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die des unteren, so wird dadurch die Kurve der täglichen Veränderung der Höhe modificirt. Das Minimum für u tritt ein zur Zeit des barometrischen Maximums, das Maximum dagegen zur Zeit des barometrischen Minimums. Hiernach wird also das Minimum der Höhenkurve zwischen das Minimum von t + t' und das Maximum der barometrischen Kurven fallen, also Morgens, dagegen das Maximum derselben zwischen dem Maximum von t + t' und dem Minimum der barometrischen Kurven, also Nachmittags, liegen. Zwischen diesen beiden Extremen muss die Höhenkurve -also täglich zwei Mal, Vor- und Nachmittags, die mittlere Höhe passiren; diese zu ermittelnden Zeiten sind dann am besten zu barometrischen Höhenbestimmungen geeignet. Um nun den Einfluss der Tageszeit auf die im Ost-Jordan-Lande gemachten Beobachtungen zu eliminireu, habe ich die mittlere Höhe von Damaskus für solche Tage abgeleitet, an denen stündliche Beobachtungen gemacht waren, und daraus folgende mittlere Korrektionswerthe ermittelt, welche an die gefundenen relativen Höhen angebracht wurden. 1 Uhr Vormitt. + 44 I 9 Uhr Vormitt. +' 3 | S Uhr Nachm. ,, + 54

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dass der Einflus am geringsten um 9 Uhr Morgens und 8 Uhr Abends, dagegen am grössten um 2 Uhr Nachmittags ist. Der Einfluss der Jahreszeit, welcher ebenfalls vorhanden, konnte nicht eliminirt werden, da die Beob'achtungsreihe eine zu kurze war; wenn man aber berücksichtigt, dass Syrien zu jenem grossen Auf lockerungsgebiete gehört, welches das kontinentale Klima von Asien so sehr charakterisirt') und für welches die im Sommer gemachten Beobachtungen zu grosse, die im Winter gemachten zu kleine relative Höhen ergeben, so erhellt, dass der Einfluss der Jahreszeit auf die hier mitgetheilten Höhen ein geringer ist, da die Zeit der Beobachtungen in die für barometrische Höhenbestimmungen günstigste Jahreszeit fallt.

Die folgende Tabelle giebt nun in chronologischer Reihenfolge geordnet die Höhen von 140 in Syrien und Palästina gelegenen Orten in Pariser Pussmaass und gleichzeitig auch die Anzahl der Beobachtungen, aus denen die Resultate erhalten. Die anderen Beobachtungsresultate, nämlich Temperatur und relative Feuchtigkeit der Luft, habe ich ganz fortgelassen, da zu solchen Angaben nothwendiger Weise auch die Zeiten der Beobachtungen gehören, durch deren Mitangabe die Tabelle bedeutend umfangreicher geworden wäre.

') Dove, Über die periodischen Änderungen des Drucks der Atmosphäre. (Monatsher. der Akademie der Wissenschaften, Berlin 1860, Nov.).

Lide. Kr.

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Nach dieser Tabelle habe ich nun den NivellementsPlan gezeichnet. Die Profile geben gleichzeitig ein Bild von unserer Reiseroute, mit Ausnahme der Rückreise von Salt über Amman, Gerasa nach Er-Remta. Für diese, welche wegen der damals in Syrien ausgebrochenen Christenverfolgung sehr beschleunigt wurde, ist die Anzahl der bestimmten Höhen eine zu geringe, um daraus ein besonderes Profil herzustellen. — Das erste der fünf Profile ist in der Richtung von Damaskus nach einem zwischen dem Hämi Kursuh und Teil el - Hära befindlichen Beduineulager gelegt, geht von hier nach dem Chan von Kanetra, von letzterem über G'ubbäta el-Chaschab, G'ubbäta ez-Zet, Bäniäsburg, Za'tira wieder zum Chan von Kanetra zurück; zweites Profil: von letzterem über el-'Al, Fik nach dem See Tiberias; drittes Profil: vom See Tiberias zum Dorfe Seda; viertes Profil: von Seda über Timm Weled, 'Atil zum Hauran und von hier über 'Ire, Seda, Mzerib nach Er-Remta. Das fünfte Profil endlich geht von Mzerib über Abil, Bet Aras, Er-Remtä durch die Provinz 'Aglun nach Salt und von hier durch den Jordan nach Jerusalem zum Grabe Samuel's. Der Maassstab für die Höhen ist, wie das allgemein gebräuchlich, 24 Mal grösser als der für die Längen.

