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Von Th. v. Heuglin. ') (Mit Karte, s. Tafel 9.)

Über meineu letzten Aufenthalt in Chartum und die Reise von dort nach Berber habe ich bereits kurzen Bericht erstattet a). Wir hatten die Absicht, vom oberen Nil aus auf irgend einer noch weniger gekannten Route uns nach Sauakin zu begeben, und Berber schien der geeignetste Platz, um die nöthigen Transportmittel zu erhalten, namentlich weil eben grössere Pilger - Karawanen vom Rothen Meer hier erwartet wurden, deren Führer und Kameele wir dann sogleich übernehmen konnten. Durch Vermittelung des Gouverneurs der Provinz Berber, Ibrahim-Bek, wurde nach langem unnützen Aufenthalt in MocheYef ein Vertrag mit dem Schech der Postverbindung für die betreffende Wüstenstrecke, einem in Berber ansässigen Bedjah aus dem grossen und weit verbreiteten Stamme der O'marab oder O'marar, abgeschlossen, der sich verpflichtete, einige 40 Last- und Reitkameele nebst Bedienungs-Mannschaft, so wie einen der Strasse und Verhältnisse kundigen Führer (Arabisch: HaMr) zu bestellen, als welchen der Schech seinen Sohn Hadji-Äli vorschlug.

Obgleich die in den Gebirgen zwischen Berber und Sauakin gezüchteten Kameel-Racen im ganzen Orient ihrer vorzüglichen Eigenschaften wegen berühmt und gesucht sind, eignen sie sich weniger als die der A'babdeh und Eababisch zu schweren Transporten, sie sind meist kleiner, leichter und flüchtiger und namentlich die Bischärin-Eameele geben ausdauernde und schnelle Hedjin (trainirte Reitkameele) ab. Der grösste Theil der Thiere, die uns Hadji-Äli lieferte, war jung und schwächlich und kaum ordentlich zugeritten, die Bedienungs-Maunschaft, O'marab und Hadendoa, kaum civilisirter als ihre Thiere und höchst ungeschickt beim Anordnen, Aufbinden und Verladen unserer voluminösen

') Dieser Abschnitt nebst Karte beendet vorläufig die Reihe der in diesen letzten 6 Jahren in den „Geographischen Mittheilungen" (in verschiedenen der laufenden und der Ergänzungshefte) gebrachten Berichte und Karten Ton Hrn. Ton Heuglin, bis auf die Reisen in Abessinien, den geographisch wichtigsten des ganzen Unternehmens. Die gewissenhafte und gründliche Ausarbeitung der darauf bezüglichen Karten allein wird längere Zeit erfordern als uns bisher zu Gebote stand.

Trotzdem aber der werthvollste Theil von den Resultaten der „Deutschen Expedition nach Afrika" noch unedirt ist, wurde Herrn Ton Heuglin in der Sitznng vom 27. April die diesjährige Medaille der SocitU de Geographie von Paris zuerkannt, ein um so schlagender Beweis, dass man im Avalande die Arbeiten dieser Expedition zu den vorzüglichsten zählt. Die jedes Jahr von den Geographischen Gesellschaften in Paris und London verliehenen Medaillen bilden die höchste Anerkennung und Belohnung für geographische Bestrebungen, Arbeiten und Entdeckungen, die es in der Welt giebt. A. P.

*) Siehe „Geogr. Mittheil." 1864, SS. 308 — 310, 350 — 352, Ergänzungsband III, Nr. 15, SS. 20 ff.

Petennann's Geogr. Mittheilungen. 1866, Heft V.

Bagage, so dass noch ein A'babdeh zur Beaufsichtigung des Gepäcktransportes engagirt werden musste.

Am Mittag des 1. September 1864 wurde endlich aufgebrochen, nachdem sich die Araber vom frühen Morgen an mit viel Lärm um die leichtesten Gepäckstücke gerauft, die etwas gewichtigen wo möglich verkleinert und die von störrischen Thieren abgeworfenen Lasten wieder aufgepackt hatten. Der Weg führt von Mocheref Anfangs fast direkt ostwärts, anfänglich über fast vegetationslose, steinige Wüste schwach ansteigend nach dem an 5 Meilen von der Stadt entfernten Brunnen A'bu-Täkar oder Blr (d. i. Brunnen) MoSa-Bek, in einer dem Nil ungefähr parallel laufenden seichten Niederung mit hartem Wüstengras (Haifa) und ziemlich kargem, jetzt fast kahlem Baumschlag.

