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9. Juli.

würden und man glaubte sich daher bis zum 10. Zeit lassen zu fönnen.

Am 8. erreichte das Gros der Armee Neustadt, die Avantgarde Münnerstadt. Zur Beobachtung der feindlichen Anmarschlinie war Bischofsheim durch das von Hilder aus dorthin zurückgezogene SeitenDetachement befeķt; ferner wurde die 1. leichte Kavallerie-Brigade nebst etwas Infanterie nach Boppenroth vorgeschoben und die bei Hammelburg stehende Reserve - Ravallerie detachirte vorwärts gegen Brüdenait.

Auf preußischer Seite marscherte die Division Goeben auf der Straße nach Brückenau bis Dölbach, die Division Beyer auf der Straße nach Frankfurt bis Schlüchtern vor, General v. Manteuffel rückte bis Fulda nach.

General v. Beyer hatte selbst die Nachhut des VIII. Korps nicht mehr getroffen.

Es war überhaupt nicht die Absicht, dem Prinzen von Hessen weiter zu folgen, vielmehr hatte General v. Falckenstein beschlossen, seine ganze Macht gegen die Bayern zu wenden. Das Vorschieben des General v. Beyer auf der Frankfurter Straße hatte den dop: pelten Vortheil gehabt, diese Absicht zu verbergen und der Division eine gesonderte Straße für ihr Vorrücken zu verschaffen. Sie wurde von Schlüchtern direkt nach Bad Brückenau, das Korps des General v. Manteuffel nach Stadt Brückenau herangezogen. Die Division v. Goeben ging, über diesen Ort hinaus, bis Geroda vor.

Bestimmte Nachrichten ließen größere Truppen - Ansammlingen bei Hammelburg und Kissingen vermuthen. Auf den nach beiden Orten führenden Straßen waren die preußischen Batrouillen mehrfach auf feindliche Kavallerie gestoßen und die Spigen der Division Goes ben wechselten bei Platz und Waldfenster Schüsse mit den Vortruppen des Gegners, welche sich indeß bei Annäherung stärkerer Kräfte gegen Missingen zurückzogen.

Bayerischer Seits befekte am 9. die Division Zoller Kissingen und Hammelburg mit je einer Brigade. Die Division Feder und die Reserve - Artillerie gelangten nach Münnerstadt; die Division þartmann stand südlich davon; das Hauptquartier und die Division Stephan verblieben in Neustadt.

Die Bayern standen sonach von dort bis Hammelburg in der Ausdehnung von fünf Meilen, während das preußische Heer zwei Tage früher, als erwartet, auf zwei Meilen vor ihrer Front in engster Konzentration erschien.

Wahrscheinlich veranlaßte der Marsch des General v. Beyer die Ansicht, daß ein Theil der feindlichen Armee sich gegen das VIII. Korps gewandt habe. Man bezweifelte, daß der Gegner wagen werde, zwischen beiden Korps hindurch, das Rhöngebirge zu überschreiten und hielt dafür, daß, wie bei Dermbach, so auch hier, gegen die Saale nur etwa ein kurzer Vorstoß beabsichtigt sei. Einem solchen wollte man schon an diesem Fluß begegnen.

Noch am Abend des 9. erhielt daher General v. Boller Befehl, im Falle eines Angriffs Kissingen zu halten, im Laufe des 10. solle er durch Truppen der Division Feder verstärkt werden. Ferner wurden die Division þartmann und vier 12pfündige Batterien der Reserve - Artillerie nach Boppenhausen in Marsch gesett, um auch einem, etwa bei Euerdorf versuchten Uebergang rechtzeitig begegnen zu können.

10. Juli.

Die Gefechte an der Fränkischen Saase den 10. Juli.

Nach der vom General v. Faldenstein ausgegebenen Disposition marschirte am 10. die Division Beyer gegen Þammelburg, die Division Goeben nach Kissingen. Das Korps Manteuffel, welches Anfangs nach Waldaschach dirigirt war, erhielt den abändernden Befehl, der Division Goeben zu folgen.

