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von diesem und anderem unerlaubten Gelde Nichts in den Staatsschatz und Halim Bei macht sich auf diese Art jährlich 100.000 Francs. Diess eben ermöglicht es ihm, nicht das Gouvernement selbst zu bestehlen, und es ist daher glaublich, dass Fesan dieses Jahr 40 Beutel (à 500 Piaster) nach Abzug aller Administrations - Kosten und Ablöhnung des Militärs erübrigen konnte.

Mursuk, 23. Februar 1866. Aussichten für die Weiterreise. Wenn dieser Brief ankommt, werde ich Mursuk schon verlassen haben, denn bald werden nun drei Kameele, meine alten Diener, Führer

. 6. w. von Tripoli eintreffen und ich dann sogleich aufbrechen. Über meinen Weg kann ich nur so viel sagen, dass ich jedenfalls ins Herz Tibesti's werde eindringen können, dann aber wahrscheinlich auf Bilma zurückkommen müssen, denn ich glaube kaum, dass ich mit meinen acht Dienern so ohne Weiteres auf Wara losbrechen kann. Überdiess will ich lieber weniger versprechen, als vielleicht durch Umstände behindert ausführbar sein möchte. Indess glaube ich fest, dass es mir gelingen wird, Wara zu erreichen, wenn auch über Kuka. Das Wetter. – Es ist seit einigen Tagen äusserst heiss,

. Nachmittags 35o C. im Schatten und Nachts nicht unter 20° C.

Mursuk, 24. Februar 1866. Ausrüstung. Obgleich die 5000 Francs, die Sie so gütig waren für mich Herrn Konsul Rossi in Tripoli zu übermachen, noch nicht eingetroffen sind, so beeile ich mich doch, Ihnen meinen wärmsten Dank für diese fernere Unterstützung meiner Unternehmungen zu sagen, um kennender, wenn ich die schnelle Bereitwilligkeit in Berücksichtigung ziehe '). Nach dem letzten Briefe Rossi's, der mit Absendung der Kameele und Waaren äusserst zauderte, können die Effekten und der Rest des Geldes nun bald hier eintreffen und ich werde dann sogleich aufbrechen. Unter meinen acht Leuten befindet sich ausser Mohamed Gatroni

ein Tuniser, der hier lebenslänglich verbannt war und dessen Freigebung ich beim Muschir in Tripoli erwirkte. Wir sind alle mit Doppelflinten versehen (auch habe ich einen Amerikanischen weit tragenden Spencer'schen Repetirstutzen), guten Muthes und frischer Gesundheit, alle Leute sind zuverlässig und derart bei mir engagirt, dass sie hingehen müssen, wohin ich will.

Sprachstudien. — Meinen gezwungenen langen Aufenthalt hier habe ich zum Studium der Sokna-, Kanuri- und TedaSprache benutzt und durch Übung bin ich jetzt so weit, dass ich mich im Kanuri-Idiom ohne Dolmetscher ausdrücken kann, was für mich später von grossem Nutzen sein wird.

Mursuk, 18. März 1866. Abreise. Vorgestern traf mein alter Diener Hamed Riffi von Tripoli mit den drei Kameelen und den Waaren hier ein und ich kann jetzt bestimmt meinen Aufbruch von hier als am 25. dieses Monates Stattfindend verkündigen. Ich muss den Kameelen von Tripoli einige Tage Ruhe gönnen, sonst wäre ich, was mich betrifft, lieber gleich am folgenden Tage aufgebrochen. Sie können sich denken, welch' schreckliche Zeit ich hier in dieser langweiligen Wüstenresidenz verlebt habe, indem in letzter Zeit auch die Konsuln in Tripoli mich abgereist glaubten und mir weder Zeitungen noch Briefe schickten.

