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Thal der Galmi (3000 Meter), Monte Rotondo (3053 M.) und das Mutthorn (3103 Meter). Jenseit des Val Bedretto erhebt sich zu bedeutender Höhe der Basodine (Sasodan, Gigelhorn) mit 3276 Meter. Westlich der Simplon-Strasse finden wir an den Ausgängen der Thäler von Nanzen, Saas, Nicolai, Turtman und Einfisch keine Gipfel ersten Banges mehr, jedoch einige Aussichtspunkte von grossem Ruf, da die höheren Gipfel wegfallen (Fletschhörner mit 3537, 3917 und 4025 Meter u. s. w.). Wir führen an das Rauthorn (3200 Meter), das berühmte Mattwaldhorn (3270 M.), auf beiden Seiten des Gamser Gletschers, das aussichtsreiche Steinthalhorn (3189 M.) zwischen Turtman-Thal (GrubenAlp) und Nicolai-Thal (Augstbord-Alp), auch Weisse Egg genannt, und höher hinauf das Furgwanghorn (3206 Meter) und die Barrhörner (3600 Meter). Zwischen Einfisch und Turtman das Borterhorn (2970 Meter) und die berühmte Bella Tola mit 3090 Meter, endlich zwischen Heremence und dem Einfisch-Thal Les Becs de Bossons mit 3160 Meter.

Wir kommen nun zu den zahlreichen Gletscherjochen und Gebirgspässen, welche die Thäler des Berner Oberlandes mit dem Rhone-Thal und letzteres mit den nach Süden auslaufenden Thälern der Lombardei und Piemont's verbinden. Wir werden hier zunächst mit den eigentlichen Gletscherpässen anfangen; welche seit einigen Jahren immer häufiger überschritten und für den unerschrockenen Berggänger nicht nur Mittel der Kommunikation, sondern in landschaftlicher Beziehung Selbstzweck, so gut wie eine Besteigung, geworden sind. Wir halten uns hier an J. Ball's ausgezeichnetes Werk: „Alpine Guide, Vol. II: Central Alps", welches in bewunderungswürdiger Vollständigkeit und Genauigkeit Alles enthält, was in touristischer und montanexkursorischer Beziehung im Alpen-Gebiet bis in die neueste Zeit ausgeführt worden ist. In dieser Beziehung steht Ball's Werk einzig da, indem es mit erschöpfender Vollständigkeit alles für den Touristen und Gletscher-Fahrer Wichtige und Interessante enthält, alle nur irgend je überstiegenen wie die begangensten Pässe mit genauer Topographie gleich treu und richtig beschreibt, so dass man das Werk füglich eine Encyklopädie alpinischer Topographie nennen könnte. Es wäre von höchstem Interesse und dringender Nothwendigkeit, diess Werk durch Übersetzung dem Deutschen Publikum zugänglicher zu machen. In eine detaillirte Beschreibung der verschiedenen Gletscherjoche und Pässe kann ich mich natürlich hier nicht einlassen; es sei mir erlaubt, solche nur anzudeuten, in so weit sie in irgend einem Theil noch auf vorliegendes Kärtchen fallen.

A. Vom Rhone-Thal ins Berner Oberland über das Massiv der Berner Centraikette.

Gletscherjoch«.

Als Ausgangspunkt ist für alle, welche über den Grossen Aletsch - Gletscher und seine Hauptquellfirne führen, das

Äggischhorn zu nehmen, dessen vortrefflicher Gasthof anund abgehenden Gletscher-Fahrern Alles bieten kann, was zu Annehmlichkeit und Bedürfniss auf schwierigen Touren nöthig ist. Gleichsam als Dependenz des Äggischhorn-Hötel ist das Nachtquartier am Faulberg anzusehen, wo man früher in mehreren Felslöchern Heu, Decken und die nothwendigsten Kochutensilien und Küchengeschirr vorfand. In neuester Zeit wurde auf Kosten des Englischen Alpine-Club eine gut gezimmerte Holzhütte errichtet, so dass man künftig dort noch comfortable übernachten kann.

1. Das Mönchjoch; vom Äggischhorn (resp. Faulberg) über den Trugberg-Gletscher und das Firnthal des Ewigschneefeldes, zwischen der Kette der Grün- und Grindelwaldner Viescherhörner und dem Trugberg auf den Sattel zwischen Vieschergrat und Mönch, hinunter auf den Grindelwaldner Viescher-Gletscher zur Bäregg und nach Griudelwald. Ist nicht einer der schwierigsten Gletscherjoche, vom Äggischhorn bis auf die Grathöhe 3560 Meter. Schwierig und sehr verschieden je nach der Gestalt des Gletschers ist der nördliche Absturz, der stellenweise sehr zerklüftet ist und das Mitführen einer Leiter nöthig macht. Die ganze Länge erfordert vom Bivouac bis zum Ziele 14 bis 16 Stunden ohne Haltepunkte. Macht man den Weg umgekehrt, so übernachtet man in der Eigerhöhle oder in den Bäregghütten. Soll zum ersten Mal von Prof. Rohrdorf und Hugi überstiegen worden sein (s. „Das Hochgebirge von Grindelwald, von Äby, v. Fellenberg und Gerwer"), in neuerer Zeit im Jahre 1858 zum ersten Mal überstiegen von den Herren Hudson und Birkbeck, seitdem alle Jahre mehrere Mal. Es ist noch immer der leichteste und direkteste Weg von Grindehvald nach dem Äggischhorn.

