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besonders zur Zeit der Nacht, und bisweilen lässt sich aus ihr ein leises Getöse vernehmen, auch steigt dichter weisslicher Dampf in grossen Massen und häufig mit solcher Gewalt empor, dass er selbst Steine und Erdstücke mit sich führt. Solche kürzere Ausbrüche erfolgen täglich zu drei bis vier Malen und dabei lassen sich in • der aufsteigenden Dampfsäule die glühenden Steine, die der sich allmählich bildende Krater auswirft, deutlich erkennen, was namentlich in der Dunkelheit einen prachtvollen Anblick gewährt. Um diesen Krater herum zeigen sich dann auch zu Zeiten bläuliche Flammen. Der heisse Dampf ist schwefelhaltig und bei seiner Auflösung fand man viel Schwefelsäure, schwefelhaltiges Hydrogen und etwas Hydrochlor-Säure. Im nahen Meer um die neue Insel zeigte sich viel Eisen und Schwefel. Zur Zeit hält man die ganze Erscheinung für den Vorboten eines vulkanischen Ausbruchs, wie ein solcher schon früher nach neueren Griechischen Berichten, und zwar im J. 1768, auf der Insel Nea Kammeni Statt gefunden hat. Diese Berichte verbreiten sich über Ereignisse, von denen Ross nach den in Obigem erwähnten Mittheilungen a. a. 0. keine weitere Kenntniss gehabt hat, die jedoch seine eigenen Mittheilungen zu ergänzen und zu vervollständigen scheinen. Nach jenen Berichten hatte sich im Jahre 1707 die vulkanische Thätigkeit in dem zwischen Thera und Therasia befindlichen Meere unter ähnlichen Umständen und mit gleichen Erscheinungen geoffenbart wie im gegenwärtigen Jahre. Anfangs waren auch damals färb- und geruchlose Dämpfe aus dem Meere aufgestiegen und nachdem letzteres sich erwärmt hatte und kochend geworden war, erhob sich aus ihm eine dicke Bauchsäule. Bald zeigte sich der Band eines weichen Felsens, der sich schnell erhob und nach wenigen Tagen zu einer Insel angewachsen war, deren Boden erglühte, zugleich aber fortwährend durch die aus dem Meere sich entwickelnden Dämpfe sich spaltete und zerklüftete. Dabei wuchs die Insel unaufhörlich und vereinigte sich endlich mit der daneben gelegenen bereits vorhandenen Insel, indem sie den heutigen südlichen Theil der Nea Kammeni bildete. Dieses Wachsen dauerte bis in den April 1768, wo dann, nachdem die vulkanische Thätigkeit ihren höchsten Grad erreicht hatte, ein gewaltiger Ausbruch erfolgte, so dass die emporgeschleudertcn Erdstücke, die Asche und glühenden Steine bis 2 Meilen weit flogen. Seitdem hatten die vulkanischen Erscheinungen ihr Ende erreicht und nur einzelne Erdstösse, von denen der letzte im Jahre 1856 Statt fand, erinnerten die Bewohner von Thera daran, dass Hephästus seinen alten Wohnsitz noch nicht verlassen hat.

Nach weiteren neueren Nachrichten, die die in Triest erscheinende „Kktiti" vom 25. Februar (9. März) nach anderen Griechischen Zeitungen über Thera brachte und welche