Der Charakter der Gegenden, durch welche diese Profile gelegt sind, ist fast durchweg verschieden. Während das erste Profil uns einen Durchschnitt durch die ebenen Provinzen Gedür und Golan mit ihren fast gleich hohen, vereinzelt dastehenden vulkanischen Erhebungen liefert, zeigt das zweite den Fall des Terrains nach dem See Tiberias und die Depression des letzteren unter dem Niveau des Mittelmeeres. Das dritte und vierte Profil zeigen das Ansteigen des Terrains, der fruchtbaren Hauran-Ebene, in der Richtung vom See Tiberias nach dem Hauran und die vielfachen Kegel des vulkanischen Gebirges selbst. Das fünfte Profil endlich giebt in der Richtung von Norden nach Süden einen Durchschnitt durch das gebirgige und thälerreicho 'Aglun und zeigt deutlich den Einfluss der Bildung des Jordan-Thaies auf das angrenzende Terrain, der sich in dem Vorhandensein der zahlreichen tiefen und sehr schroffen Seitenthäler (Wadi Schelläle, Wadi Mezär, Wadi Zerka) kund giebt. Gleichzeitig bringt diess Profil die in der Geographie unseres Erdballs fast einzig dastehende und so lange angezweifelte Thatsache der Depression des Jordan-Laufes selbst zur Anschauung. Hinsichtlich der geologischen Beschaffenheit unterscheidet sich das durch das fünfte Profil dargestellte Terrain gänzlich von dem anderen. Es findet sich hier derselbe Kieselkalkstein, dieselbe Quarzformation wie auf dem Libanon und auf der Westseite des Jordan und es scheint, als ob durch die Entstehung der vulkanischen Gebirge El-Hisch und Hauran sich eine vulkanische Schicht' gebildet habe, deren Grenze und Mächtigkeit an

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verschiedenen, auf dem Plane angegebenen Punkten von mir beobachtet worden ist. Bei dem von senkrechten Wänden begrenzten, 360 F. tiefen Thale des Flusses Asch'ari betrug die Mächtigkeit der vulkanischen Schicht über 300 Fuss, während sie bei dem südlich gelegenen Wadi Zedi bei Der ät nur die Mächtigkeit von einigen Fuss hatte. Man ist wohl berechtigt, aus diesen beiden Thatsachen zu schliessen, dass die Depression des Jordan-Laufes und die damit verbundene Bildung der Seitenthäler bedeutend später als die Entstehung der vulkanischen Gebirge eingetreten ist. — Es ist möglich, dass nach den ersten vulkanischen Eruptionen, die den Hauran und den El-Hisch bildeten und aus deren Kratern die vulkanische Masse das Terrain überfluthete, später, als die Masse schon erstarrt war, hin und wieder Hebungen und auch Lava-Ergiessungen aus noch offenen Kratern Statt fanden. Was die Hebungen betrifft, so scheinen jene Hügel, wie der Teil el-Scha'ar, Teil Abu /Nidä, Teil Kurüm und Teil Hära, solcher Natur zu sein. Es sind mächtige Blasen gewesen, die, nachdem der Druck, der sie in die Höhe trieb, nachgelassen, in der Mitte oder an der Seite sich senkten, wodurch im ersteren Falle ein runder (Teil Scha'ar, Teil Meri), im letzteren Falle ein hufeisenförmiger Krater (Teil Abu Nida) entstand. Die fast gleiche Höhe, welche alle diese Erhebungen haben, spricht dafür, dass der sie erzeugende Druck ein gleicher war und dass sie zu derselben Zeit entstanden sind. Zu den späteren Lava-Ergiessungen ist der Wa'r von Zakie zu rechnen, ein mächtiges Lava-Plateau, welches sich 20 bis 25 F. über die Ebene erhebt. Man erkennt deutlich, dass dasselbe durch Lavaströme eines östlich gelegenen Vulkans entstanden ist; über die Lava, die theilweise schon erstarrt war, ist wieder neue hingeflossen und so ist es ein Chaos von in und über einander geflossenen Strömen geworden. Es ist, nebenbei bemerkt, vollständig ohne Vegetation und gewährt den Beduinen eine sichere Zufluchtsstätte, wenn sie von fremden Völkern bedroht werden. Über die Grenzen des Vulkangebiets Mittel-Syriens, südlich und östlich vom Hauran, fehlt jede genauere Kenntniss.

