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denen mit glasartig durchsichtigen, gelben und runden Beeren bis zu den grünen undurchsichtigen Malaga-Trauben mit langen eiförmigen Beeren und den dunkelvioletten Weihnachtstrauben, die sogar in dem Klima von Neapel jetzt erst (im November) reifen und frisch vom Stocke geschnitten dem Käufer geboten werden. Äpfel und Birnen der mannigfaltigsten Art, wie Zwergbäume in unseren Gegenden sie nur hervorzubringen vermögen, fehlen nicht und daneben sind nicht Haufen, sondern kleine Berge aufgeschüttet von Liebesäpfeln, grossen, die man frisch verzehrt, kleinen runden, wie dicke Pflaumen, die für den Winter aufgehängt werden, von Auberginen, von Orangen, vorjährigen, die man in Sorrent und der Umgegend 12 Monate lang an den Bäumen hangen lässt, und frühreife, die jetzt schon essbar sind; von Pepperona oder Spanischen Pfefferfrüchten in drei verschiedenen Farben, brennend roth, hochgelb oder saftgrün. Der Neapolitaner verzehrt sie wie die Liebesäpfel (pomi d'oro) in jeder Gestalt und jeder Zubereitung frisch, als Salat mit Essig und Öl, gebacken, geschmort, in Essig eingemacht, als Gemüse der Fremde muss sich erst an den eigenthümlichen, fast Ekel erregenden Geruch und den eben so seltsamen Geschmack gewöhnen im Anfange munden sie ihm durchaus nicht, später liebt er sie wie der Einheimische leidenschaftlich. Dazu kommen noch die verschiedenen Beeren und Baumfrüchte, für die wir gar keine Namen haben, weil die Pflanzen bei uns nur in Gewächshäusern gedeihen und die Früchte nicht zum Transport geeignet sind, die Ubbriacci oder Beeren des Arbutus, die Sorbi, grosse Beeren einer Vogelkirschenart, und eine Menge solcher Dinge, die ich auch wieder vergessen habe, wenn ich sie gleich alle gekostet, wie die Cactusfeigen mit ihren widerhakigen Stacheln. Und dieses Alles glänzt und glüht förmlich in den herrlic en rothen, gelben, dunkelvioletten und grünen Farben, und mit ein Paar Blättern, einigen Grasrispen, einigen Stücken Wassermalerei oder von jenen mannslangen (ich übertreibe nicht) und schenkeldicken Kürbissen mit orangegelbem dichten Fleische, die von Menschen und Vieh verzehrt werden, weiss der Neapolitaner seine Sache so vortrefflich zu arrangiren, jeder Sorte ihre volle Farbenwirkung und Lieblichkeit zu sichern, dass ein jeder solcher Stand schon an und für sich ein malerisches Stillleben ist, das man nur abzukonterfeien brauchte, um ein vollkommenes Gemälde zu liefern.

Diese Unmasse von Früchten, die mit Gartengewächsen aller Art, Kraut, Kohl, Blumenkohl, Wurzeln und Knollen, theils in Ständen ausgeboten, theils von wandelnden Verkäufern, mit oder ohne Esel, ausgeschrieen wird, hat aber ihre grosse Bedeutung. Bei uns sind die Früchte für das Volk nur ein Luxus oder ein seltenes Zubehör, das während einiger weniger Monate genossen wird. Die Kirschen, Zwetschen und Äpfel, die der Deutsche Bauer und Landmann verzehrt, gelten nicht als Essen, sondern nur als Zeitvertreib. Bei dem Neapolitaner aber bilden die Früchte für wenigstens 9 Monate des Jahres die Grundlage der Ernährung. Die Tagelöhner, die Bauarbeiter, das arbeitende Volk überhaupt sieht man sein Frühstück mit Trauben, Feigen, Äpfeln und einem Glase Wein halten, oft sogar ohne ein Stück Brod dazu, und bei dem Mittagessen, wo Maccaroni und schlechte, in schlechtem Öl gebackene Fische einen solideren Stoff liefern müssen, fehlen dennoch niemals die Früchte als Zu

gabe. Sie sind in so ungeheurer Menge vorhanden, also auch so wohlfeil, dass man sich für weit weniger Geld mit ihnen den Magen füllen kann als mit irgend einem anderen Nahrungsmittel. Dass diess aber ganz andere Bedingungen der Ernährung für den Körper aufstellt als die Nahrung unseres Volkes, kann nicht in Abrede gestellt werden, und namentlich müssen die Kraftleistungen dazu im Verhältnisse stehen. In der That berichten mir in Fabriken angestellte Freunde, dass bei allem guten Willen, Fleiss und Anstelligkeit der Neapolitaner diese Leistungen doch nur gering sind und dass zu gewissen schweren Schmiedearbeiten z. B. man Ausländer suchen muss.

