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räumte den brennenden Ort und seine fämmtlichen Truppen wichen nach verschiedenen Richtungen zurück.

Die Pertheidigung der Position bei Hammelburg war bayerischer Seits, wie wir wissen, nur durch eine Brigade (die 6.) und 11 Geschüße, also durch verhältnißmäßig geringe Kräfte, geführt worden.

Gleich Anfangs war, wie schon gesagt, das 1. Jäger-Bataillon zurüdgegangen ohne wieder zur Verwendung zu gelangen.

Die übrigen Abtheilungen hatten sehr verzettelt gestanden, ein Bataillon in und bei Hammelburg, ein drittes auf dem Herolds- und Offenthaler-Berge, dahinter als Soutien ein viertes, noch weiter östlich in der Richtung nach Westheim das fünfte. Die Reserve - Ravallerie konnte des Terrains halber gar nicht in Wirksamkeit treten.

Es war 3 Uhr Nachmittags geworden, als Hammelburg von den Truppen der Division Beyer besetzt wurde. General v. Fal: denstein hatte kurz zuvor Meldung über das Engagement der Divifion Goeben erhalten. Er befaht dem General v. Beyer, mit seiner Division konzentrirt bei Hammelburg stehen zu bleiben, und begab sich für seine Person nach Kissingen, wo er gegen Abend eintraf.

General Beyer ließ durch Patrouillen den Rüdzug des Gegners beobachten und bezog mit seiner Division enge Kantonnements resp. Bivouaks in und unmittelbar um Hammelburg, dessen Brand erst gegen Abend durch preußische Truppen gelöscht werden konnte, da fich fast die ganze Bewohnerschaft entfernt hatte.

Die Verluste betrugen hier:

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Anlage 31.

2. Gefechte bei Kissingen.

a) Einnahme von Kissingen. Auf dem Marsche von Waldfenster nach Kissingen erhielt General v. Goeben bei Schlimphof die Meldung, daß Kissingen stark vom Feinde besett sei. Sogleich dirigirte er die an der Tete marschirende Brigade Kummer rechts über Albertshausen auf Garis. Dieser folgte unmittelbar als Gros die Brigade Wrangel und ihr die Res serve unter Generalmajor v. Tresdow. Außerdem detachirte General v. Goeben aus dem Gros das 2. und Füsilier-Bataillon InfanterieRegiments Nr. 15 unter Kommando des Obersten v. d. Golt links über Poppenroth und Claushof auf Kissingen. Dieses Flanken - Detachement focht, wie wir später sehen werden, bei Friedrichshall.

Gegen 10 Uhr Vormittags erreichte die Tete der AvantgardenBrigade Rummer Gariß, welcher Ort nur von schwachen feindlichen Streitfräften besett war, die, ohne Widerstand zu leisten, schleunigst auf Kissingen zurücgingen, während zwei gezogene, nordöstlich der Stadt placirte bayerische Batterien ihr Feuer eröffneten. General v. Rummer ließ die seinigen auf der Anhöhe nördlich von Garis zwischen dem Claus - Walde und dem Marbachs - Graben Stellung nehmen und das Feuer erwidern. Unter dem Schuße dieser Artillerie marschirte die Infanterie auf; im ersten Treffen das Infanterie-Regiment Nr. 53, im zweiten das 2. und Füsilier - Bataillon des Regiinents Nr. 13. Das 1. Bataillon lektgenannten Regiments war bereits von Albertshausen zur Deckung der rechten Flanfe und zum eventuellen Aufsuchen der Verbindung mit der Division Beyer nach Aura detachirt worden und nahm so an den Gefechten des heutigen Tages keinen Antheil. Die Brigade machte eine Viertelschwenkung links gegen Kissingen und avancirte gegen die westliche Lisiere der auf dem rechten Saale- Ufer gelegenen Vorstadt, in deren Besit sich das Füsilier-Bataillon des Regiments Nr. 53 im ersten Anlauf seşte, gefolgt von seinen beiden Musketier-Bataillonen. Der Feind zog sich fechtend und lebhaft gedrängt auf das linke Ufer zurüd.

Von den drei unmittelbar bei Kissingen vorhandenen Saale

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Uebergängen war der mittlere, eine massive Chaussee-Brüde, stark verbarrikadirt und außerdem durch zwei dahinter aufgestellte Geschüße bertheidigt; die oberhalb gelegene hölzerne Jochbrücke war fast ganz zerstört; von der unterhalb in den Kurgarten führenden eisernen Laufbrücke hatte man den hölzernen Belag entfernt. Da die Saale nicht zu durchfurthen ist, war es fürs Erste nicht möglich, dem Feinde hier weiter zu folgen, und es entspann sich ein stehendes Feuergefecht zwischen den auf beiden Ufern gedeckt aufgestellten Schüßen.

Unterdeß war die Tete des Gros bei Garig angelangt. General b. Goeben dirigirte dasselbe auf den rechten Flügel der Brigade Rummer, mit dem Befehl, sich in Besit der Altenburg zu seßen und von dort aus, wenn möglich, den Feind rechts zu umfassen.