Auf 36 bis 40 Fuss sind hier einige Brunnengruben in Thonschichten und Geröllmassen abgeteuft, die viel Trinkwasser liefern, das jedoch trotz seiner ausnehmenden Elarheit unangenehm und bitterlich schmeckt und wie die meisten Wasser von Wüstenbrunnen in den Schläuchen weit schneller verdirbt als das des Flusses, weshalb wir unsere Vorräthe auch aus dem Nil mitgebracht hatten. Wenige Bischärin-Araber weiden ihre mageren Schaf- und ZiegenHeerden in diesem Wadi, das trotzdem, dass schon einige starke Sommerregen gefallen waren, nur an tieferen, humusreichen Stellen etwas frische Vegetation zeigte, namentlich eine Rosacee mit kleinen gelben Blüthen, welche die Eameele sehr begierig fressen. Ausser Gazellen, kleinen Hasen und Wüstenhühnern fand ich kein jagdbares Wild.

Erst am dritten Tage unseres unfreiwilligen Aufenthaltes am Blr MoEa-Bek erschien auf unsere energische Reklamation in Berber der Habir und als man endlich wirklich aufbrechen wollte, waren die Eameeltreiber und ihre Thiere verschwunden und es zeigte sich, dass diese das Weite gesucht hatten, obgleich der Führer die Hälfte des Lohnes voraus empfangen. Man war genöthigt, sich nochmals an den Divan zu wenden, und mit Hülfe einiger Soldaten waren schneller, als wir erwarten konnten, wieder andere Leute und Lastthiere zur Hand. Man sandte wieder die leeren Trinkwasserschläuche zum Fluss und am 6. September konnte wieder zum Aufbruch geblasen werden, aber erst gegen Abend setzte sich die Earawane nach und nach in Bewegung. Vor uns lag eine sanft nach Osten ansteigende Ebene, steinige, aller Vegetation bare Wüste, zuweilen unterbrochen von weitläufigen dürren Haifa-Partien und krüppelhaftem Mimosengebüsch. Nach Meilen Weges

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wurde in der Nähe einiger Bischärin - Zeltlager auf einer freundlicheren Niederung gerastet, in der hie und da frischer junger Graswuchs sprosste. Hier erscheinen bereits die Vorberge der östlichen Gebirgsstö'cke, die meist aus TJrgebirgsmassen bestehen, am Horizont, während der BasaltTafelberg NoEara westlich vom Nil noch deutlich sichtbar ist.

7. September 1864. In den vor uns liegenden Thälern muss weit mehr Regen gefallen sein als am Nil bei Berber. Neben zartem Graswuchs begegnen wir bereits hübschen Durah-Saaten und gelangen nach 3 Meilen in ein anderes breites Wadi — wie alle von südnördlicher Richtung — und nach 10 Meilen wird am Fuss einer niedrigen, flachen Felsterrasse gerastet bis zum Abend. Wir befinden uns hier ungefähr im Meridian des kleinen, aber schön malerisch geformten Gebirgsstockes Sötirba (N. 4° 0. vom Lager) und in NO. zu 0. zeigen sich die kühnen Zacken des Djebel Scheqere'b, in SO. zu S. drei kleinere Gipfel, Duqaiah genannt. Die Benennung Sdtirba oder Sötirbah wiederholt sich häufig in den Bddjah-Ländern, auch heisst ein Stamm westlich von Ras Rauai Sötirbdb.

