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aber, da sein Marschziel erreicht war, die Bivouaks zu beziehen. Brigade Rummer blieb bei Wald - Aschaff und schob ihre Vorposten über Weiler gegen Keilberg und Unter- Bessenbach vor; Brigade Wrangel lagerte bei laufach und benutzte einen bei Frohnhofen befindlichen, vortheilhaften Terrain-Abschnitt zur Aufstellung ihrer Vorposten, wozu das Füsilier-Bataillon des Regiments Nr. 15 und eine Husaren-Eskadron bestimmt waren.

Noch mit dem Ausseßen derselben und Einrichten der Bivouaks beschäftigt, bemerkte man das Vorrücken starker feindlicher Kolonnen. Die Truppen hatten heute, bei ungewöhnlicher Hiße, das SpessartGebirge in einem starken Marsch überschritten und waren in hohem Grade ermüdet. General v. Wrangel beschloß daher, den drohenden Angriff stehenden Fußes zu empfangen.

Oberst-lieutenant v. Rer warf sofort die 9. und 10. Kompagnie seines Bataillons in das Terrain nördlich Frohnhofen, besepte mit der 11. Kompagnie diesen Ort und stellte von der 12. Kompagnie einen Zug in den Wald südlich des Eisenbahn-Dammes, den andern als Reserve östlich des Dorfes auf. Gleichzeitig hatte General V. Wrangel von dem Füsilier-Bataillon Regiments Nr. 15 die 10. und 11. Kompagnie nach Frohnhofen, die 9. in das Terrain nördlich, die 12. südlich der Chaussee vorgeschickt und sodann auch das 1. Bataillon Regiments Nr. 15 zur Verstärkung des rechten, das 2. Bataillon dieses Regiments zur Verstärkung des linken Flügels folgen lassen. Aűe diese Truppentheile trafen indeß erst successive bei den ihnen zur Besegung überwiesenen Lokalitäten ein, als der Kampf bereits in vollem Gange war. Dem hessischen Anprat konnte im ersten Moment nur das Feuer schwacher Schüßen - Abtheilungen entgegengesegt werden, die, ohne gemeinsamen Oberbefehl, sich rasch an der Dorf - Lisiere einlogirt hatten, so gut es die Dertlichkeit geftattete.

Þessischer Seits wurde der Angriff durch das Feuer der auf dem Geißen-Berg placirten gezogenen Batterie eröffnet; sodann rüdte das 1. Infanterie-Regiment, in drei Kolonnen formirt, dichte Schütenschwärme voraus, gegen Frohnhofen vor. Es marschirten auf und unmittelbar neben der Chaussee das 1. Bataillon, auf dem EisenbahnDamm eine Kompagnie und nördlich der Chaussee drei Rompagnien des 2. Bataillons. Inzwischen gingen auch vier Geschüße der Batterie in eine nähere Position unmittelbar nördlich Eisenhammer vor.

Die Hessen avancirten mit klingendem Spiel und troß des verheerenden Schnellfeuers der Zündnadelgewehre Anfangs in vorzüglicher Ordnung und mit großer Bravour. So gelangten sie auf etwa 150 Schritte an die preußische Aufstellung heran, in dieser Nähe aber stugten die Angriffs - Rolonnen, machten dann Rehrt und gingen bis nach Weiberhöfe zurüd.

Ungefähr denselben Verlauf nahm ein zweiter Angriff derselben Truppen, bei welchem aber einzelne Abtheilungen sogar bis dicht an resp. bis in die Lisiere des Dorfes gelangten, ohne sich darin länger als einen Augenblick behaupten zu fönnen.

Mittlerweile war General v. Stockhausen mit der 2. heslischen Brigade auf dem Gefechtsfelde eingetroffen und führte dieselbe etwa Abends um 7 Uhr zu erneutem Angriff vor, während das 2. Infanterie-Regiment in Aufnahme-Stellung bei Eisenhammer und Weiberhöfe verblieb und dahinter das abgeschlagene 1. Regiment sich wieder formirte.