2. Das Eigerjoch oder der Teufelssattel. Einer der schwierigsten und gefährlichsten Gletscherübergänge. Von der Wengern - Alp über den sehr zerklüfteten Eiger - Gletscher an den Fuss einer entsetzlich steilen Eiswand zwischen Mönch und Eiger, über welche Stunden lang müssen Stufen eingehauen werden, auf die Höhe (3619 M.) und über den felsigen Absturz des Mönchs entweder nach der Höhe des Mönchjochs und nach dem Äggischhorn oder über den Grindelwaldner Viescher-Gletscher nach Grindelwald. Ist erst ein Mal (1859) von den Herren Leslie Stephen und W. und G. Matthews mit den Führern Ulrich Lauener und J. B. Croz von Chamouni überstiegen worden. Die Gesellschaft musste auf der Höhe des Aletsch-Gletschers die Nacht zubringen. Die Arbeit erforderte ohne Haltepunkte 22 Stunden von der Wengern-Alp bis zum Äggischhorn.

3. Das Jungfranjoch. Der direkteste und kürzeste Weg von der Wengern-Scheideck zwischen Jungfrau und Mönch durch nach dem Äggischhorn und zugleich der schönste, in seiner Gletscherpracht unübertroffene Pass in der Kette der Berner Alpen. Von der Wengern-Alp über die prächtig zerklüfteten Massen des Guggi-Gletschers und über den ohne Leiter unübersteigbaren Serac (Firnbruch) auf die Höhe (3560 Meter), von da ohne alle Schwierigkeit über die Fläche des Jungfraufirns und Aletsch-Gletschers nach dem Äggischhorn. Wurde zum ersten Mal von den Herren Leslie Stephen, Hardy u. s. w. im J. 1862 in 16£ Stunden von der Wengern-Alp nach dem Äggischhorn zurückgelegt. Seitdem öfter gemacht.

4. Das Lauinenthor. Einer der schwierigsten und längsten, wenn nicht der schwierigste dieser Gletscherübergänge. In 20 Stunden von Lauterbrunnen über die Stufistein-Alp nach dem Roththal-Gletscher und über diesen bis an den Fuss der steilen, die Jungfrau mit dem Gletscherhorn verbindenden Felswände, welche beinahe unübersteigliche Hindernisse unter steter Lawinen - Gefahr darboten. Von der Höhe (circa 3600 Meter) über den Jungfraufirn hinunter nach dem Faulberg und Äggischhorn. Erst ein Mal (im J. 1860) von den Herren Prof. Tyndall und F. V. Hawkins gemacht.

Diess sind die vier bedeutenden Gletscherjoche, über welche die Firnreviere des Aletsch-Gletschers von den Thälern von Lauterbrunnen und Grindelwald aus direkt zu erreichen sind. Es sieht nicht danach aus, dass die meisten dieser Joche je viel werden gebraucht werden, jedoch wer schwindelfrei und gut zu Fuss ist, wer in der Überwindung von Gletscherhindernissen schon einigermaassen gestählt ist, der wird diese Pässe, welche Einblicke in die grossartigste Gletscherwelt der Alpen und zugleich weite Fernsichten in das bewohnte Hügelland bieten, einer langen Umgehung der Hauptkette über Grimsel oder Gemmi vorziehen.

5. Das Viescherjoch oder Ochsenjoch; vom oberen Grindelwaldner Eismeer über die hängenden Gletscher des Grates zwischen dem Kleinen Viescherhorn und dem Agassiz-Horn hinüber auf den Walliser Viescherfirn ist, wie der Übergang bis jetzt gemacht wurde (im Jahre 1862 von den Herren Leslic Stephen, Hardy u. s. w. und 1864 von dem Verfasser dieses, siehe „Das Hochgebirge von Grindelwald, von Äby, v. Fellenberg und Gerwer": Ersteigung des Kleinen Viescherhorns) kein Joch, sondern eine Besteigung, indem die beiden Partien kaum 300 Fuss unter dem höchsten Gipfel des Kleinen Viescherhorns den Übergang bewerkstelligten. Das wahre Viescher- oder Ochsenjoch würde weit tiefer und östlicher liegen, etwa in der Nähe der Zahl 3736 der Dufour-Karte, wo es alsdann eben so gut Agassiz-Joch heissen könnte. Der Name Viescherjoch wurde daher als Pass nicht eingetragen.