. Den Tag über hatten wir die drückendste Sonnenhitze und kaum einen Hauch von kühlendem Wind, aber gegen Sonnenuntergang zogen sich schwere Gewitterwolken am ganzen Horizont zusammen. Kaum war wieder gesattelt und ein Theil des Gepäckes über die oben erwähnte Terrasse ostwärts weiter gezogen, als von rasenden Windstössen begleitet ein Gewitter über uns losbrach, das in wonigen Minuten unseren Lagerplatz in einen See verwandelte, der von einem reissonden Regenstrom aus Süden und Osten gespeist wurde. Ehe das Toben der Elemente sich gelegt hatte, war es Nacht geworden und fast Mitternacht, bis sich die zerstreute Karawane auf einer Insel in diesem improvisirten Ocean wieder zusammengefunden.

Am 8. September kam es natürlich erst spät zur Abreise. Man hatte das durchnässte Gepäck erst einigermaassen trocknen müssen, ganze Ladungen waren abgeworfen worden und mussten erst wieder aus allen Richtungen zusammengesucht werden.

Nach 9 Meilen Marsch wird in einem Wadi am westlichen Theil des kleinen isolirten Djebel Eremid etwas gerastet. Etwa eine Wegstunde vor unserer Ankunft hier fiel mir eine eigenthümliche Felsbildung nördlich von unserer Strasse auf. Fast künstlich scheinen dort Fclsmassen säulenund thurmartig aufgerichtet, so dass man ein Ruinenfeld von grosser Ausdehnung vor sich zu haben glaubt.

Von Djebel Erümid steigt man 3 Meilen weit in das seichte, wenig eingerissene Wadi Ere'mid herab, das in NW. von niedrigen Hügelgruppen eingesäumt ist und etwas reicheren Baumschlag zeigt. Nach Aussage des Habir HadjiÄli sind von Seiten des Gouverneurs von Berber mehrmals

fruchtlose Versuche gemacht worden, hier Brunnen zu graben. Man fand immer etwas Wasser, aber bitter und schlammig. Hier lagern wir die Nacht über.

9. September. Nach vierstündigem Marsch über hügeliges, sandiges Terrain mit spärlicher Vegetation durchwandert man ein mageres Wadi, längs dessen Ostseite sich eine Sanddünenkette, Debab el-Bak, von beträchtlicher Längenausdehnung hinzieht. Wir brauchten zwei Stunden, um dieselbe an einem geeigneten Platz in weitem Bogen nach Süden zu passiren. Dann betrat man eine mit Flugsand erfüllte Niederung mit zahlreichen Mimosen und TundubBuschwerk, in der auf einem Grund von Schotter und Mergel eine grosse Menge von Brunnen liegen, welche damals aber theils ganz vertrocknet waren, theils nur schlechtes, brackisches Wasser auf etwa 20 bis 30 Fuss Tiefe enthielten. Sie heissen Bear (Plural von Bir, Brunnen) el-Bak und das gleichnamige grosse Wadi soll in günstigen, feuchteren Jahren von Ackerbau treibenden Hirten zahlreich bevölkert sein. Jetzt wolinten nur einige Familien im ganzen Thal nud es war kaum möglich, von den Eingebornen einige Schafe für uns zu erwerben. An den Brunnen lagerte eine kleine Sauakin-Karawane mit etwa zehn jungen Galla-Sklavinnen.

10. September. Die leeren Wasserschläuche werden in aller Frühe gefüllt, dann gepackt und gesattelt und nach NO. ungefähr in der Richtung des Berges Of-fiq (Alfik v. Beurmann's) weiter gezogen. Längere Zeit folgen wir dem eigentlichen Wadi el-Bak mit wenigen Durah-Fluren. Nach 6 Meilen erreicht man eine kleine horizontale Felsterrasse, auf der sich in N. bis SO. die niedrigen Vorberge des O'-fiq vor uns ausbreiten, unschön geformte, ganz kahle, schwärzliche Thonschieferhügel, die aber einen weiten Thalkessel umschliessen, in welchem viel Steppengras und einige hübsche Samra-Mimosengruppen wuchern. Nach 9| Meilen Marsch (von Bir el-Bak) wird in SO. vom O'-fiq etwas gerastet und mit Einbruch der Nacht geht es Anfangs in NO.Richtung thalaufwärts weiter, dann über einen kleinen Gebirgspass oder Sattel in das weite grasreiche Wadi Laeme'b, dem wir in WO.-Bichtung folgen. Nach 9 starken Meilen Weges (von der Station am O'-fiq) wird in demselben Thale Nachtquartier gemacht.