Ich glaube schon berührt zu haben, dass der Neapolitaner wohl nicht weniger isst und trinkt als unsere Arbeiter, dass er aber genügsam genug ist und fast nie, namentlich im Trinken nicht, über sein Maass hinausgeht. Aber die Leute können in der That grosse Quantitäten Wein vertragen, ohne dass ihre Schritte wanken oder ihre Vernunft aus dem Geleise kommt. Der Wein ist eben allgemeines und wohlfeiles Getränk, fast eben so wohlfeil als das Eiswasser, welches in allen Strassen in ganz besonders eingerichteten Buden verkauft wird, und der gemeinste Mann aus dem Volke ist an ihn gewöhnt. Der Tagelöhner bekommt, so viel er mag, und 1 bis 2 Maass des Tages gelten durchaus nicht als Übermaass. Der Neapolitaner passt also nicht nach Kornthal, wo neueren Nachrichten zufolge der Wirth einem Reisenden oder Einwohner nie mehr als einen Schoppen Wein in 24 Stunden verabfolgen darf.

Auch ist es ein Irrthum, wenn man glaubt, der Neapolitaner wie der Südländer überhaupt trinke wenig. Die Unzahl von Buden mit zwei im Gleichgewichte aufgehängten Fässern zum Schütteln des Eiswassers, die nicht nur in der Hauptstadt, sondern in den kleinsten Landstädtchen sich finden und wo man ausser Eiswasser auch Schwefelwasser, Holunderwasser (beides gilt für sehr gesund und Verdauung befördernd trotz des abscheulichen Geschmackes) und Limonade bekommt, würde schon das Gegentheil beweisen. Man braucht sich nur eine Zeit lang vor einem solchen Wasserstande aufzuhalten, um zu sehen, dass Alle, auch die Ärmsten, seine Kunden sind, selbst wenn in der Nähe ein Brunnen fliessen sollte. Das muss aus alten Zeiten her datiren, denn in Pompeji haben offenbar ebenfalls schon solche Wasserbuden bestanden, vollkommen so eingerichtet wie heute.

Mit Ausnahme der Früchte und der Maccaroni, die er in ungeheurer Quantität zu verschlingen im Stande ist, nährt sich der Mann aus dem Volke schlecht. Die Maccaroni freilich bessern Vieles auf eine Portion, welche als Entrée verzehrt wird, genügt gewiss im Durchschnitt für drei nordische Mägen. Ich habe in echt nationalen Trattorien und Kneipen solide Germanische Klingen nach einer halben Portion Maccaroni stumpf werden sehen und die Berge, die man unseren Exkursions-Gesellschaften auftrug, stehen bei mir in kolossaler Erinnerung. Aber Maccaroni enthalten nur wenig blutbildende Bestandtheile und damit ist es bei der Nahrung des gemeinen Mannes sehr schlecht bestellt. In der Hauptstadt und an der Seeküste sind es die schlechteren Fische, die Dintenfische und Pulpen, zäh wie elastisches Gummi und unverdaulich wie dieses, so wie Käse, welche hier hauptsächlich aushelfen müssen; Fleisch sieht er nur selten, und wenn dieses, Abfälle aus den

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Schlächtereien und Garküchen. Aber hier beynügt er sich in der That mit Wenigem, und da ihm immer für ihn schmackhafte Würzen, wie Pepperone und Liebesäpfel, zu Gebote stehen, so sind die Gerichte auch in der That für solche Gaumen nicht übel, welche ein wenig ranziges Öl nicht scheuen. Den Einrichtungen nach zu schliessen, muss in Pompeji auch nicht anders gewesen sein, und wenn man aus den Stillleben in Fresco, die dort in so vielen Häusern existiren, die Gerichte errathen kann, welche in den grösseren Landhäusern und auf den besseren Tafeln aufgetragen wurden, so waren dort Fische, Krebse und Meerfrüchte (frutte di mare) eben so geschätzt wie jetzt. Ich habe unter diesen Fresken alle Fische, welche auch jetzt noch gesucht werden, Schwertfische, Zahnbrassen (Dentice), Röthel (Triglie), Rochen, Kalmare, so wie die Schnecken und Muscheln, die auch heute noch auf dem Markte verkauft werden, deutlich erkannt.

