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phischen Gesellschaft für Thüringen" aus Dresden d. d. 12. April zu ')•

Alle diese Vereine jedoch haben ihrem "Wesen nach hauptsächlich einen lokalen Charakter, der an den betreffenden Ort geknüpft ist, und wenn sie unter ihren Mitgliedern auswärtige Persönlichkeiten aufweisen, so stehen diese dennoch dem Hauptzweck und der Grund-Eigenschaft des Vereins ziemlich fern. Diese nämlich haben in erster Linie persönliche Vereinigungspunkte in geselligen, meist monatlichen, Zusammenkünften im Auge, bei denen geographische Vorträge oder Unterhaltungen geboten werden. Die Gründung neuer Deutscher Geographischer Vereine, auch nach einem umfassenderen Plane, ist wiederholt in Vorschlag gekommen, mündlich und schriftlich, privatim und öffentlich, und Dr. 0. Volger wies noch in der Ersten Allgemeinen Versammlung Deutscher Geographen in Frankfurt a. M. am 23. Juli 1865 „auf einen allgemeinen Deutschen Verein zur Förderung der Erdkunde" hin2).

Die bereits bestehenden Geographischen Gesellschaften, so fördernd und nützlich sie auch in vielen Richtungen sein mögen, lassen Eine Seite unserer geographischen Bestrebungen noch fast ganz unberührt, nämlich die Ausrüstung und Aussendung eigener Deutscher Forschungs - Expeditionen; kaum, dass diesem und jenem unbemittelten Forscher eine kleine und unbedeutende pekuniäre Unterstützung aus den bescheidenen Vereinskassen zugewandt werden kann. Wenn daher unsere Barth, Overwcg und Vogel, unsere Schlagintweit, Seemann und Schomburgk, unsere Rohlfs und Radde, unsere Haast, Junghuhn und Zollinger, Russegger, Kotschy und "Werne ihrem wissenschaftlichen Drange folgen wollen, so müssen sie in fremden Dienst gehen und um fremden Sold arbeiten und ihr Leben riskiren. Da giebt es keine Regierungen, keine wissenschaftlichen Vereine daheim in dem grossen, weiten, wohlhabenden Deutschland, die ihnen die Mittel zu ihren Unternehmungen bieten, sie müssen nach England, nach Russland, nach Holland gehen, oder sich um Unterstützung an den Pascha von Ägypten oder das Gouvernement von Neu-Seeland wenden. Wie tief beschämend für die grosse Deutsche Nation, dass ein Gerhard Rohlfs seine weite und so wichtige und verdienstvolle Reise durch Marokko und Tuat zum grössten Theil von

') Angeregt und ausgearbeitet Ton dem bekannten und hochgeachteten Reisenden und Schriftsteller Dr. Alexander Ziegler. Die Gesellschaft, die ihren ständigen Sitz in Ruhla, dem Wohnsitze Ziegler's, ihre monatlichen Versammlungen aber auch in Eisenach, Gotha, Weimar und anderen Orten Thüringens haben soll, bezweckt: „die Theilnahme für Länder- und Völkerkunde, so wie die Ergebnisse der darauf bezüglichen Forschungen in weiteren Kreisen zu verbreiten und diese FundamentalWissenschaften dem praktischen Leben näher zu bringen". Die Namensliste weist über 300 vorgeschlagene Mitglieder auf.

*) Amtlicher Bericht u. s. w. S. 21.

50 Pf. Sterl. der Englischen Geographischen Gesellschaft zu bestreiten hatte, wie schmeichelhaft es auch auf der anderen Seite sein mag, dass die Engländer unsere Deutschen Forscher solcher Geld-Unterstützungen für würdig erachten!