Einiges Geld ist noch auf dem Französischen Konsulat in Tripoli zur Bezahlung meiner Diener deponirt, 14.000 Piaster habe ich hier beim Beilik baar erhoben und ich bin jetzt, Dank Ihrer prompten und bereitwilligen Fürsorge, besser und vollständiger als je ausgerüstet. Mir und meinen acht Dienern schliesst sich eine Gafla von eben so vielen Ghorian-Bewohnern an, alle tapfere Leute, tapfer aus Geiz, weil sie viele Waaren für Bornu mit sich führen und eher zwei Mal den Tod erleiden, als ihre Waaren im Stiche lassen würden. Ich denke also mit Gott gut durchzukommen. Maina-Adem ist auch noch hier, da seine Kameele vom Harudj noch nicht angekommen sind, ich glaube aber, dass er mit mir aufbrechen wird. Meine Kameele sind alle gut in Stand.

Habe ich von Gatron oder Tedjerri Gelegenheit, so werde ich noch schreiben. Sendungen an mich wird Herr Rossi mittelst des hiesigen Kaimakam oder Schich el-Blad an den Sultan Omar in Kuka, dem einzigen Ort, den ich als sicheres Ziel bezeichnen kann, befördern.

SO aner

) Die von Gotha aus an G. Rohlfs gesendeten 5000 Francs waren der letzte Rest der für die Deutsche Expedition nach Inner-Afrika 1860 gesammelten Summe. Da Wara das Ziel der Rohlfs'schen Reise und die Rettung der nach neueren Nachrichten dort vorhandenen Papiere Vogel's ein Hauptmotiv dazu ist, so konnte das Geld im Sinne der Geber wohl nicht passender verwendet werden. Ausserdem hat die Kgl. Geogr. Gesellschaft zu London abermals 100 Pf. Sterl. an Rohlfs geschickt.

A. P.

231

Geographische Notizen. .

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10,8

Ozea-Berg (Rumelia)
Hagios Ilias (Insel Chio)
Lastos-Berg (Insel Karpatho)
Kurublia-Berg (Euböa)
Nomali-Berg (Insel Lévkada)
Melissa-Berg (Insel Nikaria)
Oxia-Berg (Insel Naxia)
Kovari-Berg (Insel Andro)
Olympos-Berg (I. Midillü oder Lesbos)
Kocbilas-Berg (Insel Skyro).
Hagios Ilias (Insel Milo)
Hagios Ilias (Insel Paro)
Yeri-Berg (Insel Zakyntho)
Insel Nisyro, höchster Punkt
Hagios Ilias (Insel Santorini)

4636 Engl. Fuss, 4157 4000 3967 3750 3390 3290 3200 3079 2565 2538 2530 2274 2270 1887

.

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5,0

Einkommen Europäischer Regenten. Übersicht des Einkommens einzelner Europäischer Staaten und deren Regenten, nach den neuesten Feststellungen eines Französischen National-Ökonomen in Francs : Namen des Staats. Fürstl. Einkommen. Staats-Einkommen.

Prozent. Russland. 42.500.000 1.200.000.000

3,5 Türkei 33.500.000

310.000.000 Frankreich 26.000.000 2.000.000.000

1,3 Österreich 20.000.000

760.000.000

2,7 Italien 12.000.000 510.000.000

2,3 Gross-Britannien 11.750.000 1.800.000.000

0,6 Preussen. 9.634.000 500.000.000

1,9 Spanien 9.000.000 620.000.000

1,5 Bayern 6.250.000 95.000.000

6,6 Portugal 3.750.000

75.000.000 Belgien 3.000.000 150.000.000

2,0 Niederlande 2.500.000

110.000.000

2,3 Sachsen. 2.000.000 60.000.000

3,3 Skandinavien 1.900.000

40.000.000

4,7 Griechenland 1.300.000

22.000.000

5,9 Dänemark 1.200.000 45.000.000

2,7 Hannover 1.100.000 70.000.000

1,6 Württemberg 1.100.000

35.000.000

3,1 Kirchenstaat 1.000.000

30.000.000

3,3 Summe 189.484.000 8.432.000.000 Durchschnitt 2,3 Das fürstliche Einkommen ist theils in der Form einer Civilliste, theils unter einem anderen Einkommentitel. Nächst dem Sultan hat der König von Bayern den grössten Prozentsatz des gesammten Staatseinkommens, die Königin von England den geringsten. (Leipziger Illustrirte Ztg. 12. Mai 1866.)

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Wichtige Höhenpunkte in Griechenland und dem Archipel.