6. Das Finsteraarjoch liegt in seinem obersten Theil noch im Bereich unseres Kärtchens. Es ist diess ein sehr schönes Gletscherjoch, welches die Höhe bildet zwischen den Firnmassen des oberen Grindelwaldner Eismeeres und dem sehr zerklüfteten Finsteraarfirn. Mit Ausnahme der sehr vielen Schrunde, mit denen man Stunden lang zu kämpfen hat, bietet ,diess jedoch keine grossen Schwierigkeiten dar. Es wurde 1862 zum ersten Mal von Herrn H. B. George mit C. Almer als Führer überstiegen und erforderte vom Bivouac am Kastenstein bis zur Grimsel 17 Stunden Arbeit.

7. StuderrJoch heisst die Einsattelung zwischen dem OberAarhorn und dem Studer-Horn und es bietet einen nicht allzu schwierigen Übergang von dem Finsteraar - Gletscher auf den Studer-Firn, einen Tributär des Grossen Walliser Viescher-Gletschers. Vom Pavillon Dollfus am Unter-AarGletscher über das Studer-Joch und den Viescher-Gletscher zum Äggischhorn ist ein 14- bis 16stündiger Marsch. Die Tour bietet einige prachtvolle Einblicke in die grossen Gletscherreviere des Finsteraar - Gletschers und Walliser Viescher-Gletschers. Imposant nimmt sich von dem StuderFirn das riesige Finsteraarhorn aus. Dieser Übergang wurde

1863 zuerst von Engländern bewerkstelligt und 1864 von den Herren G. Studer und Lindt aus Bern.

8. Schon seit längerer Zeit bekannt und viel begangen sind die Gletscherpässe zweiten Banges, welche einzelne Theile der Berner Gletscherreviere mit einander verbinden. Es sind im Bereiche unseres Kärtchens (die Strahlegg, Lauteraarsattel und Gauligrat fallen weg) das Ober-Aarjoch, die Grünho-rnlücke und die Loetschenlücke.

Das Ober - Aarjoch verbindet die sanften Wellenlinien des Ober-Aar-Gletschers mit dem Studer-Firn und Walliser Viescher-Gletscher. Es ist der leichteste, direkteste und genussreichste Übergang von der Grimsel nach dem Äggischhorn, erfordert für mittelinässige Läufer 12 bis 13 Stunden und wird oft (in neuerer Zeit auch von Damen) begangen.

9. Die Grünhornlücke bildet eine tiefe Einsattelung zwischen den Walliser Viescherhömern und der Grünhorngruppe und gleichsam einen Appendix zum Ober-Aarjoch, indem es Manche vorziehen, vom Ober-Aarjoch aus, statt dem stark zerklüfteten Walliser Viescher-Gletscher nach über die schwierigen Felsen am Ämmerbach hinunter zu steigen und wieder nach Märjelen-Alp und Äggischhorn hinauf zu klettern, flach über den Walliser Viescherfirn und die Grünhornlücke den flachen Aletsch-Gletscher und ohne Mühe und Bergaufsteigen das Äggischhorn oder den Faulberg zu erreichen, obgleich diese Tour um 2 bis 3 Stunden länger ist. Die Grünhornlücke ist auch der gewöhnliche Weg für die vom Äggischhorn aus das Finsteraarhorn Besteigenden.

10. Die Loetschenlücke endlich gewährt einen leichten Übergang aus dem Loetschenthale über den Langen oder Loetschen - Gletscher auf den Grossen Aletschßm nach dem Faulberg und Äggischhorn oder durch die Grünhornlücke nach dem Bivouac am Rothloch und von diesem über das Ober-Aarjoch nach der Grimsel.

B. Über die zwei westlichen Arme der Berner Centralmasse, d. h. von der Rhone hinüber ins Loetschenthal und von letzterem in die Thäler des Berner Oberlandes. Gletscherjoche.

1. Der Beichgrat (Baichgrat, früher Birchfluhgrat genannt). Von dem Hotei Belle Alpe am Aletschbord über den Ober-Aletsch-Gletscher und Beichfirn auf die Höhe des Grates, welcher das Loetschthaler Breithorn mit dem Schienhorn verbindet (3585 Meter), und über den Distel-Gletscher hinunter ins Gletscherstaffel und nach Kippel. Dieser Pass kommt je länger je mehr in Aufnahme durch seine grosse Abwechselung und fortwährend spannende Momente bietende Aussicht, theils nach Norden auf die Lauterbrunner Grenzkette, theils auf das gewaltige Nesthorn und majestätische Aletschhorn.

