurtoak einen leicht verdaulichen Schleim (Pllanzenschleim), einen in kaltem Wasser löslichen, durch Hitze nicht gerinnbaren, durch Gerbsäure fällbaren Eiweisskörper, ferner einen süssen, syrupartig bleibenden Zucker und endlich einen gelben Farbstoff, der mit Kali versetzt zwiebelroth wurde. Abwesend waren echtes Stärkemehl und Fett. Der Geruch der Abkochung hat etwas Fleischbrühartiges. In der Asche fand sich reichlich Kali, Kalk und Phosphorsäure.

Staatsrath Schleiden (gegenwärtig in Dresden), der die Wurzel einer mikroskopischen Untersuchung unterwarf, fand, dass dieselbe ein sehr zartwandiges Zellengewebe und sehr zarte Gefässbündel besitzt. Die Zellen seien ganz mit vegetabilischem Schleim gefüllt und in demselben nur selten ein einzelnes Stärkekörnchen zu entdecken. Das Mehl der Knolle zeige scharfkantige Stücke des Schleims oder schon in Wasser aufgequollene farblose Massen, ausserdem einzelne ganze und viele zerrissene Zellen und Stückchen der Gefässbündel. Als sehr reiner, leicht löslicher vegetabilischer Schleim müsse dieser Stoff jedenfalls dem Salep an die Seite gestellt, vielleicht seiner vollkommenen Geschmacklosigkeit wegen noch vorgezogen werden.

Auch das „Archiv der Pharmacie" von L. Bley und

') Die Leipziger Polytechnische Gesellschaft ihren Mitgliedern und , Freunden, Nr. 7, 1864—65.

Ludwig') enthält einen Strilack's Nurtoak empfehlenden Aufsatz von Dr. L. F. Bley.

Als diätetisches Nahrungsmittel wird das Nurtoak-Mehl mit Erfolg angewendet:

1. bei dem Aufziehen der Kinder, weil es natürlich gebildeten Fruchtzucker und feinen Pflanzenschleim (Inulin n. s. w.) enthält und somit nährend wirkt, um so mehr, als es einen Eiweissstoff enthält, der durch Kochen nicht gerinnt;

2. bei Personen, die an schlechter Verdauung leiden und die 6ich insbesondere des Genusses des Schwarzbrodes enthalten müssen. Auch wird es von Autoritäten für Harnröhreleidende, bei der bisher für unheilbar gehaltenen Zuckerkrankheit, für Brustkranke (Brusttheemischungen) und für Rekonvalescenten (6tatt des Malzextraktes) empfohlen. Auch kann es zu chirurgischen Zwecken (statt des Pressschwammes) vortheilhaft verwandt werden. Von den bekannten Dresdner Ärzten Dr. Richter und Dr. Küchenmeister wird daB Nurtoak-Mehl, das 50 Prozent billiger ist als Salep, als leicht verdaulich empfohlen.

Man kann es aber als Leckerspeise in verschiedenen Formen, mit Fruchtsaft oder mit "Wein, Chokolade, Kakao, Milch u. s. w. vermischt, bereiten und zu einer sehr nahrhaften, den Geschmack der mock-turtle führenden Speise machen. Die einfache Form der Verwendung, z. B. als beliebte Fastenspeise, besteht darin, dieses Mehl aufzukochen und etwas Butter und Salz zuzusetzen. Für die Hauswirthschaft kann man sich eine gute Suppe bereiten, wenn man zwei Esslöffel des Nurtoak - Pulvers mit '/2 Quart Wasser kocht und etwas Butter und Salz beimischt. Di geschrotener Form giebt es einen klaren Schleim mit angenehmem, wie Nuss schmeckenden Rückstände, der anstatt Sago (aber viel wohlfeiler als dieser) den Suppen beigesetzt werden kann. In der neuesten Zeit hat man glückliche Versuche gemacht, das Nurtoak-Mehl, nur mit Ei versetzt, in Tortenform — ähnlich der Brodtorte — zu bereiten.

