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Gegen 4 Uhr Nachmittags sah sich der Feind genöthigt, auch Nüdlingen zu räumen. Das Gefecht erreichte hiermit sein Ende. Das Kürassier-Regiment Nr. 4, welches nebst der reitenden Batterie Metting aus der Reserve vorgezogen worden und auf dem äußersten linken Flügel in dem freien Terrain nordwestlich des Sinnberges aufmarschirt war, kam nicht inehr zur Aktion.

General v. Goeben ertheilte dem General v. Wrangel, welchem jegt das Infanterie-Regiment Nr. 19 zugewiesen wurde, Befehl, die Vorposten gegen Nüdlingen auszuseßen.

General-Lieutenant v. Zoller, welcher auf bayerischer Seite das Gefecht leitete, hatte zu Anfang desselben in und bei Kissingen nur über die 5. Brigade – Ribeaupierre — wenig Kavallerie, zwei gezogene und eine 12 pfündige Batterie verfügt. — Im Laufe des Tages trafen nach und nach noch 6 Bataillone der Divisiou Feder und 2 Batterien von Münerstadt her, als Verstärkung ein.

General-Lieutenant v. Zoller selbst war beim Zurücgehen auf Nüdlingen durch eine Granate getroffen worden.

c. Abendgefecht bei Winkels. Die Truppen hatten soeben angefangen, sich in ihren Bivouats einzurichten und das 2. Bataillon des Infanterie - Regiments Nr. 55 war im Begriff, die Vorposten an Stelle des Infanterie-Regiments Nr. 19 zu übernehmen, als etwa um 61/2 Uhr Abends General v. Wrangel Meldung erhielt, daß zahlreiche bayerische Truppen von Nüdlingen her im Anmarsch begriffen seien. Es war die soeben von Neustadt her eintreffende 1. Division (Stephan), welche durch einen Offensivstoß das verlorene Terrain und Kissingen selbst wieder zu nehmen versuchen wollte.

General v. Wrangel schicte pogleich das Füsilier-Bataillon (v. Rer) Infanterie-Regiments Nr. 55, eine 12 pfündige Batterie und eine Eskadron des Husaren-Regiments Nr. 8, die regteren beiden im Trabe, zur Unterstüßung des Regiments Nr. 19 vor und eilte selbst zu den Vorposten voraus.

Bereits war es der Division Stephan gelungen, unter geschid

ter Benußung des Terrains fich rasch zum Angriff zu entwickeln. Der etwas erponirt aufgestellte linke Flügel der preußischen Vorposten wurde überraschend und umfassend angegriffen und zurückgedrängt.

Bevor man von preußischer Seite Maßregeln zur Begegnung dieses unerwarteten Angriffs hatte treffen können, war es dem hier weit überlegenen Gegner gelungen, die vordersten Ruppen des Sinnberges zu ersteigen. Zwei Batterien wurden dort alsbald in Thätigkeit gesegt und die in der Tiefe aufgestellten, dichten Kolonnen des Regiments Nr. 19 unter ein sehr wirksames Feuer genommen, während das Gros der Division im raschen Vorrüden blieb.

Bei so ungünstiger Lage zogen sich die zunächst stehenden preußischen Abtheilungen zurück, wobei sie durch das auf nahe Distance abgegebene heftige Feuer des Feindes nicht unbeträchtliche Verluste erlitten. Auch die 12 pfünder Batterie, welche einen Augenblic versucht hatte, das rasche Vordringen der feindlichen Kolonnen aufzuhalten, gerieth in das Infanteriefeuer und mußte abfahren.

Indeß war eben jeßt das Bataillon Rer unweit des Bunktes eingetroffen, wo die Chaussee in scharfer Biegung den Sattel zwischen Sinn- und Schlegelsberg überschreitet, befekte sofort ein südlich der Chaussee parallel mit derselben laufendes Ravin, und ging von dort aus zum Angriff vor.

Sein auf nächste Distanz abgegebenes Schnellfeuer brachte die vorrückenden feindlichen Kolonnen eine Zeit lang zum Stehen, und sicherte den Abzug der 12 pfündigen Batterie.