2. Der Elioerück. Gemsen-Jäger sollen häufig aus dem Baltschieder Thal über den Jägi-Gletscher und die schneeige Höhe des Elwerück ins Loetschthal hinabgekommen sein. Von Reisenden, so viel mir bekannt, bis jetzt nicht überstiegen.

3. Die Wetterlücke. Von dem Loetschenthale (Gletscherstaffel) durch das Pfaffler - Thal und über den InnerthalGletscher oder Pfaffler-Gletscher auf die Höhe, einen Schneesattel zwischen Tschingelhorn und Lauterbrunner Breithorn (Höhe circa 3300 Meter). Von der Höhe über den furchtbar zerklüfteten Breithorn - Gletscher nach der Oberhorn- und Steinberg-Alp ins Lauterbrunner Thal. Dieser auf der Lauterbrunner Seite wegen des sehr zerrissenen Gletschers und des sturzdrohenden Sdrac sehr mühsame Pass gewährt auf der Höhe eine prachtvolle Aussicht auf die Loetschthaler Gebirge und nach Norden einen überraschenden Blick in die Tiefe des Lauterbrunnen-Thals und auf die steilen Felswände der Jungfrau. Dieses Joch wurde zum ersten Mal 1864 Ton Hrn. Moore mit C. Almer als Führer und zum zweiten Mal 1865 vom Verfasser dieses (siehe Jahrbuch des Schweizer Alpen-Club 1866) überstiegen. — Altbekannte Gletscherpässe in dieser Region sind die oft beschriebenen Übergänge über den Tschingel-Gletscher und Petersgrat.

4. Der Übergang über den Tschingel-Gletscher von der Steinberg - Alp im Hintergründe des Lauterbrunnen - Thals nach Gasteren und Kandersteg erfordert immer 8 bis 10 Stunden, wovon 6 volle Stunden über die weiten Firn flächen des gewaltigen Tschingel-Gletschers. Die einzige Schwierigkeit ist die Kletterei über die steile Felswand des Tschingeltritts. Auch dieser Pass ist nicht ohne grossartige Einblicke in die Gletscherwelt und nur durch das Fenster der Gamchilücke erblickt das Auge in der Ferne die sonnigen Menschenländer. (Vergleiche G. Studer, Hochgebirge, und A. Roth, Gletscher-Fahrten.)

5. Der Petersgrat oder Loetschenthalgrat ist der Übergang von dem Loetschthal nach Lauterbrunnen. Die Richtung von Lauterbrunnen aus ist dieselbe wie über den Tschingel-Gletscher bis auf die Höhe, wenn man das Mutthorn (3030 M.) passirt hat. Von da hält man sich links und steigt langsam über die sanft gewölbten Gletscherhügel ohne Schwierigkeit auf die flache Höhe des Loetschthal- oder Petersgrates. Von da steigt man über den Telli-Gletscher, wo man sich leicht verirren und besonders im unteren Theil schwer fortkommen kann, hinunter ins Thal nach Platten.

6. Der Übergang von Platten im Loetschthal über den Petersgrat und die 'Gamchilücke, der direkteste Weg vom Loetschthal nach Thun durch das Kienthal, ist auch schon gemacht worden. Bis zur Gamchilücke ist es ein Spaziergang, hingegen über den Gamchi-Gletscher hinunterzukommen, soll bedeutende Schwierigkeiten haben. Umgekehrt ist der Übergang vom Kienthal aufwärts über den GamchiGletscher und die Gamchilücke, sei es nach Lauterbrunnen oder nach Gasteren, schon mehrere Mal gemacht worden.

C. In der Gruppe des Wildstrubel zwischen Gemmi und Rawyl.

a. Gletscherjoche.

1. Das Wildstrubeljoch. Von dem Dorfe Link im OberSimmenthal steigt man empor durchs Ifflgenthälchen bis auf halbe Höhe der Rawyl-Strasse, biegt dort links ab und übernachtet in der Ritzberg-Alp am Laufbodenhorn. Von dort steigt man am Weisshorn vorbei empor bis auf die Höhe des Räzli-Gletschers, über diesen empor bis auf die Hochebene des Wildstrubel-Gletsehers, über dessen weite Schneeflächen man am Fusse des höheren Kammes des Wildstrubel sich hinzieht bis zum Absturz des LämmerenGletschers, über dessen zerklüftete Massen man sich hiuabarbeiten muss zur Gemmi-Strasse, über welche man ins Leukerbad noch selbigen Tages hinabsteigen oder im Wirthshaus zum Schwarenbach ein willkommenes Lager finden kann.

2. Das Strubeleggjoch. Von Engstligen über die steilen Eishänge des Amerten - Gletschers auf die Höhe des Wild

strubel (zwischen dem mittleren Gipfel, 3266 Meter, und dem Strubelegg, 3258 Meter) und von diesem über den Lämmeren-Gletscher zur Gemmi-Strasse hinunter.