Da wir gegenwärtig eine Karte von Griechenland und dem Griechisch-Türkischen Archipel für Stieler's Hand-Atlas bearbeiten und Behufs einer möglichst richtigen und anschaulichen Terrain-Darstellung die Resultate aller Höhenmessungen, welche bis jetzt im besagten Gebiete ausgeführt worden sind in Griechenland von Französischen Offizieren des Generalstabs, auf dem Archipel von Offizieren der Englischen Admiralität), zusammengetragen haben, so geben wir hier eine Liste der wichtigsten und interessantesten. Die Angaben in den geographischen Handbüchern sind oft ungenau und differiren so bedeutend unter einander, dass genaue Höhenzahlen von einer Auswahl der wichtigsten Punkte willkommen sein müssen. Kiona-Berg (Rumelia).

8241 Engl. Fuss, Madaoch-Berg (Insel Kreta).

8100 Liakura-Gebirge, höchster Punkt (Rumelia)

8068 Psiloriti- oder Ida-Berg (Insel Kreta)

8060 Hagios Ilias (Pentedaktylo-Gebirge auf Morea) 7904 Chelmos-Berg (Morea).

7726 Veluchi-Berg (Rumelia)

7608 Olonos-Berg (Morea)

7297 Tzurnata-Berg (Rumelia)

7112 Stavro-Berg (Insel Kreta)

7100 Kani-Berg (Malevo-Gebirge auf Morea)

6355 Paläo Vuno (Rumelia)

5738 Delphi-Berg (Euböa)

5719 Gerakovuni (Rumelia) Phengari-Berg (Insel Samathraki)

5248 Elato-Berg (Insel Kephalonia)

5246 Kerki-Berg (Insel Samo)

4725

Bergwerke im Orenburgischen. Gebiet der Baschkiren Gebiet der Teptiaris Wald von Berezowa Gebiet der Kosaken

43

335 278

6 916 1536

15

7 18 37

45 94 76

79 87 87 75 40

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39

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75 91

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47 23 71

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70

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1) 1 Pud = 40 Pfund, 1 Pfund = 96 Solotnik, 1 Solotnik = 96 Doli. Das Pfund Gold = 1,673163 alte Pariser Mark = 1,751454 wahre Kölnische Mark = 1,751131 Preussische Mark = 1,459185 Wiener Mark.

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Die Nurtoak-Wurzel des Libanon ). Der Deutsche Reisende C. Strilack hat die NurtoakWurzel (Radix corniola) auf seinen Reisen im Orient im Jahre 1860 auf den Höhen des Anti-Libanon und Hauran in einer Höhe von 4- bis 6000 Fuss über dem Meere aufgefunden und als eine beachtungswerthe Drogue und als ein neues diätetisches Nahrungsmittel in Deutschland eingeführt. Die Nurtoak - Wurzel (auf Deutsch: Nährwurzel, von norerir, ernähren, und toak, Arabischer Provincialismus für Wurzel) ist die Wurzel einer Asphodelus - Art und hat auch nach Kotschy, der die genannten Gegenden bereiste, den Namen Asphodelus Kotschyi erhalten. Diese schöne, schlanke, äusserlich unseren Orchideen gleichende, etwa 2. Fuss hohe Pflanze aus der Familie der lilienartigen Gewächse ist nach Prof. Reichenbach 2) wahrscheinlich verwandt der „Kartoffel der alten Griechen”, der Wurzel des Ästigen Asphodelus, welchen der Sänger Homer eine Zierptlanze auf den Wiesen der Unterwelt nennt und dessen Wurzel schon im Alterthum als eine leckere Speise galt. Sie wächst auf steinigem Boden und zeigt einen knolligen Wurzelstock mit sechs bis sieben länglichen, sehr fleischigen Ausläufern, die in der Mitte dicker, gegen die beiden Enden hin etwas dünner werden und gegen das Licht gehalten ähnlich wie der längst bekannte Salep hornartig durchscheinen. Die Wurzel, die ich hier vorlege, quillt im Wasser sehr auf, so dass 5 Pfund erst 1 Pfund im getrockneten Zustande geben. Die Wurzel, deren Einsammeln daher schwierig ist, wird in Decken von Angora - Haar durch die Eingebornen nach der Küste transportirt.