In grossen Massen nach Deutschland eingeführt oder auf unseren kahlen Gebirgen erbaut, würde das Nurtoak-Mehl sich so billig herstellen lassen, dass es wohl zu einigen Brodarten verwendet werden könnte. Schon jetzt wird das Nurtoak-Mehl auf Reisen, im Felde und auf der See (Marine) zweckmässig befunden, weil es 1. dem Verderben nicht unterworfen ist und 2. einige Esslöffel voll, die man leicht bei sich führen kann, genügend sind, den hungrigen Magen zu sättigen.

Um es als Klebsubstanz zu benutzen, braucht es nur mit kaltem WaBser angerührt zu werden, um einen dicken Schleim zu erhalten, während Salep heisses "Wasser erfordert. Dieser Klebestoff (der freilich bei den jetzigen Preisen mit dem Stärkemehl noch nicht konkurriren kann) wird in technischer Beziehung für die Arbeiten der Hutmacher, Tapezirer, Buchbinder, Blumen- und Cartonnagen-Fabriken, für Druckereien und, da es mit Glycerin versetzt Tage lang nicht austrocknet und keine glänzende starre Uberzugsschicht bildet, auch für Papierfabriken, Damastwebereien u. B. w. für die Zukunft von Nutzen sein können. Auch kann das Nurtoak-Pulver seiner vorzüglichen Klebkraft halber zur Befestigung von Etiquetten auf Papier, Pappe, Holz, Glas, Porzellan, als Bindemittel beim Farbendruck, zum

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Verdicken der Mineralfarben, beim Tapeten- und Zeugdrucke, so wie zum Aufkleben von Photographien verwendet werden.

Diese Notizen mögen für heute genügen, Ihre Aufmerksamkeit auf die Nurtoak-Wurzel des Libanon zu richten. Aus den gegebenen Erörterungen glauben wir zu dem Schlüsse berechtigt zu sein, dass das Nurtoak-Mehl, wenn es gelingt, dasselbe in grösseren Massen und zu wohlfeileren Preisen für die merkantile Welt zu beschaffen, als beachtungswerthe Drogue, als kräftiges, leicht verdauliches diätetisches Nahrungsmittel und als Klebsubstanz eine Zukunft in medicinischer, diätetischer und technischer Beziehung haben und vielleicht einen national-ökonomischen Einfluss auf den Volkswohlstand ausüben kann.

Sie tropische Fauna des Jordan-Thaies.

Blättert man den Jahrgang 1865 der schön illustrirten ornithologischen Zeitschrift „The Ibis" durch, so wird das Auge von einem reizenden Bildchen gefesselt, das einen Kolibri-ähnlichen Honigvogel mit prachtvollem Gefieder in glücklichem Familienleben zwischen Weibchen und Jungen darstellt. Die Unterschrift nennt ihn Nectarinia osea; es ist der Sonnenvogel, der sogenannte Kolibri von Jericho. Aus dem zugehörigen Aufsatz des bekannten Naturforschers und Reisenden Tristram erfahren wir, dass dieser prächtige kleine Vogel in grosser Zahl an den Ufern des Todten Meeres lebt, und überrascht uns dieses Vorkommen tropischer Formen in Palästina, so belehrt uns Tristram, dass die Fauna des Jordan-Thaies und Todten Meeres überhaupt eine tropische sei.

