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Aber ichon war zehn Meilen unterhalb Olmüş der Punkt Göding vom Gegner beseßt.

In breiterer Front, mit größerer Schnelligkeit marschirend, ist Prinz Friedrich Karl bereits am 12. in Brünn und vertreibt am 16. die Brigade Mondl von Lundenburg.

Jegt waren Eisenbahn und Straßen im Marchthal gesperrt und fünf österreichische Korps auf den Umweg über das Gebirge und längs der Waag verwiesen. Trafen sie dann auf ihrem Zuige nach Wien Breßburg vom Gegner besetzt, jo bot sich fein näherer Lebergang über die Donant als Komorn.

Bei äußerster Beschleunigung ihres Marsches steigen die österreichischen Kolonnen am 18. in das Waagthal hinab. Die nächste, das II. Korps, steht bei Neustadt( noch 12 Meilen von Preßburg entfernt, während an eben diesem Tage die preußische 8. Division bei St. Johann bis auf sechs Meilen an diesen wichtigen Punkt beranrücft.

Noch am 21. sind zu seiner Behauptung nur zwei Brigaden verfügbar. In der Nacht und im Laufe des folgenden Tages gelingt es der Thätigkeit des Feldmarschall - Lieutenant Grafen Thun, mit Zuhülfenahme von Landfuhrwerk und Pferde-Eisenbahn, sein ganzes Korps heranzubringen, aber nach dem Gang, den das Gefecht von Blumenau genommen, ist es nicht zu bezweifeln, daß die Preußen in Besit von Preßburg gelangt wären, wenn der Eintritt der Waffenruhe den Kampf nicht unterbrach.

Die preußischen Heeres - Abtheilungen, welche am 22. Juni von Dresden, Görlitz und Frankenstein aufgebrochen waren, standen am 22. Juli vor Wien und Preßburg. Sie hatten in dreißig Tagen funfzig Meilen in der Richtung der Hauptoperation zurücgelegt.

Wesentlich innerhalb der acht Tage, in welchen die HauptGefechte sich zusammendrängen, waren 200 Geschüße, 11 Fahnen und Standarten genommen, 39,800 Gefangene gemacht worden. Nach alen Verlusten, nach Detachirung vor den feindlichen Festungen und Sicherung der rückwärtigen Verbindungen, trafen von 254,000 noch 184,000 Mann, also 3/4 der ursprünglichen Stärke, an der Donau ein.

Durch Heranziehung der noch in Anmarsch begriffenen Echelons konnte diese Zahl in kürzester Frist wieder auf über 200,000 gebracht werden. Belagerungs-Geschütz und Brücken-Material waren augreichend vorhanden, und bei dem Geiste, welcher die Truppen nach ununterbrochenen Erfolgen beseelte, stand man in Begriff, die Operationen auch jenseit der Donau auszudehnen, als es der französischen Vermittelung gelang, eine Basis für den Frieden aufzufinden.

Die bereits vorbereiteten Marsch - Befehle zu erneuerter Konzentration ergingen fonach nicht mehr an die Armee-Kommandos, und mit dem Präliminar - Vertrage wurde zugleich am 26. Juli die folgende Militair - Konvention geschlossen:

„Die Unterzeichneten, der königlich preußische General der Infanterie Freiherr v. Moltfe und der k. k. Feldzeugmeister Graf Degenfeld, nachdem sie von Seiner Majestät dem König von Preußen und Seiner Majestät dem Kaiser von Desterreich dazu bevollmächtigt worden sind, und ihre Voúmachten gegenseitig in Ordnung befunden haben, schließen einen Waffen-Stillstand unter nachstehenden Bedingungen:

Nachdem heute die Unterzeichnung der Friedens - Präliminarien stattgefunden hat, hören die Feindseligkeiten zwischen den königlich preußischen Truppen einerseits, den f. f. österreichischen und königlich sächsischen Truppen andererseits niummehr auf und tritt am 2. August ein vierwöchentlicher Waffen-Stillstand ein. Während desselben gelten folgende Bestimmungen:

g. 1. Während des Waffenstillstandes behalten die königlich preußischen Truppen einen Rayon, der westlich von einer Linie Eger-Pilsen-Tabor-Neuhaus-Blabing8-Znaym begrenzt wird, die vorgenannten Ortschaften mit einbegriffen, südlich inacht die Thaya bis zu ihrem Einfluß in die March, östlich der lettgenannte Fluß aufwärts big Napagedl, und von hier eine gerade Linie nach Oderberg die Grenze.

§. 2. Um die Festung Olmit bleibt ein 2 meiliger, um die Festungen Josephstadt, Königgräk, Theresienstadt ein 1 meiliger Umkreis von der Belegung preußischerseits ausgeschlofsen; und können die gedachten Festungen aus diesen Rayons ihre Verpflegung beziehen. Die Festung Olmüş erhält durch den preußischen Rayon eine Etappenstraße über Weißkirchen nach Meseritsch, welche preußischerseits nicht belegt wer: den fou.