11. September. Unsere Richtung von gestern Abend beibehaltend wandern wir immer thalaufwärts. Längs der Seiten des 2 bis 4 Meilen breiten Wadi Lacmcb, in das von Norden her das Wadi Schäabedri mündet, ziehen sich Gruppen niedriger Hügel von Hornblenda und Thonschiefer hin, mit riesigen Quarzgängen durchsetzt. Einige Mal stiessen wir auf Tümpel frischen Regenwassers und grosse Heerden von Kamcelen, Schafen und Ziegen, fanden aber keine Spur von den von Beurmann erwähnten Tamarinden am Gebirge. Diese Zierde der Sudanischen Regenbetten erscheint wohl nirgends nördlich vom 16° bis 17" N. Br. Die Gehänge der hiesigen Thäler sind meist ganz entblösst von Baumschlag, aber an feuchten Plätzen der Thalsohle gelbst stehen öfter ansehnliche Gruppen von Mimosen, Nabaq, Tundub und MerEa.

Nach 10 Meilen verlassen wir Wadi Laemeb, nach rechts über einen niedrigen Sattel abbeugend, und treten bald in ein ziemlich enges, von schwarzen kahlen Bergen eingeschlossenes Thal, wo nach sieben Stunden Marsch (14 Meilen) an einem herrlichen Chor (Regenwasserbett) mit viel Wasser auf blühendem Wiesengrund Halt gemacht wird. Dieses Thal wie die ganze Gegend heisst Rauai und hier beginnen die Wohnsitze des grossen Stammes der O'maräd, der wie die meisten Bischarin, Hadendoa und Halenga jetzt der Mudirieh (Provinz) Taka zugetheilt ist.

Ich besuchte einige benachbarte Berggipfel, ohne übrigens einen für Winkelaufnahmen günstigen Punkt zu finden. Die Gebirge bestehen aus Thonschiefer und Hornblendegestein (Diorit), die Brunnen von Rauai, die wir nicht besuchen konnten, liegen von hier 6 bis 7 Meilen NO. zu N., die Brunnen von Äriäb (nicht Arab der Karten) einen Tagemarech in NO.

Herr v. Beurmann berichtet, dass die Brunnen von Rauai zur Regenzeit kleine Fische enthalten sollen; diess stellte unser Habfr in Abrede, die Einwohner berichteten uns dagegen, dass jene Brunnen sehr künstlich und tief in den lebenden Fels gearbeitet sind, und auf den steilen Bergwänden sollen sich rohe Zeichnungen und Inschriften aus christlicher Zeit oder von den Vorfahren der Bedjah, die sie „Änaki" nennen, befinden. Ich habe nicht mit Bestimmtheit ermitteln können, ob dieses Wort Änaki von der Be'djah-Sprache abstammt oder Arabischen Ursprungs ist. In letzterem Falle würde es so viel als „Gräber, Wühler", vielleicht „Bergleute" bedeuten, von änak, im Boden wühlen, graben.

Wir blieben am 12. September in unserem reizenden Thal, wo übrigens unangenehme Auftritte mit dem Stellvertreter des abwesenden Schech der O'maräb und den Eingebornen Statt fanden, die auf Unrechtskosten sich bei uns zu Gast laden und einen willkürlichen Durchgangszoll für jedes Kameel erheben wollten. Es kam zu sehr ernstlichen Demonstrationen, so dass wir, eines massenhaften Angriffes gewärtig, die ganze folgende Nacht unter den Waffen bleiben und Wachposten ausstellen mussten.