Eine grosse Deutsche Geographische Gesellschaft mit einem grossen permanenten Fonds, speziell und ausschliesslich für Deutsche Forschungsreisen und Entdeckungs-Expeditionen bestimmt, würde die erwähnten bisher bestehenden Übelstände entfernen und wahrhaft Grosses zu leisten im Stande sein. Man denke sich eine Gesellschaft von 100.000 Mitgliedern, die bei einem jährlichen Beitrage von 1 Thaler für jedes Mitglied eine alljährlich zu verwendende Summe von etwa 100.000Thlr. zur Disposition hätte! Jedes Mitglied erhielte für seinen Beitrag eines Thalers in möglichst schneller Zusendung in Form entsprechender Druckschriften die originalen Nachrichten, Briefe, Berichte, Karten, Aufnahmen und Entdeckungen der ausgesandten Forscher, die für NichtMitglieder vielleicht nur für einen Preis von 2 Thaler jährlich käuflich gemacht wären. "Wem die Zahl 100.000 zu gross vorkommt, der bedenke, dass es mindestens 60 Millionen Deutsche giebt, und dass es daher nur nöthig sein würde, unter je 600 Personen Ein Mitglied zu fiuden. Sollte das, bei der Deutschen Bildung, bei dem schon vorhandenen ungeheuren Interesse für die Geographie, nicht möglich sein? Ganz gewiss! Man versuche es nur in seinem nächsten Kreise, und es möchte sich herausstellen, dass unter 600 nicht Ein, sondern vielleicht 6 und noch mehr Mitglieder anzuwerben sein dürften. Und wie die bestehenden Geographischen Gesellschaften aller Länder Ausländer keineswegs ausschliessen, ja im Gegentheil sie stets gern willkommen heissen, eben so könnten auch bei dem vorgeschlagenen Vereine Mitglieder aus anderen Nationen aufgenommen werden; im Geiste sehe ich deren eine zahlreiche Schaar aus allen Theilen der Erde, denn wenn auch die politischen und manche andere Verhältnisse Deutschlands keinen guten Klang in der Welt haben, die Deutsche Wissenschaft und nicht am geringsten die geographischen Bestrebungen der Deutschen sind überall im Auslande geachtet

Der vorgeschlagene Verein erscheint zeitgemäss und eine natürliche Folge der unausgesetzten ruhmreichen und verdienstvollen Bestrebungen in unserem Volke. Er würde nicht sowohl die Veranlassung sein zu Unternehmungen, 80 aufopfernd, dass sie sogar das Leben mancher braver Männer kosten, sondern er würde denselben ihre schwere Aufgabe erleichtern, ja in vielen Fällen ihr Leben retten. Denn dieser wissenschaftliche Drang kennt keine Gefahr, keine Todesfurcht, und in den schwierigsten und armseligsten Verhältnissen wird dem einmal gesteckten Ziele nachgestrebt. Eduard Vogel nach Wadai zu folgen, bezahlten schon Manche mit ihrem Leben: Neimans, Steudner, Beurmann, Schubert, und doch befindet sich so eben Gerhard Rohlfs auf demselben gefahrvollen "Wege. Hat wohl je ein Unternehmen ein traurigeres Missgeschick erlebt, als die von der Docken'sche Expedition? Und doch setzt Dr. Otto Kersten Alles daran, um in jene Länder zurückzukehren.

Alle diese Männer gereichen Deutschland zur Ehre und zum Ruhme, sie gehören zu den wahren Trägern der geistigen Macht unseres Vaterlandes. Durch Bildung eines solchen Vereins aber würden sie und ihre Freunde daheim nicht länger eine in den meisten Fällen so hülflose Genossenschaft bleiben, sondern eine selbst ausführende, unabhängige, wissenschaftliche Macht.

Ich muss mich begnügen, bei dieser Gelegenheit eine längst gehegte Idee bloss anzudeuten, indem ich den Grundgedanken kurz und klar so fasse:

1. Bildung eines grossen Deutschen, über die ganze Erde ausgedehnten Geographischen Vereins, dessen Mitgliedschaft auch allen anderen Nationen zugänglich ist.

2. Zweck, eine jährliche Ausgabe von mindestens 100.000 Thaler zu ermöglichen, Behufs Unterstützung, Ausrüstung und Aussendung wissenschaftlich - geographischer und naturgeschichtlicher Entdeckungs- und Erforschungs-Expeditionen, zur Erweiterung der Kenntniss unserer Erde.

3. Die Mitglieder erhalten für ihren Beitrag (sage 1 Thaler) ein Äquivalent in gedruckten Original - Berichten und Karten über die Seitens des Vereins ausgeführten Unternehmungen.

4. Die Mitglieder wählen einen berathenden Ehren- und einen honorirten geschäftsruhrenden Vorstand, welche beide je nach Bedürfniss zusammentreten.

5. Dagegen besteht das Band des Vereins nicht sowohl in häufig wiederkehrenden (monatlichen oder wöchentlichen) Zusammenkünften, sondern in den prompt mitgetheilten Druckschriften und Karten und vielleicht nur in einer grossen Jahres-Versammlung an ein und demselben oder an wechselnden Orten, je nachdem darüber abgestimmt werden mag.