Meteorologische Bemerkungen. — Die Beobachtungsreihe für Damaskus liefert für den Gang der meteorologischen Instrumente einen regelmässigen Verlauf. Die beiden Maxima der täglichen barometrischen Kurve traten fast regelmässig um 10 Uhr Morgens und gegen 11 Uhr Abends, die beiden Minima dagegen mit Sonnenaufgang und zwischen 5 und 6 Uhr Nachmittags ein. Ich habe versucht, durch Vergleichung der als Mittel je 12tägiger gleichzeitiger Beobachtungen erhaltenen barometrischen und thermischen Kurven von Damaskus und Kairo für ersteren Ort die Monatsmittel für März und April herzuleiten, und gefunden:

Damaskus. I Kairo.

1860. Harometer. Temper. j 1K60. Barometer. Temper.

März . 311,00 Par. Lin. 11,6° II. März . 337,16 Par. Lin. 13,1* E.

April . 310,87 „ „ 16,8 „ April . 335,86 „ „ 19,» „

Den Unterschied in der Temperatur trotz des geringen Breitenunterschiedes beider Orte wird man begreiflich finden, wenn man bedenkt, dass Damaskus 2144 Par. F., Kairo dagegen nur wenig über dem Meeresniveau liegt, überhaupt machte sich der Einfluss der ungleichen Höhen der Orte auf die Temperatur sehr bemerkbar. Während dieselbe auf dem Hauran nie 20° R. erreichte (das Minimum = 6° R. am 25. Mai 6 Uhr Vormittags), schwankte dieselbe im Jordan-Thale zwischen 25° und 29° E. Hierzu kommt noch, dass an den höher gelegenen Orten der fast beständig wehende Westwind dem Reisenden eine bedeutende Erfrischung gewährt, während in dem so tief gelegenen Jordan-Thale kein Luftzug den Eindruck der tropischen Hitze mildert. Die Resultate der Beobachtungen über die relative Feuchtigkeit geben einen Beweis für die grosse Trockenheit der Luft in jenen Gegenden. Was die tägliche Veränderung der Feuchtigkeit anbelangt, so fiel für Damaskus das Minimum derselben in der Regel auf den Mittag, ihr Maximum dagegen trat Morgens ein. Im Allgemeinen schwankte der Feuchtigkeitsgehalt zwischen 30 und 40 Prozent (in unserem Klima variirt er zwischen 40 und 80 Proz.). Das Minimum desselben beobachtete ich am 1. April 12 Uhr 1 Mittags =11 Prozent, während das aus den Beobachtungen um 8 Uhr Vormittags, 2 und 9 Uhr Nachmittags gebildete Tagesmittel = 23 Prozent war. Der Grund des im Allgemeinen so geringen Feuchtigkeitsgehaltes ist wohl, abgesehen von dem Umstände, dass der Gehalt der Luft an Wasserdampf mit der Höhe überhaupt abnimmt, in lokalen Verhältnissen zu suchen. Es fehlt jenen Gegenden der mächtige Kondensator für die Feuchtigkeit, nämlich die Baumvegetation, Damaskus selbst ist in dieser Hinsicht weit besser situirt als andere Orte, es besitzt einen grossen Wasserreichthum, da der vom Anti - Libanon kommende Barada die Stadt in unzähligen Armen durchfliegst, und ausserdem eine üppige Baumvegetation sowohl in als auch in einem Umkreise von mehreren Stunden um die Stadt, die Gegenden südlich von Damaskus dagegen gewähren im Sommer einen trostlosen Anblick. Es giebt sehr viele Dörfer, die nicht einen einzigen Baum aufzuweisen haben; die vom Hauran kommenden Flüsse trocknen im Sommer aus und Regen gehört dann zu den Seltenheiten (ich habe im Ganzen vier Mal Regen beobachtet). Alle Vegetation verdorrt unter dem Einfluss der glühenden Sonnenhitze, man befindet Bich dann in einer Wüste. Um diese Zeit treten für die dort umherziehenden Beduinen-Stämme zwei Fragen, die nach Wasser und nach Weide, als brennende Fragen auf. Ihre Lösung ist oft genug Veranlassung zu den fortwährenden Feindseligkeiten, welche unter diesen Völkern herrschen.