13. September. Es geht heute thalaufwärts durch niedrige Felsgebirgsketten, die meist aus blättrig und holzartig verwittertem Thonschiefer bestehen. Nicht selten begegnen wir alten Begräbnissplätzen, theils von ovaler Form, theils oblong, mit einer Art Vorbau nach Osten, entweder nur von rohen Feldsteinen umfriedigt oder als' hohe massive

Hügel aus demselben Material. Auch auf hervorragenden Bergpartien unterschied ich solche deutlich. Nach 5 Meilen treten wir in ein engeres, nicht ganz vegetationsloses Felsthal ein und nach einer weiteren Meile Marsch geht es über einen ziemlich steilen niedrigen Sattel weg, von dem aus man nach 2 Meilen in NO.-Richtung in ein breites schönes Thal hinabkommt, dessen Nordseite namentlich von höheren Gebirgen eingesäumt ist. Es wird wie die ganze Gegend Derunkad genannt, nach einer hier ansässigen O'maräb-Qabi'leh. Wir folgen diesem Thal nach Osten über eine niedrige Wasserscheide, lassen nach 11J Meilen (Marsch vom Lagerplatz) einen kleinen pyramidalen Felshügel hart links am Weg, nach 16 Meilen einen isolirten höheren Berg mit zwei auffallenden Spitzen rechts und gelangen nach einer weiteren Meile über einen kleinen Gebirgspass, in NO. einbiegend, in ein liebliches Hochthal, wo nach 1Meilen' Weges gelagert wird. Von hier ist in Süden ein hoher, zackiger, ganz isolirter Bergstock, der Djebel Musmar (nicht Musmat, v. Beurmann), sichtbar, in Osten der Berg O'-Kur, ebenfalls scheinbar ganz isolirt dem Plateau entsteigend, in NO. der Abadäb mit kühnen Formen, rechts davon das verworrene Gebirge von KoqreT) (Gouteb v. Beurmann's ?), in Norden einige Grad östlich der unbedeutendere Gebirgszug Bokmeri, der vom Plateau, auf dem wir gelagert sind, nach Osten in eine weite Thalniederung ausläuft, die von SO. nach NW. gehend die Berge von Derunkad von denen von * Abadäb und Koqreb trennt.

14.. September. Wir steigen zeitig auf passablen Wegen über einige Vorberge in das mehr als 10 Meilen breite oben erwähnte Thal hinab, das unter Anderem sehr freundliche und liebliche, waldähuliche Baumpartien enthält. Nach 19 Meilen Marsch erreicht man die Vorberge zwischen Abadab und Koqreb, passirt die jetzt durch heftige Regengüsse versandeten Brunnen von Koqreb in einer aus OSO. kommenden ziemlich engen Schlucht, deren Sohle wir noch 1 Meile weit folgen.

Man fand hier viel theils stehendes, theils Iiiessendes, klares Wasser, das Thal selbst ist reich an Vegetation und enthält namentlich schöne Samra-Mimosen mit dichtem Laubdach, an denen sich nicht selten Capparideen emporwinden und auf deren breiter Verastung zahlreiche hochrothe Loranthus ebenfalls ihre Blüthen entwickeln. Auch der Raq-Baum, aus dessen Zweigen und Wurzeln die Araber ihre Zahnbürsten (Arabisch: Musoäq) fabriciren, ist häufig und steht jetzt auch in Blüthe wie die Samra. Ich schätze die Meereshöhe der Brunnen von Koqreb wenigstens auf 2500 Fuss, die benachbarten Gipfel des Abadab auf 5000 F. Er besteht wie das Koqre'b-Gebirge aus primitiven Gebirgsmassen, namentlich Hornblendegesteinen, Porphyr und Granit, auch Glimmerschiefer ist häufig im Geröll.

Die hiesigen Araber sind Hadendoa aus der Qabi'leh der Schebudinäb. Ihr Schech, Mohamed Woled E'lök, erschien mit zahlreicher Begleitung und prätendirte ebenfalls einen Durchgangszoll nebst Speisung.