Wenn dann ein aufopfernder Mann, wie Gerhard Rohlfs, der sich die schwierigsten Reisen zu Beiner Lebensaufgabe gemacht hat und auf keine Weise, durch keine Schwierigkeiten davon abgebracht werden kann, zu unterstützen ist, so brauchen wir wenigstens nicht mehr herumzubetteln, und die wirklich bettelhaften Zustände in unseren Deutschen geographischen Unternehmungen im Allgemeinen hätten dann ein Ende.

Der allerersten Geographischen Gesellschaft, die es gegeben hat, lag derselbe Gedanke und derselbe Zweck zu Grunde, das war die African Association in London, die schon im Jahre 1788 gegründet wurde, zur Bildung aller

nachherigen Geographischen Gesellschaften den ersten Anstoss gab und, obgleich nur aus 95 Mitgliedern bestehend '), durch ihre Unternehmungen und Expeditionen für die geographische Wissenschaft von der nachhaltigsten und grössten Wichtigkeit geworden ist: Ledyard, ein Amerikaner, Lucas, Major Houghton, Nicholls, vor Allen aber jene Männer unsterblichen Ruhmes: Mungo Park und die Deutschen Hornemann2), Röntgen und Ludwig Burckhardt, waren ihre Sendboten und wurden in ihrem Dienst und aus ihren Mitteln zu geographischen Erforschungen ausgesandt3). Im Jahre 1831 ging die African Association in die Royal Geographical Society of London über4), die bis zum heutigen Tage der wichtigste und nützlichste aller Geographischen Vereine geblieben ist.

Die Zeit für die Gründung des vorgeschlagenen Vereins scheint eine passende. Bildung und Wissenschaft florirt, das Interesse für die geographische Wissenschaft ist ein grosses und stets zunehmendes, geographische Vereine aller Art blühen und vermehren sich, Alpine Clubs in England, der Schweiz, Italien und Österreich haben sich die spezielle Erforschung der Alpen5), ein anderer Verein die genaue Aufnahme von Palästina °) zur Aufgabe gemacht, was Missionäre an allen Ecken der Welt für die Geographie gethan, wird gegenwärtig nach einem einheitlichen und systematischen Plane zuerst erschöpfend zusammengestellt'). Überall regt es sich und drängt zum thatkräftigen Fortschritt, und die aller Orten, über die ganze Erde zerstreuten Freunde der Geographie wiirdeji in dem vorgeschlagenen Verein einen mächtigen Vereinigungspunkt, einen Hebel zu grossen "Werken besitzen. Von den Zeichen gleicher Sympathien, die mir seit längerer Zeit zur Kenntniss gekommen sind, will ich bei dieser Gelegenheit bloss eines Schreibens vom 15. Dezember 1865 auszüglich gedenken, wobei ich bemerken muss, dass ich Namen und Ort zu verschweigen veranlasst bin.

') Proceedings of tho African Association, I, London 1790, pp. V ff.

*) Hornemann, der für jene Englische Gesellschaft in den Jahren 1797 bis 1800 das Innere Afrika's erforschte, war, wie Oscar Peechel in seiner „Geschichte der Erdkunde" (S. 506) bemerkt, „der erste Deutsche Entdeckungs-Reisende, so wie der erste Beisende, der eine Beisekarte mit Bemerkungen zur Beschreibung der Bodennatur und der Gewächserscheinungen versehen hat, ein Muster, das für Afrika Dr. Heinrich Barth (oder vielmehr derjenige, der die Konstruktion und Zeichnung seiner Karten ausführte) befolgte und das jetzt immer allgemeiner wird".

3) Die Worte, mit denen die African Association am 9. Juni 1788 ihr Programm eröffnete, haben noch bis zum heutigen Tage ihre volle Geltung: — „Unter den Gegenständen der Forschungen, die unsere Aufmerksamkeit am meisten fesseln, giebt es vielleicht keinen, der die Neugierde vom Kindes- bis zum Greisenalter so unablässig anspornt^ keinen, den Gelehrte und Ungelehrte gleich begierig zu ergründen wünschen, als die Naturbeschaffenheit und Geschichte derjenigen Theile unserer Erde, die unserem Wissen bisher verborgen und unerforscht blieben. Dieses Verlangen haben die Reisen des verstorbenen Captaüt Cook in so weit befriedigt, dass es zur See mit Ausnahme der Pole Nichts von Bedeutung mehr zu erforschen giebt; aber zu Lande ist das zu Entdeckende noch so ausgedehnt, dass es wenigstens ein Drittheil der bewohnbaren Erdoberfläche umfasst, denn beträchtliche Theile von Asien, noch grössere von Amerika und fast ganz Afrika Bind noch unerforscht und unbekannt." (Proc. I, p. 3.)