3. Ein drittes Gletscherjoch soll in dieser Gruppe gemacht worden sein, nämlich von der Lenk über den RäzliGletscher auf den Glacier de la plaine morte und von diesem durch die Schlucht der Dersence hinunter nach Agent und Sitten. — Alle diese Pässe erfordern Gletscher-Führer ersten Ranges und brauchen 10 bis 14 Stunden.

b. Gewöhnliche Saumwege und begangene Pässe aller drei Gruppen.

1. Auf der äussersten Westgrenze des Kärtchens haben wir noch den Rawylpass zu erwähnen, der einen guten Fussgänger in 10 Stunden von der Lenk im Ober-SimmenThal nach Sitten im Wallis bringt. Früher war der Übergang ,-über den Rawyl eine der ärgsten Schwindelproben, die der geübte Fussgänger zu bestehen hatte, indem an 1000 Fuss tiefen Abgründen eine schmale Wasserleitung den Übergangspunkt bildete. Jetzt ist der Weg durch Sprengungen für Maulthiere gangbar und gefahrlos gemacht, jedoch immerhin auf Berner Seite bei den „luteren Cheren" und auf Walliser Seite dicht unter dem Joch ziemlich Schwindel erregend. Die Aussicht auf der Höhe gegen die ganze Kette der Penninischen Alpen ist prachtvoll.

2. Der Gemmipass. Dieser ist so bekannt, dass ich auf jedes beliebige Reisehandbuch verweise.

3. Der Loetschenpass, 2681 Meter. Von Kandersteg und Gasteren zwischen dem felsigen AbBturz des Balmhorns und dem Schildhorn hinüber nach Kippel im Loetschthal. Die Passhöhe ist ein breites Schneefeld. Die Aussicht auf die südliche Gebirgskette ist überraschend, eben so rückwärts die Ansicht des Doldenhorns und der Blümlis-Alp von grossartiger Wirkung. Von hier kann das aussichtsreiche Schildhorn (3297 Meter) in l£ Stunden erstiegen werden.

4. Zwischen dem unteren Theil des Loetschthals und dem Thal der Dala nach dem Leukerbad sind mehrere mehr oder weniger rauhe Gebirgspässe dem guten Gänger zu empfehlen:

Das SchneidschurjQch. Vom Leukerbad das wilde DalaThal hinauf am östlichen Rande des Dala-Gletschers, auf die Passhöhe am Fuss des Tonent oder Mainghorns und über den Ferden-Gletscher hinunter nach Ferden.

5. Der Faldumpass. Interessant und nicht schwierig. Von Kippel nach dem Leukerbad. Er führt durch den Faldumgrund zwischen dem Faldum - Rothhorn und den Laucherspitzen südlich vom Tonenthorn nach dem Leukerbad.

6. Der Restipass. Ein Pfad führt von Ferden durch das Dornbachthal unschwierig zur Passhöhe des Restigrates zwischen Resti-Rothhorn (2975 Meter) und den Laucherspitzen (2865 Meter), am Mainghorn (Tonenthorn) vorbei nach Bad Leuk. (Iwan Tschudi's Schweizer-Führer, II, 1865.)

7. Ein anderer Jägerpfad führt südlich vom Faldumpass zwischen Faldum-Rothhorn und Niven (2777 Meter) nach Bad Leuk. (Iwan Tschudi's Schweizer-Führer, II, 1865.)

Nördlich der Rhone haben wir endlich nur noch zu erwähnen den altberühmten und weltbekannten Grimselpass und die neue Furca - Strasse, deren viele Windungen vom Fussgänger bedeutend abgeschnitten werden können. Die Aussicht 'Vom bequemen Wagensitz aus auf die phantastischen Eisnadeln und Höcker des Rhone-Gletschers ist eigentümlich genug.

D. Südlich der Rhone, vom Rhone-Thal nach den Thälern Piemont's und der Lombardei. Wir fangen im Osten an:

1. Vom Gerenthal führt ein Pfad am Kühbodenhorn vorbei nach All Acqua im Val Bedretto. Der Pfad ist sehr steil und verliert sich auf der Höhe in den Schneefeldern zwischen Poncione di Monigolo und Kühbodenhorn.

2. Der Nufenenpass. Von All Acqua in Bedretto durchs Eginenthal nach Ober-Gestelen. Interessant wegen seiner Belemniten führenden krystallinischen Schiefer, im Übrigen monoton.

3. Der Griespass. Von Ober-Gestelen durchs Eginenthal auf die Höhe und über den ganz flachen Gletscherrücken weg in die obersten Alpen des Formazza - Thals nach Bettelmatten, Frutwald und an den herrlichen Tosa-Fällen vorbei nach Pommat. Abzweigung auf der Höhe des Griespasses durchs Val Corno nach All Acqua in Bedretto.