Im Allgemeinen ist die Ornis von Palästina wesentlich die des Mittelländischen Meeres, wenn auch einige Herumstreicher aus dem östlichen Afrika und wenige andere aus dem Euphrat - Thal angetroffen werden; aber wie der sogenannte Ghor, das tief unter dem Meeresspiegel gelegene Thal des Jordan und Todten Meeres, für die Bodengestaltung des Landes so höchst charakteristisch ist, so bietet er auch in Bezug auf die Fauna eine ganz eigenthümliche Erscheinung, er ist ein kleiner tropischer Streifen inmitten der gemässigten Zone. Schon Josephus erwähnt, dass einige Fische des See's von Galiläa diesem eigenthümlich, andere mit den Fischen des Nil identisch seien, und die Alten zogen daraus den Schluss, dass Quelle und Bach Capharnaum, welche in den See sich ergiessen, eine Ader (qltßu) des Nil seien und der Jordan ehemals in den Nil gemündet habe. Beides sind eitle Träume, aber die Beobachtung an sich war richtig, denn von den 14 Fischspecies, welche Tristram 1864 im See von Galiläa sammelte, sind die meisten identisch mit Fischen des Nil und die übrigen haben einen Afrikanischen Charakter. So fand er vier Arten von der Gattung Chromis, welche Afrika eigenthümlich ist, und unter diesen vier war die in Ägypten häufige Chromis nilotica. Der See von Galiläa ist der nördlichste Punkt, wo ein Glied dieser Gattung bis jetzt entdeckt wurde, und doch ist sie an dieser äussersten Nordgrenze ihres Gebiets durch vier Species repräsentirt. Die Gattung Hemichromis lernte man zuerst im Gabun kennen und jüngst brachte Dr. Kirk sieben Species derselben aus dem Nyassa-See, jetzt aber hat man im See von Galiläa eine weitere Species dieses tro-. pisch-Afrikanischen Geschlechtes aufgefunden.

Ähnliches zeigt sich nun auch in der Ornis. Die Zahl der bis jetzt aus Palästina bekannten Vogel-Arten beträgt 322. Davon hat es 58 eigentümlich oder mit Nordost - Afrika gemein, 7 sind Indische Formen oder haben ihre nächsten Verwandten in der Indischen und Persischen Fauna, 31 von den 58 sind Wüsten-Formen, 260 der ganzen Zahl finden sich in den Verzeichnissen der Südost-Europa und KleinAsien bewohnenden Vögel. Alle Species von Afrikanischem Charakter finden sich hauptsächlich, die meisten, ausschliesslich im Ghor und es ist wiederum eine auffallende Erschei'nung, dass die Fauna ostwärts und westwärts vom Ghor dieselbe ist, das tropische Depressions - Gebiet also keine Grenzscheide bildet.

Kohlenlager in Assam.

Wie der Jahresbericht der Geologischen Aufnahme von Indien für 1864—65 meldet, ist Medlieott durch Untersuchungen an Ort und Stelle zu befriedigenden Schlüssen in Bezug auf die Ausdehnung und den Werth der Kohlenlager in Assam gelangt. Nach ihm giebt es südlich vom Brahmaputra weit ausgebreitete und höchst werthvolle Ablagerungen von Kohle ausgezeichneter Qualität, die allen bisher iu Indien aufgefundenen Kohlen überlegen ist. Leicht könnte sich an die Ausbeute dieser Fundgrube eine neue Ära für die Industrie und den gesammten Aufschwung Indiens knüpfen.

Dr. Schweinfurth's Rückkehr nach Ägypten.

Nachdem seit August vorigen Jahres alle Nachrichten über Dr. Schweinfurth ausgeblieben waren, traf endlich im März ein Brief von ihm aus Chartum, d. d. 10. Januar 1866, ein und Anfang Juni ein anderer, aus Kairo vom 25. Mai datirt. Hiernach hat sich Dr. Schweinfurth von Ende Mai bis November vorigen Jahres in Matamma aufgehalten und die Umgegend sehr eingehend botanisch untersucht. Die Flora zeigt die grösste Übereinstimmung mit der von Fasoglu und den anderen Ländern am Blauen Nil; alle Novitäten, welche Cienkowski, Hartmann und v. Harnier sammelten, fanden sich auch dort, zum Theil gemein, wie Cienkowskia aethiopica Schuf, und Kosaria Barnimiana Schuf. Leider wurde seine wissenschaftliche Thätigkeit durch häufige Fieberanfiille unterbrochen.

Von Matamma reiste Dr. Schweinfurth über Gcdaref und Abu Harras auf dem gewöhnlichen Wege, zu dessen geographischer 'Festlegung er indess noch wichtiges Material gesammelt hat, nach Chartum und von dort über Suakin und Sues nach Kairo, um seine Sammlungen, die 15 grosse Kisten füllen, nach Europa zu expediren.

Damit schliessen jedoch Schweinfurth's Afrikanische Reisen keineswegs, vielmehr war er eifrig mit Vorbereitungen zu einer neuen Expedition nach dem Sudan beschäftigt, über deren Plan er uns nächstens Nachricht zu geben versprach.