*) Journal B. G. S. I, p. 257.

•) „Geogr. Mitth." 1864, SS. 432 ff.

•) „Geogr. Mitth." 1866, Heft III, SS. 121 ff.

') Herr Prediger Dr. Grundemann hat von seinem Prediger-Amte auf längere Zeit Urlaub genommen, um in der hiesigen Anstalt, unter direkter Mitwirkung der verschiedenen Missions - Gesellschaften und der einzelnen Missionäre in allen Theüen der Erde selbst, ein ausführliche* Kartenwerk zu bearbeiten.

„Obgleich ich nicht die Ehre habe, Ihnen persönlich bekannt zu sein, so sehe ich doch voraus, dass Sie als ... . dem Nachstehenden einige Beachtung schenken werden. Es existirt in hiesiger Provinz ein Mann, der ohne Kinder und nähere Verwandte ein Rittergut und sonstiges Vermögen besitzt. Dieser Besitz, soll er nicht an lachende Erben zersplittert werden, wird zu einer Stiftung vermacht werden müssen. Da habe ich nun gedacht, ob es nicht heilsamer als mancher andere Stiftuugszweck sein würde, einmal auch eine geographische Stiftung zu errichten, die Revenuen zum grössten Theile zu Entdeckungsreisen, das Schloss und einen kleineren Theil zur Versorgung und als Asyl für invalide Geographen und Reisende zu verwenden. Ich zweifle nicht, dass der betreffende Mann, wenn ihm eine solche im Voraus wohlgeregelte Verwendung seines zu hinterlassenden Vermögens in gewisse Aussicht gestellt werden könnte, für den Plan zu gewinnen sein würde.

„Soll jedoch die Idee ins Leben treten, so muss vor allen Dingen eine Person in Gestalt einer Korporation vorhanden sein, welche als Fideikommisserbe den Zweck der Stiftung für jetzige und künftige Zeiten vertritt. Eine solche juristische Person könnte dadurch geschaffen werden, dass die zerstreuten geographischen Kräfte, resp. die darauf bezüglichen Deutschen Geographischen Gesellschaften — nach Art der Englischen — sich koncentrirten, und dass diese Gesellschaft Korporationsrechte erwürbe, was bekanntlich keine Schwierigkeiten hat. Haben doch die Naturforscher und fast alle anderen

Vertreter wissenschaftlicher Zweige sich zu vereinigen vermocht, warum sollten es die Geographen nicht auch dahin bringen, sich zu koncentriren uud durch diese Koncentration energisch auf die Ferne zu wirken, was bis jetzt entweder der Privatbegeisterung oder den besser vereinigten Ausländern gelungen ist?

„ Es muss sich aber ein Mann an die Spitze

stellen, dessen Name die schwer zu Einigenden schon im geistigen Sinne um sich versammelt hält. — — Ich war schon im Herbst im Begriff, mit Ihnen persönlich darüber Rücksprache zu nehmen, aus den Zeitungen aber ersah ich, dass Sie in Sachen der NordpolExpedition vielfach abwesend und daher schwer anzutreffen sein möchten. Sind Sie jedoch mit meinen Vorschlägen im Allgemeinen einverstanden, so werde ich gern bereit sein, zu weiterer Verhandlung zu Ihnen nach Gotha zu reisen." Ich füge hinzu, dass in Folge einer vorhergegangenen Korrespondenz der betreffende Herr wirklich die Güte hatte, Mitte Januar express nach Gotha zu reisen, uud bei einer Besprechung am 17. Januar einleitende Verabredungen zwischen uns getroffen wurden. Es handelt sich um einen Gegenstand von etwa 200.000 Tliald'.

Indem ich jetzt ganz vorübergehend Gelegenheit nahm, der Idee einer grossen allgemeinen Deutschen Gesellschaft zu erwähnen, glaube ich, dass dieselbe einen geeigneten Gegenstand zur Berathung und Beschliessung in der diessjährigeu, in Frankfurt (vielleicht Anfang September) Statt findenden Geographen-Versammlung abgeben könne. Inzwischen bitte ich Theilnehmende und Zustimmende unter den verehrten Lesern, mir ihre Ansicht geneigtest mitzutheilen, und Solche, die als Mitglieder des vorgeschlagenen Vereins beizutreten geneigt sein würden, ihre Namen und Adressen gefälligst einzusenden.