4. St. Giacomo. Übergang von Bedretto nach Frutwald im Formazza-Thal.

5. Die Criner Furca. Von Anderraatten im FormazzaThal in 8 Stunden, nach dem Val Maggia. Sehr beschwerlich. Führer rathsam.

Aus dem Hintergrunde des Binnenthals führen mehrere Pässe und Gebirgspfade in die PieAontesischen Südthäler.

1. Der Albrunpass. Alberberg. Von Imfeid in Binnen über Alpen und Schutthalden auf die Höhe, wo sich der Pass theilt, links nach dem Lebendun-See und Pommat, rechts nach Crempiolo im Val Devero.

2. Der Geisspfad. Schwieriger, interessanter und kürzer als der vorige, führt über die Meserenalp zum Geisspfad-See und von diesem zur Passhöhe (2475 Meter), dann über die Alpe Devero nach AI Ponte.

3. Der Nuefelgiupass führt vom Lebendun-See zwischen dem Nuefelgiuhorn und Banhorn hinüber nach Morast im Formazza-Thal.

4. Der Kriegsalppass. Von Viesch durch das Kriegsalpthal auf die Höhe und durch das Devero- und AntigorioThal nach Domo d'Ossola. 12 bis 13 Stunden. Saum- und Gebirgspfad.

5. Der Ritterpass oder Passo del Boccareceio. Von Viesch nach Domo d'Ossola in 12 bis 14 Stunden. Anstrengend, aber sehr lohnend. Abzweigung nach dem Simplon: 1. zur Rechten und Linken des Furggenbaumhorns nach Bdrisal hinüber; 2. zwischen den schroffen Felswänden des Wasenhorns und den himmelhohen Felswänden des Monte Leone (Kaltwasserjoch) führt ein Pfad nach Berisal (2850 Meter); ziemlich häufig von den Umwohnern gemacht.

6^ Alpiengrat. Von Gondo führt ein Fusspfad durch das Thälchen von Alpien am Kessihorn vorbei nach Hohmatten zum alten Spital, eine Umgehung des Defile's von Gondo.

Über alle diese Pässe lese man nach: Iwan Tschudi's Schweizer-Führer, II. Band, 1865, der sie ausführlich und sehr genau beschreibt, ferner den Aufsatz von Oberst Wieland im Jahrbuch des Schweizer Alpen-Club, 1864, I. Band.

Endlich 7. Die Simplon-Strasse zu beschreiben, wird man mir erlassen, da über diesen berühmten Handelsweg schon ganze Bibliotheken geschrieben worden sind.

Petermann's Geogr. Mittheilungea. 1866, Heft VI.

Westlich der Simplon - Strasse haben wir auf unserem Kärtchen keine bedeutenderen Gebirgspässe mehr anzuführen, da die Gletscherjoche und Hochpässe von einem der Südthäler des Wallis ins andere alle südlicher liegen und ausserhalb des Bereiches der Karte fallen. Einige dieser Übergänge sind noch eigentliche Saumwege, die meisten jedoch sehr selten begangene Jägerpfade und Übergänge über die Scheidegebirge der einzelnen Thalschaften, die nur den Anwohnern bekannt sind. Wir führen folgende an:

1. Der Bistenenpass oder Bistenengrat; ein Fusssteig, der vom Spital auf der Simplon-Strasse über die Alpen von Bistenen am Magenhorn (2349 Meter) vorbei in den Hintergrund des Nanzer oder Gamser Thals führt nach der Alp Bistisstafel und von da über die Alpweiden von Schönenwasen und Niedersteg hinunter ins Visperthal, entweder nach Stalden oder über Visperterminen nach Visp.

2. Etwas südlicher davon liegt der Mattwaldgrat, zwischen Mattwaldhorn und Ochsenhorn, der auch einen Übergang aus dem Saasthal durch den Hintergrund des Gamser Thaies nach dem Simplon bietet. Von der Grathöhe aus lässt sich das Mattwaldhorn in einer Stunde besteigen. (Vergl. Jahrbuch des Schweizer Alpen-Club 1864.)

3. Von Stalden (im Visperthal) führen mehrere leichte Pässe ins Turtmanthal. Am gebräuchlichsten ist der Augstbordpass (Augstbordthalpass). Ein guter Reit- und Saumweg führt von Stalden oder St. Niclaus in 7 bis 8 Stunden, von letzterem über die Jungalpen, von ersterem durch das Augstbordthal auf die Grathöhe südlich vom Zehntenhorn (3207 M.), zwischen letzterem und der Weissen Egg (3139 Meter) hinüber nach den Grubenalpen und Zmeiden im Turtmanthal. Die Passhöhe ist 290,0 Meter hoch.