Bei genauerer Prüfung fand Herr Strilack in den Wurzelfasern dieser schön blühenden Stammpflanze des Nurtoak einen grossen Reichthum eines leicht löslichen, angenehm schmeckenden Pflanzenschleims und überzeugte sich bald nachdem er sich 4 Tage lang mit seinen Begleitern von solchen Wurzeln ernährt hatte dass sich dieselben zu Mehl verarbeitet verwenden liessen:

1. als beachtungswerthe Drogue, d. h. als eine zum Medicinal-Gebrauch in eine der Pharmakopöen aufgenommene Pflanze Heimittel), ähnlich wie Salep und Arrowroot;

2. als ein wohlfeiles, kräftiges, leicht verdauliches diätetisches Nahrungsmittel, das auf den Magen reizend wirkt und demselben zugleich kräftigen Nahrungsstoff bietet;

3. als Klebsubstanz für Buchbinder, Hutmacher u. s. w.

Herr Strilack kam daher auf die glückliche Idee, dieses neue, in grosser Menge zu beschaffende und nie auszubeutende Nahrungsmittel mit der Aussicht in Deutschland einzuführen, dass vielleicht später diese PHanze selbst, deren lange Blätter überdiess von den Ziegen gern gefressen werden, in Deutschland kultivirt werden könnte. Er brachte daher von seiner ersten Reise mehrere Okkas (zu 24 Pfund Zollgewicht) dieser zu Mehl geriebenen Wurzel mit und legte Proben derselben verschiedenen wissenschaftlichen Autoritäten zur Prüfung und Begutachtung vor. Als seine Erwartungen durch die erlangten Prüfungen und Urtheile vollständig bestätigt worden waren, kehrte Herr Strilack

im Jahre 1863 abermals nach Syrien zurück, brachte eine reiche gesammelte Ernte von circa 22.000 Pfund Knollen abgesehen von den noch im Libanon und an der Syrischen Küste lagernden 45.000 Pfund nach Deutschland, besonders nach Triest, Wien und Dresden zurück und versuchte dieses Wurzelmehl als ein neues Nahrungsmittel in Handel zu setzen. Das sorgfältig und rein dargestellte Mehlder Centnerpreis stellt sich nur auf ungefähr 22 bis 25 Thaler, während der Salep dreifach so viel kostet wird gegenwärtig im Kleinhandel das Paquet zu 6 Sgr. verkauft.

Bei der voraussichtlichen Wichtigkeit dieses neuen Nahrungsmittels für die leidenden und weniger bemittelten Volksklassen wollen wir noch Einiges über die von ausgezeichneten Chemikern gemachten Untersuchungen des NurtoakMehles, über die verschiedenen Arten der Verwendung als diätetisches Nahrungsmittel und über den Charakter als Klebsubstanz für technische Zwecke anführen.

Professor Löwig in Breslau erklärt '), dass der schleimige Stoff des Nurtoak-Mehles in allen Beziehungen mit dem Pflanzenschleim übereinstimme, indem derselbe durch Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure bald in Traubenzucker übergehe und durch Salpetersäure in Schleimsäure und Oxalsäure verwandelt werde, und dass er keinen Anstand nehme, seine Überzeugung dahin auszusprechen, dass die Nurtoak - Wurzel zu allen den medicinischen Zwecken angewendet werden könne, zu welchen überhaupt Pflanzenschleim und besonders Salepschleim gebraucht werde.

Auch Professor Sussdorf in Dresden erklärte, dass das • Nurtoak-Mehl mit dem Saleppulver grosse Ähnlichkeit habe, es sei ausserordentlich schleimhaltig, frei von schädlichen Bestandtheilen, enthalte aber weniger Stärkemehl als der Salep, mit Wasser gebe es einen dicken, zähen, geruchund geschmacklosen Schleim, der sich mit verdünnten Säuren bald verflüssige und in Zucker übergehe.