A. Petermann, Gotha, 23. April 1866.

Geographische Notizen.

Die Kaninchen auf Helgoland. i

(Mit 3 Karten von Helgoland in verschiedenen Maassstäben, s. Tafel 7.)

In Bezug auf die briefliche Mittheilung „Die Zukunft der Düne von Helgoland" im Februar-Heft (S. 81) ist uns ein Artikel zugegangen, der Erläuterungen und weitere Nachrichten des Gouvernements - Sekretär von Helgoland, Herrn Maler Gätke, enthält. Nach dem Grundsatz „audiatur et altera pars" nehmen wir ihn mit einigen Kürzungen hier auf.

Wie Herr Gätke meldet, „hatte der Gouverneur während seines Aufenthaltes in England im November vorigen Jahres, als er zuerst von der angeblichen Gefährlichkeit der Kaninchen aus der Englischen Presse Kunde erhielt, sofort einen Jäger engagirt, der mit Hülfe von Frettchen die Ausrottung der Thiere begann. Diese Jagden nun haben keineswegs

solche Resultate geliefert, als man nach den Berichten des Herrn Dr. Buchcnau hätte erwarten können und müssen. Am ersten Tage wurden nämlich von einem bewaffneten Jäger, vier Männern zum Ausgraben der Kaninchen und fünf Frettchen von früh 9 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr fünf Kaninchen erlegt. Ausserdem mochten vielleicht zwei bis drei Stück in den Röhren verschüttet worden sein und sonst wurden sechs bis sieben ausserdem gesehen. Die meisten Röhren erwiesen sich als leer. Einen Holländischen Dünen-Jäger würden solche Jagdgründe wenig zufrieden stellen. Dort erlegt ein einziger Schütze ohne Frettchen in derselben Zeit 25 bis 35 Stück. Und doch denkt bei dieser Häufigkeit in Holland Niemand daran, die Tliierchen auszurotten, noch weniger bildet man sich ein, sie könnten die Dünen (Hollands einzige Schutzmauer gegen das Meer) zu Grunde richten. Wer mit der Lebensweise der Kaninchen genauer vertraut ist, wird wissen, dass dieselben durch ihr Unterwühlen eigentlich wenig schaden können, indem sie nicht wie Maulwürfe und andere abschliessend unterirdische Thiere lange Gänge, sondern mehr senkrechte Köhren anlegen, ausserdem aber von den am meisten gefährdeten Stellen, nämlich den Rändern der Düne, sich fern halten. Hier würde ihre Existenz selbst gefährdet sein und überdiess sagt ihnen auch der zu stark mit Salz geschwängerte Boden nicht zu. Man findet daher nur zeitweise die Kaninchen nahe am Runde der Düne, hier aber niemals ihre Röhren.

„Der zum Zusammenhalten des Flugsandes nothwendigen Vegetation werden die Kaninchen vielleicht eher nachtheilig, indess auch nur erst dann, wenn sie in Unzahl vorhanden sind. Sonst wird der Schaden nie erheblich werden können, da die Kaninchen nicht die Wurzeln angehen, sondern Bich an Blätter und Sprossen halten. Die eigentlichen Feinde des Pflanzenwuchses werden daher wie überall nur die wahrhaft schädlichen Wühlmäuse sein können ').

„Die Helgoläuder Düne scheint überhaupt dem Fortkommen der Kaninchen nicht besonders günstig zu sein, denn schon einige Mal sind sie hier ohne Zuthun der Menschen nach und nach von selbst ausgestorben. Die Behörde (nicht der jetzige Gouverneur) sorgte aber immer dafür, dass von Zeit zu Zeit neue Kauinchen wieder eingeführt wurden, zum „Vergnügen der Badegäste". So liess man 1847 von den benachbarten Inseln 75 Stück kommen, allein diese verschwanden nach und nach ebenfalls spurlos. Eine Hauptursache dieses raschen Verschwindens der Kaninchen sind ohne allen Zweifel Raubvögel (auch Raben), die auf ihren Wanderungen Helgoland als Ruhepunkt gern benutzen. In Holland, wo sich ganz ähnliche Verhältnisse darbieten, kann