§. 3. Zur Erreichung des im §. 1 festgesekten Rayons aus ihren jevigen Aufstellungen, stehen den preußischen Truppen auch die Etappenstraßen einerseits über Meißau-Scheiteldorf-Wittingau nach Tabor, andererseits über Malaczka-Skalitz nach Napagedl mit einem Belegungs - Rayon im Umfreis von 2 Meilen an denselben zur Verfügung.

§. 4. Innerhalb des den preußischen Truppen gemäß $. 1 überlassenen Rayons steht denselben während der Dauer des Waffenstillstandes die ungehinderte Benuşung sämmtlicher Land- und Wasserstraßen und Eisenbahnen zu und dürfen dieselben in ihrer Benußung durch die S. 2 genannten Festungen in keiner Weise gehindert werden. Ausgeschlossen hier: von bleibt während des Waffenstillstandes die Eisenbahnstrecke Prerau - Trübau, insoweit sie durch den Festungs-Rayon von Dlmüş führt

§. 5. Die k. f. österreichischen Truppen werden die am 22. d. Mts. verabredete Demarkations-Linie nicht eher über schreiten, als bis die Queue der föniglich preußischen Trupden die Thaya passirt hat.

Der betreffende Termin wird der k. k. Regierung alsbald mitgetheilt werden.

§. 6. Den Kranken und den zu deren Pflege in dem von den königlich preußischen Truppen zu räumenden Landestheil zurüdbleibenden Aerzten und Beamten verbleiben die innehabenden Räumlichkeiten. Außerdem werden ihnen österreichischer Seits die Unterstützung der Behörden, Verpflegung und

Transportmittel gewährt. Shrein Rücktransport in die Heiinath, auf welchen preußischer Seits baldmöglichst Bedacht genoinmen werden soll, dürfen weder während, noch nach dem Waffenstilstand Hindernisse in den Weg gelegt werden.

§. 7. Die Verpflegung der föniglich preußischen Truppen geschieht Seitens der von ihnen belegten Landestheile. GeldRontributionen werden preußischer Seits nicht erhobeu.

8. 8. Das t. t. Staats-Eigenthum, k. . Magazine und Vorräthe, insoweit dieselben nicht schon vor Eintritt des Waffenstillstandes in Besitz genommen waren, sollen preußischer Seits nicht mit Beschlag belegt werden.

S. 9. Die k. k. Regierung wird dafür Sorge tragen, daß ihre Civil-Beamten sich baldigst auf ihre Posten zurüdbegeben, um bei der Verpflegung der preußischen Armee mitzuwirken.

In der Zwischenzeit vom 27. Juli bis 2. August werden sich die österreichisch - fächsischen Truppen von der unterm 22. . Mts. verabredeten Demarkations-Linie, insoweit diefelbe auf dem linken Donau-Ufer liegt, überall auf 1/2 Meile entfernt halten, wogegen preußischer Seits feine Ueberschreitung der vorerwähnten Demarkations-Linie stattfinden darf.

Nikolsburg, den 26. Juli 1866.

(gez.) Freiherr v. Moltke, (gez.) Graf Degenfeld, königl. preuß. General der Infanterie. k. k. Feldzeugmeister.

Bei Mittheilung dieser Konvention wurde mit Bezug auf den Schluß = Paragraphen darauf aufmerksam gemacht, daß möglicherweise doch aus Mißverständniß vereinzelte Zusammenstöße stattfinden könnten, und daher die Truppen sich bis auf Weiteres in durchaus friegsmäßiger Verfassung zu halten hätten.

Der Feldzug in West- Deutschland. Wir haben die kriegerischen Begebenheiten nachzutragen, welche sich im Westen Deutschlands entwickelten, während und meist nachdem im Osten bereits die großen Entscheidungen gefallen waren.

Bekanntlich hatte man in Frankfurt den Beschluß zu Stande gebracht, vier Bundes - Rorps, das VII., VIII., IX, und X. zur Erekution gegen Preußen mobil zu machen. Hiervon gelangten indeß nur die beiden ersten wirklich zur Aufstellung, welche demnächst als deutsche Bundes - Armee gegen den deutschen Bundesstaat Preußen in den Kampf geführt wurden.

Das VII. Korps bestand aus der bayerischen Armee, das VIII. aus den württembergischen, badischen und Hessen-darmstädtischen Kontingenten, zu welchen noch eine aus den Besaßungs - Truppen der Bundes- Festungen gebildete österreichische Brigade und das zum IX. Bundes - Korps gehörige nassauische Kontingent stießen.

Auch die furhessischen Truppen sollten hinzutreten; da sie indeß ohne Kriegs - Ausrüstung und also nicht schlagfertig waren, so wurden sie zur Verstärkung der Besagung von Mainz verwandt, und nur zwei Eskadrons als Divisions - Ravallerie dem VIII. Rorps überwiesen.

Von den Kontingenten des X. Bundes - Korps und der ReserveDivision waren Weimar, Meiningen, Schaumburg-Lippe und Reuß als Ablösung der preußischen und Österreichischen Truppen nach den Bundes - Festungen gerüđt, Braunschweig blieb einstweilen neutral, alle Uebrigen schlossen sich Breußen an.

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