Auf den unmittelbar nordöstlich Winkels gelegenen Höhen ließ nun General v. Wrangel die noch zu seiner Disposition stehenden beiden Bataillone der Reserve, 1. Bataillon Regiments Nr. 55 und Füsilier - Bataillon Lippe, Stellung nehmen. Auf dem rechten Flügel fuhr die 4 pfündige Batterie Coester, auf dem linken die nunmehr hierher gezogene 12 pfündige Batterie Eynatten auf. In dieser Aufnahme-Stellung sollten vorerst die zurückgedrängten Truppen gejammelt werden.

Gleich bei Wiederbeginn des Gefechts waren die 6. und 7. Rompagnie des Regiments Nr. 55 in das füdlich der Chaussee gelegene Waldterrain dirigirt worden. Theile des Regiments Nr. 19 hatten sich ihnen angeschlossen, wurden aber in der rechten Flanke umfaßt, und allmählig zurüdgedrängt, so daß nunmehr das Füsilier-Bataillon Rer, welches sich troß großer Verluste in seiner exponirten Stellung bisher noch behauptet hatte, in Front, rechter Flanke und Rüden Feuer erhielt.

Oberst Stolk, Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 55, führte augenblicklich den Befehl an Stelle des Brigade-Kommandeurs, da dieser mit seinem erschossenen Pferde überschlagen und betäubt war. Er ordnete an, daß jeßt auch das Bataillon Rer kompagnieweise allmählig aus seiner weit vorgeschobenen und ganz isolirten Stellung zurüdgehe. Dieser Abzug wurde mit vieler Ruhe und ohne allzu großen Verlust bewerkstelligt. Ueberhaupt gelang es nach und nach unter Benußung der sich im Terrain darbietenden Deckungen und mit Hülfe des mittlerweile eröffneten Feuers der beiden Batterien dem weiteren Vorrücken der bayerischen Kolonnen Einhalt zu gebieten.

Die Brigade war jest vollständig versammelt und formirt. Ges neral v. Wrangel hatte das Kommando bereits wieder übernommen und beschloß nunmehr selbst zur Offensive überzugehen.

In das bewaldete Bergterrain, südlich der Chaussee, wurden das 2. Bataillon Regiments Nr. 55 und zwei Rompagnien des Füsilier: Bataillons lippe, in die Berge nördlich derselben die anderen zwei Kompagnien und ein Bataillon Regiments Nr. 19, vorgeschidt. Sobald diese Flanken-Abtheilungen ihre Stellungen eingenommen hatten, gab der General durch Signal den Befehl zum Avanciren auf allen Punkten der Gefechtslinie.

Mit schlagenden Tambours traten sämmtliche Truppen gleichzeitig an. Troß des heftigen feindlichen Feiers und großer Verluste wurden sowohl der Schlegels- wie der Sinn-Berg erstürmt und die dort verlorene Position aufs Neue wieder befekt. - Major Rohdewald, Kommandeur des Füsilier-Bataillons Lippe, fiel bei diesem Angriff an der Spiße seiner Mannschaft, von mehreren Kugeln gleichzeitig ges troffen. Nach heftiger Gegenwehr sah sich der Feind genöthigt auf Nüdlingen zurüczugehen.

Die einbrechende Dunkelheit und die große Ermüdung der Truppen, welche bei schwüler Hitze im beschwerlichen Gebirgsterrain seit dem frühen Morgen ununterbrochen marschirt waren und gefochten hatten, machten der weiteren Verfolgung ein Ende.

General v. Wrangel stellte jekt selbst die Vorposten auf den zurüderoberten Höhen gegen Nüdlingen aus. In der Nacht wurden fie durch ein zu diesein Behufe aus Kissingen vorbeordertes Bataillon des Füsilier-Regiments Nr. 36 (vom Korps Manteuffel) abgelöst. Das Gros der Division Goeben stand in und dicht bei Kissingen.