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(Mit einem Kärtchen, 9. Carton auf Tafel 3 im vorigen Heft.)

Lloyd's Schifffahrtsliste vom 9. Januar 1864 meldete: „Der Grafton, Capt. Musgrave, segelte am 12. November 1863 von Sydney ab nach den Südsee-Inseln." — und am 17. Oktober 1865 enthielt sie die Nachricht: „Der Grafton, Capt. Musgrave, von Sydney nach den Südsee - Inseln, ging am 3. Januar 1864 in einer Bucht der Auckland-Inseln unter; der Kapitän und zwei von der Mannschaft kamen letzten Monat in einem kleinen, selbsterbauten Boot nach Port Adventure (Stewart-Insel, Neu-Seeland)".

Zwischen dem hier kurz notirten Anfang und Ende einer Seereise liegt eine lange, an Entbehrungen, Kummer und getäuschten Hoffnungen reiche Leidenszeit. Die fünf Schiffbrüchigen mussten 20 Monate auf den unbewohnten AucklandInseln ausharren, ehe ihnen das Wagniss gelang, in einem einfachen Boote nach Neu-Seeland zu entkommen.

Es ist diess nicht das einzige Mal, dass die Auckland-Inseln den Schauplatz einer Robinsonade abgegeben haben, denn Sir James Boss fand 1840 im Rendezvous(Ross-, Laurie-) Hafen die Beste einer kleinen Hütte, von der er später erfuhr, dass sie mehrere Jahre lang einem Deserteur von einem Englischen Walfischfahrer und einer Neu-SeCläudischen Frau zur Behausung gedient hatte. Auch erlitt während Musgrave's Aufenthalt auf der Insel, nämlich am 10. Mai 1864, das Schiff „Invercauld" Schiffbruch an der Nordwestküste und von 19 Mann, die ihr nacktes Leben an die Küste retteten, wurden 3 nach 12 Monaten und 10 Tagen von einem Portugiesischen Fahrzeug aufgenommen, während die übrigen dem Hunger und Elend schon vorher erlegen waren. Aber die Robinsonaden bringen nur selten der Geographie Gewinn, ja in Betreff der Auckland-Inseln hat nicht einmal die Ansiedelung, welche von den Eigenthümern der Gruppe, den Herren Ch., G. und H. Enderby im Jahre 1850 im Rendezvous-Hafen gegründet und zwei Jahre erhalten wurde, zur geographischen Kenntniss wesentlich beigetragen, vielmehr verdankte mau das, was man von der Inselgruppe wusste, einestheils den früheren Enderby'schen Rekognoscirungen '), andernthcils den Aufzeichnungen der Seefahrer, die flüchtig den einen oder anderen Hafen der Insel besuchten, so namentlich Sir James Ross, Wilkes, Dumont d'TJrville und Morrell. Das kleine Buch, worin Musgrave die Geschichte seiner Leiden niedergelegt hat2), erhebt sich daher um so mehr über eine bloss

romantische Lektüre, als sich seine Aufzeichnungen auf den selten besuchten und wenig bekannten südlichen Theil der Gruppe beziehen und, durch alle Jahreszeiten fortgesetzt, frühere Beobachtungen vielfach ergänzen und berichtigen.

Die Kartenskizze Capt. Musgrave's giebt das erste vollständigere und genauere Bild von dem Carnley-Hafen, der mit mehreren Armen von Süden her in die Hauptinsel eindringt und durch die Adam-Insel gegen Süden geschlossen wird. Zwar war schon Morrell ') um Neujahr 1830 in diesem Hafen und auch er kannte die schmale Meerenge, welche die Adam - Insel von der Hauptinsel trennt, aber bis in die neueste Zeit waren beide Inseln auf den Kurtin nach Dumont d'Urville's Vorgang als zusammenhängend dargestellt, so dass man wohl in Zweifel gerathen konnte. Musgrave hat diesen Punkt endgültig entschieden und auch ausserdem die Topographie des Carnley-Hafens durch Aufnahmen und Lothungen bedeutend gefördert. Hauptsächlich fallen aber seine Beobachtungen über die Witterungs-Verhältnisse ins Gewicht und wenn er die frühereu Angaben über die auffallende Milde des Klima's besonders auch für den Winter bestätigt, so geht aus seinem Tagebuch zugleich die ausserordentliche Unbeständigkeit des Wetters, die ungemeine Häutigkeit von Sturm und Begen in jener Gegend der südlichen Halbinsel hervor. Seine Notirungen von Barometer- und Thennometerstand sind die ersten von den Auckland-Inseln, die sich auf ein ganzes Jahr und länger ausdehnen, und obgleich sie, wie in der Vorrede gesagt wird, vollständig erst an einem anderen Orte publicirt werden sollen, so geben doch schon die hier mitgetheilten Daten ein deutliches klimatisches Bild. Zudem enthalten seine Beobachtungen über die Seelöwen manches Neue.