Nach Dr. Herm. Ludwig in Jena enthält Strilack's Nurtoak einen leicht verdaulichen Schleim (PHanzenschleim), einen in kaltem Wasser löslichen, durch Hitze nicht gerinnbaren, durch Gerbsäure füllbaren Eiweisskörper, ferner einen süssen, syrupartig bleibenden Zucker und endlich einen gelben Farbstoff, der mit Kali versetzt zwiebelroth wurde. Abwesend waren echtes Stärkemehl und Fett. Der Geruch der Abkochung hat etwas Fleischbrühartiges. In der Asche fand sich reichlich Kali, Kalk und Phosphorsäure.

Staatsrath Schleiden (gegenwärtig in Dresden), der die Wurzel einer mikroskopischen Untersuchung unterwarf, fand, dass dieselbe ein sehr zartwandiges Zellengewebe und sehr zarte Gefässbündel besitzt. Die Zellen seien ganz mit vegetabilischem Schleim gefüllt und in demselben nur selten ein einzelnes Stärkekörnchen zu entdecken. Das Mehl der Knolle zeige scharfkantige Stücke des Schleims oder schon in Wasser aufgequollene farblose Massen, ausserdem einzelne ganze und viele zerrissene Zellen und Stückchen der Gefässbündel. Als sehr reiner, leicht löslicher vegetabilischer Schleim müsse dieser Stoff jedenfalls dem Salep an die Seite gestellt, vielleicht seiner vollkommenen Geschmacklosigkeit wegen noch vorgezogen werden.

Auch das „Archiv der Pharmacie" von L. Bley und

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1) Vortrag des Hrn. Dr. Alexander Ziegler im Freien Deutschen Hochstift zu Frankfurt a. M. 13. April 1865. (Berichte des Freien Deutschen Hochstiftes, 10. Januar 1866, SS. 63–65.)

2) Vgl. Industrie-Blätter, Wochenschrift, Berlin den 12. Januar 1865.

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Verdicken der Mineralfarben, beim Tapeten- und Zeugdrucke, so wie zum Aufkleben von Photographien verwendet werden.

Diese Notizen mögen für heute genügen, Ihre Aufmerksamkeit auf die Nurtoak-Wurzel des Libanon zų richten. Aus den gegebenen Erörterungen glauben wir zu dem Schlusse berechtigt zu sein, dass das Nurtoak-Mehl, wenn es gelingt, dasselbe in grösseren Massen und zu wohlfeileren Preisen für die merkantile Welt zu beschaffen, als beachtungswerthe Drogue, als kräftiges, leicht verdauliches diätetisches Nahrungsmittel und als Klebsubstanz eine Zukunft in medicinischer, diätetischer und technischer Beziehung haben und vielleicht einen national - ökonomischen Einfluss auf den Volkswohlstand ausüben kann.

Ludwig ') enthält einen Strilack's Nurtoak empfehlenden Aufsatz von Dr. L. F. Bley.

Als diätetisches Nahrungsmittel wird das Nurtoak-Mehl mit Erfolg angewendet:

1. bei dem Aufziehen der Kinder, weil es natürlich gebildeten Fruchtzucker und feinen Pflanzenschleim (Inulin u. s. w.) enthält und somit nährend wirkt, um so mehr, als es einen Eiweissstoff enthält, der durch Kochen nicht gerinnt;

2. bei Personen, die an schlechter Verdauung leiden und die sich insbesondere des Genusses des Schwarzbrodes enthalten müssen. Auch wird es von Autoritäten für Harnröhreleidende, bei der bisher für unheilbar gehaltenen Zuckerkrankheit, für Brustkranke (Brusttheemischungen und für Rekonvalescenten (statt des Malzextraktes) empfohlen. Auch kann es zu chirurgischen Zwecken (statt des Pressschwammes) vortheilhaft verwandt werden. Von den bekannten Dresdner Ärzten Dr. Richter und Dr. Küchenmeister wird das Nurtoak-Mehl, das 50 Prozent billiger ist als Salep, als leicht verdaulich empfohlen.