3. Gefechte bei Friedrichshall und Hausen.

Oberst v. d. Golt hatte, wie bereits erwähnt, bei Schlimphof Anlage 31. den Befehl erhalten, mit zwei Bataillonen des Regiments Nr. 15 über Claushof gegen Kissingen vorzugehen. Gegen 10'/4 Uhr, beim eraustreten aus dem Walde, gegenüber Friedrichshall, erhielt seine Tete Feuer.

Der Feind hatte die beiden Salinen besett, von denen aus er das ganze freie Terrain auf dem rechten Ufer der Saale bis zur Wald-Lisiere unter starkem Feuer hielt, außerdem zeigte sich auf den Bergen hinter Friedrichshat eine Batterie von vier Geschüßen nebst Infanterie und Kavallerie, deren Stärke auf mindestens 2 Bataillone und 2 Eskadrons geschäßt wurde.

Der Oberst zog das Füsilier-Bataillon in Rompagnie-Kolonnen auseinander; die 9. und 12. Kompagnie besetzten die Lisiere des bewaldeten rechten Thalrandes der Saale und engagirten ein Feuergefecht; die 11. Kompagnie wurde in die rechte Flanke zur Deckung gegen Kissingen, die 10. Kompagnie in die linke zur Sicherung gegen das vom Feinde befekte Bausen dirigirt. Beide Kompagnien beschossen die Flügel der feindlichen Aufstellung bei Friedrichshatl. Als Soutien für die 10. Rompagnie wurde die 8. aufgestellt; die 5., 6. und 7. blieben in Reserve.

Das Feuergefecht dauerte nun von beiden Seiten in lebhafter Weise etwa bis 11/2 uhr fort, wo der General v. Manteuffel

mit einer Eskadron des Dragoner-Regiments Nr. 6 und der 4. 4pfündigen Batterie auf dem Kampfplaß erschien. Derselbe hatte nämlich während des Marsches Meldung erhalten, daß Oberst v. d. Goit mit nur zwei Bataillonen gegen überlegene Kräfte im Gefecht stehe. Er beschleunigte deshalb das Vorrücken seines Korps und eilte selbst mit den oben genannten Abtheilungen im Trabe nach Claushof voraus. Das Terrain gestattete mur die Aufstellung von einem Geschüß an der Chaussee, welches einige Schüsse auf die feindliche Kavallerie abgab, worauf diese zwar sofort zurüdging, das Gefecht im übrigen aber unverändert blieb. Die Ankunft von Infanterie - Verstärkung mußte abgewartet werden.

Um 13/4 Uhr traf General v. Freyhold mit dem InfanterieRegiment Nr. 59, einer Eskadron 6. Dragoner-Regiments und einer 6pfündigen Batterie bei Claushof ein, und erhielt vom General v. Manteuffel Befehl, gegen Hausen vorzugehen, wo das Terrain einem Angriff günstiger war.

Vier Geschüße der 4pfündigen Batterie wurden ihm ebenfalls überwiesen, während zwei beim Oberst v. 0. Golt verblieben. Die beiden Batterien eröffneten ihr Feuer zunächst gegen feindliche Kolonnen, die von Hausen, anscheinend nadh Friedrichshall, im Marsch begriffen waren, dann auf die feindliche Artillerie, welche, zwölf Geschüße stark, das Feuer erwiderte. Nach Verlauf einiger Zeit ließ General v. Freyhold die Infanterie zum Angriff vorgehen. Der Feind hielt diesem Angriff nicht Stand, stellte das Feuer ein und trat den Rüdziig an. General v. Freyhold besegte Þausen und stellte seine Vorposten im Anschluß an die Division Goeben aus.

Ziemlich gleichzeitig mit der Besegung von Hausen war auch Oberst v. d. Golt zur Offensive geschritten. Er ließ die 5. Nompagnie noch in die Feuerlinie einrücken und führte die 6. und 7. geschlossen gegen den Uebergang von Friedrichshall vor. Die Geschüße richteten ihr Feuer gegen die Salinen und die 12. Kompagnie ging längs der Saale gegen diefelben vor. Die Tirailleurs hingen sich den vorrüfenden Kolonnen an, der Gegner räumte Friedrichshall und

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