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Neben derselben beabsichtigte man, eine Reserves Armee von 240,000 Mann zu bilden, welche die fortwährende Ergånzung des im Felde stehenden Hees res übernehmen, und bei ungünstiger Wendung des Kriegs, dasselbe in der Vertheidigung des eignen landes unterstüßen follte. Ungarns Stånde erboten fich beim Landtage, im Herbste des Jahres 1808, zu der sogenannten Personal-Jnsurrektion, die mit der von Croatien und Slavonien verbunden, 37,197 Manin Infanterie, 16,734 Reuter lieferte; außerdem stellten der. Erzherzog Primas und das Neutraer Comitat zwei Husaren-Regimenter, einige reiche Grundbesiker neunte und zehnte Escadrons zu mehreren Regimentern dieser nationalen Reuterei. In den übrigen Provingen der Monarchie, mit Ausnahme Galiziens, wurde durch Patent vom 9ten Juni 1808, die Errichtung von 168 Landwehr-Bataillonen angeordnet, und fpå: terhin genehmigt, daß Freiwillige derselben, in felbft

46 derselben zählten 3732 Unteroffiziere und Gemeine, 15 (ungarische) aber 4132 ; die Grenadiere wurden in 21 selbsts fåndige Bataillone zusammengezogen. Ausserdem existirten 9 Fåger-Bataillone zu 720 Mann, und 17 Grenz-Infanterie-Regimenter von 2 Bataillonen, wovon dreizehn 2400, die übrigen vier 2160 Mann ftark waren. Zwei GarnisonRegimenter, nur zum Besaßungsdienste bestimmt, können hier nicht in Anschlag kommen.

Jedes der acht Cuirassiers und sechs Dragoner-Regimenter gåhlte in 6 Escadrons 798 Pferde; die Regimenter der leichten Cavalerie - fechs Chevaulegers -, 3w8If Husarens, drei Ulanens batten 8 Escadrons und 1192 Pferde.

ståndige Abtheilungen formirt, sich dem ins Feld růts fenden Heere anschlossen, wodurch dieses eine Vers stårkung von etwa siebenzehntausend Mann erhielt. Endlich wurden 162 Compagnien, 34 Escadrons als Ersas-Depots der Linientruppen gebildet, und zugleich für die anderweiten Zwecke der Reserve-Armee bes stimmt.

Ungeachtet großer Anstrengungen der Regierung, und bedeutender freiwilliger Dpfer des Volkes, blieb aber aus verschiedenen Gründen das wirklich Geleis stete hinter diesen Entwürfen zurück. In dem Augen: blicke wo das Heer die Grenze überschritt, befanden sich 26 Bataillone 8 Escadrons noch auf dem Mars rche zu demselben, und der Reuterei fehlten an der Etatsstårke etwa 5400 Pferde, mithin über ein Sechstheil des Ganzen; die Bildung der ungarischen Insurrection war so langsam vorgeschritten, daß sie erst in größere Abtheilungen zusammen zu rücken begann, als der Feind bereits Wien beseßt hatte. Ungünstiger noch stellten sich die Verhältniße der Landwehr, deren Drganisation sehr zurückgeblieben zu seyn scheint; in den gleich Anfangs von den Gegnern überschwemmten Provinzen leistete sie begreiflich nur dusserst wenig, und wo dieser Grund wegfiel, traten doch die Ansprüche auf ihre kriegerische Chitigkeit so schnell und übers raschend heran, daß fie ihnen nicht in vollem Maße zu genügen vermochte.

Während der ersten Hälfte des Monat März versammelten fich die verwendbaren Truppen auf den ihnen angewiesenen Punkten: die vom Generaliffimus befehligte Hauptarmee, 194,400 Mann stark, zum größten Theile in Böhmen, mit einem Seitencorps im Thale der Donau; 35,000 Mann unter Erzherzog Ferdinand, gegen das Herzogthum Warschau bestimmt, bei Odrzywol; die 66,000 Mann gåhlende Armee des Erzherzog Johann mit der Hauptmasse bei Klagenfurt und Laibach. Hinsichtlich der Eintheilung der Truppen, war man von der früheren Gewohnheit abs gewichen, und hatte nach dem Beispiele der Gegner, neun Armee-Corps aus allen Waffengattungen gebildet, wozu zwei Reserve-Corps von Grenadieren und schwes rer Reuterei famen.