bis zum 12. (24.) Februar reichen, haben sich vielmehr dort die Wirkungen der vulkanischen Thätigkeit in der letzteren Zeit in heftigerer und drohenderer Weise vermehrt und verstärkt. Am 8. Februar war der Tag ruhig und der Horizont rein, nur wie weisse Wolken stiegen von dem Bich hebenden Lande die Dünste empor. Gegen die neunte Stunde liess sich jedoch von Nea Kammeni her drei Mal ein Getöse gleich Kanonenschüssen vernehmen und bald darauf hörte man ein Pfeifen, das aus der Tiefe des sich neu bildenden Vorgebirges hervorkam, dem unmittelbar darauf ein furchtbarer Schall wie ein heftiger Donnerschlag folgte, der in seinem Wiederhall mehrere Minuten lang anhielt. Dabei erhob sich dort eine Feuerflamme, die von'schwarzem dichten Rauche begleitet war, der auf seinem Grunde eine Ausdehnung von ungefähr 200 Ellen haben mochte. Diese Dampfsäule, die sich allmählich, aber mit Heftigkeit in wirbelnden Kreisen in die Höhe hob, stieg bis zu 2500 Fuss und mit ihr wurden nach allen Richtungen hin Asche und glühende Massen wie Hagel emporgeschleudert. Die Asche flog bis nach Thera, die glühende Masse dagegen nur bis zu dem Hafen beider Inseln, dem sogenannten Vulkanos, wo unter anderen Fahrzeugen auch das Dampfschiff, welches die wissenschaftliche Kommission hergebracht hatte, vor Anker lag. Die Gluthmassen fielen wie feurige Kugeln auf eine dort befindliche Bombarde, die sie in Brand steckten und deren Kapitän sie tödteten. Während dieses Ausbruchs befanden sich die Mitglieder der Kommission auf der Spitze des kegelförmigen Hügels, wo sie mit Beobachtungen beschäftigt waren, aber obgleich sie von Flammen und niederfallenden Gluthmassen umgeben waren, erlitten sie doch davon keinen Schaden. Seitdem dauerte das Getöse ununterbrochen fort, jedoch nicht in der früheren Stärke, nur gegen 3 und 8 Uhr des Nachmittags nahm es wieder zu. Am 9. Februar wiederholte sich um 1 Uhr Mittags das Getöse mit den nämlichen Erscheinungen wie Tags zuvor und auch ein ähnlicher Ausbruch fand Statt, dem noch vier andere folgten, doch waren diese Ausbrüche leichter und zum Glück ohne Erdschwingungen, deren man dagegen auf der Insel Thera in der vorhergehenden Nacht empfand und die zum Theil sehr heftig waren. Die Steine, welche bei dem Ausbruch vom 8. Februar in die Höhe geschkudert wurden, maassen bis y4 Kubikmeter und wogen 1 bis 2 Centner, sie flogen 100 bis 150 Meter hoch und bis zu 600 Meter weit. Nach einer halben Stunde ging dann aus der dunklen Wolke, die der Wind langsam nach dem am nördlichen Vorgebirge der Insel Thera hegenden Flecken Epanomeria geführt hatte, ein Regen von duukelgrauer sandiger Asche nieder. Am 11. Februar erfolgte um 4 Uhr Morgens ein neuer Ausbruch, jedoch ohne Auswurf von Steinen,. aber mit mehr Getöse, wobei auch ein leichter Erdsterns in der Stadt Thera verspürt wurde. Am 12. Februar Nachmittags gegen 5 Uhr fand wieder ein heftiger Ausbruch Statt, welcher 20 Minuten lang dauerte. Dabei erglänzten die Höhen der Mikra und der Nea Kammeni von den niederfallenden Gluthmassen, die jedoch in keiner weiteren Entfernung als am vorgestrigen Tage niederfielen. Dieser Ausbruch erfolgte ans dem Krater des neu entstandenen Hügels im Hafen von Vulkanos und dabei wächst die Insel Aphroessa immer mehr und gewährt einen glänzenden, feurigen Anblick, ohne jedoch weiter in den Bereich des Ausbruchs selbst gezogen -zu werden. Vielmehr scheint es, dass, so oft ein Ausbruch des erwähnten Vulkans Statt findet, der Glanz des von Aphroessa hervordringenden Dampfes und dieser selbst schwächer wird und mehr nachlässt.

Zufolge der neuesten Nachrichten aus Athen, die bis zum 5. März (a. St.) reichen, dauerten damals die vulkanischen Erscheinungen bei und auf Thera noch fort. Es fanden stärkere und schwächere Ausbrüche Statt, wobei jedoch weniger Gluthmassen ausgeworfen wurden, das Wallen des Meeres verstärkte sich und fortwährend stiegen starke Schwefeldämpfe aus ihm empor ').

2. Die vulkanischen Erscheinungen an der Nea Kammeni zu Santorin 1S66.

Von Dr. J. F. Julius Schmidt, Direktor der Sternwarte zu Athen2). Nebst Karte, s. Tafel 8.