Man kann es aber als Leckerspeise in verschiedenen Formen, mit Fruchtsaft oder mit Wein, Chokolade, Kakao, Milch u. s. w. vermischt, bereiten und zu einer sehr nahrhaften, den Geschmack der mock- turtle führenden Speise machen. Die einfache Form der Verwendung, z. B. als beliebte Fastenspeise, besteht darin, dieses Mehl aufzukochen und etwas Butter und Salz zuzusetzen. Für die Hauswirthschaft kann man sich eine gute Suppe bereiten, wenn man zwei Esslöffel des Nurtoak - Pulvers mit 72 Quart Wasser kocht und etwas Butter und Salz beimischt. In geschrotener Form giebt es einen klaren Schleim mit angenehmem, wie Nuss schmeckenden Rückstande, der anstatt Sago (aber viel wohlfeiler als dieser) den Suppen beigesetzt werden kann. In der neuesten Zeit hat man glückliche Versuche gemacht, das Nurtoak-Mehl, nur mit Ei versetzt, in Tortenform ähnlich der Brodtorte zu bereiten.

In grossen Massen nach Deutschland eingeführt oder auf unseren kahlen Gebirgen erbaut, würde das Nurtoak-Mehl sich so billig herstellen lassen, dass es wohl zu einigen Brodarten verwendet werden könnte. Schon jetzt wird das Nurtoak-Mehl auf Reisen, im Felde und auf der See (Marine) zweckmässig befunden, weil es 1. dem Verderben nicht unterworfen ist und 2. einige Esslöffel voll, die man leicht bei sich führen kann, genügend sind, den hungrigen Magen zu sättigen.

Um es als Klebsubstanz zu benutzen, braucht es nur mit kaltem Wasser angerührt zu werden, um einen dicken Schleim zu erhalten, während Salep heisses Wasser erfordert. Dieser Klebestoff (der freilich bei den jetzigen Preisen mit dem Stärkemehl noch nicht konkurriren kann) wird in technischer Beziehung für die Arbeiten der Hutmacher, Tapezirer, Buchbinder, Blumen- und Cartonnagen-Fabriken, für Druckereien und, da es mit Glycerin versetzt Tage lang nicht austrocknet und keine glänzende starre Überzugsschicht bildet, anch für Papierfabriken, Damastwebereien u. s. w. für die Zukunft von Nutzen sein können. Auch kann das Nurtoak-Pulver seiner vorzüglichen Klebkraft halber zur Befestigung von Etiquetten auf Papier, Pappe, Holz, Glas, Porzellan, als Bindemittel beim Farbendruck, zum

Die tropische Fauna des Jordan-Thales. Blättert man den Jahrgang 1865 der schön illustrirten ornithologischen Zeitschrift „The Ibis” durch, so wird das Auge von einem reizenden Bildchen gefesselt, das einen Kolibri-ähnlichen Honigvogel mit prachtvollem Gefieder in glücklichem Familienleben zwischen Weibchen und Jungen darstellt. Die Unterschrift nennt ihn Nectarinia osea; es ist der Sonnenvogel, der sogenannte Kolibri von Jericho. Aus dem zugehörigen Aufsatz des bekannten Naturforschers und Reisenden Tristram erfahren wir, dass dieser prächtige kleine Vogel in grosser Zahl an den Ufern des Todten Meeres lebt, und überrascht uns dieses Vorkommen tropischer Formen in Palästina, so belehrt uns Tristram, dass die Fauna des Jordan-Thales und Todten Meeres überhaupt eine tropische sei.