Auf dieser Höhe hatten sich bereits Schüßen - Abtheilungen des Regiments Nr. 53 eingenistet. Gedeckt durch sie, sowie durch das die Tete der Brigade Wrangel bildende erste Bataillon Infanterie Regiments Nr. 15, nahm die 4pfündige Batterie Coefter eine vortheilhafte Aufstellung auf dem nordwestlichen Abhange und griff von dort lebhaft in das Gefecht ein. Die 2. Kompagnie des zulegt genannten Regiments hatte inzwischen den Berg vollständig von feindlichen Shüßen gesäubert und ging nun gegen die oberhalb der Lindenmühle gelegene, aber ebenfalls zerstörte Saal-Brücke vor. Unter lebhaftem feindlichen Gewehrfener wurde dieser Uebergang nothdürftig so weit wieder hergestellt, daß derselbe zu Einem passirt werden konnte. Hauptmann v. 8. Bussche überschritt ihn zuerst an der Spiße seiner Kompagnie; ihr folgten die anderen Kompagnien, welche sich nunmehr in zwei Halb-Bataillonen an der Schweinfurter Chaussee und in dem Gehölz auf dem Nordabhange der Bodenlaube formirten und unter dem Schuße dichter Tirailleurschwärme zum Angriff gegen den jüdlichen Ausgang von Kissingen vorrückten. Ein Zug des Bataillons war auf der Bodenlaube zurücgeblieben und vertrieb von dort aus durch einige Schüsse eine feindliche Infanterie - Abtheilung, welche sich von Reiterswiesen her dem Berge zu nähern versuchte.

Dem 1. Bataillon des Regiments Nr. 15 waren über die ausgebesserte Brücke zuerst die 1. und 2. Kompagnie des FüsilierBataillons Lippe und dann das 1. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 55 gefolgt. Sie schlossen sich dem Angriff an und bald war die Lisiere des Ortes genommen. Es entspann sich jetzt ein lebhaftes Straßengefecht, in welchem nur Schritt vor Schritt Boden gewonnen werden konnte.

Die anderen 2/2 Bataillone der Brigade Wrangel verblieben vorläufig jenseits des Flusses am rechten Flügel der Brigade Rummer, der Chausseebrücke gegenüber aufgestellt.

Inzwischen hatte das konzentrirte Feuer der drei in Thätigkeit gelegten preußischen Batterien die feindliche Artillerie genöthigt, weiter rückwärts Position zu nehmen.

Das Eindringen des rechten Flügels in den südlichen Theil der Stadt wirkte auch auf das Frontgefecht im Centrum zurück, und es gelang jegt der 3. Kompagnie des Füsilier - Bataillons Lippe, sowie Mannschaften anderer Truppentheile, über die Reste des eisernen Steges in den Kurgarten einzudringen. Das Füsilier-Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 53 überstieg die Barrikade auf der Chausseebrücke und die übrigen Truppen beider Brigaden folgten rasch über die Saale nach. Das stetige Fortschreiten des, Front und linke Flanke umfassenden Angriffs drängte die bayerische Besaßung von Kissingen, trok hartnäckiger Gegenwehr, schließlich ganz aus dem Orte hinaus. Besonders heftig war dabei noch zuletzt der Kampf um den am östlichen Ausgange der Stadt hochgelegenen Kirchhof.

Nach namhaftem Verlust an Todten und Verwundeten, besonders aber an Gefangenen, deren während des Straßenkampfes mehrere. Hundert den Preußen in die Hände fielen, zogen sich die Bayern, unter dem lebhaften Feuer der auf dem rechten Saale-Ufer noch in Position befindlichen drei preußischen Batterien, nach den Höhen von Winkels zurück. Ihre Batterien richteten jeßt das Feuer ausschließlich auf die vom Gegner besegte Stadt.

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b. Dordringen gegen Nüdlingen. General v. Goeben hatte aus der Reserve das InfanterieRegiment Nr. 19 vorgezogen und es durch Kissingen zum General 1. Kummer dirigirt. Während das Regiment Nr. 53 und das Füsilier-Bataillon des Regiments Nr. 13 sich in und östlich der Stadt sammelten, dessen 2. Bataillon am südlichen Ausgange, Front gegen Süden, Stellung nahm, ging General v. Rummer mit der ihm zu Theil gewordenen Verstärkung gegen die Höhen von Winkels vor. Dieser Angriff des Regiments Nr. 19 wurde unterstüßt durch das gleichzeitige Avanciren der Brigade Wrangel über die WinterLeite gegen Nüdlingen. Er gelang vollständig. Der Feind wurde

. aus seiner festen Position geworfen und von Höhe zu Höhe bis in Nüdlingen hinein getrieben.

Beim Vorgehen der Brigade Wrangel gegen die Höhen von Winkels hatte der Schüßenzug der 4. Kompagnie des InfanterieRegiments Nr. 55, Lieutenant v. Þapen, eine feindliche Batterie lebhaft beschossen; es gingen dann etwa zwanzig Mann desselben vor, um die Geschüße zu nehmen. Die Batterie stellte ihr Feuer ein uud fuhr ab, gleichzeitig aber attacirte, aus einer Terrainfalte vor, brechend, eine feindliche Schwadron. Nach äußerster Gegenwehr ward der verwundete Lieutenant v. Þapen nebst etwa fechs Mann gefangen fortgeführt.

Bei der Verfolgung des Feindes gegen Nüdlingen befanden sich auf dem rechten Flügel die 1. und 4. Kompagnie des Infanterie - Regiments Nr. 15, unter Hauptmann v. Amelungen, zunächst am Feinde. Auf dem Berge unmittelbar südlich des Ortes war ein bayerisches Geschüt (glatter 12pfünder) eben im Abfahren begriffen. Demselben wurden mehrere Pferde getödtet, es proßte wieder ab, wurde aber, bevor es zum Schuß gelangte, von den Leuten der 1. Kompagnie, voran Hauptmann v. Amelungen, erreicht. Eine geschlossene bayerische Infanterie - Rolonne versuchte zwar das Geschüß zu retten und avancirte tambour battant auf etwa vierzig Sáhritt heran, wurde jedoch durch ein wohlgezieltes Schnellfeuer zurüdgewiesen.

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