Es lohnt sich daher der Mühe, den wissenschaftlichen Gehalt aus diesem kleinen Buche auszuziehen.

Der Schiffbruch. — Der „Grafton" kam am 30. Dezember 1863 von der Campbell-Insel her bei stürmischem Wetter in Sicht der Auckland-Inseln und kaum war das Schiff in den Carnley-Hafen eingelaufen, als es dem wachsenden Sturme erlag. Die felsigen Ufer des Hafens fallen schroff in tiefes Wasser ab, vergebens suchten die Geängsteten, mit der Lokalität unbekannt, einen sicheren Ankergrund und am 3. Januar 1864 zertrümmerten und füllten die heftigen Wogen unwiderstehlich das schutzlose Fahrzeug. Unter drohender Lebensgefahr retteten die fünf auf ihm befindlichen Männer im Boot den wenigen Proviant, die Kleider und das grosse Segel an das Ufer, machten sich aus dem Segel ein Zelt und brachten die erste Nacht auf dem feuchten Boden unter Sturm und Regen zu. „Das Schiff" — ruft Musgrave aus — „lässt sein Gerippe hier und nur Gott weiss, ob wir alle unsere Knochen auch hier lassen werden. Und was wird aus meiner armen, unversorgten Familie? Der Gedanke daran macht mich wahnsinnig!"

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') Ch. Enderby, A short aecount of the Auckland Islands. London 1849.

') Capt. Thomas Musgrave, Castaway on the Auckland Isles. Edited by John J. Shillinglaw. London, Lockwood, 1866.

') A Narrative of four voyagos to the South Sea, North and South Pacific Ocean, Chinese Sea, Ethiopic and Southern Atlantic Ocean, Indian and Antarctic Ocean. From the year 1882 to 1831. By Capt. Benjamin Morrell. New York, Harper, 1832.

Am nächsten Tage wurden Breter und Segelstangen von dem Wrack ans Land gebracht, um eine bessere Wohnung herzustellen, denn man hatte alle Aussicht, den nächsten Winter auf der öden Insel zubringen zu müssen, und die reichlich vorhandenen Bäume waren nicht hoch und dick genug, um ein Blockhaus daraus zu zimmern. Der Punkt, wo sie die Wohnung aufschlugen, lag am nördlichen Arm des Carnley - Hafens, an der Seite eines schönen klaren Baches, und war von Gehölz umgeben, in welchem Heerdeu von Seelöwen hausten. Die grosse Menge dieser Thiere fiel den Reisenden schon bei ihrem Einlaufen in den CarnleyHafen auf, im Wasser hatten sie das Schiff gleich Delphinen umschwommen, und gerade der günstige Umstand, dass sie hier wenigstens Anfangs in solcher Menge vorkamen, bewahrte Musgrave und seine Gefährten vor dem schrecklichen Schicksal der Mannschaft des ,,Invercauld", denn das Fleisch der Seelöwen bildete bei weitem ihre Hauptnahrung. Musgrave glaubt, er würde in ein bis zwei Monaten eine ganze Schiffsladung davon erlegt haben können, und diess hat nichts Unwahrscheinliches, denn schon im Jahre 1823 brachte Capt. Johnson von diesen und den benachbarten Inseln 13.000 Robbenfelle nach New York zurück. Morrell, der dieses Factum in seinem lehrreichen, aber ziemlich seltenen Werke erzählt, sah zwar im Carnley-Hafen kein einziges dieser Thiere, da sie aber von Musgrave in demselben Hafen heerdenweise augetroffen würden, so wird es wahrscheinlich, dass sie ihre Wohnplätze zeitweilig wechseln.