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Das Leben in Italien, Neapolitanische Sitten und Charakterzüge. Wir schliessen unsere Auszüge aus Karl Vogt's „Reisebriefen" (Köln. Ztg.) mit folgenden Beobachtungen und drastischen Schilderungen aus dem Italienischen Volksleben!):

Die Wohnungen sind die Partie honteuse des gemeinen Mannes, besonders in den Städten und Landstädtchen mehr noch als auf dem Lande. Hier hat er meist nur ein einziges Gemach und diess ist Alles in Allem, Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmer, Hühner- und Schweinestall, Atelier und Werkstatt. Gewöhnlich haben diese Löcher kein Fenster, sondern nur eine Thür und, wenn es hoch kommt, im Inneren eine Spanische Wand, wodurch das Bett einigermaassen verdeckt wird. Wenn ein stets vergittertes Fenster ebener Ebene vorhanden ist, so hat auch dieses nur einen Laden, keine Glasscheiben, die schon ein Luxus sind. Selten existirt eine besondere Küche vielleicht ein Kamin in einer Ecke mit einem Herdsteine darunter -, meist wird die ganze Kocherei in einer Pfanne über einem Dreifusse auf der Strasse bewerkstelligt. Eben so wird jedes Handwerk, jedes sonstige Geschäft vor der Thür besorgt, und nur wenn es• regnet, zieht man sich so weit in die Thür hinein, um geschützt zu sein. Hundert Mal haben wir im Vorbeigehen von der Strasse aus kranke oder alte Leute so vor den Augen aller Welt in ihren Betten liegen sehen. einem Stücke des Pulcinella - Theaters, welches wir sahen, war Pulcinella Schuster und hatte vor seinem Gelasse auf der Strasse seinen Arbeitstisch aufgestellt, an dem er mit seinem Gesellen hämmerte. Ein Frauenzimmer kommt mit ihm in Streit, rückt ihm auf den Leib und stützt sich endlich mit der einen Hand auf den Tisch, indem es mit der anderen nach ihm ausreckt. Halt!" ruft Pulcinella, „das Domicil ist unverletzlich!” (Il domicilio è inviolabile!) So lächerlich sich das anhört (und in der That bricht das Theater in ein schallendes Gelächter aus), so richtig ist es der Platz vor der Thür gehört nothwendig zum Domicil des Neapolitaners.

Und ganz so muss es in den alten Zeiten gewesen sein. Allen Respekt vor Pompeji, es ist ein Wunder, diese wiedererstandene Stadt, allein die meisten Häuser sind eben solche schauderhafte enge Löcher, wie sie noch jetzt sind ein viereckiger kleiner Raum mit einer Thür und einem vergitterten Fenster, wenn es schon ein besseres Quartier ist, und damit Holla! Die Dächer fehlen – glaub's wohl, denn Dächer in unserem Sinne hatten diese Häuser, Ställe,

Wohnungen, worin das weltbeherrschende Volk wohnte, gar nicht, sondern waren offenbar oben eben so mit einem Gemisch von kleinen Steinen, Puzzolana und Cement, zugewölbt, wie diess noch heute geschieht. Ganz gewiss fehlte darin auch Alles und Jedes, wie jetzt auch, und der Arbeitstisch stand auf dem Trottoir vor der Thür wie heute noch. Dieselbe Unflätherei, Dreck und Schmutz muss damals geherrscht haben und die Strasse muss die allgemeine Ablage gewesen sein, wie sie es heute noch ist, trotzdem dass die Cholera schon mehrmals warnend durch die Nester geschritten ist. Da ich als Physiolog weiss, dass die Verdauung Resultate haben muss, so habe ich mich danach mit besonderem Eifer in Pompeji umgesehen, aber nirgends, auch in den besten Häusern und grossen Villen, wie z. B. des Diomedes oder dem Hause des Faun, auch nur eine Spur von Einrichtungen dieser Art entdecken können. Dagegen sind alle mit grossen Lavaplatten gepflasterten Strassen stark vertieft und von Zeit zu Zeit in denselben, je nach der Breite der Strassen, ein oder zwei Sockel aufgemauert, über die man von einer Seite der Strasse zur anderen hüpfen kann, während Raum genug für Pferde, Esel und Wagenräder zwischen ihnen ist. Das beweist doch wohl deutlich genug, dass die Strassen zugleich die Kloaken und Abzugskanäle waren, die man wahrscheinlich durch Einlassung von Wasser ausschwemmen konnte, in welche mit den Füssen hinabzusteigen aber nicht rathsam erschien !

Wie gesagt, 90 Prozent wenigstens der Häuser sind in Pompeji gemeine enge Löcher, die ein jeder Deutsche Bauer als Wohnung zurückweisen würde. Dazwischen sind einige grossartig angelegte Villen, offenbar Landsitze reicherer Nobili, gerade wie heute auch noch, wo jedes Landstädtchen einige Geldprotze hat, die sich mit köstlicheren Bauten breit machen. Aber mögen mir die begeisterten Alterthümler es nicht übel nehmen auch in diesen herrscht derselbe kleinliche Rococo-Geschmack, der auch jetzt noch so viele Italienische Villen auszeichnet und von dem die Villa Pallavicini bei Genua das hervorragendste Beispiel giebt. Diese kleinen Muschelgrotten, mit bunten Steinchen ausgelegt, mit irgend einem Gotte in der Nische (heut zu Tage ist es die Madonna oder irgend ein Heiliger), diese Waschschüsseln, welche Teiche vorstellen, mit den Paar Treppen davor, über welche ein Wässerchen niederrieselte und einen Fall simulirte, diese kleinen Sächelchen in Terra cotta, Marmor oder Bronze, die darum herum stehen, finden sich genau eben so und zwar nicht nachgeahmt, denn Pompeji war damals noch nicht entdeckt, als solche Villen erstanden, zu Hunderten in Anlagen aus der Rococo - Zeit wieder. In diesen Villen aus dem vorigen Jahrhundert und weiter zurück, aus den Schäfer- und Watteau-Zeiten, schüttelt man den Kopf über die Kleinlichkeit der Konception, die Schnörkelei der Ausführung, in Pompeji bewundert man diesen alten Trödel. Die meisten Wandmalereien von Landschaften