Das Zerlegen und Verzehren eines Elephanten in SüdAfrika.

Als Livingstone 1860 am Zambesi aufwärts reiste, um die Makololo, die ihm 1856 flussabwärts nach den Portu

giesischen Besitzungen gefolgt waren, wieder nach Hause zu bringen, erlegten diese Leute einen Elephanten, dessen Theilung und Verzehrung Livingstone in seinem neuen, von Martin aus dem Englischen übersetzten Buche (Neue MissionsBeisen in Süd-Afrika) beschreibt:

„Das Zerlegen eines Elephanten ist ein Schauspiel, das durchaus einzig in seiner Art bleibt. Die Leute stehen iu Todtenstille um das Thier, während der Chef der reisenden Gesellschaft erklärt, dass nach altem Recht der Kopf und das rechte Hinterbein dem gehören, der das Thier erlegte, das heisst demjenigen, der ihm die erste Wunde beibrachte, das linke Hinterbein dem, der die zweite Wunde lieferte oder das Thier, nachdem es gefallen, zuerst berührte, das Fleisch um das Auge herum dem Engländer oder Chef der Reisenden und verschiedene Theile den Vorstehern der verschiedenen Feuer oder Gruppen, aus welchen das Lager zusammengesetzt ist, wobei er nicht vergisst, die Aufbewahrung des Fettes und der Eingeweide für eine zweite Vertheilung einzuschärfen. Nachdem diese Rede beendigt ist, gerathen die Eingebornen alsbald in Aufregung und erheben ein wildes Geschrei, indem sie mit einer Menge von Speeren, deren lange Schafte über ihren Köpfen in der Luft zittern, am Leichnam herumschneiden. Ihre Aufregung wird jeden Augenblick stärker und stärker und erreicht ihren Höhepunkt, wenn, wie durch ein Brausen von Gas angedeutet wird, die ungeheure Masse sich schön auseinander legt Einige springen hinein und wälzen sich in ihrer Begierde, sich des kostbaren Fettes zu bemächtigen, darin herum, während Andere laut schreiend mit Stücken des blutigen Fleisches fortlaufen, es ins Gras werfen und zurückeilen, um noch mehr zu holen. Alle schwatzen und schreien fortwährend, so arg sie nur können. Bisweilen ergreifen zwei oder drei, unbekümmert um alle Gesetze, ein und dasselbe Stück Fleisch und fiihren einen kurzen Wortkampf darum. Dann und wann erhebt sich ein mörderisches Geschrei und ein Eingeborner taucht aus der sich bewegenden Masse des todten Elephanten und der sich hin und her windenden Menschen mit seiner an dem Speer seines aufgeregten Freundes und Nachbars arg zerschnittenen Hand auf; um böses Blut zu verhindern, sind für ihn ein Lappen und einige besänftigende Worte nöthig. In unglaublich kurzer Zeit sind Tonnen Fleisch zerschnitten und ringsum auf besondere Haufen gelegt.

„Den Vorderfuss des Elephanten hatten wir auf einheimische Art für uns selbst gekocht. Es wurde ein grosses Loch in den Boden gegraben, in welches ein Feuer gemacht wurde, und als das Innere des Loches durch und durch erhitzt war, wurde der ganze Fuss hineingelegt und mit der heissen Asche und Erde überdeckt; über das Ganze wurde ein zweites Feuer gemacht und die ganze Nacht brennend erhalten. Nächsten Morgen hatten wir den so gekochten Fuss zum Frühstück und fanden ihn köstlich. Es ist eine weissliche Masse, schwach gallertartig und süss wie Mark. Nach einer Mahlzeit von Elephantenfuss ist ein langer Marsch eine weise Vorsichtsmaassregel, um Gallenfieber zu verhindern. Rüssel und Zunge des Elephanten sind ebenfalls gut und gleichen nach langem gelinden Kochen sehr dem Buckel eines Büffels und der Zunge eines Ochsen, . aber alles übrige Fleisch ist zähe und lässt sich wegen seiI nes eigentümlichen Geschmackes nur essen, wenn man

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