Im Allgemeinen ist die Ornis von Palästina wesentlich die des Mittelländischen Meeres, wenn auch einige Herumstreicher aus dem östlichen Afrika und wenige andere aus dem Euphrat - Thal angetroffen werden; aber wie der sogenannte Ghor, das tief unter dem Meeresspiegel gelegene Thal des Jordan und Todten Meeres, für die Bodengestaltung des Landes so höchst charakteristisch ist, so bietet er auch in Bezug auf die Fauna eine ganz eigenthümliche Erscheinung, er ist ein kleiner tropischer Streifen inmitten der gemässigten Zone. Schon Josephus erwähnt, dass einige Fische des See's von Galiläa diesem eigenthümlich, andere mit den Fischen des Nil identisch seien, und die Alten zogen daraus den Schluss, dass Quelle und Bach Capharinaum, welche in den See sich ergiessen, eine Ader (qhéßu), des Nil seien und der Jordan ehemals in den Nil gemündet habe. Beides sind eitle Träume, aber die Beobachtung an sich war richtig, denn von den 14 Fischspecies, welche Tristram 1864 im See von Galiläa sammelte, sind die meisten identisch mit Fischen des Nil und die übrigen haben einen Afrikanischen Charakter. So fand er vier Arten von der Gattung Chromis, welche Afrika eigenthümlich ist, und unter diesen vier war die in Ägypten häufige Chromis nilotica. Der See von Galiläa ist der nördlichste Punkt, wo ein Glied dieser Gattung bis jetzt entdeckt wurde, und doch ist sie an dieser äussersten Nordgrenze ihres Gebiets durch vier Species repräsentirt. Die Gattung Hemichromis lernte man zuerst im Gabun kennen und jüngst brachte Dr. Kirk sieben Species derselben aus dem Nyassa-See, jetzt aber hat man im See von Galiläa eine weitere Species dieses tro-. pisch-Afrikanischen Geschlechtes aufgefunden.

*) Hannover 1865, März, S. 232.

Ähnliches zeigt sich nun auch in der Ornis. Die Zahl der bis jetzt aus Palästina bekannten Vogel-Arten beträgt 322. Davon hat es 58 eigenthümlich oder mit Nordost - Afrika gemein, 7 sind Indische Formen oder haben ihre nächsten Verwandten in der Indischen und Persischen Fauna, 31 von den 58 sind Wüsten-Formen, 260 der ganzen Zahl finden sich in den Verzeichnissen der Südost-Europa und KleinAsien bewohnenden Vögel. Alle Species von Afrikanischem Charakter finden sich hauptsächlich, die meisten ausschliesslich im Ghor und es ist wiederum eine auffallende Erschei. nung, dass die Fauna ostwärts und westwärts vom Ghor dieselbe ist, das tropische Depressions - Gebiet also keine Grenzscheide bildet.

Kohlenlager in Assam. Wie der Jahresbericht der Geologischen Aufnahme von Indien für 1864–65 meldet, ist Medlicott durch Untersuchungen an Ort und Stelle zu befriedigenden Schlüssen in Bezug auf die Ausdehnung und den Werth der Kohlenlager in Assam gelangt. Nach ihm giebt es südlich vom Brahmaputra weit ausgebreitete und höchst werthvolle Ablagerungen von Kohle ausgezeichneter Qualität, die allen bisher in Indien aufgefundenen Kohlen überlegen ist. Leicht könnte sich an die Ausbeute dieser Fundgrube eine neue ära für die Industrie und den gesammten Aufschwung Indiens knüpfen.

giesischen Besitzungen gefolgt waren, wieder nach Hause zu bringen, erlegten diese Leute einen Elephanten, dessen Theilung und Verzehrung Livingstone in seinem neuen, von Martin aus dem Englischen übersetzten Buche (Neue MissionsReisen in Süd-Afrika) beschreibt:

„Das Zerlegen eines Elephanten ist ein Schauspiel, das durchaus einzig in seiner Art bleibt. Die Leute stehen in Todtenstille um das Thier, während der Chef der reisenden Gesellschaft erklärt, dass nach altem Recht der Kopf und das rechte Hinterbein dem gehören, der das Thier erlegte, das heisst demjenigen, der ihm die erste Wunde beibrachte, das linke Hinterbein dem, der die zweite Wunde lieferte oder das Thier, nachdem es gefallen, zuerst berührte, das Fleisch um das Auge herum dem Engländer oder Chef der Reisenden und verschiedene Theile den Vorstehern der verschiedenen Feuer oder Gruppen, aus welchen das Lager zusammengesetzt ist, wobei er nicht vergisst, die Aufbewahrung des Fettes und der Eingeweide für eine zweite Vertheilung einzuschärfen. Nachdem diese Rede beendigt ist, gerathen die Eingebornen alsbald in Aufregung und erheben ein wildes Geschrei, indem sie mit einer Menge von Speeren, deren lange Schafte über ihren Köpfen in der Luft zittern, am Leichnam herumschneiden. Ihre Aufregung wird jeden Augenblick stärker und stärker und erreicht ihren Höhepunkt, wenn, wie durch ein Brausen von Gas angedeutet wird, die ungeheure Masse sich schön auseinander legt. Einige springen hinein und wälzen sich in ihrer Begierde, sich des kostbaren Fettes zu bemächtigen, darin herum, während Andere laut schreiend mit Stücken des blutigen Fleisches fortlaufen, es ins Gras werfen und zurückeilen, um noch mehr zu holen. Alle schwatzen und schreien fortwährend, so arg sie nur können. Bisweilen ergreifen zwei oder drei, unbekümmert um alle Gesetze, ein und dasselbe Stück Fleisch und führen einen kurzen Wortkampf darum. Dann und wann erhebt sich ein mörderisches Geschrei und ein Eingeborner taucht aus der sich bewegenden Masse des todten Elephanten und der sich hin und her windenden Menschen mit seiner an dem Speer seines aufgeregten Freundes und Nachbars arg zerschnittenen Hand auf; um böses Blut zu verhindern, sind für ihn ein Lappen und einige besänftigende Worte nöthig. In unglaublich kurzer Zeit sind Tonnen Fleisch zerschnitten und ringsum auf besondere Haufen gelegt.

