"Wiener-Blut": kleine Culturbilder aus dem Volksleben der alten Kaiserstadt an der Donau

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Rosner, 1873 - 398 Seiten
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Seite 172 - Wiener Lumperl' nach der vierzehnten Halben ,fühlt und empfindet', sie singt die Hausordnung gewisser Häuser, sie singt die Usancen der Straßendirne. Und das pt Publikum jubelt; es klatscht, daß die rotbraunen Glaces zerplatzen und die aufrichtigsten Freudenthränen in den edlen ,Markersdorfer'100) perlen . . . Wie Fräulein Mannsfeld singt?
Seite 171 - Kennen Sie die Mannsfeld, ,Fräulein Antonie Mannsfeld'? Nein, das wundert mich, denn gerade in den sogenannten ,besseren Kreisen' ist dieser Name ein vielgenannter, und das Stammpublikum dieser modernen Wirtshausprimadonna ist kein ordinäres, kein bierduseliges; nein...
Seite 186 - verschämt" die Augen niederschlugen bei Stöckel „kugelt" man sich vor Lachen. Dennoch will ich Stöckel nicht gemein nennen und sein Publikum kein sittenloses; beide Teile sind nur, wie bereits gesagt, im höchsten Grade „ungeniert" und über vieles hinaus, was bei halbwegs skrupulösen oder „kritischen" Köpfen Bedenken oder gar Ärgernis erregen würde.
Seite 125 - Der alte, harmlose Spaß, der sich nur des Spaßes wegen gab, ist unter den Massen längst verschwunden; an seine Stelle aber trat nicht etwa der...
Seite 68 - ... Stadt hätte in dem privilegierten Wonnemond bereits das Aussehen einer — (allerdings weitläufigen) Dorfgemeinde, da gleich nach dem Ostermontag, respektive nach der feierlichen Eröffnung des Praters durch die obligate Korsofahrt, die staubbedachte Residenz wohl so ziemlich alles flieht, was auf Ton Anspruch macht und ihr Glanz und Ansehen zu verleihen gewohnt ist. Aber, wie gesagt, die noblen Passionen, die erst am Freudenauer Turf zu vollem Ausdruck kommen, erhalten uns im Gefolge der Jockeys,...
Seite 187 - Leber weg, oder wie er selbst sagt, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist". Und das schätzt sein dankbares Publikum, Ein Abend bei Stöckel ist in mancher Hinsicht amusant. Schon seine Vortragsweise ist originell. Während sein Vater mit dem dünnsten „Tadädl".Stimmchen die harmlosesten Lieder zum Besten gab und wie ein krankes „Zeiserl...
Seite 164 - Lieder in einer sehr netten Ausgabe veröffentlichte. Ohne Scheu kann jeder Gebildete in die Lokalitäten treten , in denen Moser sich produzirt, und selbst Frauenohren dürfen eS wagen, seinen Scherzen zu horchen. So komisch es klingen mag , daß wir oben behaupteten , das Harfenistenwesen übe Einfluß auf die Geschmacksrichtigkeit des Volkes : so gewiß und wahr ist diese Behauptung.
Seite 188 - Mit stöckel hat das Volkssängertum keinen Fortschritt gemacht, weder zum Guten noch zum schlimmen. Er selbst kennt keine Konzessionen an den Zeitgeist, an den Geschmack der Gegenwart — er kennt nur den spaß, freilich in seiner derbsten Weise, aber — man muß es gestehen, es ist wirklicher spaß.
Seite 68 - ... verlästerten) holperigen, oder kotigen Vizinalstraßen ihrer nächsten Umgebung, und zwar von Dornbach über das Krapfenwaldl, an dem Rosenhügel vorbei, bis in die romantische Sagenreiche Brühl eigentlich doch nur den Firmlingen und ihren „Paten", das heißt letztere Ausflugsorte nur der distinguierten, Backhühner verzehrenden ersten und zweiten Wählerklasse des Firmungspublikums an, während der demokratische Wurstelprater und das populäre Schönbrunn vom — nur Salami oder Weinberlkipfel...
Seite 172 - ... halte, ist eine pikante (!) Erscheinung. Fräulein Mannsfeld ist so klug, anspruchslos aufzutreten. Ihre Toilette ist beinahe absichtlich einfach: ein bis an den Hals enggeschlossenes Kleid, ohne viel Aufputz, eine fast .schüchterne' Frisur — kein Schmuck und kein Geschmeide — sie bringt nur sich und ihr Talent.

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