In

1) Die früheren Auszüge: Die Blaue Grotte von Capri, und Beschreibung von Foggia, s. ,,Geogr. Mitth.” 1866, Heft I, SS. 41 ff.

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und Architekturen entsprechen diesem Geschmack halb China, halb Rococo mit bunten Vögelchen und schreiend gefärbten Blumen dazwischen ganz so, wie die heutigen Don Ipsarios sie überall in Italien an die Wände malen. Ich leugne damit nicht, dass inzwischen einzelne schöne Dinge in den besseren Häusern sich finden manche prächtig durchgeführte perspektivische Ansichten ornamentirter Gebäude und Säle, manche schöne Wandgemälde mit Figuren, Mosaiken von edler Zeichnung und nobler Farbengebung und besonders schöne Statuetten und niedlich verzierte Werkzeuge –, aber das sind Ausnahmen in den reichen Häusern, nicht Repräsentanten des gewöhnlichen bürgerlichen und Volkslebens in Pompeji.

Selbst den reicheren Häusern entgeht aber Alles, was wir heut zu Tage Comfort nennen. Die Schlafzimmer in den reichsten und schönsten Häusern, des Hausherrn wie der Hausfrau, sind so eng, klein, dumpfig und ärmlich, dass heut zu Tage Lakaien und Kammerjungfern besserer Familien sie jedenfalls zurückweisen würden. Sie haben auch keine Fenster, sondern nur Thüren, die auf einen inneren Säulengang oder Hof gehen, keine Kamine, und wenn man sich das Bett hinein und die Thür geschlossen denkt, so ist der Unterschied von einem Kellerloche wahrhaftig nicht gross. Dafür sind aber an den Wänden der Frauengelasse manche recht hübsche Bildchen von Ammen, Kindern u. s. w., während im Gegentheil in dem Schlafzimmer des Hausherrn Gegenstände und Scenen abkonterfeit sind, vor welche Löfflund selig in Stuttgart, wie vor seine als Venus dargestellte Geliebte, einen Vorhang hätte malen lassen, „da er ja doch wisse, was dahinter sei". Überhaupt sind aber in dieser Beziehung die Begriffe von Anständigkeit durchaus verschieden. In Neapel wird weit weniger geheuchelt und den Blicken entzogen als bei uns und im Alterthum wurde noch weit weniger geheuchelt als heute in Neapel. Ich bin überzeugt, dass Cicero, wenn gleich ein berühmter und vornehmer Herr, mitten in einer seiner „Dampfreden”, wie mein Schneider zu sagen pflegte, die Tunica aufheben und sich an irgend einem Orte, wo ihn ein Floh oder ein sesshafteres Insekt plagte, kratzen durfte, ohne den mindesten Anstoss bei seinen Zuhörern zu erregen,

und wenn man in Pompeji an den Wänden der Speisesäle, wo doch wohl die ganze Familie zusammenkam, gewisse Darstellungen und Scenen sieht, so fragt man sich, was unter solchen Auspicien wohl die Kinderzucht gewesen sein müsse.

Wie man sieht, hat mich in Pompeji mehr die evidente Ähnlichkeit des damaligen Lebens mit dem jetzigen als die Verschiedenheit überrascht. Es herrschte in manchen Dingen mehr Geschmack, die Sucht nach dem Äusserlichen, die auch jetzt noch den Italiener beherrscht und ihn lieber eine pompöse Façade als ein wohnliches Apartement bauen lässt, war weiter getrieben und deshalb die öffentlichen Gebäude, Forum, Basilika, Theater und Amphitheater, unseren Begriffen nach weit über die Verhältnisse der Landstadt übertrieben. Es war auch bei aller Privatunflätherei mehr für das Wohl und die öffentliche Gesundheitspflege gethan durch warme und kalte Bäder, Wasserleitungen, Brunnen, Abzugskanäle u. s. w. Das Volk war damals offenbar reicher und in Folge seiner Weltstellung auch prunksüchtiger als jetzt, aber die Grundlage des Lebens war dieselbe und ist dieselbe im Laufe von 20 Jahrhunderten geblieben,

ein neuer Beweis für die Richtigkeit des Satzes, dass es leichter hält, die Regierungsform eines Reiches als die Heizungsart eines Bauernhauses umzustürzen und eine bessere dafür einzuführen.