Am 15. September konnte nur ein kleiner Marsch thalaufwärts, immer im Wadi Koqreb, gemacht werden, da sich einige Kameele verlaufen hatten (4j Meilen), eben so am 16. September, an welchem Tag wir nur bis zu den Brunnen des sogenannten Ras el-Wadi, eine gute Meile weit, vorankamen. Die Gegend scheint sehr bewohnt, viele Hadendoa, selbst Weiber, Mädchen und Kinder, fanden sich im Lager ein, um Milch gegen Tabak und Geld zu vertauschen, und viele Schaf-, Ziegen- und Kameelheerden weideten an den frisch-grünen Thalgehängen. Die Männer haben meist einen schlanken, aber unschönen und nicht kräftigen Körperbau, häufig sehr scharfe Gesichtszüge und tragen wie die A'babdeh und Bischurin lange, von Fett triefende, dichte, krause Haare, deren untere Partie in der Höhe der Stirn in auf die Schulter herabhängende Zöpfchen geflochten wird. Die Oberlippe ist meist rasirt, Backen- und Kinubart kraus, aber schwach. Häufig tragen die Männer Lederschürzen und über diese ein Arabisches Umhängetuch.

Jeder Eingeborne trägt einen Ledergurt von 1 bis 2 Zoll Breite und an der linken Seite ein ziemlich langes, zweischneidiges, an der Spitze sichelförmig gebogenes Messer 'mit Eisenholzgriff (von Dahlbergia) in bunter, halb offener Lederscheide. Diese Messer heissen Schötel und werden meist in Sauakin fabricirt. Häufig hängt ein gerades Deutsches Schwert auf der linken Schulter oder am Kameelsattel, wie auch ein kreisrunder Schild von Rhinoceroshaut, meist mit sehr erhabenem Buckel für die Handhabe und kleinem runden Ausschnitt am oberen und unteren Band. Fast jeder Bedjah führt eine kurze starke Lanze mit j bis 1^ Fuss langer blattförmiger Spitze, der Schaft ist von Selem- oder Siter-Holz (zwei Akazien-Arten), der untere Theil oft Fuss lang mit Eisenblech beschlagen, das nicht selten am unteren Ende etwas trompetenförmig erweitert ist.

Der Kameelreiter und Hirt führen einen kurzen Stock, meist aus Holz der Dahlbergia, dessen vorderes Ende stärker und etwas abgebogen ist.

Das einzige Ackerbauwerkzeug, das ich hier zu Lande sah, besteht in einem 2 bis 21 Fuss langen, sehr massiven Stock, an dessen einem Ende ein breites meisselartiges Stück Eisen angebracht ist, das so wie eine kleine Axt zum Ausroden des Gebüsches u. s. w. dient.

Die Bewohner dieser Gebirge züchten auch nicht selten eine kräftige Eselrace, die aber selten zum Reiten, meist nur zum Wassertragen benutzt wird, doch sah ich nirgends, dass diese Esel, wie z. B. bei den Baqara, abgerichtet wer

den, sich beim Aufladen der "Wasserschläuche niederzulegen wie die Kameele.

Die Weiber sind meist hübsch und schlank gebaut und haben gewöhnlich im rechten Nasenflügel einen kleinen, schweren silbernen Ring. Die Frauen tragen einen engen, langen, sehr zierlich genähten Lederrock und darüber die Ferda (Umhängetuch), die auch den Kopf bedeckt. Glasund Bernsteinkorallen zieren häufig Hals, Arme und Beine, auch zuweilen Armspangen von Eisen, während die Männer am linken Oberarm und am Schwertgriff oft Massen von Amuletten angehängt haben.

Endlich verfertigt man hier hübsche, starke und sehr grosse, braun und weisslich gestreifte Tcppiche aus Ziegenhaaren, die im Inneren der niedrigen Mattenzelte um das Ruhebett ähnlich einem Fliegennetz angebracht werden. Sonst werden von den Bedjah noch einige Lederarbeiten gefertigt, namentlich Schläuche und Lederstricke. •

Schon am 14. und 15. September hatten sich Nachts leichte Regenschauer eingestellt, der heutige Abend brachte aber ein sehr heftiges Gewitter mit Regenguss, der bis nach Mitternacht in Strömen herabstürzte und uns und das Gepäck tüchtig durchnässte. Die eigentliche Regenzeit in diesen Gebirgen beginnt erst mit Ende derselben im oberen Nil-Land, währt aber nur bis Ende Oktober, wo dann die Regen an der Küste ihren Anfang nehmen.