') Einer der gründlichsten Kenner Helgoland's, der in der KaninchenFrage wohl ganz unparteiische Botaniker Ernst Hallier, erzählt in einem kürzlich gedruckten Bericht über die in den Jahren 1861 und 1862 auf Helgoland gesammelten Landkryptogamen („Botanische Zeitung", 23. März 1866) Folgendes: „Ich war erstaunt, die Phanerogamen-Flora Helgoland's ärmer zu finden, als ich sie je gesehen. Zum Theil war daran ohne Zweifel die grosse Dürre Schuld, die auf der ohnehin wasserlosen Insel um so nachtheiliger wirken musste. Die Sandinsel war geradezu ihres Vegetationskleides beraubt, denn bis auf Hippophae' rhamnoides und die drei in meinen Schriften („Die Vegetation auf Helgoland", Hamburg 1861—63, und „Nordsee-Studien", Hamburg 1863) erwähnten Sandgräser war fast Nichts von den früher die sämmtliclien Dünen bedeckenden Pflanzen übrig geblieben. Nur ganz vereinzelt fand man Exemplare von Obione peduneulata Moij., vou Cakilc maritima Scop., von Salsola Kali L. Die Ursache davon liegt nun darin, dass in den Hippophae-Gebüschen eine grosse Anzahl (!) von Kaninchen haust, welc! e die Jagdliebhaberei Sr. Excellenz des Gouverneurs dahin versetzt hat. Diese Kaninchen können aber sehr leicht der ganzen Sandinsel Verderben bringen, denn sie vernichten nicht nur alle krautartigen Pflanzen, sondern fressen selbst die Blüthen der Gräser ab und nagen die Hippophae so kahl, dass auch dieser harte Strauch an vielen Stellen darüber zu Grunde gegangen ist. Selbst dem blödesten Auge muss die gTosse Einbusse aufgefallen sein, welche in Folge dessen das Territorium der Dünen schon erlitten hat.'*

Diese ohne alle Rücksicht auf die Kaninchen-Frage gethane Angabe stimmt jedenfalls besser mit Buchenau's als mit Gätke's Ansicht. Übrigens mächte Helgoland auch bei völliger Abwesenheit von Kaninchen, Düne sowohl wie die Hauptinsel, einem sicheren, wenn auch allmählichen Untergang entgegen gehen, denn in älteren wie in neueren Zeiten hat es an Umfang stetig abgenommen, wie diesB aus den ältesten geschichtlichen Dokumenten wie aus den allerneuesten Aufnahmen unzweifelhaft hervorgeht. A. P.

man daher auch nur da einen bedeutenderen Kaninchenstand erhalten, wo die Vertilgung der Raubthiere (durch Fallen, Krähenhütte u. s. w.) forstmässig betrieben wird.

„Vor zwei Jahren liess der jetzige Gouverneur die bescheidene Zahl von fünf Kaninchen - Paaren auf der Düne aussetzen, lediglich in der Absicht, sich mit deren Jagd eine Unterhaltung zu verschaffen. Im Hinblick auf diesen äusserst geringen Wildbestand, den ein Badegast binnen einigen Tagen hätte vernichten können, wird es daher auch Niemanden unbillig vorkommen, wenn der Gouverneur die Thiere als „Privateigenthum" bezeichnete und die Jagd auf dieselben nicht Jedem Preis gab. Dass er die Thiere im Winter sogar füttern liess, wird keinen Forstmann verwundern, denn bei den im Ganzen armseligen Vegetations-Verhältnissen wären die Thiere ohne diese Hülfe jedenfalls elendiglich umgekommen. Trotz der bekannten enormen Fruchtbarkeit der Kaninchen hätten sich dieselben, vorausgesetzt, dass keines zu Grunde gegangen wäre, im ersten Jahre nur auf 70 bis 75 Stück vermehren können, — eine Anzahl, die ein Jäger durch sein Gewehr ohne anderweitige Hülfe sehr wohl in Schranken halten kann, will er dieselben nicht eben in den ersten Paar Jagdtagen völlig ausrotten. Alle diese Thatsachen, welche freilich Manches in einem anderen Lichte erscheinen lassen, beweisen, dass die Kaninchen wohl nie so überhand genommen haben würden und höchst wahrscheinlich wie schon früher nach und nach selbst wieder verschwunden wären. Von einem Unfcrgang der Düne durch die Kaninchen kann aber nicht wohl die Rede sein, denn sonst würden die Helgoländer, denen die Erhaltung ihrer Düne doch mehr als einem fremden Besucher am Herzen liegen wird, wohl schon selbst aus ihrer „ „Lethargie"" erwacht sein und Abhülfe geschafft haben.