Aber kehren wir zu unseren heutigen Neapolitanern zurück. Das Volk nährt sich schlecht, wohnt schlecht, arbeitet, so viel es kann, und bringt Nichts vor sich; fasst man das ins Auge, so ist es wirklich ein genügsames, gutmüthiges und fröhliches Volk, im wahren Sinne des Wortes ein Volk von grossen Kindern. Wie Kinder lügen sie Alle oder haben vielmehr gar keinen Begriff von objektiver Wahrheit, – „wir sind Alle Lügner", sagte mir ein

Freund, geborner Neapolitaner, „sie müssen nur das Mehr oder Minder unterscheiden!” Aber wenn der Neapolitaner der Lüge, des Betruges überführt wird, so macht ihm das auch keinen Pfifferling aus, er lacht dazu, er begreift nicht, wie wir nordischen Barbaren in sittliche Entrüstung gerathen können, gesteht mit Heiterkeit zu, dass er gelogen oder den Käufer über das Ohr habe hauen wollen, und ist viel mehr ärgerlich darüber, dass er nicht schlau genug gewesen, als darüber, dass er entdeckt worden sei. Dass diese laxen Begriffe bis zu bedenklichen Ausartungen gehen können, welche mit der Unverletzlichkeit des Eigenthumes, des Domicils und der Person nicht im Einklange stehen, versteht sich freilich von selbst, eben so auch, dass sie das gewöhnliche Leben in Handel und Wandel nicht sehr angenehm machen, indem man ohne Aufhören auf seiner Hut sein muss. Deshalb giebt man auch in den vornehmeren Häusern Neapel's für alle Bedienstungen, welche einen gewissen Grad von Zutrauen erfordern, Ausländern, besonders Schweizern und Deutschen, den Vorzug, während die Neapolitaner für Alles, was eine gewisse Anstelligkeit und Flinkheit der Auffassung erfordert, vorgezogen sind.

Ganz gewiss auch im Grunde ein gutmüthiges Volk, empfänglich für jede Wohlthat, die es aber schnell vergisst, und nur in seltenen Fällen rachsüchtig. Einer meiner Bekannten, seit langer Zeit in Neapel, aber blond-Germanischen Aussehens, führt eines Tages mit einem Fiaker. Der Kutscher, ihn für einen Fremden haltend, überfordert ihn. Zank. Der Kutscher wird unverschämt und droht mit der Peitsche. Der Andere kehrt den Stiel um, reisst den Kerl vom Bocke, zerbläut ihn mit der eigenen Peitsche, bis diese in Stücke bricht, wirft ihm das Fahrgeld in den Wagen und geht davon. Ein Paar Tage darauf steigt er wieder in einen Fiaker. Der Kutscher nickt ihm höchst freundlich zu „Kennen Sie mich noch, Herr? Ich bin derjenige, den Sie vor einigen Tagen so geprügelt haben! Man sollte es Ihnen wahrlich nicht ansehen, klein und mager, wie Sie sind, dass Sie eine so schwere Faust führen. Geben Sie mir eine Cigarre als Schmerzensgeld, mein Rücken ist noch blau und braun.” Seit jener Zeit sind sie die besten Freunde.

Vielleicht gehört in dieselbe Kategorie die Liebe zu den Kindern, welche so weit geht, dass von Kinderzucht eigentlich gar keine Rede ist. Ich habe die Kinder in Neapel nur essend, spielend oder weinend und heulend gesehen. Sobald einem solchen, nur mit einem halben Hemde bekleideten Moppel nicht augenblicklich der Wille gethan wird, und wäre es auch nur eine Caprice, so fängt er an schreien, mit den Füssen zu stampfen und sich auf dem Boden zu wälzen, bis die Nachbarschaft zusammenläuft ob

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des grossen Unglückes. Da findet sich denn immer Einer, der dem armen Kinde thut, was es verlangt,

von Strafe oder Abwehr ist aber unter keinen Umständen die Rede. Kommt man in ein Dorf Deutschlands oder der Schweiz, so ist gewöhnlich eins der ersten Genrebilder, welches sich präsentirt, ein Stück handgreiflicher Kinderzucht mit praktischer Demonstration ad hominem, obgleich hier Alles auf offener Strasse vor sich geht, so habe ich nie eine solche Scene in Neapel gesehen und meine Freunde versichern, dass sie durchaus nicht Statt fånden. Man lässt eben die Rangen wachsen, körperlich wie geistig, so gut sie können und wollen, das Übrige mag die Sonne, die Gelegenheit und, wenn grosse Sorge um sie, der Geistliche thun, der ihnen später Lesen und Schreiben, Religion und Moral, Alles auf ein Mal, eintrichtern soll.