4. Der Jungpass, weit schwieriger und anstrengender, führt von St. Niclaus über die Jungalpen oder Jungthalalpen auf die Höhe des Grates zwischen dem südlichen Furgwanghorn (3206 Meter) und der Weissen Egg hinüber nach Zmeiden im Turtmanthal.

5. Der Barrgletscherpass, noch südlicher als die beiden vorigen. Prächtige, aber mit Anstrengung verbundene Partie. Von St. Niclaus über Walkesmattalp auf die Höhe der Barr mit prachtvoller Aussicht. Von da herunter nach den Sennhütten von Kaltenberg mit schöner Übersicht des BarrGletschers und nach Semter, Blummattvoralp und Zmeiden ^n Turtmanthal. (Eine Tour von 8 bis 10 Stunden.)

Aus dem Turtmanthal nach dem Einfischthal fuhren auch einige Saum- und Jägerpfade.

6. Der Zmeidenpass oder Zmeidengrat. 6 Stunden. Von Zmeiden im Turtmanthal aus nördlich vom Zmeidenhora steil ansteigend zur Passhöhe und über Combaz veVte hinab nach Vissoye im Val d'Anniviers.

7. Der Pas de boeuf. Reitweg in 6 bis 7 Stunden. Von Pletschen im Turtmanthal das Borterthal hinauf zur Passhöhe, von welcher aus die Bella Tola leicht erstiegen werden kann, und hinab nach St. Luc und Vissoye im Einfischthal.

8. Endlich führt noch ein Pass südlich von den beiden vorerwähnten aus dem Hintergrund des Turtmanthals nach Ayer im Einfischthal über den Pas de la Forcletta (2990 M.). Es ist ein gut unterhaltener Maulthierweg, der von Zmeiden über die Blummattalpen auf die Höhe,führt, von wo man nach Zinal oder Ayer herunter steigen kann. Noch südlicher liegt der Gletscherpass des Cd des Diablons, der

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über den Turtman - Gletscher zur Höhe führt und am Fuss des Weisshorns vorbei nach Zinal.

Aus dem Einfischthal endlich nach Here'mence im Val d'Herens oder Eringerthal.

9. Der Col de Bossons. Von Gremenz (Grimisauche) nördlich von den Becs de Bosson über den steilen Felsgrat, der diese mit dem Mont Maret (2855 Meter) verbindet, hinunter nach der Alphütte von Larduzan und von da nach der Alp Larpetta und hinunter nach Mage und Heremence. Südlich davon führt der kürzere und leichtere

10. Pas de Lona von Gremenz sanft ansteigend auf die Höhe zwischen der Pointe de Lona und der Pointe de Torrent und durch ein wildes Kesselthal auf die Sattelhöhe des Pas de Lona (2720 Meter). Von da über schöne Alpweiden hinunter nach St.-Martin (6 bis 8 Stunden). Wer den prachtvollen Aussichtspunkt der Becs de Bosson im Vorbeigehen besteigen will, steigt zwischen der Pointe de Lona und den Becs de Bosson auf die Grathöhe und über den sehr zerklüfteten Felsgrat in 2 Stunden auf den Gipfel. Die Aussicht vom Gipfel der Becs de Bosson soll eine der grossartigsten in Wallis sein.

Aussichtspunkte und Gebirgsgasthöfe.

Es kann nicht in meiner Aufgabe liegen, eine vollständige Aufzählung aller in unserem Gebiete bekannten Aussichtspunkte und Gasthöfe zu geben, da ja Solches in jedem Reisehandbuch gefunden wird. Ich werde nur diejenigen Punkte anführen, von denen aus der Topograph und Jeder, der auf möglichst leichte und rasche Weise einen Überblick über das Ober-Wallis bekommen will, am vollständigsten zum Ziele gelangt, d. h. solche Gipfel, die als wesentliche Orientirungs-Punkte dienen können. Die Gebirgsgasthöfe nehmen alljährlich so zu, dass bald ein jeder hoch berühmte Aussichtspunkt in den Alpen in der Nähe einen Gasthof hat entstehen sehen oder noch entstehen sieht.

Um wieder im Nordostwinkel der Karte anzufangen, müssen wir vor Allem des

Kleinen Sidelhorns (2766 Meter) erwähnen, welches einen Hauptanziehungspunkt der Grimsel - Besucher bildet. In 2£ Stunden gelangt man auf den Gipfel. Der Weg führ^ Anfangs auf dem gepflasterten Saumpfad, der nach der Hausegg (Passhöhe) führt, von da rechts abbiegend über . Bteile .Rasenhänge, Trümmerhalden und Schneefelder auf den aus lose über einander gestürzten Felsblöcken bestehenden Gipfel. Die Aussicht umfasst hauptsächlich die Umgebungen des Oberaar - Gletschers, das obere Haslithal, die Umgebungen des Rhone-Gletschers und die Gebirge des OberWallis. Majestätisch stellt sich dort dem Beschauer das Finsteraarhorn dar. (Siehe Beschreibung der Sidelhorn-Aus-' sieht mit kleinem Panorama in G. Stnder's Hochgebirge, SS. 25 ff.; ferner das Sidelhorn-Panorama" vpn J. B. Dill in Bern.)

