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Reserve - Kavallerie und Artillerie in der Gegend von Walldürn, die nassauische Brigade bei Buchen.

Das Hauptquartier befand sich in Tauberbischofsheim.

Die bayerische Armee hatte sich in den Tagen vom 14. bis 16.
auf dem rechten Main - Ufer zwischen Würzburg, Dettelbach und
Kitzingen zusammengezogen und dislocirte voin 17. an am linken
Ufer in der Richtung auf Marktheidenfeld.
Am 20. standen:

die Division þartmann bei Marktheidenfeld,
Division Stephan bei Remlingen,
Division Prinz Puitpold bei Hettstadt,

der Rest der Armee in und um Würzburg.
Der mit ungewohnter Thätigkeit ausgeführte Marsch am 15.
und 16. Juli hatte das VIII. Korps an der Spiße der preußischen
Armee vorüber geführt, welche allerdings eben damals die entgegens
gesette Richtung, den Main abwärts, einschlug. Ungestört war
sodann das Korps durch den Odenwald marschirt und ohne daß die
bayerische Armee in 6 Tagen mehr als 9 Meilen zurüdlegte, war
am 20. Juli die Verbindung beider Hälften des Bundesheeres an
der Tauber erreicht. Auch der unmittelbaren Vereinigung dort schien
jegt kein Hinderniß mehr in den Weg treten zu können.

Am 21. und 22. Juli blieb die bayerische Armee ziemlich unverändert stehen, das VIII. Rorps aber zog sich ganz nach dem Tauber-Abschnitte heran und nahm folgende Aufstellung:

die badische Division bei Wertheim, Reichholzheim und Nic

lashausen, die württembergische bei Bischofsheim, Werbachhausen und

Grünsfeld, die österreichisch-nassauische bei Gerlachsheim, die Reserve-Artillerie bei Zimmern. Nur die Reserve-Kavallerie verblieb vorwärts zwischen Hard

heim und Hundheim. Schon am 19. hatte in Tauberbischofsheim eine Konferenz zwi

21. u. 22. Juli.

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iden dem Prinzen Sarl und dem Prinzen von Hessen stattgefunden, um die ferneren Operationen zu verabreden.

Von der Ansicht ausgehend, daß die feindliche Armee sich mit dem Besiße des unteren Mains begnügen und eine neue Offensive gegen die vereinte und daher weit überlegene Bundes - Armee nicht unternehmen werde, beschloß man nun selbst zum Angriffe überzugehen.

In Betreff des dabei einzuschlagenden Weges herrschte jedoch verschiedene Meinung. Bayerischer Seits wünschte man ein Vorgehen auf dem linken Main - Ufer, über den Odenwald direkt gegen Frankfurt, wobei die Verbindung mit Mainz ins Auge gefaßt war. Der Chef des Generalstabs des VIII. Korps hingegen brachte den Vormarsch durch den Spessart in Vorschlag, da nicht zu fordern sei, daß dies Korps denselben mühsamen Weg durch den Odenwald, den es eben beendet, jegt wieder zurückmachen solle.

Es ist wohl nicht zu leugnen, daß die richtigere Operation auf dem linken Main-Ufer am besten gesichert wurde, wenn das am 17. Juli um Würzburg versammelte VII. Korps dem VIII. bis zum 20. bis in die Gegend von Miltenberg entgegenrüdte, wozu die Zeit vorhanden war. Aber während des ganzen Feldzuges wurde die Vers einigung nur in der Weise angestrebt, daß die Verbündeten sich an die Bayern heranziehen sollten, ohne daß diese über die linie Wertheim-Eisenach hinausgingen.

Eine Einigung fonnte zunächst nicht herbeigeführt werden, und es fand deshalb am 21. eine nochmalige Besprechung in Würzburg statt, in welcher, um nur irgend etwas zu Stande zu bringen, Prinz Karl in die mißliche Richtung durch die Waldregion des rechten Main-Ufers willigte. Das VII. Korps sollte über. Lohr, das VIII. über Marktheidenfeld gegen Aschaffenburg vorgehen nnd am 24. die Operation beginnen. Nachdem man also schon zwei Tage durch die Verschiedenheit der Ansichten verloren hatte, glaubte man noch zwei fernere zur Vorbereitung nöthig.

Der Gegner fam jedoch auch diesen Kombinationen in unerwarteter Weise zuvor.

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Die immer wachsende Schwierigkeit der Ernährung sehr großer Truppenmassen in Mähren machte es nothwendig, die Hülfsquellen der rückwärtigen Gebiete in Anspruch zu nehmen. Nicht minder war es dringend, die auf 50 Meilen durch feindliches Gebiet ausgedehnte Operations-Linie der Haupt-Armee zu sichern.

Es kam vor allem darauf an, eine geregelte Verwaltung im Königreich Böhmen herzustellen und das von seinen Behörden verlassene Land neu zu organisiren.

Diese wichtige und schwierige Aufgabe wurde in die fefte Hand des Generals v. Faldenstein gelegt.

General v. Manteuffel erhielt das Ober-Rommando der Main-Armee; an seine bisherige Stelle trat General v. Flies.

Allerdings waren die füddeutschen Kontingente, je nachdem sie sich gezeigt hatten, geschlagen worden; aber das füddeutsche Heer ftand völlig fampffähig und jeßt zum ersten Mal versammelt da. Bon dem Territorium der Hauptstaaten waren von Bayern nur geringe i. Stređen, von Württemberg und Baden bis jegt noch kein Theil durch die preußischen Waffen befekt; die Zeit für militairisches Handeln fonnte nur noch auf Tage beschränkt sein und General 1. Manteufs fel, obwohl völlig unerwartet zum Oberbefehl berufen, zögerte dess halb nicht, die Operationen sofort wieder aufzunehmen.