Unsere Darstellung der Vorbereitungen Defterreichs zu bem bevorstehenden Kampfe würde unvolls ståndig seyn, wenn die in jene Zeit fallenden Entwürfe zu fortificatorischen Anlagen ganz unerwähnt blieben. Zweimalige Erfahrung hatte auf die Nothwendigkeit hingewiesen, den kürzesten Weg zur Hauptstadt im Thale der Donau, gegen einen von Westen andringens den Feind zu sperren, was indeß nur Erfolg gewähren konnte,' wenn zugleich die aus Stalien durch Steyermark führende Hauptstraße ebenfalls gesichert ward. Hierauf beruhte der Entwurf, die Stadt Enns zur Festung ersten Ranges zu erheben, durch einen bei Mauthausen auf dem linken Donauufer zu erbauenden Brückenkopf, die Verbindung mit Böhmen, und durch die Befestigung von Altenmarkt (neun Meilen süd8fts lich von Enns) die mit Steyermark zu sichern, wo Bruck an der Mur als Plaß vom zweiten Range, die aus Italien kommende Hauptstraße decken sollte.

Ehe darüber entschieden war, hatte sich aber die französische Armee in Schlesien und Polen festgefekt, zugleich ließen die, eine Zeit lang zwischen dem Kaiser Alexander und Napoleon bestehenden Verhåltniße an die Nothwendigkeit denken, eintretenden Falles Ungarn gegen eine über die Karpathen vordringende Armee vertheidigen zu müssen. Diese mögliche Gefahr ers schien ro bedeutend, daß Komorn an der Donau, mit beträchtlichem Aufwande und einstweiligem Verzichten auf die eben erwähnten Sicherungsmaßregeln, befestigt wurde; erst im Herbste des Jahres 1808 begann die Einrichtung kleiner Plåge — sogenannter Sperrpunkte in Salzburg, Kårnthen, Krain und Steyermark, welche beim Ausbruch des Krieges noch nicht gånzlich vollendet war *).

Ueber welche Masse von Streitmitteln damals der französische Kaiser gebot, ist aus mehreren Gründen nicht genau zu ermitteln, und insofern von geringerer Wichtigkeit für den vorliegenden Zweck, als wegen des Kampfes in Spanien, doch nur ein Theil derselben gegen Desterreich verwendbar war*). Bekanntlich standen aufser den Hälfsmitteln des damaligen Frankreichs (mit rechs und dreißig Millionen Einwohnern), noch die von Holland, ganz Italien mit Dalmatien, Deutschland bis an die Elbe und den Inn, und vom Herzogthum Warschau zu feiner unbeschrånkten Verwendung. Uuf fråftige Theilnahme Russlands durfte wohl kaum gerechnet werden, denn wenn auch die zu Lilfit ents standene große Freundschaft der beiden Monarchen bei der bekannten Zusammenkunft in Erfurt aufs neue gestårkt und zur Schau gestellt worden war, so konnte doch bem Petersburger Cabinet keinen Augenblick entgehen, daß nichts in der Welt weniger seinem Interesse entspreche, als die Vernichtung der Østerreichischen Monarchie.

*) La guerre de l'an 1809, entre l'Autriche et la France. Par

un officier autrichien. Tome I, Ire partie, pages V-XIV. XXII—XXIX. LII-LVI. Das Heer von Innerðstreich unter den Befehlen des Erzherzogs Jobann im Kriege von 1809. S. 7-12. 14-16. 406-408. Koch-Schoell Histoire abregée des traités de paix. T. IX. p.

211-229. Kurz Geschichte der Landwehr in Desterreich ob der Enns. Band II. S. 206-221.

Begann der Krieg in der Mitte des Monat Mårz,

*) Die Organisation der franz8fischen Truppen war das

mals folgende. Sedes Regiment der Linien- und leichten Infanterie hatte vier Feld-Bataillone zu sechs Compagnien und 840 Köpfen, ausserdem ein Depot-Bataillon von vier Compagnien und 560 Mann; die Dragoner-, Chasseurs und Husaren - Regimenter zählten in vier Escadrons 1024 Pferde, die Carabiniers und Cuirassiere in der gleichen Ans zahl Schwadronen 816, und befaßen überdieß noch eine Depot- Escadron.

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