Nachdem die Kunde von dem Ereignisse zu Santorin nach Athen gekommen war, beschloss die Griechische Regierung, eine wissenschaftliche Kommission zur Untersuchung jener Phänomene zu ernennen. Sie wählte ausser mir Herrn Prof. H. Mitzopulos, vormaligen Rektor der Universität, Herrn Kapitän P. Bugukas (vom Bergwesen) und Herrn Dr. Christomanos, Privatdocenten der Universität. Diese drei Herren machten ihre naturwissenschaftlichen Studien in Deutschland. Für Marinezwecke wurde Herr Kapitän Palaska beigegeben, der mit trefflichen nautischen Kenntnissen die Erfahrungen grosser Seereisen verbindet. Auf. dem Schraubendampfer „Aphroessa" gingen wir am 10. Fe

') Schon seit einiger Zeit war viel davon die Rede, dass in dem Meere zwischen dem Vorgebirge Tänaron (Matapan) in der Peloponnesis-cben Haibinse! nnd der Insel Kythera (Cerigo) eine bisher nicht vorhanden gewesene Klippe entdeckt worden sei. Neuere Nachrichten haben auf Grund der auf dem Französischen Dampfschiffe „Niemen" vor Kurzem dort angestellten Untersuchungen die Sache bestätigt. Die K-lippe, die unter dem Meere eine Tiefe von etwas über 3 Meter hat, liegt unter dem 36. Grad 3' 30" der Breite und dem 20. Grad 3' 13" der Länge und in einer Entfernung Yon 3° 30' südöstlich vom Vorgebirge Tänaron und eben so weit westlich von der kleinen Insel "Cjiov yvafroi (Elaphonisi), welche im Westen des Vorgebirges Malea nnd im Norden der Insel Kythera gelegen ist, also in der Mitte zwischen jenen beiden Punkten, Tänaron und"Ovov yrdfros. Erst seit dem Monat Juli 1865 ist sie gesehen worden und seitdem hat Bio sich noch mehr gehoben. VFie es scheint, befindet sich das ganze vulkanische Gebiet des Mittelländischen Meeres seit einiget Zeit in einer auffallend j heftigen Erregung. (Aus der Griechischen Zeitung Altiv.)

*) Mittelst Schreibens aus Athen, 29. März 1866.' Petermann's Geogr. Mittheüungen. 1866, Heft IV.

bruar in See und waren am 11. Februar Mittags im Golfe von Santorin. Die Vertheilung der Arbeit war abhängig von unseren Studien und so übernahm Herr Christomanos die chemischen Beobachtungen, die Herren Mitzopulos und Bugukas den geognostisehen Theil, während Palaska und ich uns mit topographischen Bestimmungen, mit Höhenmessungen, Meteorologie und mit dem Detail der EruptionsPhänomene beschäftigten.

Einem wichtigen und seltenen Phänomen gegenüber ist es erste Pflicht des Beobachters, sich in keiner Weise zu übereilen, sich genauer Ausdrücke zu bedienen und zu wissen, was aus früheren Zeiten her als wirkliches Resultat der Beobachtung zu betrachten sei. Die meisten bis jetzt bekannt gewordenen Berichte ermangeln dieser Eigenschaft und ich empfehle die strengste Kritik denjenigen, welche näher auf das Santoriner Phänomen einzugehen Veranlassung finden. Viele der von mir gesammelten Nachrichten aus der Zeit vor dem 11. Februar sind nicht der Art, um sie jetzt schon mittheilen zu können, auch bin ich selbst gegenwärtig durchaus nicht in der Lage, mit den folgenden Angaben Befriedigendes oder irgendwie Vollständiges zu geben. Diess bleibt späterer Arbeit vorbehalten und ich beschränke mich für diess Mal ganz auf eine kurze Darlegung der Thatsachen.

Die ersten Anzeichen vulkanischer Bewegungen fanden Statt an der Nea Kammdni von 1707, und zwar an deren Südseite, in dem kleinen bekannten Hafen Vulkano, den oft Schiffe zur Reinigung ihrer Metallbedeckung besuchten. Das Datum ist nicht streng bekannt, doch lässt sich sagen, dass (stets nach neuem Styl gerechnet) am 27. Januar in jenem kleinen Hafen das Wasser zu wallen begann, dass ringsum der Boden sich senkte, so dass die Gebäude Risse bekamen, dass das Meer heiss wurde und dass mit dem 31. Januar oder 1. Februar unter Licht- oder Feuererscheinungen dunkle heisse Felsen hervortraten, die bei grosser Dampfentwickelung sich mehrten, langsam höher stiegen und bald mit dem nahen Lande sich verbanden. Der erste Anfang war also eine kleine Insel, gebildet aus schon erstarrten Lavablöcken, und zwar südlich neben der Isle blanche von 1707, die, bis zur ersten Febniarwoche 1866 noch theilweis sichtbar, als kleiner weisser Bimssteinhügel einfach vtoifiaxog genannt wurde. Nie erfolgte ein Erdbeben; ob damals wirkliche Flammen erschienen, lässt sich deshalb nicht entscheiden, weil später die Griechen jede beliebige nächtliche Erleuchtung des Dampfes mit „Flammen", „<pX6ytg", bezeichneten.