Am 20. Mittags in Frankfurt angelangt, traf er noch an dem- :

selben Tage alle nothwendigen Vorbereitungen. Die preußischen Anlage 34. Truppen erhielten nunmehr die aus der beigefügten Ordre de ba

taille ersichtliche Eintheilung.

Mit der Dkfupation von Nassau, Ober-Hessen und Frankfurt, Eintreibung der dort ausgeschriebenen Kontribution und Beobachtung gegen Mainz wurde Generalv. Roeder beauftragt, welcher für diese Zwecke mit einer Truppen-Abtheilung von etwa 10,000 Mann zurüdblieb. Mit allen übrigen Kräften, in der Stärke von circa 50,000 Mann mit 121 Geschüßen brach Todann General b. Mans teuffel schon am 21. gegen den Feind auf, welcher troß stattgehabter Verluste durch Heranziehung von Verstärkungen immer noch über 80,000 Mann mit 286 Geschüßen entgegenstellen konnte. Vou den

Bayern wußte man, daß sie in der Gegend von Würzburg standen; dem VIII. Korps waren Ravallerie - Patrouillen gefolgt und hatten bessen Rückzug auf Miltenberg gemeldet. General v. Manteuffel beschloß, in eben dieser Richtung vorzugehen. Die moralische Ueberlegenheit, welche eine Reihe von glücklichen Erfolgen jeder Truppe berleiht, rechtfertigt die Wahl einer Operationslinie, welche nicht ohne Gefahr für die eigenen Verbindungen war, aber auch die des Gegners bei weitem am wirksamsten bedrohte.

Während man im bayerischen Hauptquartier noch über eine Offensiv-Bewegung am rechten Main-Ufer Rath pflog, dirigirten sich am linken bereits die Division Goeben über Darmstadt und Dieburg, die Divisionen Flies und Beyer den Main aufwärts vor. Am 22. stand General v. Goeben bei König, General v. Flies bei Laudenbach, General v. Beyer bei Wallstadt.

Legterer sandte von Aschaffenburg aus ein Bataillon und eine Estas dron gegen Heidenfeld vor, um über die Bayern nähere Nachrichten einjuziehen. Dies Detachement, welches später bei Esselbach auf bayes rische Truppen stieß, auch die starke Beseßung von Marktheidenfeld in Erfahrung brachte und bei Miltenberg sich der Division wieder anshloß, lenkte die Aufmerksamkeit der Bayern fortdauernd nach diefer Seite hin.

Die ersten Nachrichten von dem wirklichen Vormarsche der Breußen erhielt Prinz Wilhelm von Baden im Laufe des 22., worauf er noch am Abende kleinere Infanterie - Detachements auf den Hauptstraßen nach Freudenberg und Eichenbühl vorschob und Hundheim durch Infanterie beseßen ließ.

Am 23. Vormittags rückte er sodann nach letterem Orte vor, woselbst die Brigade Paroche eine Gefechtsstellung nahm, während die Brigade Neubronn weiter rüdwärts in und um Steinbach placirt wurde.

Zwei Jäger-Lompagnien und eine Eskadron verblieben bei Wertheim zur Verbindung mit dem bayerischen Armee-Rorps.

Als man Mittags das Vorgehen starker feindlicher Rolonnen über Miltenberg erfuhr, wurden zwei Kompagnien und zwei Geschüge in den

23. Juli.

Wald beim Tiefenthaler-Hof, eine halbe Kompagnie nach Sonderried vors geschickt, und nach 4 Uhr unternahm General v. laroche selbst mit dem 5. Infanterie-Regiment, dem 2. Bataillon des Grenadier-Regiments und einer Batterie eine Rekognoszirung in der Richtung auf Nassig.

Das preußische Heer hatte den Marsch von Frankfurt durch den Odenwald gegen die Tauber, zu welchem das VIII. Bundes- Korps 6 Tage gebrauchte, in 3 Tagen zurückgelegt.

Die Division Flies war für den 23. angewiesen, nach Nassig vorzugehen. Sie sollte in der linken Flange die Straße längs des Mains fichern, in der rechten Hundheim befeßen. Die vorgeschickten Kavallerie- Patrouillen stießen jenseits Miltenberg an mehreren Punkten auf feindliche Vortruppen und bei Burgstadt fam es zu einem fleinen Rencontre, in welchem Lieutenant v. Eisenhardt vom Dragoner - Regiment Nr. 5 tödtlich getroffen fiel. Der Feind zog sich überall schnell zurück und nach mehrstündiger Rast bei Miltenberg segte die Division Flies ihren Marsch fort. Die Avantgarde er: reichte über Freudenfeld ungehindert Mondfeld, während Gros und Reserve sich auf Neukirchen dirigirten. Jenseits dieses Orts wurde in der Richtung auf Hundheim feindliche Kavallerie bemerkt, auch sah man von Sonderried stärkere Truppen - Abtheilungen dorthin marschiren.

Es war dies General v. Laroche, welcher auf seiner Rekognose zirung bis Sonderried gekommen, bei Annäherung der Division Flies aber wieder zurückging.

Gefecht von Fundheim am 23. Juli. Während General v. Flies den Marsch auf Nassig fortsekte, wobei der Feind aus Sonderried vertrieben wurde, erhielt Oberst v. Fabed den Auftrag, mit dem Roburg-Gothaischen Regiment, zwei Geschützen der 3. 12 pfündigen Batterie Feld-Artillerie-Regiments Nr. 6, 1/3 ersten und 1/2 dritten Eskadron des Dragoner-Regiments Nr. 6 gegen Hundheim vorzugehen. In dem Walde, unmittelbar östlich des Tiefenthaler-Hofes, stieß die Spitze der an der Tete marshirenden

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