Nur nicht Rechnen denn Zählen, Subtrahiren und Addiren lernen sie von Kindesbeinen an. Es ist ein gebornes Handelsvolk, das mit Allem und Jedem handelt, und es giebt Erwerbszweige in Neapel, von denen eine selbst Nord-Italienische Einbildungskraft keine Ahnung hat. In allen Kaffeehäusern kriechen zerlumpte Jungen herum, welche Cigarrenenden auflesen. Nun sollte man glauben, diess geschehe, um sie selber zu rauchen, denn sobald der Neapolitanische Junge die Mutterbrust verlässt, was meist erst in dem Alter von 2 bis 3 Jahren geschieht, nimmt er schon die Pfeife oder die Cigarre in den Mund. Aber nein! Kaum hat der Bengel eine Anzahl solcher Stumpen aus Spuck und Schmutz zusammengelesen, so etablirt er sich in der Nähe von Piazza Medina, Mercato, beim Theater San Carlo mittelst eines Bogens Papier oder eines schmutzigen Schnupftuches und breitet darauf seine Herrlichkeiten aus, schön sortirt: Napolitani, Cavour, Toscani, Abana und wie die nationalen und geschmuchelten Schmauchkräuter alle heissen mögen. Das Merkwürdigste bei der Geschichte aber ist, dass sich Käufer zu solchen Enden finden, · ja, man erzählt mir, dass manche Herren aus besseren Ständen dieselben zusammenkaufen lassen, um sie als Delikatesse zerschnitten in den bekannten kleinen Thonpfeifen mit Rohrstengeln zu rauchen.

Es giebt wohl keinen merkwürdigeren Spaziergang in irgend einer Stadt der Welt als einen, den man durch Strada del Porto und San Agostino della Zecca machen kann. Erstere Strasse ist einer der Haupt - Viktualienmärkte für das Volk, letztere die Börse für Lumpen, Kleider und Hausgeräthe. In beiden werden eine Menge von Dingen feil geboten, bei deren Anblick Einem der Verstand gänzlich still steht. Dort sind ausser den Früchten Fische jeder Art, Würmer, Schnecken, Muscheln, Seeigel und Seescheiden, Eingeweide von Thieren, Fleischstücke, Geflügel, Maccaroni, verschiedene Gebäcke mit oder ohne Öl hier in rohem Zustande, dort brodelnd und brotzelnd in Pfannen, Töpfen und Kesseln an einem Stande erhält man die Sache zugewogen, am anderen Portionen mit Hand und Auge abgemessen, am dritten wird geloost und mit der Gabel ins Blinde gestochen; hier in der Zecca stehen die Weiber dicht gedrängt, Kopf an Kopf, mit Lappen und Lumpen, über deren Annahme der Papiermüller sich besinnen könnte, mit halben Töpfen, Scherben, Kasserollen und Stücken von Metall oder Glas, mit Knöpfen und zerbrochenen Nadeln. All' dieser Handel und Wandel geht unter betäubendem Ge

schrei von Seiten der Käufer und Verkäufer, unter Reden und Gestikulationen vor sich, die den Nordländer glauben lassen könnten, der Welt Untergang stehe bevor. Mit den einschmeichelndsten Reden lässt sich der Verkäufer vernehmen: „Wer etwas Gutes essen will, der komme zu mir! Hier sind die ausgezeichnetsten Sülzen, welche ein Kalb je im Wanste gehabt hat, ein Kalb, das zu Gunsten meiner Käufer sterben musste, ehe es noch etwas Anderes auf der Welt gekostet als Milch, süsse Milch, direkt aus dem Euter seiner Mutter! Seht deshalb auch diese Sülzen! Gleichen sie nicht dem Rahm, der fausthoch auf der Milch stand: Sie schmelzen auf der Zunge, sie vergehen zwischen den Zähnen; wer davon gekostet hat, klopft sich zufrieden auf den Bauch und sagt sich: Der König und Garibaldi können keine besseren Sülzen essen, und wenn sich ihr Koch auf den Kopf stellte und mit den Beinen verwunderte! Zehn Sous, Signora, dieser Magen!" — „Zehn Sous!" schreit die Käuferin, ,Hundesohn, halten Sie mich für die Tochter einer H ...? Seht doch die Unverschämtheit! Zehn Sous für einen solchen Fetzen, an dem der Dreck mehr wiegt als das Fleisch! Zehn Sous! Habt Ihr den Verstand verloren? Kommt doch herbei, ihr Leute, und betrachtet euch diesen Narren, der 10 Sous für einen dürren Magen von einem alten Bocke verlangt und die Frechheit hat, ihn für einen Kälbermagen auszubieten! Seit Ihr ein Piemontese, um Euch solche Ungeheuerlichkeiten zu erlauben?" — So geht's fort, vielleicht, bis man sich verständigt oder bis ein anderer Käufer kommt, mit dem ähnliche Redensarten gewechselt werden; vielleicht aber geht's von Neuem los, die Signora hat kein kleines Geld, der Verkäufer kann nicht herausgeben, drüben sitzt ein Galgengesicht hinter einem kleinen Tischchen, auf dem Kupfermünzen aufgehäuft sind. Die Signora soll dort wechseln wer soll das Agio bezahlen? Neues Duett, Allegro sforzato, zu dem der Wechsler mit seinen Münzen den Takt klappert. Dazwischen Kerle, die ihre Waaren mit Stentorstimmen ausrufen, die das vollständige Orchester der Zukunftsmusik übertäuben können, Esel mit Frachtkörben beladen, Fiaker, die ihre Thiere anspornen und beständig Guai! guai! rufen (der abgekürzte Warnungsruf für Guarda!), fürchter. liches Klappern der Wasserverkäufer mit ihren Bechern, der Metzger mit ihren Messern, der Bäcker und Brater mit ihren Kesseln denn jedes dieser Gewerke trommelt nach einem geschehenen Verkauf einen Siegesmarsch auf seinem Stande.