„Schliesslich erwähne ich noch, um auch die Ängstlichsten zu beruhigen, dass der Gouverneur sogar ein Frettchen auf der Düne hat aussetzen lassen, damit der völlige Untergang der Kaninchen so schnell als möglich herbeigeführt wird. Die Zukunft der Düne Helgoland's dürfte also zunächst für gesichert zu betrachten sein."

Bevölkerung von Tiflis, 1865.

Bei Veröffentlichung der Volkszählung in Tiflis vom Winter 1864 (s. „Geogr. Mitth." 1865, S. 233) wurde von dem Statistischen Comite eine Erneuerung der Zählung zu verschiedenen Jahreszeiten in Aussicht gestellt, weil namentlich im Sommer die Einwohnerzahl der Stadt durch die daselbst zusammenströmenden Arbeiter bedeutend vermehrt wird. Eina neue Zählung ist nun auch im Sommer 1865 vorgenommen worden und sie ergab nach dem „Journal de St.-Petersbourg" in 5966 Wohnungen 71.051 Einwohner (gegen 60.085 im Winter 1864), wovon 44.071 männlichen, 26.980 weiblichen Geschlechts.

Die Telegraphen - Verbindung zwischen der Alten und Neuen Welt.

Wie die Anlage submariner Telegraphen zahlreiche Lothungen im tiefen Meere nöthig gemacht und dadurch die Kenntniss von der Bodengestalt der Meere in neuester Zeit ganz ausserordentlich gefordert hat, so ist auch die Herstellung grosser Landtelegraphen-Linien bisweilen nicht ohne Nutzen für die Geographie und namentlich versprechen ihr die Vorarbeiten zu der unseres unternehmenden Jahrhunderts würdigen Linie, die nach dem zweimaligen Verunglücken des Atlantischen Telegraphen die Verbindung zwischen der Alten Welt und Amerika herstellen soll, reichen Gewinn.

Der Plan, die telegraphische Verbindung zwischen der östlichen und westlichen Hemisphäre unter dem Polarkreis, wo an der Bering-Strasse die Nordost-Spitze Asiens der Nordwest - Spitze Amerika's auf 12 Deutsche Meilen sich nähert, zu Stande zu bringen, rührt von dem ungemein thätigen und unternehmenden Amerikaner Perry MCD. Collins her, welcher unseren Lesern bereits durch seine Reisen und Forschungen im Amur-Land in den Jahren 1856 und 1857 bekannt ist'). Das Projekt fand bei den Russischen und Amerikanischen Behörden geneigte Aufnahme und zumeist aus den Mitgliedern der Amerikanischen United Western Telegraph Company bildete sich 1864 eine Gesellschaft mit einem Grundkapital von 10 Millionen Dollars, die in einem 1865 zum Abschluss gelangten Vertrag mit der Russischen Regierung das Privilegium der Anlage der Linie und ihrer Benutzung auf 33 Jahre unter mancherlei Begünstigungen erwarb, wogegen sie zur Vollendung der Linie innerhalb fünf Jahre sich verpflichtete. Die wichtigste dieser Begünstigungen ist, dass die Russische Regierung die zum Bau erforderlichen Materialien unentgeltlich liefert und die nöthigen Ländereien abtritt, während die Regierung der Vereinigten Staaten 100.000 Dollars zur Bestreitung der Voruntersuchungen bewilligte und einen Dampfer zur Verfügung stellte.

Die Direktion des Ganzen wurde in die Hände des Oberst Charles S. Bulkley gelegt und bereits im Jahre 1864 wurde die schon 1861 vollendete Linie quer durch die ganze Breite der Vereinigten Staaten von deren Endpunkt San Francisco weiter nach Norden bis zum Fraser-Fluss in BritischColumbia geführt. Mit grosser Rührigkeit wurden dann im J. 1865 die Arbeiten in einem grossen Theil der von dem weltverbindenden Telegraphen zu durchlaufenden Länderstrecken betrieben. Von New Westminster am Fräser vollendete die Ingenieur-Abtheilung unter E. Conway die Leitung auf eine Strecke von etwa 800 Engl. Meilen gegen Norden. Eine andere Abtheilung unter Major Pope untersuchte die nördlicheren Küstenstriche bis zum Jukon- oder Kwichpak-Fluss, der in den Norton-Sund des Bering-Meeres fällt. Wie es heisst, fanden sich günstigere Bedingungen zur Anlage des Telegraphen, als man erwartet hatte, die Natur des Landes soll kein ernstliches Hinderniss bieten und die Indianer schienen friedfertig zu sein.