Als wir am 11. Februar die Nea Kammeni südlich umfuhren, war der neue sogenannte Vulkan etwa 20 bis 30 Meter hoch bei einem Durchmesser von mehr als 200 Meter. Der Dampf oben und seitlich war weiss und

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stark. An Stelle eines Kraters gab es nur grosse Spalten; die Neigungswinkel des aus grossen und kleinen Blöcken bestehenden Hügels waren unbedeutend und geringer als 25°. Er war entstanden durch das langsame Hervorquellen und Empordrängen glühender, sehr bald erstarrender Felsblöcke von trachytischer Natur, die stets von oben allseitig herabrollend die Masse allmählich vergrösserten, während die centrale, aufwärts drängende Kraft sich nicht verminderte. Es konnte also nicht die Rede sein von einer Hebung im älteren Sinne des Wortes, weil sich nichts Fremdartiges zu heben vorfand, und noch viel weniger von einem EruptionsKegel, da sämmtliche Eruptionen bis Ende März nur in den wenigsten Fällen Steine und Asche lieferten und diese den Berg so wenig vergrösserten, dass seine dadurch bewirkte Erhöhung gewiss nicht 1 Fuss betrug. Am 20., 21. und 22. Februar erfolgten kolossale Stein- und Aschen-Eruptionen unter grossem Donner, es stieg das Dampfgebilde 2- bis 3000 Meter hoch, grosse Theile Santorin's mit feiner schwarzgrauer Asche überschüttend. Die grösseren glühenden Steine erreichten nach Falaska's und meiner Bestimmung nur 1000 Meter Abstand vom Vulkan. Noch zwei nächtliche ähnliche, sehr mächtige Eruptionen fanden zwischen dem 23. und 28. Februar Statt. Die erste vom 20. Februar brachte die damals auf dem alten Kegel der Nea Kamme'ni verweilende Kommission in die höchste Gefahr und eben so unser Schiff, welches vom 11. bis 20. Februar zwischen der Nea und Mikra Kamme'ni im schmalen Fahrwasser sich festgelegt hatte. Sie verbrannte durch glühende Steine ein Lastschiff, tödtete dessen Kapitän und verwundete manchen von der Mannschaft beider Schiffe. "Wir verliessen jene Station und begaben uns bis zum 23. Februar nach der südlichen Bucht Athinid. Dann fuhren wir nach Milos und kehrten (auf dem Schraubendamfer Fanope) am 1. März nach Santorin zurück, wo wir vier Wochen lang in der Stadt Thera, in etwa 205 Meter Seehöhe, im Angesichte des Vulkans wohnten. Der Berg nahm stets an Grösse zu und hatte zuletzt nach Falaska's Bestimmung über 50 Meter Höhe bei mehr als 500 Meter Durchmesser. Nördlich lehnt er sich an den südlichen Abhang des Conus der Nea Kamme'ni, südlich ragt er weit in die See hinein, wo er Tiefen von 25 bis 35 Klafter auszufüllen hatte. Die Detonationen ruhten fast nie völlig, waren oft mächtig und grossartig und von sehr wechselndem Charakter. Die zahlreichen Beobachtungen hierüber, dann über die Einwirkung der Witterung und vieles Andere kann hier nicht berührt werden. Die breite Gipfel-Fumarole ist oft nur 30 bis 60 Meter hoch, oft kolossal, 1000 bis 2000 Meter hoch, oder im Falle starken Windes tief geneigt und 3 bis 6 Seemeilen lang. Der nicht sehr starke Schwefelgeruch wird selbst auf Milos, los und Amorgös verspürt, wie wir

auf diesen Inseln mit Sicherheit in Erfahrung brachten. Nachts ist die Basis des Dampfgewölkes stets roth leuchtend, oft von sehr schönem Anblick, doch ging der rothe Schein nie höher als 300 Meter. Nur im Falle der stärkeren Dampfausbrüche konnten im 20 Mal vergrössernden Fernrohre und zwar aus der Entfernung von 3550 Meter von Herrn Frof. Mitzopulos und mir kleine wirkliche Flammen mit bläulichen und grünlichen Spitzen leicht und deutlich bemerkt werden.