Beobachtungen über die Seelöwen. — Durch das ganze Buch spielt die Jagd der Seelöwen die wichtigste Rolle, in einem Anhang hat aber Musgrave seine Beobachtungen in geordneter Weise zusammengefasst. „Die Weibchen" — heisst es darin — „sind grau, golden-lederfarbig oder schön silberfarbig, bisweilen wie ein Leopard gefleckt und dann Tigerrobben genannt. Ihr Pelz ist etwa 1 Zoll lang, nicht sehr weich, aber sehr dicht und besonders schlicht und glatt. Dire Nase gleicht der des Hundes, ist aber etwas breiter; der Geruch scheint sehr scharf zu sein. Die Augen sind gross, von grüner Farbe, wässerig und glanzlos, am Lande sehen sie aus, als weinten sie beständig. Robbenfänger sagten mir, diese Thiere hätten ein sehr scharfes Auge und

könnten auf grosse Entfernungen sehen, aber ich möchte diese Meinung berichtigen, denn ich habe allen Grund zu glauben und bin fest überzeugt, dass diess nicht der Fall ist. Ihr Auge ist im Gegentheil nicht scharf, noch können sie weit sehen, wenn sie am Lande sind; aber ihr Geruchssinn ist, wie gesagt, sehr scharf. Im Wasser sehen sie ohne Zweifel gut, für dieses Element ist ihr Auge offenbar hauptsächlich gebildet. Die Ohren sind ausserordentlich klein, spitz und in einer Weise gedreht, dass das Wasser nicht eindringen kann; ihr Gehörsinn ist nicht sehr entwickelt. Das wunderbar grosse Maul ist mit Zähnen ausgestattet, unter denen die vier Hundszähne sich durch enorme Grösse auszeichnen. Einer dieser Zähne mass 3£ Zoll in der Länge und an der Basis 3£ Zoll im Umfang. Auf der Oberlippe stehen jederseits 30 Borsten (selten findet man eine Abweichung von dieser Zahl) von harter horniger Beschaffenheit, im Aussehen dem Schildpatt ähnlich, 6 bis 8 Zoll lang, aber nach der Nase zu allmählich bis auf 1J oder 2 Zoll an Länge abnehmend. Die Regelmässigkeit in der Anordnung dieser Borsten ist bewunderungswürdig.

„Die Weibchen und Jungen bleiben meist in den Buchten und scheinen solche mit bewaldeten Ufern zu wählen, wahrscheinlich weil ihnen die Wälder und das lange grobe trockene Gras darin den in diesen stürmischen Regionen nöthigen Schutz gewähren, während die Männchen den grösseren Theil des Jahres hindurch aussen« bleiben und zwischen den Felsen längs der Seeküsten fischen, wo es ihnen, nach ihrem Aussehen beim Hereinkommen zu urtheilen, bei weitem am besten ergeht.

„Die Männchen haben sämmtlich eine schwärzlich-graue Farbe. Eins von mittlerer Grösse misst etwa 6 Fuss von der Nase bis zu dem 3 Zoll langen Schwanz und etwa 6 bis 7 Fuss im Umfang, das Gewicht beträgt circa 5 Centner. Einzelne werden aber viel grösser, ich habe einen Seelöwen gesehen, der 40 Gallonen Öl gab. Pelz und Haut sind besser als bei dem Weibchen, nämlich viel dicker und der Pelz von den Schultern abwärts feiner, obwohl nicht so hübsch. Auf Nacken und Schultern hat es einen dichteren, längeren und viel gröberen, 3 bis 4 Zoll langen Pelz, den man fast Borsten nennen könnte und der willkürlich aufgerichtet werden kann, was immer geschieht, wenn siesich am Ufer einander angreifen oder überrascht werden. Dabei sitzen sie wie Hunde mit erhobenem Kopf, den Gegenstand ihres Erstaunens anblickend, und in dieser Stellung haben sie ganz das Aussehen eines Löwen; dazu geben ihnen die enormen Zähne, die sie bei solchen Anlässen stetszeigen, im Aussehen alle die Wildheit und Furchtbarkeit, die ihr Name anzudeuten scheint.

„In der südlichen Hemisphäre beginnen sie im Oktober sich in die Buchten hereinzuziehen und bleiben da bis Ende

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