Gleichzeitig hatte aber auch General v. Wrangel das 1. und 2. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 55 nebst der 3. 12pfün. digen Batterie zur Unterstützung der im Gefecht befindlichen Truppen bis nach Wendelstein herangezogen. In Reserve östlich des Bahnhofes verblieb jetzt nur das Füsilier-Bataillon Lippe mit der 3. 4pfüns digen Batterie.

Die 2. hessische Brigade marschirte in zwei Echelons gegen die Aufstellung bei Frohnhofen vor, auf der Chaussee das 3., nördlich derselben etwas zurüd das 4. Regiment.

Auf 300 Schritt Entfernung, also bereits im wirksamen Gewehrfeuer der preußischen Stellung, wurden compagnie-Kolonnen formirt und Schüßentrupps in die ganz kleinen Intervallen genommen, dann stürzte sich alles im Laufschritt mit lautem þurrah auf die DorfLisiere. Die Mehrzahl der Angreifer wurde auch diesmal durch das

für die nächsten Entfernungen aufgesparte Schnellfeuer des Bertheidigers zur Umkehr genöthigt, einem Theil aber gelang es dennoch, die vordersten Gehöfte zu erreichen und sich dort im stehenden Gefecht eine Zeit lang zu behaupten. Besonders erbittert und blutig war hierbei der Kampf um eine von Füsilieren des Regiments Nr. 15 unter Lieutenant Soffmann besepte Regelbahn, in welchem u. A. der als MilitairSáriftsteller rühmlich bekannte großherzoglich hessische Hauptmann Königer den Tod fand. Inzwischen griffen die bei Wendelstein als Soutien placirten preußischen Abtheilungen in den Kampf ein. Fünf Rompagnien nebst der 12 pfündigen Batterie gingen nördlich, 1 Kompagnie südlich der Chaussee vor. Durch einen Bayonnet-Angriff wurden jegt auch die in das Dorf eingedrungenen Hessen hinaus. geworfen. Auf dem äußersten rechten Flügel gelang es einzelnen Infanterie-Abtheilungen, sich der feindlichen Batterie zu nähern und sie durch ihr Feuer zum Abfahren zu nöthigen. Die preußische 12 pfündige Batterie trat sodann auf dieser Seite in Thätigkeit. Unterstügt durch ihr Feuer inachte Oberst v. d. Golg mit den Truppen des rechten Flügels und 1 Eskadron Husaren einen energischen Offensivftoß, welcher den Rüdzug des Feindes bis über Eisenhammer und Weiberhöfe hinaus vollends entschied.

Die im Dorfe und südlich desselben fechtenden Truppen brachen zur Verfolgung vor und die Hessen zogen nun, unter Zurüdlassung fast des sämmtlichen, vor Beginn des Gefechts abgelegten Gepäcs eiligst bis nach Aschaffenburg ab.

Die einbrechende Nacht machte eine Verfolgung über den Abschnitt von Eisenhammer hinaus unthunlich; die Vorposten wurden von Neuem ausgeseßt und die ursprünglich beabsichtigten Bivouaks bei laufach . wieder bezogen.

Die Preußen hatten sich, mit Ausnahme des legten Gefechtsmoments, in gedecter Defensiv-Stellung geschlagen. Sie erlitten nur sehr geringe Verluste. Die der Hessen, welche wiederholt über ganz fretes Feld im wirksamen Kreuzfeuer hatten avanciren müssen, waren unverhältnißmäßig groß. Die Leistungsfähigkeit des Zündnadelgewehrs im Defensivgefechte hatte sich auf das Unzweifelhafteste bewährt.

Es betrugen die Berluste:

Preußen.

Hessen.

Offiz. Mann Offiz. Mann

.

Todt.

5 6 73 Berwundet

1 57 24 360 Vermißt.

3 2 312

Summe: | 1 65 | 32 745 Von den hessischen Verwundeten waren die meisten in preußischen Händen geblieben.