Ohne Lärm kann's der Neapolitaner nicht machen. Ist er allein, so spricht er laut mit sich selbst oder setzt sich seine Gedanken in Musik und singt sie mit lauter Stimme, zuweilen wird es einer bekannten Melodie angepasst oder Text und Melodie werden zusammen erfunden und abgesungen. Unterhaltungen werden so laut als möglich geführt; haben sie sich Nichts zu sagen oder vielmehr zuzuschreien, so singen sie eine Tonleiter oder einen Akkord. Neapel ist deshalb im Verhältniss zu seiner Bevölkerung die geräuschvollste Stadt Europa's und zugleich diejenige, in welcher am meisten Bewegung und Cirkulation herrscht. Jedes auf der Strasse getriebene Gewerbe macht so viel Lärm als möglich und alle Cirkulation, die in anderen Städten entweder gänzlich verboten oder auf bestimmte Tageszeiten beschränkt ist, dauert hier den ganzen Tag hindurch fort. Man begegnet beständig Viehheerden, hauptsächlich Kühen,

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Ziegen und Eselinnen mit Glocken und Schellen, oft mit grünen Büschen oder Federstutzen auf dem Kopfe und hinter den Ohren, sie werden herein getrieben, um gemolken zu werden. Das giebt freilich den Vortheil, dass man wirklich frische Milch vom Thier weg bekommt, allein es vermehrt den Verkehr eben so wie die Heerden von Truthühnern, Hühnern, Enten, die man durch die Strassen treibt und laut schreiend zum Verkaufe bietet. Der Käufer sucht sich seinen Vogel aus, der Verkäufer packt ihn nach langem Feilschen und Zanken um den Preis, dreht ihm den Hals um und zieht mit der Heerde, die unterdessen links und rechts herumgepickt und Fussgänger und Wagen aufgehalten hat, sein empfangenes Geld zählend oder in der Tasche damit klimpernd, weiter. In Paris, London und anderen grossen Städten dürfen die Landleute, welche Früchte und Gemüse, die Fischer, welche ihren Fang zu Markte bringen, nur in frühen Morgenstunden durch bestimmte Strassen zu dem Verkaufsplatze ziehen und müssen zur bestimmten Stunde den Platz verlassen haben, in Neapel, wenn Einer einen Kohlstrunk oder einen Fischschwanz hat, legt er ihn in einen Korb und läuft schreiend Stunden lang die Strassen auf und ab, bis ihm die Kehle heiser und die Beine müde werden. Hat er seinen Trödel verkauft, so setzt er sich an eine Ecke und zählt laut sein Geld, und das ist eine Hauptbeschäftigung.

Ich habe in der That nirgends so viele Menschen mit Geldzählen beschäftigt gesehen wie in Neapel. Wie Kinder müssen sie sich immer und immer wieder überzeugen, wie viel Sous und Centimen sie in der Tasche haben; ist es gezählt, so wird eine Zeit lang in der Tasche damit geklimpert und gerasselt und dann wieder nachgesehen, ob kein Stück verloren gegangen. Das beliebte Spiel „Tocca” beruht nur auf Zählen und wieder Zählen. Jeder streckt eine Anzahl Finger aus, die Finger werden zusammengezählt und dann diese Zahl der Reihe nach unter den Mitspielenden herumgezählt, – auf wen die Endzahl trifft, der hat verloren. Alle diese Operationen der einfachsten Arithmetik werden stets mit Beihülfe der Stimme und der Finger zu Stande gebracht, sobald es über das einfache Zusammenzählen hinausgeht, ist oft Holland in Noth. Ich hatte 1/2 Stunde nöthig, um unserem berühmten Schiffer Antonio della piccola marina in Sorrent, der im Winter als Rheder mit Orangen nach Rom fährt, begreiflich zu machen, dass ein Vorschuss von einigen Francs, den ich ihm in Capri gegeben hatte, von dem bedungenen Fahrgeld abgezogen werden müsse und dass er ein schönes Trinkgeld in der Tasche habe, wenn ich ihm das Fahrgeld ohne Abzug dieser Francs auszahle. Es ging zuletzt nur in der Weise, dass ich ihm das ganze Fahrgeld in die Hand zählte, den Vorschuss zurücknahm, ihn den Rest einstecken hiess und dann ihm den Vorschuss wieder als Trinkgeld in die Hand zählte.