Die Hauptabtheilung unter der persönlichen Führung Oberst Bulkley's verliess San Francisco im Juli 1865, hatte auf der Insel Sitka, wo die obersten Behörden des Russischen Amerika ihre Residenz haben, eine sehr befriedigende Zusammenkunft mit den Häuptlingen verschiedener IndianerStämme, deren Gebiet der Telegraph passiren wird, besuchte noch einige andere Inseln und erreichte im September das

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Fort St. Michael am Norton-Sund, einen Handelsposten der Russisch-Amerikanischen Kompagnie. Dort wurde eine Abtheilung unter Major Kennicott zurückgelassen, um das vom Kwichpak bewässerte Gebiet zu exploriren, während Bulkley in der Bering-Strasse, dem Norton-Sund und den verschiedenen Häfen der Amerikanischen und Asiatischen Küste Aufnahmen und Sondirungen für die Legung des submarinen Kabels machte. Er fand mehrere zu Endpunkten des Kabels geeignete Stellen und den Meeresboden im Allgemeinen günstig. Als vorteilhafteste Linie erschien die vomGrantleyHafen ') nach der gegenüber liegenden Asiatischen Küste, sie hat eine Länge von etwa 180 Engl. Meilen. Von da würde die Leitung über Land nach dem Marston-Hafen am Anadir-Golf gehen und von dort der Küste folgend oder auch mittelst eines submarinen Kabels von 215 Engl. Min. Länge die Mündung des Anadir-Flusses erreichen. In der Plover-Bai kam die Abtheilung mit Tschuktschen zusammen und überzeugte sich, dass sie von diesen Eingebornen keine Schwierigkeiten zu befürchten habe. Während eins der Schiffe zurückblieb, um den Anadir-Golf gründlich zu untersuchen, begab sich Bulkley nach Kamtschatka und sodann nach San Francisco zurück, um die Arbeiten der nächsten Saison vorzubereiten.

Die Arbeiten auf der Asiatischen Seite stehen unter der Direktion von Herrn Abaza und die Rekoguoscirungen für die Wahl der Linie werden von drei Sektionen ausgeführt. Die erste unter Capt. Meyhood und Lieut. Busch, die bereits im September in Nikolajewsk am Amur eintrafen, erforscht die Linie von Nikolajewsk bis Ajan, die zweite unter Abaza's Leitung begiebt sich von Petropaulowsk in Kamtschatka nach Gischiginsk und Anadirsk, wo sie mit der dritten zusammentreffen wird, welche auf einem Dampfer den Fluss Anadir hinaufgehen soll.

Das Unternehmen ist ohne Zweifel mit ungewöhnlichen Schwierigkeiten verbunden, die Unwirthlichkeit der Natur und der Mangel an einer civilisirten Bevölkerung sind Hindernisse, die sich nicht beseitigen, sondern nur durch ungewöhnliche Mittel und Anstrengungen bekämpfen lassen, die Sache liegt aber in den besten Händen und die Hoffnung ist wohl nicht ungegründet, dass dieselbe thatkräftige Nation, welche den Telegraph durch die öden Steppen und rauhen Felsengebirge bis nach San Francisco zu Stande brachte, auch die Mittel und Wege zur Vollendung dieses neuen grossartigen Unternehmens finden wird.

Da von Nikolajewsk den Amur aufwärts bis Chabarowka (an der Mündung des Ussuri) bereits eine Telegraphen-Linie besteht und die Leitung von Europa her schon bis WerchneUdinsk in Trans-Baikalien reicht, so bleibt auf dem Asiatischen Festland nur die Lücke zwischen Werchne-Udinsk und Chabarowka auszufüllen und dazu haben die Russischen Behörden bereits den Anfang gemacht. Ist diese Lücke ausgefüllt und gelingt es der Amerikanischen Kompagnie, San Francisco mit Nikolajewsk zu verbinden, so wird eine ununterbrochene Leitung von Irland durch Europa, Asien und Amerika bis Neu-Fundland bestehen, welche mit Hülfe ihrer Nebenzweige so ziemlich alle Kulturstaaten der Erde verbindet.

(Geschlossen i

') 8. „GeogT. Mitth." 1859, Tafel 3. 23. April 1866.)

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