Noch am selben Nachinittag hatte der Prinz von Hessen eine erste Meldung von dem Zusammenstoß mit dem Feinde bei Laufach erhalten. Sie ließ keinen Zweifel über den Anmarsch stärkerer Streits kräfte gegen Aschaffenburg. Man mußte vor Allem darauf bedacht sein, diesen wichtigen Posten zu verstärken, und schon um 4 Uhr Nachmittags gingen die ersten Bataillone der österreichischen Brigade Þahn per Eisenbahn von Franffurt nach Aschaffenburg ab. Die bei Gelnhausen stehende württembergische Brigade erhielt Befehl, am 14. früh direkt eben dorthin zu marschiren. Auch die badische Division wurde nach Frankfurt beordert, um nebst einigen Batterien babes rischer Artillerie am nächsten Morgen per Bahn nach Aschaffenburg befördert zu werden.

Das Gefecht bei Aschaffenburg den 14. Juli.

Anlage 33.

14. Juli.

Noch am Abend des 13. hatten die zuerst angelangten Abtheilungen der Brigade Hahn das Jäger-Bataillon und ein Bataillon Reischach die heffischen Vorposten bei Goldbach abgelöst.

Um 5 Uhr früh am 14. war der Rest der österreichischen Brigade bei Aschaffenburg eingetroffen und sie nahm ihre Gefechtsstellung eine Viertelmeile östlich der Stadt à cheval der Eisenbahn und der Chaussee.

Im ersten Treffen war auf dem rechten Flügel die Fasanerie durch ein Bataillon Wernhardt beseßt, an welches sich später das von Vorposten zurüdkehrende Bataillon Reischach anschloß; im Centrum stand das Bataillon Nobili und das 35. Jäger-Bataillon, auf dem linken Flügel das Bataillon Heß; zwischen diesem und dem JägerBataillon die gezogene hessische Batterie, gedeďt durch die Homburgische Schüßen-Kompagnie und 2 großherzoglich hessische Eskadrons.

In das zweite Treffen stellte F.-M.-L. Graf Neipperg auf den rechten Flügel ein Bataillon Wernhardt, welches später gleichs faus in die Fasanerie einrückte; in das Centrum und auf den linken Flügel das 1. hessische Infanterie-Regiment, von welchem Abtheiluns gen die Pfaffen-, die Haselmühle und das Dorf Damm besetten.

Von der kurz nach Beginn des Gefechts eingetroffenen österreichischen Artillerie nahın die 4 pfündige Batterie erst am Bahnhof, dann neben der hessischen Batterie Stellung, von wo aus das ganze Vorterrain unter das wirksamste Feuer zu nehmen war. In ihrer Nähe hinter dem zweiten Treffen standen auch die der Division Neipperg beigegebenen 2 Eskadrons furhessische Husaren.

Das 3. Bataillon Wernhardt war an der Main-Brücke in Aschaffenburg zurücgeblieben, bei ihm die österreichische 8pfündige Batterie; der Bahnhof war durch das hessische Scharfschüßen-Bataillon befeßt. Die übrigen Truppen der hessischen Division marschirten, während sich das Gefecht entspann, ohne Rüdsicht auf dasselbe, nach Stodstadt ab und gingen über die dortige Eisenbahn-Brücke auf das linke Main-Ufer zurüc.

General d. Goeben konzentrirte am Morgen des 14. seine Division zum weiteren Vormarsch auf Aschaffenburg. Die Truppen standen früh 7 Uhr folgendermaßen:

Brigade Kummer bei Weiberhöfe, Brigade Wrangel bei Eisenhammer, dicht hinter letterer die Kavallerie-Brigade Tresdow.

General v. Nummer sollte längs der Eisenbahn, General 5. Wrangel längs der Chaussee vorgehen. Der Aufbruch erfolgte gegen 8 Uhr. – Von der Brigade Rummer marschirte das 1. Bataillon Regiments Nr. 13 auf dem Eisenbahn-Damm, das Füsiliers

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