Oben sagte ich, es sei ein gutmüthiges Volk. Das zeigt sich in allen ihren Beziehungen zu einander. Zank und Geschrei im Überfluss, aber nur höchst selten eine Schlägerei oder im Augenblicke der höchsten Wuth und Raserei ein Messerstich. Wie bei Kindern Grausamkeit gegen Thiere, gepaart mit einer rührenden Familienliebe und einer grossen Theilnahme mit dem Unglücke Anderer. Wenn der Esel so überladen ist, dass er unter der Last fast zusammen

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft V.

bricht, so hängt sich doch noch der Neapolitaner ganz hinten auf seine Croupe, wie viel Personen ein unglücklicher Klepper zuweilen ziehen muss, ist ganz unberechenbar. Ich habe ein Mal 18 Erwachsene auf einem Corricolo gezählt und das mit Haut überzogene und mit Wunden bedeckte Skelet, das davor gespannt war, musste galopiren! Dann aber ist auch die Neapolitanerin sogleich bereit, ein krankes Huhn in ihrem Busen zu pflegen oder gar ein Hündchen zu säugen, das seine Mutter verloren hat. Fremde Kinder anzunehmen, alten gebrechlichen Verwandten eine Zufluchtsstätte bei sich zu gewähren, scheint selbst dem Ärmsten durchaus natürlich. Eine ganz gewöhnliche Sitte bei den Familien aus dem Volke und selbst bei solchen, welche zahlreiche Kinder haben, ist die, dass bei dem Verluste eines Kindes die Frau ins Findelhaus geht und sich dort ein anderes holt, das dem verstorbenen Kinde ein wenig ähnlich sieht. Ein solches Kind wird als eine Himmelsgabe adoptirt, meist sogar den eigenen Kindern vorgezogen und besser gehalten als diese. Meine Freunde zeigten mir eine arme Gärtnersfrau, die zu sieben eigenen Kindern sich ein solches achtes Ersatzkind geholt hatte, das sie zärtlichst pflegte.

Dieselbe schnelle Erregbarkeit, leichte Auffassung, Leichtgläubigkeit und Flüchtigkeit wie bei Kindern. Die unglaublichsten Nachrichten verbreiten sich mit Blitzesschnelle; was heute in den Himmel gehoben wird, wird morgen in den Staub getreten; das gestern Geschehene ist morgen entweder vergessen oder ein Mythus, eine Legende. Götter werden mit derselben Leichtigkeit gemacht und abgesetzt wie im Alterthum. Die Nischen, in welchen in Pompeji die Hausgötter, die Laren, standen, sind heute noch mit denselben Ausschmückungen in jedem Laden und in den meisten Häusern zu finden; die antike Öllampe brennt jetzt vor der Madonna oder dem heiligen Januarius. Auf den alten Fresken sieht man Dudelsackpfeifer und Frauen vor den Laren musiciren und tanzen; in den heiligen Wochen kommen die Pifferari aus den Bergen herunter und werden für geringes Geld gemiethet, um täglich ein oder zwei Mal der Mater dolorosa oder dem Schutzpatron einen Ohrenschmaus zu geben. Früher war die ganze Stadt voll solcher Heiligen- und Madonnenbilder, an allen Strassenecken waren Nischen, vor denen Lampen brannten und Gläubige durch ihr Beten die Cirkulation hemmten. Eines schönen Tages erklärte die Municipalität allen diesen Kram in Wegfall, die Priester waren sich, man erwartete eine Emeute während der Abnahme. Die sämmtlichen Bilder und Nischen wurden abgenommen, ein Paar alte Weiber liefen zusammen und heulten, jetzt kräht kein Hahn mehr danach. Versunken und vergessen!

Von der Leichtigkeit, womit Legenden entstehen, liefert Garibaldi oder vielmehr Galibardi oder Barigardi (für den Neapolitanischen Dialekt ist das Versetzen und Vertauschen der Konsonanten charakteristisch) einen Beweis. Für einige Wähler, die durch den Census schon etwas gebildeten Ständen angehören, mag der Held der Italienischen Unabhängigkeit noch in Fleisch und Blut auf Caprera existiren, so dass sie ihn zum Parlament als Deputirten wählen können, für das Volk ist er eine mythische grosse Gestalt geworden, der Messias, der da kommen wird, zu richten über Lebendige und Todte, der Rächer alles Unrechts, der alle Schlech

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ausser

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