Es entspannen sich dadurch im Laufe des Tages an fünf verschiedenen Punkten der Saale, bei Hammelburg, Kissingen, Friedrichsball, þausen und Waldaschach Gefechte, welche sämmtlich damit, endeten, daß der Uebergang forcirt wurde.

Das Gefecht bei Hammelburg blieb isolirt geführt, während die anderen Gefechte mehr oder weniger in Verbindung stehen.

Anlage 30.

1. Gefedt bei Hammelburg. Auf dem Vormarsche der Division Beyer stieß etwa um 10 Uhr die Spige der Avantgarde bei Neu- Wirthshaus auf feindliche Ravallerie - Patrouillen. Beim weiteren Vormarsch wurde gegen 11 Uhr dem Kommandeur, General v. Schachtmeyer, auf der Höhe nördlich Unter- Erthal gemeldet, daß südlich dieses Ortes eine starke feindliche Kolonne Infanterie und Kavallerie, ohne die mindesten Sicherungsmaßregeln, bemerkt werde.

Es wurde sogleich die Avantgarden- Batterie (4pfünder Batterie Schmidts) nach dem Abhang rechts von Unter - Erthal vorgezogen, von wo aus dieselbe die feindliche Kolonne so wirksam beschoß, daß sie sehr bald auf Hammelburg auswich. Aus einer Aufstellung jenseits des Thulbabaches erwiderten zwei bayerische gezogene Geschüße das Feuer, schlossen sich dann aber dem Küczuge an.

Erst hinter der Saalbrücke westlich Fuchsstadt sammelten sich die hier vorgeschobenen Abtheilungen, das 1. Jäger- Bataillon, zwei Eskadrons Ulanen und die erwähnten Geschüße. Sie gelangten im ferneren Verlaufe des Gefechts nicht mehr zur Verwendung.

General v. Schachtmeyer war dem weichenden Feinde mit der Avantgarde gefolgt. In Unter - Erthal ließ er das 1. Bataillon Füsilier - Regiments Nr. 39 mit dem Befehl zurück, dies Dorf so lange besetzt zu behalten, bis das Gros heran sei.

Die Thulbabrücke unterhalb des Dorfs war durch einen Verbau gesperrt; jenseits desselben zeigten sich feindliche Schüßen. Die 7. Kompagnie überkletterte dies Hinderniß und engagirte ein Schügengefecht. Der Verhau wurde aufgeräumt, die übrigen Kompagnien des Bataillons folgten und das 3. Bataillon rückte als Reserve nach. Die nördlich von Hammelburg zwischen dem Thulba- und dem Rechbach gelegenen Berge wurden von feindlichen Schüßen gesäubert und die Avantgarden - Batterie nahm Position westlich der Chaussee, etwa 1600 Schritt vom nördlichen Ausgange von Hammelburg. Dort ers öffnete sie auf ein im Thalgrunde unmittelbar nördlich des Orts stehendes Kavallerie-Regiment und eine Abtheilung Infanterie ein so wohlgezieltes Feuer, daß diese sehr bald durch Þammelburg zurückgingen.

Auch ein anderes im Saalthal weiter abwärts nach Dibbach zu stehendes Kavallerie-Regiment wurde durch zwei in die rechte Flanke detachirte Geschütze zum Abzug veranlaßt. Die AvantgardenEsfadron versuchte dem abziehenden Feind zu folgen, mußte aber wegen Unpassirbarkeit des Thulbabaches davon abstehen.

Inzwischen hatte eine auf den Berg-Abhängen südöstlich Saalec in zwei getrennten Hälften günstig placirte gezogene Batterie ihr Feuer auf die preußische Artillerie eröffnet. Batterie Schmidts nahm dasselbe auf, man beschoß sich eine Zeitlang lebhaft, jedoch bei der Entfernung von 3000 Schritt gegenseitig ohne irgend welchen Erfolg.