Am 17. September. wird wieder spät aufgebrochen. Man folgt noch eine kurze Strecke dem Chor von Koqreb, der hier mehr aus NO. kommt, überschreitet nach 2 Meilen einen kleinen Gebirgssattel und gelangt dann über ein felsiges Plateau, einen mamelonartigen Hügel hart rechts lassend, in ein schönes, weites, nur in NW. offenes Hochthal, das an einigen Stellen sumpfigen Grund hat und wo weitläufige Durah - Pflanzungen sind. Hier bemerkte ich zum ersten Mal auf diesem Weg grosse Strecken mit einer dichten niedrigen Mimosengebüsch-Art bedeckt, die auf Arabisch U'd heisst, eben so den Q,iter - Strauch mit seinen wohlriechenden, grossen weissen Blüthenkätzchen und hakenförmigen Dornen. 11 Meilen Marsch. Am Nachtlagerplatz standen einzelne Augit-Felsgebilde an, die, wie es scheint, sehr der Verwitterung ausgesetzt sind.

18. September. Bis hierher scheinen wir ungefähr der Route v. Beurmann's gefolgt zu sein. Das von diesem Reisenden erwähnte Hare'tri-Gcbirge sahen wir in NO. zu 0., zwischen 0. und SO. die Gebirge von Abu Qöloda, in SO. zu S. den O'-Kur-Berg.

Unsere heutige Wegrichtung ist östlich, nach 7 Meilen kommt man aus dem Thal von gestern in ein anderes, in NO. mit diesem zusammenhängendes, weites Wadi, über eine kleine Felshügelkette weg und nach 16 Meilen Marsch lagern wir an dem Brunnen von Abu Qöloda am Fusso der Ausläufer des gleichnamigen Gebirges, das dem Abadab an Höhe wenigstens gleich kommt. Enorme Massen von Geröll haben die reissenden Cherän (Plural von Chor) hier zu Thal geführt und meist nur Raq-Sträucher bedecken die mehr felsigen Partien und Gehänge. Hier trafen wir die ersten, von hier an ostwärts nicht seltenen Euphorbien, in denen ich eine Abessinische Art zu erkennen glaube. Sie wird 3 bis 4 Fuss hoch, ihre Verastung ist ganz cacteenartig, 5- bis 6kantig, die Kanten häufig eingeschnürt und mit scharfen Stacheln besetzt, und am oberen stumpfen Ende jedes Astes kommen zahlreiche kleine gelbe'Blüthen hervor. Die etwas klebrige Milch soll sehr giftig sein. Erinnere ich mich recht, so heisst diese Art in Abessinien „Mersi". Auch eine der Form der Pflanze nach dieser Euphorbia sehr ähnliche Stapelia, jedoch ohne Milchsaft und Stacheln, mit grossen violettbraunen Blüthen ist hier keine Seltenheit, so wie die im ganzen Abessinischen Küstenland bis über 12.000 Fuss hoch vorkommende Aloe und der ebenfalls etwas cacteenartige Cissus (C. quatrangularis ?), und Niederungen und Schluchten sind bedeckt mit einer kleinen Dickblattart (Mesembrianthemum ?) mit zierlicher gelber Blüthe und mit der Hug-Staude ein sehr beliebtes Futter der Kameele ausmachend. Der Brunnen von Abu Qöloda ist im Geröll der Thalsohle und hat bei 6 bis 8 Fuss Tiefe viel und treffliches klares Wasser. Unter den Geröllmassen und anstehend unterschied ich schöne Hornsteinporphyre, Diorite mit grossen Albit - Krystallen, Mandelsteine mit Chalcedon, Hornblende - Fels und einen sehr feinkörnigen Granit, der gleichförmig durchwachsen ist mit feinem Pistacit, 19. September. In ONO. (N. 65° 0.) auf nur circa 6 Meilen Entfernung haben wir einen hohen Gebirgsgrat, der den Abu Qöloda mit dem Djebel Drus verbindet. Diesem zu geht es heute in vielen Windungen und über niedrige Sättel weg in einem engen reizenden Thale immer steiler bergauf. Fliessendes Wasser kam hier nicht selten zu Tage, um aber nach wenigen Schritten wieder zu versinken. In Schluchten und an den Seiten des Wadi ist oft schöner Baumschlag, auch sah ich hier zum ersten Mal einen starken Baum mit oliven-graugelber Rinde, der auf Bedjah „Mika" heisst. Nach über dreistündigem Steigen über viele, den steifen Beinen der Kameele höchst unbequeme Hindernisse weg erreichen wir den höchsten Pass des Gebirges südwestlich von dem erwähnten Gebirgsgrat, gelangen dann über eine steinige Hochebene, durch die sich kleine grüne Thälchen winden, zu einem im Süden abgehenden breiten Querthal mit sumpfigem Regenbett und Durah-Feldern, das seinen Ursprung am Djebel Ajakeb in Osten hat, der Station XVII meiner trigonometrischen Messungen, und lagern nach kaum 9 bis 10 Meilen direkten Weges unfern vom letztgenannten Berg, der mit dem Djebel