Während sich in solcher Weise der Vulkan entwickelte, den die Santorinioten den „Georg - Vulkan" nannten, bildete sich am 13. Februar Morgens unter unseren Augen südwestlich davon, westlich neben der Phleva-Spitze (auf der Englischen Karte irrig „Fhlego" genannt), an einer gegen 20 Klafter tiefen Stelle der See eine neue Felsinsel, ganz in derselben Weise wie die vorige. Sie erhielt am 15. Februar auf Herrn Mitzopulos' Vorschlag den sehr passenden Namen „Aphröessa". Über dieselbe Stelle fuhren wir am 11. Februar Nachmittags und Abends, um die mächtige EntWickelung von zahllosen Gasblasen zu sehen, die dort in 2'4° Cels. Wasserwärme aufstiegen, während sonst im Abstände von 100 bis 300 Meter von der Südküste der Nea Kammeni die See sehr verschiedene Temperaturen, von 17° bis 60" Cels., zeigte, namentlich im Wasser von gelber, gelbbrauner und weisslicher Farbe. Zwischen dieser Insel und der Paläa Kammeni wurden von Herrn Palaska und später vom Kommandanten der Preussischen Korvette „Nymphe", Herrn Henke, Sondirungen ausgeführt, aus denen erhellte, dass die vor 1848 von Graves gefundenen Tiefen von 100 bis 103 Engl. Faden nicht mehr Statt fanden, sondern dass alle zwischen 40 und 70 Faden lagen. Am 11. März hatte die Aphröessa nach Palaska's Messung 21 Meter, am 23. März gegen 34 Meter Höhe bei mehr als 200 Meter Durchmesser. Seit Mitte März oder etwas später war sie schon keine Insel mehr, sondern hatte sich bereits mit Fhleva vereinigt. Oft und viel stiegen aus dem Meere nahe neben ihr grosse und kleine grüngelbe Flammen empor, an deren Realität irgendwie zu zweifeln von uns wenigstens Niemand einen Grund haben kann.

Zu jeder Zeit ohne Ausnahme war die Gipfel-Fumarole der Aphröessa an der Basis und bis 30 oder 50 Meter Höhe lebhaft rost- oder zimmetbraun. Zuweilen hatte sie in grösserer Höhe weisse cumulusartige Verdichtungen und so waren alle ihre Seiten-Fumarolen stets nur weiss wie die des ersten Berges. Die Aphröessa wuchs in derselben Weise wie der Georgberg und hatte zuletzt gegen Süden Seetiefen von 30 Klafter auszufüllen. Dass sie schwache Dampfund Steineruptionen habe, wurde von uns seit dem 11. März sicher ermittelt.

Bereits am 11. Februar zeigte sich der untere südliche Abhang des alten Eruptions - Kegels der Nea Kammeni von 1707 entzündet; starke Schwefel-Fumarolen traten dort hervor und stiegen von Tag zu Tag höher gegen den Gipfel empor. Gegen Ende März waren die Fumarolen schon stark im Krater des sehr von grossen neuen Spalten verwüsteten Conus und den 26. März fand ich am nördlichen Fusse des Conus das Meer auf 55° Cels. erwärmt. Die vulkanische Thätigkeit schreitet also vom Orte des ersten Ausbruches sowohl gegen SW. als gegen NO. vor. Nach Allem, was wir geSehen haben, sind die Erscheinungen in der Zunahme begriffen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Nea Kammern noch beträchtliche Umgestaltungen bevorstehen.

Inzwischen haben auch die Herren Fouque und de Verneuil ihre Arbeiten auf Santorin beendet und sind nach Athen gereist, während Herr Prof. Seebach aus Göttingen sich am 28. März von Syra nach Santorin begeben hat. Ich selbst gedenke nach einigen Wochen eben dahin zurückzukehren.

3. Illustrationen zu den vorstehenden Berichten.

Die Geologische Beichs - Anstalt in "Wien erlaubte uns gütigst die Benutzung der drei hier abgedruckten Holzschnitte, die in ihrem Sitzuugs-Bericht vom 20. März 1866 einem Vortrag des Herrn Bergraths Franz v. Hauer über die vulkanischen Erscheinungen in Santorin beigegeben waren.