Obgleich der Feind bisher nur wenig Truppen gezeigt hatte, war es doch bei der Beschaffenheit des Terrains möglich, daß be deutende Streitkräfte in völlig verdeckter Aufstellung in Bereitschaft standen. Vorsicht schien geboten und der auf dem Gefechtsfelde anwesende General d. Faldenstein befahl dem General v. Beyer, vorläufig nur ein hinhaltendes Feuergefecht in der Front zu führen, unterdeß sein Gros und die Reserve heran zu ziehen und gedeckt aufmarjdiren zu lassen. Zugleich schickte er an den General v. Goeben Nachricht von dem bisherigen Verlauf des Zusammentreffens und den Befehl, sofern er nicht selbst engagirt sei, gegen die rechte Flanke des bei Hammelburg befindlichen Feindes zu wirken. Wir werden sehen, daß General v. Goeben um diese Zeit schon in heftigem Kampf bei . kissingen stand und daher der Weisung nicht nachkommen konnte.

Der Feind unterhielt von der Lisiere von Hammelburg und von den Höhen des Herolds - und Offenthaler - Berges ein lebhaftes Gewehrfeuer; dasselbe wurde auf 4 und 600 Schritt von den vier Kompagnien des 2. Bataillons und der 9. und 12. Rompagnie des Füfilier-Regiments Nr. 39 erwidert, welche in Weinbergen und Chausseegräben nothdürftige Deding gefunden hatten. Ihnen schlossen sich

später auf dem äußersten linken Flügel noch Truppen des Gros der Division an. Die 10. und 11. Kompagnie standen als Soutien östlich, das unterdeß herangekommene 1. Bataillon westlich der Chaussee. Bei diesem Feuergefecht wurde General v. Schachtmeyer, welchem bereits ein Pferd unter dem Leibe erschossen war, in der rechten Hand verwundet und durch mehrere Kugeln fontusionirt.

Wurde so auf dem preußischen linken Flügel der Kampf nur durch Tirailleure geführt, so häuften sich auf dem rechten die Zahl der Batterien, ohne ein erhebliches Resultat zu erzielen. Dort traf neben der Batterie Schmidts eine aus dem Gros vorgezogene 12 pfünder Batterie ein, während von einer Stellung östlich der Chaussee eine andere 12 pfündige Batterie Hammelburg beschoß. Die Bayern hatten gleichfalls ihre gezogene Batterie durch eine halbe 12 pfündige reitende verstärkt, welche unmittelbar östlich vom Klofter Saaled Stellung nahm.

Ein Theil der bayerischen Geschüße befämpfte die preußische Artillerie, ein anderer feuerte über sie hinweg auf das jeßt in der Thalschlucht im Aufmarsch begriffene Groß und die über die ThulbaBrücke defilirende Reserve der Division, beides jedoch ohne sonderlichen Erfolg.

Auf dem äußersten rechten Flügel der preußischen Artillerie kamen im letzten Augenblick des Gefechts noch die beiden 12 pfündigen Batterien der Reserve in Thätigkeit.

Nachdem das Gros aufmarschirt war und mittlerweile auch die Reserve den Thulba-Bach überschritten hatte, hielt General 6. Fal: denstein den Augenblick für gekommen, um zum Angriff überzu· gehen.

General v. Glümer wurde, um nußlose Verluste zu ersparen, mit dem Gros über den Rechbach gegen den Offenthaler-Berg in die rechte Flanke des Feindes dirigirt. Die Höhe war nur durch ein Bataillon besett, welches sich vor der Ueberlegenheit des Angriffs sofort zurückzog. Diesen Moment bemußte die Avantgarde, ging ges gen die von der Batterie Hoffbauer beschossene Lisiere von Hammelburg zum Sturm vor und nahm sie im ersten Anlauf. Der Feind

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