Drus, den wir im Norden haben, die Wasserscheide zum Rothen Meer bildet.

20. September. Die Nacht war sehr frisch gewesen in diesem unseren höchsten Nachtquartier der Route. Mit der Sonne zeigte das Thermometer 17° R., auch war ein starker Thau gefallen.

Man folgt dem Thal von gestern Abend bis zur Südseite des relativ kaum 800 Fuss hohen Ajakeb und gelangt dann in einem wunderlieblichen, engen, felsigen und mit wirklich malerischem Baumschlag (Mimosen, Seifenbaum, Nabaq, Mika u. s. w.) geschmückten Hochthälchen in Osten in ein weiteres, aus Norden zu Süden führendes Wadi (diese zwei Thäler wurden mir Om-beräsi und Deraiquan benannt), dann in Osten zu Süden bald (nach 7| Meilen) an einen sehr fatalen Gebirgspass (Station XIX), von dem aus man nach Osten bereits in das berühmte Wadi O'-Kuak oder Sinki't (Sinket) hinabsieht , das wir nach über siebenstündigem Marsch erreichten.

Dieses Wadi O'-Kuak, oder auch O'-Kak in den amtlichen Registern geschrieben, weit bekannt seines vortrefflichen Wassers und der gesunden Luft wegen, bildet den Sommeraufenthalt der meisten Bewohner von Sauakin, die hier circa 1000 Mattenzeltu aufgeschlagen haben. Ich schätze seine Höhe auf 3000 Fuss über dem Meere, von dem es noch durch eine hohe Gebirgskette, die von Süden nach Norden streicht, getrennt ist. Dieses Thal, das gleiche Richtung hat und weiter nördlich Wadi Adi'd heisst, hat bei stärkeren Herbstregen im Gebirge viel Zufluss aus Westen, Süden und Osten und seine Fluthen sollen sich nicht selten in Mirsa Djesiret Abdallah ins Rothe Meer ergiessen, wie das Wadi Drus, das in seinem unteren Lauf Wadi Arbat heisst, in Mirsa Derur mündet.

Die Bedjah, die um die Brunnen von O'-Kuak angesiedelt sind, gehören zur Qabüeh Emiräb der Hadendoa und bezahlen Tribut nach Taka, während das Gouvernement von Sauakin hier nur einen Zoll erhebt, weshalb eine kleine Militär-Station errichtet ist, mit einer Art von Befestigung aus Geröllmassen. Der kommandirende Buluk (Offizier) hält in einem ähnlichen Gebäude seinen Divan. In der Nähe dieser zwei Staatsbauten, hart am eigentlichen Chor, ist der zur Sommer-Saison täglich von Käufern und Verkäufern besuchte Marktplatz unter einigen Bäumen, daneben zwei Einzäunungen mit kleinen Gartenanlagen, wo etwas Tabak, Baumwolle, Büschelmais, einige Sykomoren, Dattel- und Dompalmen, Tamarix und Gemüse kultivirt werden. Hier befinden sich die hauptsächlichsten Brunnen, gut mit Rollsteinen ausgekleidet, und das Wasser, das eben so reich als klar und trefflich ist, stand jetzt zur Regenzeit kaum 7 Fuss unter dem Brunnenrand. Wohl auf eine Wegstunde lang und '/2 Stunde breit ist das weite -und ganz ebene Thal

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