Der Plau, von den Offizieren des Osterreichischen Kanonenbootes „Beka" aufgenommen, zeigt den Standpunkt vom 7. März, wo die neue Insel Aphroessa noch nicht mit Nea Kammoni verbunden war, während Tafel 8 in gleichem Maassstab der grossen Englischen Aufnahme den Stand der vulkanischen Umbildungen vom 23. März nach Dr. Schmidt's Zeichnung darstellt. Eine kleine Insel „Beka", die am 10. März westlich von Aphroessa dem Meer entstieg, hat sich nach neuesten Nachrichten mit Aphroessa vereinigt. Der Kanal zwischen beiden war von Anfang an nur 30 bis 40 Fuss breit und 2 Faden tief.

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Fig. 2.

Ansicht der neu aufgestiegenen Insel (jetzt Kap) Georg I. in der ersten Zeit der Eruption. Nach einer Photographie.

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Fig. 3. Plan von Nea und Mikra Kammeni sammt Georg I. und Aphroessa, aufgenommen von Herrn Linienschiffs-Fähnrich A. Heinze.

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1. Stellung des Unternehmens zu Deutschen Regierungen im Allgemeinen und zur Freussischen Regierung im Besonderen.

Nachdem durch die eifrige Verwendung des aufblühenden Freien Deutschen Hochstiftes und durch die höchst aufopfernden Bemühungen ihres gegenwärtigen Obmanns, des Herrn Dr. Volger, am 23. Juli 1865 in Frankfurt a. M. eine allgemeine Versammlung Deutscher Geographen und Hydrographen Statt gefunden hatte, um die Ausführung einer Deutschen Nordfahrt zu veranlassen '), beschloss am

') 8. Amtlicher Bericht über die erste Versammlung Deutscher Meister und Freunde der Erdkunde in Frankfurt a. M. im Juli 1865. Herausgegeben Ton dem geschäftsleitenden Vorsitzenden derselben. Mit einer Steindrucktafel. 4° 9 Bogen. Preis 1 Thaler zu Gunsten der Deutschen Nordfahrt. Frankfurt a. M.. Verlag des Freien Deutschen Hochstiftes (Leipzig, F. A. Brockhaus), 1865.

(„Dieser Bericht wird allen Freunden nicht bloss der Erdkunde, sondern des Seewesens nnd der nationalen Entwicklung Deutschlands sehr willkommen sein. Derselbe liefert die vollständige Geschichte der Anregung einer Deutschen Nordfahrt und Begründung einer Deutschen Seewarte, und flicht in diese eine Anzahl der ansprechendsten Briefe der höchstgestellten Mitglieder des Deutschen Seemannstandes, unter Anderem des K. K. Admirals nunmehrigen Ministers Freiherrn v. Wüllerstorf und

24. Oktober die K. K. Geogr. Gesellschaft in Wien ') auf die Anregung der dortigen Mitglieder des in Frankfurt gewählten Nordfahrt-Ausschusses: Herren Foetterle, Dr. v. Hochstetter, Kath Steinhauser, sich an die Kaiserl. Österr. Regierung mit der Bitte zu wenden, dass dieselbe dem Unternehmen ihre vollste Unterstützung angedeihen lasse, und zwar dadurch:

1. dass sie einen für die Fahrt in die nördlichen Eismeere geeignet erscheinenden Kriegsdampfer ausrüste und demselben drei mit den nöthigen Instrumenten versehene Naturforscher beigebe, einen Physiker, einen Geologen und einen Zoologen,

2. dass die Kaiserl. Regierung mit der Königl. Preussischen Regierung diejenigen Schritte vereinbare, welche die Ausführung der Nordfahrt durch ein Österreichisches

Urbair und Sr. K. Hoheit des Prinzen Adalbert von Preussen. Ausserdem enthält derselbe die Besprechungen verschiedener anderer geographischer Gegenstände, und beweist uns, dass die zwar kleine erste Deutsche Geographen-Versammlung eine an Anregungen äusserst reiche und in einem sonst in Deutschen Gelehrtenkreisen weniger gesuchten Grade Ton vaterländischer Begeisterung und Deutschem Selbstgefühle durchdrungen und gehoben war. Möge der Bericht die gleiche Stimmung, wie nicht zu bezweifeln, bei recht zahlreichen Lesern hervorrufen!") ') „Geogr. Mitth." 1865, SS. 387 und 388.

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