Das Grosse Sidelhorn (2880 Meter), am Ostende des Oberaar-Gletschers, bietet ungefähr dieselbe Aussicht, ist aber mühsamer zu besteigen und schon um 2 Stunden weiter von der Grimsel entfernt.

Das Löffelhorn (3090 Meter) hat sich seit einigen Jahren

als Aussichtspunkt eines von Jahr zu Jahr gesteigerten Besuches zu erfreuen. Von Münster (guter Gasthof) kann es durch das Trüzithal und am Trüzi-See vorbei in 5 bis 6 Stunden ohne Gefahr, aber mit einiger Anstrengung erstiegen werden. Die Aussicht auf die Gletscherreviere des Berner Oberlandes, namentlich die Umgebung des Finsteraarhorns, soll weit grossartiger sein als auf dem Sidelhorn. Weitaus der berühmteste und weltbekannte Aussichtspunkt jedoch in der ganzen Kette nördlich der Rhone ist das

Äggischhorn (EggischhornJ, 2941 Meter, welches von Viesch in 4J Stunden ohne alle Schwierigkeiten zu ersteigen ist; von Lax, wo der Weg am Berggehänge noch sanfter ansteigt, braucht man 5j bis 6 Stunden. Der ausgezeichnete Gas.thof Hrn. Wellig's, „Hotel Jungfrau", in 2/d des Weges erleichtert den Besuch dieses herrlichen Gipfels so sehr, dass auch der schwächste Fussgänger, da man bis eine Viertelstunde unter den höchsten Gipfel reiten kann, im Stande ist, sich hinauf tragen zu lassen. Es ist der Gasthof am Äggischhorn recht eigentlich der Centraipunkt aller die Umgebungen des Aletsch - Gletschers Besuchenden und wimmelt besonders im Hochsommer von GletscherFahrern. Das Äggischhorn, in dessen gut geführtem Gasthof man allen Comfort der besten Gebirgsanstalten solcher Art findet, bildet den Ausgangspunkt für die meisten Gletscherjoche, die nach dem Berner Oberlande führen, so wie für die Besteigungen einer grossen Anzahl der höchsten Gipfel der Berner Alpen. Vo4r hier aus verproviantirt man sich für die Übergänge über das Mönchjoch, Jungfraujoch, OberAarjoch und für die Besteigungen der Jungfrau, die von keiner Seite zugänglicher ist als vom Grossen Aletsch-Gletscher über den Jungfraufirn, ferner für die Besteigung des Finsteraarhorns via Grünhornlücke und des Aletschhorns via Mittel - Aletsch - Gletscher, endlich für den Übergang über die Loetschenlücke nach dem Loetschthal. Eben so liegen noch da6 Gross-Grünhorn, der Trugberg und das noch unbestiegene Dreieckhorn im Exkursionskreis des Äggischhorns, während die Grindelwaldner Viescherhörner mit Ausnahme . des Kleinen Viescherhorns und der Mönch schneller über das Mönchjoch von Grindelwald her zu erreichen sind und die Walliser Viescherhörner am bequemsten von der Herberge am Rothloch am Fusse des Finsteraarhorns bestiegen werden. Jedenfalls wird man nach allen erwähnten Besteigungen immer denselben Tag noch das Äggischhorn erreichen und sich der Civilisation vortrefflichen Lagers und Tisches erfreuen können. Die Aussicht vom Äggischhorn-Gipfel aus zu beschreiben, wäre sehr überflüssig, da sie eine der bekanntesten und in Zeichnungen, Photographien und Panoramen am häufigsten wiedergegebene ist. Ich verweise auf G. Studer's Hochgebirge, SS. 145 ff. sammt Panorama, ferner auT die Panoramen von J. B. Dill (gross und klein Format), Ritz u. s. w. u. s. w.

In neuerer Zeit ist ein neuer Konkurrent aufgetreten, der dem Äggischhorn jedoch in Bezug auf die Aussieht nach den Gletscherrevieren des Berner Oberlandes keinen Abbruch thut, wohl aber eine weit vollkommnere Aussicht nach der ganzen Kette der Penninischen Alpen bietet E» ist diess das Sparrenhorn oder Bellhorn (3014 Meter) am Zusammenfluss de6 Ober-Aletsch- und des Grossen AletsehGletschers. Wie am Äggischhorn in % Höhe ein comfortabler Gasthof den Reisenden erfreut, so auch am Bellhorn,

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