„Den Vorderfuss des Elephanten hatten wir auf einheimische Art für uns selbst gekocht. Es wurde ein grosses Loch in den Boden gegraben, in welches ein Feuer gemacht wurde, und als das Innere des Loches durch und durch erhitzt war, wurde der ganze Fuss hineingelegt und mit der heissen Asche und Erde überdeckt; über das Ganze wurde ein zweites Feuer gemacht und die ganze Nacht brennend erhalten. Nächsten Morgen hatten wir den so gekochten Fuss zum Frühstück und fanden ihn köstlich. Es ist eine weissliche Masse, schwach gallertartig und süss wie Mark. Nach einer Mahlzeit von Elephantenfuss ist ein langer Marsch eine weise Vorsichtsmaassregel, um Gallenfieber zu verhindern. Rüssel und Zunge des Elephanten sind ebenfalls gut und gleichen nach langem gelinden Kochen sehr dem Buckel eines Büffels und der Zunge eines Ochsen, aber alles übrige Fleisch ist zähe und lässt sich wegen seines eigenthümlichen Geschmackes nur essen, wenn man

Dr. Schweinfurth’s Rückkehr nach Ägypten. Nachdem seit August vorigen Jahres alle Nachrichten über Dr. Schweinfurth ausgeblieben waren, traf endlich im März ein Brief von ihm aus Chartum, d. d. 10. Januar 1866, ein und Anfang Juni ein anderer, aus Kairo vom 25. Mai datirt. Hiernach hat sich Dr. Schweinfurth von Ende Mai bis November vorigen Jahres in Matamma aufgehalten und die Umgegend sehr eingehend botanisch untersucht. Die Flora zeigt die grösste Übereinstimmung mit der von Fasoglu und den anderen Ländern am Blauen Nil; alle Novitäten, welche Cienkowski, Hartmann und v. Harnier sammelten, fanden sich auch dort, zum Theil gemein, wie Cienkowskia aethiopica Schwf und Kosaria Barnimiana Schwf. Leider wurde seine wissenschaftliche Thätigkeit durch häufige Fieberanfälle unterbrochen.

Von Matamma reiste Dr. Schweinfurth über Gedaref und Abu Harras auf dem gewöhnlichen Wege, zu dessen geographischer Festlegung er indess noch wichtiges Material gesammelt hat, nach Chartum und von dort über Suakin und Sues nach Kairo, um seine Sammlungen, die 15 grosse Kisten füllen, nach Europa zu expediren.

Damit schliessen jedoch Schweinfurth's Afrikanische Reisen keineswegs, vielmehr war er eifrig mit Vorbereitungen zu einer neuen Expedition nach dem Sudan beschäftigt, über deren Plan er uns nächstens Nachricht zu geben versprach.

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Das Zerlegen und Verzehren eines Elephanten in Süd

Afrika. Als Livingstone 1860 am Zambesi aufwärts reiste, um die Makololo, die ihm 1856 flussabwärts nach den Portu

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